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Full text of "Beitrage zur physiologischen und pathologischen Chemie und Mikroskopie in ihrer Anwendung auf ..."

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II Vorrede. 

logischer Objekte die Rede ist, stets kurze, aber verständ- 
liche und genaue Beschreibungen der eingeschlagenen 
zweckmässigsten Methoden beigegeben werden, von wel- 
chen die Beurtheilung über die Giltigkeit der erhal- 
tenen Resultate abhängig ist und durch welche der 
Leser in den Stand gesetzt wird gleiche Untersuchungen 
anzustellen. 

Jedes Heft wird Mittheilungen über pathologisch- 
chemische und mikroskopische Uptersucbmigen aus den 
hiesigen Kliniken und besonders aus der des Hrn. Geh.- 
Rth. Schönlein, in welcher der Herausgeber selbst die 
vorkonunendea Untersuchungen leitet, so wie endlich 
auch aus der Privatpraxis enthalten, und aus (hesen Mit- 
theilungeo wird der Leser die Art und Weise, wie man 
am Krankenb^te die Chemie und das Mikroskop be^ 
nützen kann, am besten erkennen, und der klinische Lehr 
T^ zugleich den Weg ^Kcken, auf welchem man dem 
sich biUenden jungen Arzte die Wicfatigkät der neuereo 
diagnoati6chen Hil£miittel klar vor Augen führt. Die 
Theilnafame, welche diese Beitrage im medtzinisctoi 
Publikum fioden werden t wird gewiss nicht geruig 



Vorrede. m 

sein 9 da der Zweck, wdcher erreicht werden soU, ein 
anerkannt guter ist« da die neu^e Bichtmig in der Me*^ 
dizin, welche zu fördera diese Beilrige sich bemiäien 
werden, eine so nothwendige, eine so dringend geforderte 
ist, dass jeder Versuch sie zurück zu halten ein vergeb- 
licher genannt werden muss. 

Aar die Bitte der Redaktion um Unterstützung von 
Seiten deutsdier Forscher haben bereits Viele ihre Mit- 
wirkung versprochen und Andere werden sich dem Un- 
ternehmen gewiss noch ansdiUessen, so dass von dieser 
Seite aus es als gesichert angesehen werden kann. 

Es war nrsprünglidi db Absicht des Redakteurs 
diese Zeitschrift als Jonmal «i bestimmten Terminen her- 
auszugeben. Eine unerwartete Verzögerung der hierzn 
nothigen Concession von Seiten der Regierung, um 
deren ErÜieilung Anfangs Oktober 1842 eingekommen 
war, und die erst Anfangs Februar erfolgte, veran- 
lasste den Herausgeber in Uebereinstimmung mit der V6r- 
lagsbandlung den Plan dahin umzuändern, dass, statt des 
Journals, Beiträge in zwangslosen Heften erscheinen, 
und der Jahrgang 40 Bogen umfassen soll. 



IV Vorrede. 

Für die Besitzer meines Handbuchs d^ angewand- 
ten medizinischen Chemie werden diese Beitrage eine 
willkommene Ergänzung bilden. 

Berlin, im Februar 1843. 



Der Herausgeber 
Dr. Franz Simon. 



(Der Herausgeber ersucht die Herren Verfasser von 
mediz.-chemischen und mediz.-mikroskop. Wer- 
ken um gelSDige Einsendung eines Exemplars zur Be- 
sprechung in diesen Beitragen.) 



Klnleitnngr. 



lieber die VenniUelong der Chemie mit der 

praktischen mediziB. 



JDie Medizin ist eine sehr alte Wissenschaft, zu deren Ent- 
-Wickelung und Ausbilduog mehr denn 20QO Jahre die Er- 
fabruDgen hergegeben haben. Bis in die neueste Zeit ge- 
schah diese Entwickelung naturgemäss von innen heraus 
und wenn auch dann und wann in diese Lehre, die sich 
mit Natui^egenständen beschäftigt, die eigentlichen Natur- 
wissenschaften einzelne Zweige als Hilfsdoktrinen hineinsen- 
den wollten, so wurden diese doch, nach kürzerem oder 
längerem Kampfe, als etwas Fremdes wieder ausgeschieden. 

Erst in den letzten Decennien haben wieder Männer, 
welche nicht nur in die Medizin, sondern in die Naturwis« 
senschaft üefe Blicke, gethan hatten, von Neuem begonnen, 
aus dem ewig reichen Born der letzteren die Mittel zu schöp- 
fen, durch welche von einer andern Seite her der Fort- 
schritt und die Entwickelung der Medizin auf eine mächti- 
gere Weise gefördert wr erden sollte, als dies durch die 
Jbiosse Empirie geschehen kann, und selbst unabhängig von 
der Medizin bildeten sich diese Hilfsdoktrinen aus als ein 
Zeichen, wie in den nothwendigen, durch die Physiologie so 
mächtig geförderten Fortschritten der Medizin diese ein 
wahrhaftes Postulat werden uiiussten. 

Aber viele von den Jüngern der allen ergrauten histo- 
rischen Medizin sehen dieser jugendlichen und frischen Be- 
wegung mit Unwillen und Indignation zu; sie missbilligen 

Simon, Beiträge I. 4 . #j[ 



2 Einleitung. 

es, die InfaUibililät der Greisin zu beeweifeln, an \velcher 
seit SQ vielen Seculis der Glaube und die Zuversicht sich 
erstarkten, ein Vertrauen zu erschüttern, das eben so fest 
bei dem in verba magistri schwörenden Arzte als beim Pu- 
blikum begründet war und zu dem ^ so schon mühseligen 
Fache noch die Mühseligkeit der Erwerbung neuer Kennt- 
nisse und Studien zu fügen. Es war das besonders denen, 
die, wenn sie in das praktische Leben traten, nichts mehr 
zu lernen hatten und die mit dem Recepttaschenbuche in 
der Hand siegreich die Krankheit bekämpften, es war de- 
nen, die eine Profanirung ihres AUerheiligsten ii) dem Zu- 
wachs der Medizin durch jegliche naturhistorische Eorschung 
erblickten, ein wahrer Gräuel. Und wozu auch das Studium 
der Physiologie, so rufen sie aus, wozu pathologische Ana- 
tomie, medizinische Physik, Mikroskopie und pathologische 
Chemie I haben die Aerzte nicht geheilt, als diese medizini- 
schen Hilf^Swissenschaflen noch gar nicht gekannt . waren ? 
Glücklicher Weise denken nicht Viele -so, und die so den- 
ken, werden die Entwicklung der Wissenschaft nicht hem- 
men, die eine noihwendige und deshalb unaufhaltsame ist. 

Allein eine jede der genannten Hilfswissenschaften, die 
nicht als Produkt der rein empirischen Medizin entstanden 
sondern sich vielmehr ausserhalb derselben bildeten und 
erst, wenigstens zum Theil, mit Zwang der alten empiri- 
schen Medizin einverleibt werden mussten, bedarf der Ver- 
mittelung, um eben in der Medizin lebendig zu werden. 
Diese Vermittlung wird entweder vom Staate dadurch be- 
wirkt, dass eine Hilfsdoktrin von ihm als nöthig anerkannt, 
den Studienwissenschaften der medizin. Jugend einverleibt 
wird; oder die Hilfswissenschaft zieht, sobald ihre noihwen- 
dige Verbindung mit der praktischen Medizin sich herausge- 
stellt hat, von selbst diejenigen Männer an, welche der 
Entwickelung und dem stetigen Fortschritt huldigen und sie, 
also die mehr dem Studienleben Entfernten, befreunden sich 
bald mit der Hilfswissenschaft. Diese letztere Vermittlung 
ist jedenfalts eine erfolgreichere als die erstere. 

Solche Vermittlung ist, was Physiologie, pathologische' 
Anatomie, medizinische Physik anbelrlfil^ in allen UnderD, 



Ueb. ci. Vermittlung d. Chemie mit d. prakt. Mediz. 3 

yvo der POrderung des wissenscbafUiehen Lebens jeder mög- 
liche Vorschub geleistet wird, durch Werke von ausgezeich- 
neten Männern, durch Journale und durch akademische 
Lehrstühle bereits bewirkt; sie auch für die medis. Chemie, 
für die mediz. Mikroskopie möglichst zu bewirken, soll die 
Hauptaufgabe dieses Jonmales sein. 

Das Unternehmen hat grosse Schwierigkeiten und wenn 
ich nicht überzeugt wäre, dass sich bald demselben Männer 
anschliessen werden, welche es als gut und seines Zweckes 
wegen jeder Theilnahme und Unterstützung werth anerken- 
nen, so würde ich diese schwierige Arbeit auszuführen kaum 
die Kraft haben. Zunächst muss natürlich alles, was aus 
dem Gebiete der Chemie und der mikroskopischen For- 
schung der praktischen Mediziif nahe tritt oder zu ihr Be- 
zug hat, hier einen gemeinschaftlichen Boden finden und 
zwar in solcher Bearbeitung, dass die Beziehungen zur Me- 
dizin in den Vbrdei^itmd gezogen werden uäd dass 4 
durch die DarslelluAgsweise dem Mediziner leicht fassiich 
und verständlich wird. Hier ist es denn besonders die pa- 
thologische Chemie und die damit verbundene Mikroskopie, 
deren Wichtigkeit dem Arzte am Krankenbette jeden Augen- 
blick vor Augen tritt, ohne welche seine Diagnose in vielen 
Fällen unvollständig, in manchen unmöglich ist und welche 
für Prognose, für Therapie die allerwichtigsten Anhaltpunkte 
giebt. Wie verschieden ist das Auftreten des Arztes am 
Krankenbette, der die Kenntnisse und Hilfsmittel besitzt, um 
sich augenblicklich von der physikalischen und chemischen 
QualUäi der Se- und Exkrete Bechenschaft zu geben, von 
dem Auftreten desjenigen Arztes, der gar keine Kenntniss 
davon besitzt. MU wie viel grösserer Sicherheit beurtheilt 
der Arzt die Krankheit und ihren Verlauf, wenn er in der 
richtigen Würdigung des physikalisch -chemischen Verhaltens 
des Blutes, der andei*n Se- und Exkretionen die Mittel be- 
sitzt, ihr Wesen klarer zu erfassen und Veränderungen in 
der Krankheit mit Veränderungen in den Sekretionen in 
richtigen Zusammenhang zu bringen. Ihm ist die Reaction 
des Harnes und Schweisses, die Qualität des Blutkuchens, 
der Sputa, die Form der Harnsedimente und ihre chemische 

1* 



4 Einleitung. 

Mischung von der grössten Wichtigkeit. Da nun die Chemie 
in ihrer Anwendung zur Pathologie jedem Arzte, der An- 
sprüche auf rationelle Bildung machen will, nothwendig und 
ein wesentliches Hilfsmittel ist, so soll sie in diesem Jour- 
nale vorzugsweise berücksichtigt werden, nicht allem, so- 
weit sie die richtige Beurtheüimg qualitativer Veränderun- 
gen zum Zweck hat, sondern auch zur Ermittlung der quan- 
titativen Mischung y besonders um die Abweichung von der 
normalen Mischung mit grösserer Sicherheit fest zu stellen, 
führt. 

Die pathologische Chemie ist indessen in einem so na- 
hen, nothwendigen und natürlichen Connex mit der physio- 
logischen Chemie,, dass diese unmöglich übersehen werden 
darf. Die« Lehre von der ^lementarzusammensetzung thie- 
rischer Gebilde, von ihrer Metamorphose, sowohl ausserhalb 
als innerhalb Jes Organismus, von der Ernährung und ttber- 
liaupt von 'den normalen Lebenserscheinungen, soweit diese 
durch Chemie und Physik begriffen \ind erklärt werden 
können, ist ein Gegenstand des Forschens, welcher für den 
denkenden Arzt, besonders aber für den Physiologen, ein 
hohes Interesse in Anspruch nehmen muss. Da überdies 
pathologische Veränderungen thierischer Gewebe oder Flüs- 
sigkeiten nur richtig gewürdigt werden können, wenn man 
ihr physikalisches und chemisches Verhallen im Normalzu- 
stande genau kennt, so ergiebt sich hieraus, dass die paUio- 
logische Chemie durchaus nicht ausser Zusammenhang mit 
der physiologischen Chemie gebracht werden darf. Es wird 
somit auch diese in dem Journale ihre nöthige Beachtung 
finden. 

In dem Gebiete der gerichtlichen Medizin nimmt die 
Chemie, als gerichtliche Chemie, einen nicht geringen Raum 
ein. Die Kenntniss von. den Eigenschaften der Gifte, von 
ihrem Uebergang in den Organismus, von ihrer Ermittelung 
ist dem Gerichtsarzte durchaus unerlässlich , wenn er nicht 
anders mit seinem Urtheile sich in die Hände anderer Per- 
sonen überliefern will, welche weniger als er verantwort- 
lich sind. Die gerichtliche Chemie soll in diesem Journale 
ihrem ganzen Umfange nach bearbeitet werden. 



Ueb. d. Vermittlung d. Chemie mit d. prakt Mediz. 6 

f ■ Aber auch im Gebiete der Materia medioa ist die Cbemie 
ein wesentlicher Haupizweig; bei der Darstellung der Medi- 
kamente, bei der Art und Weise, wie sie zur Anwendung körn- 
igen, bei ihrer Wirkungsweise, ist es die Chemie, welche die 
Anleitung giebt und welche schwierige und wichtige Fragen 
zu beantworten im Stande ist Es ist (Vir den Arzt und 
Pharmazeuten eine gleich grosse Nothwendigkeit^ von dem 
Auftauchen neuer Arzneimittel in Kenntniss gesetzt zu wer- 
den und Mittheilungen sowohl Über ihre Bereitungsweiae, 
als auch über die zweckmMssigste Form, in welcher sie ge- 
geben werden, zu erhalten; besonders in den Provinzen be- 
gegnet es dem praktischen Arzte gar nicht selten, dass er 
ein in Journalen gerühmtes neues Arzneimittel aUein aus 
dem Grunde nicht in Anwendung bringen kann, weil dem 
Pharmazeuten die Vorschrift zur Darstellung fehlt, oder weU 
man ilberbaupt nicht die Quelle ermittehi iami, ans weleber 
das Mittel herbefzuschaflTen ist Ist aber das Arznelnuttei 
wirklich herbeigesdäifll, so ist noch die Wahl der Form, in 
weicher man es am zweckmässigsten reicht, damit es un- 
verifindert zur Wirksamkeit kommt und diese mdgliehat eot« 
wickeln kann, nicht selten iür den Arzt mit Schwierigkeil 
verbunden, da so oft von der zweokmifasigen Form «od 
Verbindung des Arzneimittels zum grossen Theii seine Wirk* 
samkeit abhängt. Für den praktischen Arzt sind die hier 
in Bezug zur Materia medica angeführten Punkte von sol- 
chem Belang, dass man Angaben über zweckmässige Ver- 
ordnung der Arzneimittel ein wahres Bedttrfniss nennen 
musft*, man denke dabei nicht an Receptformeln, wie sie zq 
Tausenden in Recepitaschenbüohem stehen, die eben so we- 
nig ihren Verfassern Ehre maofaen, als den urtheil* und ge* 
dankeniosen Praktikern, die daraus abschreiben, sondern 
an gewisse für allgemeine oder specielle Fälle passende 
Regeln. 

Der wichtigste Theil der Materia medica, wenigstens 
für den denkenden Arzt der wichtigste, welcher sich mit 
der Wirkung der Arzneimittel beschäftigt, kann auch mit 
Erfolg und gründlich nur durch die Gliemio zu einer gewis- 
sen Entwickelung und Ausbildung gelangen. Geht man von 



5 EinleitaDg. 

der Ansicbt aus, dass Materie auf Materie im Organismus 
nur chemisch wirken kann, so liegt es sehr nahe, dass man 
auch solche Wirkungen durch die Chemie wird im Stande 
sein zu' erkennen; wie weit der jetzige Stand unserer Kennt- 
nisse uns darin führen kann, ist noch nicht zu ermitteln, 
denn die Arbeiten über diesen Gegenstand haben erst begon- 
nen ; d^moch haben die Untersuchungen C.G.Mitscherlich's, 
Orfila's,Magendie's über den Uebergang gewisser Stofife, 
die Beobachtungen und Untersuchungen vieler Anderer über 
ihre Wirkung schon so viel Licht auf den Gegenstand ge- 
worfen, dass man mit vereinten Kräften dahin arbeiten 
sollte, ihn immer mehr und mehr zur Kenntniss zu bringen: 
Es ist ein in der Geschichte menschlicher Forschungen wirk- 
lich merkwürdiger Fall, dass man seit 2000 Jahren und län« 
ger Arzneimittel gebraucht und erst jetzt von der Art ihrer 
Wirkungen sich Rechenschaft giebt; man hat, wie es leider 
so oft in der Wissenschaft geschieht, mit einem . einzigen 
Wort, hier war es das Wort dynamisch, auf eine nur allzu 
lange Zeit die Aufforderung zu genaueren Untersuchungen 
hinausgesohoben; gleichwohl wusste man schon längst, dass 
unldsliohe Stoffe im chytopoStischen Systeme gelöst werden, 
man wusste, dass das Galomei durch das Pfortadersystem 
in die Leber übergeht, man wusste sohon früher, dass die Blau- 
säure sich im Gehirne nach ganz kurzer Zeit vorfindet, dass 
überhaupt alle Arzneimittel, eben weil sie ins Blut übergehen, 
auch mit allen Organen, mit dem Gehira und Nerven in ganz 
innige Berührung und Wechselwirkung treten müssen. Für 
die Redaktion wird es eine dringende Aufgabe sein. Allem, 
was zur chemischen Pharmakodynamik g^iört, in diesem 
Journale einen Platz anzuweisen. 

Aus diesen hier kurz entwickelten Beziehungen der 
Chemie zur Medizin ergiebt sich, dass Beiträge für prakt. med. 
Chemie, welche die Vermittlung beider Wissenschaften erstre- 
ben, sich Über folgende einzelne Branchen verbreiten müssen. 

1) Physiologische Ghemiei , , .^ _.., , . 

2) Pathologische Chemie ) ^'^^bundea mit Mikroskopie. 

3) Gerichtliche Chemie. 

4) Pharmacodynamik. 



Ueb; d. Vermittlung d. Chemie mit d. prakt. Hediz. 7 

5) Materia medioa im engeren Sinne des Wortes. 

6) Formulare. 

Die VermiUlung der Chemie mit der Medizin \9lrd aber 
nur dann eine wahrhaft lebendige und erfolgreiche sein, 
iwenn das äntUch^ Publikum nicht nur die Data, welche die 
Chemie liefert, als eine Bereicherung der theoretischen Me- 
dizin aufnimmt, sondern als eine der praktischen Medizin, 
als einen nützlichen Zuwachs von in der Praxis anwendbaren 
Thatsachen, wie ja die mediz. Physik in der Auskultation 
und Percussion auch solche Thatsachen geliefert hat, welche 
von jedem wissenschaftUchen Arzt jetzt eifrig und mit gros- 
sem Erfolge in der Praxis angewendet werden. Die mediz. 
Chemie, und besonders die pathologische, muss von dem 
Arzt tur grösseren Sicherstellung seiner Diagnosen, zur feste* 
ren und rationeUeren Begründung seiner Therapeutik prak- 
tisch angewendet werden. 

Der allgemeine fimwurf gegen diese Invasion einer 
neuen Hillsdoktrin ist die grosse Beschäftigang vieler prak* 
tischen Aerzte and die so grosse Ueberhäufung der mediz. 
Jagend mit schon fiüber als nothwendig aneii:annten Sto* 
dien, dass die üblichen drei Studienjahre auf vier ausge* 
dehnt werden mussten; allein schon jetet stellt es sich her- 
aus, dass derjenige, wdcher die Wichtigkeit und den' Nutzen 
einer neuen Hilfsdoktrin erkannt und im Stande ist, mit 
derselben sich vertraut zu machen, die geringe MlUie nicht 
scheut, welche die Erwerbung der nötbigen Kenntnisse und 
Fertigkeiten mit sich führt. Schon j^tzt hat die mediz. Che<- 
mie die Aufmerksamkeit an einigen Orten so erregt, dass 
man ihr von Selten höherer Lehranstalten jeden Vorschub 
Jeisfete, wie in Würzburg und .Göttingen, und auch an an- 
deren Orten wird daran gedacht, ihr an Kliniken und Uni- 
versitäten einen praktischen Wiricangskreis zu geben. . 

Wo anders soll und kann die pathologische Chemie ge- 
deihen, wenn nicht in der praktiselien Medizin selbst? Be- 
sitzt der Arzt einmal die Fähigkeit, Se- und Exkretionen, Blut, 
pathologische Produkte u. s. w. hiit Hilfe des Blikroskopes 
und einiger cheiniscber fteagentien auf die Qualität, auf Ver- 
änderungen, auf den Maogel nonimler oder auf die Gegen- 



8 Einlettung. 

wart fremder Stoffe zu prüfen , so wird er diese natürlich 
zunächst als Hilfsmittel in seiner Praxis anwenden, aber 
bald wird er durch Beobachtungen selbst zur weiteren Ent- 
wickehing der Wissenschaften beitragen. 



Was hat die chemisdie und physikalische Unte^ucbung 
thi^ischer Flässigkeiten und thierischer Gewebe bis jetzt 

der Medizin genützt? 

Ungläubige Gemülher — und gerade die, welche auf die 
Infallibüität der alten historischen Medizin geschworen haben, 
sind diese Ungläubigen — werden, bevor sie der neueren 
Richtung nur irgend eine Aufmerksamkeit widmen, sie ver- 
dammen, oder doch fragen, was hat sie denn bereits der 
Medizin genützt Diese Frage ist fUr die medizinische Che- 
mie nicht ungünstig, denn wer die Geschichte der Medizin, 
besonders der neueren, genau verfolgte, wird gefunden ha- 
ben, wie sich schon früher hier und da ein natarhistorisches 
und chemisches Moment nach dem andern ganz unmerklich 
der praktischen Medizin beimischte. Zwar halte zur Zeit 
eines Boerhaave bereits die Chemie in der Medizin ihr gu- 
tes Recht geltend machen wollen, aber es geschah zch ein- 
seitig und das Recht, mit der sie auftrat, war zu wenig be- 
gründet; in der neueren Zeit dagegen beargwöhnt und zu- 
rückgedrängt, hat sie sich dennoch awar langsam, aber um 
80 sicherer ihren Weg gebahnt. 

Jedenfalls wird es für den Zweck des Journals nützlich 
sein, wenn di« bis jetzt gekannten Momente, welche die 
physikalische, mikroskopische und chemische Untersuchung 
der tbierischen^ flüssigen und soh'den Materien zur Erken- 
nung der Krankheiten oder, besser,, zur Feststellung der 
Diagnosen, mithin zur Benutzung am Krankenbett, der prak- 
tischen Medizin überhaupt geliefert hat, in einem kurzen 
Abriss zusammengestellt werden. *) 



*) In dieser kurzen Darstellung sehe ich von gewissen Fra- 
gen ab, für welche, um sie zu lösen, die Chemie bereits bedeu- 



Ueb. d. Vermittlung d. Chemie mit d. praLt. Mediz.« 9 

Das Blut 

Die physikalische Hischung des Blutes ist uns schon seit 
Leuvenhoek^s Zeilen bekannt, die chemische wurde spä- 
ter erforscht. Dumas und Prevost machten die ersten ge- 
naueren chemischen Untersuchungen, besonders über die Mi- 
schung des Blutes. Lecannu gelang es, den Parbestoff des 
Bhites zuerst in einer Verbindung mit einer proteinartigen 
Materie, später vollständig zu isoliren. Denis stalte zahl- 
reiche Untersuchungen über die chemische Mischung des 
Blutes an, besonders über die relativen Verhältnisse, in de- 
nen sich darin die Blutkörperchen zu dem Fibrin, dem Albumhi) 
den Salzen und dem Fette befinden. Mulder hat gelehrt, 
dass das im Blute enthaltene Fibrin, Albumin und Globulin 
der Hauptmasse nach aus Protein bestehen, und mithin nur 
als geringe Modiflcationea einer und derselben organischen 
Materie angesehen werden müssen; in der letzten Zeit ha^ 
ben Andral, Gavarret und Simon die verschiedene Mi- 
schung des Blutes i^ Krankheiten studirt; diese chemischen 
Forschungen in Veii}indung mit einer richtigen Würdigung 
des physikaiiscben Verlmllens des Blutes unter verschiede« 
Den Iteiüständen sind für die Diagnose, ja selbst für Prognose 
und Therapie von Wichtigkeit geworden. Schon die alten 
Aerzte wussten aus der Art des Gednnens des Bhites, aus 
der BeschaflTenhät des Bhitkuchens und des Serums, Schlüsse 
auf den Krankheilsprozess zu ziehen, zu weldien sie allein 
durcAi die Erfahrung gelangt waren und deren Richtigkeit die 
fortgesetzten aufmerksamen Beobachtungen bestätigten; erst 

neuesten Forschungen lehrten diese Quahtätsyeränderun- 



tendes Material in einer grossen Reihe von Untersuchungen an- 
gesammelt bat; es beirefien dieselben die Ero'äbrung des thieri- 
schcn Organismus, die Metamorphose tbierischer Säfte und Ge- 
webe und die Eleipenlarzusammeosetzung der Bestandtheile des 
Ihierischen Organismus, gehören also ausschliesslich der physio- 
logischen Chemie an und werden an einem anderen Orte be- 
sprochen werden. 



10 Einleitung. 

gen genauer kennen und zeigten ihren Zusammenhang mit 
der verschiedenen chemischen Miscfaung des Blules, und diese 
Kenntniss von der verschiedenen chemischen Mischung des 
Bhites hat dann auch die wichtigsten Beiträge zur Zeichen- 
lehre aus dieser Flüssigkeii gegeben. 

Man scbliessl aus der Art des Gerinnens des Blu< 
tes, wenn dieses verlangs^ont, aber vollstftndig vor sich geh^ 
wobei dann das Blut eine höhere Temperatur als im Nor- 
malzustände hat, auf einen phlogistischen Prozess; aus einem 
unvollständigen Gerinnen, wobei es nicht zur Bildung eineg 
vollständigen Blutkuchens, höchstens zur Absoheidung gela- 
tinöser Flocken kommt, auf Mangel an Fibrin. Dieses deu* 
tel dann wieder auf einen hohen Grad von Schwäche und 
herabgesunkenes Blutleben; man bezeichnet diesen Zustand 
des ^Blutes wqhl als Dissolution, obgleich in den meisten 
Fällen diejenigen Theile., welche im lebenden Blute nicht 
gelöst, sondern nur aufgeschwemmt sind, die Blutkörperchen, 
durchaus in vollständiger Integrität darin beobachtet werden. 

Aus der Beschaffenheit des Blutkuchens sciiliesst 
man, wenn dieser gross und fest ist, auf eine grosse Menge 
Fibrin und zugleich auf einen phlogistischen Prozess, beson* 
ders dann, wenn das Serum klar und hellgelb und der 
Blutkuchen mit einer festen Grusta phlogistica bedeckt ist. 
Man darf aber aus einem grossen festen Blutkucben nicht 
auf eine grosse Menge Blutkörperchen schliessen, da in den 
allermeisten Fällen mit der Vermehrung des Fibrins eine 
Verminderung der Blutkörperchen Hand in Hand geht; es 
muss also ein grosser fester Blutkörper ausser den Blutkttr- 
perchen noch eine nicht unbedeutende Menge Blutserum 
einschltessen, wie denn die Grusta phlogistica selbst nur 
ein im geronnenen Fibrin eingeschlossenes Blutserum ist. 
Ein kleiner fester Blulkuchen deiftet auf Mangel an Blutkör- 
perchen bei zugleich vermindertem oder doch nicht vermehr- 
tem Fibrin, ein Zustand, wie man ihn in der Ghlorosis beob- 
achtet. Ein weicher, zerflicssender, gallertartiger Blutkuchen 
deutet auf grossen Mangel au Fibrin, wie man ihn bei her- 
abgesunkner Lebenskraft, z. B. im weit vorgerückten Sta- 
dium des Typhus, beobachtet. 



Ueb. d. VenniUlung d. Chemie mit d. pnict. Mediz. 11 

Aus dem Blutserum schliesst man, wenn dieses sehr 
dunkel gefärbt ist, auf gelöstes Blutroth oder auf Gegenwart 
von Gallenfaitiestoff (BiliphaeYn); das erstere ist gewöhnlich 
der Fall, wenn im Blute ein Uebersohuss von Wasser, ein 
Ueberschuss oder Mangel an Salzen enthalten ist; meisten- 
Iheils ist hierbei aueh die Menge des Fibrins ausse^rdenClich 
vermindert, und es kommt nur zu einer unvollständigen Bil- 
dung des Blulkuchens; solche Beschaffenheit des Blutes 
beobachtet man in der Hydraemie, im Scorbut und einigen Ar- 
ten des bösartigen Typhus ; auch vom Gallenfarbestoff kann 
das Blutserum blutroth gefärbt sein, und giebt dann, mit 
Salpetersäure versetzt, die bekannten Farbeveränderungen. 
Bei der Gegenwart von Gallenfarbestoff im Bluiserum kann 
sich ein grosser fester Blulkuchen mit intensiv gefärbter 
Cmsta pUogistica Ulden, was auf einen entzündlichen Zu- 
stand scUiessen lässt, oder es kann das Bhit nur unvollstän- 
dig gennnen, wie im Typhus icterodes. Immer lässt die 
Gegenwart von Gallenfarbestoff im Blutserum auf Mitleiden 
des Lebersystems schliessen. Ein weissliches, trübes oder 
milchlarbiges Serum zeigt sich, wenn Fett, Eiter oder ein in 
sehr Ueinen nur mit dem Mikroskop wahrnehmbaren Kernchen 
präcipitirtes Fibrin darin aufgeschwemmt ist Das Mikroskop 
zeigt, welcher von diesen Stoffen im Bluiserum sich befin- 
det: beim Fett sieht man Fettkügelchen^ beim Eiter Eiter- 
körperchen, beim Fibrin zahllose kleine Kügelchen oder 
Pünktchen, die nicht durdi Zusatz von Aether, nicht durch 
Zusatz von Essigsäure verschwinden, sich aus dem mit 
Wasser verdienten Serum absetzen und mit Wasser ausge- 
waschen werden können. Gegenwart von Fett im Blutse- 
rum deutet nicht selten auf eine organische Veränderung 
im cbyfopo^tischeu Systeme, vorsugsweise in der Leber, wie 
Leber-Scirrhose; Eiter im Blutserum deutet auf Eiterung in 
Blutgefiissen, Phlebitis, oder auf die Gegenwart von Biter- 
depols in den grossen zu Blutumwapdlung oder Blutberei- 
tung dienenden Organen; höchst fein zertheiltes im Blutse- 
rum aufgeschwemmtes ^Fibrin ist nur äusserst selten beob- 
aciiiet worden; ich fand es einmal im Blute eines an der 



12 EiiüeiUing. 

Brightscheu NiereudegeneraUon Iddeaden Mannes (Simon 's 
mediz. Chemie, Bd IL p. 220.) 

Aber auch die Form der Blutkörperchen in den 
Kreis der Beobachtungen za ziehen ist von Wichtigkeit; 
zwar scheint dieselbe nur in sehr wenigen Fällen we< 
sentlich verändert, doch stimmen darin mehrere Beob- 
achter Überein, dass bei heftigen Typhen, wo sich im 
Blute Ammoniak bildet, durch dieses die Blutkörperchen 
alienirt werden, dass ihre Kontouren unregelmässig zerris- 
sen, zerlappt erscheinen. 

Die chemische Untersuchung des Blutes liefert die wich- 
tigsten Anbaitepunkte tUr Feststellung der Diagnose; es ist 
«inleuchtend, dass die richtige Würdigimg der bisher ange- 
ftlhrten Zeichen aus dem physikalischen Verhalten des Blu- 
tes erst durch die chemische Untersuchung erlangt wurde; 
sie giebt uns den einzig wahren Aufschluss über die Quali- 
tät und Mischungsveränderung dieser Flüssigkeit; sie hat 
uns gelehrt, dass in den Entzündungen Fibnn und Fett ver- 
mehrt, die Blutkörperchen vermindert sind) dass in der 
Ghlorosis die Blutkörperchen bisweilen ausserordentlich ver- 
mindert, das Fibrin aber gewöhnlich in normaler Menge er- 
scheint, dass in den Typhen die unvollständige Gerinnung 
des Blutes einem Mangel an Faserstoff zuzuschreiben sei^ 
dass in dem Seescorbut ein Uebermass von Salzen zugegen 
ist; die chemische Untersuchung ist es also, welche uns 
jene schon von den Alten gekannten und im Bezug zum 
Heilverfahren richtig gewürdigten physikalischen Zeichen aus 
dem Blute zur eigentlichen klaren Anschauung bringjL Die 
Erfahrung und die chemische Untersuchung haben gelehrt, 
dass bei einer vermehrten Wechselwirkung zwischen Blut 
und Sauerstoff das Fibrin vermehrt, die Blutkörperchen ver- 
mindert werden, dass bei gehinderter Wechselwirkung die 
Menge des Fibrins vermindert wird. Erfahrungen scheinen 
auch dafür zu sprechen, dass ein fibrinreicheres Blut den 
Impuls des Herzens vermehrt, wodurch der Kreislauf be- 
schleunigt wird; wenn durch Blutentziehung die absolute 
Menge des Fibrins vermindert wird, so scheint es, dass dadurch 
auch auf den Impuls des Herzeus eingewirkt wird, wovon 



Ueb. d. Vermittlung d Cheraie mii d. prakt. Mediz. 13 

dann wieder eine geringi^re Fibrinalion des Blutes die Folge 
ist Uebermässige VenSi^ectionen können daher das Blut 
faserslo&nn machen und dadurch die Reaction des Geßlss- 
svslems so umstimmen, wie man sie als eine nervöse be- 
zeichnet Aus dem Blute und aus der Reaction muss da- 
her der Arzl seine Indication entnehmen, ob mit der Vena* 
section fortgefahren werden muss oder nicht*, wenn vermin* 
derfe Wechselwirkung zwischen Blut und Sauerstoff die 
Menge des Fibrins vermindert, so lässt es sich denken, dass 
auch bei phlogistischen Zuständen unter gewissen Bedingun- 
gen eine Gefössreaction und eine Beschaffenheit des Blutes 
gefunden werden kann, welche mehr auf einen sogenann- 
ten nervösen, als auf einen entzündlichen Zustand schliessen 
lassen. Bei Entzündung der Respirationsorgane oder bei 
Entzündungen, welche einen äusserst schnellen und intensi- 
ven Verlauf nehmen, findet der Arzt bisweilen einen klei- 
nen unferdritctten Pu/s> cfer für sich aHein, ausser Zusam- 
menhang mit den übrigen Erscheinungen, keinesweges zur 
Venäsection auffordern würde; das gelassene Blut bildet 
einen weichen, difQuenten, bisweilen mit einer gallertartigea 
Speckhaui bedeckten Blutkuchen, und erst, wenn bei richti- 
ger Würdigung des Krankheitsprozeses die Venäsectionen 
wiederholt worden sind, tritt sowohl in der Beschaffenheit 
des Blutes, als auch in der Reaction der Charakter der Ent- 
zündung unverkennbar auf. Es ist nicht zu zweifeln, dass 
hier durch Übermässige Congestion in den Lungen oder 
durch übermässige Congestion im gesammten Capiilarge- 
fUsssyslem die Wechselwirkung zwischen Sauerstoff und 
Blat vermindert wurde und erst, nachdem durch die nö- 
tfafge fiiuteniziehung der Kreislauf wieder freier wurde, tr^ 
ten ebenso im Blute wie in der Reaction die eigen- 
tflümliehen Veränderungen , welche Entzündungen bewir- 
ken, hervor. Neben den ' anderen Erscheinungen , welche 
dem Arzte dazu dienen, die Chlorose im erkrankten Körper 
zu erkennen, ist es besonders die durch die chemische Un- 
tersuchung ermittelte alienirte Mischung des Blutes, die sich 
in der bedeutenden Vermindernng der Blutkörperchen aus- 
spricht; dieselbe Untersuchung wird ihn auch lehren, bis 



J" 



14 Einleitung. 

zu welchem Zeiftpubkl der Gebrauch der Eisenpräparafe 
fortgesetzt werden muss, damit durch die Wirkung dieser 
Mittel die Mischung des Blutes wieder in die normale um- 
gewandelt werde. 

Aus dem physikalischen und chemischen Ver- 
halten des Harnes kann der aufmerksam beobachtende 
Arzt eine grosse Menge Anhalt^unkte zur Ermittlung oder 
Feststellung der Diagnose gewinnen; Vieles von dem, was 
hier anzuführen wäre, ist bereits bekannt und jch werde 
diese Punkte nur ilUchUg berühren; manches Andere aber 
dürfte dem Leser nicht ohne Interesse sein. 

Schon die alten Aerzte haben die Beurtheilung des 
Harnes als einen wichtigen Punkt zur Beurtheilung der Krank- 
heiten und ihres Verlaufs geachtet und, wie schon im Ein- 
gänge bemerkt, ersetzten sie das durch scharfe Beobach- 
tungsgabe, was ihnen aus Mangel an chemischen Kenntnis- 
sen abging; die ersten chemischen Uotersucbungen des Har- 
nes fallen in eine der frühesten Epochen der organischen 
Chemie. Von den älteren Forschern, welche sich, wenn 
auch nur sehr einseitig, mit dem Harn beschäftigten, nenne 
ich nur Brandt, Kunkel, Boyle, Bellini; indessen ver- 
suchte schon Boerhaave eine Analyse des Harns zu liefern, 
welche für die damalige Zeit als eine sehr gründliche be- 
zeichnet werden muss. Scheele's Entdeckung der Harn- 
säure und Gruikshank's des Harnstoffs trugen wesent- 
Hch zur genaueren Keuntniss dieses Sekretes bei. Dieser 
letztere hatte auch bereits mit Erfolg den Harn in mehreren 
Krankheiten, besonders in Diabetes und in den Wassersüch- 
ten, untersucht. Im Anfang dieses Jahrhunderte waren es 
besonders Berzelius und Prout, welche den Harn zum 
Gegenstände ausgedehnter Forschungen machten; Berze- 
lius wies die Existenz der Milchsäure nach, welche von 
früheren Chemikern nach Thenard für Essigsäure gehalten 
worden war; die Analyse, welche Berzelius 1809 über die 
Zusammensetzung des Harns mittheilte, ist noch bis vor we- 
nigen Jahren die einzige genaue Untersuchung desselben 
gewesen; Prout hat seine UntersucKungen bis in die neuste 
Zeit fortgesetzt. Von den späteren Arbeiten über die Mi- 



Ueb. d. VermiUluDg d. Gfaemie mit d. prakt. Mediz. 15 

sehung des Harnes sind besonders die von Lecannu her- 
vorzuheben; in den letzten Jahren haben sich mit der Mi- 
schung des Harns im gesunden und kranken Zustande 
Becquerel, Lehmann und Simon beschäftigt Mehrere 
Besiandiheile des Harnes, sowohl des gesunden wie des 
kranken, sind sehr genau bekannt, wie die Harnsäure, der 
Harnstoff, die Milchsäure, die Salze und der Hamzucker; 
von anderen wahrscheinlich nicht minder wichtigen haben 
wir eine sehr mangelhafte Eenntniss, wie von extractiven 
Materien und den FarbestofTen. lieber die quantitative Mi- 
schung des Harns, die sich als ziemlioh wechselnd heraus- 
stellt, sind von den zuyor genannten Chemikern zahlreiche 
Untersuchungen angestellt worden. Lecannu untersuchte 
auch die Verschiedenheiten, welche sich im gesunden Harn, 
je nach Alter und Geschlecht, nachweisen lassen. 

Die Menge des io 24 Stunden gelassenen Harns und 
seine Farbe ist bäaßg von \^chtigkeiL Von der Harnver- 
haltung habe ich nicht zu sprechen. Eine verminderte 
Menge des in 24 Stunden gelassenen Harns ist unter Um- 
ständen ein Zeichen, besonders von acuten Krankheiten, eine 
ttbermässige Vermehrung des Harns ist, wenn sie anhaltend 
ist, nicht selten' ein Zeichen tiefen Leidens. Ein dunkelgefärb- 
ter, flamroiger oder feurig rother Harn deutet insgemein auf 
ein enfzttndliehes Leiden; ein dunkler, braun-rother wird ge- 
wöhnlich im Typhus beobachtet Der Harn kann aber auch 
btutroth'oder braunroth gef^irbt sein von Gallenpigment, wel- 
ches man leicbi durch die Reaction mit Salpetersäure erkennt; 
dieses letztere lässt stets auf ein Leiden der Leber schlie- 
feen; ein blutrother Harn enthält gewöhnlich Blut, man fin- 
det dann meMentheils darin ein Sediment von Blutkörper- 
ebe», die mit dem Mieroskop ei^annt werden; sollte aber 
wenig Blut und dieses gelöst im Harn enthalten sein, so 
kann man es durch .{ünzufUgung von Salpetersäure entdek- 
ken, wodurch eine braunrothe Fällung von coagulirtem, durch 
Haematin rothgeförbtem Eiweiss entsteht. Dieser blutige Harn 
lässt ^ut eine Blutung in den Nieren, der Blase, der Urethra 
oder bei Frauen des Uterus schliessen. Tropfenweise aus- 
fliessendeS' Blut konunt aus der Urethra; wenn das Blut in 



16 Eioidtung. 

Mdssen nach dem klaren Urin abgeschieden wird, so kommt 
es aus der Blase, und verstopft dann oft durch Coagulaii^ii 
den Blasenausgang; ist das Blut im Urin vertheilt, zum Theil 
gelöst und in nicht sehr grosser Menge vorhanden, so kommt 
es aus den Nieren ; ist es dunkel mit Schleim und Eiter ge- 
mischt, so verdankt es einem Geschwüre seinen Ursprung. 
Das Zugegensein von Steinkolik zeigt an, dass das Blut beim 
Herabsteigen eines Nierensteins ergossen worden ist (Pr out). 
Blauer Urin ist, wenn auch nicht häufig, beobachtet >?vor- 
den, in der Mehrzahl der Fälle verdankt er wahrscheinlich 
seinen Ursprung dem Genuss gewisser Arzeneimittel; schwar- 
zer Urin ist ebenfalls beobachtet worden, doch kennt man, 
wie es scheint, noch nicht den Zusammenhang in dem Auf- 
treten des Farbestoffs mit demKrankheitsprocess; grUnlicher 
Urin deutet nach Prout auf eine oxalsaureDiathesis; es bil- 
den sich Sedimente von oxalsaurem Kalk, oder es gehen 
auch Maulbeersleioe ab; ein Urin, der blaas gefärbt und ei- 
nen Stich ins Grünliche hat, deulet aber auch häufig auf ei- 
nen Gehalt an Eiweiss, welches man leicht durch Erhitzen 
bis zum Kochen oder durch Salpetersäure nachweisen kann. 
Der Harn ist in diesem Falle nicht vollständig klar, sondern 
ganz schwach opatescirend; seine Menge kann vermehrt, ver- 
mindert, oder auch normal sem. * Die oxalsaure Dialhesis des 
Harns deutet nach Prout auf functionelle Störungen im chy- 
lopoälischen System; die Albuminurie lässt gewöhnlich auf 
hydropische Erscheinungen und Leiden der Nieren schlie- 
fsen. Wichtig für den Arzt ist die Reaction des Harns. Der 
normale Harn reagirt bekanntlich sauer; die Menge der 
freien Säure im Harn und die Intensität der Reaction kann 
in Krankheiten ausserordentlich zunehmen, wie besonders 
beim Rheumatismus, bei Gicht, bei Störungen im Verdauungs- 
apparat, bei gewissen Stadien des Typhus; die Intensitüt der 
Säurereaction richtig zu beurtheilen, muss man auf die 
Quantität des Harnes Rücksicht nehmen; man erkennt die 
stärkere oder geringere Säurereaction durch die Einwirkung 
dos Harns auf schwachgebläutes Lackmuspapier, welches 
um so schneller und um so eher roth gefärbt wird, je grö- 
fser der Säuregehalt des Harnes ist. Ein neuii*al reagirender 



\]eb. d. Vermittlung d. Chemie mit d. prakL Mediz. 17 

Harn bfldet gewöhnlich den Uebergang aus der sauren 
Reaciion in die alkalische, und umgekehrt. Die alkalische 
Reaciion des Harnes ist Air den Arzt von Wichtigkeit; ge> 
wohnlich rührt sie von kohlensaurem Ammomak her, dessen 
Gegenwart man auch durch den Geruch und die weissen 
Nebel , welches dn mit Salzsäure befeuchtetes und genähr- 
tes Glassläbchen entwickelt, erkennt Der Ilarn kann aber 
auch durch einen Gehalt von kohlensaurem Natron alkalisch 
reagiren, welches Salz in Folge des andauernden Gebrau- 
ches von Natroncarbonal oder Natronbicarbonat oder von 
NaCronsalzen mit vegetabilischer Säure im Harn auftritt 
Selten wird der durch kohlensaures Ammoniak alkalische 
Harn bereits in diesem Zustande aus der Blase entleert, ge- 
wohnlich ist er bei seiner Entleerung neutral oder selbst 
schwach sauer, und wird erst in kürzerer oder längerer 
Zeit darnach alkalisch; hierzu können übrigens schlechtge- 
reinigte Gefässe viel beitragen, worauf man Rücksicht zu 
nehmen hat Ein Harn, welcher bereits beim Lassen ammo- 
niakalisch reagirt und einen sehr Übeln Geruch besitzt, lässt 
hamer auf tiefes Leiden des Nervensystems und besonders 
des Rückenmarkes schliessen. In gewissen ungünstigen 
Stadien der Tabes dorsualis, der Phthisis des Rückenmarks, 
bei Paralysis der untern Extremitäten und der Blase, ist 
der ammoniakalisch gelassne Harn immer ein ungünstiges 
Zeichen; auch bei andern Leiden des Nervensystems, wie 
z. B. im Typhus, beobachtet man ammoniakalischen Harn, 
der jedoch in der Mehrzahl der Fälle, erst nachdem er ei- 
mf^e Zeil f^standen hat, diese Reaction annimnU. Im Ty- 
pbus kann die Reaction des Harnes für die Prognose von 
WicbtigIkeU seiü; wenn der Harn, nachdem er ein, zwei 
oder drei 7Ufgige Perioden hindurch sauer reagirend beob- 
achtet wurde, endlich neutral und dann ammoniakalisch 
riechend und reagirend gefunden wird, wenn diese Reacüon 
sich mehrere Tage, vielleicht während einer ganzen 7tägi- 
gen Periode hindurch erhält und erst dann wieder in die 
saure übergeht, so scheint dies in den meisten Fällen den 
günstigen Ausgang der Krankheit anzudeuten. Der am- 
moniakalisch reagirende Harn im Typhus hat gewöhnlich 

S im on^ Beiträge I. 4. 2 



18 Einleitung. 

ein schmulziges , trübes, gelbbraunes oder rolhbraunes An- 
sehen und bildet Sedimente, welche beim Zusate freier 
Säure grösstentheils verschwinden; auch beim Blasencatarrh 
oder bei der Bldsenpbthise wird der Harn in sehr kurzer 
Zeit nach dem Lassen ammoniakalisch ; der grosse Geball 
an Blasenschleim oder Eiter lässt auf diese. Leiden scMie- 
fsen; endlich ist auch die Bildung von den aus Erdphospha- 
ten bestehenden Hamconcretionen durch die neutrale oder al- 
kalische Reaclion des Harnes zum Theil bedingt; der Harn, wel- 
cher bei diesem Harnleiden gelassen wird, ist nicht so dunkel, 
wie der Harn im Tj'phus und bildet gewöhnlich Sedimente 
aus phosphorsaurem Kalk und phosphorsaurer Ammoniak- 
magnesia. Wenn der Blasenstein auf die Wandungen der 
Blase irritirend einwirkt, ist diesem Harne gewöhnlich eine 
grosse Menge Blasenschleim beigemengt. 

Die specifische Dichtigkeit des Harnes, wenn sie auch 
allein für sich keinen grossen diagciostischen Werth hat, da 
sie von der variabeln Menge des Wassers im Harne abhän- 
gig ist, kann doch imter gewissen Umständen die Aufhierk- 
samkeit des Arztes in Anspruch nehmten; je helletr und dem 
Wasser ähnlicher der Harn erscheint, um so geringer ist 
sein specifisches Gewicht; je Intensiver und dunkler ge- 
färbt, um so höher die specifische Di<ihtigkeit. Dieses all- 
gemeine Gesetz kann in Einem Falle eine Ausnahme erlei- 
den, nämlich bei dem Diabetes mellitus; in dieaer Krankheit 
wird ein entweder normal oder Mass, selten intensiv ge- 
gefärbter Harn gelassen , dessen hohes specifisches Ge- 
wicht ( 1020 --* 1060 ) mit der Färbung im Widerspruch 
Steht; dieses hohe specifische Gewicht fordert unbedingt 
zur genaueren Untersuchung des Harnes auf. Mehr wie 
alle andern Zeichen ist für den Arzt die richtige Würdi- 
gung der Sedimente von Wichtigkeit Der gesunde Harn 
bHdel gewöhnlich nur nach längerem Stehen eine leichte, 
sich senkende Wolke von Blasenschleim; eine jede andere 
Ausscheidung im Harne ist pathologischer Natur. Das Harn- 
sediment besieht entweder ans organischen Gebilden, wie 
Sohl^nnkörperchen, Eiterkörperchen, Blut u. s. w. , oder aus 
schwer- oder unlöslichen Salzen oder Säuren, oder endlich 



Ueb. d. VermiUlung d. Gberoie mit d. prukt. Mediz. 19 

aus einem Gemisdi von beiden; das Mikroskop giebt hier- 
über Aufklärung. 

1) Das Sediment besteht aus organischen Gebilden. Der 
Harn ist nicht blutroth gefifrbt, das Sediment ist v/eiss^ 
grau, scbmutziggelb, und man erblickt mit dem Mikroskop 
Schleim- oder Eiterk^rpercben: hier ist das Sediment siets 
Schleim, wenn der Harn kein Bi weiss enthält; es ist wahr 
scheinlJch £iter, wenn das Sediment rieh aus dem frisdi 
gelassenen Urine schnell absetzt, und der Urin Eiweiss ent» 
hält Von welcher Wichtigkeit die Erkennung und WUrdi* 
gung Ton Schleim und Eiter im Harne ist, braucht wohl 
nicht erst hervorgehoben zu werden; bei Blasenkatarrfa 
nimmt das Schleimsediment häufig eine sehr zähe, selbst 
fadenziehende Beschaffenheit an; dies geschieht jedoch nur, 
wenn der Harn beginnt ammoniakalisch au werden, was 
bei soUeimhaltigem Urin, wie schon erwMitit, oA in sehr 
kurzer Zeit geschieirif aacb der Eher kann sieb so verhal- 
ten, und es ist in dteeem Falle gut, auf die Gegenwart von 
Biweiss nicht durch Kochhitze, sondern durch Salpetersäure 
zu prüfen. Ist das Sediment Blut, so erblickt man mit dem 
Mikroskop die Blutkörperchen; der darüber stehende Harn 
ist dann ebenfalls blutroth geftrbt; von der Bedeutung des 
Blutes im Harne habe ich ebenfalls nichts zu sprechen. 
Enthält der Harn Eiweiss und es findet sich ein schleimiges 
Sediment am Boden, so ist es von grosser Wichtigkeit, die- 
ses mit dem Mikroskop zu untersuchen. Man kann darin, 
wie ich es bed!>achtet habe, eigenthümliche lange, theils go- 
fUUle, iheUs durchscheinende Schläuche und runde, die 
Schleimkörperchen an Grösse zwei* bis dreimal übertref- 
fende, mit dankeim, granulOseDfi InbaK gefttUte Kugehi vor- 
finden, weiche unzweiMba/l aus den Nieren stammen und 
eine krankhafte Afiection dieses Off ans anzeigen. Ich habe 
diese eigenlhUmliche Formen mehrere Male und zu verschie- 
denen Zeiten im Harn von an Morbus Brightii leidenden 
Kranken gefunden (vergleiche hiermit die Mittheilung tfber 
diesen Gegenstand weiter unten). 

Die Sedimente, welche nicht organischer Natur sinc^ 
lassen sich ebenfalls leicht durch das Mikroskop und mit 



20 Einleitung. 

Hülfe weniger Reagenzien erkennen; sie sind entweder kr}-* 
stallinisch oder amorph, kommen entweder in saurem, neu- 
tralem oder alkalischem Urin vor, und lassen sich hiernach 
leicht unterscheiden; im sauren Urin kommen vor Sedimente 
aus Harnsäure, harnsaurer Ammoniak, hamsaures Natron, 
oxalsaurer Kalk, Gystin. Die allergrösste Mehrzahl der Se- 
dimente, welche im sauren Harne vorkommen, bestehen aus 
hamsaurem Ammoniak; weniger häufig sind die aus Harn- 
säure, noch seltener die aus oxalsaurem Kalk und am sel- 
tensten die aus Gystin. Sedimente aus Erdphosphaten be- 
stehend kommen in einem stark sauer reagirenden Harn 
nicht vor. Ein jedes im sauren Harne vorkommende, von 
gelMich bis braun, von röthlich bis purpurroth gefärbte, un- 
ter dem Mikroskop als ein amorpher Niederschlag oder als 
aggre^irte grössere und kleinere KUgelchen erscheinende 
Bediment, welches sich beim Erwärmen des Harnes gänz- 
lich oder fast vollständig auflöst, ist harnsaures Ammoniak; 
es gehören mithin dahin alle sogenannten kritischen Aus- 
scheidungen im Harne; die Art der Ausscheidung des harn- 
sauren Ammoniaks ist sehr verschieden, und es erscheint 
bald als blosse Trübung, ohne irgend ein Sediment zu bil- 
den, bald als leicht aufgeschwemmter, fast die Hälfte der 
Flüssigkeit erfüllender Niederschlag, bald liegt es wie ge- 
färbter Schleim oder Eiter auf dem Boden des Gefässes, 
bald schwer und massenhaft wie ein erdiger Nieder- 
schlag. Bei Krankheiten, welche durch kritische Ausschei- 
dung im Harne auf den Gang ihrer Entwicklung einen 
Schluss erlauben, ist die Art der Ausscheidung von Wich- 
tigkeit. Je massenlKifter, je schwerer das Sediment am Bo- 
den liegt, je klarer der darüber stehende Harn, um so ent- 
scheidender nimmt man die Krisis an; je leichter aufge- 
schwemmt das Sediment, je weniger Neigung zur vollstän- 
digen Ablagerung, um so unvollständiger ist das Heilbestre- 
ben der Natur, die Krankheit durch Krise zu brechen. Die 
verschiedenen Färbungen des Sediments sind für einige 
Krankheiten charakteristisch; im akuten Gelenkrheumalismus, 
bei intermittirenden Fiebern zeigt sich das kritische Sedi- 
ment roth bis braunroth gefarl^t; bei akuten Krankheiten 



Ueb. d. Vermittlung d. Chemie mit d. prakL Mediz. 21 

der Leber ist das Sediment rosenroth; beim Typhus besitzt 
es gewöhnlich eine schmutzigrothe Farbe; in einigen Krank- 
heiten scheint das Auftreten des Sediments von keiner con- 
stani kritischen Bedeutung zu sein, wie z. B. im Typhus. 

Ein Sediment im sauren Urin, welches sich nicht beim 
Erwärmen des Harns auflöst, entweder schon dem unbe- 
'waffneten Auge oder doch mit dem Mikroskop betrachtet 
krystallmisch erscheint, gelb bis zinnoberroth gefifrbt ist, 
ist Harnsäure. Sie erscheint gewöhnlich in Form rhombi- 
scher Tafeln und in der Mehzahl der Fälle d,em hamsauren 
Ammoniak beigemischt, wo sie dann die unterste und dunk- 
ler gefärbte Lage des Sediments bildet. Dass die Abschei- 
dung der Harnsäure von kritischer Bedeutung sei, ist wohl 
kaum zu bezweifeln; bei der Gicht und in den Fällen von 
Nierensteinkrankheit, wo die Ablagerungen aus Harnsäure 
bestehen, bildet die Harnsäure oder Griesabsonderung die 
vollständigste Krise; in vielen andern Krankheiten fehlen uns 
noch die nöthigen Beobachtungen über den kritischen Werth 
der Harnsäureaussondening. Das Sediment aus oxalsaurem 
Kalk kommt viel seltner vor, als die früher erwähnten, es bildet 
gewöhnlich einen weisslichen, wenig massenhaften Nieder- 
schlag, mit dem Mikroskop betrachtet erscheint es entwe- 
der in Form ^kleiner Octaöder oder an einander gereiheter 
KUgelchen; es löst sich nicht in Essigsäure, leicht in Chlor- 
wasserstoffsäure; mit Schwefelsäure* Übergossen verschwin- 
det es, und nach eim'ger Zeit zeigen sich langgestreckte 
lanzettförmige Tafeln von schwefelsaurem Kalk. 

\]eber den diagnostischen Werth des Oxalsäuren Ralks 
im Sedimente fehlen noch die hinreichenden Beobachtungen; 
es ist wahrscheinlich, dass es mit tiefen Störungen im chy- 
lopoötischen Systeme zusammenhängt; dass man auf die 
mögliche Bildung von Stein aus oialsaurem Kalk aufmerk« 
sam sein muss, wo sich das Sediment häufiger und an- 
dauernd im Harn zeigt, liegt auf der Hand; indessen muss 
der Arzt, um die Erscheinungen richtiger zu würdigen, auch 
auf die Diät Bücksicht nehmen, da durch verschiedene Spei- 
sen die Oxalsäure dem Körper zugeführt werden kann. 



^ HinleikiQg. 

Das Auftreten des Cystins im Uarnsediment ist sehr 
seilen. Man erkennt es leicht an seiner ausgezeichneten 
Form; es bildet schwach gelbgeßirbte sechsseitige Tafein. 
Nach Pr out ist das Auftreten des Cystins im Harne einsehr 
ungünstiges Zeichen, es Vässi auf die Bildung von Cystin- 
steinen schliessen« 

Im neutralen oder all^alisch reagirenden Harne iLönnen 
ausser den angeführten Sedimenten auch Niederschläge aus 
phosphorsauren Erden vorkommen; man erlcennt sie ieicht 
daran, dass sie beim Ansäuren des Harnes mit Essigsäure 
oder Saksäure verschwinden; die phosphorsaure Magnesia, 
gewöhnlich mit Ammoniak verbunden, zeichnet sich durch 
ihre Krystaliform aus; sie erscheint in farblosen Prismen mit 
sdiiefer Abstumpfung, sehr oft in Form eines Daches; die 
phosphorsaure Kaikerde erscheint fast immer als amorpher 
Niederschiagi da die phosphorsauren Erden auch stets im 
normalen Harne zugegen sind, so ist ihre Fällung gewöhn- 
lich nur als Folge der Ammoniakbildung anzusehen, indem 
durch dieses Alkali die freie Säure, durch welche früher 
die phosphorsaureu Erden gelöst waren, neutraiisirt wird; 
in einigen Fällen ist dagegen das Auftreten der phosphor- 
sauren Erden im Sedimente von diagnostischem Werth. 
Bei Leiden des Rückenmarks scheint besondiers die phos- 
phorsaure Magnesia in grosser Menge abgeschieden zu wer 
den; bei Leiden der BRisenschieimhaut erscheint der phos- 
phorsauro KdJk In Überwiegender Menge; ich habe in drei 
Fällen von Entzündungen der Respirationswerkzeuge, zu der 
Zeit, als die Resolution eintrat, den früher sauren Harn neu- 
tral werden sehen und die Aussonderung einer ziemlich an- 
sehnlichen Menge schön geformter Krystalie von phosphor- 
saurer Ammoniakmagnesia, welche selbst mit unbewaffne- 
tem Auge erkenntiteh waren, als Sediment beobachtet, zu- 
gleich enthielt in 2 von diesen Fällen die klare Harnflüssig- 
keit eine so überaus grosse Menge von harnsaurem Ammo- 
niak gelöst, dass durch eine jede Säure sogleich Nieder- 
schläge von Harnsäure hervorgebracht wurden. Bei der 
Gegenwart von Blasensteinen, die aus Erdphosphaten beste- 
hen, enthält der Harn häufig Sedimente aus Erdphosphaten, 



Ueb. d. YermitlluDg d. Chemie mit d. prakt. Mediz. ^ 

deoen eine geriugore oder grössere Meogo ScUeim. beiga- 
loisohl ist. Bei Scarlatioa findet man zur Zeit der Desquantma' 
UoD, oft auch schon vor dem Eintreten derselben auf der äu« 
Dseren Haut, den Harn getrübt; wenn man ihn mit dem Mi* 
kroskop betrachtet, zeigt sich darin eine ausserordentlich 
grosse Menge Pflaster-Epitfaelien der B/asenscUeimbauL Es 
ist daher anzunehmen, dass auch auf der Blasenschleimhaut 
die Desqaammaiion vor sich geht, und man kann, wenn, wie 
dies nicht selten der Fall zu sein scheint, die Abschuppung 
auf der Blasenschleioihaut frUher vor aidi geht als auf der 
äusseren Haut, aus der Untersuchung des Harns den Ein- 
tritt der Abschuppung bestimmen. 

Von sehr grossem Werth Air die Diagnose und Prognose 
jsi die Keoniniss der chemischen Mischung des Harnes, be- 
sonders was die Gegenwart von Stoffen anbetrifft, die im 
normalen Harne nicht vorkommen; Eiwms im Uaioe wird 
leicht durch Erhiigea des Harns oder duroh Hinzufügen von 
Saipelerslure entdeckt; ist der Harn sauer, so zieht man 
das Erhitzen, ist er alkalisch, die Salpetersäure vor. Die 
Gegenwart des Eiweisses im Harne ist immer von grosser 
Bedeutung und die richtige Würdigung desselben als dia- 
gnostisches Mittel nicht eben leicht; es sind Fälle bekftmt, 
wo Eiweiss im Harne gesunder Individuen beobachtet wurde, 
oder in Folge von Störungen in den Verdauungsorganen 
vorübergehend auftrat} in der Mehrzahl von Fällen ist Albu- 
minurie die Begleileiin von hydropischen Erscheinungen oder 
geht diesen voran , der Harn ist dann gewöhnlich hell, hat 
einen Stich ins Grilnliche und enthält viel Eiweiss; es sind 
aber Fälle von Hydrops l)ekannt, welche ganz ohne Albu- 
minurie auftraten. Dass man von der Gegenwart des Eiweisses 
im Harne nicht den Schluss auf Brigbt'sche Nierendegene- 
ration machen darf, ist hinreichend erwiesen; grosse Auf- 
merksamkeit muss, wo man Nierendegeneration vermuthet, 
auf das schleimige Sediment des Harnes gerichtet werden, 
von dem ich schon früher gesprochen. Bei heftigen Ent- 
zündungoi und auch beim Typhus finden sich nicht aellen 
geringe Mengen von Eiweiss im Harne; der Harn ist dann 
gewöhoUch sehr dunkel und sauer reagirend, nach Bec- 



24 EinieitUDg. 

querell scheint dieses Auftreten des Eiweisses bei Entzün- 
dungen mit einem Gongeslivzustand der Nieren in Verbin- 
bindung zu stehen, und da dieser, wenn natürlich die Krank- 
heit nicht selbst eine Nierenentzündung ist, nur bei sehr 
heftigen und intensiven Entzündungen einzutreten scheint, 
so möchte das Erscheinen von Albumjn im Eutzündungsharn 
ein Zeichen für die Intensität der Entzündung sein. In 
Folge von entzündlichen Exanthemen, besonders im Desquam- 
mationsstadium der Scariatina, tritt bisweilen in dem dun- 
kelgefärbten Harn Eiweiss auf, bisweilen, wiewohl seltener, 
auch Blut; es ist wichtig für den Arzt, darnach zu forschen, 
dli diese fremdartige Beimischung nicht selten der Vorläufer 
von Hydrops ist; indessen hat man auch Hydrops nach 
Scariatina ohne Eiweiss im Harne gesehen, und Eiweiss im 
Harne ohne darauf folgenden Hydrops. Im Beginn des Dia- 
betes mellitus ist Albuminurie keine seltene Erscheinung und 
für den Arzt von grosser Wichtigkeit. Das Auftreten des 
Eiweisses ist in diesem Falle nicht constant, sondern wech- 
selnd, es erscheint, noch ehe eine Spur von Zucker beob- 
achtet werden kann, und wenn die Zuckerbildung beginnt, 
so ^tzt sie bisweilen wieder aus und macht vorübergehend 
der Albuminurie Platz. 

Die Gegenwart des Zuckers im Harne nachzuweisen, 
isl das hauptsächlichste Mittel, sich von der Existenz der 
Honigharnruhr zu überzeugen. Wenn die Menge des Zuk- 
kers bedeutend ist, so kann man ihn schon in dem Alkohol- 
auszuge des verdampften Harnes mit Leichtigkeit entdecken ; 
sind nur Spuren von Zucker zugegen, so bedient man sich 
des schwefelsauren Kupferoxyds zur Naohweisung desselben, 
wie dieses später angeführt werden wird. 

Gallenpigment im Harne ist stets ein Zeichen von Le- 
beraffectlonen; dass man das Gallenpigment durch Hinzufü- 
gen von Salpetersäure erkennen kann, ist schon erwähnt 
worden^ allein aus der Färbung des Harns auf die Gegen- 
wart von Gallenpigment zu schliessen, ist bisweilen trüglich. 

In einigen Krankheiten findet man Fett im Harne, es 
zeigt sich dies theils dem blossen Auge als Fetttröpfchen, 
theils ist es in grosser Menge im Hara suspendirt, so dass 



Ueb. (L YermittluDg d. Chemie mit d. prakt. Mediz. 25 

m 

dieser milch.artig erscheint; in diesem letzteren Falle ist stets 
attchEiweiss, bisweilen auch Fibrin, zugegen; auch hier reicht 
das Mikrosk-op hin, um sich von der Gegenwart des Fettes 
zu überzeugen. Das Ansehen des Ghylus- Urins, wie ihn 
PtouI bezeichnet, könnte die Vermuthung auf eine Gegen- 
wart Non Hilch leiten; allein Bfilch ist im Urin als metasta- 
lische Ausscheidung nur höchst selten beobachtet worden 
und es schdnt selbst, dass die Mehrzahl von den Fällen, 
wo von Milchurin gesprochen wird, doch nur chylöser 
Urin war; durch Hinzutröpfeln von verdünnter Essigsäure 
oder Chlorwassersloflfsäure kann man dich augenblicklich 
überzeugen, ob Kasetn oder Albumin, ob Milch oder Eiweiss 
und Fett dem Urin die weisse Färbung ertheilen, da das 
Kas^n bekanntlich durch Milch und Essigsäure geiMllt wird. 
Der sogenannte chylöse Urin ist bei uns eine Seltenheit, 
kommt dagegen in sQdlicbeii Gegenden, Westindien, häufig 
vor. Der Urin isC bald opalescirend, bald milchwelss; nach- 
dem er gelassen, gerinnt er in kürzerer oder längerer« Zeit 
and steift eine weisse, zitternde, gallertartige Masse dar; zu- 
weilen ist das Fibrin nur in sehr geringer Menge zugegen 
oder fehlt auch ganz. Prout sucht den Grund zu dieser 
Krankheit in den Assimilationsorganen, doch wissen wir 
darüber noch wenig Positives. Fetttröpfchen im Harne mit 
Eiweiss oder nur geringe Spuren von Eiweiss kommen in 
stark- censumirenden Krankheiten vor, wie z. B. in der 
Phthise; sie sind imbier ein ungünstiges Zeichen. Man hat 
sich indessen beim Vorkommen des Fettes im Haine ganz 
beftonders vor Täuschung zu hüten, da so leicht etwas Fett 
von aussen in die Gefösse kommen kann; auch zeigt sich 
bisweilen auf der Oberfläche des Harns ein schillerndes 
Hlfatohen, welches man für ein Fetthäutchen halten kann, 
da% sich aber bei genauer Besichtigung mit dem Mikroskop 
als eine amorphe Materie (gewöhnlich phosphorsaurer Kalk), 
oder als aus Krystallen bestehend (Magnesia-Tripelphosphat) 
zeigt. — 

l^ chemische und physikalische Untersuchung des Schlei- 
mes und Eiters ist zur Feststellung der Diagnose von sehr 
grosser Wichtigkeit. Die besseren und gründlicheren Arbeiten 



26 Eudeikmg. 

über diesen Gegenstand sind erst in neuerer Zeit geliefert 
worden; dahin gehören besonders die Arbeiten von Vogel, 
Hähnle, Gruby, Jülerbock, Valentin, .Woot u. a. Es 
' handelt sieh gewöhnlich darum, zu wissen, ob in dem Or- 
gane, von welchem die Scbleimabsonderung vor sich geht, 
auch eine Vereiterung statt findet Die Untersuchungen 
hieriüier gehören zu den schwierigsten, besonders wenn 
man in Berücksichtigung zieht, dass die gereizten Schleim- 
bittie ein Secret von veränderlicher Beschaffenheit abson* 
dem, welches sich in seipem Verhalten dem Eiter nähern 
kann. Die Verschiedenheiten des Eiters und Schleimes lie- 
gen nicht in den Körperchen, sondern in den flüssigen ge- 
lösten Theilen; in dem Schleimsafte waltet der Schleim&toff 
vor, welcher von Wasser und Essigsiure koagulirt wird. 
Eiweiss Ui darin gar nicht oder nur in höchst geringe 
Hange enthalten; wird aber der Schleim von anhahend ge- 
reizten Schleimhäuten secernirt, so vermehrt sich in dem 
Safte. Eiweiss und der Schleimstoff vermindert sich. In dem 
Eiteraafte sind Albumin und Fett vorwaltend und der Sohleim- 
stoff ist nur in Spuren zugegen. Aus diesen Angaben er- 
giebt sich das verschiedene Verhallen des Schleimes und 
Eiters. Der Schleim umgiebt sich, so wie er in Wasser ge- 
langt, mit einer Hülle von koagulirtem Schleimstoff; dasselbe 
geschieht, wenn man ihn in verdünnte Essigsäure bringt, 
wobei er sogleich zu einer ziemlich consistenten Gallerte ge< 
rinnt; wenn man Schleim auf ein Glasblättohen ausstreicht 
und ihn sodann mit Wasser befeuchtet, so kann man das 
augenblickliche Gerinnen mit blossen Augen, wie auch mit 
dem Mikroskop beobachten. Diese /Hülle von koagulirtem 
Sohieimstoff verhindert das Zerfliessen der Schleimballen im 
Wasser und bedingt, wenn Luftblasen darin enthalten sind, 
das Schwimmen auf dem Wasser. Der Eiter zerfliesst au- 
genblicklich in Wasser; sein unlöslicher Tbeil sinkt zu Bo- 
den und bildet daselbst ein Stratum von granulösem, puru- 
lenlem Ansehen; sein löslicher Theil wird vom Wasser auf- 
genommen und macht, dass dieses stark auf Eiweiss rea^* 
girt. Solche Sputa, in welchen globose oder massige, 
schlüpfrige, nicht zerfliessende SchleimbaUen gleichgültig am 



Ueb. d. VeroiitUung d. Chemie mit d. prakt. Med. Tt 

Boden lagernd, oder aber aubchwimmend sich befinden, 
ist immer günstiger, als sdcbe Sputa, wo sich am Boden 
des Gettsses ein gleichförmig zerflossener, punilent er* 
scheinender Bedensatz gebildet hat; die Sputa sind um so 
verdächtiger, je mehr der wttssrige gelöste Theil durch Kochen 
oder Salpetersäure die Gegenwart von ü&wwi» erkennen idsst 
Man wird die Verschiedenheitea in dem Verhalten des Schleim- 
«nd Eiterauswurfs am schärfsten hervortreten sehen, wenn man 
die Sputa eines vom Lungenkatarrh Befallenen mit denen ver 
gleicht, welche in Folge der Oeffnung einer Vomica ausge* 
werfen werden. Was die Diagnose der Phthisis tuberculosa 
ans den Sputis anbetrifft, so ist diese sehr schwierig und 
bedarf der grössten Vorsicht und Aufmerksamkeit; es wird 
durch den- iubercnlösen Prozess immer die Schleimhaut der 
Reapirationsorgane in einen gereizten Zustand versetzt und 
in Folge dessen ein palbologisch vertodertes Seoret abge« 
schieden. Die Tuberkeln selbst erweichen und vemlem 
entweder oder können auch wohl noch im rohen Zustande 
ausgeworfen werden. Bei der Vereiterung der Tuberkeln 
findet man immer neben dem geballten, zähen, ausgeworf»* 
nen Schleim auf dem Boden des GefÜsses eine purulent er- 
scheinende Schicht, weiche, mit dem Mikroskop betrachtet, 
aus den Primärzellen (Schleim- oder Eiterkörperchen] und 
aus einer gössen Masse amorpher fein zerthc^ter Materien 
besteht. Der wässrige Theil der Sputa zeigt immer grössere 
oder geringere Mengen von Eiweiss. Man hat geglaubt, aus 
den Stückchen roher Tuberkelmasse, welche sich im Aus^ 
wurt Phlhisiftcher befinden sollen, mit grosser Sicherheü 
auf die Gegenwart von Tuberkeln in den Lungen sohliessen 
zu können; allehi das Vorkommen roher Tuberkelmasse in 
der ausgewor/enen Sputis ist sehr selten, und ohne Zweifel 
ist in der Mehrzahl von Fällen etwas Fremdartiges, beson^ 
ders Stückchen macerirter Semmel, für Tuberkelmasse an- 
gesehen werden, da beide, sowohl mit dem Mikroskop als 
auch mit blossem Auge betrachtet, einige Aehnlichkeit ha« 
ben. Die rohe Tubeskeimasse erscheint in kleinen gewis- 
sermassen käseartigen grauen Stückehen und zeigt, wenn 
man sie zwischen Glasplatten presst, eine kömige, granu- 



28 Einleitung. 

löse Beschaffenheit; sie wird, mit Jodtinktur benetzt, gelb 
geförbt. Die StUckchen macerirter Semmel, welche man 
bisweilen selbst in Schleimballen ^eingeschlossen findet, ver- 
hallen dch ahnlich; unter dem Mikroskope lassen sie neben 
der grumösen amorphen Materie bisweilen noch wohl er- 
haltene Amylonkdrnchen erkennen; wenn man sie mit Jod- 
tinktur benetit, zeigt sich die blaue Färbung des Jodamylon. 
Die Erkennung und Unterscheidung von Schleim und Eiter 
im Harn ist ebenfalls höchst schwierig; aus dem frisch ge- 
lassnen Harn senkt sich der Eiter ziemlich rasch und bil- 
det auf dem Boden des GefÜsses eine purulent erschdnende 
missfarbige, bisweilen von Blut tingirte Schicht; der darüber 
stehende Harn enthält stets Eiweiss. Der Schleim im Harne 
senkt sich langsam, lässt den Harn längere Zeit trtkbe er- 
scheinen oder sondert sich in Wolken ab; die klare Harn- 
Süssigkeit enthält kein Eiweiss; nur wenn der Harn, was 
in diesem Falle leicht geschieht, ammoniakaliscfa wird, nimmt 
der Schleim eine gelatinöse, zähe Beschaffenheit an -und 
sinkt rascher zu Boden, doch wird der Eiter in einem am- 
moniakalischen Harn ebenfalls zähe und fadenziehend. Die 
ehemische und mikroskopische Untersuchung des Eiters 
selbst bietet noch einige Anhaltepunkte für die Diagnose dar; 
der Eiter aus arthritischen Geschwüren enthält nicht selten 
. Harnsäure oder hamsauras Natron, welche man entweder 
bei der mikroskopischen Untersuchung an der rhombischen 
Form der Hamsäure-Krystalle und an der spiessigen Form 
der Krystalle des harosauren Natrons erkennt, oder auch 
an der purpurrothcn Färbung, welche beim Erhitzen des 
getrockneten Eiters mit Salpetersäure entsteht Die Gegen- 
wart der Harnsäure im Eiter lässt gewiss mit Sicherheit auf 
den arthritischen Charakter des Geschwüres schliessen. 
Normaler Eiter hat die Consistenz eines dicken Liniments, 
eine gelbliche Farbe, alkalische Reaktion, einen nicht unan- 
genehmen, etwas süssiichen Geruch und lässt selbst nach 
längerer Zeit seine Eiterkörperchen nicht fallen. Ist der Ei- 
ler dünnflüssig oder wässrig, so ist er von nicht guter Be- 
schaffenheit, wie der scrophulöse oder Knocheneiter. Eine 
schmutzig grüne oder braune Färbung deutet ebenfalls auf 



Ueb. d. Yei-mittlung d. Chemie mit d. prakt. Mediz. 29 

scUechie Beschaffenheit des Eiters; hierher gehört die rölh- 
liche oder chokoladenbraune, selbst schwärzliche Färbung 
des Knocbeneiters und des ichorösen Eiters, des Eiters bös- 
artiger, carcinomaUSfier oder markschwammiger Geschwüre, 
oder der g^rünUche syphilitischer Geschwüre; diesem letzte- 
ren ist aucb gewöhnlich eine mehr oder weniger starke, 
saure Reaktion eigen; der Geruch bezeichnet besonders die 
schlechte Beschaffenheit des Eiters, so der faulige, aashafte, 
oder nach Cayulen Eiern riechende des Krebseiters, Knochen- 
eiters und scorbutischen Eiters; der süssliche, fade, nauseose 
des syphilitischen Eiters. In deiA bösaartigen Eiter findet 
man bei der mikroskopischen Cntersuchung die Eiterkörper- 
eben Iheils unregelmässig, höckrig, theils zerstört und als 
Jüeine amoiphe Parükelchen und Pünktchen aufgeschwemmt. 
Im' Knodieneiter findet man nicht selten Stücke zerstörter 
Knochensubstanz, die oft schon mit unbewaffnetem Auge 
zu erkennen siad. 

Die Zeichen, welche man aus der chemischen Untersu- 
chung des Schweisses zur Feststellung der Diagnose und 
Prognose gewinnen kann, smd, wie es scheint, von unter- 
geordnetem Werth. Wegen der Schwierigkeit, welche sich 
der Aufsammlung einer grossem Masse des Schweisses in 
Krankheiten entgegenstellen, sind die Untersuchungen noch 
sehr mangelhaft. Die Angaben, welche wir darüber be- 
sitzen, bedürfen zum Theil noch der Bestätigung durch wie» 
derholte Beobachtungen. Der normale Schweiss reagirt stets 
sauer; diese freie Säure verm^rt sich aber in einigen 
Krankheiten ausserordentlich, wie z. B. im Rheumatismus 
und in der Gicht. Man findet in diesen Krankheiten, dass der 
Schweiss derSUme, Brust und Extremitäten das Lakmaspapier 
scbneü und ausserordentlich intensiv röthet. Nach Berend's 
Angabe soll der Schweiss bei fauligen und typhösen Fie* 
bem nicht allein seine Säure verheren, sondern selbst am- 
mooiakalisch riechen; nach Anselmino^s Angabe soll in 
dem kritischen Schweiss eines an rheumatischen Fiebern 
Leidenden Albumin zugegen gewesen sein. Voi gtel will selbst 
blutigen Schweiss beobachtet haben und dieser soll auch 
nach andern Angaben beim Faulfieber uud Typbus icterodes 



30 Einleitung. 

beobachtet woden sein. Dass der Schweifls von Sleinkranken 
und gicbttschen Personen Harnsäure oder hamsaures Natron 
«enthält, wodurch nach dem Abdampfen des Wassers der 
Körper mit einem feinen krystallinischen Ueberzug bedeckt 
wird, ist von mehreren Seiten bestätigt worden. Im Schweisse 
Ikterischer und der an Febris putrida biliosa Leidenden hat 
man bisweilen Gallenfarbesloff gefunden. Den rothen Farbe- 
Stoff, welcher dem Sedimentum laleritium ^eine Farbe er- 
theilt, fand Landerer in dem Schweiss der Ach^ldrUsen 
eines Fieberkrauken. Blauer Schweiss ist mehrfach beob- 
achtet worden. In den koRiquativen Schweissen der Hekti- 
schen ist auch Fett gefunden worden. Alle bliese Zeichen 
lassen unbefriedigt; sie treten in den verschiedenen Krank- 
heiten nicht constant auf und haben daher bei weitem we- 
niger Bedeutung, als die Zeichen aus dem Harne oder BluL 
Von besondrer Wichtigkeit ist noch der Geruch der Schweisse. 
Es ist bekannt, dass manche Aerzte schon beim Eintritt in 
das Krankenzimmer, selbst in das Krankenhaus, aus dem 
spezifischen Geruch auf die Krankheit schlössen. Der Ge- 
ruch der Schweisse kann nur in wenigen Fällen Gegenstand 
der chemischen Forschung sein; man kann zwar in sauer 
riechenden Schweissen die Gegenwart der Essigsäure, in 
ammoniakaKsch riechenden die des Ammoniaks nachweisen; 
in den meisten andern Fällen bleibt aber die chemische 
Untersuchung ohne Erfolg; gleichwohl kann der Arzt, wel- 
cher Perceptivität zur Unterscheidung verschiedener Ge- 
rilohe besitzt und diese durch langjährige Erfahrung ge- 
schärft hat, durch den Geruch mit ziemlicher Sicherheit ge- 
Idtet werden. Der Schweiss Rheumatischer und Gichtisoher 
riecht sauer; der Schweiss Paulfieberkranker und Scorbuti- 
scher soll einen fauligen, der Syphilitischer einen sttssHohen, 
der Krätziger einen modrigen, der Ikterischer einen mo- 
sehusartigen Geruch besitzen, der Scropfaultfser nach Sauer- 
teig, der an Intermittens Leidenden nach frisohgebacknem 
Schwarzbrot riechen. Wie subjectiv diese Angaben zum 
Theil sind, geht Schon aus dem Vergleich der verschiednen 
Gerüche hervor. 



Ueb. d. Verroiltlung d. Chemie mit d. prakt. Mediz. 3t 

Die cbemisohe und mikroskopiscbe Untersachmig d«r 
Milch mu8S ffXv den praklisohen Arzt von Interesse sein, in 
solchen Fällen, "Wo es die Beurtheilung der Güte der Mutter- 
milch, oder der zu substituirenden Ammenmilch betnOl. Die 
gesättigt weisse, wohl gett)tiehe Färbung der Milch) lässl, 
besonders wenn sie in Rübe hingestellt einen starken Rahm 
absetzt, auf reichen Gebali an Butter scbbessen; die mikr»> 
9kopi8€be Untersuchung bestätigt dies, wenn sich in der Probe 
im Vergleich mit einer andern Normalnnlcb eine ttbergroese 
Menge von Fettkügelchen zeigen^ Da aber die fettreichste 
Milch nicht die nahrhafteste genannt werden kann, sondern 
dies von dem Gehalt an KaseYn und Zucker abhängt, so ist, 
um die Güte der Frauenmilch zu prOfen, immer noch die 
chemische Untersuchung niilhig« Eine sehr wässrige Milch, 
in welcher sämmtUche feste Bestandtheile vermindert sind, 
erscheint bläulich und lässt, mit dem Mikroskope betrachtet, 
wenig FettkUge/cAen erkennen. Die Milch, weiche unmittel- 
bar nach der Qetmri aus den Brüsten entieert wird, ist ge- 
wöhnlich sehr fettreich und man beobachtet in ihr mit dem 
Mikroskope nebep den Fettkügelchen grössere, gelbliche Kör> 
perchen mit granulösem Inhalt, welche Kolostrumkörperchen 
genannt worden sind; ausserdem findet man In solober Müch 
die MUchkügelcben vermehrt und besonders die grösseren 
vorwaltend, auch zahlreiche MilohkUgelchen conglomerirt 
Wenn auch schon die Kolostrumkörperchen verschwunden 
Sind, so kann doch der erfahrene Beobachter, noch an den 
sehr zahlreichen, gfossen, zum Theil noch zu einzelnem Hau- 
fen cotig\omeririenMilchkÜgelchen erkennen, dass die Säugende 
vor nicht langer Zeit entbunden worden ist. Donne hat 
beobachtet, dass die Kolostrurokörpereben, auch bei gewis- 
sen Krankheiten der Brüste, wie Anschwellen der Mflcbdrtt- 
sen oder bei begihnender Entzündung, gefunden werden; 
dass überhaupt die Milch in sotohem Zustande mehr den 
Charakter des Kolostrums annimmt; in Folge von Entzün- 
dungen wird der Milch bisweilen Eiter beigemischt, den man 
leicht durch eine mikroskopische Untersuchung erkennen 
kann; ob die alsdann erscheinenden Körperchen Schleim- 
körperchen; wie sie Donn6 bei dem Anschwellen der Milch- 



32 Einleitung. 

drüsen gefimdeo haben will, oder Eiterkörperchen genannl 
werden mUssen, würde sich mit Wahrscheinlichkeit daraus 
ergeben, ob die Milch Eiweisa enthält oder nicht. Die Ge- 
genwart von Blut in der Milch ist zwar durch das blosse 
Auge in den meisten Fällen zu entdecken, wird aber durch 
die mikroskopische Untersuchung erst gehörig festgestellt; 
indem mau alsdann die Blutkörperchen darin vorfindet. 

Verfalchungen der Milch durch Amylon oder Gehirnsub- 
stanz sind leicht zu ermitteln; im erstem Falle findet man 
bei der mikroskopischen Untersuchung die wohl erhaltenen 
Amylonkörperchen, welche sich beim Hinzufügen von lodtink- 
tur färben; im andern Falle beobachtet man mit dem Mikro- 
skope die Ueberreste des Gehirngewebes. Ausserdem hat 
hier die Milch, wenn die Beimischung von Gehimsubstanz 
meht zu gering war, besonders beim Erhitzen, einen erkennt- 
lichen, unangenehmen anhnalischen Geruch nach Gehimsub- 
stanz. Der gelbliche, oft zähe oder schleimige Rahm giebt, 
mit Aether behandelt, ein Fett ab, welches phosphorsäure- 
haltig ist, von der Oelphosphorsäure des Gehirns herriihrend. 

Die chemische und mikroskopische Untersuchung der Darm- 
excrete ist fUr die Diagnose nicht selten von Nutzen. Die Fäkal- 
materien weichen inKrankheiten sowohl in Bezug zur Gonsistenz 
als zur mechanischen.und chemischen Mischung bedeutend von 
den normalen ab. Schon das blosse Auge zeigt den Mangel 
an Gallenpigment in den Stiüilen bei Icterus. Die grosse 
Menge aufgeschwemmten Darmschleim^s in den sehr wässri- 
gen dysenterischen Stühlen, welche dem blossen Auge bald 
als eine molkenartige, mit Käseflocken durchmischte Flüssig- 
keit, bald wie ein Gemisch von pumlentem Sctdeim mit Was- 
ser, bald roth gefärbt mit Blut, bald farblos erschemt, lässt 
sich mit Sicherheit nur mit dem Mikroskop erkennen; bis- 
weilen findet man Stücke coagulirten Lymphexsudats, in wel- 
chen man mit dem Miki*oskop bei der g^örigen Behandlung 
die fibröse Structur des coagulirten Faserstoffs erkennen kann. 
Die sich so leicht in zwei Schichten theilenden typhösen Stülüe 
lassen mit dem Mikroskop eine ausserordentliche Menge der 
prismatischen Krystalle des Magnesiatripelphosphats erken- 
nen, ausserdem Schleimkörperchen und nicht ungewöhnlich 



I3eb. d. VermiUlung d. ChcooBiie mit d. pracilMediz. 33 

noch zusammebhängeDde Stücke von Darmschieiaibaul-Epi- 
ihdioiCL la der Darmphthise trennen sich ebenfalls die flüs- 
sige Stühle in zwei Sohichfen, von denen die untere, purit- 
leni erscheinende, unter dem Mikroskop als aus Schleim und 
EI(eik<Srperchen zusammengesetzt erkannt wird; die obere 
Schicht, in welcher dieselben Körper chen noch aufgeschwemmt 
sind^ und sich auch bisweilen Fettkügelehen entdecken las- 
sen, zeichnet sich gewöhnlich durch eine ansehnliche Menge 
aufgelösten Albumins aus. Ganz eigenthümllch verändert 
erscheinen die wässrigen Stühle in Cholera, welche farblos 
und molkenartig unter dem Mikroskope nur wenig amorphe 
Materie, sparsame Schleimkörperohen und nicht selten zahl- 
reiche Krystalle des Magnesiatripelpbosphats beobachten la^ 
sen; charakteristisch für diese Stuhle scheint die purpurrotbe 
Färbung zu sein, welche sie annehmen, wenn man sie mit 
Salpetersäure vermischi 

Eine Erwäbaung verdieai noch das oigeüthümliche Ver- 
halten des Vomiiiis bei hefUgen Entzündungen der Unter- 
leibsoi^ane und bei Carcinom. des Magens; im erstem Falle 
wird eine wässrige, wenig schleimige, grünlich gefärbte, 
oft ausserordentlich fettreiche Flüssigkeit ausgebrochen, de- 
ren Fettgehalt man schon mit blossen Augen, noch besser 
mit dem Mikroskop erkennen ^kann; im zweiten Falle ent- 
halten die sehleimigen chokoladenfarbigen Auswurfsmassen 
eine , dunkelgefarbte amorphe Materie, viele grosse gelb- 
lich geförble Zellen, welche mit einer granulösen Masse ge- 
fülU ^d, die auch kleine Fettkügelehen eingemengt enthält 
Ausserdem scheint noch eine mehr oder weniger ansehn- 
liche Menge von Fetttröpfchen diesem Vomitus eigen zu sein. 



Wie untersucht man thierische, flüssige und solide Sub- 
stanzen auf ihre Qualität und auf ihre quantitative 

Mischung? 

Allgemeine Regeln zum Untersuchen thierischer Stoffe 
sind schwer zu ge^en und die Angaben, welche der Cbe- 
machen wü^de, setzen bei dem, der sie anwenden 

Simon, Beiträge I. H. 3 



34 EifiMtüDg. 

soll, sehr genaue Kenntniss des cbenischeii Verhaken« 
sHmmllioher näbereii Bestandlheile des Ihierischen Körpers 
Yoraus. Indessen kommen auoh dem Arzte schwerlich solche 
Fälle vor, wie sie dem Chemiker begegnen können, dass nMm- 
lieh animalische Materien, deren Ursprung man nicht kennt 
und in welchenman nach allen nähenrBeslandtheilen des thim- 
schen Organismus zu prüfen genötbigtwäre, untersucht werden 
sollen. Kennt man dagegen den Ursprung einer zu untersuchen- 
den Materie, so ist der Gang der Untersuchung meist ein be- 
stimmter; die Stoffe, auf weiche man zu prüfen hat, sind be- 
kannt und ihre Zahl ist beschränkt — Es wird zunächst noth- 
wendig sein, von den Apparaten und Reagentien zu sprechen, 
welche man besitzen muss, um chemische Untersuchungen thie- 
rischer Materien vorzunehmen. Es richtet sich dies beson- 
derMamach, ob man sich allein auf qualitative Untersuchun- 
gen beschränken will, oder auch quantitative auszuAhren ge- 
denkt. Zu qualitativen Untersucbmigen ist es nöthig, dass 
man im Besitz eines Mikroskopes ist, durch welches man 
noch eine Vergrösserung von 400 linear erlangen kann. Die 
Behandlung dieses für pathologische Untersuchungen so wich- 
tigen und unentbehrlichen Instrumentes hat Herr Dr. Pocke 
für dieses Journal zu übernehmen die Güte gehabt, dessen 
Abhandlung das 2. Heft enthalten wird. An andern Instru- 
menten sind erforderlich: Probirgläschen zumReagiren, Per* 
zellanschälchen zum Verdampfen, ein Wasser-, Oel* und ein 
Sandbad, eine sogenannte Berzelius'sche Lampe und eine 
Glasspirituslampe, Bechergläser, Cylinder und Glaskölbchen, 
eine Sprilzflasche, Glastrichter und Pipette, ein Platinblech, 
•ein kleiner Silber- oder Platintiegel oder statt dessen ein 
Platinlöffel, ein Pialindraht, Löhlrohr, Glasstäbe und eine 
grosse Pincette. An nöthigen Reagentien werden gebraucht: 
destillirtes Wasser, reiner Alkohol, Aether, Reagenspt^ier, 
Salpetersäure, Salzsäure und Essigsäure, kaustisches und 
kohlensaures Kali, Ammoniakliquor , essigsaures Bleioxyd, 
schwefelsaures Kupferoxyd, Quecksilberchlorid, Blutlaugen- 
salzy salpeiersaures Silberoxyd, Kalkwasser, Jodtinktur und 
Kochsalzlösung, Chlorbarium, oxalsanres Ammoniak und phos- 
phonaures Natron, Gerbsäure oder Gallustmktur. Bei Unter- 



Ueb. d. VermUtlung d. Chemie mit d. prakt. Mediz. 35 

fiocbuag einer jeden festen oder Attosigea Substanz handelt 
es sich bauptsHohUch dämm, nachzuweisen) ob sie sich nor* 
mal vefMli oder ob sie eine anomale Bescbaffenheil hat; 
man siodiri demzufolge suersi ihre physikaliseheund sodann 
ihre dhenuacbe Beseheffenheit^ muss aber natürlic)i, wenn 
man es mit fid^Fetionen, mit Exkreten oder Geweben za 
thnn iiai, mit üirem normalen Yerlialten vertraut setn, weil 
ja enigegensetzleo Falle das Erkennen der anomalen Ab- 
weichungen nidit «lOglieh wtfre. Man prüft gewöhnlich zn- 
nSehst die Reaktion nUelst Lakmaspapier. Durch einige 
Uebung wird man leicht beurtheilen, ob z. B. die saure 
Reaktion des Harnes eme normale oder zu starke, oder ve^ 
ndnderie ist; hiemach folgt die weitere physikaKscfae FffSt- 
lung. Bie Uniersndrang mittelst des Mikroskopes ist uner- 
Jässlich und die wichtigste, sie macht nicht selten andere 
diendsche Prüfungen entbehrlich; es mag dieses an einem 
Beispiel erläutert werden. Uan hat einen sedimentirenden 
Harn zu untersuchen und will die QuaKtMt des Sedidients 
beurCheilen. Die Prüfiing mit dem Lakmuspapier erweist 
so^eich, ob die Gegenwart von Erdphosphaten mögKch ist 
oder nicht, da in einem stark sauer reagirenden Harne die 
Erdphosphate g<ri9st sein müssen. Das Mikroskop zeigt, ob 
das Sediment eine krystallinisehe Form hat oäi&c nicht; in 
dem ersten Falle kann es nur Harnsäure, Cystin, oxalsauror 
Kalk oder phosphoi*saure Ammoniak - Magnesia Sein; der 
auch nur wenig Geübte wird diese Stoffe leicht unterschei- 
den kiSnnen. Ist das Sediment nicht krystalKm'scb, so kann 
ea i^iosphorsaurer Kalk (nur im alki^ch oder neutral reagi- 
renden Harn), bamsaures Anunoniak, Kali, Natron oder Kalk, 
oxabaurer Kalk, kohlensaurer Kaik oder in amorpher Form 
niedergeschlagene Harnsäure sein. Bei einiger Bekanntschaft 
mit dem Veriialten dieser Stoffe wird man ohne Schwierig- 
keit bestimmen können, welche Substanz in dem Sediment 
enthalten ist; denn die phosphorsauren Erden lösen sich 
ieidit in freien Sävuren, selbrt in Essigsäure, der oxalsaure 
Kalk löst sieh leicht in Salzsäure, nicht in Essigsäure; der 
kohlensaure Kalk löst sich unter Aufbrausen, die amorphe 

3* 



36 Einleitung. 

Harnsäure oder die harrisauren Salze lösen sich beim Er- 
hitzen, was die erstgenartnten Stoffe nicht thun. 

Es ist natürlich , dass eine jede bestimmte Krankheit, 
welche man in speciellen Fällen vor sich hat, oder vor sich 
zu haben glaubt, auch specielle Fragen veranlasst, welche 
durch physikalische und chemische Untersuchung beantwor- 
tet werden sollen; so wird man z. B., wenn man einen mit 
allen Zeichen der Phthise behafteten Patienten vor sich hat, 
weniger seine Aufmerksamkeit auf Exkremente oder Harn, 
sondern auf die ausgeworfenen Sputa richten; allein so wie 
es Regel ist für den Arzt-bei der Untersuchung emes Kran- 
ken nicht bloss das Organ, das zunächst als leidend er- 
kannt wird, mit Aufmerksamkeit zu prüfen, sondern die 
Prüfung auch über die andern Organe auszudehnen, so ist 
es auch bei den pathologisch-chemischen und physikalischen 
Untersuchungen als eine nicht genug zu empfehlende Vor- 
sicht anzurathen, die Untersuchungen der Se- und Exkrete 
nicht allein auf die anomale Beschaffenheit, zu welcher der 
specielle Krankheitsfall auffordert, zu richten, sondern sie 
auch weiter auszudehnen. Bei Scarlatina z. B. ist es sehr 
wichtig, den Harn auf seine Acidität und auf die Qualität 
der etwaigen Sedimente zu prüfen; das Erscheinen reichli- 
cher Epilhelien in demselben deutet gewöhnlich auf die be- 
ginnende Desquamation des Exanthems; nie darf man hier 
die Untersuchung auf die Gegenwart von Albumin veraach 
lässigen, da, wie bekannt, die Albuminurie, wenn auch nicht 
immer, so doch häufig dem zu fürchtenden Hydrops voran- 
geht. Bei dem Erscheinen der Hydrurie oder Polydypsie 
darf man neben der Prüfung auf Eiweiss nie die auf Zucker 
versäunen und muss die Untersuchung eine Zeit hindurdi fort- 
setzen; man würde offenbar, wollte man aus der sich etwa 
zeigenden Albuminurie auf einen sich entwickelnden Hydrops 
schliesseui in den Fällen einen Fehler machen, wo die Al- 
buminurie dem Diabetes melKtus vorangeht und .wohl gar 
mit ihm abwechselt. Die chemische Unfersüchung von Flüs- 
sigkeiten auf die Gegenwart gewisser anomaler Stoffe muss 
stets mit einer gewissen Vorsicht vorgenommen werden; 
man muss sich daran gewöhnen, die Reactionserscheinun- 



Ueb. d. VermiUlung d. Chemie mit d. prakt. Mediz. 37 

gen zuerst mit der geringsten Mcjpge des Reagens vorzu- 
nehmen und alsdann mit dem fl|$feiiweisen Hinzufügen 
forlzufafaren> ebenso muss man beim £rbltzen von Flüssig- 
keiten in Reagensgläsern mit Aufmerksamkeit die Flüssigkeit 
beobacbten vrährend der verschiedenen Stadien der Er- 
wärmung. 

Stoffe, wie z. B. das KaseYn, das Gbondrin, geben mit 
einer geringen Menge von verdünnter Salzsäure einen Nie- 
derschlag, der aber augenbiicklicfa in einer grossem Menge 
von Salzsäure sich löst, aber wieder erscheint., wenn man 
sehr concentrirte Salzsäure in grosser Menge hinzufügt. 
Wenn man eine Fltts»gkeit erwärmt, um sie auf die Gegeth 
wart von Eiweiss zu prüfen, z. B» den Harn, so hat mau zu 
beobachten, ob die Irtttie Flüssigkeit sich beim Erhitzen 
Uärt; dieses Aufklären macht ioHner die Gegenwart von 
bamsanren Verbindungen wahrscheinlich; ist die Flüsftgkeit 
nahe bis zur Siedeiuize erwärmt, so bat man die Aufmerk- 
samkeit auf die Flüssigkeitssäuie zu richten, da, wenn die 
Mengen des Albumins nur gering sind, die schwache Trü- 
bung, welche nach dem Kochen in der Flüssigkeil entstehl, 
wohl übersehen werden kann/ hingegen die trüben Wolken, 
welche sich in den obern Theilen der Flüssigkeitssäule noch 
vor dem Aufkochen derselben bilden, sdir gut beobachtet 
w^den können. Es kann indessen auch eine Trübung beim 
Kochen entstehen, wenn kein Albumin zugegen ist, und es 
braudit keine Trübimg zu entstehen, wenngleich Albumin 
zugegen ist Im ersteren Falle enthält die Flüssigkeit koh- 
lensaure oder phosphorsaure Erden, welche durch Eriiitaen 
niedergeschlagen werden. Im zweiten Falle reagirt sie alkai^ 
lisiA} Salpetersäure giebt für beide Fälle Aufschlu8% im or- 
sferen wird die Trübung gelöst, im zweiten entsteht eine 
Träbuöjg oder PäHung. Bei der Prüfung einer Flüssigkeit 
auf GaUeupigment begegnet man manchen eigentbümlichen 
Abweichungen des Pigments in seinem Verhallen gegen 
Salpetersäure, welche man kennen muss, um nicht getäuscht 
zu werden; es ist in jedem Fall immer zweckmässig, dass 
man die Salpetersäure an der inneren Seitenwandung des 
GeCässes berabfliessen lässt, um wo möglich unter der zu 



38 EioleiUiDg. 

unlersucheDden Plüsßigkeitssäule eine gewisse Quantität der 
Säure auzusammelD. Die bekaoDtea FarbennUancen eraohei- 
nen am lebhaftesten in der Berührungszone beider Flüssig- 
keiten. Bisweilen aber tritt diese Farbenänderung nicht ein, 
wenngleich der Harn so dunkel gefärbt ist, und weisses 
Papier so intensiv gelb tidgirt, dass man an die Gegenwart 
Von Gallenpigment nicht zweifeln l^ann. Gewöhnlich reagirt 
solcher Harn sauer und in den meisten Fällen erhält man 
eine erkenntitche Reaktion auf Gallenpigment durah Salpeter- 
säure, wenn man zuror den Harn mit freiem Kali schüttelt« 
Es erleichtert die Untersuchung ungemein, wenn mao 
weiss und berücksichtigt, d^ss gewisse Stoffe in gewissen 
thierischen Se- und Exkreten theils ausschUessHoh vorkom- 
men, theils unter keiner Bedingung darin angetroffen wer- 
den; so t. B. wird man niemals in dem Harne die Säure 
des Gehlras suchen und in dem Giehirne oitoals den Harn- 
stoff, ebenso weiss man, dass, da das Ghondrin und Glutin 
nur in Geweben angetroffen werden, man sie nicht in Flüs- 
sigkeiten aufzusuchen braucht, welohe vom Körper normal 
oder in Folge von Krankheü ausgeschieden werden. Die 
Anzahl von Stoffen, welche in Folge von Krankheitsprozes* 
sen den Se- und Exkreten beigemischt sein können und 
liicht normale Bestandtheile derselben ausmachen, ist be* 
schränkt; allerdings kann man im Harne und in den Fäkal- 
materien die grösste Moige jener Stoffe theils unverändert, 
theils verändert wieder auffinden, welche als Arzneimittel 
dem Körper zugeführt worden sind; wie indessen der Arzt 
genötbigt ist, die MedikamentenwiriLung wohl zu unterschei- 
den von den eigentlichen Krankheitssymplomen, so muss er 
ds Gheiniker auch die Veränderungen, welche Materien 
durch Beimischung eines Medikamentes erleiden, von den 
Veränderungen, welche in Folge des KrankheiUprozesses 
eintreten, zu untwscheiden wissen. Die blaue Färbung des 
Urins nach dem Gebrauch von Indigo wird er anders wür- 
digen, als die blaue Färbung, welohe bisweilen nach dem 
Gebrauch von Eisensalzen eintritt, und diese wieder anders, 
als die blaue Färbung, welohe sich bisweilen im Harne 
{Eoigt, ohne dass durch den Gebrauch eines Annwaitt^ 



Ueb. d. Vermittlung d. Chemie mit d. prakt Mediz. 39 

siek der Grund der Färbung erUaren Jiesse. Wenn der Bam 
nach dun Gebraacb von essigaaurem oder citrensaurem KaU, 
von Sodawasser alkalische Reaktion zeigt , ohne auf Am- 
moniak zu reagiren, so wird der Arzt $lieser Reaktion 
einen andern Werth beilegen, als wenn der Harn ohne 
ttnssere Yeranlassong aULalisch wird und auf Ammoniak 
reagirl. 

Man muas bei Beurtbeilung des physikalischen und che* 
mischen Momenles thierischer Substanzen Rücksicht auf die 
rnttglicben zuiMUigen oder absichtlichen Beimischungen neh» 
men. EnlhMt ein Sputum fremdartige und aussergewöhn* 
liehe Beimischung, so können diese von Speiseresian her* 
rikbren*, eothttlt der Harn Fett, so kaqn dies in deai Gefösse 
gewesen sein, in das der Harn entleert wurde; ja sogar die 
ammoniakalische Reaktion des Harnes kann bedingt werden 
und einzig und aHein abhängen van sohlecht gereioiglea 
G^U88etL Es ist mcü seilen höchst wichtig, aber auch 
höchst schwierig, zu unteischeiden, ob eine aussergewöbn- 
Sehe Erscheinung hi einer Se- oder Bzkretion dieser eigene 
thUmlich angehört oder eine zufällige ist; ebenso bei der 
mikroakopischen Untersuchung, wie bei der chemischen, err 
langt man die Fähigkeit, gleichartige Erscheinungen unter 
verschiedenen Bedingungen als solche gleichartige wieder* 
zuerkeanen, nur durch andauernde Uebung und durch die 
EHahrong; so reicht für den geübten Praktiker schon der 
Uosse Anblick eines Hamsedunenta hin, um mit der gross* 
Cen Wahrscfaemlichkeit die Natur desselben zu bestimmen* 

ttanplerfordernias bei jeder Untersuchung, welche man 
anstellt, ist, dass man sich bestimmte Fragen stellt, deren 
fieaolfrorlaog durch die Untersuchung geschehen soll. Wo be* 
sfunaU gefragt wird, da kann mm auch bestimmt antworten« 
Eioe jede pathologisch -chemische Untersuchung ohne be? 
stimmte Fragen ist eine „ins Rlaue hinein.*' Die Fragen 
werden in der pathologischen Chemie durch die Medizin 
aufgeworfen; je allgemeiner sie sind, um so schwieriger ist 
die Vntersuchnng; wird die Frage gestellt: ob der Harn 
Eiwetss enthäli, so ist die Antwort ohne Weiteres zu geben; 

dagegen die Frage gesleUt, ob der Harn von der nor- 



40 fiiDleilung. 

malen Mischung abweicht, so kann eme gewissenhafte AnU 
wori nur durch eine genaue qualitative und quantitalive 
Untersuchung geliefert werden; man hat dann nicht allein 
auf^Eiweiss zu prüfen, sondern auf alle Stoffe, welche mög- 
licherwdse zugegen sein können, le rascher eine Unter* 
suchung beendigt werden kann, ohne dass man ihr das 
Prädikat oberflächlich oder leicht beigeben muss, um so 
besser ist es; je länger sie dauert, um so mehr ist zu be- 
fürchten, dass die thierische Materie sich verändert und man 
Produkte dieser Veränderung erhält. Der Anfänger vermeide 
die schwierigen Untersuchungen und bilde sich an den 
leichteren für jene vor; auch nicht eine wird ohne Erfolg 
Meiben, sobald man sich vornimmt, sich bestimmte Fragen 
zu stellen. Selbst wenn der Arzt eine Zeit lang nur mit 
dem Reagensp^pier arbeiten will, so wird er aus diesen 
Untersuchungen ftlr seine Praxis bald wesentlichen Nutzen 
ziehen. Es ist ein Urtheil, welches eben so wenig für den 
guten Willen als für die Urtheilsfahigkeit des Mediziners 
günstig ausfällt, wenn er mit der Bemerkung die che- 
mische Untersuchung von der Hand weist: dass er doch 
sieht weit kommen könne; ein Jeder kann in Erfahnmgs» 
Wissenschaften so weit konunen, wie er sich selbst vor* 
.wärts bringt. 

Einer jeden quantitativen Untersuchung muss die qua- 
litative vorausgehen; diese zerfällt wieder in die mechanische 
und chemische. Aus der qualitafiven Untersuchung er- 
giebt sich natürlicherweise der Gang der quantitativen; so 
mass man z. B. einen ganz andern Gang einschlagen, wenn 
man einen sehr albuminreichen Harn untersucht, als man 
einschlagen würde, wenn der fremdartige Bestandtheü nicht 
zugegen wäre. Für jeden Stoff, welchen man in einer thie- 
riscben Materie aufsuchen will, muss man die Reagentien 
kennen, durch weiche er angezeigt wird; man muss z. B, 
wissen, dass man Protein durch Kaliumeisencyanür, Albu- 
min durch Kochhitze oder Salpetersäure, KaseYn durch Es- 
sigsäure, Zucker durch Kupferoxydsalz und Kali, Harnsäure 
und Gallenfarbestoff durch Salpetersäure, Cholesterin durch 
seine Kryslallform, Milchsäure durch Zinkoxyd, Salzsäure 



Ueb. d. VermitiluDg.d. Chemie mit d. prakt. Mediz. ^1 

durch Silbemib^ty Erdpbosphaie durch Ammoniak u. s. w, 
erkennen kami. Man muss femer wissen, wenn zwei Kör- 
per durch ein Reagens auf gleiche Weise 'angezeigt wer- 
den, ime man sie zu unterscheiden hat, so z. B., dass zwar 
Kasein und Chondrin durch Essigsäure geMt werden, dass 
sich aber das erstere im Ueberschuss von Essigsäure wie- 
der Ittsi und in der Lösung durch KaiiumeisencyanUr ent- 
deckt werden kann; man mass wissen, dass Phosphorsäure 
und Schwefelsäure durch Baryt gefällt werden können, dass 
sich aber der phosphorsaure Baryt mit Leichtigkeit in ver- 
dünnten Säuren löst und der schwefelsaure Baryt nicbL 
Kennt man dieses Verhalten der im Thierkörper vorkom* 
menden Stoffe zu Reagentien genau und weiss man über- 
haupt, wdche Stoffe man suchen will oder zu suchen hat, 
so wird man diese augenblicklich oder durch eine leichte 
Yorbereitende Bearbeitung, wie z. B. Verdampfen, Mischen 
mü Alkohol U.5. w.j naohweisen können. 

Die obengenannten Reagentien werden, wie ich glaube, 
hinreiohoi zu jeder quaUtativen Untersuchung, wie sie dem 
Arzte gewöäolich vorkommt loh will von jedem dieser 
Reagenüen anführen, welche Stoffe man durch sie erken- 
nen kann. 

1. Wasser. Das Wasser löst die meisten animalischen 
Stoffe auf voiSL Ausnahme der soliden Gewebe, des coagi^ir- 
ten Eibrins, der Harnsäure, der Fette\ und des Schleimes. 
Der Alkohol löst, besonders w^nn er erwärmt ist, die 
Fette auf, und das sogenannte Alkoholextract, den Hamstofi; 
das AUanLoiD, die Gallenbestandtheile, llamzucker, die mei- 
sten Säuren und die milchsauren und Chlorverbindungen; ei? 
löst nicht auf, sondern fällt aus den wässrigen Lösungen, 
die Prolejfo Verbindungen, den Leim, den Milchzucker, das 
sogenannte Wasserextrakt,* die harnsauren, schwefelsauren 
und phosphorsauren Salze. Der Aether löst besonders 
die Fette leicht auf. Die Salpetersäure fällt die Protein- 
verlnndungen, Leim und Chondrin, die Fettsäuren, die Harn- 
säure; man bedient sich ihrer zur Erkennung der Gegen- 
wart der Harnsäure und des Harnstoffs; die Ghlorwasser- 
stoffsäure fällt im concentrirten Zustande die Protefnverbin- 



42. Einiettung. 

verbtodoDgen, das Cbondrm und GlitUn, die Fettsäure und die 
Harnsäure; man bedient sich ihrer, wenn sie nicht dampfend 
ist, zur Erieennung der Gegenwart von freiem oder kohlen- 
saurem Ammoniak. Die Essigsäure flUft den Käsestoff, 
das Chondrin, Pepsin; Essigsäure ist ebensowohl bei der 
mikroohemischen als bei der chemischen Analyse von gro- 
fser Wichtigkeit. Viele Stoffe werden durch die Essigsäure 
vollkommen geMU, wie das KaseYn und Krystallin, Ghon« 
drin, der Schleim; das Kase'in löst sich im Ueberschuss der 
, Säure wieder auf, das Krystallin ebenfalls; der Schleim ge^ 
rinnt zu einer fadenförmigen, schlüpfrigen Masse. Das Na* 
tronalbuminat wird gewöhnlich durch HinzufUgung von Es- 
sigsäure so zersetzt, dass Albumin ausgeschieden wird; auf 
gleiche Weise werden auch einige andere Yerbhiduogen 
schwacher Säuren mit Basen zerlegt, z. B. die fettsauren Ver* 
bindungen. Des kaustischen Kali bedient man sich zur 
Erkennung von Ammoniakverbinduogen, da doroh das Ver* 
mischen Ammoniak frei wird. Auch wfrd die Magnesia 
durcb kaustisches Kali geßiill Ammoniak zeigt freie Salz- 
säure und Essigsäure an; auch dient es zur Entdeckung einer 
geringen Menge von Harnsäure, wenn diese vorher nüt SaK 
petersäure erhitzt worden ist; man bedient sich derselben 
zur Fällung der phosphorsauren Erden. Kaliumeisen- 
cj^nUr zeigt die ProteYnverbindungen und die Gegenwart 
des Eisens an. Schwefelsaures Kupferoxyd bedient 
man sich in Verbindung Init kohlensaurem Kali zur Nach« 
Weisung geringer Mengen von Zucker. Essigsaures Blei 
giebt mit einer ansehnlichen Menge thierischer Stoffe unlös« 
Kche Verbindungen; so mit den Protein Verbindungen, imt 
dem Chondrin und Leim, mit den esctraktartlgen Materien, 
dem Pepsin und Fyin und dem Schleim; endlich zeigt es 
auch schwefelsaure phosphorsaure Verbindungen an, und 
Chlorverbindungen, wenn die Verdiinnung nieht zu gering 
ist. Eine alkoholische Lösung von essigsaurem Blei dient 
dazu, auchi in einer alkoholischen Lösung von Fellen die 
Fettsäure nachzuweisen. Salpetersaures Silberoxyd 
giebt in verschiedenen thierischen Stoflfen Niederschläge, be- 
soiiders aber bedient man sich desselben , um die Salz* 



Ueb. d. VermittluDg d. Chemie mit d. prakt Mediz. 43 



säure nachsaweieen ood abzascheideD. P.e8 Chlorfta* 
rium zeigt die Schwefelsäure und Phosphersäure an, die 
Schwefelsäure win^ davon aus der saueren, die Phosphor- 
säure nur aus der neutralen oder alkalischen Lösung go- 
fäUt. Oxalsaures Ammoniak zeigit die Gegenwart des^ 
Kalkes an; phosphorsaur^s Nairon twgLj besonders in 
Verbindung mii Ammoniak, die Gegenwart von Magnesia an; 
Gallustinktur oder Gerbsäure bedienl man sich zur 
Erkennung von Leim, jedoch werden auch mehrera andere 
thierische Materien, wie Albumin, Kasein, vMe der eoLtrakU* 
ven Materien, von ihr gefiUlt. Jodtinktur und Chlor na- 
tri um werden besonders bei der mikroehemisohen Unter* 
anchung gebraucht 

Man mnss bei der qualitativen Unlersuehung zunächst 
auf die Gegenwart oder Abwesenheit deiiemgen Stoffe prü- 
fen, welche man nach dam Ursprung der ca yaterauoben* 
den Materien daria zu vefONilben hat; ist also das zu un« 
ipreucheilde Objekt fiiut und man findet ^ im Blutkuchen 
'und Serum gesondert, so ergiebt sich schon daraus, dass 
die Hauplbestandtheile des Blutes, filulkdrperohen, Fibrin 
und Serum, zugegen sind, es handelt sich dann nur um die 
Qualität des Blu&uchens, um die der Bhitkttrperchen, ob 
sie nämUch in ihrer Integrität erbalten sind. Hierauf prüft 
man, ob fremde Stoffe zugegen sind; die ZaU derselben ist 
besdiränkt; es wären etwa: Zucker, Harnstoff, Gatte, Eiter« 
Wäre die Flüssigkeit Harn, 9o prüft man zunächst auf Ge* 
genwart oder Abwesenheit der freien Säure, der Harnsäure, 
gewisser Salze, wie harnsaure, Schwefel* und phosphocsaurOi 
wie Erdphosphaie, Gh&orverbindungen; dann wendet man 
sein Augenmerk auf die Stoffe, wOlehe normal nicht zur 
Miscbung des Harns gehären; auch die Anzahl dieser ist 
wieder beschränkt, wenn auch (^eich ansehnlicher als im 
Blut& 

Werden die Prüfungen in fteagenzgiäsem vorgenom- 
m«i, so hält man das Glas gegen das Licht und beobt 
achtet die Wirkung eines jeden Tropfens des hiiattgethane^ 
oen Reagens; werden die Prüfangen in Porzeilanadiälcheii 
vorgenommen, wie z. B« die auf Harnsäore oder auf bamr 



44 Einteilung. 

sdures Ammoniak u. s. w., so muss man ebenfaHs mit dem 
Hinzufügen des Reagens behutsam sein und die Wiricung 
durch Rühren mit dem Glasstäbcheu, iurch Erwärmen , jo 
nachdem dieses erfordert wird, unterstützen; will man sich 
von der Gegenwart eines Stoffes dadurch überzeugen, dass 
nach HinzuAlgen des Reagens sich Krystalle abscheiden, so 
darf man, wenn man diese nicht sogleich entstehen sieht, 
nicht von der Abwesenheit des fragHchen Stoffes sprechen, 
denn je nach der Verdünnung erscheinen sie bisweilen erst 
nach längerer Zeit 

Für die quantitativen Untersuchungen ist es schwer, 
wie ich schon bemerkt habe, einen allgemeinen Weg anzu* 
zeigen; der Gang der Untersuchung richtet sich natürlich 
immer nach den Ergebnissen der qualitativen Analyse. Da 
die zusammengesetzten thierischen Materien, welche man 
qualitativ untersuchen will, Stoffe enthalten, welche theils 
in Aether, theils in wasserfreiem Alkohol, theils in 80^, 
theils in kochenden 50f , theils nur in Wasser löslich sin^, 
so kann man, durch die stufenweise Anwendung dieser 
verschiedenen Lösungsmittel, den zu untersuchenden Stoff 
in Gruppen theilen, von welchen jede einzelne wieder einen 
oder mehrere Stoffe enthält; so wird man z. B. in der äthe- 
rischen Lösung besonders die freien Fette und die freien 
Säuren finden. In der Lösung durch wasserfreien Alkohol 
den Gallenstoff, die extraktive Materie, Alkoholextrakt ge- 
nannt, den Harnstoff, das Allantoin und fettsaure und milch- 
saure Salze. Im 80^ Alkohol wird man den Hamzucker, 
die extraktiven Materien, welche man als Spiritusextrakt be- 
eeidmet, und Chlorverbindungen finden; im kochenden 80% 
Alkohol findet man Hafematoglobulin, Krystallin, einen Theil 
des Kaseltn, welche Stoffe sich zum Theil beim Erkalten wie- 
der herausschlagen, Milchzucker und Natrumalbuminat, ex- 
traktive Materien, vielleicht etwas Glutin und Chondiin und 
einige Salze; zurückbleiben dann noch die coagulirlen Pro- 
lelfnverbindungen, der Leim und das Chondrin, Harnsäure 
und hamsaure Salze, die Erdphosphate -und ein Theil der 
Schwefel- und phosphorsauren Alkalien und natürlich alle 
diejenigen Stoffe und Gewebe, welche vt^eder im Wasser 



Ueb. d. VermitUiing d. Ghemi« mil d. prakt. Hediz. 45 

noch Alkohol Idalich sind; durch Behandeln dieses Bückstan- 
des theils mii kochendem Wasser, iheils mit gesäuertem 
Wasser, theüs mit alkalischem Wasser, kann man noch wei- 
tere Treonung vornehmen. Warmes oder siedendes Wasser 
wttrde imiLeichtigkeit das durch Alkohol gefällte Ghondrin und 
Gluüu li&sen; ein durch Salzsäure schwach gesäuertes Was- 
ser würde die £rdphosphate und die Basen der harnsauren 
Salze aasziehen; ein mii freiem Kali vermischtes Wasser 
lds( die coagulirt^i ProMn Verbindungen, und die Harnsäure. 
Wie man nun das Gemisch von Stoffen, welches etwa 
durch Aeiher^ Alkohol oder Wasser ausgezogen worden ist, 
weiter trennt, darüber ist auch im Allgemeinen eine fiesüm- 
mung schwierig zu geben. Fette und eine freie Säure, die 
durch Aelher ausgezogen werden, lassen sich durch Was- 
ser trennen. Harnst«^ kann vom Allanto'fn durch Krystalli- 
saUon des letzteren, von den extraktiven jtfaterien durch 
Sai^lersäure, rem Büia und der Gholobilifelinsäure durch 
Vaceralion mil Salzsäure getraint werden*, von den fett- 
sauren Verbindungen durch Vermischen der wässrigen Lö- 
sung mit Salzsäure. Ham^ucker und Kochsalz lassen sich 
durdi Verbrennen und Einäschern trennen; von andern 
B^mischongen lässl sich der Harazucker, allerdings nicht mit 
grosser Genauigkeit, durch freiwilliges Herauskrystallisiren 
aus einer heissen, stark alkoholischen Lösung oder durch 
Versetzen der zuckerhaltigen Flüssigkeit in Gährung, trennen. 
Die kaseinartigen Stoffe, das Krystallin und Ilaematoglobulin 
lassen sich durch Alkohol vom Milchzucker trennen und 
ebenso von den extractiven Materien/ und Salzen. 

Eme Bestimmung der feuerbeständigen Salze macht man 
immer am besten direkt durch Verbrennen eines Theils der 
zu uniersuchenden Materie. 

Alle flüssigen Stoffe, welche einer quantitativen Analyse 
ODierworfen werden sollen, müssen zur Bestimmung des 
Wassers eingetrocknet werden; es geschieht dies am besten 
mit geringen Quantitäten. 

Die genaue Bestimmung des Wassers und d^ festen 
Rückstandes ist oft nicht ohne Schwierigkeit. ' Einige Stoffe 
veriieren ihr Wasser schon bei der Wärme des kochenden 



46 EinleiiUDg. 

Wassers, andere erfordern eine höhere Temperatur, die man 
mittelst eines Oelbades hervorbringt Blenders die pro- 
ieYnhaltigen oder leimgebenden Gewebe werden mir bei 
einer Temiieralur von 110 — 130* C. vollständig vom Wasser 
befreit; man kann sie zu dem Zweck im Oelbade erhitxen 
oder auch in ein kupfernes^ cylindrisches Gefass, oder 
BUchse, in welches man in verschiedenen Abständen vom 
Boden kupferne Ringe oder durchbrochne Scheiben auf vorsprin- 
gende Nieten einlegen kann, um darauf in einem SchMchen 
die zu trocknende Materie zu stellen. Das kupferne Gefäss 
wird Über die Spirituslampe erhitzt und an einem durch 
den lose aufliegenden Deckel gehenden Thermometer er- 
kennt man die Temperatur und kann sie mittelst desselben 
und der Lampe reguliren. Auch beim Oelbade muss man 
sich des Thermometers bedienen. Dieses Erhitzen im Oel- 
bade oder im kupfernen Trockenapparate wird aber natür- 
lich erst mit der im Wasserbade eiogetrockneten Substanz vor- 
genommen. Die (hierischen Substanzen sind sämmtlich hy- 
groskopisch; einige ziehen aber mit grosser Begierde, wenn 
sie ausgetrocknet worden sind, die Feuchtigkeit der Luft 
an, so dass sie schon während des Wagens an Gewicht zu- 
nehmen. Diese Stoffe muss man in kleinen Schäfchen, 
welche mit einer aufgeschliffnen Glasplatte versehen sind, 
schnell wiegen. 

Es ist nicht vorher zu bestimmen, ob man die zu un- 
tersuchende flüssige Substanz zuerst vollständig eindampft 
oder nicht; enthält eine Flüssigkeit viel Eiweiss, so ist es 
gewöhnlich zweckmässiger, dasselbe durch Alkohol zu fällen, 
da es beim Coagidiren in der Kochhitze und beim Ver- 
dampfen bis zur Trockenheit eine zu grosse Menge fremder 
Stoffe mit einschliessen würde, die man dann nur schwer 
davon trennen kann; andere Stoffe, wie z. B. die GaUe, 
pflegt man gewöhnlich bis zurTrockne einzudampfen, ehe man 
sie einer weitern Untersuchung unterwirft Es hängt durchaus 
von der Beschaffenheit der eu untersuchenden Stoffe ab und 
von ihrer Mischung, ob man sie vor der Untersuchung zur 
Trockne verdampfen darf. Da eine erhöhte Temperatur so leicht 
die thierische Materien umändert, so muss man se ül>eriiaupt 



Ueb. d. VenniUlung d. Chemie mit d. prakt. Mediz. 47 

ZQ venndden suchen. Kann man darcb gelindes Verdam- 
pfen einen Tfaetl des Wassers entfernen und dann so- 
gleich die Behandlung mit Alkohol eintreten lassen, um 
die- Materien als im Alkohol lösliche und untösliobe zu ken- 
nen , so ist dies vorzuziehen; allein man ist nicht immer 
sicher, ob man durch den Alkohol eine vollständige Tren- 
nung bewirkt hat;.Oücfa(ige freie Säuren gehen dui'ch das 
Verdampfen ganz verloren« Wenn man aber auch auf ir- 
gend welche Weise die Untersuchung einer Substanz vor- 
nimmt, so mnss doch stets eine geringe Menge im Wasser- 
bade eingetrocknet und vdlständig entwässert werden, da- 
mit man den Gehalt an festen Bestandtheilen erkennt. 

Eine nie aus den Augen zu lassende Begel bei quanli- 
tativen Untersuchungen isl:< 

1] die Untersuchung so rasch als möglich zu beendigfen, 

2) nie die ganze Menge der zu ualersuobeiiden Materie 
zu consuBuren. 

Alle Abdampfungen müssen im Wasserbade bis zur 
Trockne vorgenommen werden, und dann erst pflegt man 
die höhere Temperatur des Oelbades eintreten zu lassen; 
zweckmässig ist es immer, die vollständige Austrocknung 
unter der Luftpumpe vorzunehmen. 

Will man Stoffe, wie z.B. Albumin, Kase'fn, Glutin, auf 
ein Filter sammeln und auswaschen, so muss man das feine 
niter vorher erwärmen und wiegen, nach dem AussUssen 
das Fiitrum trocknen, im kupfernen Trockenapparat an- 
dauernd erwärmen und dann schnell wiegen; Stoffe, welche 
man durch AussUssen und Dekantiren reinigt, werden aus 
dem Bechefglase mittelst ehier feinen Federfahne in ein 
Sehltfchen gebracht, darin getrocknet imd gewogen. Sämmt- 
Mcfae Wi(gungen dllrfen nicht mit erwärmten Schalen vor- 
genommen werden, sie müssen möglichst schnell beendet 
wentoi und gut ist es, wenn man immer, wie schon oben 
bemerkt, die Schälohen mit einer kleinen Glasplatte be- 
deckt, weiche aufgesdifiifen wordcm ist. Wiegt man sich 
eine Quantitttt irgend eines Stoffes ab, so geschieht dies so, 
dass man das Gefäss tarirt, eine gewisse Menge des Stof- 
fes hinein thot und das Gefäss wieder wiegt: Sollen Stoffe,, 



48 EinleiUmg. 

welche sich bereits in Geffissen befinden, gewogen werden, 
so werden sie zuerst mit dem Gefässe gewogen, alsdann 
wird das Gefäss gerebigt und nochmals gewogen; man hat 
dann auf das Gefass, wo das Scbalchen liegt, so viel 'Ge- 
wicht aufzulegen, wie der Gegenstand wog, um die Wag- 
schaie in» Gleichgewicht zu bringen. Die Berechnung pflegt 
man nach beendigter Analyse so anzustellen, dass man bei 
festen Stoflen die gefundenen Resultate für 100 — bei flüs- 
sigen für 1000 — berechnet Wo das Wasser keinen ei- 
gentlichen Bestand Iheil einer thierischen Materie ausmacht, 
sondern nur eine zufällige Beimischung ist, pflegt man seine 
Bestimmung nicht zu madben und bringt in diesem Falle die 
Materie vor derllntersachong zur absoluten Trockenheit — Die- 
ses wären einige der allgemeine Regeln, welche sich für die 
quantitativen Untersuchungen geben Hessen. Auf die Vorschrif- 
ten zu Untersuchungen in einzelnen speziellen Fällen gehe 
ich hier um so weniger ein, da ich im Journale selbst dazu 
oft genug Gelegenheit haben werde« 



Ueber die sogenauute naturliistorische Richtung 

m der Medizio* 



Maohdem ich bisher über die Vermittlung der Chemie 
und Mikroskopie mit der Medizin, über die nur noch rudi- 
mentären Resultate, welche bisher durch chemische und 
mikroskopische Forschung^ für praktische Medizin oder 
Pathologie erlangt worden sind, gesprochen und einige all- 
gemeine Anleitungen und Regeln für die Methode der. che- 
mischen Untersuchung gegeben habe, erlaube ich mir nun 
noch in Bezug zur sogenannten natuitistoriscben Richtung 
in der Medizin und zu ihrer Nothwendigkeit einige Worte 
hinzuzufügen. Der frUher angedeutete Zweck dieses iour- 



Ueb. d. sogetiaiinte naturhist. Richiung in d. Hediz. 49 

halft setei schon, von Seifen des Redakteurs wenigslens, die 
Ueberzeugung voraus, das» die Anwendung der exakten 
WissenschaClen in der Medizin nützlich , und soll ein ernst- 
hafter und wirklicher Fortschritt gemacht werden, ganz un- 
erlSisftlich ist, und diese Ueberzeugung glaube ich mit allen 
oder doch den meisten Physiologen und mit der Mehrzahl 
der Pathologen zu theilen, und somit könnte ich mich ei- 
genilicb der Mähe Überheben, von der Wichti^eit der Rich- 
tung in der Medizin, die, weil sie die Naturwissenschaften 
als Hüfsdoktrinen herbeizog, als nalurhislorische bezeichnet 
wurde, zu sprechen. Selbst unter den älteren Aerzten jgiebi 
es jetzt wenige mehr, welche nicht das Bedürfniss lebhaft 
fühlen, Positivität in ihre bisher daran so sehr Mangel Jei* 
dende Wissenschaft hinein gebracht zu sehen und ich freue 
mich, in Bezug auf Beriin es aussprechen zu können f dass 
die Theflnahme für pathologische Chemie und ftlr Mikrosko- 
pie fortwährend un Wachsen ist. Es ist nicht nöthig, die 
Frage aufeuwerfen, ob der Grund für diese lang verzögerte 
Anwendung der Naturwissenschaften in der Medizin, in dem 
Entwickelungsgange dieser alten Wissenschaft oder in dem 
der genannten Hilfsdoktrinen Hegt, beide mögen gleich be- 
theiligt sein, aber es zeigt sich auch in der Medizin selbst, 
dass, nachdem einmal der Fortschritt begonnen, man ihn 
von einer SeKe höchlich missbilligt, von einer andern aber 
schon über ihn weiter hinaus gehen zu müssen memt und 
bereits die naturhistorische Richtung ds eine verfehlte be- 
zeichnet 

Man geht einer bessern Zukunft in der Medizih entge- 
gen und Dank jenen Männern, die sie herbeigerufen und 
geweckt haben, aber noch ist sie nicht verwirklicht! — * 
Schönlein's Verdienst, wäre es auch kein anderes, als die 
sogenannte naturiustorisehe Richtung in der Medizin aus in- 
niger und tiefer Ueberzeugung von ihrer Nothwendigkeit 
wirklich eingeftUirt und mit strenger Konsequenz verfolgt zu 
haben, ist ein zu grosses und wichtiges, als dass es nicht 
auf allgemeine Anerkennung von Seiten der Kunstgenossen 
I Anspruch machen sollte, eine Anerkennung, die sich nicht 
j bdohnender aussprechen kann, als dass die, welche sich 

Simon, Beitrüge I, 4. '4 



^9^ 50 >^j^ EiBleiUiBg. 

lVtVT>XOi» SüHfstgefUbl seine SchOler nennet), die gleiebe Richtung 
gleichem Eifer und Konsequen2 verfolgen. Unter de- 
nen, die in gleicher Weise wie ihre Lehrer durch Lehre 
oder Schrift wirken, will ich nur Fuchs*, Jahn, Gan- 
statt, Pfeuffer, Ileidenreich, Siebert, Eisenmann 
nennen. ^Kann man es nun diesen Männern verdenken, wenn 
sie in der eingeschlagenen Richtung mit Beharrlichkeit fort- 
schreiten und sie in Schrift und Wort als die jetzt nothwen« 
dige und den Forlschritt in der Medizin wahrhaft fördernde 
bezeichnen? Wer sich vertraut gemadit hat mit dem, was 
bis jetzt in Bezug zur Pathologie . von Seiten der Chemie 
und Mikroskopie, besonders die Untersuchung des Blutes, der 
Se- und Exkretionen, der Knochen, der Konkretionen u. s. w. 
beireffend, geleistet worden ist, wird wie sie einsehen, dass 
der Bau erst begonnen wurde, dass zu seiner Ausführung 
ein jahrelanges Zusammenwirken vereinter KrSfle nolhwen- 
dig ist, dass eine Anzahl Vorurlbeiie besiegt und gewisser« 
massen eine neue medizinische Generation abgewartet wer« 
den muss. Denn es nicht genug, dass der Arzt, der sieh 
an dem Werke betheiligen will, die nöthige naturwissen- 
schädliche Torbildung hat; er muss der Entwicklung genau 
folgen und so viel praktische Fertigkeit sich erwerben, selbst 
Untersuchungen anstellen zu können, oder so viel Ueber- 
sicht und Scharfblick besitzen, solche Untersuchungen zu 
leiten und zu tU>«*wachen. Diese Anforderungen sind nicht 
gering und es wird eine geraume Zeit dauern , bis eine 
namhafte Anzahl so ausgebildeter Aerzte auf dem zu be« 
bauenden- Felde sich vereinigen« Aus der Medizin selbst^ 
aus dem Schoosse der Multerwissenschaft heraus mfissen 
sich patiiologische Chemie und Mikroskopie, palMogisehe 
Anatomie entwickeln, wenn sie nipbt blosse theoretisebe 
Wissenschaften, sondern praktische Lebens- Wissenschaften 
werden sollen. — Ein jed«r Mediziner muss sich beleissi*' 
gen, Naturforscher zu werdenl 

Stellt man die Fri^e einfach und bestimmt so hin: isl 
die naturfaistorische Riditung in der Medizin bereits so weit 
gediehen, dass sie verlassen werden kann, um der sogenann- 
ten, physiologischen Medüsin Platz zu matihen, oder bedarf 



Ueb« d. sogenannlo salurfaiil. Ricbtong io d. Madii. Sl 

sie noch der Pflege und llieifaiabiDe des geeammtett änüt 
eben Publikums und der Naturforscher, um ihr das noüh 
wendige Gedeihen, eine gründliche und kräftige Entwicke- 
lung zu sichern? so ist tlie Antwort im Obigen gegeben: sie 
ist noch in der Entwickehing begriffen; den eingesdilagenen 
Weg jetzt verlassen , würde UnvoUkommeohaii and Lücken* 
baftigkeit zur Folge haben ; es bedarf noch der AnsaBOnhiog 
eines sehr ansehnlichen Materials von chamÜBchen, physika* 
Kschen und mikroskc^ischcn Thatsachen im GeMete dar 
Pathologie und Physiologie, um mit Erfolg eme physiologpacha 
Medizin' zu begründen. Allan es ist unbezweifelt viel Mdi* 
ler, sich auf dem Felde der physidogisohen Gootemplatioi 
als anf dem des physikalischen Eiperiments zv bewegeUi 
und es kann daher nicht wundem, wenn man siebt, wie 
die von Schünlein eingeschlagene Eichtung vomabm ver- 
lassen wird, mn einer andern Platz zu macbenf dje weniger 
mühsefig und den Meditalionen, wegen dar noch mangeia- 
den auf Thatsachen begründeten Schranken, ein ungehauraa 
Feld eröffnet, das nach allen Smten benutzt wird. Aber es 
liegt in dem Forlschritte selbst, dass man ihn stets freudig 
begrüsst und es hiesse hemmend eingreifen, wollte man das 
Material, das in den letzten 10 Jahren durch Physiologie, 
physiologische und pathologische Chemie, pathologische Aiia^ 
tomie und medizinische Physik gegeben ist, unbenutzt 
liegen lassen. Ueberall werden Lehrstühle erriehiel, um 
diese neuen Doktrinen durch Lehre und Eiperiment der me- 
dia&inischen Jugend mitzntheilen und sie mit dar praktischen 
Medizin in genauste Bezidiung zu bringen und wahrhaft 
freudig mUaste ein Organ begrüsst werden, welches aflto 
neueren Forsebungcn, von dem gemeinsamen Geaiobt4>unkta 
der physiologischen Medizin aus, uäi db'eser vermiUeHe, weh 
ches jeder einzeln^ Tfaatsache ihre richtige SteUung in dem 
neuen Gebäude und ihre kritische Würdigung zu TheU wer- 
den liesse. Die Anforderungen, vrelche die Wiaasosehaft an 
die Hedaktion eines solchen Blattes maahen mttsste, wären 
ausserordentlicb, wenn auch bei den vorbandenan Kriften sn 
reahsiren. Mindestens müsate verlangt v^^en^ dass die Re« 
daktion auCs Genauste von aUeBs Thatsächb'chen unterricbtel 

4« 



52 Einleiiuog. 

sei, hioreicbendes Uiiheil und hinreicheucle Kritik, besitze, 
um GegenstSnde aus so verschiedenen Doktrinen richtig 
würdigen zu können. Bei unserer >Mangelhaftigkeit in Be- 
zug . zu den exakten medizinischen Hilfswissenschaften will 
es mir scheinen, dass eine bescheidene Einseitigkeil in For- 
derung des Thatsächlichen viel fruchtbringender ist, als eine 
schwierig zu er«zielende Allseitigkeit; eine spätere Zeit, ia 
welcher die Gegenstände, die jetzt nur mühsam aus Bü- 
chern erlernt werden , theils in propädeutischer Form auf 
Gymnasien, theils gründlich und ausführlich auf den Hoch- 
schulen gelehrt werden auf Kosten' leicht entbehrlicher, zum 
Tfaeil überalteter Doktrinen, diese Zeit, sage ich, wird auch 
Hnre Männer bringen, die das leichter überwältigen werden, 
was in unsrer Zeit noch schwierig ist. 

Ich kann es daher nur alsUeberzeugung aussprechen, dass 
die naturhistorische Richtung nothwendig verfolgt werden 
muss, und ich will hinzusetzen, dass eine richtige mit Geist 
und Geschick angestellte Beobachtung, eine einzige Thatsache 
mehr werth ist in der Medizin, als unendlich mehr Raison* 
nem^ts über Fragen, die noch nicht eine praktische Erör- 
terung erfahren haben. Wie viel ist in der Medizin gespro- 
chen, gestritten, wie wenig ist gethan worden. Wie ofl 
wurde der fromme Wunsch ausgedrückt: ach, w^en wir 
weiter, oder die Forderung: wir müssten weiter sein. Da- 
mit ist nichts gethan, nichts gebessert I Legt Hand an, nicht 
an die Feder, sondern an das, was wahrhaft fördert, an 
das grüodUche praktische Studium eurer Krankheitsobjekte! 

Allein man mag nrich nicht missverstehen, die Verbin- 
dung der Thatsachen mittelst der Idee muss stattfinden, 
wenn erstere nicht als rohes Material, als blosse Typen ohne 
Anwendung bleiben sollen; aber hierzu gehört eine rich- 
tige Kenntniss der Thatsachen, eine richtige Würdigung 
derselben, 

WUl nun aber die sogenannte physiologische Medizin 
noch nicht jenes Postulat erfiillen, das man von der ihr 
beigdegten Bezeichnung verlangen könnte, will sie nicht die 
durch naturhistorische Beobachtungen zu vervollkommnende 
Meditin ab eine ganz vollkommene anticipiren, veriangi sie 



Ueb. d. sogenannte naturhisi. Richtung in d. Mediz. Ö3 

das stetige Erforschen des Thatsäcblichen, verlangt sie die 
Anwendung der llilfs Wissenschaften, Physik, Chemie, Mi- 
kroskopie, und will sie die mit Hiire dieser Doktrinen ge- 
machten und erweiterten Erfahrungen und Beobachtungen dureh 
das geistige Band mit der eigentlioben Medizin in den noth» 
Tvendigen Zusammenhang bringen, so ist ihr Streben ganz 
dasselbe, was die nalurhistorisohe Richtung in der Medizin 
verfofgt, und es kann höchstens der Unterschied da sein, 
dass die einen beobachten und contempliren, die andern, 
wenn es angeht, nicht beobachten und doch coptempliren. 
Wenn Ilerr Dr. Wunderlich der Meinung ist, dass 
bei der Yenäsektiön nur Cruor fortgeht und milhin im Blute 
dte Menge des Fibrin sich relativ vermehrt, so kann ich, 
auf Untersuchungen gestützt, diese Meinung nicht theilen; 
denn, wie bekannt, ist das Blut in dem venösen Systeme 
gleich gemischt, und es werden daher in demselben Ver- 
hältntss Fibrin, Blutkörperchen und Blutserum ausfliessen, 
wie diese in demselben Augenblicke auch in andern Venen- 
stämmen, ja man möchte sagen, in allen Theilen des Kör- 
pers sich gemisdii vorfinden. Wunderlich theilt die An- 
sicht Andral's, dass die Grusta phlogistica nur dann an- 
steht, wenn zwischen Blutkörperchen und Fibrin ein gewisses 
Mischungsverhältniss stattfindet. Diese Ansicht hat nichts 
für sich, als die Thatsache, dass immer, wenn ein sogenann- 
tes entzündliches Fieber zugegen ist, sich die Blutkörper- 
chen vermindern und in demselben Verhältniss sich das 
Fibrin vermehrt. Dass hierin nicht der Grund für das Sin- 
ken der BloÜLörperchen gesucht werden kann, liegt wohl 
klar am Tage; eine fibrinreichere Blutflüssigkeit mUsste 
eher im höhern Grade visoid angesehen werden, als eine 
fibrinärmere. Der wahre Grund des Sinkens der Blutkör- 
perchen kann nalurgemäss nur in einer geringeren Dichtig- 
keit des Blutserums oder einer grössern Dichtigkeit der 
Blutkörperchen, oder endlich in emer durch die höhere 
Temperatur verlangsamten Gerinnung des Blutes gesucht wer- 
den; wahrscheinlich wirken alle drei Momente zugleich, 
denn in einem gesunden geschlagenen Blute sinken die 
Blutkörperchen bekanntlich wenig oder gar nicht; im ge- 



54 EiideiUiDg. 

flehlagpnen EnlsUndungsblute aber ausserordentlich raacit 
Es ist indessen nicht immer ein entzündliches Fieber noth- 
wendigf um diese eigenlhttmliche Veränderung im Bluie^ 
die sich in dem schnellen Sinken der Blutkörperchen aus» 
spricht, hervorzubringen; auch da, \9o durch dyskrasisch« 
Zustände, oder da, wo durch Leiden der Chylopoöse m den 
Organen die Blutmisohung verändert wird, tritt dieses 
mache Sinken der Blutkörperchen ein. AndraFs und Ga- 
varet's Untersucfaungfn über das kranke Blut könn^n^ 
glaube ich^ doch nur mit Vorsicht und grosser Kritik ge- 
braucht werden; so ist ihre Annahme einer absoluten Blut- 
kdrpercheuvermehrung im Typhus und in den exanthemati«» 
sehen Fiebern, einer jeden vernünftigen Ansicht über die 
Ernährung des Bhites geradezu entgegen; eine relative Ver* 
mehrung findet dagegen durch absolute Verminderung des 
Fibrins immer statt, Ueberdies giebt die Methode, der sich 
Andral und Gayaret zur Zerlegung des Blutes bedien- 
ten, keine Bürgschaft für richtige Resultate, es mussten die 
Bestimmungen der Blutk(5rperchen immer etwas zu grosa 
ausfallen* 

Das Blut der an Haicus humidus leidenden Pferde eig* 
not sich vorzugsweise gut, um die physikalische Beschaffen* 
heit des Bntzündungsblutes zu demonstriren, da sich in die» 
sem Blute die Eigenschaften am ausgeprägtesten zeigen. 
Wenn man das Blut von einem und demselben Pferde ia 
einen Glasoy linder und in ein flaches Gefäss auffängt, so 
findet man, dass im Glascylinder die BIutk($rperchen äu* 
fserst schnell sinken und bereits^ noch ehe das Fibrin ge« 
rinnt, sich eine sehr geringe unten liegende rothe Schicht 
von Bhilkörperchen und eine sehr grosse Schicht darüber 
stehenden flüssigen BluUiquors gebildet haben; wenn alsdann 
das Fibrin gerinnt, so bildet sich ein langer Cylinder von 
speckhantähnlicber oder pseudopolypenarliger Masse, wäh- 
rend die untenliegenden Bliitkörperchen nur im gelatinösen 
oder selbst flüssigen Zustande verbleiben; in dem flachon 
GefSsse bildet sich, itn Widerspruche hiermit, ein sehr gre- 
iser, fester, xnit einer ansehnlichen Speckhaui bedeckter 



Ueb. d. sogenauke a tta r fauit. lichtUDg in d. Hediz. S6 

BhMniebM) welcher eine ^iliiltnissaiüssig aar sehr geringe 
Mtfbg^ Blulki^rperchen enthält, 

iMBin Wunderlich die Ansicht Andrers Aeilt, dass 
die eigenthttmliche Mischuqg des Mutes in BntzttndutigeH 
und besonders die Zonehme des Fibrins ein unmittelbarei 
Produkt des krankhaft ergriffenen Organs- sei , so kann ich 
audi diesem nicht beistimmen, denn das krankhaft aflieirte 
Organ produeiri keineswegs das sich vermehrende Fibrin, 
da in ihm im Gegentbeil in Folge der Stase das Fibrin Sieb 
vermindert; ich kann die Vermehrung des Fibrins nur als 
Produkt des Fiebers oder des veränderten Blutkreislaufe an- 
sehen, durch welches die Wechselwirkung zwischen Blut 
und atmosphärischem Sauerstoff vermehrt und in Folge des- 
sen eine griSssere Menge Fibrin erzeugt wird, während zu- 
gleich durch die gehinderte Ernährung die Vemtehpung 
der Blutkörperchen unmöglich gemacht ist. Mehrere Phy- 
sio/ogeo sprechen die Meinung aus, dass em fibrinrei- 
cheres Blut auf die fierzthitigkeit belebend , ein fibrin- 
ärmeres Blut dagegen herabslimmend einwirke. In der 
praktischen Medizin hat man oft genug Gelegenheit dies 
zu beobachten. Dass eine krankhaft veränderte Funktion 
den Reflex zmiächst in dem Organe selbst äussert, von 
welchem sie unmittelbar oder mittelbar ausgeht, ist na- 
Ulrlich; die Bewegung des Blutes, durch den Herzstoss her- 
vorgebracht, wird vermehrt, wenn ein fibrinreicheres Blut 
auf die Thätigkeit des Herzens belebend einwirkt und durch 
die hierdurch vermehrte Blutbewegung wird wieder der 
Fibmgdialt des Blutes erhöbt-, im Gegentbeil wirict ein 
fibrinarmes Blut auf die Thätigkeit des Herzens herab- 
BümiaeDd und vermindert dadurch die Lebhafti^eit des 
Kreisiaufe und mitbin afdch die Zunahme des Fibrins. Eine 
Erscdieinungi die der praktische Arzt nicht selten Gelegen- 
heit hat zu beobachten, dient dazu, dieses Verhältniss in 
em noch klareres Licht zu setzen. Es giebt Entzündungen, 
wo weder die Beschaffenheit des Pulses, noch die des Bluts 
dem heftigen örtlichen Leiden in dem entzündeten Organe 
entspriclit Wird nun aber wiederholt venäsecirt, so hebt « 
sich mcht aliein der Puls, sondern das Blut zeigt auch in 



56 EinleiMig. 

seiacsr physikaliscben Besohaffeoheii d\q EtgenthUfldichkeii 
des enlzttndeien Blutes. Es ist iiier leicht einzusehen, ^ie 
durch Übermässigen Andrang des Blutes nach den Lungen 
oder nach dem gesammlen Gapillargefässsystem eine Uem- 
mung im Bhitkreislauf und in der Wechselwirkung des Blu- 
tes mit der aimosphüriscben Luft bewirkt wurde, was eine 
gebinderte Fibrinerzeugung zur Folge hat, und erst durch 
Oeffnen der Vene wird ein vermehrter Blutkreislauf wieder 
hervorgebracht, 



Atoiiiirewicilte und Formeln 

der bis jetzt der organiscbeii Elementaraaaljrse 
ODterworfeiien Däheren Bestandtlieile des ibieri- 

schen KSrpers. *) 



1) Atomgewichte der wichtigsten Elemeate des Thier- 

körpers, . 



Sauerstoff 
Kohlenstoff 



O »100,000 

C s 76,437 (Berzelius und Dulong ) 
Gl «152,874 
Ca «229,311 
C4 «305,748 
Ca «382,185 
Ce «458,622 
Ci «535,059 
Cg «611,496 
Co «687,933 
Cifl« 764,370 

C » 76,854 (Redtenbachcr und Liebig.) 
C B« 75,00 (Dumas, Stas, Hitscherlicb, Brd- 
mann, Marchand;) 
Ca «150,00 



*^) Die Produkte der Einwirkung von starken Ägentien, wie 
Säuren^ Alkalien u. s. w. auf die näheren Bestandlheile, welche 
erst ausserhalb des Körpers künstlich gebildet werden, sind nicht 
mit aufgenommen. 



SS 



AUMDgewichte und Fonnebi. 



Kohlenstoff G3 »225,00 

— C4 =300,00 

— Ca «375^ 

— Cc «450,00 

— C7 «525,00, 

_ Ca »600,00 ^ 

_ C «675,00 

— Cio« 750,00 

Wasserstoff H « 6,252 (Dumas, Marchand, Erdmann.) 

^ H B 6,2398 (Berzelius und Dulong). 

-* Ht «12,4796 

— H3 «18,7194 
^ H4 «24,9592 

— H» «31,1990 
* He «37,4388 
^ By «43,6786 

— Da «49,9184 

— Ht «56,1582 

— Hio«62,398 
Stickstoff N —88,518 

— Na «177,036 

— Nj «265,554 

— N4 «354,072 

— N, «442,590 

— Ns «531,108 
-^ N7 «619,626 
_ Ng «708,144 

— N» «796,662 

— Nioi«885)180 
Schwefel S «201,165 

— Sa «402,330 

— S9 «603,495 
Phosphor P «196,155 

— P2 «392,310 

— P3 «588,465 
Eisen Fe «339,213 

_ Fe, «678,426 

— Fea «1017,639. 



Alomgewieblie und PoiMlli. 89 



2) Formeln und Atomgewichte der bis jetzt der Elemen- 
taranalyse unterworfenen näheren Beste ndtheile des tlüe- 

rischen Körpers, *) *•) 

Stickstoffhaltige Verbindungen. 

(11 beissl Mülder^ L.: Liebig, K.: Kemp, D.: Dwnaroay, U u. W*: 

Lieb% und Wöhler). 

Atomgewicht. FormeL 

1 2 

ProteYn 6539,528— Smflß^Vf Cm Ha On (M.) 

6580,477— 6511,60»Nn C^s ün Ou (L.) 
Blutalbumin 53893,780— 53318,98— NittC^MÜmOmS iP i (H.) 

-»10Prot. + SaPi 



*) Die Dumas^scbe und Liebig'scbe Bestimmung des Aloa- 
gewichtes des KohlenstofiTs weicht von der älteren ton Berse- 
lius; die den bisherigen Atomgewichten der \aer anzufiifafviidai 
Stoffe zu Grunde liegt, wie oben gexeigt worden ist, sb; eben 
so sind auch Bestimmungen von B* Hitsche riicb «oggelaUen, 
denen zu Folge mit Dumas übereinstimmend das Atoo^wiebt 
des Kohlenstoffs sai 75,00 ohne Zweifel der Wahrheit am näch- 
sten steht Bei Körpern mit geringem KohlenstoflTgebalt ist die 
eotstehende Differenz im Atomgewicht nur sehr gering, bei 
Körpern aber, die, wie die Feite, so reich an Kohlenstoff sind, 
fällt die Differenz grösser aus; es sollen daher hier doppelte 
AtomgewicbUzahlcn beigegeben werden, in welchen bei denen mit 
1) bezeichneten das Atomgewicht des Kohlenstoffs ■■76,497» bei 
denen mit 2) bezeiohnelen «m 75,00 berechnet worden ist 

**) Aus Atoo^gewicht und Formel der Verbindung bann oian 
mit Leichtigkeit die prooentische Zusammensetsong berechnen* 
Das Atomgewicht einer Verbindung erhält man, wenn die Werthe 
sämmtücher Atome der in diese Verbindung eingehenden Ele- 
mentarstoffe znsammenaddirt werden. Das Proteifn besteht' nach 
Mulder aus CUo Hgs Nie Oia; sein Atomgewicht ist also 40.76,437 
+ 62 . 6,2398 + 10 . 88,518 + 12 . 100 » 5529,528. Wie sich diese 
Atomgewichte der Elemente unter einander zu dem Atomgewichte 
des Proteins 5329,528 verbalten, in demselben Verbäitniss müs^ 
sen sie stehen, wenn man sie für Protem ib 100,00 berech- 



60 Aftq^ewichte und Pormeiti. 

Atomgewicht. Formel. 

1 2 

Eialbumin 55692,610—55117,81 =NiooC4ooH6aaOmSi Pi (M.) 

«lOProl. + SiPi 
Fibrin 55692,610-55117,81 =N,oo C4ooH6aoOiaoSi Pi (M.) 

•«lOProt + SiPi 
CafleYn der 
Kuhmilch 55495,60-54920,80aiNiooC4ooH6iioOi2oSi (M.) 

«lOProt. + Si 
Gluün 1972,55- 1953,87=N4 Cw H20 O5 (M.) 

Leimgebendes 

Gewebe *) 7308,43— 7239,48««Ni5 C48 H82 Ojs (L.) 
Ghondrin 4898745-48527,31»N8oC32oH52eOHoSi (M.) 
«s 10 Chondr. + Si 

neu Dtiier: 5529,528 : 3057,480 « 100 : x (55,29), ferner: 
5529,528: 386,868 » 100: x (7,00), ferner: 5529,528 : 885,I8(r 
as 100 : X (16,01), endlich 5529,528 : 1200,00 «s 100 : x (21,70). 
Will man also aus dem Atomgewicht einer Verbindong und ihrer 
Formel die procentiscbe Zusammensetzung berechnen, so nimmt 
man das Atomgewicht eines jeden Elcmentarsloflfes so oft, wie 
in der Formel Atome desselben enthalten sind, multiplicirt mit 
100 und dividirt mit dem Atomgewicht der Verbindung. 

•) Wenn man die Liebig'sche Formel des Protein mit de- 
nen des Glutin und Ghondrin vergleicht, so ergeben sich folgende 
Beziehungen der letzteren Stoffe zum Protein, aus welchen man 
sie sich entstanden denken muss ; aus Protein wird Leim, indem 
Ammoniak, Wasser und Sauerstoff hinzutreten, denn : 2 At Prot. 
I» Ni4 G96 Bi44 O28 + 3 N2 Hs + Hs 0+ O7 sind gleich 2 At leimge- 
benden Geirebes N30 C96 H164O36. Nach Mulder treten zu 1 At 
Prot, noch N2 O3 , um 3 At Glutin zu geben. Nach Lieb ig 
würde, indem zu Protein noch Wasser und Sauerstoff tritt, Ghon- 
drin gebendes Gewebe, denn: Protein s= N12 Gis H72 On -|- 4 B2 
0+2 sind gleich N12 G4s Rso O20. Nach Mulder treten zu 
4 At Prot. N40 G160 H2I8 048 noch 6 Ha und O16 , um 5 At 
Ghondrin zu geben = N40 Gieo H260 O70. Nach Lieb ig wäre 
die Harnsobstanz Proteia + N2 He +30 
die mitttlerc Artcrienhaut Protein + 2 H2 O 
der Schleim Prote'ih + 3 Ba 0. 
NachPlayfair, Boeckmann 
Ochsenblut u. Oclisenfleisch Protcm + Ha O + 4 H. 



Atongeiaichte und Formeln. 61 

Alomgewiclvt Formel. 

Chondringeb. 1 2 

Geivebe 7230,39— 7161,42«iNuC48HMOM (L.) 
HornsubsUnz 7094,95— 7025,98 =NmC4«H78 0ii (L.) 
Mittlere Arte- 

rienbaut 6805,445— 6736,4r«Nj2 (ms H?« de (L.) 
Schleim 6917,920-- 6848,95^Nia Cu Hts Ojr (K.) 

ChoMnsäure 

6036^65-^ 4976^0«>N2 C4» Ki% On (D.) 
(Berzelius Bili- 

felinsäure) 9186,94— 9078,73 » N4 G76 Um O« (L) 
Hämalio 5108,01— 5044,79««N6 G44 H44 O0 Fei (M.) 

10216,02— iO089,58«iNi2 Gss Hss O9 Fes O3 
Harnsäure 1061,216— 1054,02»N4 C» H4 Oa 
Harnige Säure 

(XanOioxyd) 961,220- 954,02»N4 Ca Hg O2 
Harnstoff T&SfieO'-' 753)99a>N4 C3 Hg O9 

Allantoin (AI- 

lantoissäure) 1994,370— 1982,88a>Ns Ca Hjs 0« (L o. W.) 
Hippursäure 
(Urinsäure) 2152,740— 2126,88-sN» C18 Hi« Os . 

Stfckslofffreie Verbindungen. 

(C. heisst: Gbeyreul, R«: Redtenbacber, V.: Varrentrap, B.: Bro- 
meis, L. u. P.: Liebig u. Pelouze, E. u. W*: EtÜiag u* Will, W* 

Wöhler.) 

Atomgewicbi. Fonnd. 

1 2 ^ 

Essigsäure 643,185— 637,44 A«C4 He O9 + % O. 

Milchsäure 1021,010—1012,38 L—C0 Hio O5 + % 0. 

Milchzucker 2154,510—2137,26 »Cja H22 0|i + H3 O. 

Hamzucker 2266, 99—2249,75 -> Cis H24 O» + 2H3 0. 

Glycerfn 1045,965—1037,04 »Gg Hu O5 + % O. 

Stearinsättre6686,723— 6586,13 ^^C-i^ Hm O5 + 2H2 (G.) 

6521,369—6423,76 »Cga H132 O9 + 2H2 (ft.) 

Hargarins. 3393,361-3343,07 9Tm^C»fitnOt^ + n%0(C.) 

3310,676-3261,82 »GmHm O3 + Ha (V.) 



«3 



Atongewicbto and Fonneln. 



1 2 

OekXare 6599,366— 6498,82 

4249,932— 4186,40 

aus BuUer 3373,246— 3324,39 

Stearin 14644,442—14434,64 

Margarin 7945,102— 7835,89 

Olein 976>686— 962,31 

BoUerslUr»^ 909,936— 898,15 

■ 

Butyrin 2978;)32— 2949^9 

Caprons. i33S,806— 1318^1 
Gaprinsäure 1866,829— 1830,96 
Delphins. 1164,206— 1149,83 
Delphinfett 

Cholesterin 3327,516— 3274,3$ 
Ambrain 3038,05^ 2990,73 
Aethal 2957,807— 2911,82 

Lithofelins. 4372,093— 4315,61 
4194,266- 4136,78 
Benzoesäure 1432,515^ 1412,40 
Oxalsäure 452,874— 450,00 
Kohlensäure 276,437— 275,00 



Öi«C7oHi2o O5 + 2H3 (C.) 
=C44 Hie O4 + H2 O { V.) 
«CmH«04+H,0 (B.) 
^CmgJImcOi? (L. u. P.) 
H2Ai Sl+1 AtGIyc.+^H>. 

^GtsHiso O12 (?) 
»^AtMr+lAtGlya+Ha O. 
^CieHisOi. 

_ s^AlOl+1 At61yc.+2HiO. 
Bu»G7 Hn Os + H2 (a) 
«iCs Hn O3 + Hl (B.) 
— C»H4oOm (?) 
_s=2AtBu+ lAiOlyc+lHiO. 
Ca»GnHi9 O3 -f % (G.) 
VacCis H» O3 + H, O (C.) 
De«Gio H16 O3 + Ba (G.) 

-Ga6H48 0n (?) 
»2AU)e+ 1 AtGlyc+HsO. 

«=C37 H64 0, 

<^ Gsd H45 O« 

bGssi He6 Ol + Ha O. 

«G42H74O7 +Ha 0(E.u.W.) 

aBG40H79O7+%O(W.) 
bbGi4 Hio O 3« 
«cG2 O3. 

>bCi O a* 



Vorläufige AlittliailflMigeD fiber die Wkfctigfcitt 

des Fetts bei der thierischen Stoffmetainorpliose, 

sowie bei den sogenannten Milcbgahnuigen 



Ton 



üebec die Eniakltvaig des Fettes im tfaieriscben Eörpcri 
über die YeräDdeniDgen, die es bei der ihienschen Stoff« 
metamorphose entweder selbst erieidet oder ia aadera Stof^ 
fen hervorruft, sind wir leider noch vMig im. DuakeiD. 
Dies liegt niebl etwa bloss daran, dass man fHtber giaiibte, 
im thierischen Orgaaismtts könne durch die sogenannte Le- 
benskraft ans AHem Alles erzeugt werden, und dass man 
sich somit alle Aussieht mat eine- erfolgreiche Fonehung ab* 
schnitt: sondern gewiss verziglich auch daran ^ dass die 
verscUedenen Arten von Fetten, oI>gIeich Chevreuirs kloa* 
eisehe Uolersaebttagen vorangingen, von den Chcpukeni 
noch nicht geuttgend haUpa geschieden, zur Etomenterana« 
lyse verbereüet und auf emieennassen sicheve Atoomewiehle 
zurückgeführt werden ktfmien. Vesdaoken wir es doch erst 
dem ausgeieiefanelen Schar&iane Liebig's, der die Auf- 
merksamkeit und Thätigkeit jtlngerer und älterer Ghemiket 
auf die Fette hinlenkte, dass wir erst in neuerer und nen- 
ster Zeit über die chemische Goaslitiiliea der bekannteren 
Fette und die Art ihrer Zereetzui^en und ZersetaungqMre« 
dukte einigermassen aus dem früheren Dunkel erhoben wor- 
den sind. Allein noch sind wir fast vcdfa'g im Unklm-en über 



64 Wichtigkeit d. Fettes b. d. tbier. Stoffmetamorph. 

die im thierischen Körper nicht deponirten, nur einzelne 
<Nrganische Substanzen begleitenden Fette und Fettsäuren, 
über die phosphor- und stickstofifhaltig^^ nicht verseifbaren 
Fette. Man hat sich oft dabei beruhigt, in thierischen Sub- 
stanzen Cholesterine anzunehmen, in denen sich ein nicht 
verseilbares, krystallisirbares Fett fand (wie ich z. B. vom 
DoUerfett später nachzuweisen Gelegenheit haben werde; 
sind doch die einzelnen Fette des Dotteröls bisher noch 
keiner genaueren chemischen Untersuchung unterw<Nfcn 
worden). 

Was nun aber im Allgemeinen die Wichtigkeit des Fet- 
tes im thierischen Organismus betrifft, so muss ich nach 
den hier und später mitzutheilenden, von mir gemachten 
Beobachtungen bekennen, dass ich dieselbe früher*) aller- 
dings viel zu gering angeschlagen habe. Obgleich ich na- 
türlich rücksichtlich der im Zellgewebe an verschiedenen 
Orten des thierischen Körpers deponirten Fettmasse noch 
ganz derselb«!! Ansicht, wie früher, huldigen muss, so ha« 
ben mich doch spätere Versuche, die ich über die Uorwand* 
lungen anstellte, welche ^ie Fette bei der Entwicklung des 
Yogeleies, bei der Verdauung und Ghylification und bei den 
Metamorphosen des Blutes und seiner Bestandtheile erleiden, 
zu der Meinung geführt, dass die Fette einer der wich- 
tigsten Faktoren der ganzen thierischen Stoffme- 
tamorphose sind. Ja man wird vielleicht nach den hier 
und später mitzutheilenden Versuchen nicht abgeneigt sein, 
das Akiom au£Eustellen, dass die nähere Sphäre des Lebens 
im thierischen Organismus nur durch die Concurrenz von 
Proteltnverbindungen, Fetten und stickstofffreien 
Materien (in denen der Wasserstoff zum Sauerstoff sich 
wie im Wasser verhält] bestehe. 

Zwar habe ich schon früher (in meinem Lehrbuche der 
physik. Chemie an verschiedenen Orten) auf den wichtigen 
Zusammenhang, der zwischen der Lebersekretion und den 
Fetten stattfindet,^ aufmerksam gemacht: allein ich leitete die 
Gründe dafür mehr aus physiologischen und pathologischen 

*) Vergl, meüi Lehrb. d. phys. Chem. Bd. I. & 856 ff. 



Wichtigkeit d. Felles b. d Ihier. Metamorpb. 66 

Thatsachen her, als dass es mir gelungen wäre, direkl durch 
chemische und oiikroskopische Untersuchungen die Umwand- 
lung der Felle in GaHenstoffe nachzuweisen, so wie mir 
dies jeUt gelungen ist. 

Ehe ich mich indessen umständlicher damit beschäfUgle, 
die chemischen Umwandlungen der Felle bei der Verdauung, 
Cbylification u. s. w. zu untersuchen, dünkte es mich vor- 
tbeiiha/ler zunächst zu erfahren, ob nicht auch bei einigen 
Umwandiungsprocessen ausserhalb des ibierischen Organis- 
mus oder der Lebenssphäre sieh Erscheinungen auffinden 
lassen, welche durch die Gegenwart des Fettes bedingt 
wurden, und an denen sich analege Umwandlungen der 
Fette wahrnehmen Hessen, wie im thierischen Körper. Die 
näehslen Versuche, die ich zu dem Zwecke anstellte, be- 
standen ganz einfach darin ^ drfss ich jene oben erwähnten 
drei Potenzen., eine- ProleYnverbindui^, eiji Fett- und eine 
Zucker- oder Stärkeroehlarl bei einer Temperatur von 35 
bJä 38* C. auf einander einwirken Hess. Dieses Gemisch ist 
es, welches unter verschiedenen Bedingungen die verschie* 
denartigsten Veränderungen* erleiden kann, wenn es auch 
unter den gewöhnlichen Verhältnissen mehr geneigt ist| 
nach einer bestimmten Richtung hin sich umzuwandeln. 
Verfdgen wir hier zunächst hur diese gewöhnliche Richtung, 
so fällt unter den Veränderungen, die ein solches Gemisch 
erleidet» zuerst das baldige Auftreten freier Säure am 
meisten iA die Augen« 

Die Bildung freier Säure unter der gegenseitigen Ein- 
wirkung jener drei organischen Stoffe mussle alsbald dar- 
auf hinleiten, diesen Proaess mit dem der Milchgährung 
oder sogenannten schleimigen Gäbrung zu vergleichen. Doch 
würde es voreilig gewesen sein, diesen Prozess mit dem 
jener Gäl^rung für vollkommen identisch zu erklären, denn 
es schien ja schon nach den bisherigen Untersuchungen die 
Konkurrenz des Fettes bei der Milchgährung völlig UberflUs* 
sig zu sein. Um daher über das Verhältniss dieser beidep 
Processe einigermasseu ins Klare zu kommen, untersuchte 
ich nicht blos» die etwa bei i>eiden .sich zeigenden Umwan- 
deluugsprodukte, sondern ich liess auch reinen Käsestoff, > 

Simon, BeitrSge I. 1. 5 



€6 WichtigkeJi d. Fettes b. d. (hier. Metamor{di. 

Biweissstoff ohne Fettzusatz auf Milehzucker einwirken, war 
ab^r auf diese Weise keine Säuerung und demnach auch 
keine Milcbgährung hervorzubringen im Stande. 

Obwohl die schönen Untersuchungen Peiigot'süber die 
Hilchgähningy so wie über mehrere andere fragliche Punkte, 
ein so heHes Licht verbreitet haben, und obgleich es mir 
klar schien, dass die ProteYn Verbindungen bereits eine ge- 
wisse Umwandlung erlitten haben mUssten, ehe sie aus 
Zucker und dergl. Milchsäure zu erzeugen im Stande sind, 
so stellte ich mir doch fettfreien Käsestoff aus der Milch 
so wie künstlichen Eäsestoff (nach Scherer's verdienstvollen 
Angaben) aus Eierei weiss oder Blutei weiss und Alkali 
dar, setzte diese für sich im feuchteo Zustand oder bermts 
mit Zucker - gemengt der Einwirkung der Luft und der 
Wärme aus, ohne aber mit denselben trotz aller Gautelen 
die Bildung voix Milchsäure bewirken zu können. Fast 
misstraute ich meinen Beobachtungen, da doch alten bekann- 
ten Thatsachen nach die Milcbgährung ohne Gegenwart von 
Fett vor sich gehen musste (z. B. bei der Milcbgährung des 
Runkelrübeusaftes nach Gay^Lussac und Pelouze}, bis ein 
berühmter, ausgezeichneter Beobachter, E. Mitscherlich, das 
Factum bestätigte, indem er der königl. Akademie die Mit- 
Uieilung machte, dass keine Milcbgährung ohne Gegenwart 
von etwas Milch möglic|i sei. 

Was nun aber speciell die von mir Über diesen Gegen- 
sland angestellten Versuche betrifft, so verwendete ich, um 
zunächst die einfachsten Bedingungen festzuhalten, gewöhn- 
liches Biereiweiss, welches bei einer Temperatur von 50 * G. 
eingetrocknet und entwässert worden war, mit heissem 
Aether extrahirtes Eidotterfett und Milchzucker mit etwas 
Aetzkali oder kohlensaurem Natron zu den Versuchen, und 
brachte diese festen Stoffe mit der 20 bis SOfacben. Gewichts- 
menge Wasser in sog. Zuckergläser, die zur Abhaltung des 
Staubes und des zu regen Luftwechsels mit Papier Überbun- 
den wurden; im Backofen wurde das so vorbereitete Ge- 
misch einer Temperatur zwis(*.hen.34 und 40* C. ausgesetzt, 
wobei es sehr nothwendig ist 5 darauf zu achten, dass die 
Temperatur nicht viel niedriger falle. 



Wichli^ml d. Pelk» b. d ihiär. Metamorph. 87 

Bhe teil zur weiterD Auseinandersetzung der von mir 

angestelttea Versuche übergehe, muss ich vorausschicken, 

dass ich auch hier die trefflicbe Beobachluug Peligoi's, dass 

die nneu entstandene Saure die fernere Umwandlung des 

Milehzuckei« und dergl. verhindere, voUkommen bestätigt 

fand. Ich muss daher bemerken, dass ich die im Gflhrungs* 

g«nisch entstandene freie Säure von Zeit zu Zeit mit A'etz- 

kaif oder meist mit kohlensaurem Natron sättigte. 

Da bei diesen Versuchen zunächst die Nothwendigkeit 
der Gegenwart von Fett in die Augen sprang, so wurde 
natürlich meine Aufmerksamkeit auf dieses insbesondere hin» 
gelenkt. Doch will ich die auf die Wirksamkeit der ver* 
scfaiedenen Fettarten bezüglichen Versuche später milthei- 
len, und hier nur vorläufig diejenigen Versuche anfiibren, 
welche beweisen, dass die Fette bei diesem Processe, den 
es wohl erlaubt ist Gährung zu nennen, als eigentliche Per» 
inenle fui^ireo, und dass das Fett und die aus dem Stärke- 
mehl oder ZadLer entstandene Säure immer in einem be^ 
stimmten Zahlenverhähnisse zu einander stehen. Es drängt 
sich uns nämlich hierbei vor Allem die, Frage auf: lässt 
sich nicht vielleicht bei dieser Art von Selbstverwandlungi 
deren einzelne Factoren im Allgemeinen genauer bekannt 
sind, als die Fermente bei anderen Gährungsarten , ein be- 
stimmtes Zahlen- oder Atomgewichtsverhältniss eruiren, In 
welchem die umzuwandelnden Stoflfe und deren Elemente 
zueinander stehen? Lässt sich vielleicht, wenn wir erst be- 
stimmte Zahlenwerthe aus diesed Processen gezogen haben, 
irgend ein sicherer Schluss für eine der bekannleren Gäh- 
mngstheorien ziehen? Pflanzt sich die durch das Ferment 
in dem Ga'hnmgsgemisch entstandene chemische Bewegung 
auf eine unendliche Masse von Molecülen' fort oder ist auch 
hier die Umwandelung, wie sonst überall, an ein bestimmtes 
Maass oder Gewicht gebunden? 

Nachdem ich mich durch ' mehrfache Versuche davon 
überzeugt hatte, dass das Fett allein eben so wenig im 
Stande sei, den Milchzucker in Milchsäure umzuwandeln, 
ab das PröteYn allein, und dass eine gewisse Menge Albu- 
min und Fett endlich aufhören den Milchzucker zu metamor- 



68 Wichtigkeit d. Fettes b.. d. Ihier. Metamorph. 

phosiren, so dunstete ich tuoächst eine grosse Quantität 
Eierei weiss bei ungeföhr 50* C. ein und trocknele es vol- 
Jends bei 100* C, Dieses so erhaltene trockene, aber noch 
lösliche Albumin wird pulverisirt nnd in einem wobiver- 
schlosseneu Gefösse zu den Versuchen aufbewahrt. Zuvör- 
derst suchte ich die in diesem enthaltene Quantität aschen- 
extraclivstoff- und feltfreien Albumins zu bestimmen, 'was 
nicht so leicht durch Ausziehen mit Alkohol und Wasser 
geschehen kann, da sich in diesen Menstruen wegen der 
Gegenwart von freiem Alkali immer etwas Albumin mit auf- 
löst. -Zu dem Zwecke ward eine abgewogene Menge von 
dem getrockneten Eiereiweiss wieder in 10 Th. Wasser ge- 
löst, in welchem zuvor ein Theil Salmiak gelöst war; 
durch den Salmiak wird das Eiweiss vollständiger aufgelöst, 
beim Kochen aber auch' weil ' vollständiger coagülirl utid 
zwar nioht bloss deswegen, weil das mit dem Albumin ver- 
bundene fixe Alkali steh mit dem negativen Theile des Sal- 
miaks verbindet und" das 'Ammoniak beim Erhiizen entweicht 
nüd somit kern Albumin in Lösung erhallen kaqn, sondern 
auch weil überhaupt aus einer Salzlösung das Eiweiss voll- 
ständiger coagulirt wird, wie durch Scherer's und meine 
Versuche hinlänglich dargethan ist (vergl. Liebig's Annalen 
der Pharm. Bd. 40. H. 1. und Wunderlichs Arch. für 
physiol. Medicin. Bd. 1.. H. 2.). Das so erhaltene ceagulirte 
Albumin wurde auf ein gietrocknetes und gewogenes Filter 
gegeben und mit Wasser aiisgesüfsst, getrocknet und sein 
Gewicht bestimmt. Von dem vom Filter entfernten Albu- 
min ward nun eine abgewogene Quantität mit Alkohol und 
endlich mit Aether ausgekocht, dann wiederum gewogen 
und der Gehalt an Mineralstoffen durch Verbrennen be- 
stimmt. Nach 2 Versuchen enthielt das zu den Gährungs- 
versuchen besftnmte Eiweiss 92,748 pC. ProteYn. Bei den 
alsbald mitzutheilenden numerischeu Verhältnissen zeigen 
die Zahlen nicht das troclEne Eiweiss an, sondern sind so- 
gleich für das reine Protein berechnet. 

Als Fett bediente ich mich zu diesen quantitativen Ver 
suchen des Dotteröls, theils weil ich davon gerade eine 
grössere Menge vorräthig hatte, theils weil mich dessen 



Wichtigkeit d. Felles b. d. thier. Metamorph. 69 

Umwandelung,' wegen des* Vergleichs mit der Umwandlung 
im bebrüte ten Ei am meisten interessirte, und auch deshalb 
weil dieses Fett sich am letchsfeten in einer wässrigen 
Flüssigkeit vertheiien lässt Dasselbe, war übrigens aus 
eingetrocknetem Eidotter durch Extraction mit kochendem 
Aether und Alkohol, Wiederauflösen in Aether, Fütriren und 
Eintrocknen im Wasserbdde erhalten word,en. 

Unter den stickstoflTreien, dieser Umwandlung fähigen 
Stoffen wendete icli zu diesen quantitativen Bestimmungen 
den Milchzucker an, Öieils weil dieser sich sehr rein er- 
halten lässt, theils weil er- auch nicht so leicht wie andre 
Zuckerarten in eine andere Gährung übergeht Der zu die- 
sen Versuchen verwendete Zucker war durch Umkrystalli- 
siren gereinigt und bei + 5Q* C. getrocknet worden, er 
enthielt 0,358 pC. Asche. 

Diese drei Stoffe wurden genau abgewogen und mit 
Wasser übei^ossen; zur vollkommneren Lösung des Albu- 
mins, wurde noch etwas kohlensaures Natron zugesetzt, 
dessen Gewicht natürlich ebenfalls bestimmt wurde; das 
Fett wurde in der Flüssigkeit durch gehöriges UmschüUeln 
möglichst fein vertheilt und das Gemisch in den Brutofen ge- 
bracht. Sobald die -Flüssigkeit angefangen hatte Lackmus* 
papier deutlich zu röthen, ward sie mit einer abgewogenen 
Menge einer Lösung von kohlensaurem Natron versetzt, 
deren Gehalt an Natron genau bestimmt worden war, so 
dass ich hierbei immer ziemlich bestimmt controliren konnte, 
wie viel Milchzucker in einer bestimmten Zeit gesäuert wor* 
den war, und zugleich auch ungefähr berechnen, ob über- 
haupt noch Milchzucker nach wiederholter Säuerung und 
Neutralisation der Flüssigkeit in dieser enthalten sei. Bei 
dieser Berechnung nahm ich freilich an, dass der krystalli- 
sirte Milchzucker eine gleich grosse Gewichtsmenge Milch- 
säurebydrat gebe; wir werden weiter unten sehen , in wie 
weit diese Rechnung richtig sein kann. 

Wenn aller Milchzucker consumirt war, oder, mit andern 
Worten, keine Säuerung mehr eintrat, so wurde eine neue 
Quantität Milchzucker zugesetzt und dies so oft; als sich 
nach Zusatz von MUchzucker noch sain^e Reaotion einstellte. 



70 Wichtigkeit d. Fettes b. d. ihier. Hetamorph. 

Wurde Milchzucker durch das Göhningsgemisch nicht mehr 
uingeVvandelt, so geschah ein neuer Zusatz einer abgewo- 
genen Menge von Dotteröl; hierauf ging der Gtfhrungspro- 
zess wiederum längere Zeit wie früher von Statten; die 
Säure wurde neutralisirt und von Zeit zu Zeit wieder Milch- 
zucker zugesetzt. Auf diese Weise wurde mit dem Zusätze 
von Sodalösung, Milchzucker und Dotteröl fortgefahren, bis 
endlich das Albumin so verändert war, dass es der wei- 
tern normalen Umwandlung nicht mehr vorstehen konnte, 
d. h. bis keine Säuerung mehr zu erzielen war. Um das 
Verfahren vielleicht deutlicher zu machen, sei es erlaubt, 
wenigstens ein Beispiel eines solchen Processes anzuführen. 
Am 2B. Septbr. wurden 0,340 gr. Albumin (s ProteYn), 0,7^ 
gr. Dotterfett und 1,145 gr. Milchzucker mit 5,069 gr. einer Soda- 
lösung (die in 100 Tb. Flüssigkeit 7,439 Th. trocknes kohlensau- 
res Natron enthielt) und einer hinreichenden Menge Wasser in 
den Brutofen gebracht Die Flüssigkeit, welche natürlich alka- 
lisch reagirte, war ziemlich klar und durchscheinend; am 
2. Oktober war sie bereits völlig trübe und milchig und 
ohne Reaction auf Pflanzenfarben. Da sie am ^. Okiober 
Lackmus deutlich röthete, so wurden 3,421 gr. jener Soda- 
lösung hinzugefügt. Da 100 Th. jener Sodalösung 4,368 Th. 
Natron enthalten und diese 12,56 Th. Milchsäure sättigen, 
so müssen bei der Annahme, dass Milchsäurehydrat und 
Milchzuckerhydrat polymer oder isomer sind, 100 Th. jener 
Lösung «B 12,56 Tb. Milchzucker entsprechen. Hiernach 
würden, wenn die der Gährungsflüssigkeit zugesetzten 
8,490 gr. Sodalösung gesättigt wären, 1,066 gr. Milch- 
Zucker in Säure umgewandelt worden sein; also würde 
daon noch ein Ueberschuss von 0,079 gr. Milchsäunehydrat 
in der Flüssigkeit enthalten sein. Am 5. Oktober reagirte 
die. Flüssigkeit nur sehr schwach sauer; am 7. 8. 9. Okto- 
ber zeigte sich xlie saure Reaction nicht stärker; daher wor- 
den nun 1,306 gr. MUchzuoker zugesetzt Am 10. Oktober 
war die Reaction schon stark sauer und es wunlen 3,451 gr. 
Sodalöaung der Flüssigkeit zugesetzt Am 11. Oktober Re- 
action wieder deutlich sauer, daher ein neuer Zusatz von 
3^642 gr. SodalösuBg. Am 14. Okiober von Neuem freie 



Wichtigluit d. Feiles b. d. ibier. Metamorpb. 71 

Säure und wiederholter Zusatz von 1,673 gr. Sodalösung. 
(Die 17,456 gr. Sodaldsuog entsprecheo 2,192 gr. Milchzucker, 
also werden nach der vollständigen Säuerung des Milch- 
zackers noch [2,4äl — 2,192] » 0,259 gr. freie Milchsäure 
in der Flüssigkeit seid.) Am 17. Oktober, Wo die Flüssig- 
keit liereüs wieder saure Beaclion erlangt hatte, wurden 
4,683 gr. Sodalösuog zum Gährungsgemisch gesetzt. Die 
Fittsa^keit blieb nun fortwährend von alkalischer Reaction; 
daher wurden ihr am 24. Oktober 1,107 gr. Milchzucker 
zugesetzt Am 26. Oktober zeigte sich wieder freie Säure 
in der Flüssigkeit und deshalb wurden 4,842 gr. Sodalösung 
zugegossen (die bis hieher angewendeten 26,981 gr. Soda- 
lösung entsprechen «s 3,389 gr. Milchzucker, es sind also 
[3,468 — 3,389] noch 0,079 gr. Milchzucker in der Flüssig- 
keit) Am 28. Oktober zeigte sich die Flüssigkeit nur schwach 
sauer, und blieb es trotz des Zusatzes von 1,168 gr. Milche 
zQcker bis zum 5. November. Es war also klar, dass durch 
die angewendeten 0,347 gr. Albumin und 0,756 gr. Dotter« 
feit 3,468 gr. Milchzucker in Säure umgewandelt worden 
waren, abeV nicht mehr Milchzucker durch dieselben gesäu* 
ert werden konnte. Hiernach würden 100 Th. Albumin 
mit 222,35 Dotteröi 1020,0 gr. Milchzucker umzuwandein im 
Stande sein, oder vidmehr 100 Th. Dotteröi sind bei Ge- 
genwart von Proteen im Stande 458,7 Th. Milchzucker in 
Säure umzu^randeln. Am 5. November wurden 0,270 gr. 
DoUefttl zu dem Gährungsgemisch gesetzt) am 6. Novem- 
ber röthete dasselbe Lackmus sehr stark, deshalb wurde 
sie nui 3^M0 gr. Sodalösung neutralisirt. Am 8. November 
vriederum freie Säure, erneuter Zusatz von 2,905 gr. Soda- 
Jtfsoog. Am 9. November Zusatz von 1,330 gr. Milchzucker; 
am 10. November freie Säure, am 12. November Zusatz von 
^,200 gr. Sodalösung; am 15. etwas freie Säure, Zusatz von 
2^40 gr. Sodalösung. Di» Flüssigkeit blieb nun alkalisdi. 
(Seit dem 6. November waren 15,755 gr. Sodalösung zuge- 
setzt werdffli, die, wenn die Lölung durch Milchsäure vöt 
Hg gesättigt worden wäre, 1,979 gr. Milchsäurehydrat entp 
sprechen würden; da aber das Gährungsgemisch alkalisch 
rea^prty so denken wir uns, es sei nur die Hälfte der zuletzt 



72 Wichtigkeit d. Fettes' b. di thier. Metamorph. 

zugesetzten 2,840 gr. Sodalösung gesöttigt worden, dann 
wären durch 0,270 gr. DotterOl » 1,803 gr. Milchzucker 
oder 100 gr. Fett s 667,8 gr. Milchzucker in Säure umge- 
wandek worden; die Flüssigkeit hätte aber saure Reaction 
zeigen müssen,'. da noch 0,685 gr. Milchzucker jener Rech- 
nung nach in der Flüssigkeit enthalten waren; es la^ also 
an dem umgewandelten Dotterfett, welches jener Umwand- 
lung des Milchzuckers in Säure nicht mehr vorstehen konnte.) 
Am 21. November wurden 1,7^8 gr. frisches Dotteröl dem 
Gährungsgeraisch zugesetzt. Am 23. November' saure Reac- 
tion, Zusatz von 4,261 Milchzucker und .8,065 gr. Sodalösung. 
Am 28. November freie Säure, Zusatz von 3,425 gr. Soda- 
lösung. Am 2. Dezember freie Säure durch 2,375 gr. So- 
dalösung gesättigt. Von nun an trat trotz erneutem Zusatz 
von Milchzucker sowohl als von Dotteröl keine saure Reac- 
tion wieder ein. Nach dem am 21. November erfolgten Zu- 
satz von Dotteröl waren ungefähr 15 gr. Sodalösung gesät- 
tigt worden, welche 1,884 gr. Milchzucker entsprechen. Im 
Ganzen wären somit von den 0,340 gr. Albumin ass 7,109 
gr. Milchzucker gesäuert worden, oder durch 100 Th. Albu- 
min 2088 gr. ; berechnen wir nach dem Mittel der beiden 
obigen BeobachtuDgen^ dass zur Umwandlung von 1,884 gr. 
Milchzucker 0,344 gr. Dotteröl nothwendig gewesen wären, 
so würden im Ganzen 0,340 gr. Albumin, 1,370 gr. Dotteröl 
und 7,109 gr. Milchzucker metamorphosirt haben. 

Albumin Dotteröl Milchzucker ^ 

0,340 1,370 7,109 

100,0 414,8 2088,0 

24,8 100,0 591,2 

4,78 19,2 100,0 

Nicht um durch diese einzige Beobachtung irgend etwas 
beweisen zu wollen, sondern mehr um den Weg anzudeu- 
ten, den ich zur möglichen Beantwortung einiger theoreti- 
aoben Fragen einzuschlagen gesonnen bin, sei es mir er- 
laubt, die bei diesem Versuche erlangten Zahlenresultate etwas 
näher zu vergleichen. Suchen wir z. B. das Verhältniss 
auf, in welchem die KohlenstoflQnengen in den bei diesem 



■ ■'< I 






Widitigkeit d. Fettes b. d. thier. Metamorph. 73 

Prozesse fungireDden Stoffen stehen, so ergiebt sich ein 
nemlich einfaches Verhältniss: 

100 Albumin enthält s 55,5 Kohlenstoff >« 1. 
414,8 Oet ungefähr a 331,8 „ 'a a 

2088 Milchzucker « 844,0 „ ^ 15. 

Nehmen wir ferner das Atomgewicht des ProleXns is 
6580 und das des Milchzuckers s 2267 an, so würde sidi 
aus vorstehenden Zahlen ergeben, dass 1 At. Protein (48 At 6. 
enthaltend) im Stande sei 60 At. Milchzucker (720 At. C. 
enthaltend) in Milchsäure umzuwandeln* RUcksichtlich der 
atomistischen Verhältnisse des Dotteröl's ist natürlich durch- 
aus keine Rechnung zulässig, da dasselbe bekaiintlich ein 
Gemenge verschiedener Fette in höchst variabeln Verhältp 
nissen consiHuirt. 

Durch die Miltheiiung der angeführten Beobachtung, die 
mehr oder weniger mit mehreren von mir angestellten Ver- 
suchen übereinstimmt, wollte ich zunächst die Nothwendig- 
keit des Fettes bei diesem Prozesse und die nur an b&- 

* 

stimmte chemische Proportionen, gebundene Fähigkeit dieser 
Fermente, den Milchzucker in Milchsäure umzuwandeln, zu 
erweisen suchen. Die Schwierigkeit, die Gährungsgemische 
immer unter völlig gleichen Verhältnissen zu erhallten, die 
lange Dauer jedes einzelnen Processes und die Leichtigkeit, 
mit welcher ein solches Gemisch in eine andre Umwand- 
lung oder in wahre Fäulniss übergeht, werden mich ent- 
schuldigen, wenn ich vorläufig nur diese Mittheilung machen 
konnte. Ueberdiess würde es vielleicht hier nicht ganz am 
Orte sein,, weiter in diesen verwickelten Gegenstand einzu- 
dringen, da dies Journal ja mehr Air praktische Anwendung 
der Chemie auf Medicin als für rein theoretische Betrach- 
tangen bestimmt ist. 

Es sei mir daher an diesem Orte nur noch gestattet, 
in aller Kürze die Resultate mitzutheilen, zu welchen ich in 
Bezug auf diesen Prozess gelangt bin, d. h. einen Prozees, 
welcher die Grundlage zu den Untersuchungen bildet, die 
ich bereits tü>er Verdauung u. s. w. angestellt habe und zu 
voOendea ini Begriffe bin. 



74 WkhtiBM d. Fettas b. d. Ihier. Hetamorpb. 

BedinguDgen zq dieser Gtthruog. 

ProlelfiiverbiDduDgeD. Nicht nur löslicher Kfisesloff 
und Eiweiss sind bei Gegenwart von Fett im Stande den 
IGlchzuoker 'und fthnliche Stoffe zu oietamorphosiren , son* 
dem aach dieselben Stoffe so wie Fibrin (arterielles und 
venöses) und Globulin im coagulirten Zustande; ja auch 
durch reines Pretelfn wird eine Säuerung des Zuckers bei 
Gegenwart von Fett bewerkstelfagt Merkwürdig ist es, dass 
nach den bis jetzt von mir angestellten Untersuchungen 
alle jene Stoffe nur gleich grosse Quantitäten Milchzucker 
IQ säuern im Stande zu sein scheinen. 

Fette. Die Stelle des Eidotterfetts können alle andern 
nicht verseiAen und auch phosphorhaltigen Fette vertreten, 
Zeilgewebfett, eintrocknende und nicht eintrocknende Pflan- 
senöle, Butterfett, Phocänin, Margarin, Elain, die phos- 
phorhaltigen Fette des- Gehirns, der nicht verseifbare Theil 
des Dotterfetts» In Bezug auf die von jedem einzelnen Fette 
metamorphosirbaren Quantitäten Zucker erwarte ich täglich 
nene Resoilate zu finden. • Rttcksichtlich der Wirksamkeit 
der Fettsäuren bin ich nicht zu bestimmten Resultaten gelangt 

Eiweiss ohne Fett kann allerdings nach sehr langer Zeit, 
d. h. nachdem sich das Eiweiss vollkommen verändert hat, 
eine Säuerung des Milobzuckers bedingen; in den meisten 
Beobachtungen, die ich hierüber machte, trat- erst nach 2 
bis 3 Monaten etwas freie Säure ein; merkwürdig dabei 
war indessen, dass das Eiweiss trotz der Tempefatur von 
37 * G. nidit in die gewöhnliche Fäulniss übergegangen war, 
und auch der Zucker sich noch unverändert fand; mikro- 
skopische Pflänzchen fanden sich auch nicht an der nur etwas 
bräunlich gefärbten Flüssigkeit. 

Mit Alkohol und Aether oder mit verdünnter Kalilauge 
entfettete thierische Häute vermögen nur wenig Milchzucker 
in Milchsäure umzuwandeln; 100 Tb. mit Aether entfettete 
Hansenblase vermochten (im Mittel von 3 Versuchen) nur 
302 Th. Milchzucker zu säuern. -Aehnlich veriiält sich Leim. 

Andre stickstoflhaltige Körper, wie Pflanzenalkaloide y. 
s. w., können die Stolle des Prot^Vli nicht vertreten. 

Säuernde Substanzen. Milchzucker und Krümel« 



in^ohtigkeit d. P^Um b. d. tbier. Metamorpli. 75 

lodLer werden am schnelisien meUmori^siri, langeamer 
ftohrzuoker und noch langsamer Stärkemehl; Gummi wird 
aber bei diesem Prozesse nicht verändert; ja es verlang- 
samt sogar die Metamorphosen der andern> Stoffe. Das 
SU&r^emdil wird nicht erst in Zucker, sondern unmitteibar 
in Wldistare umgewandelt 

Bine Temperatur von 35 bis 40* C. ist am günstig* 
sten mr den Beginn und den Fortgang dieser Gährung ; 
leieht bilden sich bei höherer oder niederer Temperatur 
fremdartige Produkte. Wasser muss natürlich, wie bei je- 
der Gibrung, in genügender M«ige vorhanden sein. Luft- 
lutriti ist nar zum Beginn der Gährung in höchst gerin* 
gern Grade nothwendig; bei zu ^el Luftzutritt stellt sieh 
leicht Essiggährung oder Fäulniss und Bildung von Sohim- 
mel, Hefe, Infusorien u. s. w. ein. 

Gegenwart von ein Wenig freien Alkalis beldrderl 
den Gähningsprozess, dagegen verlangsamt ihn mehr fMes 
Alkali ausserordentlich. 

Alkaltsalze wirken je nach ihrer Art und Menge bald 
befisrdemd bald hindernd auf diesen Prozess. 

Produkte dieser Gährung. 

Die Produkte diesses Prozesses nach allen Bicbtungen 
hin genau zu verfolgen, ist mir noch nicht vollkommen ge« 
hingen. In Folgendem lassen sich meine bisherigen Betrach* 
tnngen etwa zusammenfassen: 

Lösliches Eiweiss, welches 5 Monate hindurch zur 
MiichsäurebilduDg gedient hatte, zeigte sich nach Verlauf 
dieser Zeit wenigstens grösstenlheils noch völlig unverän- 
dert Die Quantitäten Albumins, deren ich mich bedient 
baiie, um die Menge dadurch metamorphosirbaren Zuckers 
zu bestimmen, waren zu gering, als dass ich deren Um- 
wandlung bereits hätte studiren können. 

Permentkügelchen oder Fadenpilze, Schimmel 
u. s. w. bilden sich bei dem Prozesse, sobald er nur gehö- 
rig geleitet worden ist, durchaus nicht, wie ich mich durch 
täglich angestellte, mikroskopische Untersuchungen überzeugt 
habe. Das Erscheinen solcher organiairter Körper ist nur 
zuBDig, 



76 WJohligkeii d. Fettes b. d. Iluer. Metamorpfa. 

Coagulirles Eiweiss wird durch den Akt dieses 
chemischen Beweguugsprozesses unter gewissen, mir noch 
nichl recht klar gewordenen Bedingungen in den löslichen 
Zustand zurüd^geiUhrt. Auch Fibrin kann in Albumin um- 
gewandelt werden. 

Die. Fette werden bei diesem Prozesse wenigstens 
grdsstentheils in Fettsäuren umgewandelt; indessen entstehen 
nieht immer die entsprechenden Fettsäuren; aus Elain ent« 
wickelt sich z. B. zuweilen ButtersSure. Die phosphorhalli' 
gen Fette verlieren ihren Phosphor. 

Aus Stärkemehl und Zucker bildet sich in der Re 
gel Milchsäure; indessen entstehen -unter gewissen Verhält- 
nissen an der Stelle der Milchsäure zwei andre nicht kry- 
atallisirbare Säuren, von denen die eine mit Kalk ein in 
Alkohol lösliches, nicht krystaliisirbares, die andere dagegen 
ein nur in Wasser lösliches , schwer krystaliisirbares Salz 
lieCert. 

Eine Gasentwicklung wird nur dann bemertit, wenn 
der Prozess nicht den normalen Verlauf genommen bat; so 
beobachtete ich t. B. mehrmals Entwicklung von Kohlen- 
wasserstoff; dann fand ich aber immer auch Infusorien in 
der gegohrenen Flüssigkeit. Koblensäure entwickelt «ich 
hüufiger, aber nur in höchst geringer Menge. 



Ueber das Verhältniss des specifischen Gewichtes 
des Harnes, zu seioem festen Rückstände. 



VOfl 

Frans Simon. 



Die Untersuchungen des Harnes, welche von so grosser 
Wichtigkeit für i>fay8iologische und pathologische -Chemie 
sind, würden wesentlich vereinfacht werden, könnte man 
aus dem spezifischen Gewichte dieser Flüssigkeit mit Sicher- 
heil und Zuverlässigkeit auf* den Gehalt an festem Rückstand 
schtiessen. Es ist klar, daiss, wenn die festen Bestand Iheile 
im Harne immer dieselben blieben und ihre relative Mischung 
sich als eine conslante zeigte, alsdann eine Zahl gefunden 
i^rerden könnte, welche genau für jeden Grad an Zwiahme 
des spez. Gewichtes die Vermehrung des festen RAckatan- 
des anzeiiien würde: wir wissen aber nur zu gut, dass dies 
nicht so isi, dass selbst bei verschiedenen gesunden Indi- 
viduen die relative Mischung der festen Harnbestandtbeile 
sich veränderlich zeigt; und dass dieses noch viel mehr mit 
dem Harne kranker Individuen der Fall ist. Wenn aber die 
verschiedenen Bestandtheile des Harns* verschiedenes spez. 
Gewicht haben, und ihre relative Mischung sich verschieden 
zeigt, so ist es klar, dass zwei Arten von Harn bei gleichem 
spez. Gewicht verschiedene Mengen von Rückstand hinter- 
lassen, können, und dass zwei verschiedene Arten von Harn, 
welche gleiche Mengen von Rückstand hinterlassen, verschie- 



78 Ueb. d. Verhtfit. d. spez. GewiohUi d. Hams etc. 

denes spez. Gewicht zeigen können. Hiermit stimmen auch 
die zum Theil sehr verschiedenen Angaben verschiedener 
Chemiker über den festen Rückstand von Harn, welche ein 
gleiches spez. Gewicht besassen^ Uberein. indessen steht 
zu hoffen, dass beim gesunden Harn die Abweichungen in 
der Relation der festen Beatandtheile zum spez. Gewicht 
nicht so bedeutend sein werden, dass nicht eine. Annähe- 
rungszahl, welche der Wahrheit möglichst nahe kommt, zu 
ermitteln wäre. Wenn dagegen im Harne bei Krankheiten, 
wie wir es wissen, theils ganz verschiedenartige Mischun- 
gen der normalen festen Bestandlheile vorkommen, theils 
sich dem Harne Substanzen beimischen, die im ..normalen 
Zustande nicht darin gefunden werden, 'So ist es sehr be- 
greiflich, wie die Relationen zwischen spez. Gewicht und festem 
Bückstand veränderlich ausfallen können. Es ist misslich, 
dass wir über die spez. Gewichte thierischer Substanzen 
nur wenig genaue Angaben haben; allein, dass die Differen- 
zen in ganzen Reihen von Stoffen, wie z. B. bei den Pro- 
ieXnverbindungen, bei den Leimarten, bei dem Homgewebe, 
keine bedeutenden sind, lässt sich einsehen, nur die Fette 
machen auf der einen Seite eine Ausnahme, auf der ande- 
ren, wenn auch nicht in so bedeutendem Grade, die Salze. 
Aber auch beim Harn in Krankheiten möchte sich durch 
eine hinreichend ausgedehnte Anzahl von Untersuchungen 
mit dem Harne in den einzelnen Krankheitsformen, wie 
z. B. in den Entzündungen^ in den Hydropsien, in der 
Zuckerharnruhr, eine so annäherndie Zahl Rlr die mit dem 
zunehmenden spez. Gewicht des Harnes zu berechnende 
Menge der festen Beslandtheile ermitteln lassen , dass man 
sich desselben bei Untersuchungen bedienen könnte. Henry 
hat durch Versuche diese Zahl für den diabetischen Harn 
ermittelt und andere Beobachter haben die von Henry con- 
•struirte Tabelle als mit ihren Untersuchungen übereinstim- 
mend gefunden und empfohlen. Dass solche Tabellen für 
die verschiedenen Arten krankhaften Harnes und fllr den 
gesunden Harn die quantitativen Untersuchungen sehr erleich- 
tern müssen, liegt klar am Tage; denn will man diejenige 
Menge Harns, weiche man zur Bestiounung der einzelnen 



Udt>. d. Verkfilt d. spez. CkwtohU d. Hanies e(e. 79 

Harabestandtbeile anwendet, so weil verdampfen, um daraus 
den testen Harniilckstand zu besUmmen, so läuft man jsUir 
Gefahr Zersetzungen besonders des Hamstofles und der 
eilraktiven Materien zu bewirken, wogegen wieder Hamana* 
lysen ohne genaue Bestimmung des festen Hamrückstandes 
an Werlh verlieren, da mao nicht das relative Yerhlllniss 
der festen Bestandtheile unter einander ermitteln kann, das 
zur flamilQssigkeit selbst aber ein sehr unbestimmtes bleibt, 
weil die Menge des Wassers im Harn eine wechselnde ist 
und zu sehr (abhängig von Umständen, die nicht allein im 
normalen Lebensprozess oder im Krankheitsprozess ihren 
Grund haben, wie von der Hasse des Getränkes, von der 
vermebrlen oder verminderten Haütperspiration. 

Bei Untersuchungen des Harnes kann man Bestimmun» 
gen über die wichtigsten Harnbestandtheile erhallen, ohne 
dass man auf die ganze Summe der festen Bestandtheile 
überhaupt Rücksicht zu nehmen braucht, wenn man näm- 
lich den in 24 Stunden gelassenen Harn sammelt, misebt, 
sein Gewicht bestimmt und aus einer, genau gewogenen 
Menge Uarnstofif Harnsäure, Salze etc. abscheidet, m^ be- 
rechnet dann die in 24 Stunden ausgeleerten Mengen dieser 
Stoffe und die so erlangten Resultate sind in Bezug zur 
Physiologie von grösserem Interesse, als wenn man die 
Mengen für 1000 Th. Harn bereehnet. Schlägt man diesen 
Weg nicht ein, so pflegt man gewöhnlich den Morgenham 
zur Untersuchung anzuwenden; schlägt man hier denselben 
Weg ein, wie so eben angedeutet, so erfährt man zwar, wie 
viel von den bestimmten Harnbestandlheilen in 6, 8, 10 Un- 
zen Morgenham enthalten sind^ aber diese Bestimmungen 
bieten nalttrüch durchaus keine so festen Anhaltungspunkte 
wie die ersteren; man erfährt nicht, wie viel des einen 
oder des anderen Stoffes in einer gegebenen Zeit aus dem 
Körper fortgeführt worden,, weil die Bedingungen, welche 
auf die Secretion von Einfluss, am Tage, wo getrunken, ge- 
gessen, gearbeitet wird, andere sind als des Nachts, wo der 
Körper ruht. 

Wenn man aber bedenkt, dass' der Harn aus dem Blute 
abgesondert wird, dass er. bestimmte Produkte bestimmter 



80 Ueb. d. Verhält, d. spes. Gewichts d. Harnes etc. 

MeCamorphosen des Blutes u. der Gewebe fortführt, dass 
beim Dormalen Lebensprozess in * diesen Methamorphosen 
einiß Dothwendige Bestimmtheit und Stätigkeit stattfinden 
muss, dass nach gewissen Gesetzen, die jede Unregelmässig- 
keit und, soll ich mich des Ausdrucks bedienen , jede Will 
kttr in den Umsetzungen unwahrscheinlich macht, vor sich ge- 
hen, dass in Folge hiervop der Harnstoff, die Harnsäure, die 
Salze, der Extraklivsloff etc. bei einer und derselben Person 
in beinahe gleichen relativen Verhaltnissen abgesondert wer- 
den, so liegt es auf der Hand, dass bei gesunden Personen in 
der Relation der einzelnen Hambeslandlheile zu dem gesamm- 
lenHarnrUckstand ein gewisses Gleichgewicht stattfinden muss, 
nicht aber zur Harnfli^sigkeit, da da& Wasser ein durchaus 
variabler Bestandtheil des Harnes ist. Da die Lebenspro- 
lesse, in Folge deren der St6ffwandel vor sich geht, eben so 
in der Ruhe- wie in der Bewegung vor sich gehen, im er- 
stem Falle nur gemindert, im andern vermehrt, so wird der 
Harn in der Ruhe, wie verschieden auch seine Coocentration 
sei, doch in dem relativen Verhältiiiss seiner festenBeslandtheüe 
keine^ wesentlichen Abweichuogen von dem bei- Bewegung 
gelassenen zeigen. Wenn der Harn nach genossener Nahrung 
concentrirter erscheint und in dem relativen- Verhällniss sei* 
n^r festen Bestandtheile eine Aendierüng. erkeDoen lassen 
sollte, so muss man, um diese Erscheinungen richtig zu wür- 
digen, immer. wieder bedenken, dass der Harn seinen Ur- 
sprung aus dem Blute hat und dass seine Bestandtheile Pro- 
diikte bestimmter Metamorphosen sind; findet man al89 einen 
derselben in grösserer Menge, so muss der Metamorphosen- 
akt, dem er seine J^ntstehung verdankt, gesteigert worden 
sein. Hieraus ergiebt sich, dass man die Veränderungen 
im Harne, seien sie Folge normaler gesteigerter oder ver- 
langsamter Prozesse, sehr wohl beurtheilen kann, wenn man 

die festen Bestandtheile desselben ermittelt und die Relation 

. ... 

der einzelnen Stoffe darin. Die Menge der einzelnen in 24 
Stunden entleerten Harjibestandtheile lässt sich aber hieraus 
mit Sicherheit nicht ermitteln, wenn. man die spez^ Dichtig- 
keit des ganzen • Harngetnisch es nieht kennt, da. sich nicht 
annehmen lässt, dass die Dichtigkeit zu jeder Zeit dieselbe sei. 



Uebu d. Verhält, d. spez. Gewichts d. HarMs etc. 81 

Ist es schon scbwieng im gesunden Zustande die in 
24 Stunden gelassne Menge Harn durchaus genau zu sain- 
mein, so ist dies noch viel schwieriger bei Kranken, und 
Verluste, wie z. B. beim zu Stuhle Gehen, sind nicht zu ver- 
n^en. Sollen aber die Hambestandtheile aus dem in 24 
Standen gelessnen Harn bestimmt werden, so wird jeder 
Hamveriust einen Fehler m der Bestimmung bewirken. Un- 
tersoehungen von Harn in Krankheit, wie z. B. im Typhus, 
Dysenterie, Delirium, Rückenmarksleiden, werden daher im- 
mer zweckmässiger so angestellt, dass man die Menge des 
festen Rückstandes ermittelt und die abgeschiedeneu einzel- 
nen Bestandtheile desselben damit in Relation bringt. Bei 
Reihen von Untersuchungen müssten diese nun bedeutend 
vereinfacht werden, wenn man unmittelbar aus dem spez.- 
Gewicht des Harnes auf die * Quantität der festen Bestand- 
theile schliessen kann. Was ich im Eingänge* dieses Auf- 
satzes erwähnte, macht es klar, dass nur ganz genaue Un- 
tersuchungen entscheiden können, ob sich für den gesunden 
Harn oder für den Harn in verschiedenen Krankheiten Zah- 
len finden lassen, welctie die Zunahme des festen Rückstan- 
des ffSat jeden zunehmenden Grad der spez. Dichtigkeit mit 
einer genügenden Sicherheit geben. 

Bequerel hat in seinem Werke über die Zeichen aus 
dem Harn eine Tabelle, wie er angiebt, auf Untersuchungen 
basirt, mitgetbeill; nach dieser Tabelle vermehrt sich der 
feste Rückstand des Harnes bei jedem zunehmenden Grad 
um 1,6, so dass, wenn der Harn bei 1,001 sp. Gewicht 1,6 
feste Bestandtheile enthielte, er 
bei 1,005 spez. Gewicht 8,25 festen Rückstand enthält 



- 1,006 






9,90 




* ' S 


' 1,007 






11,55 




9 S 


- 1,008 






13,20 






' 1,009 






14,85 






- 1,010 






16,50 






' 1,020 






33,00 






- 1,030 






49,50 






" 1,040 






66,00 


• 




wo dann jedesmal die Differenz zwisehen 


einer Zahl und 


Simon B«Hr«g« l. 


«. 






6 



92 Ueb. i. VerbälL d spei. Gewichte d. Harnes elc. 

der Dächst vorhergehenden 1,65 wire. Es isl nalttrlich, 
dass diese Tabelle ideal gedacht werden muss, denn 
in der Wirkiichkeii findet solch ein Verhältoiss gewiss 
nicht statt 

Henryks TabeUe fitr den diabetischen Harn ist so omi- 
struirt, dass die Zunahme an festen Bcstandtbeiien fttr jeden 
Grad zunehmenden spez. Gewichtes mit 2,5 ausgedruckt 
wird. Enthielte also der Harn von 1,0Q5 spez. Gewicht 
11,7 feste Beständtheile, so würde er 
bei 1,006 spez. Gewicht 14,2 festen Rückstand enthalten 



J,007 
1,008 

i,ood 

1,010 
1,020 
1,030 
1,040 



16,7 

19,2 

21,7 

24,2 

49,2- 

73,9 

98,7 



Lehmann dagegen beobachtete folgende hohe spez. 
Gewichte: Bei einem Gemisch von vegetabilischen und ani- 
malischen Nahniugsmitleln hinterliess der linm 

bei 1015,6 spez. Gewicht 55,93 festen Rückstand 
' 1016,7 ' - 56,2t « 

« 1019, L - - 61,98 « 

' 1022,6 » • 66,42 • 

. 1025,2 » » 67,98 ^ 

- 1029,4 • «» 80^7 '« 

Bei rein animalischer Kost wurde noch ein grössrer Ge« 
halt von festen Bestandtheilen in Bezug zum spez. Gewicht 
beobaehtet: 

bei 1018,7 spez. Gewicht 59,21 fester Rückstand 



1021,9 
1024,3 
1026,4 
1028,5 
1029,0 
1030,7 
1033,8 



66,12 
66,70 
72,30 

78,15 
78,38 
84,23 
90,68 



m 



Ueb* d. Verbäll. d. tpee. GewiohU d Harnes e(o. 83 

B«i FdQ vegeUbfliscber Kost ergab sich 
bm 1016,4 spez. Gewicht S0,01 fester Rüokstatid 

- 1080,1 - • 56,8 * 
« 1023,8 « « 584 « 

« 1028,6 « ^ 67,0 ' « 

» 10»,8 « * 70,9 » • 

» 1032,3 « .« 75,6 « 

" 1034,2 1* « 80,7 « 

- 1036,1 - . - 82,7 . 

Man sieht, dess hier das Verbüttnlss der festen Bestand- 
theUe zum spez. Gewicht zum Theil bedeutender Ist, als 
das VGA Rees für den diabetischen Harn aufgestellte. 

Naeh meiner Ansicht kann nur aus einer sehr grossen 
Itaiha von VnlerSudningen, die mit der grössten Genauigkeit 
aflgesiellt worden sind, ermittelt werden, ob sich eine solche 
Tabelle wirklich mit der Sicherheit konstruiren lässt, dass 
man sie in Gebrauch ziehen darf. Ich habe es daher Über- 
nommen diese Untersuchungen anzustellen und veröffentliche 
hier die erste Reihe meiner Beobachtungen.' WahrscheinHeh 
wevden sieh nech mehre Beobachter an dieaen Untersuchun- 
gen betheiligen und es wird aus einer Zusammenstellung 
sieh ein bestimmtes Resultat herausstellen. Einige Umstände 
erfordwn hierbei besondere Genauigkeit, nämlich: dass die 
Dtcbtigkeit des Harns b^ verschiedener Temperatur verschie- 
den ausßJlt, dass der Harn beim Verdampfen sich leicht 
verändert und dass der trockne Harnrückständ mit ausser- 
ordentlicher Schnelligkeit die Feuchtigkeit der Luft am sich 
ziehL In Bezug zu den Differenzen, welche die verschiedene 
Temperatur der zu wiegenden HarnQüssigkeit im spez. Ge- 
wicht des Harns bewirkt, führe ich nur an, dass ein Harn, 
der bei + 15* C. gewogen mir ein spez. Gewicht von 
1020,75 zeigte, bei -f 18* G. gewogen nur ein spez. Ge- 
wicht von 1019.85 besäss und bei 4. 12**C. gewogen da- 
gegen 1021,46 wog. Viel grössere Differenzen treten auf, 
wenn man die Feuchtigkeit aus dem Harnrückständ nicht 
vollständig austreibt, oder wenn der Harnrückstand während 
des Wiegens Feuchtigkeit anzieht. Wenn z. B. 1,100 gr. 
Harn an absolut trocknem Rückstand 0,Q45 gr. giebt, so be^ 

6* 



84 Ueb. d. VerbälL d. spez. Gewichts d. Haraes eto. 

rechnet sich daraus für 1000 Harn ein Rückstand von 40,92; 
mit jedem Milligramm Wasser aber, welches der Rückstand 
anzieht, wird derselbe fÜr4U00 um 0,9 vermehrt, so dass 
bei 0,046 schon 41,82, bei 0,047 aber 42,73 und bei 0,048 
selbst 43,46 erhallen werden. 

ich verfahre auf folgende Weise. Der Harn wird so 
frisch als möglich in einem genauen vorher geprüften 500 
Gran Glas gewogen und zwar bei 15* R.; ich benutze dazu 
eine sehr feinziehende analytische Waage von Hirschmann 
sen. Zum Verdampfen bediene ich mich ganz kleiner dün- 
ner Porzellanschalen, die 6 bis 7 Grammen wiegen, deren 
Rand abgeschliffen ist und mit einer abgeschliffenen Glas- 
platte bedeckt werden kann. Nachdem das Schälchen mit 
der Glasplatte gewogen worden, wird eine geringe Menge 
Harn hineingethan, etwa 0,7 bis 1,5 gr. und mit aufgelegter 
Glasplatte gewogen. Ist die Menge des Harns auf diese 
Weise bestimmt, so verdampfe ich ihn im Wasserbade nahe 
zur Trockne und bringe das SchSlchen unter die Luft- 
pumpe über Schwefelsäure zum Austrocknen; nach 36 bis 48 
Stunden ist der Rückstand vollständig trocken. Die Schale 
wird nun< unter der Luftpumpe vorgenommen, schnell mit 
dem Glasplällchen bedeckt und so gewogen, dann der 
Harnrücksland ausgewaschen und Schälchen mit Glasplatte 
wieder gewogen ; was an dem zuerst genommenen Gewicht 
fehlt, entspricht dem trocknen Harnrücksland. Ich habe so 
Harn von Kranken und normalen Harn untersucht; folgendes 
sind die Resultate: 

1) Normaler Harn: pr. M. 

1. Getränkharn von R«*) 38 Jahr, sehr schwach 

gefärbt, fast wasserhell und schwach sauer 

reagirend. 

Spec. Gew. 1003,7. Zum Verdampfen 0,728 gr. 

RüdLStand 0,007 gr. 9,604 



*) Die einzelnen Personen werden mit Buchstaben bezeich- 
net, damit man die von ein und derselben Person gewonnene 
Baniflüssigkeil vergleichen kann. 



Ueb. d. Verhält, d. spez. Gewichts d. Harnes etc. B5 

2. GetrSnkbarn von A., 35 Jahr alt. 

Spec. Gew. 1005,5. Zum Verdampfen 1,410. 

Rückstand 0,016 10,77 

3. Harn eines 6jäbrigen Knaben, am Tage gelassen, 
blass, schwach sauer rbagirend. . ^ 

Spec Gew. 1006,6. Zum Verdampfen 2,820. 

Rückstand 0,0395 14,00 

4. Harn von A., am Vormittage gelassen, biassgelb, 
stark sauer, setzt nach 24 Stunden eine ansehn- 
liche Menge Hamsäure-Krystalle ab. 

Spec, Gew. 1007,2. Zum Verdampfen 1,674. 

Rückstand 0,023 13,74 
6. Harn von C, 21 Jahr alt; hell und wässrig von 
schwach saurer Reaktion. 
Spec. Gew. 1008,2. Zum Verdampfen 1,358 

Rückstand 0,022 16,2' 

6. Haro von A., Vormittags gelassen, blass, etwas 
trübe von Blasenschleim , schwach sauer. 

Spec. Gew. 1009,05. Zum Verdampfen 1,024. 

Rückstand 0,019 18,67 

7. Harn von A., hell und wenig gefärbt, schwach 
sauer» 

Spec. Gew. 1009,5. Zum Verdampfen 1,608. 

Rückstand 0,031 19,27 

8. Harn von A., Vormittags gelassen, hell bern- 
steingelb, gewöhnlich sauer. 

Spec. Gew. 1011,1. Zum Verdampfen 1,033. 

.Rückstand 0,022 21,29 

9. flbrn von einer Schwangeren, etwas trübe von 
Blasenschleim ohne sogenanntes Kyestein fast 
neutral. 

Spec. Gew. • 1012,2. Zum Verdampfen 2,715. 

Rückstand 0,066 24,53 

10. Harn von A. , gegen Abend gelassen , klar und . 
bernsteingelb, gewöhnlich sauer. 

Spec. Gew. 1014,4. Zum Verdampfen 0,670. 

Ruckstand 0,019 28,36 

11. Haro von A., zwei Stunden nach Tische gelassen, 



M Ueb. d. Verhält d. spez. Gewichts d. Harnes ele. 

ziemlich gesättigt von Farbe und stark sauer 
reagirend. 
Spec. Gew. 1017,4. Zum Verdampfen 1,714. 

Rückstand 0,068 39,61 

12. Derselbe Harn von A., noch einmal verdampft. 

Speo. Gew. 1017,4. Zum Verdampfen 2,110. 

Rückstand 0,089 39,52 

13. Harn von A., vor Tische gelassen, bernsteingelb 
sauer. 

Spec. Gew. 1017,9. Zorn Verdampfen 1,072, 

Rückstand 0,040 37,31 

14. Harn von A.^ Morgens gelassen, bernsteingelb, 
gewöhnlich sauer. ' 

Spec. Gew. 1018,0. Zum Verdampfen 2,306. 

Rückstand 0,086 38,16 

15. Harn von A. bei rheumatisch catarrhalischer Af- 
fektion früh Morgens gelassen, trübt sich beim Er> 
kalten und setzt ein Sediment von hamsaorem 
Ammoniak ab, reagirt stark sauer. 

Spec. Gew, 1018,2. Zum Verdampfen 2,590. 

Rückstand 0,104 40,15 

16. Harn von A., am Tage gelassen, klar bernstein- 
gelb, sauer. 

Spec. Gew. 1018,22. Zum Verdampfen 1,402. 

Rückstand 0,053 37,80 

17. Hdm von A., gegen Abend gelassen, bernstein- 
gelb, gewöhnlich sauer. 

Spec. Geyv. 1018,3. Zum Verdampfen 1,1^2. 

Rückstand 0,043 38,58 

18. Harn von A., Vormittags gelassen,' bernsteingelb, 
gewöhnlich sauer. 

Spec. Gew. 1019,4. Zum Verdampfen 1,086. 

Rückstand 0,043 39,59 

19. Harn von A.. beim Aufstehen des Morgens und 
während der Nacht gelassen, nachdem am Abend 
vorher eine Drachme Renzoösäore genommmi 
worden war. Harn dunkelgelb, klar, sehr sauer, 



Ueb. 4. VerUH. d. spez. Gewichts d. Barbes etc. ^ 

Spec. Gew. 1019,8. Zum Verdampfen 13,95. 

Rückstand 0,065 46,59 
SO. Harn Ten A., Nachmittags gelassen, bernstein- 
gelbf gew^ohch sauer. 
Spee. Gew. 1019,86. Zum Verdampfen 1,010. 

Rückstand 0,040 39,60 

21. Harn von A«, am Tage gelassen, gewöhnlich 
dunkeL 

Spec. Gew. 1019,9. Zum Verdampfen 1,192. 

Rückstand 0,050 41,95 

22. Harn von A., vor Tische gelassen, klar, bern- 
steingelb^ gewöhnlich sauer. 

Spec. Gew. 1020,0. Zum Verdampfen 2,020. 

Rückstand 0,083 41,09 
33. Harn von A., am Tage gelassen, ziemlich dunkel, 
stark sauer. 
Spec. Gew. 1020,42.. Zum Verdampfen 0,7835 42,75 

24. Derselbe Harn. 

Spec Gew. 1020,42. Zum Verdampfen 0,675. 

Rückstand 0,030 42,98 

25. Harn von A., Vormittags gelassen, ziemlich dun- 
kel, stark sauer, klar. 

Spec. Gew. 1020,5. Zum Verdampfen 1>085. 

Rückstand 0,047 43,32 
K. Harn von D., Mann von 25 Jahren. Nachmittags 
gelassen, bernsteingelb, gewöhnlich sauer. 
Spee. Gew. 1021,0. 2um Verdampfen 1,711. 

Rückstand 0,031 40,91 
37. Barn von A., berosteingelb und klar. 

Spec Gew. 1021,6. Zum Verdampfen 0,720. 

Rückstand 0,031 43,05 

28. Harn von A*, bei einer rheumaUsch catarrhelt* 
sehen Aflbktlon (wie' bei 14) am Tage gelassen, 
dunkel, sehr sauer, bleibt beim Erkalten klar. 

Spec. Gew. 1021,6. Zum Verdampfen 1,550. 

Rückstand 0,072 46,44 

29. Barn von A.. bemsteiogelb, ziemlich stark sauer. 



88 Ueb. d. Verhält, d. spez. Gewichis d. Harnes, tlc. 

Spec. Gew. 1022,03. Zum Verdampfen 1,090. 

Rückstand 0,050 45,87 

30. Harn von B., dunkel bernsteingelb, stark sauer. 

Spec. Gew. 1023,0& Zum Verdampfen 0,536. 

Rückstand 0,025 46,64 

31. Harn von A., dunkelgelb, stark sauer. 

Spec. Gew. 1023,3. Zum Verdampfen 0,900. 

Rückstand 0,040 44,44 

32. Harn von A., bei einer rheumatisch oatarrhali- 
sehen Aifection, (wie bei 14. und 28} Vormit- 
tags gelassen, dunkelgelb, bildet nach einiger 
Zeit ein geringes -Sediment von harnsaurem Am- 
moniak, sehr sauer. 

Spec. Ge^. 1023,6. Zum Verdampfen 1,668. 

RücksUnd 0,086 51,56 

33. Harn von A., ziemlich dunkel und sauer reagirend. 

Spec. Gew. 1025,3. Zum Verdampfen 1,865. 

Rückstand 0,100 53,67 

34. Harn von einer Schwangeren, tief bernsteingelb, 
. schwach sauer. 

Spec. Gew. 1026,7. Zum Verdampfen 1,925. 

Rückstand 0,104 54.50 

35. Harn von B., braungelb, sauer. 

Spec. Gew. 1027,3. Zum Verdampfen 0,803. 

. Rückstand 0,047 58,82 

36. Harn von einer 27jährigon aesunden Frau,- frisch 
klar und dunkeigelb, beim Stehen ein bedeu- 
tendes Sediment von härnsaurem Ammoniak 
bildend. 

Spec. Gew. 1032,7. Zum Verdampfen 1.290. 

Rückstand 0,093 71,32 

37. Harn von einem 5jährigen gesunden Mädchen.^ 
Harn beim Lassen klar, ziemlich dunkelgelb, 
sauer, beim Erkalten sich stark trübend von 
ausscheidendem harnsaurem Ammoniak. 

Spec. Gew. 1033|62. Zum Verdampfen 1,15. 

Rückstand 0,083 72,17 



Ueb. d. Verbifit. d. spez. Gewichts d. Harnes e(e, 89 



Harn in Krankheiten. 

38. Harn von einem 15jährigen Knaben, der an 
Diabetes insipidus leidet, wasserhell klar, lässt 
Reagenspapier ohne Verfinderung, enthält keine 
Spur Zucker. Spec. Gew. 1002,7. Zum Ver- 
dampfen 4,100. Rttckstand 0,002 4,87 

39. fiaru von einem Sjlihrigen rhachitiscben Kinde, 

blass, scbwacbsauer, ohne Sediment. 
Spec. Gew. 1006. Zum Verdampfen 2,140. 

Rttckstand 0,0055 12,85 

40. Harn eines Knaben von 8 Jahrea Oedem der 
untern Extremitäten und des Gesichts, Fiebeqia* 
roxysmen, die auf Intermittens vermuthen lassen. 
Albumin ist nicht im Harn zugegen, dieser selbst 
blass, schwach sauer. 

Spec. Gew. 1008. Znm Verdampfen 0,870. 

Rückstand 0,015 17,24 

41. Harn eines MaBoes von 48 Jahren; allgemeines. 
Oedem; der rOthliohe Harn enthält etwas Albu- 
min und eine geringe Menge Blut. 

Spec. Gew. 1008,7. Zum Verdampfen 0,822. 

Rückstand 0,0165 20,07 

42. Harn eines an Albuminurie und wahrscheinlich 
brigthscher Nervendegeneration leidenden Man- 
nes. Der Harn hell, ohne Sediment und nur 
wenig Albumin enthaltend. 

Spec. Gew. 1009,0. Zum Verdampfen 1,900. 

^ Rückstand 0,038 20,00 

43. Harn bei heftiger Dysenterie; hell, ohne Sedi- 
ment, schwach sauer. 

Spec. Gew. 1009,9. Zum Verdampfen 2,471. ^ 

- Rückstand 0,052 21,04 

44. Harn von einem mit entzündlicher Affektion der 
Respirationsorgane behafteten Manne, bei dem 
zugleich Oedem der Füsse; der Harn in sehr 
grosser Menge (bis zu 130 Unzen in 24 Stun- 



M U0b. d. VerliMt, d, spez. G^wioiits d« Harnes elc. 

den] gelassen, blass, sauer und sehwach eiweiss- 
haltig. 
. Spec. Gew. 1010,04. Zum Verdampfen 1,04S 

BüdLSiand 0,096 19,13 

45. Harn von einer Frau, die an Arthritis leidet; ge- 
braucht Bensoesäure, blass, etwas trttbe vom 
Blasenschieini, ohne Harnsäure. Reaktion sauer. 

Spec. Gew. 1011,65.^ Zum Verdampfen 1,665. 

Rüctetand 0,036 21,62 

46. Harn von demsriben Mann wie No. 41., etwas 
trüber als der obere und reicher an Albumin. 

Spec. Gew. 1011,7. Zum Verdampfen 1,366* 

Rückstand 0,029 21,23 

47. Harn von einem jungen Mann mit Rttokenmarks- 
affektiou, der Harn blass und ammoniakalisoh 
riechend, ist getrübt von gefällten Erdphospha- 
ten; er wurde bei sehr gelinder Wärme ver- 
dunstet und dann unter der Luftpumpe vollstttn- 
dig eingetrocknet. 

Spec. Gew. 1012,15. Zum Verdampfen 2,90. 

Rückstand 0^8 23,45 

48. Blutharn von einem 35jdhrigen Mann. 

Spec. Gew. 1013,4. Zum Verdampfen 2,392. 

Rückstand 0,063 26,33 

49. Harn von derselben Frau wie in No. 45, die an 
Gicht leidet, bevor sie Benzoesäure gebraucht 
hat; der Harn hell, ziemlich klar, schwachsauer 

> mit geringen Schleimflocken. 

Spec. Gew. 1013,85. Zum Verdampfen 0,683. 

Rückstand 0,016 23,27 

50. Harn von einer Frau, die an Osteomalacie leiden 
ßoll, in welchem jedoch die phosphorsauren 
Salze, statt vermehrt, vermindert waren. 

Spec. Gew. 1013,9. Zum Verdampfen 2,990. 

Rückstand 0,070 23,41 

51. Harn bei Pneumonie, starit sauer ohne Sediment^ 
von r()thlich g;elber Farbe, 



Uefc, d. VerblEH. d. spe2. Genviehts d. HirMs etc. 9t 

Spee. Geve. 1M/,7a Zum Verdampfen 1,385. 

ftttoksiiind 0,043 Sl,04 

52. Harn bei Arthrilia; es wird Benzoesäure in ge- 
ringer Keiige gebraucht, liarnsauer, bernstein- 
gelb, ziemlich blass. 

Spec. Gew. 1015,5. Zum Verdampfen 1,486. 

Rückstand 0,050 33,7i 

53. Harn vom einem 3jährigen rhachitischen linde, 
Inibe, fast neutral. 

Spec. Gew. 101545. Zum Verdampfen 3,080. 

Rtickstand 0,084 17,2?* 

54. Harn von einem 38jährigen Mann mit Diabetes. 
Der Harn blass, schwach sauer. 

Spec. Gew. 1016,0. Zum Verdampfen ^,56. 

Rttokstand 0,100 99fi& 
63. Harn von einem an Gicbl leidenden Manne, tief 
bernsteingelb, ohne Sediment, stark saiien 
Spec. Gew. 1017,5. Zum Verdampfen 3,563. 

Rückstand 0^134 37,61 

56. Harn eines an Diabetes kidenden Mannes, hell 
und wenig. trübe. 

Spec. Gew. 1021,5. Zum Verdampfen 1,3^0. 

Rückstand 0,069 50,00 

57. Harn von dem Knaben wie No. 40., sehr trübe 
und bald ein starkes Sediment von harnsaurem 
Ammoniak bildend, sehr sauer. 

Spec. Gew. 1022,26. Zum Verdampfen 1,161. 

Rückstand 0,063 54,26 

58. Harn bei akutem Rheumatismus, dunkelgelb, stark 
sauer, ohne Sediment. 

Spec. Gew. 1024, 6. Zum Verdampfen 1,226. 

Rückstand 0,068 55,46 

59. Harn von einem mit Lungenabscess behafteten 
Manne, sehr dunkel und sauer, ohne Sediment. 

Spec. Gew. 1025,7. Znm Verdampfen 2,285. 

Rückstand 0,135 59,08 

60. Harn einer an Phthisis leidenden Frau, rothgelb, 



SS Ueb. d» VerhMh. d. spez. Gewichts d. Harnes etc. 

sehr sauer, bildet ein starkes* Sediment aus 
hamsaurem Ammoniak. 
Spec. Gew. 1027,1. Zum Verdampfen 1,751. 
N Rückstand 0,120 68,51 

61. Von demselben Harn. 

Zum Verdampfen 0,682. RUd^stand 0,047 68,91 
(ß. Harn bei Pleuritis, (Mann von 35 Jahren) flam- 
mend roth ohne Sediment, stark sauer. 
Spec. Gew. 1027,2. Zum Verdampfen 1,250. 

Rückstand 0,082 65,60 
63. Harn von einem 41jährigen Mann an Pneumonie 
leidend. Harn flammend roth, klar ohne Sediment. 
Spec. Gew. 1028,3b Zum Verdampfen 1,166. 

Rllekstand 0,075 64,40 
€4. Harn eines an Diabetes leidenden Mannes (wie 
No. 66.) 
Spec. Gew. 1032,5. Zum Verdampfen 1,750. 

Rückstand 0,134 76,57 



Chemisch - phjsiologisclier Beitrag zur 

ülilchsäiire 



von • 



Die höchst merkwürdige Erscheinung, dass ein und 
derselbe Stoff, wie die MilchsXure, sowohl im thierischen 
als vegetabilischen Organismus sich vorfindet, besonders im 
ersteren häufiger auftritt, als man früher ahnete, und eine 
Dicht unbedeutende Rolle bei der Ernährung und Reproduk* 
tion des animalischen Organismus zu spielen scheint, veran- 
lasste in neuerer Zeit die Chemiker zu vielfachen Versu-> 
eheuy sowohl über das Vorkommen, als auch über die Bil* 
düng derselben. 

Durch die erfolgreichen Versuche von toutron und 
Fremy über die Hilchgährung wurde eine zweckmässige 
Methode zur Bereitung der Milchsäure aufgefunden , welche 
sich durch eine billige und schnelle Darstellung auszeichnet. 
Diese Chemiker bewiesen, dass sich die Milchsäure aus 
einer Reihe indifferenter Körper, welche mit dem Milch- 
zucker eine gleiche elementare Zusammensetzung haben, 
darstellen lasse; indem man dieselben im gelösten Zustande 
Biit stickstoffhaltigen organischen Substanzen, wie Schleim- 
käute, Kalberlab und dergleichen, zusammenbringt Es ist 
hierbei gleichgültig, ob die stickstoffhaltige Substanz einen 
vegetabilischen oder animalischen Ursprung hat, wenn die- 



9i Cbem.-physiolog. Beitr. z, Milchsäure. 

selbe nur einige Tage der Luft ausgesetzt war und dadurch 
bereiU eine Metamorphose erlitten hatte. 

Die genannten Cbemilcer zeigten ferner, dass man durch 
vollkommen säuerfreies und gewaschenes Casein Milchzucker 
in Milchsäure verwandeln kann, dass diese Umbildung aber 
nur bis zu einer bestimmten Grenze stattfindet. Sobald 
nämlich eine gewisse Menge Milchsäure entstanden, verbin- 
det diese sich mit dem Gasein zu sauer reagirendem Käse- 
stoflT, welche Verbindung dann ein anderes . Ferment dar- 
stellt, das die Fortbildung der Milchsäure hindert, bei massig 
erhöhter Temperatur aber eine Alkoholgährung der Milch 
veranlassen kann. 

Lässt man aber Milch joder solche, die mit einer Auflä- 
sung von Milchzucker versetzt ist, sauer werden, und sättigt 
dieselbe, so oft sie sauer geworden, mit einer Auflösung von 
doppelt kohlensaurem Natron, wozu übrigens das einfach 
kohlensaure Natron mit gleichem Yortheile zu verwenden 
ist, dan^ kann man die ganze Menge des vorhandenen 
Milchzuckers in Milchsäure überfuhren, welche als milchsatt- 
res Natron in der Auflösung vorhanden und aus dieser durch 
weitere Abscheidung gewonnen werden kann. Das Gasein 
hat dabei keine bemerkbare Veränderung oder Abnahme 
erlitten, und kann wiederum zur weiteren Miliriiaäareerzett* 
gung benutzt werden; es verhält sich überhaupt zum Mth))^ 
zuoker bei der Milchgährung, wie die Bierhefe zum Rohr- 
zucker bei der Aikoholgährung. 

' Auf diese* angegebene Art der Darstellung von Milch- 
säure beruht denn auch die in neuerer Zeit zur Anwendung 
empfohlene Aufl[)ewahruDgsmethode der Milch in Zinkgefüssett» 
in welchen die Milch gar nicht oder doch aohwer sauer 
wird. Das Zink wird an der Berührungsfläche mil der Luft 
und der Milch oxydirt und dieses Oxyd, welches die fort- 
dauernd sich bildende Milchsäure sättigt, hält die Milch neu- 
tral, so dass sie nicht coaguliren kann. Dr. Eisner maehle 
auf die Nachtheile aufmerksam, welche nach dem Genuss'sol- 
eher, milchsaures Zinkoxyd enthaltenden MRch für die Ge- 
sundheit eintreten. 

Die von mir ongesteUten Versuche mü mdireren iadif* 



GhaBL-pbysiolog. Aeitr. z. Mikhiäure. 90 

feranleii Stoffeii, wie Stärke, RttokelrttbetiMft und Zucker, 
unter Mitwirkung von metamorphosirtem Käseetoff, lieferten 
feichlidie Mengen von Milchsäure. Bekannt ist es, dass 
Eunkelrübeneafl bei einer massigen Wärme längere Zeil sieh 
telbsi überlassen Milchsäure enthält; es ist aber wahrseheitf- 
Keh, dass im Safte eine eigenthUmKcIle stiohstoifhallige 
Substanz vorhanden sei, welche die Erzeugung dei* Milche 
säwe bewirkt. Durch fbriwäfarendes Sättigen der eben ent* 
slandenen Milchsäure konnte ich aber in ganz kurzer Zeit 
eine so grosse Menge Milchsäure eriialten, die sonst durch 
Monate langes Stehen des Saftes sidh nicht erzeugte. Die 
stickstofiFhaltige Materie, welche im Runkelrtlbensaft beimSte* 
heo desselben mit der Zeit zur fiildvng einer gewissen Menge 
Mflchsäure beiträgt, wird aber auch gleichzeitig durch De^ 
composition zu einer Entmischung in Amn^oniak bewegt 
wwden, welches die Säure sättigt und den übrig bleiben* 
den Tbeil der slickslofflialtigen Substanz als säurefähiges 
Substrat zur Erzeugung neuer Mengen Milchsäure disponirt, 
so lange noch Zuckeratoff und ähnliche indifferente StofTe 
im Safte vorhanden sind. Ueber die eigenlhOmliche, im Safte 
der ftunkelrttben vorhandene stickslofiFhaltige Materie, hofTe 
ich später noch weitere Nachweise liefern zu können, denn 
es scheint mir eine solche bestimmt im Safte, gleichzeitig 
mit den Aoraioniaksalzen, welche Liebig 1834 (dessen orga- 
nische Chemie, S. 7?) darin fand, zu exisliren. 

Dem RunkelrUbensaft analog bildet sich auch durch eine 
ȟckstoflbaltige Substanz im Harn der Camivoren die BGIch* 
säure, welche beim Stehen des Harnes so lange gel>ildet 
wird, als noch indifferente Stoffe zu ihrer Entstehung vor« 
banden atRcl; nur dass in diesem Falle der leicht zersetz* 
bare Harnstoff dae Ammoniak zur Sättigung der sich bil* 
denden Müohsäure Kellert. Durch Analysen habe ich es be« 
sCätigt gefundeo, dass oft in demselben Harne nach ruhigem 
Stellen, io fttnf bis sechs Tagen, eine doppelt so grosse 
Menge Milchsäure vorbanden war, welche als milchsaures 
Ammonink nachgewiesen werden konnte. Erst dann, wenn 
die zur Milchsäure tauglichen indifferenten Stoffe des Harns 



96 Cheiii.-pbysio)og. Beitr. z. Milchsäiire. 

nnogewaiideU war^o, irai die eigentliche Fäuhilss des Harns, 
die Metamorphose der Ammoniakbildung, ein. 

Gleich der Essigsäure kann die Milchsäure selbst im 
verdünnten Zustande lange Zeit aufbewahrt werden, ohne 
zu verderben. Die Dauer wird sich natüriich nach ihrer 
Reinheit und Stärke richten und abnehmen, sobald sie noch 
viele gelöste indifferente Stoffe enthält. Sie zeigt auch, wie 
die Essigsäure, die Eigenschaft anliseptiscn auf organische 
Stoffe, selbst auf stickslofifaalljge zu wirken. Einmal aauer 
gewordene Milch kann lange in diesem Zustande, ohne wei* 
ter zu verderben, aufbew^ahrt werden. Eben so fängt der 
Fäulnissprocess des Harns der Camivoren erst da an, wo 
die Bildung der Milchsäure beendigt, wo diese nicht mehr 
frei auftritt. 

Aus der antiseptischen Wirkung der Milchsäure lässt 
sich auch die Aufbewahrungsmethode des Fleisches in sauer 
gewordener Milch erklären, welche auf dem Lande, zumal 
im Sommer, häufig in Anwendung kommt; wodurch das 
Fleisch nicht allein frisch erhallen wird, sondern auch einen 
zarteren feineren Geschmack annimmt. Es wird hierbei 
durch den Stickstoffgehalt des Fleisches sowohl eine grössere 
Menge Milchsäure erzeugt, als auch durch Entmischung eines 
Theils der stickstofibaltigen Fleischsubstanzen das Fleisch 
selbst eine Metamorphose erleidet. Ich habe mit gleich gu- 
tem Erfolg Fleisch in einer AuQösutog von Milchzucker in 
Wasser aufbewahren können und dabei die. Milchsäure-Bil- 
dung beobachtet. Durch zu langes Aufbewahren in einer 
Milchsäure haltigen Flüssigkeit wird das Fleisch immer wei- 
cher und nimmt zuletzt eine schleimige Beschaffenheit an. 
•— Die Milchsäure-Bildung tritt bereits wenig Grade über 
dem Gefrierpunkt ein und ist von der grösseren oder ge- 
ringeren Veränderung, welche die sticksloffhaitige Materie 
erlitten hat, abhängig. Daher ist die niedrigste Temperatur 
cur Aufbewahrung des Fleisches in Milch oder Milchzucker- 
lösuog die beste. Zu grosse Wärme bedingt leicht eine 
Entmischung der stickstofflialtigen Substanz in Ammoniak; 
beim Fleische dadurch die Fäulniss. 

Eine interessante Eigenschaft der Milchsäure glaube ich 



Chem.-phy8ioIog. Beilr. z. Ifilcbafiure., 97 

nicht Übergehen zu dUrfen. Vor einem Jahre machte idi 
in den Annalen der Chemie und Pharmazie, (B. 39. S. 350.) 
darauf aufmerksam, dass die Harnsäure bei einer Tempera- 
tur, die wenige Grade über die Blutwärme hinaus liegt, die 
Essigsäure aus ihren Verbindungen austreiben kann, die erst 
nach dem Erkalten ihre Stelle wiederum einnimmt Ein 
gleiches Verhalten wie zur Essigsäure zeigt die Harnsäure 
zur Milchsäure. Aus der Auflösung eines milchsauren Safases 
treibt die Harnsäure, bis auf eim'ge Grad Über die Blutwärme 
hinaus erhitzt, die Milchsäure aus und löst sich in deren 
Stelle auf, wogegen beim Erkalten die Harnsäure durch 
Überwiegende Verwandtschaft der Milchsäure zur Basis des 
Salzes deplacirt wird. Es dürfte somit nicht, wie Duvernoy 
glaubt, die Harnsäure durch den Extractivsloff und Blasen* 
schleim des Harns in Auflösung erhalten werden, sondern 
bei der erhöhte^ Temperatur, welche der Harn im ihieri- 
sehen Körper besitzt, findet sie sich als bamsaures Natron 
vor, oder auch, wie Gap und Heäry vermuthen, als harn« 
saurer Hamsfoff, welche Verbindung darzustellen mir 
nicht geglückt ist, und erst beim Erkalten tritt di* freie 
Milchsäure in Verbindung mit der Basis des hamsauren 
Salzes. Die Harnsäure wird zu Anfange gehindert sich zu 
sedimentiren, und scheidet sich in kleinen amorphen KUgelchen 
ab, die erst bei einer späteren Zersetzung des Extractiv- und 
Sebleimstoffes in sichtbaren Krystallen sich ablagert Einige 
Bemerkungen in neuerer Zeit von Dr. Scherer scheinen 
diese meine Ansicht zu bestätigen. 



Simon BeltrHg« t 4. 



lieber Reagens -Papier 

von 
A. Iilpowite» 



Im November Heft des Archivs der Phurmacie 1842 be- 
findet sidi eia Au&atz des Dr. M eurer über das sogenamita 
Georgineopapier, welches gleichzeiiig fUr Alkalien und Säu- 
ren ein Heagens abgiebt und woU zuerst im Laboratoriuia 
von h Liebig angewendet worden ist; wenigstens befindat 
sich eine Vorschrift und Bereitungsmethode in der Anleitimg 
zur qpoaUtativen Analyse von Dr. Fresenius, Assistenr 
ien bei der Universität zu Giessen, S. 27. Ich wende eia 
ähnliches Reagens-Papier schon seit Jahr und Tag mit glei* 
chem Erfolg an, welches iich aus dnem AuigMSS des Roth- 
kehls mir bereitete. Ich schneide die hoch gefärbten Stük- 
ken des Kohls mit einem sehr reinen Messer aus und ikber 
giesse dieselben mit destillirtem Wasser, so dass sie gerade 
bedeckt sind, lasse sie durch 24 Stunden in der Ofenwärme 
sieben und seihe die blau -violette Flüssigkeit durch ein 
reines Leinwandstückchen. Schwedisches Fliesspapier oder 
gut gewaschenes holländisches Briefpapier mit dieser Auf- 
lösung so oft bestrichen, bis es eine bläuliche Farbe erhal- 
ten hat, liefert ein vortreffliches sicheres Reagens -Papier, 
welches mit einer alkalischen Auflösung benetzt sich gvfXn 
und mit einer sauren Lösung benetzt sich roth färbt. Es 



Ueber Reagens -Papier. 99 

dürfte sich besonders den Aerzten empfehlen, welche mit 
einem Papier die Alkalität oder Acidiiäl des Urins u. dg]. 
Flüssigkeiten schnell prüfen können. Im Allgemeinen aber 
glaube ich sowohl vom Georginen- als Rothkohl-Papier be- 
haupten zu können, dass es die Sensibilität des guten blauen 
und rothen Lackmuspapiers nicht erreicht, daher dieses 
auch bei genauen chemischen Reaktionen nicht zu ent- 
behren ist. 



7* 



Pathologisch -chemische Untersuchungen. 

I. EiDige Ei^ebnisse aus der Schönlein 'sehen Klinik 

von 
FrABB SImoii. 



Vorbemerkungen. 

Die VoHrefflichkeit der Schönlein sehen Klinik für den 
sich ausbildenden jungen Arzt, welcher das nöthige pro- 
pädeutische Material zum richtigen Verständniss mitbringt, 
die Vortrefffichkeit desselben für den praktischen Arzt, dem 
sie zur wahren Lebensschule wird, ist längst anerkannt; 
aber auch für den, welcher sich mit dem Studium der pa- 
thologischen Chemie abgiebt, wird diese Klinik zur wahren 
Bildungsschule. Sie ist eigentlich der Ort, wo die Vermitte- 
iung der Chemie und Mikroskopie mit der Medizin so recht 
wahrhaft eine lebendige wird und sie ist in dieser Bezie- 
hung besonders lehrreich für den praktischen Arzt, da 
nicht allein täglich unmittelbar am Krankenbette die che- 
mische BeacUon und das Mikroskop als Hilfsmittel zur Pest* 
stdlung der Diagnose 'angewendet werden, sondern auch 
unablässig auf die Wichtigkeit dieser Hilfsmittel in der prak- 
tischen Medizin aufmerksam gemacht wird» Es ist klar und 



PattKdogisoh - ehemiscbe Untersadiimgen. 101 

oft genug als eina Wahrheit ausgesprochen worden, dass 
durch die Gbemie allein, ohne Mitwirkung der Pathologie 
und Physiologie, der Versuch eine pathologische oder phy- 
siologiscbe Chemie zu begründen, stets mehr oder wenig» 
erfolgloa bMben muss und dass die eigentliche Wirksam* 
keii der Chemie in Beziehung auf Pathologie lediglich dann 
vennitteH wird , wenn der Chemiker dem Arzte an das 
Krankenbette folgt uAd dort die Aufgaben seiner Wissenschaft 
Ibeils festgestellt, tbeils möglichst unmittelbar gelöst werden. 
Es wird für die Leser dieser Beiträge, besonders aber fUr 
die klinischen Lehrer nicht ohne Interesse sein, die Art und 
Weise kurz angedeutet zu finden, wie in der Schönl ein- 
sehe Uimk die Chemie und das Mikroskop angewendet 
werden, theils als diagnostische Hilfsmittel, theils als Un- 
terrichtsgegenstände für die Zuhörer. Die mikroskopischen 
Olasecie: Bamsedimente, Darmexcretionen, Sputa oder aus« 
gebroebene Massen u. s. w. werden während der Klinik 
miiLroskopisch untersucht und sind alsdann unter* Miskro* 
skopen, weiche der Hr. Geh.-R. Schön lein für die Kli- 
nik angeschaflt hat, für jeden der Zuschauer zur belieM- 
gen Beobachtung angestellt. Die chemischen Untersuchung 
gen, welche unmittelbar am Krankenbett vorgenommen wer- 
den ke^anen, werden vor den Augen sämmtlicher Zu- 
schauer so ausgeführt, dass nicht allein die Art und Weise 
der Behandlung einem jeden derselben klar und augenföUig 
sein .muss, sondern dass sie auch das Resultat der Behand- 
lung mit eigenen Augen verfolgen können; es ist zu die- 
sem Zweck vom Hm. Geh.^R. Schönlein ein chemischer 
Apparat för die Klinik angeschafft worden, welcher durch- 
aus eompeadiös ist und doch alle die Hlifsmittel darbietet, 
we/ebe zu chemischeh Untersuchungen am Krankenbette 
erforderlich sind. Auf die Beschreibung dieses Apparats 
werde ich auf einer andern Stelle zurückkommen. 



i) Blut in Folge des veränderten Prozesses der 
Hämatose. 

Bei einem Kranken von 53 Jahren , bei weldiem ein 



iOi Palbotogiscb-oheiiiiicbe UaiersiiiibilBgeii. 

BMtfksQhwamonittmBchag Aflengebilde im kkiseo Leberlappta 
und im Pylorusiheil des Magens, net^t Alropkie der Ifih 
zugegen waren, deeeen nniere Extremitäten ödaouMB an* 
geechwollan waren, dessen ausserordentlich farfaioae und 
blutUere Haut, schwacher, wegdrüokbarer Puls auf Bioi* 
mangel* und veränderte Blutmisehung scUieasen Uessm, 
wurde auf Veranlassung des Hr. Geh.*R. Schtfnlein dnroh 
efnen Tersuchsaderlass eine halbe Unse Blui entzogen, 
um diese chemisch auf die Mischung der wiohligsften Be- 
standiheile sa untarsueben. Das frisch gelassene Btat war 
fem gewMinlicher Färbung, aber auaserordenüich dtknnflite* 
sig; der durdi Quirlen abgeschiedene Faserstoff war aieoi- 
Kch derb, das entfaserstofile Blut liess seine Blutkörperohea 
in sehr kurzer Zeit sinken und diese bildeten höchstens 
den viertmi Tbeil von den Volumen der gesammlsn Fttla- 
sigkeii; das darüberstehende Blutserum selbst war sehr we^ 
üig gefärbt und wässrig; die mikroskopische CntersuclraDg 
zeigte woUerhaltene Blutkörperchen und eine verhällniaa« 
nMiasig grössere Menge von Ghyluskörperchen, als man sie 
im gesunden Blute zu beobachten pflegt. Die dienusche 
Untersuchung ergab folgende auffallende Zusamaoensetning; 
1000 Theile Blut enthielten: 

Gesundes Blut 
Wasser 880,0 791,9 

Feste Bestandiheile 112,0 208,1 

Fibrin 3,0 iJÖ" 

Albumin 5^1 75,6 

Blutkörperchen 45,8 - 112,3 

Extraktive Materien 
und Satee 8,9 14,2 

Sohönlein madile aufmerksam, wie zunächst der 
Mangel der festen Bestandtheile in die Augen iäHt; in 
dieser Beziehung gleicht das Blut dem chloroüscher Indivi- 
duen und dem an Typhus Leidender, wenn der Krankheitspro« 
zess auf einer gewisse Hbhe längere Zeit gedauert hat Es unter- 
scheidet sich dagegen vom oblorotischen Bhit durch die gleich- 
zeitige bedeutende Verminderung der Blutkörperohen und des 
Aibumjns der Bhitattssigheit; vom typhtfaso Blute untertchei- 



FaAriogisch-cbemlscAe UnlersoolMmgeii. 103 

M es sich dtgegen durch den ansehnUehen Gehalt au 
Kbriii. Es erleidet keinen Zweifei , dass in diesem FaHe die 
elgeDfliQmliche BkitiDischang in den tiefen organiseben Lei- 
deD dreier für die Ghylopoese und HSmatose gleich wich- 
tiger Organe, des Magens, der Leber und der.-lifls, ihre 
BiUilning findet 

2) Harn im Morbus Brightii. 
Bereits vor etwa anderthalb Jahren wurde ich v<m 
Hrn. 6eh.-R. SchOnlein auf das eigenthttnttche Sedi- 
ment aufmerksam gemacht, welches sich iu gewissen Fäl- 
len von Albuminurie, wie es scheint, besonders da, wo die 
brigüische Nierendegeneration zugegen ist, aus dem Bfweisa* 
urin absondert und bei der mikroskopischen Untersuchung 
sieb ab durchaus eigenthfimlich und von den gewöhnlichen 
Sedimenten abweichend erwiesi Dasselbe erscheint dem 
blossen Auge als ein geringer schleimiger NIederschlagi 
Jedoch nicht zu verwechseln mit dem SeAment ans Bla- 
senschlelm; wenn man den Harn behutsam abgiesst und das 
Sediment auf das Objektglas unter das Mikroskop bringt, 
so beobachtet man nachfolgende verschiedene Formen: 
(Taf. 1. Fig. 1.) 
1) Schleimkörperchen von der gewöhnlichen Grösse, 
theäs granulirt, theils lichter, mit deutfich zu erkennen- 
den Kernen. (Fig. 1 aa.) 
2} Pflasterepithelien, von der Blasensehleimhaut. 
(Fig. 1 bb.) 

3) Blutkörperchen. (Fig. 1 cc.) 

4) Bunde, dunkle, scheinbar mit einer granulösen Substanz 
gefWiie Kugeln von einem Durchmesser, der zwischen 
0,00060—0,00090 P. Z. schwanken niochle. Diese Ku- 
gebi hatten die grösste Aehnlicfakeit mit denen, welche 
Ginge als Entzündungskugeln beschreibt (Fig. Idd.) 

5) Schlauche oder schlaucfafthnliche Aneinanderreihung 
einer amorphen, dem geronnenen Albumin ShnHohen 
Materie (Fig. 1 ee.]. Diese Schläuche hatten der Mehr- 
zahl nach wirkliche Htülen und waren cylindrisch, "was 
man sehr genau beobachten konnte, wenn sie bei dem 
Ffiessen 4er Flüssigkeit sich wälzten; zum Theil schien 



104 Pathologisch- ch€iffiischeUiit6rsuchaDg60* 

aber auch die Hülle zu fehlen und man sah dana pur, 
wie schon bemerkt, dass eine amorphe, leicht grao«- 
lirte Materie cylinderarlig zusammenhing. Die wahren 
Cylinder waren zum Theil ganz gefüllt, zum Theil leer, 
und enlhielten nur eine geringe Menge granulöser Sub- 
stanz* Die gefüllten Cylinder enthielten eine bald lich- 
tere, bald dunklere granulöse Materie, die aus einem 
feinkemigen Wesen bestand, in welchem sich Zellen 
und Kugeln, ähnlich den Schleimkörperchen, zu befin- 
den schienen, von deren wirklichem Vorhandenaein ich 
mich aber nicht immer mit vollständiger Gewissheit 
habe überzeugen können. Die Weite der Cylinder dif- 
ferirte etwas, die weitesten schätze ich auf 0,00110 P. Z., 
die schmälern auf 0,00060 P. Z. Einmal auf diese Er- 
scheinung aufmerksam, gemacht, habe ich in Fallen von 
Albuminurie, wo zugleich die Schmerzen in der Nierenge- 
gend auf Leiden der Nieren schliessen Hessen, den Harn 
mit Aufmerksamkeit untersucht, und noch in mehreren 
Fällen, wo eine Degeneration der Nieren angenommen 
wurde, diese Schläuche und Kugeln beobachtet. Es ist 
keinem Zweifel unterworfen, dass diese eigenthümlicben 
Formen aus den Nieren herstammen und sie sind wahr- 
seheinlich die krankhaft veränderten. EpithelienUberzüge 
der B eil in i' sehen Harnkanälchen. Ob sie nur bei der 
B r ig h t * sohen Nierendegeneration, oder ob sie aucii bei an- 
dern Leiden vorkommen, wird erst die weitere Erfahrung 
feststellen können ; jedenfalls erscheinen sie nach meinen 
Beobachtungen immer zugleich mit einem gewissen Gehalt 
von Eiweiss im Harne, aber nicht immer sind Blutkörper- 
chen zugegen. In einem Falle, wo bereits Ascites und 
Anasarca eingetreten war und der Harn nur in geringer 
Menge secernirt wurde, habe ich den Harn zweimal auch 
chemisch untersucht; das erste Mal betrug die in 24 
Stunden gelassene Menge Harn 12 Unzen, er war dun- 
kelbraun, enthielt kein Blut, aber so viel Albumin, dass 
man nach dem Aufkochen in einem Reagensglase die- 
ses umkehren konnte, ohne dass die coagulirte Flüssig- 
keit ausfloss; der Harn reagirte sauer, enthielt in d^ 



Pathologisoh-cbei^iscbe Uutersuchui^eD. i06 

wetsaachleiioieen Sedimente viel der erwähnten Schttuche 
und Kugeln und Üatte ein £^ecifisoh, Gewiobt von 1014. 
Naidi einigen Tagen wurde die Menge di$s secemirten 
Harns geringer, sein speo. Gewicht bedeutender, die 
Reaktion blieb sauer. In beiden Fällen wurde Harn^ 
säure in ziemlich normaler M^ige, der Harnstoff aber 
in venninderter Menge aufgefunden; einige Tage apäter 
zeigte sich bei verminderter Menge xies AIlMimins so- 
gar freiwillig in grossen rhombischen Tafeln ausgeschie- 
dene gelbgefiirbte Harnsäure. Ich glaube, dass das 
Vorkommen dieser eigenthiimlicben Form im Eiwei^s- 
hame bei der Bright'schen Nierendegeneration von hin- 
reichender Wichtigkeit ist, um die Aufmerksamkeit der 
Aerzte darauf zu lenken. (Vergleiche weiter uuten die 
Beobachlung eines Harns bei vermutheter Scarlatina). 
* 3) Harn in Pneumonie und Pleuropneumonie. 
In einem Falle von Pneumonie und in einem andern 
von Pleuropneumonie wurde ein Harn beobachtet, der merk* 
würdig war, einmal durch sein ganz eigenthUmliches, in beiden 
Fällen übereinstimmendes, abweichendes Verhatten vom nor- 
malen Harne und sodann dadurch , dass,^ wie S c h ö n 1 e i n fest« 
stellte, seinAuftreten in beidenFälien genau mit dem Eintritt ^ßf 
Resolution der Entzündung zusammenfiel. In dem ersten Falle 
von Pneumonia war der Harn während des heftigen Ent- 
zündungsstadiums dunkel, sehr sauer und ohne Sediment; 
zur Zeit der Resolution wurde er blasser und neutral; eines 
Morgens fand ich den Harn dieses Patienten gelb, neutral 
und mit einem Sedimente von weissen, mit dem blossen 
Auge zu erkennenden Krystallen; das Mikroskop liess 
augenblicklich an der ausgezeichnet schönen Form dieser 
Kiyslalle erkennen, dass sie aus der Tripelverbindung von 
Magnesia, Ammoniak und Phosphorsäure bestehen. Ueber- 
raschend war mir das eigenthümliche Verhalten der Harn- 
flüssigkeit selbst; sie war ganz neutral und es erzeugte in 
ihr jede Säure, selbst verdünnte Essigsäure, eine weisse 
Fällung^ so dass ich in dem ersten Augenblicke die Gegen- 
wart einer kasefnartigen Materie vermuthete, bald überzeugte 
ich mich jedoch, dass dieses keineswegs der Fall sei, denn 



iOC Pathologisch -chemische Untersuchungeo, 

ris ich eine Partie mit Salzsäure versetzt einige Zeit stehen 
Kess, bildete -sich ein Prficipitat von schönen, fast farblosen 
HamsIfarArystallen, dieselben bildeten sich auch, wenn ich 
eine Partie mit Essigsäure erhitzte und einige Zeit lang ste* 
hen liess. Alkohol bildete einen ziemlich ansehnlichen wei- 
tuen Niederschlag, welcher auf einem FtHrum mit Alkohol 
gewaschen wurde; von diesem Niederschlage wurde durch 
warmes Wasser 'ein Theil ausgezogen, welcher bei dem 
▼erdampfen des Wassers zurückbfieb^ dieser verbrannte 
auf einem Hatinblech fast vollständig; mit kaustischem Kali 
angerieben entwickelte er Ammoniak; mit Salpetersäure 
erintzt wurde die Gegenwart einer grossen Menge Harn- 
säure nadigewiesen. Was sich in warmem Wasser von 
dem durch Alkohol bewirkten Niederschlag nicht laste, 
wurde leicht durch Salzsäure aufgenommen und durch 
Ammoniak wieder aus der^ sauern Lösung gefällt; mit 
dem Mikroskop erkannte ich diese durch Ammoniak be- 
wirkte Fälhmg als phosphorsaure Ammoniak -Magnesia. Es 
ergiebt sich hieraus , dass der in dem Harne durch eine 
jede Säure bewirkte weisse Niederschlag Harnsäure war, 
die an Ammoniak gebunden in so ausserordentlicher Menge 
im Harne aufgelöst sich vorfand, wie dieses, glaube ich, 
bisher noch nicht beobachtet worden ist. 

In dem zweiten Fall von Pleuropneumonie, der sich zu 
einer spätem Zeit in der Schönlein'schen KHnik vorfand, 
wurde zur Zeit der Resolution ein Harn entleert, welcher in 
jeder Beziehung, was besonders das erwähnte merkwürdige 
Verhalten anbetriflH, mit dem so eben geschilderten ganz 
übereinstimmt; also auch hier das schöne' krystaÜinisefae 
Sediment von Magnesia -Tripelphosphat und die Pällbarkeit 
der HamflUssigkeit durch jede Säure. Es werfen sich hier 
zwei wichtige Fragen auf, von denen die eine leicht durch 
genaues Beobachten beantwortet werden kann, ob nämlich 
diese eigenthümliche Erscheinung im Harne mit dem Reso- 
lutionsprozess der Entzündung in den Respirationsorganen 
im Zusammenhang steht. Die zweite Frage möchte so leicht 
nicht erklärt werden können, nämlich die, von welcher 
Art dieser Zusammenhang ist. Mögen wir uns vor der 



PalhobgiiBeh-oheiiiisohe IhileiiBdmpya It9r 

Hand mü der Ltttng der ersten Fmga begnttgen, ^ 
Air die Prognose von hinreiofaeiider Wic^keH eraoheim 
und m weldier ein jeder praktische Arzt am Krankenbelte 
Galegeiribeil findet 

HinsofilgeD moss ich noch, dass die bemerkte Breehei- 
nnng im Harne 3 bis 4 Tage hindureh beobachtet wurde, 
and dass in beiden FtfUen Genesung eintrat. 
4} Harn im Typhi». 

im 2. Bande memer Chemie habe ich pag. 420. von ein«» 
eigenthttmüchen Verhalten des Harns im Typhus gesprochen, 
auf welches ich durch den Hm. Ueh.-R. Schöniein auf«> 
merksam gemacht worden war, und das eben so Air die 
Entwicklung des Krankheitsprozesses als filr die Prognose von 
Wichtigkeit ist. Es belrifil dies nämlich das xu gewissen 
Zeiten eintretende und eine gewisse Dauer hindurch beste* 
hende AlkaUschwerden des Harns, nachdem derselbe zuvor 
eine Zeit lang stark sauer reagirt hat und das dwnit gleich* 
zeilign AuArelen von Sedimenten, welche, je nach ihrer 
MisehaDg, eine verschiedene Bedeutung haben ktfnnen und 
deren Erscheinen zusammen mit der Reaktion des Harnes« 
flir dm EntwicUungsgang der Krankheit bei einer richtigen 
Würdigung von grosser Bedeutung werden kann. Schön- 
lein bemerkt in dieser Beziehung, dass der Harn im regd«> 
mismg veiiaufenden typhösen Krankheitsprozess in der ersten 
Zmi dunkel und sehr sauer reagirend gefunden wird, später 
aber neutral und dann alkalisch wird, endlich, wenn sich 
die Krankbeit zw Besserung neigt, wieder die saure Reak« 
tion ttch «instellt. Schon firUher hatte ich Beobachtungen 
gemacht, vvehshe hiermit ganz .übereinstimmen, dagegen aber 
aneh Fälle gesehen, wo der Harn eine andere Beschaffenheil 
ttigß»f entweder beständig sauer blieb oder wohl auch aika- 
liseh vrurde, jedoch nur sehr vorübergehend und schnell 
wieder die aaure Reaktion annahm; zum Theil trat hier 
Besserung ein, aber zweimal erfolgte auch der Tod. Ich 
habe in der npäteren Zeit das Verhalten des Harns im Typhus 
mit grdaserar Auiknerksamkat verfolgt und kann den früher 
scfaMi beobachteten zwei Fällen sechs neue hinzufügen, welche 
das angegdtmie Verhalten weiter bestäta^fen. In dem dneu 



108 PalhoIogi9oh-di6tni8ohe UnlersoobuDgen. 

Falle wurde der Harn am 7. Tage nach der Aufnahme achwadi 
alkalisch und blieb so, oder neutral reagirend 7 — 8 Tage, 
sodann wurde er wieder schwach sauer und heller, der 
Krai^e genas. In einem zweiten schwereren Falle war der 
Harn bis zum 21. Tage sauer, die Pulsfrequenz stieg bis 
auf 120; hierauf begann der Harn neutral, sodann aULaiisoh 
zu werden; die nervOsen Erscheinungen milderten sich, die 
Pulsfrequenz wurde geringer; dieser Zustand dauerte 10 
«— 11 Tage, während welcher Zeit der Harn einmal ausser- 
ordentlich reichlich floss, blass, fast spastisch und schwach 
alkalisch reagirend war. In zwei anderen Fällen trat die 
Umwandlung der sauren RealLtion in die alkalische vor dem 
14. Tage der Krankheit «in, und in einem dieser Falle 
wurde der Harn so ausserordentlich stark mit kohlensaurem 
Ammoniak geschwängert und von so unangenehmem stinken* 
dem Gerüche, dass dieser sich weit im Krankenzimmer ver- 
breitete; der Harn hatte ein ansehnliches eiter- oder schleim- 
artiges, meist aus phosphorsaurem Kalk und phosphorsaurer 
Magnesia bestehendes Sediment abgelagert und brauste mit 
Säuren gemischt heftig auf; erst nachdem 14 Tage und 
in dem letzten Falle 3 Wochen der Harn alkalisch oder 
neutral reagirend geblieben war, stellte sich nach und nach 
die saure Reaktion wieder ein und die beiden Patienten 
genasen. Bemerkens werth ist noch, dass dem Auftreten 
der alkalischen Reaktion und dem Erscheinen der Erdphos- 
phate im Harn nicht selten eine Absonderung von hamsau- 
rem Ammoniak vorhergeht, welches, wie Scbönlein bemerkt, 
gewissermassen als Vorläufer dieser günstigen Umänderung 
des. Harns und als das erste kritische Bestreben der Natur 
anzusehen ist. In der letzten Zeit, wo der typh^e Krank- 
heitsprozess in einer viel mildem Form sich z^gte, wurde 
ebenfalls mehrere Mal diese eigenthUmliche. Umwandelung 
der Reaktion des Harns beobachtet, so zwar, dass nach 
vorhergegangener andauernder alkalischer Reaktion das Wie« 
dereintreten der sauren, verbunden mit dem Hellerwer« 
den des Harnes und reicherer Harnabsonderung, mit ziem- 
licher Sicherheit als ein günstiges Zeichen Tür die glück* 
liehe Lösung der Krankheit angesehen werden konnte, 



PalboIogisdi-eheDHdohe UatenaehangMi. 109 

wogegen ich mich aus dem Jahre 1840 einigtt* Fdie 
erionere, wo der Harn auch neutral oder alkalisch reagirend 
wijirde, aber bald wieder in die saare Reaktion überging, 
um späterhin wieder, aber ebenfalls ohne Andauer, nur auf 
ganz kurze Zeit, alkalisch zu werden; in einem von diesen 
FäUen halte die Krankheit einen sehr langsamen Verlauf und 
einen lethalen Ausgang. 

5) Harn bei Rüokenmarkskraukheiten* 
£s ist bekannt, dass der Harn bei Leiden des Rücken« 
marks, so wie auch bei Leiden des Gehirns sehr häufig 
ammoniekalisch reagirend wird und beim Hinzufügen einer 
freien Säure den ansehnlichen Gehalt an kohlensaurem Am- 
moniak durch das Aufbrausen verräth; man war schon 
längst der Meinung , dass sich das kohlensaure Ammoniak 
auf Rosten des Harnstoffs bildet, indem dieser noch die 
Eleoiente von 2 Atomen Wasser aufnimmt. Da indessen im 
Harne auch noch andere stickstoffhaltige Materien vori^om- 
men, so konnte möglicherweise auch von diesen die Bildung 
des kohlensauren Ammoniaks ausgehen; es schien mir daher 
nicht aninteressant durch directe Versuche zu ermitteln, ob 
der Harnstoff bei dieser Umwandelung betheiligt sei oder 
nicht« Ich untersuchte zu diesem Endzwecke den Harn ei« 
nes im hohen Grade an Riickenmarksschwindung leidenden 
Mannes zu verschiedenen Zeiten; in der fHlhem Zeil fand 
ich neben d^m kohlensauren Ammoniak noch Harnstoff, je- 
doch in viel geringerer Menge als im normalen Harn; später 
als die Krankheitssymptome immer schlimmer wurden und 
der Harn bereits bei der Secretion sich amtnoniakalisch 
ze^te, verminderte sich die Menge des Harnstoffs mehr und 
mehr, und als ich den höchst Übel aashafi riechenden Harn 
kurze Zeil vor dem Tode des Kranken noch einmal unter- 
suchte, fand ich die Menge des Harnstoffs so sehr vermin- 
dert, dass sich aus dem alkoholischen Extracte des HamrUck- 
Standes durch Hinzufügen von Salpeter erst nach mehreren 
Stunden Krystalle von salpetersaurem Harnstoff abschieden« 
Hieraus ergiefot sich, dass in der That die Bildung des 
kohlensaaren Ammoniaks auf Kosten des Harnstoffs vor 
sieb geht. Wichtig scheint es mir zu bemerken^ dass befan 



LcMmi dw Bücienmarls oder des Gehims, wenn in Poiga 
^kr kohlensauren Ammoniakbildung dieErdphosphale sich aus- 
sQlielde», unter diesen in den mehrsten Fällen die Tripel- 
^eibindaBg der Magnesia vorwaltet; schon vorher habe leh 
bemerkt^ dass ich einige Mal in der Resolution in Pleunopnen« 
monie SadimeDle nur aas phosphoraanrer Ammoniak-Magne- 
sia beobachtet habe. Bei Leiden der Blasenschldmhani 
herrscht dagegen, wenn aus dem Urine die Erdphosphate 
aosgesohieden werden, di^ phosphorsaure Kalkerde vor. 
Oft genug sind die Mengen der ausgeschiedenen Erdphoa- 
pbale viel zu gross, als dass man sie durch FäHung der 
gewöhnlichen im Harn enthaltenen eiktören könnte. Front 
macht darauf aufmerksam, dass hier ein Zusammenhang 
zwischen dem Phosphorgehalt des Gehimfettes auf der einen 
Seite und zwischen dem phosphorsaurem Kalkgehalt der 
Schleimhaut und des Schleimes auf der andern Seite statt- 
findet, ein Punkt, der gewiss jede Berttcksickligung verdient 

6} Harn im Scarlatina. 

Den Harn bei Scarlatina zu beobachten ist fUr den ra- 
tionellen Arzt doppelte Pflicht. Es ist bekannt, wie oft sich 
der konsekutive Ifydpops nach Scarlatina durch den Eiweiss- 
gehalt des Harnes kund giebt, indessen muss ich bemerken, 
dasa Hydrops nach Scarlatina eintritt ohne Albuminurie, und 
dass unter 'Umständen , wenn auch selten, Albuminurie auf- 
tritt, ohne folgenden Hydrops. Von Wichtigkeit bleibt aber 
bei Scarlatina noch eine andere Erscheinung, auf die Schön- 
lein wiederfacdt hingewiesen hat, und durch welche die De- 
squamation der innem Schleimhäute bezeichnet wird. Die Zei« 
chen der Desquamation derBlasen-Mucosa nach Scarlatina habe 
idi bis jetzt stetig beobachtet und es seheint um so mehr auf 
diese interessante und für den Gang der Krankheit wich- 
tige Erscheinung aufmerksam gemacht werden zu mttssen, als 
wie es scheint, in nicht seltenen Fällen die Desquama« 
tion der Schleimhäute der der äusseren Haut vorangeht 
und somit der Arzt auf einen in dieser Krankheit so wich- 
tigen Absdinitt aufmerksam gemacht wird. Der Harn trttbt 
sieh unbedeutend und setzt noch längere Zeit ein leicht auf- 
gesobwemmtes schleimiges Sediment ab. Wenn man dieses 




PalbologiMh^dkainiadie IMifMotanigeiL 111 

ttü dm Mikroskop bolrachtet, so erUickt man in dar Mehr- 
uUL der Fätte nur zahireiehe Pflasterephhelien, zum Tiiafl 
einsetaiy am Tkeil zu mehreren in SchleimhattiCatzen vecei- 
Bi^, umherschwiigimen. Sdten habe ich neben diesen 
Z^hen der Absehuppung der MasenmiiGosa, noeh die einer 
sUIrkem fteizoiig dieaer ScUeiinhaut in Form von Sohlein^ 
kOrperehaa be(d>achlei. Der Fälle, wo ich Aibominurie nach 
Searlaihia bei Erwachsenen eintreten sah, smd na* waniBe, 
und ich rermag nicht za entschetdei, ob die Albominiirie 
mit diesen Desquamationsaki coincidirt. Eine andere Art der 
Desquamation innerer Schleimhäute habe ich knrzMeh ersi 
in der Klinik des Hrn. €reh. R. Schönlein, aofaierksam 
gemacht durch diesen ausgezeichneten Foiteher, beobachtet« 
Ein Mädchen, bei weiehera die Desquamation der äussern 
Haut, ziemKoh gleichzeitig mit der Desquamation der Blasen- 
Schleimhaut, jedoch An» stärkere Reizung der Nieren, efa- 
getreten war, klagte über Reiz in den SchGngorganen und 
der Luftröhre, sie hustete viel Schleim aus und es zeigte 
sieb in dem Spuehglase ein pundent erscheinendes Sedi- 
ment, welches sich bei näherer Untersuchung mit dem Mikro* 
skcpe, als aus zahllosen, theils einzelnen, theils in Fetzen 
Tereinigten Ffiasterepithelien zusammengesetzt, zeigte« 

Vom Herrn Dr. Braun in Berlin erhielt ich einen bluti- 
gan Barn zur Untersuchung mit der Frage, ob seine physi^ 
kaiiaehe und cheaaisehe Beschaffenheit auf scarlatinösen 
Krankbeilaboden schössen lasset Der Harn setzte em an* 
sehnhches Sediment von biutrother Farb^ ab, in welchem 
sich 4 versdnedene Formen erkennen hessen, nämlich zahl- 
rei^e llulkdrpercben, eine sehr grosse Menge jener bei 
Mrk Bf%h£ii beschriebenen Cylinder, SoUeimfc^^rpercfaen und 
eine unfaihmKfJie Masse von .theils in rhombischen Krystallen, 
Ibeii in ziemlich grossen runden Kugeln abgesdiiedener 
Hamaäure. Die Cylinder waren von geringerer Weite, wie ich 
sie sdiOD früher beobachtet hatte, und sämmtiich mit einem 
gelbliobeu dunklen wie krystallinischen Inhalt gefüllt, der in 
seiacai äisaanMn Erscheinen, was Farbe und Ansehn anbe- 
traf, niil der in Kugidn abgeschiedenen Harnsäure AehnMoh- 
keil hatte* Diese Kugeln selbst hätte man fttr die sogenannten 



112 Pathologisch «cheoiiddie Unterattobungen. 

EDtelinduDgskugein halten können; sie unterschieden sieh 
aber von diesen dadurch, dass sie beim Drücken mit dem 
Deckglase gewöhnlich in 4 oder mehrere Eugeitheile zer- 
drUcki wurden; auch einige von den Gyjjndern liessen sich 
auf diese Weise zerlrümmern und aus dem Verhalten der 
Trümmerstucke schloss ich mit um so grösserer Wahrschein- 
lichkeit auf einen Inhalt aus gelb gefärbter Harnsäure. Der 
wenig rothgeförbte Harn, welcher sich über den Sedimente 
geklärt hatte, enthielt eine sehr ansehnliche Menge Albumin 
und zwar viel bedeutender, als dass man sie hätte dem 
Blutserum zusehretben können. Es war aus dieser mikro- 
kopisch chemischen Untersuchung des Harns durchaus nicht 
mit Sicherheit von Seiten des Chemikers zu bestimmen, ob 
die Nierenreizung Folge von Scarlatioa sei, nur das war 
mit Ueberzeugung auszusprechen, dass eine sehr heilige 
Nierenreizung zugegen sei. Herr Dr. Braun war so gefällig 
mir folgende Miltheilung 4iber den Fall selbst zu machen. 
Ein Knabe von 6 Jahren mit deutlich scrophulösem Habitus 
lässt eines Nachts, nachdem er Tages ziivor über Kopfweh 
geklagt hatte, einen blutig gefärbten Harn; der herbeigeru- 
fene Arzt findet den Patienten mit schwachem Fieber und 
examinirt, weil ihn die Erfahrung in der letzten Z^t die 
Hämaturia renalis bei Kindern gewöhnlich nur als Vorbote 
oder Begleiter des Scharlach hat beobachten lassen, auf 
diese Krankheit; indessen zeigte sich weder Ausschlag noch 
Angina, weder Desquamation noch Oedem, jedoch bestä- 
tigte die örtliche Untersuchung die aus dem Uriu ersicht- 
liche Nierenreizung; die rechte Nierengegend war empfind- 
lich und von da ab heftige Schmerzhaftigkeit nach der vor- 
deren Bauchwand bis zum Nabel. Es wurden Blutegel ver- 
ordnet und gelind derivativ verfahren. Am nächsten Tage 
ist der Zustand besser, drei Tage hindurch dauert die Blut- 
aussonderung durch die Nieren an; dann tritt wieder 
Wohlbefinden ein. In der Nacht vom i2 bis 13. Krankheits- 
tage wieder blutiger Urin, von welchem mir zur Untersu- 
chung übersendet wurde; grosse Unruhe, ein Hydrocephslus 
acutus besohliesst am 16. Tage die Scene; kurz vor dem 
Tode floss der Urin noch reichlich und ganz blutlos; beim 



Paihologiseh-chemisohe Untersuchangen. 113 

zweiten Eintriit der Hämaturie kurs vor dem Tode war die 
SchmerzbafUgkeil, welehe sie in den ersten Tagen beglei- 
tete, nicht wieder eingetreten. Dieser Fall hat gewiss Inter- 
esse; ich erlaube mir keinen Schluss, ob hier eine Nieren- 
degeneraüon, ob die Reizung durch Scharlach, ob sie durch 
die grosse Menge der abgelagecten Harnsäure bedingt wuade. 
Die Sektion, wekhe allein hierüber noch hätte Licht eintre* 
ten können, ist leider verweigert worden. 

7) Ein eigenthiimliches Harnsediment 
habe ich jetzt viermal Gelegenheit gehabt za beobach« 
ten und zwar bei entzilndlicher Affectiop der Respiralions.- 
organe. Dieses Sediment setzt sich ans dem neutraten oder 
schwach sauem Urin ab und gleicht, dem Aeussem nach, 
dem Sedimentum laterilium, ist jedoch weniger hochroth, 
sondern gewöhnlich gelb bis gelbbraun gerdAt und erregte 
vorzüglich dadurch diQ Aufmerksamkeit, dass es als eine 
erdige y grobkörnige, ziemlich schwer am Boden liegende 
Masse erscheint; betrachtet man es mit detai Mikroskope, so 
findet man verschiedene, zum Theil ganz merkwürdige For- 
men (T. 1. F. 2.) wie Kugeln, welche mit Spitzen besetzt sind, 
die zuweilen so gross und deren Spitzen und Zacken so dicht 
und lang sind, dass man die Form am treffendsten mit der 
des Seeigels vergleichen kann; ebenfalls häufig findet man 
einzelne Kugeln, an welchen die Ausläufer und Spitzen ein« 
scitig angesetzt sind und gebogen erscheinen, so dass man 
diese Form mit Kaulquappen vergleichen möchte, deren 
Schwanz bald getheilt, bald mit Domen besetzt erscheint 
Endlich erscheinen noch verschieden bin- und hergebpgene 
Cyh'nder und grosse Kugeln, theils einzeln, theils zu mehre- 
ren vereint. In der letzten Zeit, wo ich einmal Gelegenheit 
hatte dieses Sediment in grösserer Menge zu erhalten, habe 
ich dasselbe genauer untersucht; es wurde anhaltend auf dem 
FiKnim mit dcsliUirlem Wasser gewaschen und alsdann ge- 
trocknet, worauf es ein orangefarbnes Pulver darstellte, wel- 
ches nicht die Feuchtigkeit der Luft anzog; dieses gab mit 
Alkohol ausgekocht einen Theil seines Farbestoffes ab, 
der nach dem Verdampfen des Alkohols als eine auch im 
Wasser lösliche Materie, die ihre Farbe nicht beim Behau- 

Simon BeitrNse I, 4. g 



114 Pathologisch -cbeinisohe UntersiKhongea 

dein mit Salpetersäure oder freiem Kali veränderte, zürttck- 
blieb; auch Wasser zog aus dem durch Alkohol extrahirten 
Sediment noch eine Menge FaiiiesioflF aus.*) 

Da ich neben dem beschriebenen Sedimente mit Hilfe 
des Mikroskopes auch einige Krystalle von phosphorsaurer 
Ammoniak-Magnesia beobachtet hatte, so schüttelte ich das> 
selbe, nachdem es mit Alkohol extrahirt worden war, mit 
Wasser, dem einige Tropfen ChlorwasserstoffsSure hinzuge- 
fügt wurden, und wusch es dann andauernd mit destillirtem 
Wasser. Mit dem Mikroskope Überzeugte ich mich jedoch 
sehr bald, dass aelbst durch diese kurze Einwirkung der 
Ghlorwasserstoflsäure das Sediment verändert worden war; es 
zeigte sich nämlich eine grosse Anzahl von Hamsäurekry- 
stallen, die ich früher nicht beobachtet hatte; ein Theii des 
getrockneten Sediments wurde nun im Platintiegel verbrannt, 
was unter Entwicklung von kohlensaurem Ammoniak und 
mit Verbreitung eines sehr kenntlichen Geruches nach Cyan- 
wasserstoffsäur« geschah; eine sehr geringe Menge koUen- 
saurer Kalk blieb zurück. Ein anderer Theit des Sediments 
wurde mit kaustischem Kali angerieben und entwickelte ei- 
nen ziemlich starken Geruch nach Ammoniak. Die saure 
Flüssigkeit, mit welcher das Sediment geschüttelt worden 
war, um die phosphorsaure Magnesia zu Idsen^ wurde im 
Wasserbade zur Trockne verdampft; sie hinterHess ein 
Salz, welches beim Glühen sich verflüchtete und nur 8 
Proc. feuerbeständigen Rückstandes hinterliess, der fast nur 
aus phosphQrsaurer Magnesia und einer geringen Menge 
phosphorsauren Kalkes bestand; was sich verfluchtet hatte, 
war Salmiak; ein Thcil des Sediments, längere Zeit mit ver- 



«) !d einem Falle Von Typbus bei einem jugendlichen Frau- 
zimmer fand ich in dem alkalisch reagirenden Harn ein citron- 
gelbes, aus'harnsauerm Ammoniak und phospliorsaurer Kalkerde 
bestehendes Sediment, dessen ParbestolT sicfi aber nicht im Was- 
ser, sondern, mit schön gelber Farbe, nur in Alkohol löste, durch 
Wasser wieder abgeschieden wurde und sich überhaupt mehr 
harzartig verhielt. Auch Prout hat einen gelben FarbesloflT in 
Sedimenten häufig beobachtet. 



Palbdogisoh- chemische UotersuchnDgea 115 

dttonter Salzsäure in Berührung gelassen, veränderte seine 
Fenn vdlständig; es zeigten sich nach Einwirkung der Siiure 
nur die rhombischen Tafeln der Ilagrnsäure. Hieraus ergicbi 
sieh, dass das eigentbUtnliehe Sediment ausVnrnsaurem Am- 
moniak bestand, dem Spuren von hamsauerm Kalk beige- 
mischt waren. 

8) Sputa bei Bronchitis. 

In Folge einer sehr heftig auftretenden Bronchitis wurde 
von dem Patienten «ein purulenter Schleim ausgeworfen, 
in welchem Herr Geh*'R. Schönlein auf eine weisse, 
fadenartige, sieh 2u Boden senkende Materie aufmerksam 
machte; wenn man diese in Wasser brachte, so zeigte sich, 
dass von einem Stamm der weissen faserartigen Materie 
mehrere lange, feine Fädchen, baumartig verzweigt, ausgingen 
-und in äusserst feine Endigungen ausliefen^ welche bei einer 
leichten Bewegung des Gefässes im Wasser hin und her 
floUirten; bracfate man sie in Essigsäure, so quollen sie darin 
auf und veränderten sich zu einer durchscheinenden Gallert, 
die sich beim langem Digeriren grösstentheiis löste; Kalium- 
44scncyanttr brachte in dieser Lösung einen Niederschlag 
hervor; unter d^n Mikroskop zeigten diese Fädcheu ganz 
die SlrokUir des coagulirteu Fibrins. Es erleidet keinen 
Zweifel, dass hier in Folge der Entzündung der Bronchien 
und Ihrer feinsten Verzweigung sich plastische Lymphe in 
den letzteren ergossen hat, welche im geronnenen Zustande 
ausgeworfen wurde. 

IL Einige Ergebnisse aus der Privat -Praxis. 

. 1} Empyem-FlUssigkeit. 
flr. Dr. Kranso in Danzig übersendete mir eine durch 
Punktion entleerte Flüssigkeit aus der Brusthöhle eines 
2g]ährigen Mädchens zur Untersuchung, welche in -einer 
Menge von 5 Pfd. entleert wurde; die Operatipn musste im 
Verlauf von 5 Wochen 2 mal wiederholt werden. Die 
Flüssigkeit, weiche ich erhielt, war durchaus geruchlos, gelb- 
lich jmd bestand aus zwei Theilen, einem dünnflüssigen und 
einem darin schwimmenden gallertartigen Koagulum; die 
Flüssigkeit selbst reagirte stark alkalisch, besass ein spez. 

8* 



116 Pathologisch* ohcmische Unlersachungen. 

Gewicht von 1022,4 und Hess, mit dem llikroskop betrach- 
tet, nur äusserst wenige Primärzellen von der Grösse der 
Schleim- und Eiterkörperchen erkennen; das Eoagulum war, 
wie bemerkt, ^on geringer Gonsistenz, zeigte unter dem 
Mikroskope äusserst wenig eingeschlossene Primärzellen und 
die Struktur des geronnenen Fibrins ; es liess sich im Wasser 
leicht auswaschen und hinterliess dann ein ausgezeichnet 
weisses Fibrin. Die weingelbe Flüssigkeit des Exsudates 
wurde von Essigsäure nicht getrübt, dagegen entwickelten 
sich Blasen von Kohlensäure, die Menge derselben liess auf 
einen ansehnlichen Gehalt von kohlensauerm Natron schlie- 
ssen; durch Alkohol wurde eine grosse Menge Eiweiss ge- 
fällt; kochender verdünnter Alkohol zog aus dem Nieder- 
chlageine bedeutende Menge Natronalbuminat aus; es scheint 
mir sehr bemerkenswerth, dass, obgleich der Gehali an 
dieser Verbindung so ansehnlich war, dennodh durch BlBsig- 
säure keine Fällung hervorgerufen wurde, was doch gewöhn- 
lich bei Gegenwart von Natronalbuminat der Fall ist. Ich 
verfuhr bei der Analyse auf folgende Weise; aus einer 
geringen Menge der Flüssigkeit wurde der Gehalt der 
festen Bestandtfaeile bestimmt. 500 Gran der Flüssigkeit 
wurden mit wasserfreiem Alkohol gemischt; was sich darin 
löst von dem gefällten Albumin abgegossen und dieses 
mit wasserfreiem Alkohol gewaschen, die alkoholische Lösung 
wurde verdampft und mii Aelher das Fett extrahirt; was 
sich im Aether nicht löste, bestand aus extractiver Materie 
und einigen Salzen; das durch Alkohol gefäUte Albumin 
wurde mit 50f Alkohol ausgekocht, der eine ansehnliche 
Menge Natronalbuminat, Salze, extractive Materien löste; durch 
Verdampfen und Behandeln des Rückstandes mit starkem 
kaltem Alkohol wurde das Natronalbuminat geschieden; aus 
dem' im kochenden Alkohol nicht löslichen Albumin zog 
kochendos Wasser noch eine gewisse Monge Natronalbumi- 
nat aus, die Salze wurden durch Verbrennen eines Theiles 
trockenen Rückstandes der Flüssigkeit bestimmt. Sie bestan- 
den zum grössten Theil aus Chlornatrium und kohlensauerm 
Na Iren; von phospborsauerm Kalk und schwefelsauren Salzen 



Pathologiscb-chemiscbe UntersuchuDgen. 117 

^'aren nur geringe Mengen zugegen, das Resultat der Ana- 
lyse ist nachstehendes: Tausend Tbeile enthalten 

Wasser . .' 934,72 

Feste Bestandtbeile 63,?8 

Fibrin '. . 1,02 

FeU 1,05 

Alkoholextract mit Salzen . . . 1,35 
Spiritosextract mit Salzen . . . 10,64 

Natronalbuminat 17,86 

Albumin 31,00 

Feuerbeständige Salze 9,50 

Die Flüssigkeit bat sowohl in ihrem physikalischen, wie 
auch cbemistihen Verhalten, viel Aehnlif hkeit mit der Lymphe. 
2) Galienkonkremente. 

Herr Dr. Eisenmann, auf der Feste Oberhaus bei Passau, 
Übersendete nur eine Partie Gallenkonkremente, welche von 
den gewöhnlichen menschlichen Gallensteinen wesentlich ab- 
wichen. Taf. 1. Fig. 2. habe ich einige dieser eigentbümli* 
eben Konkretionen abgezeichnet; sie sind von der Grüsse 
einer Erbse, unregelmässig gestaltet, mit Höckern und War« 
zen besetzt, im Bruch sind sie glänzend, schwarz, ohne kry- 
stallinisches Gefüge, beim Erhitzen auf Platinblech schmelzen 
sie nicht, blähen sich wenig, verbrennen alsdann mit heller 
Fianune und^ hinterlassen eine sehr geringe Menge schmel- 
zender, in Wasser sich lösender und rothes Lackmuspapier 
stark bläuender Asche. Sie Uessen sich leicht zerreiben und 
gaben an Aether eine sehr geringe Menge eines grüngelbli- 
chen Fettes ab, welches nur Spüren von Cholesterin ent- 
hielt. Alkohol zog aus dem mit Aether extrahirten Rückstand 
eine ansehnliche Menge Gallenharz von sehr bitterem und 
widerlichem Geschmack; der grö'sste Theil der Masse blieb 
jedoch in Alkohol unlöslich; wurden aber dem Alkohol, nach- 
dem das Gallenharz entfernt war, einige Tropfen KalUösung 
zugefügt, so nahm er eine ziemlich bedeutende Quantität 
des Rückstandes auf und färbte sich dabei intensiv grün- 
braun, indessen konnte auf diese Weise nur ein gewisser 
Theil, etwa die Hälfte, gelöst werden, der Rückstand selbst, 
mit reiner Kalilauge digerirt, färbte diese nur braungrün, 



118 Pathologisch - chemische Untejrsuchungea. 

ohne sich vollständig zu lösen. Wurde er mit Alkofaol an- 
haltend gewaschen und dann getrocknet, so stellte er ein 
kohlschwarzes Pulver dar, welches auf Plaünblech mit Hin- 
terlassung eines sehr geringen Rückstandes verglimmte und 
sich beim Erhitzen mit Salpetersäure unter Entwicklung von 
salpetriger Säure zum Theil löste, wobei sich die Säure 
gelb färbte; ein Theil blieb selbst bei der Siedhitze ungelöst 
und verschwand erst nach andauerndem Einwirken der 
Salpetersäure. Was der mit Alkali versetzte Alkohol gelöst 
hatte, verhielt sich ganz wie Biliverdin. Verdunstete man 
den Alkohol grösstentheils , fügte dann Wasser und etwas 
Ghlorwasserstoffsäure hinzu, so fiel der Farbestoff in grünen 
Flocken zu Boden, die «sich mit Leichtigkeit in Alkohol lösten. 
Es ist bekannt, dass die meisten GaUenkonkremente des 
Menschen der größten Masse nach aus Cholesterin bestehen, 
welches mit wenig Gallenharz und Gallenfarbsloff vermisch! 
ist. Diese Konkretionen enthielten dagegen nur Spuren von 
Cholesterin, es herrscht darin, wie in den Gallensteineti des 
Rindviehs Gallenfarbstoff vor, der hier mit einer ziemlich an- 
sehnlichen Menge Gallenharz verbunden war. Die eigenthüm- 
liche Modification des Gallenfarbstoffes, in welcher er in der 
grünen Färbung sich zeigt und sich nicht mehr mit der Leich- 
tigkeit in wässriger oder alkoholischer Kalilösung auflöst« vrie 
das Biliphäin, habe ich schon bei den Rind¥iehgallenstei- 
ncn aus dem Kabinet der hiesigen Thierarzeneischule beobach- 
tet. Herr Dr. Efsenmann berichtet mir, dass er die Steine 
aus der Gallenblase eines an Cerebral- und Spinalirritation 
und deren Ausgang in Erweichung gestorbenen Offiziers 
entnommen hat, dass sie frisch höckerig wie Maulbeeren 
waren, aber schon in 24 Stunden fast auf die Hälfte zusam- 
menschrumpften und dass er mit dem Mikroskop darin Chole- 
sterin mit eingemischtem schwarzem Pigment erkannt habe. 

3) Indigo im Harne. 

Vom Herrn Dr. Schmitz, dirigiix^ndem Arzte der Kalt- 
wässerheiianstalt zu Marienberg bei Boppard, erhielt ich 
einen intensiv blau gerarbten Ilriru mit dem Bemerken, dass 
derselbe von einem Patienten entleert worden sei, welcher 
bei dem gcbräuchlicljen Regimen in der Kaltwasserheilan- 



PaÜiologisch-cbemische Uolersucbungm. ll«j 

stall zur Zeit, y/o dieser Urin eoUeeri worden isl, kein an- 
(kres Medikament als eben das kalte Wasser zu sich genom- 
msia hat. Die Menge des mir anvertrauten Urins war nur 
gering; derselbe reagirle stark ammoniakalisch, war, wönn er 
in Ruhe gestanden hatte, hellblau gefärbt und hatte dann 
ein mcht unbedeutendes, dunkelblaues Sediment abgelagert. 
Betrachtet man das Sediment mit dem Mikroskop, so zeigte 
sieh neben wenigen KrystaHen von phosphorsauerm Magne- 
sia-Ammoniak nur eine hOchst fein präcipitirte amorphe Masse, 
welche der Träger der blauen Färbung war. Ein Theil des 
gewaschenen und getrockneten Sediments wurde mit kausti- 
schem KaU behandelt, wobei es. seine Farbe nicht verlor, es 
konnte also weder Jodstärke noch Berliner Blau sein. Verdünnte 
oi^ganische Säuren und Ghlorwasserstoffsäure lösten dasselbe 
nicht auf und zerstörten auch nicht die Farbe; Salpetersäure, 
damit digerirt, zerstörte die Farbe, es wurde das Blau in 
Gelb ufflgdwandelt; concentrirte Schwefelsäure mit dem 
blauen Sediment digerirt, löste dasselbe mit schön Indigo- 
blauer Farbe; ein Theil des Sediments, auf Platinblech er- 
wärmt, hauchte zuerst den Geruch nach Harn aus und ver- 
flüchtete, sich dann mit intensiv violett gefärbten Dämpfen. 
Den Hauptbeweis, dass das blaue Sediment durch lodigo 
gefärbt war^ liefert folgende Reaction, welche in dem Labo- 
ratorium des H«rm Geheime-Rath Mitscherlich vorge- 
nommen wurde. Wenn man es mit verdünntem Alkohol, 
dem eine gewisse Menge Traubenzucker und freies Kali zu- 
gesetzt worden ist, erwärmt, so verschwindet die blaue 
Faibe und die Hüsilgkeit wird gelbroth; diese gelbrothe 
Flüssigkeii wird beim Schütteln intensiv blutroth und geht 
plötzlich in Grün über. So wie man aber diese grün gewor- 
dene Flüssigkeit in Ruhe lässt, verwandelt sich wieder die 
^üne Farbe in Oelbrotb.*) Aus allen diesen Reactionser- 



*) fiouchardat erhielt ebenfalls von Dr. Schmitz einen 
Illauen Urin zur Uulersuchuug, möglicherweise von demselben, 
welchen ich erhalten habe, wenigstens stimmt die physikalische 
Beschreibung, welche Bouchardal von dem Harne gicht, ganz 



12Q Päihologisch-chttuische UntersuchungeiL 

soheiaungen geht hervor, dass die blaue Färbung des Urins 
von Indigo herrührte. Die Frage ist eben so wichtig, wie 
interessant, ob sich in diesem Falle, wie aus der Mittheilung 
des Herrn Dr. Schmitz hervorzugehen scheint, der Indigo 
in Folge einer gewissen Umsetzung stickstoffhaltiger Ge- 
bilde des Körpers spontan ^erzeugt habe, oder ob er durch 
den Genuss von Indigo in dea Harn tiberging, oder ob er 
endlich von aussen hineingebracht worden ist. Die Beant- 
wortung dieser Frage wUrde vielleicht noch Herrn Dr. 
Schmitz möglich sein. Wichtig scheint mir in dieser Be- 
ziehung, dass auch Prout in seinem Werke „On the nature 
and treatment of stomach and urinary diseases. Lond. 1840. 
Introduct XCVI.'^ einen Fall von idiopathischer Indigoerzeu- 
gung anführt, wo sich dieser Farbestoff nach dem Gebrauch 
von Sedlitzsalz im Urin gefunden hat 

4] Untersuchung einer weissen eiterartigen 
Flüssigkeit aus einer ^ichtischen Geschwulst« 

Schon vor längerer Zeit hatte ich in einem arthritischen 
Eiter, welchen mir Herr 6eh.-R. Schönlein zur Un- 
tersuchung übergab, besonders um die interessante Frage 
zu lösen, ob derselbe Harnsäure enthalte, (mediz. Chemie 
B. 2. Pag. 321.) die Gegenwart dieser Säure sowohl mit' 
dem Mikroskop als auch durch chemische Reagentien nach- 
gewiesen. Es schliesst sich hieran die Untersuchung einer 
eigenthümlichen eiterartigen Flüssigkeit, welche ich durch 

mit dem Verhalten des von mir untersuchten Uberein, jedoch 
nicht das chemische Verhalten des blauen Sediments, welches 
B. als eine eigentbiimliche organische Substanz betrachtet; nach 
ihm löst sich das Sediment zum Theil in Aether und Alkohol, 
Salpetersaure zerstört dessen Farbe, Oxalsäure löst es auf, kau- 
stisches Kali entwickelt daraus Ammoniak und zerstört beim 
Erhitzen die Farbe, Schwefelsaure verändert das Sediment nicht. 
Man sieht, dass diese chemische Beschaffenheit ganz von der ab- 
weicht, welche ich von dem blauen Sedimente geschildert habe. 
Da, wie es scheint, blauer Urin bei Kranken, welche sich der 
Grafenbcrger Wasserkur unterwarfen, h'außg vorkommt, so kann 
nicht genug auf die Wichiigkeit der Untersuchungen solches 
Harns aufmerksam gemacht werden. 



Pathologisoh-oliemisehe Uderauobufigdn. 121 

die Gefälligkeit des Herrn Dr. Piutti in Elgersburg erhielt, 
und die aus einer arthriiisoben Geschwntet nach dem Ge< 
brauch der Wasserkar aasgellossen war. Ich lasse in 
Kilnse aus dem begleitenden Schreiben des Herrn Dr. Piutti 
die Hauptmompnte des Krankheitsfalles folgen. Ein kräftiger, 
vottsafUger, etwas korpulenter Mann von 45 Jahren bekam 
bereits vor 20 Jahren den ersten regelmässig verlaufenden 
Podagraanfall, der sich Anfangs in längeren, dann in kürz», 
ren Zwischenräumen wiederholte; nach Verlauf einiger Jahre 
ging das reselmäs^ige Podagra in Arthritis vaga tlber; es 
stellten sich des Jahres 2 bis 3 AnfiHle ein, welche beträcht- 
liche (ächtknoten an Händen und Füssen hinteriiessen; in 
den letzten Jahren wanderten die Gichtanfälle fast tm gai^ 
zen Körper umher, verschonten jedoch die innem Organe 
und den Kopf und riefen Steifigkeit und UnbewegUchkeit 
der untern Extremitäten hervor. Nur in den letzten Jahren 
zeigte sich Neigung zur Obstruction und unerhebliche Häinor- 
rboidalbesch werden; seit 6 Jahren ist die grosse Zehe aü- 
mähfag angeschwollen; sie bildet gegenwärtig eme bedeu- 
tende, feste, rothe, aber nicht schmerzhafte Geschwulst 
Patient hat viel gebraucht; mehrere Jahre lang Oleum jeco« 
ris aselli, drei Jahre nach einander Wiesbaden ohne Erfolg. 
' Am 28. Juni v. J. kam Patient nach Elgersburg, begann unter 
der Decke zu transpiriren, zu baden, trank tägUeh 12 bis 
18 Gläser Wasser, hielt massige Diät und machte sich im 
Freien nach Möglichkeit Bewegung. Um die angeschwoltne 
Fusszeh Wurzel wurden nasse, erregende, durchfeuchte Wärme 
acAitaende Umschläge appKcirt. Nach einigen Tagen dieser 
Behandlang brach die rothgeschwollene Haut des Fusses an 
einer einen Silbergroschen grossen Stelle auf, es traten weisse 
harte Körper vor die sich bildenden zwei tieferen Oefinun* 
gen. Diese weissen kalkartigen Konkremente sprangen nach 
14 Tagen beim leichten Druck heraus und es ergoss sich 
sogleich eine Quantität weisser, dicker, ktfmiger, geruchloser 
Masse ; die Geschwulst senkte sich an einer Stelle tief ein, 
welche beim Druck sehr schmerzte. Nach 2 Stunden Tüllte 
sich die Exkavation wieder und ergoss ohne Druck eine 



122 Pathologisoh -chamiaehe UjiterauobungeD. 

gleiche QuanUläi, und so dauerte diese Ergiessung 8 Tage 
lang mit gleicher Qualitfit des Secretes an, wobei auch grössere 
und kleinere Konkremente entleert wurden. Drei Wochen 
nach begonnener Entleerung nahm das Secret die Beschaf- 
fenheit eines consistenten Eiters an, wobei sich aber immer 
noch selbst erbsengrosse Konkremente hervordränglen. Die 
ganze Anschwellung ist jetzt beinahe geschwunden, die Zehe ist 
beweglich. Während der Zeit des Ausflusses fand 14 Tage 
lang ein allgemeiner und schmerzhafter Gichtanfall statte von 
welchem fast alle Gelenke des Körpers ergriffen wurden, 
angeschwollen, schmerzhafi und unbeweglich waren. Bei 
völliger Ruhe, Diät, feuchtwarmen Umschlägen ist der AnM 
bis jetzt ohne Hedicamente regelmässig abgelaufen. 

Von den mir übersendeten Fläschchen waren 2 mit der 
bemerkten weissen Flüssigkeit, eins mit Konkrementen ge- 
fliüt; die Flüssigkeit isonderte sich beim ruhigen Stehen in 
ein bedeutendes, weisses Sediment und in ein röthliches 
Fluidum; beim Umrütteln konnte man schon mit blossen 
Augen erkennen, dass zahllose Kry stalle darin enthalten 
waren; die mikroskopische Untersuchung zeigte ^ine ausser- 
ordentlich grosse Menge nadelförmiger und spiessiger farb- 
loser Krystalle und nur äusserst sparsam untermischte Eiter- 
körperchen, so dass man Mühe hatte, diese letzteren aufzu- 
suchen; es wurde eine Menge dieser Materie andauernd 
mit destillirtem Wasser gewaschen, wobei sich die luyatal- 
linische Substanz von aller fremden Beimischung befreien 
liess; sie gab getrocknet ein weisses Pulver, verbrannte auf 
einem Platinblech mit Hinterlassung einer weissen anschmel- 
zenden Asche, die als kohlensaures Natron erkannt wurde; 
mit Salpetersäure erwärmt liess die weisse, krystalüpische 
Masse durch die entstehende tiefpuq>urrothe Färbung die 
Gegenwart der Harnsäure erkennen. Wurde ein Theil der 
weissen Masse mit verdünnter Salzsäure digerirt, so schied 
sich nach dem Erkalten eine grosse Menge Harnsäure in 
rhombischen Tafeln ab; die salzsaure Lösung hinterlicss 
heim gelinden Verdampfen Krystalle von Kochsalz; es wa- 
ren also diese weissen, spiessigen Krystalle harnsaures 



Palhologisch- chemische Untereuchungen. 123 

Natron. Die KonkreiioDeD , welche ebenfalls ein schwach 
krystalliniscties GefUge* zeigten, bestanden ebenfalls aus 
hamsauerm Natron; die röthliche Flüssigkeit, welche über 
diese weisse krystallioische Masse in der. Ruhe sich ab- 
seuie, enthielt wenig Eiterkörperchen, viel Albumin und 
etwas Hämatoglobulin. 



Blutserum vou einem 64jährigen, an Kopfcon- 

gestionen^ leidenden Manne 

Yon 

Prol Dr. Selierer in WOrsl^iurv. 



Patient, welchem der angeführten Gongestionen halber 
ein Aderlass gemacht wurde, war früher schon dem Trupke 
ergeben und litt schon seit einiger Zeit an dem angegebe- 
nen Uebel. Das eigenthümliche Ausseben des von dem 
Blutkuohen abgeschiedenen Serum veranlasste den behan- 
delnden Arzt, Herrn Prof. Rinecker, mir dasselbe zur 
Untersuchung zu überschicken. 

Der Blutkuchen war sehr weich, nur lose zusammen- 
hängend, unter dem Fingerdrucke fast zerfliessend; auch 
war derselbe im Yerhältniss zum Serum klein. 

Das Serum zeigte etliche Stunden nach der Gerinnung 
eine vollkommene Milchfarbe und als ich dasselbe erhielt, 
etwa 8 Stunden nach angestellter VenäsecUon, war dasselbe 
ganz trüb, von ^ziemlich dicklicher Gonsistenz, röthlich gel- 
ber Farbe, und hatte vollkommen das Aussehen eines jumen- 
tosen, mit amorpher Darnsäure überladenen Harnes. Die 
Flüssigkeit war selbst in dem dünsten Probirröhrchen voll- 
kommen undurchsichtig, und behielt diese Eigenschaft nach 
24 Stunden ruhigen Stehens bei; nur die Farbe derselben 
war vom Gelbröthlichen ins Weisse übergegangen, indem die, 



Hdlsenim v. ein. 64jKb. ak KopfcoDgest. leid. Manne. i25 

die entere Farbe bedingenden suspeiidirten Blotkörpercben 
sich allmählig als roihes Stralum asn Boden gesenkt hatten. 

In der oberen gelbweissen PlQssigkeit entdeckt man 
jedoch mit dem Mikroskope faAlose Blutkörperchen, leicht 
kennlKch an der scheibeDfdrmigen Gestalt; dieselben waren 
wahrscheinlidi dnrch Verlust ihres Farbstoffes spezifisch 
leichter geworden und wurden so von der ziemlich concen- 
trirten Flüssigkeit getragen. Femer fend sich darin eine 
nicht unbedeutende Quantität Chyluskörperehen; beide jedoch 
in bei weitem geringerer Menge, als eine andere Substanz, 
die mit den von Nasse beschriebenen FaserstofGschollen 
die grbsste Aehnlichkeit hat. 

Auf Zusatz von Wasser lösen sidi die Blutkörperchen 
vollkommen auf, und es setzt sich unter Klärung der FlttSr 
sigHeit ein faserstoffartiges Sediment ab, das aus den ange- 
gebenen Schollen und nebstdem noch aus einer Menge, in 
der unverdünnten Flüssigkeit vorher nicht bemerkbarer 
Kemchen besteht, welche letztere grösstentheils in Fäden 
und Flocken vereinigt sind, und die grösste Aehnlichkeit 
mit dem Niederschlage haben, den man erhält, wenn ganz 
klares heiles Blutserum mit einem Tropfen Essigsäure ver- 
setzt und dann mit vielem Wasser verdünnt wird. 

Beim Erhitzen gesteht dieses Serum nicht, wie es an- 
deres Serum stets thut, zu einer 8teif(»n zusammenhängen- 
den gallertartigen Masse, sondern es gerinnt körnig und 
flockig, und diese Koagulation In Flocken findet selbst 
noch bei der stärksten Verdünnung statt. In der von diesen 
Flocken abfiltrirten Flüssigkeit lässt sich kein Albuminnatron 
nachweisen; es ist alles durch Kochen ausgeschieden wor- 
den. Salpetersaure giebt keine Trübung und bei langsamem 
Verdunsten bildet sieh kein Häutchen. 

Die erwähnte flockige Gerinnung findet in der Regel 
bei Blutserum nicht statt, sondern bei ooncentrirter Flüssig- 
keit gelatinöses Erstarren,, und bei verdünnter (1 Serum und 
3 Wasser) ein, oft nur sehr schwaches Opalisiren der 
Flüssigkeit, ohne Ausscheidung. Wird aber einem ^ so mit 
Wasser verdünnten Serum nur ein Tropfen Salz- oder Essig- 
säure zugesetzt, und dann erhitzt, oder derselbe während 



126 Blolflerum v. eio. 64jäli. )» Kopfcong^st. leid. Mane. 



dqs Kochens sugesetzl^ dann findel selbst bei der stärlsien 
Verdünnung doch augenblicklich flockige KoagulaUon des 
in der FlQssigkeit enlhaltenen Albumins statt. 

Letztere schon früher von mir gemachte Erfahrung Tar- 
leitete mich zu der Ansicht, dass in dem angegebenen Falle 
durch Auftreten einer freien Säure im Blute das die Mioht- 
gerionung in Flocken im gewöhnlichen Blutserum bedingende 
kohlensaure Natron oder Albuminnatron zersetzt, und so die 
beschriebene abweichende Erscheinung hervorgerufen wor- 
den seL Auch möchte die trübe Beschaffenheit des Serums 
und die Ausscheidung der Schollen und übrigen faserstoffi- 
gen Theilchen wohl auf demselben Grunde beruhen. Es 
spricht wenigstens UeriÜr das in mancher Beziehung ganz 
ähnliche Verhalten eines mit etwas Säure versetzten Serums. 
In wie fem diese Vermuthung durch die nachfolgende 
Untersuchung der anorganischen Bestandtheile bestätiget 
wurde, wird sich sogleich ei^ben. 

Das Blutserum reagirte ganz neutral, während es sonst 
in der Begel eine schwach alkalische Reaktion besitzt 

1000 Theile desselben gaben beim vollkommenen Ein- 
trocknen und Verbrennen 10,8 Theile Asche, welche be- 
stand aus: 

Kohlensaurem Natron 0,4 

Phosphorsaurem Natron 1,8 

Schwefelsaurem Natron 0,2 

Chlomatrium « • • 7,2 

Phosphorsaurem Kalk und Magnesia . 1,0 
Verlust Oft 

10,8 
Vergleichen wir kohlensaures und phosphorsaures Na- 
tron mit den im gewöhnlichen Zustande im Serum vorkom- 
menden Quantitäten, so finden wir ersteres vermindert, letz- 
teres bedeutend vermehrt« Es möchte daher nicht imwahr- 
scheinlich sein, dass durch das Auftreten von Phosphorsäure 
das kohlensaure Natron theilweise in phosphorsaures ver- 
wandelt und dadurch gleichzeitig eine Veränderung der 
organischen Bestandtheile und ihrer Eigenschaften bedingt 
worden sei. 



Blutseram v. ein. 64j8b. a. Ee^fcoogesft. Jeid. Manne. 127 

Jedenfalls ist die grosse Menge phospborsaurer Verbin- 
dung in diesem Serum merkwürdig und insbesondere, wenn 
wir die vorausgegangenen ätiologiseben Krankheitsmomente 
ins Auge fassen. 

Patient war nämlich sehr dem Trünke ergeben, und wir 
wissen, wie sehr solche Excesse*) von Einfluss auf Entwick- 
lung arthritischer Leiden sind, bei welchen so häufig Ab- 
lagerung phosphorsaurer Verbindungen statt finden.**) 

Auf der andern Seite lässt sich auch aus der bei dem 
Trünke ergebenen Personen bisweilen vorkommenden Com- 
bustio spontanea schliessen, dass Entwicklung eines brenn- 
baren Gases, und zwar aller Wahrscheinlichkeit des Phos- 
phorwasserstoffgases, statt finde. Wie also in diesen letzte- 
ren Fällen der Phosphor der organischen Substanzen in 
Folge eines eigenthümlichen Zersetzungsprozesses sich mit 
Wasserstoff verbindet, so mag in obigem Falle, der gewiss 
öfter vorkommt, eine Verbindung derselben mit Sauerstoff 
und in Folge derselben die angegebenen Erscheinungen und 
Veränderungen in den Bestandtheflen des Blutes stattgefun« 
den haben. 



*) Zu bemerken ist, dass es eben gerade Branntwein war, 
den Patient in so enormer Quantität genoss. 

Znsatz des Herrn Prof. Rinecker. 
**) Einzelne Podagra -Anrolle waren bereits Torhanden. 

Prof. Rinecker. 



Ueber Uerstellaag and Aafbewahrung mikro- 
skopischer Präparate 

von 
Dr. Oseluite. 



(Hierzu Fig. 4. der Tafel.) 

Obgleich der Gegenstand der folgenden Darstellung 
nicht unmittelbar dem Gebiete dieser Beiträge angehört,*) 
so scheint doch bei der engen Beziehung, in welcher die 
organische und näher die pathologische Chemie zum Mikro- 
skope steht und bei der vielfachen Anwendung, welche das 
darzulegende Verfahren auch für die mikroskopische Unter- 
suchung pathologischer Gebilde finden dürfte, eine allgemeine 
Anleitung mikroskopische Präparate herzustellen und aufzu- 
bewahren,, hier nicht am unrechten Orte zu sein. 

Bekanntlich sind nur die zartesten und kleinsten orga- 
nischen Gebilde, als Infusorien, Schimmel, organische Flüssig- 



*) Da diese Beiträge zur VemutÜung der Chemie und Mikro- 
skopie mit der Medizin dienen ßollen, so gehört der Gegenstand, 
von welchem diese interessante Mittheilupg handelt, recht eigent- 
lich in das Gebiet der Beiträge und ich habe dem Herrn Verf. 
ganz besonderen Dank für denselben zu sagen, da er gewiss das 
Interesse der wissenschaftlich fortschreitenden Aerzte, vorzüglich 
aber der Physiologen, in Anspruch nehmen wird. 

F. Simon. 



Ueb. Herstell. u. Aufbewah. mikroskop/ Präparate. 129 

keiten und dlBirg]. ohne -weitere Vorbereitung für die mikfo« 
skopische UntersuchuDg geeignet. In den meisten Fällen 
aber kommt es, darauf an, die Objekte so weit zu zerklei- 
nem, dass eine Betrachtung bei durchgehendem Lichte mög- 
lich wird. Neben den Übrigen durch die Struktur der 
Körper mdidrten Behandlungsarten, als Zerfaserung, Zerdrük* 
koog, kommt es vornehmlich auf die Erlangung feiner Durch« 
schnitte nach verschiedenen Richtungen an, aus deren Kom- 
bination sich der gesammte Bau ergeben muss. 

Während die vegetabilischen Objekte meistentheils eine 
für das Schneiden geeignete Harfe und Consistenz haben, 
und nur nach dem Grade derselben Messer von verschie- 
dener Stärke erfordern, lassen sich die animalischen Gebilde 
mit wenigen Ausnahmen (etwa Knorpel und sehnige Theile) 
nicht ohne Vorbereitung durch das Messer in dünne Blätt- 
eben zerlegen. Das Valentihsche Doppelmesser, dessen 
erste Konstruction Übngens von I^urkinjc herrührt, und wel- 
ches aus zwei beliebig zu nähernden Klingen besteht, die 
ein Segment des zu schneidenden Gegenstandes zwischen 
sich nehmen sollen, kann für weichere Theile nur in sehr 
beschränktem Masse hier Aushülfe gewähren. Es ist daher 
erforderlich bei solchen Theilen, die für das Messer zu hart 
sind, durch Schleifen Segmente von hinreichender Feinheit 
herzustellen, oder sie durch chemische Einwirkungen zu 
erweichen. So werden bekanntlich Knochen durch Einwir- 
kung von Salz- oder Salpetersäure, hornige Gebilde durch 
Aetzkali und Schwefelsäure schnittrecht oder in ihrer Struk- 
tur deutlicher. Bei zu weichen Theilen dagegen finden ver- 
schiedene Härtungsmethoden Anwendung. Namenilich wer- 
den hierzu Liquor kali carbonici,. Holzessig und nach der 
Empfehlung Hanovers Chromsäure benutzt. Ein einfacheres 
und näher liegende^ Verfahren scheint indess noch nicht hin- 
länglich berücksichtigt zu werden, nämlich das blosse Trock- 
nen. Wenn man weiche animalische Gebilde in so kleine 
Stücke zerlegt, wie ohnehin zur mikroskopischen Untersu- 
chung erforderlich ist, so trocknen sie bei gewöhnlicher 
Temperatur eher aus, als eine wesentliche Veränderung ihrer 
Struktur oder Zersetzung ihrer Bestandtheile eintreten kann. 

Simon Beitrffge I. 4. ' 9 



130 Ueb. HdrsleU. u. Autbewab. iaiikroskop. Präparate. 

Sobald f&e völlig ausgetrocknet sind, hallen sie sich miTer^ 
ändert und können immer wieder zur Untersuchung benutst 
werden, indem ihre Durchschnitte im Wasser die ursprüng- 
liche Ausdehnung wieder erlangen, während Kali carbonicum 
in wenig Monaten zerstört, Holzessig beim Trocknen zu stark 
erhärtet und auch Ghromsänre vieJfach verändernd einwirkt 
Zartere Theile, die zu einem dUnnen Häutchen zusam- 
mentrocknen, legt man auf Korkstückeben, an denen sie 
durch ihre Feuchtigkeit haften bleiben und durchschneidet 
sie mit dem Korke gemeinschaftlich. Bei sehr veränderli- 
chen Substanzen, z. B. Gehirn, ist die Anwendung von aus- 
trocknenden Salzen zu empfehlen. Viele Körperiheile erlan- 
gen jedoch durch das Trocknen eine solche Sprödigkeii und 
Härte, dass sie wiederum für die Erlangung feiner Durch- 
schnitte ungeeignet sind. Man kann indess entweder den 
Zeilpunkt wahrnehmen, wo noch nicht alle Feuchtigkeit enl- 
wichep ist, oder durch Versetzen in eine feuchte Atmo- 
sphäre, etwa durch Einhüllen in feuchtes Druckpapier, die 
Sprödigkeit aufheben und die für das Schneiden geeignete 
Consistenz herv<M*rufen. 

Von der wesentlichsten Bedeutung für die iGkroskopie 
ist die Sicherheit in Erlangung möglichst feiner und gleich- 
massiger Durchschnitte, da nur solche den stärksten Ver- 
grösserungen zugänglich sind. Im Allgemeinen erregt nun 
zwar das wissenschaftliche Bedürfniss die Handgeschicklioh- 
keit und steigert sie in wunderbarem Grade, wie ja auch 
beim Haler nur die Macht der kiUistlerischen Anschauung 
es ist, welche die Hand lenkt. Indess muss in unserem Falle 
so vieles der Geduld und dem glücklichen Zufall überlassen 
bleiben, dass es wohl eines neuen Versuches werth schien, 
die Forschung von diesen Mühseligkeiten zu emancipiren. 

Beim Schneiden aus freier Hand wird das Objekt in 
möglichst unveränderter Lage gehalten und die Schärfe 
des Messers in parallelen Schnitten hindurchgeführt. Für 
die Konstruktion einer mechanischen Vorrichtung zur Her- 
stellung feiner Durchschnitte ist es jedoch offenbar vortheil. 
hafler die Schneide immer in derselben Ebene sich bewe- 
gen zu lassen, und dem Objekte eine Bewegung senkrecht 



Ueb. Hersiell. il Aufbewah* ni3u*oakop. Präparate. 131 

auf diese Ebene za geben. Nach diesem Principe sind denn 
auch verschiedenilich Maschinen construirt worden, bei 
welchen die Objekte vermiltelst einer feinen Schraube durch 
eine Oeffnung emporgerücki werden, die sich innerhalb 
dner dem Messer zur Leitfläche dienenden Metallplatte, be* 
findeil so dass jedesmal der über die Fläche emporgeho- 
bene Theil des Objektes durch den Schnitt hinweggenom- 
men wird. Die hierbei zu Grunde liegende Reflexion ist so 
einfach, dass wohl Jedem, der sich das vorliegende Problem 
stellt, dieser Weg sich darbieten muss. Die bisherigen Aus- 
Ibhrungen sind jedoch nicht für eine vielseitige Benutzung 
geeigoet, da sie sich meisi auf die Herstellung von Holz* 
durchschnitten beschränken und auch hierfür wenig gentt« 
gend und unbequem sind. Unter den neueren Werken über 
Mikroskopie erwähnt allein Chevallier eines solchen Appa- 
rates, von Smiih unter dem Namen Mikrotom construirt. 
Dem Verfasser sind eimge anderweitig selbständig ausge^ 
ftkhrte Apparate dieser Art zu Gesicht gekommen, die indess 
das fiedUr/niss nach dergleichen mehr bekunden als befrie- 
digen. Das im Folgenden mit Bezug auf die beigefügte Ab- 
bildung zu beschreibende hislrument, welchem gleichfalls 
der Name Mikrotom beizulegen wäre, ist für alle Arten von 
Gegenständen, die sich überhaupt mit dem Messer schnei- 
den lassen, brauchbar, und hat den besonderen Yortheil, 
dass die Schnitte unter Wasser ausgeführt werden können. 
Die Sicherheit und Gleichmässigkeit, welche es gewährt, 
dürfte schwerlich beim Schneiden aus freier Hand zu errei- 
thetk sein. 

Die Haupttheile des Instrumentes sind von Messing: es 
wird von einem Dreifuss getragen, dessen Darstellung als 
unerheblich fortgelassen ist Wir haben, um die Hälfte ver- 
kleinert einen Längsschnitt vor uns. In der Mitte des Tel- 
lers a. ist ein Rohr b. eingefügt, in welchem sich der Stem- 
pel c. bewegt. Auf dem Rohre b. lässt sich ein zweites d. 
verschieben und durch ein Paar Muttern e. e. feststellen, 
indem die zugehörigen Schraubenstifte durch zwei Schlitze 
in d. gehen, welche in der Zeichnung nicht weiter angedeu- 
tet sind. Der untere Theil von d. bildet die MuUer für die 

9» 



132 Ueb. Herstelt. o. Aofbeftah. iiiiklt>Aop. Präparate; 

Schraube f., vennittelsl welcher, sobald d. auf b. festge 
sidll ist, derStempd c in Bewegung gesellt werden kann. 
Durch eine Einrkhtiing, welche aas der Ansicht der Abbil* 
düng von selbst einleuchten wird, ist die Uebertragung der 
drehenden Bewegung der Schraube auf den Stempel eliinv 
nirL Auf das verschiebbare Rohr d. ist ein Ring g. aufge- 
scfad[>en, der durch eine Schraube h. sich feststellen iässt 
und einen Zeiger i. trägt, an welchem der Kopf der grossen 
Schraube L vorbeigeht Die Stärke eines Schraubenganges 
von f. beträgt 0^3'"' und k. ist in 100 Theile getheilt: es 
lassen sich mithin mikrometrische RUckungen des Stempels 
c von 0,003''' (li^^'O vermittelst der Schraube f. bewerk- 
stelligen. In den Kemtheil von c. ist eine Mutter eingebohrt, 
welche den Fuss des Objekthalters 1. aufnimmt Die Ein«- 
rtchtong des dargestellten Objekthalters ist der eines Schraub- 
stockes ähnlich, nur dass die bewegliche Backe auf ein 
Paar Leitstiften der feststehenden parallel geht. Nach der 
Beschaffenheit der zu fassenden Gegenstände sind verschie* 
dene Objekthalter erforderlich, auf deren nähere ' Angabe 
wir später kommen werden. Da es von wesentlichem Vor- 
theil ist, dem Hesser so viel Leitfläche darzubieten, als die 
Dicke des Objektes irgend zulässt, so ist auf den Teller a. 
eine ihm congruente Scheibe m. aufgelegt, in welcher die 
mit der Oeffnung von b. übereinstimmende Oeffnung durch 
ein Paar Schieber n. n. so weit überdeckt werden kann, 
dass nur der zum Durchgänge des Objektes o. erforder* 
liehe Raum offen bleibt Behufs leichterer Handhabung ist 
die Auflegscheibe m. mit einem Knopfe versehen, der in 
der Zeichnung nicht angedeutet werden kann, da er von 
den Schiebern um 90* entfernt liegt Auf dieser Scheibe 
m. nun findet das Messer seine Leitfläche. Der Stiel des- 
selben muss dem Rande p. angemessen gekröpft sein. Seine 
Schneide darf nur wenig convex sein, die untere Flädie 
der Klinge muss etwas hohl geschliffen sein, die obere je 
nach Beschaffenheit der Objekte hohl, eben oder convex. 
Als massgebend ist dabei festzuhalten, dass sich die Schneide 
durch die Reaktion des Objektes nicht biegen darf. 

Bei der Benutzung dieses Mikrotoms nun ist folgender- 



Ueb, fleisielL u. Auib^wah. mikroskop. PrVparaie. 133 

massea zu verfahren. Man fasse zunKchst das Olqekt in 
einen angemessenen Halter. Bei allen Gegenständen » die 
nicht beträchtlichen Widerstand beim Schneiden leisten und 
sieh zwischen den Backen eüpies Sobraubstockhalters, wie 
der bei 1. dargestellte, festklemmen lassen , ist dieser anzu- 
wenden» Stärkere Objekte werden in einen patronenartigen 
Balter mi^ Klemmschrauben eingespannt, zartere entweder 
aaf Kcrk aufgeklebt und auf diesem in den gewöhnlichen 
Balter gebracht oder in einen besonderen Halter gefasst| 
der sie mit feinen Spitzen festhält. Ist das Objekt in der 
gdkörigen Lage in den Halter gebracht, so wird dieser in 
denStempel eingesetzt, zu welcheinEnde man denselben, nach- 
dem die Muttern e. e. gelüftet sind, durch Hinaufschieben 
des Rohres d. auf b. möglichst hoch emporrUckt, Nachdem 
der Halter eingeschraubt ist, zieht man d. so weit herunter, 
bis das Objekt in eine schnittrechte Lage kommt und stellt 
nun d. auf b. vermittelst der Muttern a e. fest Dann wird 
die Scheibe m, aufgelegt und ihre Schieber n. n* bis an 
das Objekt herangerückt und endlich der Zeiger i. vermit- 
telsi der Schraube h. in einer solchen Lage festgestellt, dass 
man die Rttckungen des. Schraubenkopfes k. bequem wahr- 
nehmen kann. Bei allen Gegenständen, die nicht durch.Ein« 
Wirkung des Wassers aufgeweicht werden können, nament- 
lich bei allen Pflanzentheilen, ist es vortheühaft die Leitfläche 
mit Wasser zu überdecken, da die zarten, mit Feuchtigkeit 
erfüllten Durchschnitte sonst vertrocknen oder auch am 
Messer haften bleiben und zerreissen. Der erste Schnitt 
nimmt nun den Über die Leitfläche emporragenden Theii 
des Objektes hinweg, darauf wird dieses vermittelst der 
Schraube um ein Bestimmtes (um 2, 3 und mehr Theilstriche, 
je nach der Consistenz des Objektes) gehoben, und durch 
einen neuen Schnitt dieser emporgehobene Theil als eine 
zarte Lamelle abgetrennt. Man kann natürlich beliebig viele 
Durchschnitte hinter einander erlangen; es ist jedoch rath* 
sam, möglichst nahe am Halter zu schneiden, damit nicht 
die Biegsamkeit der Objekte störend einwirke. Beim 
Schneiden muss das Messer flach aufliegen oder der Rücken 
nur wenig gehoben sein; es ist vortheühaft mit möglichst 
langem Zuge nur wenig vorzudringen, jedoch erfordert jeder 



134 U6b. Herstell, o. Aufliewah. mikroskop. Präparate. 

neue Ansatz besondere Aufinerksamkeit, damit keine Un* 
gleicbmSssigkeit dadurch entstehe. 

Nach befriedigender Vollendung des beschriebenen Instru- 
mentes lag das Problem zu nahe und anreizend, auch die Füh- 
rung des Messei*s über die Leitfläche durch Maschinerie zu be- 
werstelligen, oder, mit anderen Worten, einen mikrotomischen 
Support zu construiren, der für unser Instrument eotsprechende 
Dienste leiste, wie der bekannte Support bei der Drehbank. Erst 
nach YerwerfuDg mancher ungenügenden Ausführung ist es 
dem Verfasser mit Hilfe des talentvollen Mechanikus Hrn. 
Nösselt in Breslau gelungen ein Werk herzustellen, das sich 
durch Eleganz der Ausführung und Bequemlichkeit der Hand- 
habung auszeichnet und von dem sich mit Bestimmtheit erwar- 
ten lässt, dass es nach Anbringung einiger Verbesserungen 
seinen Zweck, zur Fabrikation mikroskopischer Präparate zu 
dienen, vollkommen erfüllen werde. Eine genauere Be- 
schreibung muss späteren ausführiicheren Darstellungen über- 
lassen bleiben; hier mögen einige andeutende Worte aus- 
reichen. Das Messer ist zwischen zwei Spitzen in einem 
Ringe aufgehängt, welcher selbst vdederum zwischen zwei 
Spitzen schwebt. Die gradlinige Schneide, welche allein auf- 
liegt; wird durch Federn gegen die Leitfläche des Mikrotoms 
angedrückt. Durch eine feine Schraube wird das Messer 
senkrecht gegen das Objekt geführt und macht bei jeder 
Umdrehung der Schraubenachse einen Hin- und Hergang 
vermittelst zweier abwechselnd wirkender Zahnstangen. 
Die sehr sinnreiche Aus- und Einrückung hierbei, welche 
einen augenblicklichen Wechsel der Richtung hervorbringt, 
ist die eigenthümliche Erfindung des Hm. Nösselt. 



Den mikroskopischen Forschungen war bisher in hohem 
Grade der Umstand hemmend, dass ihre Resultate nur 
in Zeichnungen niedergelegt werden konnten, meistentheiis 
aber sich nicht in ähnlicher Weise festhalten und sammeln 
Hessen, wie dies für andere nalurwissenschafUicbe Ge« 
biete durch Museen, botanische Gärten, Menagerlen und der- 
gleichen geschieht. Diesen Missstand zu beseitigen und für 
die Mikroskopie die Möglichkeit wissenschaftlich brauchbarer 



U0b. Herstell, u. Aufbewah. mikroskop. Prl^arate. iSS 

Sumnlongeii so eriangen, hielt der VerfiBteser Air eine ttichl 
unwichtige Aufgabe, deren grossenUieils gelungene Lösung 
in der folgenden Anleitung dargelegt werden soll. 

Die an der Luft oder bei höherer Temperatur getrock- 
neten Präparate halten in den meisten FäÜen keinen Ver- 
gleich aus mit den durch Wasser oder andere Flüssigkeiten 
in ihrer natürlichen Spannung und Ausdehnung erhaltenen 
Objekten. Ode, Harze, Lacke und dergleichen machen zu 
durchsichtig und stellen ebenfalls die natürliche Ausdehnung 
nicht wieder her. Es bleibt also, da auch Alkohol, Aether 
und dhnliehe Flüssigkeiten bekanntlich in den wenigsten 
Fällen zur Erhaltung der mikroskopischen Struktur tauglich 
sind, nur der Weg übrig, die Präparate ia wässrigen Flüs- 
sigkeiten hennetisch zwischen Glasplatte zu verschliessen. 
Die Methode, deren sich der Verfasser zu diesem Ende be- 
dient, und deren allmäblige Auabild^g er sich besonders 
bat angelegen sein lasseo, dürfte sich wegen ihrer Einfach- 
heit einer allgemeineren Benutzung empfehlen. 

Es werden congtuente Glasplättefaen, am zweckmässig- 
sten von runder oder viereckiger Form, hinlänglich dünn, 
um die Annäherung der Objektivlinsen bei den stärksten 
Yergrösserungen zu gestatten, an ihren Rändern rauh ge- 
scUiffen, und diese Ränder dann mit einer Auflösung von 
Si^ellack oder Eopallack umzogen, die mm dui*ch Erwär- 
mung austrocknet und zu noch festerem Anschluss bringt 
Dann wird das Präparat mit der erforderlichen Menge FlUs • 
ag^Lmt auf ein derartiges Glaeplättchen gebracht und ent- 
weder, wenn es einigen Druck ohne Nachtheil erträgt, un- 
miiteibar mit einem zweiten Gläschen überdeckt, oder, erfor- 
derlichen Falles, durch eine Zwischenlage von Wachsstück- 
chen, oder auch durch einen zwischengelegten Ring aus 
Pflanzenmark vor Pressung geschützt. Zur Herstellung der 
Markringe ist besonders Sambucus nigra und lielianihus 
annuns geeignet. Für grössere Präparate, z. B. Habnerem- 
bryen, sind Binge aus chinesischem Reispapier (aus dem 
Mark einer Aeschynomene gefertigt) zu Empfehlen. Um die 
erwähnten Ringe zu bereiten, schält man den Markzylinder 
aus dem Holzrioge heraus und zerschneidet ihn auf dem 
Mikrotom in Scheiben von der erforderlichen Dicke, aus 



13C Ueb. Dersteü. u. Antbewah. m3at>8kop. Präparala 

welchen mam dann venniltebt Locheisen die Ringe atts- 
schlägt Da es darauf ankömmt, dass aus den Zdlen dieser 
Ringe bei der Benutzung die Luft entfernt sei, so bewahrt 
man sie am Besten in Alkohol auf, der dann leichter besei- 
tigt werden kann. Liegt das Präparat nun zwischen den 
Glasplatten in der Flflssigkeit, und hat man etwa eingetre- 
tene Luftblasen durch nochmaliges Aufheben an einer Seite 
entfernt, so kommt es darauf an, die congruenlen Ränder 
der Glasplatten durch ein hermetisch schliessendes Medium 
zu verbinden. Die sichere Anlage für ein solches ist schon 
durch die Umrandung gegeben, welche man nie verabsäu* 
men darf, wenn man nicht Gefahr laufen will, die Präparate 
durch Eintrocknen verunstaltet zu sehen. Man setzt nun 
behufs bequemer Handhabung beim Umschliessen das zu 
verbindende Plattenpaar auf einen Korkstöpsel und bewirkt 
das Anhaften des un^n Gläschen daran durch etwas Wachs 
oder sonst eine geeignete Substanz. Dann schtiesstman vermit«- 
telst eines spitzen Griffels von Holz oder Metali die Fuge 
durch ein consistentes, schnell trocknendes und in Wasser 
nicht lösliches Klebmittel. SiegellackauQösuug, Kopallack mit 
Blei weiss oder Zinnober, und eingedickter Asphaltlack*) fegen 
sich mit gleicher Sicherheit an die Umrandung an. In den 
Fällen, wo es nicht auf sehr schnelles Trocknen ankommt, 
ist Kopallack, mit Bleiweiss*"^) zu einem dicken Teig zusam* 
meogerieben, vorzuziehen, dessen sich der Verfasser am 
längsten bedient, und der sich seit Jahren bewährt zeigt. 
Siegellack und Asphaltlack trocknen schneller, letzterer indess 
bekommt beim Trocknen, wenn mau ihn auch ziemlich stark 
eingedickt hat, leicht Risse, weshalb bei ihm eine zweimalige 
Umschliessung zu empfehlen isL ist die umschliessende Masse 
hinlänglich getrocknet, so kann man die Präparate in eine 



*) Zur AnwonduDg des AsphalUacks "bin ich durch die gütige 
Millheiluug des Hm. Dr. Pappenheim, Assistent beim physiolo- 
gischen Institut iu Breslau, veranlasst worden, dem ich hiermit 
meinen Dank dafür abstatte. 

**) Wird als Aufbewahrungsflüssigkcit Essigsaure oder sonst 
eine Saure genommen, die auf das Bleiweiss reagirt^ so darf man 
Blciwciss ualürlich nicht anwenden. 



Ueb. Hersteli. u. Aufbewab. mikroskop. Präparate. 137 

ÜDirahmoDg von U0I2 und Karieopapier fassen und auf leia* 
lerem die erforderliehe Bezeichnung anbringen. 

Nach dran bekannten Satze, dass ohne Zutriti von Luft 
keine Zersetzung organischer Subsian^ep stattfinde, lag es 
nahe, als Aufbewahruogsflilssigkeii der mikroskopischen Prä- 
parate destiUirtes und filtrirtes Wasser anzuwenden; auch 
sprach Air einen günstigen Erfolg das neuerdings ins Grosse 
getriebene Verfahren, Speisen in hermetisch versehlossenen 
Bledibttchsen zu conserviren. Der Erfolg entsprach der 
Erwartung, jedoch nicht. Es zeigten sich nämlich in der 
anfangs hellen Fltlssigkeit nach einiger Zeit Trübungen und 
Niederschläge, durch weiche die deutliche Auffassung der 
Objekte, besonders bei animalischen Präparaten, oft in sehr 
^ hohem Grade beeinträchtigt wurde. . Eine aufmerksame 
Beobaohtuhg ergiebi, dass innerhalb weniger Tage, oft schon 
nach 24 Stunden bemerkbar, die anfangs durchaus klare 
FUfösigkeift von wer Menge bewegter MolecUle, rund und 
länglich (Monaden und Vibrionen), wimmelt, kurz, dass sich 
hier dieselben Erscheinungen zeigen, welche beim Beginn 
der Fäulniss an der Luft beobachtet werden. Nach länge- 
rer Zeit, nach mehreren Wochen oder Monaten, h^k't diese 
Erscheinung auf: die bewegten Partikeln der Flüssigkeit stel- 
len sich als ein trübender Niederschlag dar, und die Prä- 
parate verändern sich nicht weiter. Da auch Ilygrocrocis- 
Fäden, wenn sie zufällig mit eingeschlossen werden, in der 
Umschliessung eine Zeit lang fortfahren zu wachsen, grössere 
Infusorien aber im abgeschlossenen Räume schon nach we- 
nig Stunden sterben, während sie, wenn nur Zusammenhang 
mit der Atmosphäre gestattet ist, sich, zwischen den Glas- 
platten von einem Markringe umschlossen, mehrere Tage 
hindurch wohl befinden, so liess^sich schliessen, dass die 
vom Wasser absorbirte Luft Ursache dieser störenden Her- 
gänge wäre, und es wurde versucht durch Auskochen die- 
selbe zu entfernen. Aber auch dann zeigten sich nicht viel 
gitostigere Resultate, wahrscheinlich weil das Wasser schon 
während des Erkaltens und bei der Umschliessung Sauer- 
stoff absorbirt und weil die Objekte die zur Einleitung der 
Fäubiss hinreichende Quantität Sauerstoff mitbringen. Ob 
die Anwendung der Luftpumpe günstigere Erfolge geben 



138 Ueb. HerstdL a Aofbewah. nukroskop. Präparate. 

möchte, ist noch zu versuchen. Es blieb demnach nur tibrig, 
wässrige Auflösungen ausfindig zu machen, die entweder 
nch gänzlich indifferent gegen die Präparate verhalten oder 
deren aufgelöste B^standtheile sich ohne wesentliche Struk- 
turveränderungen mit den organischen Substanzen zu gänz- 
lich unlöslichen, also unveränderlichen Verbindungen ver- 
einigen. 

Die betreffenden Untersuchungen gehören ins Gebiet 
der oi^anischen Chemie. Bei dem weiten. Umfange dieses 
Themas ist es jedoch dem Verfasser noch nicht gelungen 
viele der Mittheilung werthe Resultate zu gewinnen. Er 
kann sich nur darauf beschränken, die Gesichtspunkte an> 
zudeuten, welche bei fortgesetzten Versuchen im Auge zu 
behalten wären, und einige durch Erfahrung bewährte Auf- ^ 
bewahrangsflüssigkeiten zur Benutzung zu empfehlen. Die 
in unserer Zeit immer inniger sich zusammenschUessende 
Vereinigung zwischen Chemie und Mikroskopie zeigt, wie 
durch Einwirkung gewisser Reagentien oft augenblicklich 
Veränderungen in den organischen Gebilden vor sich gehen, 
deren Studium die wichtigsten AubchlUsse über die Struk- 
turverhältnisse gewährt, und es bilden deshalb schon gegen- 
wärtig Essigsäure, Hokessig, Aetzkali, Jodtinktur u. s. w. 
nothwendige Requisite eines mikroskopischen Apparates. 
Es kommt nun filr unseren Zweck darauf an, den Ereis 
dieser mikroskopischen Reagentien zu erweitern und auszu- 
mitteln, welche derselben einen stabilen Zustand hervorru- 
fen, so dass sie als AufbewahrungsflUssigkeiten Anwendung 
finden könnten. Der Verfasser hegt die Hoffnung, dass 
einer oder der andere unter den ausgezeichneten Chemikemi 
welche sich in neuesler Zeit der organischen Chemie zuge- 
wandt haben, dieses Problem der Beachtung wertfa finden 
möge. Da er seine specielleren Erfahrungen noch nicht 
für reif zur Mitlheilung erachten kann, so beschränkt er sich 
für jetzt auf die Angabe derjenigen Flüssigkeiten, welche 
sich im Allgemeinen ab die geeignetsten zur Aufbewahrung 
mikroskopischer Präparate erwiesen haben. Er bedient sich 
für Pflanzenpräparate mit sehr gutem Erfolge einer ziemlich 
starken Auflösung von reinem Rohrzucker und für anima- 
lische Präparate einer gesättigten Arsenikauflösung. Beide 



Ud[>. HerstelL u. Anfbewah. mikroskop. Präparate. 139 

FIQssi^eiten müssen übrigens Öfters frisch bereitet werden, 
da sich nach kurzer Zeit in ihnen beim Zutritt der Luft 
Hygrocrocis und Infusorien zeigen. Dass alle Unrdnigkeitea 
durch sorgfältiges Filtriren bei der jedesmaligen Anwendung 
zu entfernen sind, versteht sich von selbst 

Für animalische Präparate ist dem Verfasser neuerdings 
durch die gütige Bfittheilung des Hm. Dr. med. Krieger 
hierselbst eine Mischung bekannt gemacht worden, deren 
sich Hr. Allen Thomsan in Edinburgh mit günstigem 
Erfolge zu äbnKchen Zwecken bedienen soll. Es werden 
auf ein Quart Wasser genommen natr. muriai ^üj} alumin. 
gij, sublim, hydrarg. corros. gr. IV. Das anzuwendende Koch- 
salz muss lirei von Magnesia sein. Der Verfasser hat noch 
nicht Gelegenheit gehabt diese Flüssigkeit längere Zeit hin- 
durch zu prüfen. Die wenigen Versuche, die er mit ihr 
angesleHt, sprechen zu ihren Gunsten. 

Schliessiich erlaubt sich der Verfasser auf die Vortheile 
aufmerksam zu machen, welche aus der Anwendung seines 
Verfahrens zu ziehen wären. 

Da auch das sicherste Gedächtniss nicht im Stande ist, 
die im Bereich der mikroskopischen Untersuchungen gewon- 
nenen Anschauungen festzuhalten, so waren bisher Abbil- 
dungen fast das einzige Hilfsmittel zur Aufbewahrung der 
in diesem Gebiete erlangten Resultate. Aber trotz der Mühe 
und des Zeitaufwandes, den ihre Herstellung erfordert, kön- 
nen sie nicht als untrügliche Dokumente gelten, da sie durch 
eine subjektive Auffassung hindurch gegangen sind und Nie- 
mand im Stande ist, an einer Abbildung mehr oder richti- 
ger zu sehen, als der Darstellende gesehen hat. Da nun die 
Aufb^ahruDg eines mikroskopischen Präparates weit ein- 
facher und leichter ist, als die Abbildung desselben, so wird 
sieh auf diesem Wege häufig die Zeichnung ersparen lassen, 
und es werden ausserdem sichere Belege für wissenschaft- 
liche Behauptungen gewonnen werden können. Namentlich 
dürfte es bei Untersuchungen über Entwickdung der orga- 
nischen Gebilde von besonderem Interesse sein, die aus 
einander hervorgehenden Stadien Übersichtlich neben ein- 
ander zu haben, um, wo vorangehende Beobachtungen Lücken 
gelassen habeUi diese durch Interpoiiren ergänzen zu können. 



140 Ueb. Herstell. ti. AuCbewab. mikroskop. Pril^arale. 

UngeechM es von der höchsten Wichtigkeit beim phy^ 
siologisdien Unterrichte ist, mikroskopisehe Anschauungen * 
zu geben, werden dergleichen doch mefstentheils nur kt 
geringem Masse geboten, indein einerseits seilen die erfor* 
deriicbe Anzahl von Instrumenten vorhanden ist, andrerseits 
aber ein grosser Tbetl der Zeit auf Herstellung der Präpa- 
rate während der Voriesung verwendet wird. Da sich auch 
die zartesten Objekte in blossem' Wasser oder reinem Serum 
offen stunden* und taigelang halten, und da dem Lernenden 
nur mustergiltige Präparate vorgelegt werden sollten, so er- 
laubt sich der Verfasser darauf aufmerksam zu machen, 
dass es für den Zweck der einmaligen Demonstration hin- 
reicht, nachdem das Präparat in der eben angegebenen 
Weise zwischen zwei Glasplatten mit Umrandung gebracht 
ist, diese an einigen Stellen durch schmelzenden Siegellack 
zu verbinden. Dann sind die Objekte zur Demonstration 
völlig vorbereitet und können bis zur Benulzaug in einem 
Ciefiss mit der angewandten Flüssigkeit aufbewahrt werden. 
In den meisten Fällen würden indess Präparate einer ein 
fiir allemal eingerichteten Sammlung ausreichen, die in so 
vielfacher Zahl anzulegen wäre, als Mikroskope beim Demon- 
striren gebraucht werden. 

Wie die Übrigen auf die Benutzung von Sammlungen 
hingewiesenen Naturwissensahaflen^ so dürften auch 'die 
mikroskopischen Forschungen, bei ihrer täglich mehr aner- 
kannten Wichtigkeit, für werth erachtet werden, durch öffent- 
liche Sammlungen gefördert zu werden. Der schwierige 
Weg zur Erlangung von Sicherheit in mikroskopisehea 
Beobachtungen würde für viele Befähigte, denen Gelegenheit 
4md Müsse zum autodidaktische^ Betriebe dieser Untersuchun- 
gen abgeht, geebnet werden, wenn einmal bei den verschie- 
denen wissenscba filichen Instituten des Staates mikrosko- 
pische Sammlungen ang^gt würden, die den bestimmten 
Zwecken derselben eütspräcben, dann aber auch eigene 
mikroskopische Museen von solchem Umfange errichtet wür- 
den, wie es der gegenwärtige Standpunkt der Naturwissen- 
schaflen und der Medizin erfordert. 



JmniiBeär-nfff/. 



Fl,/ 






A^< 



lieber die Anwendung des IMikroskopes« 

>von 
Br. CliurtoT Woldemar Foeke 

ia Bremen. 



Der unerschöpflichen Fülle einer so überreichen Natur 
gegenüber, bekennt der menschliche Geist eben so leicht 
seine Unvoilkommenheit und erkauft durch Aufbieten all 
seines Scharfsinnes nur deuüicher die Ueberzeugung, dass 
sein Fass noch auf den Stufen zur Vorballe im Tempel des 
Wissens ruht, als der Einzelne, stets durch neue Beobach- 
tungen oder Combinationen angeregt, bereit ist auf einem 
für ricbtjg gehaltenen und endlos scheinenden Pfade rastlos 
weiter zu streben, um erst nach langer und schwerer Müh, 
ans einem tiefen Wahn erwachend, anzuhalten. Die Auf- 
gabe einer Bearbeitung der gesammten Wissenschaften ist 
daher längst als zu gross für die Kräfte eines Menschen 
erkannt, und es suchte sich Jeder eine oder mehrere Rei- 
hen von Naturkörpem zur genaueren Beobachtung aus, deren 
Studium allmäblig zu Aufklärungen und Schlüssen führt, 
welche langsam und sicher grosse Fortschritte im Reiche 
des Wissens vorbereiten. Eine solche Bearbeitung empfiehlt 
sich daher schon fiir die Wissenschaft, welche als solche 
inuner nur ihrer selbst wegen cultivirt werden sollte; um 
so viel mehr pflegen aber solche Zweige der Wissenschaft 
m einer derartigen Prüfung einzuladen, in welchen jede 
Simon BeUr«g«L 9. ^q 



142 Ueb. d. Anwendung d. Mikroskopes. 

gewonnene Aufklärung eine Verbesserung und Erleicblernng 
in täglich vorkommenden practischen Anwendungen ver- 
spricht, und die Erfahrung zeigt, dass namentlich die letztere 
Rücksicht manchen Fächern eine grössere Zahl und eifrigere 
Bearbeiter gewinnt, als andere, obgleich sie in Bezug auf 
das Gesammtgebiet des menschlichen Wissens interessant 
und wichtig genug erscheinen, aufzuweisen haben. 

Für einen solchen Zweck wird daher mit ungewöhnli- 
cher Sorgfalt Alles hervorgesucht, was nur möglicher Weise 
in Etwas dazu beitragen kann die Erleichterung der practi- 
schen Anwendung herbeizuführen, um darin möglichst 
bald möglichst weit zu kommen; natürlich entsteht also 
die Frage, welches Verfahren in jedem Falle möglichst bald 
möglichst weit zu führen verspricht? und führt auf eine 
Untersuchung der Mittel, welche überhaupt, zur Förderung 
und Erweiterung unserer Kenntnisse dienen. 

Lässt sich nun im Allgemeinen annehmen, dass die 
bekannten Naturgesetze dadurch gefunden wurden , dass 
eine Reihe von Beobachtungen oder Experimenten sie ab 
nothwendig voraussetzen liess, und diese Voraussetzung nur 
durch die Beobachtungen möglich wurden, so folgt daraus^ 
dass für Jeden, welcher irgend einen Zweig des Wissens 
besonders zu fbrdem strebt, die Loosung zunächst fattssen 
muss: „Möglichst viele Beobachtungen.^' Von diesem Grund- 
satze ausgehend erkennt man jedoch bald, dass in Binsicbt 
auf das Objekt, welches zur Beobachtung vorliegt, auf die Art 
der Untersuchung, auf die Befähigung des Fxperimentators und 
andere Dinge, eine grosse Verschiedenheit statt findet, welche 
dem allgemeinen Zwecke: Ermittelung des Wabren, leiebi 
hinderlich werden kann, so wie augh, dass eine sichere 
Abhilfe gegen solehe Uebelstände aufzufinden, dem Men- 
scdien nicht gegeben ist, welcher daher angewiesen bleibt 
auf dem Wege zum Ziele ohne Aussicht es zu erreichen 
weiter zu streben; durch eine umsichtige Benutzung auf 
anderem Wege gewonnener Erfahrungen wird es aber immer 
»«glich sein, die Untersvchungen zu verbessern, und mög- 
lichst zahlreiche soi^ltige Beobachtungen über die ver- 
schiedenartigsten Gegenstände werden nie ebne wesenlli- 



Ueb. d. Aowepduog d. Mikroilcopes. . 143 

eben Nutzen fUr die Wissenschaft bleiben, besonders weoii 
sie, um ja alles Unrichtige vom Wahren zu sondern, von vie- 
len Beobachtern oft wiederholt werden. 

Denn jede Untersuchung beginnt mit der Vergleichung 
der sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften eines Körpers 
mit denen anderer, und dieses Material, auf welches unsere 
Schlüsse gebaut werden sollen, verdanken wir zunächst 
unseren Sinnen, die also durch ihre Unvollkommenheii den 
Nutzen der Untersuchung für die Wissenschaft wesentlich 
beeinträchtigen müssen. Es ist aber der Grad, in welchem, 
und die Art, in der ei^ Sinnesorgan des Menschen durch 
äussere Einwirkungen erregt wird, nicht nur individuellen 
Verschiedenheiten unterworfen, indem derselbe äussere Ein- 
üuss bei verschiedenen Menschen eine der Art und dem 
Grade nach abweichende Erregung desselben Sinnesorganes 
herbeizuführen im Stande ist, und die EmpfKngUchkeit e^eß 
und desselben Sinnes desselben Menschen zu verschiedenen 
Zeiten wesentb'ch verschieden, je nachdem zum Beispiel ein 
gleJobarüger, ein indifferenter oder ein sehr heterogener 
Eindruck vorhergegangen ist; sondern es erweisen sich auch 
alle unsere Sinne zusammengenommen als ein viel zu gro- 
bes Material zur Untersuchung der Natur, und auf <^e er- 
wähnten Verschiedenheiten hat weder unser Wille irgend 
einen Einfluss , noch wird unser Bewusstsein davon alfioict, 
so dass also beide Fälle möglicher Weise Täuschungen ver- 
anlassen; entweder eine verschiedene Erregung unserer 
Sinne durch identische Objekte, oder eioe mangelhafte Erre- 
gung unserer Sinne, welche uns Heterogenes nicht mehr 
als verschiedenartig erkennen lehrt. 

Ist nun der Mensch trotz aller erdachten Hilfe* und 
SicheruDgs -Mittel nicht im Stande sich dem Eii^lusse dieser 
Unvollkommenheiten ganz zu entziehen, so empfiehlt sich 
um so dringender, als das beste Palliativum, Vervielfältigung 
der Objekte, der Untersuchungen, der Prttfungsmethoden 
und der Beobachtungen , und hat dieser Satz bei allen wis- 
senschaftlichen Forschungen Giltigkeit, so verdient er upi 
so mehr da beherzigt zu werden, wo zwei fem und getrennt 
von einander entstandene und fortgebildete Zweige def 

10* 



144 Ueb. d. Anwendung d. Hikroskopes. 

Wissenschaft, noch auf unsicherem Boden fussend, über eine 
Jahrhundert alte Kluft sich die Hand reichen wollen, wie 
in der medizinischen Chemie. 

Soll nun dieses neu auf den schon so reich belaubten 
Stamm der medizinischen Wissenschaften gepfropfte Reis 
durch eine sorgfältige Pflege, welcher diese Blätter vorzugs- 
weise gewidmet sind, zur fruchttragenden Krone ausgebildet 
werden, und ist es die Aufgabe der medizinischen Chemie 
Abweichungen in Qualität und Quantität bei den organi- 
schen Bestandtheilen des menschlichen Körpers in einem 
vom normalen abweichenden Zustande aufzufinden und unter 
sich zu vergleichen, so beruht ihre Eni Wickelung zunächst 
auf einer genauen Erforschung und Kenntniss dieses norma- 
len Zustandes und aufzahlreichen, sorgfältigen Untersuchungen 
vieler Beobachter über Veränderungen, welche in demsel- 
ben bemerkt werden können; und es lässt sich allerdings 
erwarten, dass der Fleiss und Eifer Einzelner für diese 
Sache auch durch das Motiv angespornt wird, dass die 
Ergebnisse solcher Forschungen in einer direkteren Bezie- 
hung mit dem Wohle eines Theiles unserer Nebenmenschen 
gedacht werden müssen, als bei manchem anderen Zweige 
der Wissenschaft. 

Es ist daher zur Förderuog der medizinischen Chemie 
Alles dasjenige beizutragen, was unsere Kenntnisse über die 
normale Beschaffenheit der organischen Körper erweitert 
und eine genauere und ausgebreitetere Untersuchung einer 
unter bestimmten Umständen davon abweichenden Menge 
und Zusammensetzung einzehier Bestandtheile derselben giebt, 
und zu diesem Zwecke muss die Anwendung jedes Mittels 
versucht werden, wodurch unsere Sinne in den Stand ge- 
setzt werden feinere Unterschiede und genauere Aufschlüsse 
bei so schwierigen Objekten zu gewinnen, wie diese Kör- 
per darbieten. 

Unter diesen Hilfsmitteln nimmt dasjenige Instrument, 
welches unseren edelsten Sinn, das Auge, wesentlich zu 
unterstützen vermag, mit, Recht einen hohen Rang ein, und 
wenn schon das Auge für sich allein Über die sinnlich wahr- 
vehmbaren Eigenschaften der Objekte unserer Forschungen 



Deb. d. Anwendung d. Mikroskopes« I4ä 

mehr Aufschlüsse gjebt, als unsre übrigen Sinne zusam* 
mengenommen, so wird das Mikrosiiop ftür alle Untersuchun- 
gen, in denen es Anwendung findet, um so wichtiger, da 
fllr keinep anderen Sinn irgend ein Hilfsmittel existirt, wel- 
ches ihm in seinen Leistungen irgend nahe käme, und das« 
selbe dem Geübten die Resultate, welche es überhaupt ge* 
währen kann, auf eine bequeme Weise schnell und sicher 
lieterL Solche Eigenschaften konnten nicht umhin dem 
Mikroskope, besonders in neuerer Zeit, eine häufigere An- 
wendung von Gelehrten und Laien zu den verschiedenartig* 
sten Zwecken zu Wege zu bringen, und es ist vielleicht an 
der Zeit daran zu erinnern, dass das Mikroskop immer nur 
ein Mittel bleibt die gegebene UnvoUkommenheit unseres 
Auges minder fühlbar zu machen, und dass es als ein sol- 
ches auf alle Zweige unseres Wissens einen gleichen Ein* 
floss ausüben würde, wenn nicht zufällig oft die Grösse 
der zu untersuc))g||den Objekte seine Anwendung über- 
flüssig machte. 

Zu der medizinischen Chemie steht das Mikroskop in 
einer mannigfachen Beziehung, indem es theils zur Erfor- 
schung normaler Besfandtheile des thierischen Körpers, theils 
zur Untersuchung der Produkte von anomalen Zuständen 
und der dadurch bewirkten Veränderungen vorhandener 
Theile dient; und wenn oben gezeigt worden ist, dass eine 
erschöpfende Erkenntuiss der Natur durch die Mangelhaftig* 
keit unserer Organisation behindert ist, und unsere Wahr* 
nehmungen theils zu oberflächlich bleiben, theils uns zu irri- 
gen Vorstellungen verführen und über die wahre Natur der 
Dinge täuschen, so lässt sich erwarten, dass bei den nur 
mit Hilfe des Mikroskops zu erkennenden feineren Objekten 
solche Tifuschungen noch leichter vorkommen können, und 
die Erfahrung hat schon seit lange diese Erwartung im 
hohem Grade gerechtfertigt; so dass wir Täuschungen, 
welche dieses Instrument manchen Gelehrten vorgespiegelt 
hat, als einflussreich auf Ansichten und Systome in der Ge- 
schichte der Wissenschaften verzeichnet finden. Wie sehr 
hat sich aber seit Erfindung des Mikroskopes die Qualität 
der Instrumente, die Befähigung der Beobachter und die 



146 Ueb. tf. Anweiifdang d. Mikrodkopto. 

Zahl der scbön unleräüchten Objekte vermehrti Hlftteii mt 
ausser dem, was fridiere Beobachter zq viel oder fSalscb gese- 
hen Und beurtheilt haben, auch eine Geschichte dessen, was 
ihnen entgangen ist, so konnte ans gewiss Nichts besser 
auf die Nothwendigkeit aufmerksam machen, dass wir nieht 
nur vorsichtig und oft, sondern auch genau und gründlich 
untersuchen müssen. 

Wie soll aber dieses möglich sein, wenn fernerhin, wie 
nur zu oft bisher geschehen ist, der Naturforscher in einer 
gewissen Untersuchung begriffen plötzlich, weil er nicht 
umhin kann, das Vergrösserungsglas zur Hand nimmt und 
ohne Weiteres mikroskopische Untersuchungen anstellen will, 
wozu eine gewisse Summe von Kenntnissen und Fertigkei- 
ten gehört, um in ihren Resultaten gerechte Ansprüche be* 
friedigen zu können. Gewiss findet daher Alles, was die 
Anwendung des Mikroskopes zu vervielfHItigen, zu erleich- 
tem und in ihren Resultaten zu verbessern im Stande ist, 
mit Recht eine Stelle in diesen Blättern, und es wäre zu 
wünschen, dass viele geübte und erfahrene Beobachter die 
Art, wie sie zu ihren Resultaten gelangen, und die Mittel, 
wodurch sie sich vor Täuschungen behüten, mitzutheHen 
geneigt wären. 

Kne Besprechung dieser Mittel zur Erleichterung und 
Verbesserung der Anwendung des Mikroskopes heisst uns 
im Allgemeinen den Beobachter, das Instrument und die 
Objekte ins Auge fassen, wobei für ersteren und für das 
Instrument Alles , was überhaupt bei mikroskopischen Unter- 
suchungen zu berücksichtigen ist, hierher gehört, während 
unter den Objekten nur von den der medizinischen Chemie 
angehörenden die Rede sein kann. 

Der Zweck einer jeden Anwendung des Mikroskopes 
ist dem Beobachter die feinsten Theile des Objektes in dem 
gehörig erleuchteten Gesichtsfelde des Instrumentes möglichst 
Ächarf und deutlich sichtbar zu mächen. Um diesen Zweck 
erreichen zu können, muss der Beobachter die Einrichtung 
seines Instrumentes und die Theorie desselben so weil ken- 
nen, um Störungen in der Wirkung des Instrumentes zu 



Ueb. d. AowendttDg d. Mikroskopes» üf 

erkennen und zu .beseitigen, Worüber die nöthige Beleh* 
ning in: 

Charles Chevalier. Des microsoopes et de leur usage. 
Paris 1839. Deutsch von F. S. Kerslein. Quedlin- 
burg 18^ 

Dr. Julius Vogel. Anleitung zum Gebrauche des Hikro* 
skopes etc. Leipzig 1841. 
2u finden ist Man muss aber für die Untersuchungen in 
der medizuiisehen Chemie mit einem Instrumente ausgerüstet 
sein, welches eine 400fache linear vergrösserung bei nioht 
KU kleinem Gesichtsfelde und möglichst grosser Poealdistani 
auUsst) Anforderungen, welchen nur die neueren zusam- 
mengesetzten achromaliBch-aplanatischen Mikroskope mit com- 
binirtrai Linsen zu entsprechen im Stande sind. 

Bei der fast allein anwendbaren Beleuchtung von unten 
zur Beobacbiung transparenter Gegenstände erschiene dem 
Yor das Ocular gehaltene Auge, wenn kein Objekt unter 
den Linsen liegl^ das Gesichtsfdd als eine reine weisse 
Scheibe, deren Entfernung vom Auge etwa 8 Zoll beträgk 
Der ungehinderte Durchgang sämmüioher Lichtstrahlen durch 
das Instrument bat diese Erscheinung zur Folge und ein 
transparentes Objekt, welches unter die Linsen gelegt wird, 
erscheint dadurch im Gesichtsfelde, dass ein Theil dieser 
LiohtstraUen aufgefangen, geschwächt oder abgeleitet wird, 
indem die Theile des Objektes unter sich und mit dem 
Medium, worin sie liegen, in ihrer lichtbrechenden Kraft 
verschieden sind. Das Auge des Beobachters muss also in 
den Sland gesetzt werden diese verschiedenen Eindrücke von 
Lioht und Schatten in mannigfaltigen Abstufungen unter*- 
scheiden zn können, und man darf nie vergessen, dass 
jeder Wahrnehmung im Mikroskope nur diese theilweise 
Hemmung und Ableitung der Lichtstrahlen zum Grunde liegt^ 
ohne dass dem Auge des Beobachters ein weiteres Urthefl 
auf dir Atem Wege möglich gemacht wird; was eben nur 
durch die Vergiefchung der mikroskopischen Objekte unter 
sich und mit ähnlichen Formen, die wir unter analogen 
Bedingungen mit unbewaffnetem Auge sehen, geschieht 
Pa nun unser Auge dem Grade seiner Erregbarkeit nach 



148 Ueh. d. Anwendung d. Hikroskopes. 

von den Eindrucken der Aussenwelt, denen es begegnete, 
abhängig ist, und zum Beispiele dasselbe Objekt, wenn wir 
aus einer absoluten Finstemiss kommen, uns hell und glän- 
zend erscheint, während es dem kurz zuvor in die Sonne 
getauchten Blicke matt und dunkel erscheint, so wird es 
für die leichtere Auffassung zarter Schatten und schwacher 
Lichter immer zweckmdssiger sein, das Auge vor den Extre- 
men der Einwirkung des Lichtes ganz zu schützen, und 
wenn bei massigen Yergrösserungen das Tageslicht auch 
kaum störend einwirkt, so wird man bei sehr starken Yer- 
grösserungen von 700fdch und darüber, doch immer bei 
einer Verdunkelung des Zimmers, in welchem man beobach- 
tet, ohne dass diese auf die Erleuchtung des GesichtsMdes 
Etnfluss hat, das Bild einzelner Theile des Objektes deut- 
licher werden sehen. 

Ebenso muss das Auge des Beobachters durch das 
reflectirte Licht des Beleuchtungsspiegels oder das gebro- 
chene, der BeleuchtungsKnse nicht in seinen Fimktionen ge- 
stört werden, namentlich kein Thränen desselbm, kein Fun- 
ken- oder Mückesehen ete. eintreten, was natürlich die 
Beobachtung stören würde; so wie auch überhaupt weder 
etwas Krankhaftes noch sonst ungewöhnlich Aufregendes 
oder Deprimirendes den Beobachter an der unbefangenen 
Perception und ruhigen Deutung des Gesehenen hindern darf. 

Hier mag auch noch erwähnt werden, dass die Furcht 
vor Täuschungen schon lange Vorschriften fUr mikroskopische 
Beobachter diktirt hat, durch welche denselben die Zulas- 
sung gewisser Umstände als Täuschungen befördernder drin- 
gend abgerathen wird. Es sind dieselben aus einem zu weit 
getriebenen Eifer für die Sache zu einer Zeit, wo die Instru- 
mente noch sehr unvollkommen waren, entstanden und daher 
ganz unbrauchbar^ denn kann es Unzweckmässigeres geben, 
als wenn man die Vielseitigkeit einer Untersuchung be- 
schränkt und die Objekte nur bei gewissen Beleuchtungs- 
arten, nur in bestimmten Medien und nur innerhalb der 
Grenzen massiger Vergrösserungen betrachtet, weil sich 
unter anderen Umständen ihr Ansehn verändert I Eben die- 
ses veränderte Ansehn muss doch in dem Objekte oder 



Ueb. d. Anwendung d. Uikroskopes. 149 

den EmflQssen, welchen dasselbe ausgesetzt ist, einen Grund 
haben und um wie viel besser ist es denselben zu eribr- 
sehen, als ihn zu ignoriren! Ja selbst der direkte Zweck, 
Täuschungen zu vermeiden, wird viel sicherer erreicht wer« 
den, wenn man die Umstände, welche sie am. leichtesten 
herbeiführen können absichtlich in Thätigkeit setzt, und 
ihren Einfluss auf die Objekte studirt; denn um einen Feind, 
vor dem ich gewarnt bin, vermeiden zu können, ist es doch 
mit die erste Bedingung, dass ich ihn kenne. Wie diese 
Vorschriften daher auch heissen mögen, und welcher Auto« 
rität man sie auch verdankt, so kann man mit den jetzigen 
Instrumenten nichts Besseres thun, als gerade das Gegen« 
theil von dem, was sie vorschreiben. 

Ausser den hier erwähnten Umständen, welche den 
Beobachter, sofern sein Auge ins Ocular sieht, betreffen, hat 
derselbe noch die Direction des Objektes durch das Gesichts- 
fbld und die Einstellung des Focus zu reguliren. Für beide 
Operationen iassen sich keine weiteren Regeln angeben, als 
das« man sich üben muss, die Bewegungen der Finger ohne 
Zug und Druck innerhalb der kleinsten Distanzen in seiner 
Gevealt zu behalten, wozu eine gehörige Unterstützung des 
Vorderarmes und, so weit es möglich ist, die Ausführung 
aller Bewegungen nur durch die Finger, ohne dass Hand- 
oder gar EHenbogen*Gelenk daran Theil nehmen, am l«ch* 
testen in den Stand setzt; nur dürfen die Arme, wie dieses 
bei verticalen Mikroskopen geschehen könnte, dann nicht 
zugleich als Stützen des ganzen Körpers dienen. Bei eini- 
ger Uebung lässt sich ftlr eine 400fache Vergrösserung so- 
wohl der Focus nüt Zahn und Trieb, als auch das Objekt 
durch Verschieben der Glasplatte, welche es trägt, mit den 
Fingern nach Wunsch einstellen ; für stärkere Vergrösserun- 
gen sollte für Beides immer die Bewegung durch eine feine 
Schraube dienen, wefl die Sicherheit der Einstellung durch 
gröbere lOttel ihre Grenzen findet. 

Wie der Beobachter, so muss auch das Instrument an 
und für sich fehlerfrei, im mechainischen Theile nicht abge- 
nutzt, im optisdien rein gehalten sein, um eine genaue Un- 
tertachung zuzulassen, denn um das Objekt scharf und 



i60 Ueb. d. Anwendimg d* MikroskopeSt 

klar zu «dien, ist es eb^i so nothwendig, dass die Gläser 
des MikrodLops ihre richtige Form und Reinheit haben , als 
dass sie sich genau in der gehörigen Entfernung vom Ob- 
jekte befinden, und darin unverändert beharren. Ausser 
diesen bei allen guten Instrumenten durchaus nothwendigen 
Einrichtungen, giebt es nun eine Menge Unterschiede der 
Instrumente derselben und verschiedener Optiker, welche 
nicht sowohl in der Hinsicht, als sie eine Beobachtung tU>er- 
haupt möglich machen, sondern weil sie dazu beitragen 
dieselbe schneller, sicherer und bequemei^ ins Werk richten 
zu können, hier eine Berücksichtigung verdienen, wobei denn 
a^ch namentlich die Desiderate zur Sprache zu bringen sind ; 
unmöglich ist es nur hierb« einen leitenden Faden zu fia* 
den, woran sich die so höchst verschiedenen Einrichtungen 
nach einer übersichtlichen Anordnung an einander reihen 
Hessen. 

Von allgemeinerem Einflüsse auf die Bequemlichkeit, mit 
welcher die Beobachtungen angestellt und verfolgt werden 
können, ist namentlich die Einrichtung des Mikroskopes, je 
nachdem es vertikal oder horizontal ist. Letztere Einrich- 
tung gewährt so wesentliche Vortheile beim Beobachten, 
Hessen, Zeichnen der Objekte und ist so leicht herzustel- 
len, dass jeder eifrige Untersucher sein Instrument damit 
versehen sollte, und der Einwurf, als ginge dadurch zu viel 
Licht verloren, widerlegt sich durch 'die Erfahrung; denn 
nur dann kann dieser Umstand von Einfluss sein, wenn un* 
ser Auge denselben wahrzunehmen im Stande ist Kommt 
aber in das Rohr des Mikroskopes ein Prisma von Glas, 
welches das Bild des Objektes im rechten Winkel gegen 
das nun horizontale Ocular lenkt, so wird dadurch die Ent- 
fernung des Oculars von der Objektivlinse weiter und die 
VergrösseruDg stärker; bei den so eingerichteten Instrumen- 
ten von Schick in Berlin verhält sich aber dieser Unter- 
schied wie 22 zu 23, was von unserem Auge, selbst wenn 
die Aufknerksamkeit besonders darauf gerichtet wird, nicht 
aufgefasst werden kann, so wenig vrie der Unterschied in 
der Lichslärke. Ausserdem sollte an einem bequemen Mi- 
kroskope sowohl der Körper, als auch der Objekttisch und 



üeb. d. Ai^^endung d. Mikro^kcfpetf. 151 

BeleuchtuDgsspiegel in der Richtung der Sehachse des In« 
slmmentes beweglich sein, was weiter milen zu erläuternde 
Vortheile gewährt; es kann den Mechanikern aber nieht 
zum Vorwurfe gemacht werden, dass sie diese Binrichtuii* 
gen an ihren Mikroskopen so sehen anbringen, da die wenig- 
sten Praktiker sie vermissen, und wirklichen Vortheil daraus 
2U ziehen im Stande sind. Noch wichtiger aber Ist bei den 
stjirkeren Yergrösserungen der Durchmesser des Bebfeldes 
und der Abstand der Linsen vom Objekte, welche Punkte 
aber nothwendig zu einer Vergleichung der Instrumente ver- 
schiedener Mechaniker führen, eine natürlich h($chst schwie* 
rige Aufgabe; denn nur eine lange Benutzung desselben 
Instrumentes beföhigt zu einem gediegenen Urtheile über 
dessen Schärfe, Klarheit, Bequemlichkeiten und so weiter, 
und wem ist es vergönnt viele gute Instrumente gleichzei- 
tig dazu benutzen zu können? Wohl hat sich mir die GMe« 
genheit geboten früher mit mancherlei guten Instrumenten 
Beobachtungen lu machen, aber leider hatte ich sie nicht 
gleichzeitig zu meiner Disposition und bin daher iti meinem 
Urtheile nicht hinreichemd sicher; da jedoch die Qualität 
des besseren Mikroskopes der wesentlichsten Hauptsache 
nach immer durch die Güte der Objekttivlinsen bedingt 
bleibt, so zog ich es spflter vor, diese Objektive von ver- 
schiedenen Mikroskopen nach einander an dasselbe Instru- 
ment zu befestigen, um ihre Güte unter übrigens ganz glei- 
chen Objekten zu prüfen. Auch hier gewann ich freilich, 
weil die Versuche nicht gleichzeitig neben einander ge- 
macht werden konnten, kein sicheres Urtheil über die Güte 
der Linsen, indessen konnte ich doch für die Vergrösserungi 
den Durchmesser des Gesichtsfeldes und die FocalJistanz 
(oder den Absland der untersten ObjektivKnse von dem 
Objekte) bestimmte Resultate erhalten, welche hierunter, 
freiticfa nur erst von wenigen Optikern, zusammengestellt 
sind, wobei ich nur die stärkeren Vergrösserungen ausge- 
wählt habe. Die Linsen wurden bei diesen Versuchen durch 
einen kleinen Ring an ein grosses Instrument von Schiek 
befestigt, wo mit dem zwischengesetzten Prisma die EntfeN 
AQDg der Linsen vom Oculare zwischen 11 und 19 Pariser 



iSi 



Ceb. d. Anwendung d. Mikroskopes. 



Zdl betrug; die Vergrösserung wurde gefunden, indem die 
Theilung eines guten Glas-Mikrometei*s durch den Söoune- 
ringschen Spiegel gezeichnet und mit einem entsprechenden 
Maasstabe nachgemessen wurde; der Durchmesser des Seh- 
Mdes ergab sich aus der Zahl der zu übersehenden Thei- 
lungsstriche des Mikrometers, und um die Focaldistan« zu 
finden, drückte ich mit dem Rande der Objektivlinse auf 
ein Stückchen Modellirwachs, bis der Focus eingestellt war, 
und mass die Dicke dieses Wachses bei einer schwächeren 
Vergrösserung nach. Die hier folgenden Angaben sind also 
keineswegs ganz genau richtig zu nennen, reichen aber für 
den mit solchen Instrumenten Vertrauten zu einer Verglai- 
cbung vollkommen hin und es ist nur zu bedauern, dass 
ich sie augenblicklich nicht vollständiger geben kann. 



Objekttivlinse 

oder 
Linsensysteme 

von 


Nro. 


Vergrösse- 
rung bei 8 
Pariser Zoll 
vom Auge 


Durch- 
messer d. 
Gesichts- 

fddes 


Focal- 
distanz 


Schick . . . 


3+4+5 


180 


r 


1'" 


desgl. . . . 


4+5+6 


270 


*"' 


i"' 


Chevalier . . 


1+2+3 


330 
390 


r 


1'^' 


desgl. . . . 


2+3+4 


r 


% 


desgl. . . . 


1+2+3+4 


420 


+'" 


V" 


Oberhäuser 


Syst. N. 6 


330 


r 


1}"' 


desgl. . . , 


8 


480 


1/// 


f" 













Bei der stärkeren Vergrösserung durch stärkere Ocnlare 
wird das Sehfeld noch viel kleiner, während die Focaldi- 
stanz sich wenig ändert, so dass unter obigen Verhältnissen 
mit Ocular Na. 3. und Oberhäusers Systeme No, 8. bei einer 



Ueb. d. Anwendung d. Mikroskopes. 153 

Tergrössenmg von 1500 mal, das' Sehfeld ,y^^ im Durch- 
messer hatte, während die Focaldistanz \*^' geblieben war. 

Bei dieser Vergleichung fiel mir auf, dass die Objektiv- 
linsen der verschiedenen Optiker dem Gesichtsfelde eine 
leichte Färbung geben, welche freilich nur. zu bemerken 
ist, wenn man sie schnell hinter einander vertauscht, und 
so wenig Verschiedenheit darbietet, dass es schwer hält 
eine Bezeichnung dafür zu finden; jedenfalls aber muss die 
Erscheinung einen Grund haben und diesen zu wissen kann 
den Optikern nützlich werden; darum wünschte ich andere 
Beobachter aufmerksam zu machen. Als ich nach einem 
langem Zwischenraimie wieder durch ein Plösslsches 
Instrament beobachtete, fiel mir eine grünliche Färbung 
des Sehfeldes auf, die ich später auch an den Feldstechern 
dieses Optikers wahrzunehmen glaubte und der berühmten 
voTlref&icben Politur seiner Gläser zuschrieb. Noch jetzt 
erscheint mir dagegen die Färbung des Sehfeldes bei Schi ek- 
sehen Objektivlinsen schwach gelblich, bei Chevaliers 
bläulich, bei Oberbäusers gelbröthlich; wobei die 
Verschiedenheit zwischen den beiden letzteren besonders 
auffaUend erscheint. Wird dieser Unterschied durch Glas- 
masse, Politur, Richtigkeit der Form, oder wodurch sonst 
bedingt? 

Obige Angaben führen nun direkt auf die Frage, welche 
Combination ist die zweckmässigste? Hier kann es natür- 
lich nur die Absicht sein diese Frage in Bezug auf die me- 
dizinische Chemie zu untersuchen. 

Zunächst also ist es in Bezug auf die Vergrösserungs* 
kraft wünschenswerth eine möglichst starke Vergrösse- 
rung, welche durch die ObjektivUnsen hervorgebracht wird, 
abgesehen von der durch stärkere Oculare hervorgebrach- 
ten, zur Disposition zu haben. 

Der grössere oder geringere Durchmesser des Gesichts- 
feldes ist dabei nicht ohne Bedeutung, weil bei der häufig 
vorkommenden Untersuchung sehr kleiner Eörperchen es 
wichtig ist, wie viel man davon auf einmal übersehen kann. 
Gesetzt naan imtersuchte Körperchen von ^V"' Durchmesser, 
welche so dicht gedrängt lägen, dass sie das ganze Sehfeld 



i$i Ueb. d. Aüwendung d. Mikroskopen. 

l>edeckteo, so würde nach der ol^en Tabelle bei emem 
Schieksoben Instrumente und 270facher VergrQsserung der 
Durchmesser des Sebfeldes i'" betragen und etwa 192 
solche Körpereben zeigen, während das Chevalier sehe 
Mikroskop bei 300facher Vergrösserung und i*** Durchmes- 
ser des Sehfeldes nur 75 ungefähr zeigen würde. Hier 
mUsste man nun, um bequem beobachten zu können, eine 
Flüssigkeit zusetzen, welche die einzelnen Körpercheu we- 
nigstens um das 4fache ihres Durchmessers von einander 
entfernte und sähe daher im erslcren Falle 48, im zweiLen 
nur 19 Eörperchen. Nun werden aber auch sehr winzige 
Präparate unter dem Mikroskope gehörig ausgebreitet selten 
unter 1 Quadratzoll Raum einnehmen und man kann sieb 
ausrechnen, wie vielfach man im letzteren Falle das Präpa- 
rat, um es ganz zu übersehen, mehr verschieben muss, als 
im ersteren. 

Bei den meisten Objekten, welche die medizinische 
Chemie liefert und namentlich bei allen mikrochemischen 
.Untersuchungen ist es nothwendig eine Flüssigkeit mit unter 
die Objektivlinsen zu bringen. Theils um das Objekt durch 
einen opiässigen Druck auszubreiten, theils pm der Flüssig- 
keit zwei parallele Flächen zu geben, welche die Sehachse 
des Mikroskopes im rechten Winkel schneiden und theils 
um eine Einwirkung der Flüssigkeit auf die Linsen zu ver- 
hüten, muss man ein durchsichtiges Plätlohen von Glas oder 
GJimmer auf das Präparat decken, sobald die Vergrösse- 
rung sehr stark wird und die Linsen daher demselben sehr 
genähert werden müssen. Bei einer Focaldistanz von einer 
halben Linie hat diese Sache gar keine Schwierigkeit, da 
man so dünnes Glas haben kann, um noch einen Gegen- 
stand zwischen beide Glasplatten legen zu können, welcher 
den Druck der oberen auf sehr zarte Objekte verhindert; 
wird aber die Focaldistanz geringer, so muss man sich ent^ 
weder eigens dazu sehr dünn geschliffener Glasplätteben 
bedienen oder des Glimmers. 

Die französischen Optiker, namentlich Oberhäuser 
und Chevalier, geben ihren Instrumenten eine Zahl sol- 
cher dünner Glasplättchen bei, welche etwas Über einen 



V§b. d. AnweDduQg d. MjkroifcQpes. i6t 

QttidraUott gross und im Durcbschoitte tV'' diok sM. Ww 
ichwierig das Operiren mit solchen PläUohen isi, llissi ai«b 
schon daraus abnehmen, dass zum Beispiel bei Oberbäusera 
Syateme No. 8. und i'*' Focaldislanz, da dass PUlttchen ,V'^' 
dksk ist, für das Objekt oder die dasselbe enthaltende Was* 
serschicht nur ^V'" ^^rig bleibt, während dieselbe bei Gbe» 
valiers vier Linsen zusammen, welche y*^ Focaldistanz haben, 
^"' ditk sein darf. Ausserdem sind diese Gläschen so 
schwierig zu handhaben, und so äusserst zerbredilich, dass 
nur ein sehr vorsichtiges Manöver, welches mühsam und 
zeitraubend ist, in den Stand setzen kann dasselbe a^h 
einmali^^em Gebrauchs abgewaschen und getrocknet wieder 
weglegen zu können. Der leichter zu ersetzende GKoimar 
bat dagegen einen anderen Nachtheil, weil er biegsam ist, 
und sich daher durch eine geringe Qualität Flüssigkeit dicht 
auf eine andere Glasplatte festlegt, wodurdi zarte Objekte 
leicht zerstört werden können. 

Erhellt nun aus dem Gesagten, dass ein kleines SeblsUl 
und eioe kurze Focaldislanz beim 'Gebrauche des Mikroako^ 
pes sehr unbequem und hinderlich ist und lässt sich für 
medizinische und chemische Zwecke nachweisen, dass eine 
stärkere Vergrösseruug als dOOfach selten von grossem 
Nutzen sein wird, so folgt daraus, dass nicht einem Mikra- 
skope der Vorzug zu gri>en ist, welches sehr stark ver- 
gr9ssert, sondern demjenigen, welches bei einer massigen 
Vergrösserung ein hinreichend grosses Sehfeld und nicht 
unter ^'^* Focaldistanz hat. 

Es sind aber die Objekte, welche für eine medizinisch- 
chemische Untersuchung dem Mikroskope untergelegt wer- 
den könnten, entweder Flüssigkeiten und in ihnen suspen- 
dirle Körperchen oder feste organische Massen, und es 
bedarf jedes einer besonderen Präparalion, um für eine hin- 
reicfaende Vergrösserung deutliche Bilder im Mikroskope zu 
zeigen, die aber fitr jedes verschieden sein muss. Im all- 
gemeinen kann man als den Zweck dieser Präparationen 
bezeichnen: zusammenhängende in ihrer Grösse den Durch- 
messer des Sehfeldes übertreffende Massen in einer so 
dünnen Schicht zu liefern, dass sie durchsichtig genug wer- 



156 Ueb. d. Anwendung d. IGkroskopes. 

den, und kleinere je nach ihrer Frequenz zu isoliren oder 
zusammen zu tragen, und in verschiedene Lagen gegen die 
Sehachse des Instrumentes zu bringen, oder ebenfalls in 
dttnne Schichten auszubreiten. Zu diesem Zwecke bedarf 
man einiger besonderen Apparate und Instrumente, über 
deren zweckmässigste und bequemste Einrichtung noch 
manche verschiedene Ansichten herrschen. 

Bei Flüssigkeiten, in wdchen kleine Körperchen enthal- 
ten smd, ist die Sache am einfachsten, indem es genügt auf 
einer reinen fehlerfreien Glasplatte einen Tropfen derselben 
auszubreiten und ein zweites Glasplättchen darauf zu legen. 
'Dieses zweite Glas ist am zweckmässigsten etwas kleiner 
als das untere, damit man letzteres verschieben kann, ohne 
das obere aus seiner Lage zu bringen, und so dünn, dass 
es die Anwendungen der stärkeren Linsen nicht behindert. 
Nach vielen Versuchen habe ich als zweckmässigste Form 
der Objektträger und Deckplatten folgende beibehalten. Die 
Objektträger sind 1 Zoll breit 2i Zoll lang und werden aus 
reinem weissem Spiegelglase geschnitten und an den Rän- 
dern abgeschliffen, die Deckplatten sind i Zoll breit und 2 
Zoll lang und aus einem dünnen Glase von etwa |''' Dicke 
gefertigt. Auf diesen Objektträgern ist Raum genug, um 
mdurere Tropfen oder Präparate neben einander zu legen, 
imd die Deckplatte übt schon durch ihr Gewicht einen 
massigen, oft hinreichenden Druck aus; soll aueh dieser ver- 
mieden werden, so stützt man sie auf dazwischen gelegte 
Träger, zu welchem Zwecke die Karlsbader Insektennadeln 
von den feineren Nummern sehr zu empfehlen sind. Sowohl 
die Objektträger, als auch die Deckplatten muss man dutz- 
zendweise vorräthig haben, um nicht während einer Unter- 
suchung durch Reinigen der gebrauchten aufgehalten 9u 
werden. 

Es ist bei der Untersuchung von Flüssigkeiten noch zu 
beachten, dass darin suspendirte Körperchen nach ihrer 
specifischen Schwere verschiedene Schichten bilden können, 
weshalb geringere Quantitäten, bevor man die zu untersu- 
chenden Tropfen daraus wählt, durch einander gerührt wer- 
den müssen, und bei grösseren, nachdem die Flüssigkeit ruhig 



Ueb. d. Aawenduog d. Mikroskopes» 157 

gestanden bat, einige Tropfen von der OberflXehe, aus der 
Mitte und vom Boden des Gewisses uotersucbt werden mUäseo, 
ob 9icb auch eine Yerschiedenheii darin zeigt. Auch* für 
den Gebalt an Körperchen lässt sich ein Massstab auffinden^ 
wenn man auf Glas oder Glimmer eine in ihrer Feinheit den 
Durchmesser der zu untersuehenden KOrperchen etwa um 
das Vierfache übertreffende Tbeifung macht, deren Striche 
sieb in rechten Winkeln schneiden, so dasa Quadrat« 
von gleicher Grösse entstehen, dann die Flüssigkeit scbIK- 
telt und eiden Tropfen davon auf der getheiiten Fläche unter 
schwacher Yergrösserung untersucht; man kann d^nn zäh- 
len, wie viel Körperchen auf 10, 20 oder 100 Quadraten 
liegen, und dadurch das normale Verhültniss sowohl ermll- 
teln, als auch Abweichungen von demselben nachweisen. 
Denselben Zweck erreicht man noch bequemer durch einen 
entsprechend geiheillen Mikrometer im Ocular und die nötbige 
Bereebnung des Verhältnisses. 

Feste organische Masse bedarf vov der Untersuchung* 
durch des Mikroskop einer mechanischen Zertheilung, indem 
man sie zerquetscht, schabt, zerschneidet mit dem Messer 
oder der Scheere, dünne Lamellen davon schleift, und so 
weiter, bis man Partikelchen erhält, welche an und für sich, 
oder in einem geeigneten Medium, oder durch Druck zwi- 
schen Glasplatten sich in einer hinreichenden Durchsichtig- 
keit zeigen. Die meisten Präparate dieser Art umgeben sich 
unter dem Deckplättehen schon mit einem Saume von Flüs- 
sigkeit, der aber nur selten binreiobt, oder Uar genug ist; 
in der Regel wird man einig» Tropfen Wasser oder einer 
andern Flüssigkeit zusetzen müssen, was am besten erst 
unter dem Mikroskope geschieht, damit man den Einfluss 
derselben auf des Präparat beobachten kann. Das schwie* 
rigste Momeni bleibt immer die Ausübung eines regulirlen 
Druckes auf das Präparat, welchen man je nach dem Appa- 
ratzu9tande, der Elasticitäi und Durchsichtigkeit desselben, 
bald durch blosses Auflegen ^es Deckplättcheus und allen« 
falls Andrücken desselben mittelst^ der Finger ^ bald durch 
eigene Apparate, die sogenannten Kompressorien oder Qüet* 
scher bewirkt. Das Kompressorium , wie es sein soll, ist 

Simon BeitrNge I. 2. 11 



158 U»b. d. Anwendung d. Hikroskopes. 

leider noch nicht erfunden und die bisher bekannt geworde» 
nen leiden noch ' an namhaften Uebelständen. Es wurde 
schon oben bemerkt, dass nur winzige Präparate unter ge- 
hörigem Drucke und mit der nölhigen Quantität Flüssigkeit 
leicht mehr als einen Quadratzoll auf dem Objectträger einneh- 
nlen; wenn daher mikrotomische Quetscher kreisrunde Glä* 
ser von 6 Pariser Linien Durchmesser haben, so ist das viel 
wx klein. Auch dUrfen die Gläser nicht über |'^' dick sein, 
damit man nöthigenfalls auch die stärksten Vergrösserungen 
dabei anwenden kann, und die Schrauben, welche den 
Druck auszuüben bestimmt sind, dürfen weder todten Gang 
oder eine unsichere stossweise Bewegung haben, noch auch 
durch ihre Lage und Drehung während des Druckes eine 
Störung in dem Parallelismus der sich nähernden Glasflä- 
chen bedingen, weil sonst bei einer gewissen Entfernung 
derselben durch Kapillarität die Flüssigkeit gegen einen 
bestimmten Punkt gezogen wird. Da * besonders, wo es 
darauf ankommt sehr kleine Körper einem Drucke zu unter- 
werfen, den man reguliren kann, bedarf man des QoeU 
Sehers am nothwendigsten und gerade in diesem FaUe lei- 
sten die vorhandenen Instrumente der Art so wenig« Man 
muss solche kleine Körper zu isoliren suchen, und um sie 
desto leichter wieder zu finden, in einer geringen Quantität 
Flüssigkeit auf den Quetscher bringen. Wie oben er- 
wähnt, wird ein solches Präparat, nachdem es zerdrüi^t ist, 
selten viel weniger als einen QuadrotzoU bedecken, auf 
diesem zerstreut befindet sich also der zu untersuchende 
Körper oder die Theile, in welche erjeerdrückt worden ist^ 
und weder die vorherige Lage noch die Qualität des Druk* 
kes lässt bestimmen, wohin sie geralhen, weshalb sie bei 
einer schwächeren Vergrösserung wieder aufgesucht werden 
müssen. Von den 144 Quadratlinien^ die ein Zoll liefern 
würde, bietet aber eine Oeflnung des Quetscher-Ringes woA 
&'* nur etwa 27 Quadrallinien, und da man nur durch die 
Mitte der Linsen beobadbtet, die stärkeren Vergrösserungen 
aber noch an der Seite überall anstossen und die Fassung 
mit der Linse etwa 3'^' im Durchmesser hat, wovon \*** 
höchstens auf das Sehfeld gerechnet werden kann , so geht 



Ueb. d. Anwendung d. Wkroskopes. 159 

jederaeilt vom Durchmesser noch 1''' ab, und die wirklich 
SU übersehende Fläche, welche man mit Recht wenigstens l|bis 
2 Quadfatzoil gross verlaDgen dürfte, reducirt sich auf 12 
Quadrallinien. Wenn femer die Gläser im Quetscher dau- 
ernd befestigt sind, so leiden sie auch bei vorsichtigem 
Gebrauche bald durch das Reinigen und werden blind, wo- 
mit das ganze, tfieure Instrument unbrauchbar geworden ist; 
liegen sie dagegen in Falzen, in welchen das obere durch 
Flniiss oder Wachs festgehalten wird, so darf die Entfer- 
nung zwischen beiden Platten nur ein gewisses Minimum 
erreichen und die untere Platte wird durch die entstehende 
Kafnüaranziehung aus ihrem Falze gehoben, zarte Objecto 
werden zerquetscht und es wird unmöglich in dem Drucke 
wieder nachzulassen, auf welche Leistung das Instrument 
doch eingerichtet sein soll. Mängel genug, um ihnen eine 
baldige Abhilfe zu wünschen. 

Der mikroskopische Roller dagegen, ein Instrument, durch 
welehes zwei Glasplatten vermittelst einer Schraube dicht 
über einander hingeschoben werden können, möchte wohl 
überflüssig sein und Alglich durch die Finger jedes nicht 
ganz Ungeübten ersetzt werden. 

Das mit Hilfe oben beschnebener Einrrchtnngen unter 
den geeigneten Verhältnissen auf dem Objektiische placirte 
Präparat bedarf nun noch einer zweckmässigen Beleuchtung, 
wozu unter dem Objekttische ein HoMspiegel angebracht 
isl, mit welchem mm das reflekttrte Sonnen-, Tages-, Lampen- 
oder Kerzenlicht in einem Strablenkegel gegen die Objektiv- 
linsen wirft. Stellt man ein Mikroskop vor den Fangspiegel 
ainee Sonnenmikroskopes und seine Sonoenlinse, so kann 
man durch Verschieben desselben die Spitze dieses Strah- 
lelikegels ant verschiedene Punkte in der Sehachse des In- 
strumentes richten, nnd wird finden, dass die dem Gesichts- 
Mde entsprechende 'Kreisfläche auf der weissen Wand am 
beRsfOD erieechtet ist, wenn man die Spitze jenes StraUen- 
kegels eben jenseit der Objektivlinsen, zwischen diese und 
das Sammelglas des Okulars, fallen lässt, und somit alle 
Lichtsirahlea noch konvergirend in das Instrument gelangen« 

11* 



1*60 Ueb. d. AnweDduDg d. Mikroskope». 

Um dasselbe beim gewöhnlichen Gebrauche des Mikrosko- 
pes zu erlangen, milsste der Beleuchtungsspiegel in der 
Richtung der Sehachse beweglich sein, um für die verschie* 
denen Objektivlinsen und ihre Kombinationen in der geeigneten 
Entfernung fixirt werden zu können. Man würde dann auch bei 
den- verschiedenen Beleuchtungsarten immer das Sehfeld, jo 
nach in den Mitteln gegebenenV^'rhältnissen, möglichst stark zu 
erleuchten im Stande sein, was die bisherigen Einrichtungen 
nicht immer zulassen. Für jedes Präparat ist aber eine so helle 
Beleuchtung keineswegs zulässig, und es muss dieselbe im 
Gegentheile in den meisten Fällen hinreichend gedämpft 
werden, um die schwachen Schatten durchsichtiger Objekte 
wahrnehmbar zu machen. Dazu benutzt man am zweck- 
mässigsten die Blendungen oder Diaphragmen: undurchsich- 
tige Scheiben, weidie Löcher von verschiedener Weite ha* 
ben und mit diesen unter dem Mittelpunkte des Objektti- 
sches bald nur horizontal, mitunter auch vertikal hin und 
her bewegt werden können. Für letztere sehr zweckmll« 
fsige Einrichtung hat Oberhäuser neuerdings seinen Instru« 
menten einen besondern Apparat hinzugefijgt, wo durch 
Hilfe eines mit der Hand zu dirigirenden Hebels eine Buchse 
in einem unter dem Objektlische angebrachten Rohre cen- 
trisch auf und ab bewegt werden kann; in diese Buchse 
werden von oben kleine Röhrchen gesteckt, weiche obeui 
dem Mittelpunkte der Objektivlinsen entsprechend, Oeffnun« 
gen von verschiedener Weite, bis zu ganz feinen Löchern, 
haben, die bis unmittelbar unter den Objektträger gedrückt 
und auch nun etwa einen Zoll wieder herunter gerückt 
werden können, und auf diesem Wege also beliebig grosse 
Portionen des von dem Hohlspiegel ausgehenden Strahlen- 
kegeis auffangen und dem Objekte immer nur das mittlere 
und weniger Seiteniicht zukommen lassen. In dieser Hin- 
sicht liefert der Apparat daher ähnliche Resultate, wie der 
Beleuchtungsapparat von Duj ardin, welcher dem Objekte 
nur parallele Lichtstrahlen zuführen soll, und die Wirkung 
auf die Schärfe des Bildes ist in der That sehr erwünscht; 
aber nun soll man, um die Röhre mit Löchern von ver- 



Ueb. d. AoweDduog d. Mikroskopes. 161 

icbiedeiier Weite zu vertauschen, jedesmal das vieUeicht erst 
eben mühsam aufgefundene Objekt wegnehmen, und nach- 
dem eine andere Röhre angesetzt ist, eben so mühsam wie- 
der suchen, und löuft zugleich Gefahr, wenn man den He- 
bel auch nur etwas zu weit niederdrückt, das Objekt gegen 
die LinsenCassung zu zerquetschen. Ausserdem ist noch zu 
beacbien, dass für manche Objekte ein schneiler Wechsel 
von Lieht und Schatten im Sehfelde höchst instruktiv ist, 
und diese Blendungen jeder horizontalen Beweglichkeit ent^ 
behren. 

Die Postulate für eine zweckmässige Einrichtung zur 
Abdämpfung eines zu starken Lichtes würden bei bewegli- 
chem B^ucbkmgsspiegel daher sein: eine undurchsichtige 
Scheibe^ deren Durchbohrung man auf jedem Punkte zw^ 
schem Hohlspiegel und Objekt jede beliebige Weite geben 
ond horizontal verschieben könnte. Auch eine solche Einrich- 
tung wird boffenüich bald von den Optikern erfunden werden. 
Es lässt sich aber das Licht auch noch auf andere Weise 
dämpfeui tbeils indem man schwach grün oder blau gefärbte 
Gläser einzeln oder mehrere auf einander über die Blendung 
legt, um zu starkes Sonnen- oder Lampenlicht so zu massi- 
gen, dass es nicht blendet; theils indem man das Licht von 
der Seite in das Sehfeld wirft, und letztere Einrichtung 
macbi vielleicht eine komplicirte Blendung ganz überflüssig« 
Man halie einen halbdurchsichtigen Gegenstand zwischen 
Glasplatten gegen den blauen Himmel oder eine weisse 
Wolke und betrachte nur feine Theile desselben, zum Bei- 
spiel die Maschen feiner Spitzen, Baumwolienfäserchen und 
dergleichen; dann werden die Lichtstrahlen gerade durch 
das Objekt gehen und in diesem geschwächt, gebrochen und 
abgeleitet werden* Nachher halle man hinter dem Objekt 
in geringer Entfernung einen schwarzen Körper, dann wer- 
den die Lichtstrahlen nicht durch das Objekt gehen, sondern 
von der Seite auffallen und gegen unser Auge refteklirt 
werden. Im letzteren Falle sieht man die feineren Theile 
eines halbdurchsichligen Gegenstandes viel deutlicher, weil 
dieselben Im ersteren Falle zu viel Licht erhielten, welches 
alle feineren Schatten verschwinden machte. Dasselbe lässt 



iS2 Ueb. d. Anwendong d. Mtkroskopes. 

sich onler dem Mikroskope ganz leicht bewirken^ wenn man 
riaen zweiten Hohlspiegel von längerer Brennweile neben 
das InsCmment auf den Tisch setzt und so richtet, dass die 
Spitze des von ihm ausgehenden Strahlenkegels oben über 
das Objekt f^llt. Die wenigen Versuche, welche ich bei Lam- 
penlicht mit diesem Verfahren erst habe austeilen können, 
lieferten sehr befriedigende Resultate^ und schienen nur den 
Bildern wenigstens eben so viel Schärfe zu geben, wie 
Oberhäusers komplictrter Hebelapparat. 

Die Beleuchtunng von unten mit direktem und gebro- 
chenem Lichte und von oben durch Sammellinsen und Hohl- 
spiegel und so weiter, bieten eines Theils keine Schwierig« 
keiten dar, und sind andern Theils Air die Chemie so un- 
aiditig, dass eine weitere Erörterung derselben hier tlber- 
wlssig erscheint. 

Die Bestimmung der wirklichen Grösse eines unter dem 
Mikroskope beobachteten Körpers kann am leichtesten durdi 
einen gut getheilten Glasmikrometer geschehen und zugleich 
durch denselben die Vergrösserung des Mikroskopes mit der 
angeschrobenen Linse oder LinsenkombinatioYi und Okular ge- 
funden werden, so wie auch der Durchmesser des Sehfeldes. 
Zeichnet man den zu messenden Körper und den Mikrome' 
ter neben einander bei demselben Abstände des Papiers 
vom Auge durch die Camera clara, so kann man alle VeÄält* 
nisse des gezeichneten Objektes mit dem Zirkel nachmes- 
sen, was sehr bequem und schneD zum Ziele führt, da man 
nur einer einzigen Mikrometertheilung bedarf, die aber so 
fein ist, dass sie den kleinsten Durchmesser des Sehfeldea 
nicht übertrifll; zum Beispiel ^^'^ Wird die Zeichnung einer 
solchen Theilung 2 Zoll gross <» 24'^S so ist die Vergrösserung 
720 fach, und ein Theii des daneben gezeichneten Objektes, 
welcher in der Zeichnung 1 Zoll misst, ist wirklich ^V** 
gross; 1 Linie in der Zeichnung giebt -,4V'S und V'^ '^ der 
Zeiehhung tat«"' in der Wirklichkeit an und so weiter. 
Andere Bestimmungsmethoden sind übrigens eben so genau 
und sicher; nur nicht so bequem wie diese: sehr wäre es 
jedoch zu wünschen, dass die Beobachter sich darin verei* 



Ueb. d. Anwendung d. MikroAopea. 163 

niglen alle Angaben in Brttoben der Pariser Linien mll dem 
Zähler 1 za machen, wie dieses schon oft ausgesprochen 
und von Manchem auch ausgeführt worden ist 

Um ^idttcb unter dem Mikroskope das Objekt der Ein- 
wirkung -chemischer Reagentien auszusetzen, bedarf es eioi- 
ger Yorsicbtsmassregeln, um das Instrument, selbst gehörig 
EU schützen und die Einwirkung der Stoffe auf einander 
langsam und unter den Augen des Beobachters zu veran- 
lassen. Unter den dazu gebrauchten Instrumenten bleibt, 
da fast alle Reagentien Flüssigkeiten sind, das wichtigste 
die Pipette, oder in eine feine Spitze ausgezogene Giasröbr- 
chen von ungefähr Federkiel -Dicke, deren oberes Ende of* 
fen und so platt ist, dass' es durch den aufgelegten Zeige- 
finger luftdicht gemacht werden kann. In die feine Spitze 
eines adches Rdhrchens saugt sich, wenn sie vorher durch 
Wasser angefeuchtet ist, ein Tropfen Flüssigkeit, welcher, 
indem man in dem oben offnen Ende mit dem Munde hin- 
einbUlst, leicht wieder entfernt wird; man kann damit also 
lekiA Tropfen von jeder Grösse auf den Objektträger brin- 
gm, oder diese mit den etwa darin enthaltenen Körper- 
ohen von demselben wieder aufsaugen; indem man das 
obere Ende verschhesst, kann man solche Tropfen in jeder 
beliebigen Tiefe und vom Boden eines GefÜsses aus einer 
Flüssigkeit heraufholen, und wenn man geschickt den Fin- 
ger bald etwas zu lüften, bald wieder fest anzuschliessen 
versteht, indem man ihn mehr zur Seite verschiebt als auf- 
hebt, so kann man selbst von verschiedenen Stellen nach 
einander etwas Flüssigkeit in die Röhre dringen lassen und 
auf den Objektträger übertragen. Ueberhaupt muss man 
aber für jedes Präparat die geeignete Quantität Flüssigkeit ha- 
ben, und sowohl eine Vermehrung wie eine Verminderung 
geschieht am bequemsten durch die Pipette; ja man kann 
mit derselben Eörperchen, welche mit der Loupe schwer 
zu unterscheiden sind, aus einem Tropfen unter schwacher 
Vergrösserung , bis zu 100 fach, nach Belieben herausneh- 
men, um sie für den Quelschcr und so weiter zu isoliren, 
indem man den Tropfen auf dem Objektträger in einer dün- 
nen Schicht ausbreitet und dio Spitze der Pipette dicht über 



164 Ud». d. Anwendung d. llikroskopes. 

dem Gegenstand, welchen man zu isoliren wünscht, unier 
das Mikroskop bringt, welcher dann in dem Augenblid^e, 
wo man die Spitze in die Flüssigkeit taucht, mit dem kleinen 
Strome in die Pipette dringt. Man kann endlich mit der 
Pipette jedes Reagens an das Präparat bringen, -während 
man dasselbe beobachtet, wenn man den Tropfen zur Seite 
unter das Deckplättchen fallen lässt; wo er von selbst aa 
das Präparat dringt und durch Verschiebung des Deckplätt 
chens sich mit der Flüssigkeit, welche das Object umgiebt, 
vermischen lässt, ohne dass man Gefahr läuft, die Flüssig- 
keit selbst oder ihre Dämpfe mit den Linsen in Berührung 
kommen zu sehen. 

Die oben ausgesprochenen allgemeinen Grundsätze und 
die ihn^i folgende Erläuterung über die Hilfsmittel, welche 
uns zu einer mikroskopiischen Untersuchung zu Gebole ste- 
hen, genügen, wie ich hoffe, die Nothwendigkeit einer viel* 
seitigen Besprechung des Gegenstandes darzuthun. Möchten 
Viele, und namentlich erfahrene Praktiker, sich dadurch an- 
geregt fühlen, und mich befähigen, um so gründlicher in ei- 
nem zweiten Artikel die Grundsätze entwickeln zu können, 
welche bei der Deutung und dem Festhalten des Gesehenen 
leiten müssen. 



Ueber die Zusamftiensetzting einiger Stickstoff^ 
iFerbindungen des thierischen Körpers. 



(Auszttge.) 

1) Schleim. 

Ueber die elemenfare ZusammeDsetzung des Schleims*) 
hat Dp. G. Kemp Untersuchungen angeslellt, (Annal. d. 
Chemie u. Pharmac. B. 43. Hft. i.) die von Interesse sind, 
da 'wir dadurch eine Vorstellung von der wahrscheinli- 
chen Zusammensetzung dieses Sekretes und seiner Bildung 
aus dem Albumin bekommen; indessen muss immer woU 
dabei ins Auge gefassi werden, dass der Schleim, wie un- 
ten bemerkt, ein Gemisch ist. Es wurde zu den Untersu- 
tfinngen der Schleim der Ochsengallenblase genommen; 
man Jiess die Galle ausfliessen, fing die letzte gelatinöse 
Portion fUr sich in ein Glas auf, welches ein Gemisch von 
gleichen Theilen wasserfreien Alkohols und Wassers enthielt; 
die entleerte Blase wurde der Länge nach aufgeschnitten, 
der auf der Schleimhaut sitzende Schleim mit einem Hesser 



^) Der Schleim ist ein zusammengesetztes Sekret aus Schleim- 
körperchen und Schleimsafl bestehend. Wenn die Schleimkörper- 
chen mit dem Schleimsaft nicht chemisch identisch sind, was 
nicht wahrscheinlich, so muss die Zusammensetzung des Schleims 
je nach dem Vorwalten des einen Bestandtheils verschieden seiOt 



2. 


3. 


52,46 . 


52,25 


7,64* . 


7,83 


14,46 . 


14,84 



166 Ueb. d. Zusammensetz, einig. Stidcstoffverbind. etc. 

abgestrichen und dem ersteren hinzugefügt. Der mit Alkohol 
geschüttelte Schleim ^urde dann auf einem Fillrum mit 
Aether behandelt, wodurch Fett und Cholesterin entfernt wur- 
den imd endlich so lange mit verdünntem Alkohol gewaschen, 
bis dieser farblos durchlief und von salpetersaurelu Silber- 
oxyd nicht mehr getrübt wurde. Der so behandelte Schleim 
wurde bei + 100 * G. getrocknet, wobei die feucht grau 
gefärbte Masse olivengrün wurde. 
Die Elementaranalyse ergab: 1. 

Kohlenstoff .... 52,54 . 

Wasserstoff .... 7,95 . 

Stickstoff .... 14,33 . 

tZ^l ■ ■ ■ ==■« • "'*' ■ ^*» 

Asche wurde in 2 Bestimmungen 10 f erhalten. 
W«in man die Zusammensetzung des Schleims mit der 
des Protelfns vergleicht, so zwar, dass man in beiden gleiche 
Atome (48) Kohlenstoff annimmt, so lässt sich die Tormel 
des ScUeims mit G48 Htb Nu O17 ausdrücken, woraus sich 
dann die prooentische Zusammensetzung 

Kohlenstoff . . 62,84 
Wasserstoff . . 7,09 
Stickstoff . . . 15,40 

Sauerstoff j «i ä7 * 

Schwefel { ' ^^'^^ 
berechnet. Beim Vergleichen der Formel des Schleims vq^ 
der des ProteKn findet man: 

Schleim as G48 H78 N» On 
Protein tg G4a H?» Nn Qu 

dass Schleim Protein ist, zu welchem 3 Atome Wasser ge- 
treten sind. 

Man hätte dann folgende Reihen: 
Protön ..... G« Hra Nia Oi4 
Proteen + 2 At. Aq. G48 H76 N^ Oie mittl. Arterienhaut 
ProleYn + 3 At. Aq. G48 H78 Nn On Schleim, 
in welcher noch das eine Glied, nämlich Prolein + 1 At» 
Aq. gefunden werden muss. 



Ueb. d. Znsammenselz. einig. StidüloffVerbiod. eio. i67 



Kemp macht auf die nahe Verwandtschaft des 
mit der mittleren Arterienhaut hinsichtlich ihrer Zusammen- 
Setzung aufmerksam, und bemeiiit, dass bei Entzündung 
von Schleimhäuten, besonders des Darmkanals, der Blase, 
Harnröhre, nicht selten Stücke einer dichten flockigen Sub> 
stanz geftmden werden, die der mittleren Arterienhaut glei« 
eben, mit dem unterschiede, dass keine Fasern darin wahr- 
genommen werden können. Eben so bieten Bronchialpoly* 
pen und Pseudomembrane, bei der Bräune Fälle von der 
Bildung dichter Massen, wahrscheinlich veränderten Schleims 
dar, welche die Gestalt der Theile, von denen sie gebildet 
wurden, beibehalten haben und die eine ansehnliche Elasti- 
dtät besitzen, obgleich sie wie die mittlere Arterienhaut im 
Yerfaältniss zu ihrer Festigkeit nur schtvach sind.*) 

Kemp schloss den mit Alkohol erhitzten Schleim mit 
Wasser in eine starke Röhre ein und setzte diesen einer 
erhöhten Temperatur aus; bei + 120 * fing der Schleim an 
aufzuquellen, bei 4- 180 bekam die Flüssigkeit eine sehwache 
Färbung, bei -f 2iO ging die Auflösung rasch von Statten, bei 
213 versprang die Röhre. L Gmelin und Wöhler haben 
bekanntlich beobachtet, dass coagulirtes Albumin in eine 
Röhre mit Wasser eingeschlossen und erhitzt sich schon 
bei 200 * löste. Der Schwefdgehalt des Schleims wurde 
von Kemp nicht bestimmt. 

2) Pepsin. 

Vogel ]ua in München (Joum. de Pharm, et de Ghem. 
Oktt>r. 1842.) hat mit dem Pepsin eine Elementaranalyse 
angestellt. Er stellte das Pepsin auf ähnliche Weise aus der 



^) Ich habe einige Mal solche Massen untersucht und fand, 
dass die aus den Bronchien, aus der Harnröhre, und ebenso die 
Pseadomembranen beim Croup, eine solche L'äDgefaserung zeig- 
ten wie das geronnene Fibrin. Beim anhaltenden Digeriren mit 
Essigsäure lösten sich die Hassen vollständig und wurden durch 
Blutlaugensalz aus der sauren Lösung gefaltt. Es möchte also 
wohl wahrscheinlich sein, dass diese Massen durch Austreten 
plastischer sehr fibrinreicher Lymphe entstehen. F. S. 



168 Ueb. d. Kosamitfensetz. einig. Stieksioffverbiiid. etc. 

ScbleoD- imd Drüseotaaut von SchweiDen dar wie Wass- 
mann; dieselbe wurde zerschnitten mit destiHirtem Wasser 
24 Stunden in Berührung gelassen, das abgegossene Wasser 
durch neues ^ersetzt und hiermit so lange fortgefahren, bis 
Fäuhiiss eintrat. Zu der wässrigen Lösung fügte man essig- 
saures Bleiozyd,. wodurch eine Verbindung des Bleisalzes 
mit Pepsin und AliHimin gefällt wurde, die man durch eineu 
Strom v(m Schwefelwasserstoffgas zersetzte und dann filtrirte. 
Die erhaltene Lösung enthielt Pepsin und Essigsäure und 
besass die Kraft, mittelst einer geringen Menge Cblorwasser* 
Sioffsäure zu verdauen, im hohen Grade. Die Lösung des 
Pepsin wurde verdampft und durch Alkohol ein essigsaure- 
balliges Pepsin in weissen reichlichen Flocken niederge- 
schlagen, das seine Essigsäure nur beim anhaltenden Erhitzen 
im Wasserbade abgiebt Hit dem auf diese Weise darge- 
ilelUen Pepsin bat Vogel jun. die Elementaranalyse vorge* 
nommeUi nach welcher dasselbe besieht aus: 

Kohlenstoff . . 57,718 

Wasserstoff . . 5,666 

Stickstoff . . . 21,088 

Sauerstoff . . 16,064 
Diese Zusammenstellung weicht wesentlich von der des 
Protetn ab. Entwickelt man. die Formeln so, dass sie sich 
mit der von Lieb ig Tür das Protein gegebenen vergleichen 
lässt, indem man 57,718 Kohlenstoff b C46 setzt, so erhält 
man C48 H«3 Nj6 Oio und vergleicht man diese Formel 
mit der des ProteYos dn Bn Nia Oh« so müsste man 
anndimen, dass aus Protein, um Pepsin zu bilden, 4 At. 
Wasser ausgetrocknet und 4 At. Stickstoff zugekommen waren. 
3) ProteYn, Glutin und Chondrin, (AnnaL d. Chem. 
u. Pharmacie.) 

Schon vor einigen Jahren hat Mulder gezeigt, dass das 
ProteYn mit Sauerstoff in Verbindung treten kann, und es 
sind von ihm ein Oxyprotein, durch Behandeln der Chlorpro« 
ie'fnverbinduogen mittelst Ammoniak, dargestellt worden. Die 
Untersuchungen dieser Verbindungen bestäligleu, die von Mul- 
der schon früher aufgestellte Formel füi* das ProteYn, näm- 
lich .C40 H62 Nio On. Schröder bat die Silberverbindung 



Ueb. d. Zusammenseiz. einig. Stickstoffverbind, etc. 169 

und die BIeiveH)iDduDgen des ProteYntriCoxydes bekofs der 
Festsiellimg des Atomgewichts dieser Verbindung in der 
ueuem Zeit untersucht, und gelangte zu derselben Formel, 
welche Mulder aufgestellt hat, nämlich C40 ^ei Nio O15 
+ H2O, so dass sich also auch hieraus wieder die Zusam- 
mensctzung desProleYns, wie sie von Mulder angenommen 
wurde, ergiebt. Dr. v. La er hat nachgewiesen, dass aus 
dem Hörn eine Verbindung des ProteYns mit Sauerstoff erhal- 
ten werden kann, welche dem Bioxyde des Proteins ent- 
spricht. Der Stoff, welchen Bourchardat aus dem Fibrin 
erhalten haben wollte und den er Gelatin nennt, (siehe wei* 
ter unten) ist nach Mulders Mitlheilungen weiter nichts, 
alsProteYntritoxyd; diese Verbindung des ProteYns mit Sauer« 
Stoff findet sich nach Mulder immer im Blute, durch Sauer- 
stoffaufoahme des ProteYns in den Lungen, daher sie auch 
imEntzündungsblute, welches mit dem atmosphärischen Sauer« 
Stoff in vermehrte Wechselwirkung tritt, in grössrer Menge 
enlhallen ist, und einen Theil der EntzUndungshaut des Blutes 
ausmacht; dieseJbe Substanz bildet sich in grosser Menge 
beim Kochen von Eiweiss oder Fibrin, unter Zutritt der 
atmosphärischen Luft: Es ist gar nicht unmöglich, dass noch 
andere Sauerstoffverbindungen des Proteins existiren und 
die Kenntniss von diesen Körpern mu^s, wie es sich von 
seihst versteht,' für die Erklärung der Lebensprozesse in 
Fo(ge der Wechselwirkung- des Sauerstoffs mit derjenigen 
Materie, welche den Btidungsstoff für die verschiedenen Or- 
gane abgtebt, von der grössten Wichtigkeit sein. Schröder 
und. van Goudoever haben auch neue Untersuchungen 
über die Elementarzusammensetzung des Chondrtns und 
LeJms angestellt, hauptsächlich um zu «itscheiden, welche 
Yon den für diese den thterischen Körper eigentbiimlioh an* 
gehörenden Stoffe gegebenen Formeln oder Ausdrücke (vergl. 
Seite 60. d. Beitr.) die richtige sei. Schröder erhielt bei 
der Untersuchung des Ghlorchondrin aus dem ganz -farblosen 
Rippenknorpelleim von Kühen, durch Hindurchleite|n eines 
Stromes Ghlorgas durch die wässrige Lösung bereitet , Ra* 
snitate, weiche zu der Formel G33 Hsi Ns Ou GI9 Ahr« 
teo, wodurdi die von Muld er -angenommene Formel für 



170 Beb. d. ZuBammensetz. euug. Slicluloffveii>iild. eta 

das dioDdrin besUaigi wird. Von Goudoever hat Fisch* 
leim, der aus seiner wässrigen Lösung durch Alkohol nie- 
dergeschlagen wurde, keine wägbare Spur Asche hinterliess 
und vor dem Verbrennen mehrere Stunden bei + 100, als- 
dann aber in einemirockenen Luftstrom bei + 120 getrocknet 
wurde, untersucht; es seigte sich bei der Bestimmung durch 
Verbrennen erhaltenen Wassers, dass der von Goudoever 
in trocknem Luftstrom entwiisaerte Leim noch eine gewisse 
Menge Wasser verloren hatte; der Wasserstofl^ehalt fiel ge- 
ringer aus, als nach Sehe er er 's Untersuchung. Die erhalte- 
nen Resultale bestätigten die von Mulder für den Leim an* 
genommenen Formel Gia Hm N4 O5 , hiermit stimmen auch 
die Untersuchungen des chlorigsauem Ldms ttberein, aus 
welchem Mulder die Formel 4 (Gi» H20 N4 05)+ ^^ 
03 entwickelte. Goudoever analysirte den Leim, welcher 
durch 558ttindiges Kochen der von unlöslkhen Theilen be- 
freiten Hausenblasengallert in die nicht gehitintrende Modi- 
ikation umgewandelt worden war, die verdampfte Leim- 
flttssigkeit gelatinirte nicht und konnte nach dem Trocknen 
zu einem weissen Pulver gerieben werden, welches sich in 
Wasser mit Leichtigkeit auflöste. Die Analyse dieser Sub- 
stanz führte zu dem sehr interessanten Resultate, dass diese 
Modifikation des Leims der so eben erwähnten chlorigsaureo 
Verlrindung entspricht, sie ist lUlndich b .4 (C13 H^ N4 
O5 ] + H2O, so dass also der Leim beim andauemden Ko- 
chen auf 4 Atom Glutin 1 Aeq. Wasser aufoimmt; der gela- 
tinirende Leim wäre also a Cn Hm N4 Of , der nicht 
geialinirende Gsa Hs» N10 Oai. 

4) Fibrin. 

Ueber die Zusammensetzung des Fibrins theik Bour> 
chardat (Gomptes Rendus 1842. T. 24. N. 25.) folgende 
B9K>bachtung mit« Wenn man das durch Schlagen gewon- 
nene Fibrin oder die von Blutkörperchen und eingeschlos- 
senem Albumin befreite Grusta pfalogistica mit dem 3 
oder 4 fachen Gewicht Wasser bis zur Hälfte gelind ehikoehti 
so erhält man eine Flüssigkeit, die beim Erkalten dick wird 
oder selbst zu einer Gallerte gesteht; in dieser FItissigkeit bt» 
wirkt vorsichtig hinzugefügte Salpetersäure kaum eine Trü- 



Ueb. d. Zosammenaeiz. einig. StidutoUVerbind. eic 171 

boDg, Queduilberchlorid aber und Gerbstoffltaimg eiveugen 
sehr stalte FäUungen; das Fibrin des Blutes enthfilt mitbin 
Glutin; die Menge desselben ist variabel, geringer in dem 
Blute des gesunden Menschen, grösser im £ntzündungsbiute. 
(Verglewhe die vorhergehenden Bemerkungen von Mulder.) 
Ausser dem Gelatin und dem Fett enthält das Fibrin noch 
Tsvei andere Substanzen, welche man durch die Einwirkung 
sehr verdünnter Säuren auf das feuchte Fibrin erhält; wenn 
man dieses in Wasser -legt, welches mit 0,0005 seines Ge« 
wichls Salzsäure versetzt ist, so schwillt dasselbe sogleich 
auf und wandelt sich in eine gelatinöse und ausserordent- 
lich vohuninöse Masse um; durch eine länger fortgesetzte 
Maceration wird der gröate Theil des Fibrins gelöst, aber es 
bleibt immer noch eine gewisse Menge ungelöst und diese 
enibäft ausser dem Fett noch eine Substanz, welche Bour- 
chardai mit dem Homstoff (Keratin) für identisch hält und 
der er den Namen £pidermose beilegt; die Menge ders(Blben ist 
gering und es hält sehr schwer sie von der schleimigen 
Flüssigkeit abzuscheiden, in welcher sie sich aufgeschwämmt 
findet Diese Flüssigkeit selbst enthält nun eine dem Eiweiss 
sehr ähnliche Materie, welche Bourchardat Albuminose 
nennt; die Flüssigkeit wird durch einen Ueberschuss von 
ChiorwassersiDffsäure und Salpetersäure reichlich gerallt und 
-beun Erhitzen unter Abscheidung leichter Flocken getrübt, 
woM aber noch der grösste Theil der Substanz gelöst bleibt^ 
denn beim Verdampfen der nüssigkeit bleibt ein durch* 
scheinende schwadi gefärbter Rückstand; Quecksilberchto- 
rid, Blutlaugensalz und Gerbestoff erzeugen starke Fällungen 
in dieser säuerlichen Fibrinlösung; in Bio t 's Polarisations- 
apparat bewirkte diese Flüssigkeit eine Abweichung nach 
links; die säueriiche Lösung des Fibrins enthält neben der 
Albuminose auch noch Gelatin. Andere verdünnte SäureUi 
wie Mflch-,. Essig-, Schwefel- und Phosphorsäure, wirken 
ganz ebenso wie die Salzsäure. Wenn man das aus 
dem Weizen bereitete Glutin, so yrie oben angegeben, mit 
sehr verdünnter Salzsäure behandelt, so löst es sich nach 
und nachy und die Lösung verhält sich ganz so wie die 
säuerliche Lösung der Albuminose ; auch bei Behandlung des 



172 Ueb. d. Zusammensetz. einig. SticMtoffverbind. etc. 

Bltitserums auf gleiche Weise erhält man dieselbe Flüssig- 
keit und ebenso bei Behandlung des Käsestoifs aus derlfiloh.*) 



*) Ich erhielt bei einem ähnlichen Behandeln des Fibrins 
ähnliche, aber nicht ganz gleiche Resultate. Fibrin 48 Stunden 
mit Wasser gekocht gieht an dieses einen Stoff ab, d&r beim 
Verdampfen des Wassers Dicht gelalinirt, sondern e:itraktivarlig ein- 
trocknet. Nach dem Eintrocknen stellt er eine spröde, gelbliche, 
im Bruche glanzende Masse dar, die sich in Wasser leicht auf- 
löste und aus der concentrirten Lösung durclr Alkohol in weissen 
Flocken gefällt wurde. Diese Flocken lösten sich leicht in Was- 
ser und in dieser Lösung brachten concentrirte Mineralsäuren 
schwache Fällungen hervor; stark wurde dieselbe von -Gerbsäure, 
Plattncblorid und Quecksilberchlorid gefällt, aber auch Kaiiumei- 
aencyanür bewirkte eine schwache Fällung. Dieser Stoff verhielt 
sich dem nicht gelatinirenden Leim ähnlich, dem eine geringe 
Menge einer ProteXnverbinduung beigemischt war. Da ich das 
Kochen zu verschiedenen Malen unterbrochen und die jedesmal 
gewonnenen Flüssigkeilen verdampft hatte, so konnte sich nicht ein 
etwa gelatinireuder Leim in nicht gelatinirenden durch zu langes 
Kochen umgewandelt haben. Beim Digeriren von frischem, feuch- 
tem, ausgewaschenem Fibrin mit sehr verdünnter Salzsäure erhielt 
ich nach einigen Tagen eine Flüssigkeit, die stark auf Albumin 
reagirte, aber nicht beim Kochen gerann. Concentrirte Säuren, 
verdünnte schwache Alkalien, Metallsalze, Kaliumeisencyanör 
bewirkten Niederschläge oder Trübungen. Was. sich vom Fi- 
brin nicht gelöst hatte, (Bo.urchardats Epidermose) hatte 
Aehnlichkeit mit dem Keratin. Es löste sich nur schwierig in 
beisser Salzsäure, färbte diese aber blau. In Kalilauge löste es 
sich auch erst nach längerem Digeriren, aus der Kalilösung 
wurde es durch Salzsäure gefallt und dann im Ueberschuss von 
Salzsäure leichter gelöst, als der nicht mit Kali behandelte Stoff; 
in dieser Lösung brachte Kaliumeisencyanür kaum eine Trübung, 
Gerbsäure aber eine starke Fällung hervor. 



Heber die Menge der in 24 Stunden von dem 
Mensclien ausgeathmeten Koblensaure. 

(Auszog aas den Annalen für Chemie und Pharmacie.) 



Scharling hat sehr wichtige Untersuchungen über die 
Menge der in 24 Stunden ausgeathmeten Kohlensäure ange- 
stellt*) Aus den erhaltenen Resultaten berechnet derselbe, 
dass ein 35jähriger Mann von 131 (dänisch) Pfund in 24 



*) üntersucbungen dieser Art, sq sehr wichtig sie für Phy 
slologie und Pathologie sind, finden in der Wahl zweckmässiger 
Apparate zum Auffangen der ausgeathmeten Luft, welche Appa- 
rate weder die Person, mit welcher man experimentirt, geniren 
noch das Athmenholen erschweren dürfen, das grösste Hinder- 
niss; Scharling hat dies, wie ich glaube, sehr zweckmässig 
überwunden. Die Personen, mit welchen die Versuche angestellt 
wurden, begaben sieb in einen hölzernen Kasten von etwa 30 
Kubikfüss Inhalt, dessen Fugen sehr genau yerklebt waren, dessen 
Deckel aufgeschraubt und ebenfalls durch Kitt vor dem fiindrin* 
gen der Luft geschützt wurde; in dem obem Theii des Kastens 
warea 3 Röhren eingepassl, welche erst in Flaschen mit Schwe- 
felsäure guigen, sodann m Flaschen mit kaustischem Kali, in der 
Schwefelsäure wurde die Feuchtigkeit, von der kaustischen Kalilai^ge 
die Kohlensäure zurückgehalten; in der unlem Seite des Kastens 
war von aussen Liebig's Kaliapparat durch ein Loch mit dem 
innem Raum in Verbindung gesetzt; die Luftcirkulation in dem 
Kasten wurde durch ein Stückfass voll Wasser hervorgebracht 
und das Ausströmen des Wassers gehörig regulirt; es wurde 
unmittelbar vor und nach dem Versuch die Menge der Kohlen- 
säure im Kasten selbst bestimmt; die Temperatur wurde mit 2 
Thermomelern beobachtet; meistentbeils blieben die Personen 
1 Stunde in dem Kasten, bisweilen aber auch kürzere Zeit. 

Simon Beilr)»ge 1. <• 12 



174 Ueb. d. Meoge d. aasgeathmet Kobleodäure. 

Stunden ii Loih 171 Gran Kohlensäure aasaibmet; ein 16jäh- 
riger junger Mann von 115^ Pfd. athmet in gleicher Zeit 
i6 Loth 1 Gran Kohlensäure aus; ein 28jähriger Qardesol- 
dat von 164 Pfd. athmet 16 Lolh 17 Gran aus; eine ISjäh- 
rige Dienstmagd von 111^ Pfd. athmet 11 Loth 29 Gran aus; 
ein 9jjäbriger Knabe von 44 Pfd. athmet 8 Loth 222 Gran 
aus; ein IQjähriges Mädchen von 46 Pfd. athmet 5 Loth 92 
Gran aus. Das Maximum der ausgeatbmeten Kohlensäure 
findet nach der Hauplmahlzeit statt, das Minimum in der 
Nacht; Hunger und Ruhe vermindern, Sättigung und Bewe- 
gung vermehren die Menge der Kohlensäure. Das YerhäU- 
niss der in der Nacht zu der am Tage ausgeatbmeten Koh- 
lensäure stellt Scharling wie 1 : 1,237 fest. Das Mit- 
tel des grössten Minimum zum Maximum der ausgeatbme- 
ten Kohlensäure verhält sich zu 1,616. Berechnet man nach 
dem Gewichte der Personen die Menge der ausgeatbme- 
ten Kohlensäure, so ergiebt sich, dass Kinder verbältniss- 
mässig mehr Kohlensäure als Erwachsene ausathmen. Männ- 
licbe Personen athmen mehr Koblenstoff aus. als weibliche. 
Zu verschiedenen Tageszeilen athmet der Mensch verschie- 
dene Mengen Kohlensäure aus, vorzüglich scheint dies von 
der ungleichmässigen Bewegung des Blutes abzuhängen; in 
einzelnen Fällen des Unwohlseins athmet der Mensch weni- 
ger Kohlensäure aus als im gesunden Zustande. 

Auch von Andral und Gavarret sind Untersuchung 
gen über die ausgeatbmete Kohlensäure angestellt worden. 
Diese Forscher haben, wie ioh glaube, die Bedingungen, Re* 
sultate, welche von dem Einfluss des Experimentes unab- 
hängig sind, zu erhalten, weniger als Scharling erfüllt 
Sie Hessen durch eine eigenthUmlich vorgerichtete Gesichts- 
maske athmen; die ausgeathmete Luft wurde unmittelbar in 
Recipienlen zur Analyse geführt. Die Resultate sind folgende : 
die Menge der ausgeatbmeten Kohlensäure ist verschieden nach 
Alter, Geschlecht, Konstitution. Mann und Weib unterschei- 
det sich in den verschiedensten Lebensepochen durch ver* 
schiedene Mengen ausgeathmeter Kohlensäure. Beim Mann 
nimmt die Menge der Kohlensäure mit dem zunehmenden 
Alter bis zum 30ten Jahre zu; von da nimmt sie ab, bis sie 



Ueb. d. ZiisairaiieiisalaL d. Bhites einig. Ham-Thiere elc. 175 

im Aller auf eine Menge, gleieh der im lOlen Lebensjahre zu- 
rückkommt. Beim Weibe findet bis zur Pubertät ein glei- 
ches Yerhältmas statt; mit der Menstruation hört die Zunahme 
der KoUensäüre auf. Bei Unterdriickimg des Menses steigt 
die Menge der Kohlensäure. Im höheren Alter nimmi sie 
wie beim Manne ab. 



lieber die ZusammeiiMtziinig des Blutes einiger 
Haus-Tbiere im gesunden und kranken Znstande 



von 

Amärml, Gmwtantei, Delafand nad Masse. 

(Auszug mit eimg«! Bemerkungen des Redakteurs.) 



AndraJ und Gavarret haben frtther, wie bekannt» 
eine grosse Reibe von Untersuchungen mit dem Hute des 
Menschen in Krankheiten angestellt, deren hauptsächlichste 
Resultate sicn in dem n. Theiie von Simons mediz. Chem. 
befinden; sie haben nun später in Verbindung mit Delafond 
(Anna), de Chem. et de Phys. T. v. JuUl. 1842.) das BIul 
einiger Hausthiere zum G^enstand der Untersuchung ge- 
macht und nach ihren Angaben 222 Untersuchungen mit 
dem Blute von 155 Thieren angestellt, so zwar, dass 41 mal 
das BIul von Hunden, 31mal das von Pferden, llOmal das 
der Scbaafe, 2mal das Blut der Ziegen^ 23mal das der Och- 
sen und Kühe und 7mal das Blut von Schweinen uatersueht 
worden ist» 

Es sollen hier zunächst, um eine Ansicht von der Mischung 
des Blutes der verschiedenen Thierra^en zu geben, die 
tfaxima, Minima und die Mittel aus den grösseren Reiben 
von Untersuchungen mitgetheilt werden, wobei jedoch noch 
einmal auf die Methode hingewiesen wird, deren sich A. 
und 6. bedimtan und deren Kritik sich ebenfalls im II. Bd. 
von Simons Chemie befindet. 

12* 



176 Ueb. d. Zusammenselz. d. Blutes einig. Haufl-Thiere eto. 

Atts den Untersuchungen mit dem Blute von 17 Pfer* 
den ergab sich: 

Mittel . 4,0 Fib. 102,9 Blutkörp. 82,6 8erumrÜckst810,oWas8. 
Maximum 5,0 „ 112,1 „ 91,0 „ 833,3 „ 

Minimum 3,0 „ 81,5 „ 74,6 „ 795,7 „ 

Aus den Untersuchungen mit dem Blute von 14 Stüek 
Rindvieh ergab sich: 

Mittel . 3,7 Fib. 99,7 Blutkörp. 86,3 SerumrUckst 810,3 W. 
Maximum 4,4 „ 117,1 „ 63,6 „ 824,9 „ 

Minimum 3,0 „ 85,1 „ 82,9 „ 799,0 „ 

Die Mittel aus dem Blute von 6 Zuohochsen (1.) und 
von 6 Milchktthen (2. ) differiren nicht wesentlioh von eioan* 
der, wie nachfolgende Zahlenwerthe zeigen: 

1. . 3,6 Fib. 97,4 Blutkörp. 85,8 SerumrUckst. 813,2 W. 

2. . 3,8 „ 101,9 „ 86,8 „ 807,5 „ 
Aus den Untersuchungen mit dem Blute von 6 Schwei« 

nen englischer Race ergab sich: 

Mittel . 4,6 Fib. 105,7 Blutkörp. 80,1 Serumrückst. 809,6 W. 
Maximum 5,0 „ 120,6 „ 88,7 „ 816,9 „ 

Minimum 4,1 „ 92,1 „ 73,6 „ 793,9 „ 

Das Bhit von 2 Ziegen ergab: 
Mittel . 3,2 Fib. 101,4 Blutkörp. 91,4 „ 804,0 ,, 

Maximum 3,5 „ 105,7 „ 92,0 „ 809,2 „ 

Minimum ifi „ 97,2 „ 90,8 „ 798,8 . „ 

Verschiedene Racen von Schaafen gaben wenig abwei- 
chende Resultate in der Mischung ihres Blutes. Von 19 
Schaafen von der Race Rambouillet ergab sich ein 
Mittel . 3,1 Fib. 98,1 Blutkörp. 83,5 SerumrUckst. 815,3 W. 
Maximum 3,8 „ 109,6 ,, 96,6 „ 830,3 „ 

Mmimum 2,6 „ 82,5 „ 74,7 „ 808,7 „ 

Von 11 Schaafen, gekreuzt, der Race Naz-RamboniUeC 
wurden erhalten. 

Mittel . 2,8 Fib. 106,1 Btalkörp. 80,3 Serumrückst. 810,8 W. 
Maximum 3,4 „ 123,4 „ 87,7 „ 827,2 „ 

Minimum 2,3 „ 94,6 „ 74,7 „ 789,8 „ 

Aus sfimmtlichen 30 ergab sich ein 
Mittel von 3,0 Fib. 101,1 Blutkörp. 82,4 Serumrückst. 813,5 W. 

Das Blut der Widder, (1.) scheint von dem derSchaafe 



Ueb. d. ZtidamtnensetE. d. Bhitos einig. Hms-Thiere e4c. 177 

(2.) fast gar nichi abzoweieheD, wie naobstebende 2 Mhr 
tel zeigen: 

1. . 3,1 Fib* 99,9 Blutklhrp. g2,9 Serumrttckst. 814,1 W. 

2. • 3,0 „ 101,4 „ 82,3 „ 813^3 „ 
Abweichender hiervon zeigt sich das Blut der Schaafe 

englischer Race, man erhält von 13 Thieren: 
Mittel . 2,6 Pib. 95,0Blallctfrp. 92,4 SerumrUckst 810^0 W. 
Maximum 3,3 „ 110,4 „ 97,0 „ 822,1 „ 

Minimum 2fi „ 83,8 „ 82,6 „ 795,3 „ 

Auch finden sieh hier in der Mischung des Blutes der 
Widder (!•) und der Schaafe (2.) grossere Unterschiede, 
wie bd den Merinoschaafen« und »war: 

1. . 3,0 Plb. . 92,6 Blutkdrp. 94,0 Serumrttcks. 810,4 W. 

2. . 2,6 „ 95,7 „ 91,9 „ 809,8 „ 
Aus dem Blute von 16 Hunden erhält man: 

Ifittel . 2,1 Pib. 148,3 Blutkörp. 75,5 Serurorttcksi 774,1 W. 
Maximum 3,5 „ 176,6 „ 88,7 ;, 795,5 „ 

Minimum 1,6 „ 127,3 „ 60,9 „ 744,6 „ 

Das Blut kurz vor dem Werfen der trächtigen Thiere 
imlerscheidet sich von dem Blute nach dem Werfen: 

Fib. Blutkörp. Serumr. W. 

^ähr. Scfaaaf 36 St v. d. Werfen 2,3 95,0 81,7 821,0 

„ „ 66 „ n-d. „ 3,0 106,2 78,2 812,6 

9jähr. „ 24 „ v. d. „ 2,9 92,9 84,5 819,7 

72 „ n. d. „ 3,5 102,6 86,3 807,6 



» v 



8j|ähr. Kuh 5T. v. d. ,„ 3,7 90,9 75,2 830,2 

„ „ 48Stn.d. „ 5,1 98,8 73,7 822,4 

Das Blut der Lämmer weicht bedeutend ab von dem 

Bhite der Mutterschaafe, wie folgende Verhältnisse zeigen: 

Fib. Blutkörp. Serumr. W. 
Minnliches Lamm von 3 St 1,9 108,6 63,3 826,2 
„ „ „ 24 „ 1,9 117,0 74,2 806,9 

V 17 n 48 „ 2,5 103,3 80,7 813,5 

ij „ V 96 „ 3,0 109,1 68,6 819,3 

Wie folgende Zusammenstellung der Mittel-, Maximum- 
und Minimumwerthe zeigen, ist das Blut der Thiere ver- 
schiedener Racen ziemlich abweichend von einander zusam- 
mengesetzt und es ist nothwendig auf diese verschiedene 



178 Ueb. d. ZmunmeoseU. d. Mutes einig. HaiM-Tluere eCe. 

WBchuDg Rfleksiohi za nehmen, besonders wenn man die 
Blalniiscbung in gewissen pathologischen Zuständen verschie- 
dener Thiere unier einander oder auch die der Thiere mit 
der des Menschen vergleichen und daraus richtige Schltksse 
ziehen will. Das Fibrin aus dem Blute dieser verschiedenen 
Thiere differirt im Ifütel zwischen 2,1 und 4,6 p. Mille, 
so dase also die normale Menge des Fibrins im Menschcn- 
blute grosser ist, als die einiger Thierracen, und geringer 
als v^ie bei andern Thieren gefunden wird. . Bei den Schwei- 
nen wurde die grtfsste Menge des Fibrins beobachtet, nfim- 
lieh ein Maximum von 5,0 und ein Minimum von 4,1. Diese 
Thiere von der englischen Ha^ waren zwischen 2 und 6 
Monat und hatten seit einer gewissen Zeit nur Pferdefleisch 
gefressen. Bin Muttersdiwein von 2 Jahren, sehr fett, eben- 
falls von englischer Ba^e, jedoch allein mit VegeCabilien 
ernährt, gab dagegen nur 4,0 Fibrin. Nach den Schweinen 
enthält das Blut der Pferde das meiste Fibrin, das Mittel 
beträgt bei diesen Thieren 4,0, es vrird ein Maximum von 
£,0 und ein Minimum von 3,0 beobachtet; nach den Pferden 
folgt das Rindvieh, in deren Blute sich 3,7, ein Maximum 
von 4,4 und ein Minimum von 3,0 an Fibrin vorfand; in 
dem Bhite des Stieres zeigte sich keine grössere Menge 
Fibrin, als in dem Blute der Kühe und Ochsen; das Blut 
der Merinoscbaafe enthält im Mittel ebenso viel Fibrin, als 
das des Menschen, nämlich 3,0; in dem Blute der Schaafe 
von englischer Ra^e war eine geringere Menge Fibrin ent- 
halten. Die geringste Menge Fibrin wird bei den Hunden 
beobachtet Das Mittel stieg nicht über 2,1, das Maximum 
err^cht nicht 3,5, das Minimum wird mit 1,6 angegeben; 
die geringste Menge Fibrin fand man da, wo eine ausschliess- 
lich animalische Fütterung beobachtet vnirde. Es scheint 
nach den Beobachtungen, dass jede Thiergattung eine be- 
stimmte Quantität Fibrin in seinem Blute enthalte. In Bezug 
zu den Blutkörperchen zeigt sich auch hier ein Gegensatz 
zum Fibrin ; das Blut der Thiere, weiches die grOsste Menge 
Fibrin enthält, enthält die geringste Menge Blutkörperchen 
und SO umgekehrt; man fand bei den Schweinen im Mittel 
105,7 Blutkörperchen, bei den Zugpferden ein Mittel von 



Ueb. d. ZliMmmeDMlE. dw Hutos einig. Hant-Tliiare eto. 179 

101;5y bd den Poslpferdea ein Mittel von 101,1} bei den 
Merinosohaafen ein d>en0o grosses Mittel; bei den Schaafen 
eDgttscher Ra9e ein Mittel von 95,0; bei den Ktlhen eio Mit- 
tel Ton 101,9; bei den Ochsen von 97,4. Es ergiebt ^ich 
aus den speziellen Untersuchungen, dass die Menge des 
Fibrins nicht im nnmittelbaren Zusammenhang mit der ge- 
ringeren oder grosseren Stäike der Thiere steht Von Ein- 
fluss auf die Menge des Fibrins scheint indessen das Kreuzen 
gewisser Schaafra^en zu sein; bei den Lämmern zeigt sich 
aber ein mehr unabhängiges Yerhäitniss zwischen Fibrin 
<md Blutkörperchen; von den ersten Stunden bis zu 24 
Stunden nach der Geburt bleibt das Yerhäitniss des Fibrins 
zu den Blutkörperchen ein ziemlich gleiches; hierauf ver- 
mehrte sich das Fibrin, ohne dass sich die Blutkörperchen 
in gleichem Grade vermindern. Das Blut von trächtigen 
Thieren ist kurz vor dem Werfen und kurz nach dem Wer- 
fen, zurZeii des Mitehfiebers, verschieden zusammengesetzt, 
so zwar, dass in der erstgenannten Periode das Fibrin ein 
Minimum, in der zweitgenannten ein Maximum ausmacht. 
I^ Menge des festen Öerumriickstandes schwankt zwischen 
75,5 u. 92,4; im Blute der Hunde findet sich die Mstere 
ZaU; das Blut der Schweine, Ochsen, Merinoschaafe enthält 
zwischen 80^0 und 85,0; das Blut der englischen Sohaafe92,0i 
Das Blut eriLrankter Thiere würde vorzugsweis von 
Schaafen untersucht und zwar waren es meistentheils die 
miC der sogenannten Gaehexie aqueuse behafteten Thiere. 
Von den mitgetheilten Analysen wirdi es geniigen nur einige 
anzuführen; nachfolgende Untersuchungen wurden mit sol- 
chen Schaafen, bei welchen die Hydrämie ohne andere 
Komplikation bestand, vorgenommen« 

Fib. Blutkörp. Serumr. Wass. 
Hammel v. 5 Jah. 1 Venäsect 3,1 

w )i J7 n *• »> 

n « ö » »• V 

jj 7J ?? n "• »> 

?? T> n n *• fi 



3,1 


44,8 


52,7 


899,4 


3,0 


42,2 


50,9 


903,9 


3^ 


46,7 


69,5 


880,3 


3,6 


46,6 


70,7 


879,2 


2,8 


49,1 


59,1 


889,0 


2,6 


42,4 


55,9 


8994 


2,9 


40,1 


58,1 


898,1 



180 Ueb. d. Zusrnuäem^. <L Blutes 6ioig. ÜMs-ThMre wie 

Fib. Blutkörp. Seramr. Wass. 



u 



f1 



11 



S 



11 11 



V 



11 



11 19 11 



11 11 



11 



67,7 


66,6 


862,9 


39,4 


63y4 


894,8 


33,3 


55,8 


908,6 


29,3 


52,1 


915,6 


14,2 


51,9 


930,9 



fiammd v. 6 Jah.v4. VenSsect. 2,8 

1. „ 2,4 

2. „ 2,3 

3. „ 3,0 

4. „ 3,0 
Der Hammel, mit dessen Blute die letzten Untersuchun- 
gen angestellt worden sind, verendete kurz nach der 4. 
Untersuchung aus Schwäche. Anders verhält sich das Biot 
der an Hydrflmie leidenden Hammel, mit welcher Krankheit 
zugleich ein entzündliches Leiden verbunden ist, wie nadi- 
folgende Untersuchungen zeigen: 

Fib. Blutkörp. Serumr. Wass. 



5jdhr. Hammel 1. 


VenäMcL 


9,6 


32,9 


79,1 


8784 


11 11 


2. 


» 


6,4 


30,0 


78,6 


885,0 


4jähr. „ 


1. 


1, 


12,6 


39,5 


94,1 


853,8 


11 11 


2. 


»I 


10,4 


34,2 


89,1- 


866,3 


11 11 


3. 


t, 


8,7 


26,3 


92,3 


873,7 


4jähr. „ 


1. 


» 


5,7 


60,1 


99,1 


835,1 


7> 11 


2. 


)j 


4,3 


54,6 


95,9 


845,2 



Bei dem ersten Thiere hatte sich zur Hydrämie Pneu- 
monie und Lungenabscess gesellt; bei dem zweiten akute 
Hepatitis und Peritonitis j bei dem dritten akute Bronchitis. 
Noch sind folgende Untersuchungen bei Schaafen mit ver- 
schiedenen Krankheiten' angestellt worden: 

Fib. Blutkdrp. Serumr. Wass. 



^äh. Hammel m. akuter Bronchitis 5,2 61,0 
2j(fh. Widder m. erweicht. Tuberkeln 4,4 88,8 
6jflh. Rm.tuberkutos.Lungenabscess6,2 64,5 
Ijäh. Widder m. akuter Enteritis 6,0 100,7 
4jäh.SchaQfm. akuter Metritis , 6,3 100,4 
4iäh. H. m. chron. Peritonitis 1 .Yenäs. 3,3 63,2 

2. „ 3,2 S8,8 

3. „ 3,1 S2,8 
Die Verf. bemerken in Bezug zu diesen Untersuchungen 

mit dem Blute kranker Thiere, dass sie. zu ganz ähnlichen 
Resultaten gekommen sind, welche sie beim Menschen er- 
hielten. Wenn ein entzündlicher Prozess den thieriscben 



71 11 1f 



11 11 11 



11 



11 



11 



11 



109,4 

101,8 

106,7 

96,6 

85,4 
57,6 
62,2 
52,6 



824,4 
805,0 
822,6 
796,7 
807,9 
875,9 
885,8 
891,5 



Ueb. d. Zuflfimmeiiselz. d. Uules diiig» BMM^Thiere ele. 181 

Organismus befSlIt, so ist stete eine kranfchalte Yermehrung 
des Paserstoffs die Folge; um indessen zu bewiheilen, ob 
das Fibrin krankhaft vermehrt sei oder nicht, ' ist es noth- 
wendig, dass man die mittlere Menge des Fibrins in dem 
Bhite der Thiergattung kenne; denn was bei dem Thiere 
der einen Gattung bereits krankhafte Vermehrung ist, kann 
bei dem Thiere der anderen Gattung vielleicht nur eine nor- 
male Fibrinmenge genannt werden; bei den Thieren, deren 
Blut eine gri^ssere Menge Fibrin als das des Menschen ent- 
hält, steigt auch die krankhafte Vermehrung viel höher als 
beim Menschen; so fanden die Beobachter in dem Blute 
einer Sjährigen, mit Entzündung der Respirationswerkzeuge 
befoUenen Kuh 13,0 Fibrin; bei den Hunden, welche in einen 
anfimischen Zustand versetzt waren, verminderten sich die 
Blutkörperchen von ihrem Normalmittel 148 bis auf 104 und 
selbst bis auf 83; bei den mil Entzündung behafteten Ham- 
meln wurde stets eine wesentliche Vermehrung des Fibrins 
bedachtet Unter den Krankheiten der Schaafe war es be> 
sonders die sogenannte Cachexie aqueuse oder Fäule, 
weiche die Aufmerksamkeit des Verf. fesselte. Die Erschei- 
nungen, welche sich bei den erkrankten Thimren zeigten, 
waren besonders ausserordentliche Schwäche, Farblosigkeit 
der Schleimhäute, sehr häufig seröse Infiitrafion der Con- 
junctiva und des Hautzellgewebes der Füsse; Albumin konnte 
in dem Harne nicht gefunden werden. Aus den mitgetheii« 
ten Untersuchung^^, deren die Y&rt 27 an 11 Hammeln 
amgestellt haben,* ersieht man, dass das Fibrin sich wenig 
verändert hat; dahingegen sind die Blutkörperchen auffallend 
vermindeTt, von 78, dem normalen Mittel, fallen sie auf 40, 
25, selbst 14; ebenso ist det* feste Rückstand des Serums 
vermindert, .wodurch sich die Hydrämie der Schaafe von 
der Chlorose des Menschen unterscheidet; dass hiermit eine 
bedeutende Vermehrung des Wassers zusanunenhängt, ver- 
sieht sich von selbst Die grosse Verminderung des Albu- 
mins im Blute Hess die Beobachter vermuthen, dass sie Albu- 
min im Harne finden wUrden, was sich indessen nicht be- 
släligte; die Quantität des Fibrins variirie nicht wesentlich, 
denn man fand, dass bei dem Thiere, dessen Blut nur 14 
Blutkörperchen enthielt, doch 3 Fibrin zugegen waren; die- 



182 Ueb. d. ZoMiiimeiisetz. d. Blutes dinig. Haus-Iluere «Ce. 

ser eigeoUiümltche Znsiand im Blute ging stets Hand ia 
Aand mit einer iÜ)ei^rossen Schwäche der Tbiere; bei einer 
zweckmässigen Ernährung, trockner und wanner Luft.verbes- 
dserte sich der Zustand wesentlich; in einem Fall vennehr- 
ten sich die Blutkörperchen von *49 auf 64. 14 Bhitenlzie- 
hnngen wurden an Hammeln vorgenommen, welche neben 
der Hydrämie auch von entzündlichen Leiden befallen wa- 
ren; Überall zeigte sich sogleich in, der Yermebrung des 
Fibrins der entzündliche Zustand; dasselbe stieg in dem 
einen Fall, wo Hepatitjs mit Peritom'tis zugegen war, selbst 
bis auf 12,6, ebenso zeigten sich auch die Blutkörperchen 
in geringer Menge; auch bei den Thieren fanden die Beo- 
hachter, dass in entzündlichen Ldden mit den vermehrten 
Venäsectionen sich auch das Fibrin vermehrt und in dem- 
selben Grade die Blutkörperchen sich vermindern und das 
Wasser zunimmt; bei. einem Pferde wurden in Zwischen- 
räumen von je 24 Stunden 7 Venäsectionen, jede zu 6 Kilo- 
gramm veranstaltet, in jeder nachfolgenden Venäsection fand 
sich das Fibrin vermehrt und die Blutkörperchen vermindert 

Fib. Blutkörp. Serumr. Wass. 
Die 1. Venäsect. ergab ... 3,1 104,0 9,8 802,1 
„ 7. „ „ ... 7,6 38^ 60,1 894,2 

Auch Nasse (Journal f. prakt. Ghcfkn. Bd. 28. p. 146.) 
hat über die Mischung des Menschoiblutes und der ver- 
schiedenen Thiere Versuche angestellt, die in ihren Resul- 
taten mit denen, welche Andral, GavarretundDelafond 
erlüelten, nicht immer übereinstimmen, was zunächst wohl 
wieder seine Erklärung in einer verschiedenen Methode fin- 
det. Nasse hat auch die im Wasser löslichen Salze des 
Bhites und ebenso die unlöslichen quantitativ ihren einzel- 
nen Bestandtheilen nach bestimmt, veodurch einem bisher 
ziemlich fühlbaren Mangel^ abgeholfen worden ist. . Auch mit 
dem Blute kranker Schaafe und Pferde hat Nasse Unter- 
suchungen angestellt 

Die Untersuchungen des Menschenblutes und des ver- 
schiedener Thiere ergaben folgende Resultate, für 1000 Thl.:*) 



*) Die exlrakliven Materien des Blutes scheinen bei dem 
Ei weiss mit eingerechnet zu sein. 



Wasser. . . 


839,44 


PaBerstaff . . 


3,90 


Fett ... . 


0,9i 


Mutkttrperohen 


8S,0 


Bimä» . . 


62,70 


LttsUobe Salze 


7,04 



U6b. cL Z»iMtttteiW6te. d. Bhites «mig. Ibiis-TIu^e eta 183 

Mensch Hund Katee Pferd Oohs Kalb 
Wasser . . . 798,402 790^0 810^02 804,75 799,59 826,71 
Faserstoff . . 2,233 1,93 2,42 . i?,41 3,62 5,76 
Fett ... . 1,970 2,25 2,70 1,31 2,04 1,61 
Blulkörperchen 116,529 123,85 113,39 117,13 121,86 102^50 
Eiweiss . . 74,194 65,19 . 64,46 67,85 66,90 56,41 
Utobche Salze 6,672 6,28 7,01 6,82 5,98 7,00 

> Ziege Sohaaf Kanincb. Schwein Gans Huhn 
827,76 817,30 768,94 814,88 793,24 
2,97 3,80 3,95 3,46 4,67 
1,16 1,90 1,95 2,56 2,03 

*^'*^ i^n^o "^'35 121^ 144,75 

68,771 ^^"''^ 72,78 60,78 48,25 

6,91 6,28 6,74 6,87 6,97 

Die jeUt folgenden Reihen enthalten die Mischung der 
löslichen Salze des Bhites ßlr 1000 TU. Blut berechnet. 
Nasse bemerkt, dass die Gesammtmenge dieser Salze nicht 
inuner mit der oben angegebenen übereinstimmt, da nicht 
immer die Sabe der obigen Analysen zur Zerlegung benutzt 
wurden, femer, dass vor der Hand nur die genaue Bestim- 
mung der Säuren vorgenommen und aU au Natron gebun- 
den, berechnet wurden und endlich^ dass das milch- un^ 
fettsaure Alkali, welches sich beim Verbrennen in kohlen- 
saures umwandelt, als solches in den Analysen aufgenom- 
men worden ist. 

Mensch Hund Katze Pferd Ochs Kalb 
Phosphors. AlkaU 0,823 0,730 0,607 0,844 0,468 0,957 
Schwefels. Alkah 0,202 0,197 0,210 0,213 0,181 0,269 
Kohlens. Alkali 0,957 0,789 0,919 1,104 1,071 1,263 
Chlomatrium . 4,690 4,490 5,274 4,659 4,321 4,864 

Ziege Schaaf Kaninch. Schwein Gans Huhn 
Phosphors. Alkall 0,402 0,395 0,637 1,362 1,135 0,945 
Schwefels. Alkali 0,265 0,348 0,202 0,189 0,090 0,100 
KoUens. Alkali 1,202 1,498 0,970 1,198 0,824 0,350 
Ghiornatrium . 5,176 4,895 4,092 4,281 4,246 5,392 

Die im Wasser unlöslichen, nicht verbreonbaren Bestand- 
(heiie: Elsenoxyd, Kalk, Phosphorsäure, Schwefelsäure, Ma- 
gnesia und Kieselsäure, welche letzteren beide nicht quan- 



184 Ueb. d. Zussnunengetz. d. Blutes eiiiig. Haos^Thiere elc. 

titativ bestimmt i^urden, fand Nasse auf 1000 ThL Blut in 
folgenden Verhältnissen: 

Mensch Hund Katze Pferd Ochs 
Eisenoxyd . . ... . 0,834 0,714 0,5l& 0,786 0,731 

Kalk 0,183 0,117 0,136 0,107 0,098 

Phosphorsdure . . . 0,M1 0,206 0,263 0,123 0,123 
Schwefelsäure . . .• . 0,052 0,013 0,022 0,026 0,018 

Kalb Ziege Schaaf Schwein Gans Huhn 
Eisenoxyd . . 0,631 0,641 0,689 0,782 0,812 0,743 
Kalk .... 0,130 0,110 0,107 0,085 0,120 0,134 
Phosphorsäure . 0,109 0,129 0,113 0,206 0,119 0,935 
Schwefelsäure . 0,018 0,023 0,044 0,041 0,039 0,010 

Die Untersuchungen mit dem Blute kranker Thiere wur- 
den an Scbaafen mit chronischer Fäule und an Pferden mit 
chronischem Rotz vorgenommen. Das Blut von 3 kranken 
Schaafen A. B. G. ergab folgende Hd^ultate: 

A. B. G. 

Wasser 952,00 . . 932,30 . . 916,00 

Faserstoff 2,75 . - . 3,84 . . 5,90 

Fett 0,23 . . 0,26 . . 0,30 

Blutkörperchen . . . 10,20 . . 23,40 . . 31,25 

Eiweiss 27,52 . . 32,02 . . 39,45 

Lösliche Salze .... 7,30 . . 8,19 • . 7,10 

Schaaf A. war 2jährig, abgemagert, es gab nicht mehr 
als etwa 4 Pfd. (2000 Gram] Blut, das mehr gerdthetem Se- 
rum als wahrem Blute ähnlich sah. Die Leber enthielt die 
Distom^n, die Bauchhöhle Wasser. Schaaf B. war trächtig 
und mager, die kleine Leber enthielt wenig Distomen; Schaaf 
G. hatte vor 10 Wochen geworfen, litt an Wassersucht, in 
den Eingeweiden wenig Veränderung. Die Salze dieser 3 
Blutarten zeigten folgende Zusammensetzung: 

A. B. G. 

Phosphorsaures Alkali . . 0,680 . . 0,394 . • 0,289 
Schwefelsaures Natron . . 0,320 .. 0,158 . . 0,242 
Kohlensaures Alkali . . . i,*l30 . . 1,693 . . 1,840 
Ghlornatrium 5,070 . . 5,955 . . 4,736 

Aus den BUcksländen sämmtlicher 3 Blutarten wurde 
die Mischung der in Wasser unlöslichen feuerbeständigen 



Ueb. d. Zusammeosels. d. Btutes eiikig. Haus^Thiere etc. 185 

Säuern und Basen, wie folgt, gefunden: Eisenoxyd 0,325, 
Kalk 0,103, Phosphorsäure 0,079, Schwefelsäure 0,020. Mit 
dem Blute zweier an chronischer Ozäna leidender Pferde 
stellte N. mehrere Untersuchungen an, aus welchen sich eine 
bedeutende Abweiehung der Blutmischung ungesucht her- 
aussteHt. Das Pferd A. war schon seit Monaten krank; nach 
dem ersten Aderlass wurde es mit Chlorkalk behandelt und 
erhielt nahrhaftes Futter; nach 11 Tagen war im Aussehen 
der Nasenschleimhaut und in Bezug zu den Geschwüren 
Besserung eingetreten, dagegen mdir Husten und Abmage- 
rung; es wurde die zweite VenMs. gemacht Nadi wieder 
yerÜGSsenen 8 Tagen zeigten sich ödematöse Anschwellun- 
gen und vermehrte Kurzattvnigkeit, es wurde die dritte Ye- 
näsedion gemacht Pferd B., eine S^te, war erst seit 10 
Tagen mit entztkndlichem Fieber von der Krankheit befallen, 
nach der 1. Venfis. wurde die gleiche Behandlung wie bei 
Pferd A. eingeleitet, worauf nach 11 Tagen unverkennbar 
Besserung eingetreten war; es wurde hierauf die zweite 
Venäs. gemacht; das Besultat dieser Untersuchung ibr 1000 
Bhit ist foigendes: - 

A. B. 

1. 2. 3. 1. 2. 

Wasser . . . 833,00 860,00 842,00 . . 859,00 816,00 
Faserstoff . . 8,90 7,50 6,60 . . 8,70 7,90 
Motkörperchen 65,50 43,30 68,20 . . 44,20 88,50 
Eiweiss und FeU 86,58 83,68 76,70 . . 82,27 81,65 
LösUche Sähe . 6,02 5,52 6,50 . . 5,38 5,95 

Die löslichen Salze hat N. von allen 5 Blutarten unter- 
sucht; es ergeben sich fbr 1000 Tbl. Blut: 

A. B. 

1. 2. 3. 1. 2. 

Phosphorsaures Alkali . 0,500 0,842 0,580 . 0,453 .0,383 
Schwefelsaures Alkafi . 0,130 0,124 0,122 . 0,160 0,181 
Kohlensaures Alkali . . 0,490 0,730 0,608 . 0,472 0,666 
Chlomatrium ... 4,900 3,824 5,100 . 4,292 4,718 

Aus dem Blute A. 1. und B. 1. wurden die in Wasser 
unlöslichen Aschenbestandtfaeile wie folgt bestimmt: Eisen- 



186 Ueb. d. ZusammenseU. d. Blotes einig. Haos-Thiere elte. 

oxyd 0.489, Kalk 0,141, ^Phosphoraäore 0,157, Schwefel- 
säure 0,093. 

Die Verschiedenheilen, welche sieh beim Vergleichen 
der Resultate der Analysen AndraFs, Gavarret's, Dela- 
fond^s and Nasses vorzugsweise herausstellen, sind fol- 
gende: Die grösste Menge Fibrin fanden A., G. und D. bei 
den Schweinen 5,0 und Nasse beim Kalb 5,7. Der letztere 
fand beim Schwein 3,9 Fibrin. Nach den Schweinen ent* 
halt nach A. G. D. das Pferdeblui das meiste Fibrin, nach 
N. das Blut der Ziege. Uebereinstimmend bei den Beobach* 
lern findet man in dem Blute der Thiere die geringsten 
Quantitäten Blutkörperchen, in welchen die grössten Mengen 
Fibrin sind ; die grösste Menge Blutl^örperchen fanden A. G. und 
D. bei den Hunden, N. (j^ei den Schweinen; die geringste Menge 
Blutkörperchen fanden die ersten bei den Schaafen, Nasse bei 
der Ziege und beim Schaafe. In der Menge des von A. G. 
und D. bestimmten Serums finden weniger Schwankungen 
statt, als in der Menge der Blutkörperchen, ebenso verhält 
es sich bei Nasse; die ersteren fanden die grösste Menge 
Serumrückstand bei den Ziegen, die geringste Menge bei 
den Hunden; Nasse fand die grösste Menge Bluteiweiss 
beim Schwein, die geringste Menge beim Kalb; im Gänße- 
und Hühnerblut fand Nasse ansehnfa'che Menge von Blut- 
körperchen und geringe Mengen von Bhiteiweiss. 

Interessante Betrachtungen knüpfen sich nodi an die 
von Nasse gemachten Bestimmungen der feuerbeständigen 
Salze des Blutes^ in der Quantität der löslichen Salze der 
verschiedenen Blutarten zeigt sich eine grosse Uebereinstim- 
mung; die grösste Menge von löslichen Salzen wurde bei 
den Ziegen gefunden, 7,045 p. M., die geringste Menge im 
Ochsenbhite 5,979 p. M. Grössere Differenzen zeigen sich 
in der Menge der nicht lösHohw unverbrennlichen Bestand- 
theile; die ansehnlichste Quantität vmrde beim Huhn gefun- 
den, 1,822 p. M.; die geringste Menge beim Schaaf, 0,853; 
es steht die Menge der löslichen Salze nicht in einem direkten 
Zusammenhange mit der Menge der festen Bestandtheile ; denn 
das Blut der Ziege, welches nur 161 p< M. feste Bestand- 
theile enthält, hat darin 7,045 lösliche Salze; das Schaafblut 



Ueb. d Ziisammensels. d. Blutes einig. Haus-Tiiiere etc. 187 

auf 183 p. M. feste Bestandtheile 7,136 lösliche Salze; das 
Blut des Huhnes dagegen auf 207 p. M. feste Bestandtheile 
nur 6,787 lösliche Salze und das Blut des Schweins auf 
232 p. M. feste Bestandtheile nur 7,030 lösliche Salze; von 
den löslichen Salzen biMet das Ghlornatrium die grösste 
Quantität, sein Maximum betrigt beim Huhn 5,392, sein Mi* 
nimum beim Kaninchen 4,092. Unter den andern • Salzen 
herrscht das kohlensaure Alkali vor; das phosphorsaure 
Alkali ist stets in viel grösserer Menge zugegen als das 
schwefelsaure; es bildet dieses einen interessanten Ge* 
gensatz zum Harn, in welchem bekanntlich das sehwe« 
feteaure Alkali in grösserer Menge vorhanden ist, als das 
pbosphorsmire; die grösste Menge phosphorsauren Alkali's 
findet man beim Schwein 1,362, nächst dem bei der 
Gans und beim Huhn , in welchen 3 Blutarten es mit 'einer 
grossen Menge fester Bestandtheile und resp« der Blutkör- 
pereben coincidirt; die geringste Menge phosphorsauren AI- 
kali^s findet man im Schaaf-, Ziegen und Ochsenblut, wo es 
wenigstens in den beiden ersten Fällen mit geringen Men« 
gen festen Rilckstands und resp. der Blutkörperchen coinci- 
dirt. Zwischen dem Eisenoxyd des Blutes und dem Gehalt an 
Blutkörperchen finden bedeutende Verschiedenheiten statt, 
es berechnen sich auf 100 Blutkörperdien folgende Quan* 
tititen Eisenoxfd: bei der Ziege 0,74, beim Menschen 0,71, 
beim Pferde und bei der Gans 0,67, beim Scbaaf 0,63, beim 
Kalb 0,61, beim Ochs 0,60, beim Hund 0,56, beim Schwein 
0,65, beim Huhn 0,51, bei der Katze 0,45. Aehnlich verhält 
es sich mit dem Kalkgehalt, welcher beim Menschen am 
grössten ausfällt, nämlich auf 100 Bhitrückstand 0,09, am 
geringsten beim Schwein, auf 100 Blulrilckstand 0,037. Sucht 
man nach hervorstehenden Verschiedenheiten in der Blut- 
mischung der Carnivoren, Herbivoren, Omnivoren und der 
Vögel, so lassen sich sowohl in Bezug zu don organischen 
als auch zu den anorganischen Bestandtheilen nur wenige 
auffinden; am ansehnlichsten sind die Quantitäten der Blut- 
körperchen nach Nasse beim Schwein, womit, wie schon 
bemerkt, die Untersuchungen von A. G. und D. nicht ganz 
Übereinstimmen. In Uebereinstimmung mit den Untersuchun- 



188 Ueb. d. ZtMmmenseU, d. Blutes einig. Haus-Thiere eic. 

gen von Dumas und Prevost bat auch Nasse bei den 
Vögeln sehr bedeutende Quantitäten Blul^örpercben gefun- 
den und ebenso stimmen für Schaaf und Ziege die gerin- 
geren Quantitäten der Blutkörpereben bei N. A. G. und D. 
mit den von Dumas und Prevost gemachten Bestimmun- 
gen überein; endlich auch die grösseren Mengen Blutkör- 
perchen bei den fleischfressenden Thieren, Hund und Katze, 
vi^elcbe Quantität^i sich den im Menschenblute bestimmten 
nähern« Die Quantitäten Albumin, welche Prevost und 
Dumas in -dem Blute verschiedener Thierra^en fanden, dif- 
feriren bedeutender als bei N., stimmen aber insofern über- 
ein, als bei den Vögeln und überhaupt bei den Thieren, 
deren Blut die grössten Mengen Blutkörperchen enthält, die 
geringsten Mengen Albumin gefunden wurden. 

Was N. Untersuchungen über das Blut an chronischer 
Fäule leidender Schaafe betrifll, so liefern sie ähnliche Be* 
sultatO) wie A. 6. und D* bei Untersuchung des Blutes der 
an gleicher Krankheit leidenden Schaafe fanden, nämlich gleich- 
zeitige ausserordentliche Verminderung der Blutkörperchen 
und des Serumrückstandes, wobei das Fibrin nicht nur sein 
normales Mittel beibehält, sondern sich selbst vermehrt; bei^ 
N. stellte sich überdies noch eine ausserordentliche Vermin- 
derung des Fettes heraus. Bemerkenswerth ist aber noch, 
dass N., bei der grossen Verminderung des Blutes an festen 
Bestandtheilen, die löslichen Salze nicht nur allein nicht ver- 
mindert, sondern selbst vermehrt gefunden hat Unter den 
Salzen ist es hauptsächlich das Kochsalz und das phosphor- 
saure Alkali, welche absolut vermehrt sind. Das Eisenoxyd 
ist zwar vermindert, aber nicht entsprechend den Blutkör- 
perchen; während auf 100 Blutkörperchen des gesunden 
Schaafsblutes 0,63. Eisenoxyd kommen, berechnen sich bei 
diesem kranken Blute auf 100 Blutkörperchen 1,4 Eisenoxyd. 
In dem Blute der an MaUeus humidus leidende Pferde 
fand N. ebenfalls die Blutkörperchen sehr vermindert, nicht 
aber das Bluteiweiss, dagegen findet eine ausserordentliche 
Zunahme des Faserstoffs statt. Ganz ähnliche Resultate ha- 
ben mir schon vor mehreren Jahren angestellte Untersu- 



Ueb. d. Zttöammensetz. d. Blutes einig. Haus-Thiere etc. 189 

chaogen mit dorn Blute rotziger Pferde gegeben, auch ich 
finde, wenn man N. Analyse des gesunden Pferdeblutes zur 
Vergleichung nidamt, die Blutkörperchen vermindert, das Fi- 
brin vermehrt, die Menge der festen Bestandtheile über- 
haupt bedeutend geringer als im gesunden Pferdeblute. 



Simons Beitrage 1. 1 . 13 






Untersuchungen über mensclilicben Harn 



von 



Or. ۥ d. IieluMHiB. 

(Auszug aus dem Journal für praktische Chemie.) 



Lehmann hat in dem genannten Journale eine Arbeit 
Über menschlichen Harn mitgetheilt, welche ich wegen des 
Interesse, das die erlangten Resultate in physiologischer 
Beziehung gewähren, den Lesern dieser Beiträge glaube mit- 
theilen zu müssen. Der Verf. sah bei der Ausführung sei- 
ner Untersuchungen besonders darauf die veränderliche 
Mischung des Harnes eines und desselben gesunden Indivi- 
duums unter verschiedenen genau regulirten äussern Ver- 
hältnissen, vorzüglich denen der Ernährung, kennen zu lernen. 
Im BetrelDT der Zersetzung des Harnes wurde beobachtet, 
dass ein mehr wässriger Harn sich rascher zersetzt, als 
ein concentrirterer; indessen zeigte sich auch, dass ein Harn, 
welcher beim Genuss von vegetabilischer Nahrung tiefer, 
röthlich oder braunroth getärbi ist, sich leichter zersetzt, 
als der weniger dunkel gefärbte Harn, der bei animalischer 
Kost secemirt wird. Die Bildung des koUensauem Ammo- 
niaks, durch welches der sich zersetzende Harn seine alka- 
lische Reaktion erhält, geschieht, wie bekannt, duröh Um- 
setzung des Harnstoffs und zu dieser Umsetzung disponirt 
hauptsächlich dc^r farbige Fxtrakiivstoff.*) Eine eiMhte Tem- 
peratur wiriLt ähnlich einem langem Sidien an der atmo- 



^) Wohl aber auch Schleim und Elweiss. S. 



Itel^rsuchuDg^n üb. idenschL Harn. 191 

sphärischen Luft; Tvird Harq an der Luft Jbei 5& bia 80* G. 
Üs zur SyrupkoBsislen^s verdunstet^ so wird er in der Regel 
zwar nicht alkafiscb, hat aber einen Theii seiner freien Säure 
verloren. -Eine Quantität Harn,- dessen freie Säure vor dem 
Verdunsten durch 36,46 Gran kohlensaui'e Natronlösung ge- 
sättigt würde, bedurfte nach dem Verdunsten nur noch 
17^8 Gran derselben Lösung zur NeutraUsirung« Bin anhal- 
tendes gelindes Erwärmen bewirkt einen grösseren Verlust 
an freier Säure, als ein kürzer dauerndes bei erhöhter 
Temperatur.- Ammoniakalischer Harn darf ohne vorherige 
Neutralisation des Alkali's durch Schwefelsäure nicht ven- 
dampft werden, ein geringer Ueberschuss von Schwefd- 
säure wirkt auf den Harnstoff nicht nachtheilig ein. Der 
Verf. nahm, um die Verdunstung möglichst ohne Zersetzung 
der Hanibestandtheile zu bewirken, diese Jn einer tubulir- 
ten Retorte mit tnbulirter Vorlage so vor, dass stets ein 
trockner Luftstrom die Wasserdämpfe in die Vorlage fortfllhrt, 
deren Tubulus mit einem sich entleerenden Wasserbehälter 
durch eine Glasröhre luftdicht in Verbindung stehL Um die 
Summe der festen Bestaodtheile eines Harns zu bestimmen, 
wurden kleine Quantitäten (10 bis 30 Gran) im Liebig sehen 
Austrocknungsapparate verdunstet. 

Bestimmung des Harnstoffs. 

Der in einer Retorte zu ■)• bis | sdues Volumens con- 
(ientrirte Harn wurde noch warm, mit dem 4fiBchen Vohi- 
men Alkohol gemischt und alles im Alkohol Lösliche durch 
nachberiges Anssttssen mit Alkdiol ausgezogen. Die alko- 
holische Lösung wird bis auf j ihres Volumens verdampft, 
abgektüUt und mit dem l^fkchen Volumen Salpetersäure 
(von 1,3*22 spez. Gew.) tersetzt. Der abgeschiedene, auf 
ein Filter gesammelte und ausgepresste salpetersaure Harn* 
Stoff wird in der hmreichenden Mfenge lauen Wass^s gelöst, 
die noch warme Lösung mit i Volumen Salpetersäure ver- 
mischt^ abgekühlt, zur Abscheidung des salpetersauren Hskn- 
stoffs in der Kälte stehen gelassen, dieser auf ein .Filter 
gesammelt, ausgepresst und getrocknet. Aus 100 Theiien 
salpetersaa^rm Harnstoff erhielt Lehmann 52,93 Harnstoff. 

13* 



192 Unfersuchungen Üb. menscbi. Hara. 

Bestimmung der Harnsäure. 

Die Harnsäure wurde meist aus dem in Alkohol unids* 
liebem RIlckstaDd des vorigen Versuches bestimmt. Dieser 
Rückstand wurde mit Salzsäure ausgewaschen und die auf 
dem Filtrum nun zurückbleibende Hamsäiire vom Blasen- 
schleim durch verdünnte Kalilauge getrennt, aus der Kali- 
lösung aber durch Essigsäure oder Salmiak niedergesdila- 
gen; es ist gut, diese Fällung aus der heissen harnsauem 
Kalilösung zu bewirken und die gefällte Harnsäure durch 
kaltes säuerliches Wasser auszusüssen. Da bei der Lösung 
und Trennung der Harnsäure vom Schleim durch verdünnte 
Kalüösung etwas Schleim mit aufgelöst wird, der bei der 
Fällung der Harnsäure durch Essigsäure oder Salmiak in 
Lösung bleibt, so Wurde, um den Schleim hieraus zu erhal- 
ten, diese abfiitrirte Lösung zum Trocknen verdunstet und 
mit Alkohol das essigsaure Kali ausgezogen, wobei der 
Schleim ungelöst zurückbleibt, der dem auf dem Filtrum 
noch befindlichen zugerechnet wird. 

Bestimmung der Milchsäure. 

Um den ganzen Gehalt freier und ungebundener Milch- 
säure im Harn zu besümmen, wurde dersjelbe bis auf \ oder 
I seines Volumens verdampft und der Rückstand mit dem 4fa- 
chen Volumen 90 f Alkohols extrahirt; der Alkohol löst freie 
und an Alkalien gebundene Milchsäure, last aber 1 Theil mit 
Wassere^trakt gebundene Milchsäure ungelöst; um diese zu 
erhalten, wird der mit Alkohol ausgelaugte Rückstand mit 
Wasser ausgezogen, die Lösung mit kohlensauerm Ammo- 
niak neutralisirt, verdampft und mit Alkohol milchsaures 
Ammoniak ausgezogen, der Auszug dem ersten Alkoholex- 
trakl zugefügt Die freie Milchsäiife wurde nach Entfernung 
des Alkohols durch Digeriren des Rückstandes mit kohlen- 
sauerm Zinkoxydhydrat gebunden, die milchsauern Alkalien 
durch essigsaures Zinkoxyd zersetzt. Die zur Syrupkon- 
sistenz verdampfte Flüssigkeit wurde mit Alkohol extrahirt^ 
worauf milchsaures Zinkoxyd zurückblieb. Dieses Salz löste 
man in Wasser, filtrirte und fällte mit kohlensauerm Natron. 
Das gefällte kohlensaure Zinkoxyd wird mit einem Tropfen 



Uniersuohuiigen üb. menschl. Harn. 193 

Salpetersäure befeuchtet, geglühel und aus dem gegltthten 
Zifikoxyd die Milchsäure berechuet. 

Wichtiger als die Bestimmung des ganzen Milchsäure- 
gebalts im Harn ist es zu wissen, wie viel freie Milchsäure 
darin enthalten ist. Der Verf. verführ aufzeigende Weise: 
der saure Harn wurde mit Chlorbaryum versetzt, bis kein 
Niederschlag mehr entstand, dieser mit verdünnter Salzsäure 
gewaschen, mit schwefelsäurehaltigem Wasser gekocht, filtriri 
und sein Gewicht bestimmt; eine andere Quantität Harn 
wurde mit kohlensauerm Baryt so lange digerirt, bis alle 
saure Reaktion verschwunden war, die vom Niederschlage abfit 
trirte Flüssigkeit wurde mit Salzsäure angesäuert, durch 
Chlorbaryum gefällt, der Niederschlag mit schwefelsäurebal* 
tigern Wasser ausgekocht, fiitrirt und dem Gewichte nach 
bestimmt. Die Differenz . der beiden Gewichte des gefällten 
schwefelsauern Baryts giebt eine Menge dieses Salzes, dessen 
Basis hinreichend sein würde, um die im Uria enthaltene 
freie Milchsäure zu sättigen. Gewöhnlich enthält der Urin 
mehr Schwefelsäure- als Milchsäure *Aequivaleute und dann 
ist diese Methode anwendbar ) hätte man found das Gegen- 
theil anzunehmen, so brauchte man de>> zu untersuchenden 
Harn nur mit schwefelsauerm Alkair zu versetzen, in 2 Theile 
ztt theilen und auf die angegebene Weise vu untersuchen. 

Heber den färbenden Extraktivstoff im Harne giebt der 
VerL folgende Mittheilung. Das Pigment*) unterscheidet sich 
von anderen Harnpigmenten dadurch, dass es sich in Wasser, 
Alkohol und Aether fast gleich auflöst;' es röthet Lackmus* 



*) Ich halte dieses Pigment für dasselbe, welches auch ipi 
Blut vorkommt, schon früher von Sanson bpobacbtct wurde 
und dem ich den Namen Hämapbaein beilegte. Es charakterisirt 
sich und unterscheidet sich vom Hämatin besonders dadurch, 
dass es in Waser, Alkohol und Aelber sieb löst, dui'ch Säuren 
und Alkalien dunkler gefärbt wird und sich mit den extraktiven 
Materien des Blutes oder mit tiem Fett so innig verbindet, dass 
eine Trennung bis jetzt noch nicht geglückt ist Ueber die Iso- 
lirung dieses Pigments vergleiche Simon's mediz. Chemie Bd. 1. 
Artikel Hämaphaein. F. S. 



mpi» woi^M Mfeas jfitoMnregel^Altes, iii^ird nidit von 
Gtftetare, Qae<Asiibercblorid, Eisenvitriol, Bleizucker und 
jMfm^ gdfiH ocler verifiideri; durdi Zink und Salzsäure 
tvird tt enlflM»!, von Tliierkoble leicht aufgenommen; an 
dar Luft, dur^ Sioren, ZinnchlorÜr, Ammoniak wird es dun- 
kel odw brvoDrotfi geförbt. Dieses gilt mir von dem unver- 
iiiderCen, «o^ ^^ Harnblase ausgesdiiedenen Farbstoff, 
iBobI ^>er ron den, bei dem Erwärmen sich biMenden brau- 
ne» ExtraMvstoflten. Diese erhielt man mOgliohst rein, wenn 
wn den Barn gefrieren liess, die vom Eis abgegossene 
jqiUtj^eiC ist nicht so schmutzig braunroth, \ivie in dem 
dareh Wärme concentrirten Harn, sondern mehr feurig roth- 
gelb; diese Lösung wurde unter der Luftpumpe verdampft, 
aijt absolutem Alkohol extrahirt, der Harnstoff unter der 
tuftpumpe zum Krystallisiren gebracht und zwischen Fiiess« 
paper ausgepresst, das Papier aber mit alkoholhaUigem 
Aalher abgespült, welcher das Pigment aufnahm, diese Lösung 
^inirde noch einmal verdampft und der Rückstand mit Aether 
ausgezogen. Beim Verdampfen des Aethers bleibt der Stoff 
breiartig und geruchlos zurück; wird er etwas befeuchtet 
und* der Luft bei mittlerer Temperatur ausgesetzt, so fängt 
er nach kurzer Zelt an, widrig zu riechen, wird er dage- 
gen mit verdünnter Essigsäure oder Milchsäure versetzt, so 
bleibt er längere Zeit unverändert. 

Zur Bestimmung der Mineralstoffe wurde der Harn mit 
Salpetersäure vermischt, im Sandbade verdampft und der 
Rückstand mit Salpetersäure vollständig verbrannt, oder es 
wurden die Schwefelsäure, Phosphorsäure, Chlor und Kalk 
aus einzelnen Handportionen für sich benimmt. Der Kalk 
wurde unmittelbar durch oxalsaures Ammoniak gefällt, ge- 
glühet und gewogen; die Schwefelsäure fällte man aus dem 
mit Essigsäure angesäuerten' Härii durch essigsauera Baryt, 
der Niederschlag wurde mit Salpetersäure ausgekocht, abfiU 
trirt und der schwefelsaure Baryt besümmL Aus der vom 
scbwefelsauem Baryt abfillrirten Flüssigkeit wurde noch die 
Phosphorsäure durch essigsaures Bleiozyd gefallt, der erhal- 
tene Niederschlag wurde durch siedendes Wasser vom Chlor- 
blei befreit, alsdann durch Zerstörung alles Organischen in 



ttifeniioiiiiiigeii Hb. meiufoli. Barn. 196 

SalpetonSore aa^ektot, verdampft und c^gjtlht. Der Bttck- 
eland wwde mit Schwefelsäure und Alkohol zerlegt Und 
aus dem ecbwefelsauem Blei die Phosphorsäure berechnet 
Um den Chlorgehalt des Harnes quantitativ zu «rmittelOi 
fäBte man den mit Salpetersäure angesäuerten Harn durdh 
salpetersaures Süberoxyd, kochte den Niederschlag mit Sal- 
petersäure aus und bestimmte dann das Ghlorsilber. Am 
siobersten niwint der Yerf. das im Harn bei Krankheiten vor- 
kommende fiiweisa durch Kochen mit Salpetersäure abzu- 
scheiden; um es quantitativ zu bestimmen, wurde der Nie- 
derschlag mit Essigsäure digeiirt, das Etweiss dann durch 
kohlensaitfes Ammoniak gefällt. 

Der Yerf. unternahm die nachstehenden Untersuchung^ 
mit seinem eignen Harn bei streng geregelter gewöhnlicher 
Diät; es wurde jedesmal der innerhalb 24 Stunden gelassene 
Barn gesamsielt, das absolute und spez. Gewicht bestimmt, 
ebenso die Quantität des festen BUckstandes. Die Unter- 
suchungen wurden im Oktober vorgencnnmen und nur so 
vid getrunken, als eben zum .Stillen des Durstes nothwen- 
dig war; während 13* auf einander folgenden Tagen wurden 
folgende Beobahtungen gemacht. 
Menge des in 24 StuQden Fester BUskstand 

gelassenen Harns Spez, Gew. pGt. Summe. 
1068 Gramm ... 1017,4 fi,8430 63,^718 Gnn. 

898 1022,2 6,5998 59,2662 „ 

927 1025,1 6,7842 62,8895 „ 

1022 1024,7 6,6744 68,2124 „ 

712 ..... . 1029,2 7,9923 56,9052 „ 

1361 ...... 1020,2 6,5008 78,4759 „ 

900 ..... . 1(H9,2 6,2318 56,0862 „ 

940 ...... . 1022,5 . 6,6423 62,4376 „ 

1100 1019,1 6,1984 68,1824 „ 

939 1029,4 8,0878 75,9434 „ 

1448 10i6,7 5,6264 81,4702 „ 

1088 1025,2 6,7981 73,9633 „ 

1328 ...... 1015,6 5,5932 74,2777 „ 

Zu diesen Angaben n\uss ich bemerken, dass des Verf. 
gefundene procentische Bestimmung in Belation zum spez. 



ttß 



Uiiterstidiangen U). mmscbl. Harn. 



Gew. viel hdher ausfällt als ich es (vevgleiohe voriges Heft) 
jemals gefunden habe; es scheint dies leider noch mehr die 
.schon in. dem bezüglichen. Aufsatz des vorigen Heftes aus- 
gesprochene Ansicht zu bestätigen, dass bestimmte Rela- 
tionen zwischen spez. Gew. und festem Rückstand: sich nicht 
ermitteln lassen und dass die Annäherungswerthe wenig 
Sicherheit gewähren. 

Drei genau durchgeführte Analysen mit dem Harn von 
3 verschiedenen Tagen ergaben dem Verf. folgende Resul- 
tate in 1000 1. 

Wasser 934,002 

Fester Rückstand .... 65,998 

Harnstoff 32,914 

Harnsäure . 1,073 . 

Freie Milchsäure 1,551 

Milchsäure Salze ..... 1,066 

Schleim 0,101 

Kochsalz und Salmiak . . . 3,602 
Schwefelsaure Alkalien . . 7,289 
Phosphorsaures Natron . . 3,666 

Erdphosphale 1,187 

Wassereltrakt 0,591. 

Alkoholextrakt 9,871 

Im Bezug zum Harnstoff hat der Verf. 7 Bestimmungen 
gemacht, welche der Reihenfolge nach. mit dem ersten, zwei- 
ten, vierten, sechsten, siebenten, achten, elften und zwölf- 
ten FaU der vorhergehenden Beobachtungen coincidiren und 
die ihm folgende Resultate gaben: ' . . 
Fest. Rückst Harnstoff in Harnstoff in pCt Menge d. tägl. 



Stoffs in Grammen. 

. . 39,077 

. . 29,556 

. . 29,869 

. . 35,306 

. . 28,301 

. . 27,728 

. . 34,339 

. . 35,804 



2. 


3. 


937,682 


. 932,019 


62,318 


. 67,981 


31,450 


. 32,909 


1,021 


. 1,096 


1,496 


1,513 


1,897 


1,732 


0,112 


. 0,110 


3^646 


. 3,712 


7,314 


. 7,321 


3,765 


. 3,989 


1,132 


. 1,106 


0,621 


. 0,632 


10,059 - 


. 10,872 



in 1000 H. 


1000 H. 


z. fest. Rüc 


58,430 . . 


. 26,72 . 


. . 45,74 


65,988 . . 


. . 32,91 . 


. . 49,87 


66,744 . 


. 28,22 . 


. . 43,79 


65,008 . . 


. 29,25 . 


. . 44,99 


62,318 . . 


. . 31,45 . 


. . 50,46 


66,423 . - . 


. 29,50 . 


. 44,41 


56,264 . . 


. 23,72 . 


. . 42,15 


67,981 . . 


. 32,91 . 


. . 48,41 



Dutersacbangen Ob. menscbi. Harn. 197 

Aus dfesen Zahlenreihen erglebt sich, dass bei norma- 
ler Diät aus gemischter Kost der Harn des Verf. im Mittel 
46,23'| Harnstoff, vom festen RüdLStande enthielt und dass 
täglich im Durchschnitt 32,498 Gr. Harnstoff excernirt wur- 
dea*) Im Bezug zu den Quantitäten der Harnsäure yrnv- 
den folgende 6 Bestinimungen gemacht, welche mit dem 
2.9 6., 7., 8., 11. und 12. Fall der zuerst mitgetheüten 
Beobachtungen Über die Menge des festen Rückstandes 
ooJncidiren. 

Harnsäure ' Summe d. L 24 Stund, 

in 1000 Tbl. H. in 100 fest. Rückst, ausgeschied. Harnsäure 

1,073 .... 1,626 0,967 Gramm. 

1,124 .... 1,72» 1,357 „ 

1,021 .... 1,638 0,919 „ 

1.097 .... 1,6S1 ...... 1,031 „ 

1,131 .... 2,001 , 1,630 „ 

1.098 .... 1,616 1,195 „ 

Es ergiebt sich aus diesen Bestimmungen, dass der 
Harn in 1000 Tbl als Mittel 1,089 Harnsäure enthält, und 
IQ pCt. von festem Rückstand 1,71; es bestände daher, .wie 
der Verf. bemerkt, in der Quantität des Harnstoffs und der 
Harnsäure ein Verhältniss wie 27 zu 1. 

Zur Bestimmung der freien Milchsäure werden die Er- 
gebnisse der vorher mitgetheilten 3 ausführlichen Analysen 
herbeigezogen; es resultirten daraus folgende M^genver- 
bältnisse: 






*) Ich muss hierbei bemerken, dass diesen Zahlenwerthen 
keine absolute Giltigkeit beigelegt werden kann; schon Lecanna 
beobachtete, das der Harnstoff in dem Haroe einer und derselben 
Person der Quantität nach wenig vanirt, dass aber in seinen 
Mengen bei verschiedenen Personen grosse Differenzen statt 
finden. Das Gleiche habe ich auch beobachtet und es ist keinen 
Augcnb/ick zu bezweifeln, dass die Menge des abgeschiedenen 
Hamstofls im innigsten Zusammenhange steht mit der Art der 
Ernährung (und auch der Nahrung), mit Temperament und mit 
dem körperlichen Wohlsein. F. 8. 



198 Untorsuohiiogeii üb. memebl. Hara 

I0IOOOTU.H. la 100 ThL fest HiicksL in d. währ. 24 Stund. 

entleert. Menge Barns 

i,S6i .... 2,350 1,393 Gramm. 

1,496 .... 2,400 1,346 n 

1,543 . . . .2,216 ^ . . . . . 1,646 „ 
In 1000 Theilen 11 am ergiebt sich hieraus ein Ißttel tod 
1,52 freier Hachsäure, in 100 festem Rückstand beträgt das 
Mittel 2,325 t, in der in 24 Stunden entleerten Menge Harn 
1,462 Gramm. Da indessen einem aus 3 Analysen gezogenen 
IGltel wenig Werth beigelegt werden kann, dem Verf. aber 
die Bestimmung der freien Milchsäure ganz besonders wich- 
tig erschien, so wurden in dieser Beziehung noch 3 Unter- 
suchungen angestellt, welche für 1000 Harn 1,529, — 1,509, 
— 1,550 ergaben, also im Mittel 1,53. Es lässt skh hier- 
" aus berechnen, dass während 24 Stunden mit dem Harn 
1,6077 GramoL freier Milchsäure entleert werden. Fttr die an 
Basen gebundene Milchsäure wurden folgende Bestinmiun- 
gen aus- den 3 früher angeführten, genauen Untersuchungen 
gezogen: 
Für lOüO TU. H. Für 100 fest Bückst. Für d. L 24 Stund, ent- 

• • • • • 

leerte Menge Harn 

0,819 1,240 0,^735 GFsrnm. 

1,453 2,331 1,307 „ 

1,330 1,956 1,444 „ 

Es ergiebt sich hieraus ein Mittel von 1,2 p. Mille an 
Basen gebundener Milchsäure, vom festen Bückstande beträgt 
diese l,702f, für die in 24. Stunden entleerte Menge Harn 
1,162 Grm. Drei andere Bestimmungen, welche gleichzeitig 
mit denen über freie Milchsäure angestellt wurden, ergaben 
noch 4000 TU. Harn 1,157 ^ 1,099 und 1,106. Es lässt 
sich hiemach für die an Basen gebundene* wasserfrei enge* 
nommene Milchsäure berechnen, dass in 24 Stunden 1,1844 
Grm. und in 100 TU. festem Bückstand 1,704 f gebundene 
Milchsäure enthalten sind. 

Harn beim Genuss rein animalischer Kost 
Um die Quantitäten der stickstoffhaltigen Kost genauer 
bestimmen zu können, wurden eine Zeit lang nur Eier genossen, 
welche imDurchschnitt 23,01 Gramm. Weisses und 16,45 GramoL 



UntersochoDgen ttb. mentdil. Harn. 



4M 



Dolter enliiieilen. Während 4 Tage worden 1S8 fiHiner- 
eier oensumirt, des Tages also 32 SCÜck oder 497,28 Gramm 
Dotter und 736,32 Gramm. Weisses, in dem ersten wurden 
18,46 f, in dem zweiten 13,28 f Albumin gefunden. Das 
Fett des Dotters betrag 31,81 f desselben; diesen Beredt 
nungen nach sind in den während 24 Stunden genossenen 
736,32 Gramm. Ei weiss und 497,28 Gramm. Dotter, 189,7 Grm. 
troeknes asobefreies Albumifi und 157,48 Gramm. Fett, und 
mit ZugrundleguDg von Scberer's Analysen wurden Im Albo- 
min täglich 104,335 Grm. Kohlenstoff und 30,16 Grm. Stick* 
Stoff und in dem FetI 124,41 Grm. Kohlenstoff, in Summa also 
228,76 Grm. Kohlenstoff genossen; weniger mithin als Liebig 
fttr die tägHohe Menge angiebt, welche von Personen unter 
verschiedenen Verhältnissen verzehrt wird. Lehmann be* 
stimmte den während 24 Stunden gesammelten Harn, sein 
absolutes und spez. Gewicht und die Menge der festen 



Bestandtheile 


• 


. 


Fest«r RUf^sUüide 




Absohlt Gew. 


Spez. Gew. pGt 


Srnnma. 


Am 20. Jtili 1837 . . 921 . 


1029^ . 8,087 


. 79,34 


. fj .-'L „ 


w 


, . 1?40 . 


1021,9 . 6,612 


. 81,9f 


„ 22. „ 


7} 


998 


1030,7 . 8,423 


. 84,06 


» 23. „' 


7> *' 


. 1076 . 


1027,8 . 7,772 


. 83,55 


„ 24. „ 


» 


. 1184 . 


1026,4 . 7,230 


. 85,61 


.. 25. „ 


» 


. 1384 . 


1018,7 . 5,921 


. 82,09 


» 26' n 


?) 


. 1113 . 


1028,5 . 7,815 


86,99 


» *!• » 


» 


. 1092 . 


1028,9 . 7,904 


. 86,23 


n 28. „ 


» 


. . 979 . 


1033,8 . 9,068 


88,78 


„ .2^. „ 


» 


. 1211 . 


1026,3 . 7,238 


. 87,85 


„ 30. „ 


IJ 


. .. 1346 .. 


.1024,3 . 6,673 


o.f,o» 


» 31. „ 


)> 


. . 1127 . 


1029,0 . 7,838 


. 88,38 



Vergleicht man diese Reihe mit der frühem ähnlichen^ 
welche' beim Genuss gemischler Nahrung erhalten worden 
war, so erhält man in Durchschnittszahlen: 

b. gemischt. Kos( b. animal. Kost 
Absolutes Gewicht d. in 24 • 

Stund, gelassenen Harns . 1057,8 Gramm. 1202,5 Grm. 
Spez. Gewicht ..... 1022,0 „ . 1027,1 „ 
Prozente d. fest. Rückstandes 6,582 „ . 7,548 „ 
Summe d. fest Bestandtheile 67,820 „ . 87,440 „ 



200 



UulersadiuDgen ttb. menschL Harn. 



Hieraus ergiebt sieb, d$ss bei roin -animalischer Kost 
sieh die Quantität der Bestandlheile des Harnes vecmehrt^ 
zugleich aber auch, was auffallend ist, der Wassergehalt 
des täglich gelassenen Harns um 125 Gramm, zunimmt; ob- 
gleich diese Versuche im Juni, die mit der gemischten Kost 
dagegen im Oktober angestellt wurden. 

Da im Mittel bei dem G^iuss rein animalischer Kost 
tftgUcb durch den Harn 88,22 Gramm, fester Bestandtheile ent- 
leert, dagegen 350 Granmi. Nahrungsstoffe aufgenonunen wur- 
den, so ist fast genau der vierte Theil der genossenen Nah- 
rung durch den Harn entleert worden. Die qualitativen 
Veränderungen, welche der Harn während des Genasses 
rein animalischer Kost erkennen lässt, ze^;en sich zunächst 
in der Färbung; der Harn wurde blass, strohgelb, iimpid, 
ähnlich wie der Harn von Garnivoren; durch Salpetersäure 
wurde ohne vorherige Concentration ein sehr wenig gefärb- 
ter oder farbloser salpetersaurer Harnstoff niedergeschlagen. 
Die sich allmählig in geringer Menge und in grossen Kry- 
stallen ausscheidende Harnsäure war blass, lehmgelb gefärbt 
und wurde an der Luft bald licht scharlachroth. Die Reak- 
tion des Harnes war stets erkenntlich sauer. Zwei Analy- 
sen, welche mit dem am 28. und 30. Juli gelassenen Harn, 
nach der früher erwähnten Methode, angestellt wurden, er- 
gaben (olgende Resultate in 1000 Thl.: 

28. Juli 30. Juli 

Wasser \ . , . 909,32 . . 933,27 

Fester RUcksUnd ..... .96,68 . .66,73 



Harnstoff 53,79 

Harnsäure .1,41 

Freie Milchsäure ...... 2,28 

Milchsaure Salze 1,67 

in Wasser lösliche extraktive Mat 0,82 

In Alkohol lösliche extraktive Mat. 4,50 

Schleim * 0,09 

Kochsalz und Salmiak ... . 5,37 

Schwefelsaure Salze 11,51 

Phospborsaures Natron .... 5,52 

Erdphosphale 3,73 



;il,65 
1,18 
1,64 
1,02 
0,61 
3,24 
0,11 
3,46 
7,08 
4,04 
2,70 



Untarsttchungen üb. mensobl. Harn. 



201 



Harnstoff in 100 

Tbl Harn 
Am 23. Juli 4,571 



n 



?7 



11 



27. 
28. 
29. 
30. 
31. 



11 



11 



11 



11 



11 



4,667 
5,379 
4,619 
4,165 
5,036 



Summe d. tägl. ab* 
geiscbied. Harnst 
. 49,134 Gramho. 
. 50,913 
. 52,034 
. 56,095 
. 54,071 
. 56,887 



11 



11 



11 



11 



In Bezug auf die täglieh abgeschiedenen Mengen von 
Harnstoff und dessen Verhältniss zu den Übrigen festen Be- 
standtheflen wurden nachstehende sechs Beobachtungen 
angestellt: 

Gehalt d. Harnstoffs in 
100 TU. fest. RQckst. 

58,815 . . 

59,043 . . 

59,320 . . 

63,811 . . 

62,413 . . 

61,382 . . 
Hieraus ergiebt sich beim Vergleichen mit den früher 
angegebenen normalen Verhältnissen beim Genüsse gemisch- 
ter l^ahning, dass bei rem animalischer Kost täglich 20,7 
Gramm. Harnstoff mehr ausgeschieden werden; bei gemischter 
Kost ist das Verhältniss des Harnstoffs zu den übrigen festen 
Bestandtheilen ss 100 : 116, bei animalischer dagegen as 
100 : 63. Zieht man aus den vier letzten über den Ham- 
stoffgehalt des Urins gemachten Beobachtungen ein Mittel, 
um die Quantität des zur Bildung von Harnstoff verwende- 
ten Albumins berechnen zu können, so sind täglich 54,77 
Gramm. Harnstoff entleert worden; diese enthalten 25,62 Grm. 
Stickstoff und es müssen von den 189,7 Gramm, des täglich 
consunüriea Albumins 161,2 Gramm, ihren Stickstoff zur Bil- 
dung von Harnstoff hergegeben haben. In Bezug auf die 
abgeschiedenen Mengen der Harnsäure sind 4 Beobachtun- 
gen an den letzten 4 Tagen nach der reinen Eierkost ange- 
stellt worden. 

Harnsäure Summe d. tägl. 

in 100 Thl. H. in 100 Tbl. fest Rückst, ausgesch. Säure 

28. JuK 0,141 .... 1,554 1,371 Gr. 

29. „ 0,120 .... 1,630 : . . . . 1,432 

30. „ 0,118 .... 1,764 1,565 

31. „ 0,137 .... 1,749 1,546 

Da bei gemischter Kost täglich 1,183 Gramm. Harnsäure 

ausgeschieden werden, so ist durch die reine Eierkost eine 
Vermehrung von 0^295 Gramm. Harnsäure bewirkt worden; es 



11 



11 



11 



SOS Unlersochungen üb. mensehl. flarn. 

dürfte daher die animalisdie Kost kaum eine Vennehning 
der Hamsäurfbildung im gesunden Organismus hervorzu- 
bringen im Stande sein. Bei gemischter Kost ist das Ver- 
hältniss der Harnsäure zu den übrigen festen Bestandthei«' 
len des Harns » ± : S8fij bei animalischer Kost«s i : 59,7; 
es tritt hier also bei der animalischen Kost eine Verminde- 
rung ein. In Bezug zum Harnstoff dagegen ist das Verhall- 
niss der Harnsäure bei gemischter Kost ■■ 1 : 27,0, bei 
animalischer Kost mx 1 : 32,7; es ist hier also die Hämsüure 
keineswegs dem Harnstoffe proportional vermehrt und wohl 
nicht anzunehmen, dass sich die Harnsäure g)eichmässig wie 
etwa der Harnstoff, aus dem ProteYn erzeuget Während 
der letzten 4 Beobachtungen wurde auch die Quantität der 
freien. Milchsäure zu bestimmen gesucht. 

In 100 Thl. H. in 100 ThI. fest Bückst TägUch' 

. 2,514 .... 2,232 Grm. 
. 2,411 .... 2,056 „ 
. 2,457 .... 2,207 „ 
. 2,461 .... 2,175 „ 
Es wurden mUbin täglich bei animalischer Kost im 
Durchschnitt 2,167 Grm. freie Bfilchsäure entleert, eine Quan- 
tität, die in gar keinem Verhältniss zu dem ausgeschiedenen 
Harnstoff steht, so dass also der grösste Theil des Harn- 
stoffs nicht an Milchsäure gebunden war. Zur Bestimmung 
der phosphorsauem Erden sind 5 Beobachtungen gemacht 
worden. 

In 100 Thl. fest Bückst Tägfich 
. 3,913 .... 3,374 Grm. 
. 4,102 ... . 3,642 „ 
. 4,134 . . . . 3,632 „ 
. 4,046 . . . , 3,635 „ 
, 3,994 .... 3,630 „ 
Es wurden hiemach bei animalischer Kost im Durch- 
schnitte täglich 3,562 Grm. phosphorsaure Erdm durch den 
Harn entleert, wogegen bei gemischter Kost nur 1,130 Gramm 
beobachtet wurden. Nimmt man den Gehalt des Albumins 
an Erdphosphaien* zu 2 f an, so wären nach obigen Be- 
stimmungen täglich 3,794 Grm. Erdphosphate consunürt wor 



26. JuU 


. 0,228 


29. t, 


. 0,169 


30. „ 


. 0,164 


31. „ 


. 0,193 





. 


In 100 Thl. H. 


Ii 


27. 


JuU 


. 0,309 . . . 


28. 


)i 


. 0,372 . . 


. 


29. 


w 


. 0,299 . , 


» •• 


sa 


}J 


. 0,270 . 


■ . 


31. 


fl 


• 0,313 . 


i_ • 



UnCersuobuiigen üb. meDSdiL Ham. 203 

den. B8 wSre wohl irrig anzunehmen^ dass ron diesen 
3|794 Gnn. Erdpbosphaten 3,5fö Gnn. durch den Urin fort- 
geführt und die .übrigen 0,232 Gnp. mit den Fäces, durch 
Häuiabschuppong u. s. w. fortgehen. Bei gemischter Rost wer- 
den noch viel grössere Mengen pho8{dior8aurer Erden genossen, 
ohne dass im Urin dadurch die Mengen derselben vermehrt 
wttrden, da der grösste Theil durch den Darm wieder fort- 
gefilhn wird. Es werden Überhaupt mehr f rdphosphate 
von dem Körper abgegeben als aufgenommen, und dieses 
Plus wird ohne Zweifei in der Stofimetamorphose durch die 
Oxydation des in den ProteYnyerbindungen enthaltenen Phos- 
phors erzeugt Diese Annahme wird durch die hier milge- 
theilten Beobachtungen bestätigt, da beim Genuss der Eier 
das in dem Dotteröl enthaltene phosphorreiche Fett in die 
Säftemasse des Körpers übergeführt und durch Oxydation 
seines Phosphors, so wie des Phosphors der ProteYnverbin- 
düngen, die Phosphorsäure für den pbosphorsauem Kalk er- 
zeugt wird, während von den Erdphesphaten der Nahrungs- 
stoffe nur ein gewisser Theil in das Blut übergeht. Der Kalk 
findet sich im Bhite in hinreichender Menge, durch das Trink- 
wasser demselben zugeführt, und es kann sich also die freie 
Phosphorsäiire leicht mit ihm Verbinden; ai\ch die Quanti- 
täten des ausgeschiedenen phosphorsauem Natrons bestä- 
tigen diese Ansicht; während bei gemischter Nahrung täg- 
lich im Durchschnitt 3,673 Grm. phospborsaures Natron durch 
den Ham abgeschieden wurden, stieg diese Menge bei der 
rein anunalisühen Kost auf ohngefähr 5,217 Gramm. 

Harn beim Genuss rein vegeiabilischer Nah* 
rungsmiiieL 

Die Versuche wurden im August 1837 angestellt, die 
Speisen siait mit Butter mit feinem Olivenöl bereitet; Störun-^ 
gen im allgemeinen Befinden wurden nicht wahrgenommen. 

Der Ham war mehr braungelber als gelber Farbe, 
schwachem Gerach und deutlich saui^er Reaktion , die mei- 
slentheüs erst nach 6 bis 8 Tagen verschwand. Der des 
Morgens secemirte Ham war dunkelbraun und setzte bald ein 
Schleimsediment ab; einige Zdt danach schieden sich hell- 
rddilich gefärbte Krystalle von Harnsäure aus. Folgende 



201 



Untersuchungen Üb. menscbl. Harn. 



Reihe giebt die Menge des abgeschiedenen Harns in 24 
Stunden, sein spez. Gewicht und seinen Gehalt an festen 
Bestandfteilen. 













Pester Rückstand 






Absolut Gew. 


Spec. Gew. 


pCt. 


Summe 


12. 


August 


. 980 Gramm. 1028,9 . 


6,760 


. 66,25 


13. 


>) 


. 765 


» 


. 1036,1 . 


8,276 


. 63,31 


14. 


» 


. 1059 


» 


. 1020,1 . 


5,585 


. 59,14 


15. 


n 


. 978 


?) 


. 1026,7 . 


6,013 


. 58,81 


16. 


n 


. 1212 


j) 


. 1016,4 . 


5,001 


. 60,61 


17. 


» 


. 817 


tj 


. 1032,3 . 


7,568 


. 61,83 


18. 


n 


916 


» 


. 1026j8 . 


6,309 


. 57,79 


19. 


n 


. 720 


n 


. 1034,2 . 


8,076 


. 58,15 


20. 


n 


. 796 


n 


. 1029,8 . 


7,090 


. 56,44 


21. 


M 


931 


)) 


. i023,8 . 


5,809 


. 54,08 


22. 


)» 


. 811 


j> 


. 1028,6 . 


6,701 


. 56,36 


23. 


» 


. 1892 


i> 


. 1027,9 . 


6,508 


. 58,a'> 



In der nachfolgenden Uebersicht werden die aus die- 
sen Beobachtungen resultirenden Mittelzahlen mit denen zu- 
sammengestellt, die bei gemischter und animalischer Kost 
gewonnen wurden: 

b. gemischte K. b.animalK. b*vegetab. K. 
Quantität d. tägl. 

entleert. Harns . 1057,8 Gramm. 1202,5Gramm. 909 Grm. 
Spez. Gew. . . . 1022,0 1027,1 1027,5 

Fester Rückstand 

in 100 TU. Harn. . 6,582 7,548 - 6,641 

Feste Bestand t. in 24 SL 67,82 Gramm. 87,44 Gramm. 59,23 Gr. 

Aus einer Vergleichung des mittleren spez. Gew. ergiebt 
sich, dass kein bestimmtes Verhältniss zwischen der Dich- 
tigkeit des Harns und seinem Gehalt an festen Bestandthei* 
len stattfindet, dass verschiedene Bestandtheile eine ver- 
schiedene Dichtigkeit bedingen. 

Bemerkenswerth ist die Verschiedenheit der QüantitKten 
fester Bestandtheile bei verschiedener Kost, indessen liess 
sich schon a priori schliessen, dass bei rein vegetabilischer 
Kost die festen Bestandtheile des Harns vermindert sein 
würden. 



Untersuchungen Üb. menschl. Harn« 



206 



I)ie Quantitäten ausgeschiedenen Harnstoffs wurden an 
7 Tagen bestinunt. 

Harnstoff i. 100 
In 100 ThI. H. fest Rückstand 



17. 


Augost 


18. 


»» 


19. 


H 


20. 


» 


21. 


11 


22. 


II 


23. 


n 



2,887 
2,600 

3,068 

2,831 

2,242 

2,552 

2,569 



38,145 
41,211 

37,988 

40,078 

38,607 

38,093 

39,478 



Täglieh ausge- 
schieden 

23,585 Grm. 
23,815 

22,089 

22,618 

20,880 

21,467 

22,917 



>j 



n 



n 



»I 



11 



V 



Es ergiebt sich hieraus ein Mittel von 39,086 f Harnstoff 
des festen Rückstandes und von 22,481 Gramm, des täglich 
secemirten. Beim Vergleichen dieser Mittelzahlen mit den 
früher aDgegebenen bei gemischter und animalischer Kost 
ergiebt sich: 

In 100 ThI. fest. Rückstand Tägl. entleert 

Bei gemischter Kost • . 46,23 32,498 Grm. 

Bei animalischer Kost . . 61,297 • • • . 53,198 „ 
Bei vegetabilischer Kost . 39,086 . . * . 22,481 „ 

Es ist daher bei vegetabilischer Kost der Hamstoffge- 
hali des Urins nicht allein absolut, sondern auch relativ 
bedeutend verringert. 

In Bezug zu dem quantitativen Verhältniss der Harn- 
säure sind bei vegetabilischer Kost 5 Bestimmuogen ge- 
macht worden: 

InlOOThL Harnsäure in 100 Thi. 

Harn fester Rückstand Täglieh entleert 

. 1,135 Grm. 
. 1,125 
. 0,933 
V 0,942 
. 0,969 

Durchschnittlich wurden also an diesen 5 Tagen täglich 
1,021 Harnsäure entleert. Beim Zusammenstellen dieser Zah- 
len mit den bei frühern Beobachtungen erhaltenen Resulta- 
ten ergiebt sich: 

Simon Beitrüge L S. 14 



17. August 


. 0,140 . . 


. 1,836 


la „ 


. 0,123 . . 


. 1,947 


20. „ 


. 0,117 . 1 


. 1,652 


21. „ 


. 0,101 . . 


. 1,743 


23. „ 


. 0,089 . . 


. 1,489 



206 Untersuchungen Üb. menschl. Harn. 

In 100 Tbl. fest. Rückstand Tägl. entleert 
Bei gemischter Kost . . . 1,710 .... 1,183 Grm. 
Bei animalischer kost . . . 1,674 .... 1,478 
Bei vegetabilischer Kost . , 1,737 .... i,021 

Es ergiebt sich hieraus, dass die Bildung der Harnsäure 
im gesunden Zustande des Organismus ziemlich unabhängig 
von den genossenen Nahrungsmitteln ist. 

Ueber die Quantität der freien und gebundene Milch- 
säure wurden folgende 3 Beobachtungen angestellt: 

Freie Milchsäure 
In 100 Thl. H. In 100 Thl. fest. Rückst. Tägl. entleert 
ÖO. August . 0,155 . . . 2,194 ..... 1,238 Gr. 
21. „ . 0,101 . . . 1,908 . . - . 1,032 „ 
23. „ . 0,135 . . . 2,084 .... 1,209 „ 

Gebundene Milchsäure 

20. „ . 0,178 . . . 2,514 .... 1,419 „ 

21. „ . 0,145 . . . 2,498 \ . . . 1,351 „ 
23. „ . 0,150 . . . 2,315 .... 1,343 „ 

Hiernach sind täglich im Mittel 1,189 Gramm, freie und 
1,371 Gramm, gebundene Milchsäure bei vegetabilischer Kost 
durch den Harn entleert worden. Es scheint daher, dass 
beim Genuss vegetabilischer Nahrungsstoffb. weniger freie, 
aber mehr gebundene Milchsäure, als bei gemischter Kost 
entleert wird. 

Bei gemischt. K. bei animal. K. bei. vegetabil. E. 
Freie Milchsäure . 1,462 . . . 2,167 . . 1,189 Gr. 
Gebund. Milchsäure 1,162 ... ? . . 1,371 „ 

Es ergiebt sich hieraus als nicht unwahrscheinlich, dass 
sich die Quantitäten ausgeschiedener Milchsäure bei ver- 
schiedenen Nahrungsmitteln gleichbleiben und dass die 

Milchsäureaussonderung unabhängig von der Nahrung über- 
haupt sei. 

In Bezug zu den phosphorsauem und schwefelsauem 
Salzen zeigten sich bei dem, während der vegetabilischen 
Nahrung und dem während der gemischten Nahrung gelasse- 
nen Harn keine wesentlichen Unterschiede. 

Es folgen hier 3 Analysen mit dem bei vegetabiUscher 
Kost an einem Tage gelassenen und gemischten Harn angestellt. 



Untersuchungen üb. menschl. Harn. 



207 



Vom 20. August 21. August 23. August 



Wasser 929,10 

Fester Rückstand . . . 70,90 



. . 941,91 . 


. 934,92 


• • ö8,09 


. 65,08 


. . 22,42 . 


. 25,69 


. . 1,01 . . 


0,89 


. . 4,01 . 


1,35 


. . 1,89 . , 


■ 2,06 


. . 2,81 . 


. 3,34 


. . 13,78 . . 


. 16,77 


. . 0,10 . 


. 0,10 


. . 3,07 . . 


. 3,71 


. . -7,14 . . 


7,23 


• 3,68 


. 3,74 


. . 1,09 . . 


1,11 



Harnstoff 28,31 . 

Harnsäure 1,17 . 

Freie Milchsäure ... 1,5£ . 
Milchsaure Salze . . . 2,39 . 
Extractivstoffi. Wasser lösl. 3,80 . 
ExtracüVstoffi. Alkohol lösl. 17,84 . 

Schleim 0,12 . 

Kochsalz und Salmiak . 3,80 . 
Schwefelsaure Salze . 7,16 . 
Phosphorsaures Natron . 3,54 . 
Erdphosphate .... 1,22 . 

Beim Vergleichen dieser Untersuchungen mit den frU- 
het miigelheUten stellen sich die grössten Unterschiede in 
den Quantitäten der extracliven Materien heraus. Berechnet 
man aus den Analysen die Menge der in Alkohol löslichen 
und unlöslicben extractiven Materien, so ergiebt sich aus 
den Hittelzahlen folgendes auffallendes Verhältniss: 

Extractivstoffe 

in 100 fest. Rückstand 

Bei gemischter Kost . . 16,637 . . 

Bei animalischer Kost . . 5,818 . . 

Bei vegetabilischer Kost . 29,482 . . 

Die animalischen Nahrungsmittel bedingen also eine ab- 
solute und relative Verminderung der extractiven Materien 
im Harne, vvähreud diese bei vegetabilischer Nahrung rela- 
tiv und absolut vermehrt werden. 

Harn beim Genuss stickstofffreier Nahrungs- 
mittel. 

Der Versuch die Veränderungen des Harns bei völlig 
stickstofffreier Kost zu beobachten, ist ausserordentlich schwie- 
rig, da es viel Ueberwindung kostet sich der gewöhnlich- 
sten Bedürfnisse zu entschlagen und man das Ausschliessen 
stickstoflhaltjger Nahrungsmittel nicht lange fortsetzen kann, 
ohne eine wahrhaft krankjiafte Reaction des Organismus 
herbeizuführen, wo eine rein physiologische Beobachtung 

14* 



täglich entleert 
10,489 Gramm. 

5,196 „ 
16,499 



j> 



208 



Untersuchungen üb. menschl. Harn. 



nicht mehr möghch ist Es wurde theils Stärkemehl, Rohr- 
und Milchzucker, theils Oelemulsionen mit Zucker- oder 
Stärkemehl genossen; es wurden täglich etwa 400 Gramm. 
Stärkemehlzucker und Gummi und 125 Gramm. Mandelöl, wel- 
ches zusammen nahe zu 280 Gramm, oder 18 Lotb Kohlenstoff 
enthalten, genossen, also 51 Gramm. Kohlenstoff mehr, als bei 
der reinen Eierkost. Von der Art der krankhaftem Symptome 
und Veränderungen spricht der Verfasser nicht. Es wäre 
interessant gewesen, hierbei den Puls und die etwaige Ver- 
änderung der Temperatur des Cörpers mit in die Beobacb- 
tungsreihe hinein zu ziehen. 

Der Harn, weicher nach 24stUnd]gem Genuas von stick- 
stofifTreier Nahrung gelassen wurde, zeichnet sich durch die 
fast braunrothe Farbe, und durch die geringe saure Beaction 
aus. Durch Zusatz von Salzsäure wurde er noch dunkler 
gefärbt und entwickelte einen widrigen Geruch, wie man 
ihn gewöhnlich beim Harne nach Zusatz von Mineralsäuren 
beobachtet Nach 24 — 36 Stunden stellte sich bereits alkar 
tische Beaction ein. Hippursäure konnte in dem Harne nicht 
beobachtet werden. Nachstehende Analysen sind im Juni 
1840 am zweiten und dritten Tage ölhaltiger azotloser Kost 
mit dem Harne angestellt worden. 

1. 

Wasser 953,98 . 

Fester BUckstand . 460,2^ . 

Harnstoff 18,92 . . 11,08 

Harnsäure 0,89 . . 0,64 

Milchsäure und milchsaure Salze . . . 4,89 . . 5,11 
In Wasser lösliche Extraktivstoffe . . 2,80 . . 2,71 
In Alkohol lösliche Extraktivstoffe . . 8,32 . . 8,78 

Schleim 0,11 . . 0,11 

Kochsalz und Salmiak 2,74 . . 1,14 

Schwefelsaure Salze 3,25 . . 2,98 

Phosphorsaures Natron 3,01 . . 2,48 

Phosphorsaure Erden 1,00 . . 0,91 

Da am zweiten Tage 977 Gramm., am dritten 1113 Gramm. 
Harn gelassen worden waren, so sind damit abgeschieden 
worden: 



2. 

965,11 
34,89 



Untersaohungen üb. menschl. Haiu 209 

am zweiten Tage am dritten Tage 
Feste Bestandtheile . . 44,524 Grm. . . 38,836 tirm. 



12,332 „ 

0,601 „ 

5,687 „ 

12,844 „ 



Harnstoff 18,484 „ 

Harnsäure 0,869 „ 

Milchsäure Salze • . . 4,865 „ 
Extractivstoffe .... 10,864 „ 

Bei Vergleichung dieser Zahlen mit den früher mitge- 
iheilten stellt sich heraus, dass die Vermehrung der Extrak- 
tivstoffe imd milchsauem Salze im Harn bei azolloser Kost 
noch grösser ist, als bei vegetabilischer, wodurch das in 
dieser Beziehung schon früher Erwähnte nur noch bestätigt 
wird. Hinzugefügt muss noch werden, dass die milchsauren 
Salze sich ohne Zweifel auf Kosten des Harnstoffs und viel- 
leicht auch der Harnsäure vermehrt haben, denn sie beste- 
hen hier zu wenigstens -({ aus milchsauerm Ammoniak;*) zur 
Sättigung der vergrösserten Menge Milchsäure ist aus den 
untauglich gewordenen stickstoffhaltigen Substraten mehr 
Ammoniak als Harnstoff erzeugt worden. 

Es folgen hier noch in Resum^ die Quantitäten der 
iägUcb ausgeschiedenen festen Bestandtheile des Harns bei 
der verschiedenen Nahning: 

bei gemischt, animal. vegetab. sticksioSTreier 
Feste Bestandtheile 67,82 87,44 59,2| 41,68 Gran 
Harnstoff .... 32,50 53,20 22,48 i5,41 „ 
Harnsäure .... 1,18 1,48 1,02 0,73 „ 



Milchsäureu.mflchs.Salze 2,72 2,17 2,68 5,28 „ 
Extractivstoffe . . . 10,49 5,20 16,50 11,85 „ 



87,44 


59,24 


41,68 


53,20 


22,48 


J5,41 


1,48 


1,02 


0,73 


2,17 


2,68 


5,28 


5,20 


16,50 


11,85 



*) Im Original steht aus koUensauerm Ammoniak. 



Ueber gesunde und kranke Knochen 

nach Untersuchungen Ton 
WrmriehBf Ibureliand, ViMse, Bagrricy and Mnton« 



Gang der Untersuchung. 
Die Untersuchung der Knochen verhreilet sich immer sowohl 
auf ihre yerhrennlichen, wie un^erhrennlichen BestandUieiie. Die 
Art der Ablagerung letzterer in der Struktur der ersteren ist 
nothwendig in Berücksichtigung zu ziehen, desshalb muss eine 
mikroskopische Untersuchung jedesmal der chemischen Untersu- 
chung der Knochen, hesonders wenn man es mit pathologischen 
Veränderungen zu thun bat, vorangehen. Die organische Mate- 
rie des Knochens muss untersucht werden, ob sie beim Kochen 
Leim giebt oder nicht; ob der Leim sich schnell oder, langsam 
bildet, ob er Glutin oder Chondrin ist, oder ob er noch ein an- 
deres wichtiges Verhalten gegen Reagentien zeigt, z. B. Gehalt 
einer albuminösen oder caseinartigen, überhaupt einer protmnhal- 
tigen Verbindung; diese wässrige Auskochung ist auch mit Vor- 
theil auf Gehalt an schwefelsauren oder phosphorsauren Alkalien 
oder selbst auf phosphorsaure Erden zu untersuchen, wenn man 
sie anhaltend mit Salpetersäure kocht, filtrirt und alsdann mit 
Ammoniak auf Erdphosphate, mit einem Baryterdesalz auf Schwe- 
felsäure und Phosphorsäure prüfl. Hiernach wird der Knochen 
vom Fett befreit und gut ausgetrocknet. Es genügt gewöhnlich 
nicht das Austrocknen bei der Temperatur des kochenden Was- 
sers vorzunehmen, da der Knochen die Feuchtigkeit nur sehr 
schwierig abgiebt; man muss den getrockneten Knochen sehr 
fein zertheilen und im Oel- oder Chlorzinkbade bei einer Tem- 
peratur von 115 bis 190 * C. anlialtend erhitzen. Da Nasse 



Ueb. gesunde u. kranke Knochen. 211 

mil Bestimmtheit naci^ge^iesen bat, dass das Fett der Knochen 
unter Umstanden (ich weiss nicht, ob immer?) Phosphor entbflt, 
80 ist die Befreiung des Knochens von Fett vor der Verbrennung 
um so notbwendiger; auch gehört das Fett nicht eigentlich zui|i 
Gewebe der Knochen, sondern ist nur darin abgelagert. Der ver- 
brannte Knochen muss bis zur möglichst vollständigen Weisse 
calcinirt werden; da hierbei der kohlensaure Kalk seine Kohlen- 
säure verliert, so muss man nach dem Glühen die Asche mit 
kohlensaurer Ammoniaklösting befeuchten und noch einmal er- 
hitzen; Die Asche wird nun mit Wasser, dem, wenn* man vor-* 
sichtig sein will, etwas Ammoniak hinzugefügt wird, vollständig 
ausgelaugt und aus der wässrigen Lösung, welche Natronsalze 
der Chlorwasserstoffsäure, Schwefelsäure und Phosphorsäure 
vielleicht auch der Kohlensäure\enthält, werden die ersten drei 
Säuren durch salpetersaures Silber- und Chlorbar^oim gefallt; ist 
mehr Natron zugegen gewesen, als sich mit den gefundenen Säu- 
ren verbinden lässt, so wird dies als kohlensaures Natron berech- 
net. Gewöhnlich genügt die einfache Bestimmung der im Wasser 
Idslichen Salze. Was sidtt in Wasser nicht löst, wird in Ghlor- 
wasserstolEsäure gelöst, und aus der Lösung werden die Erd* 
phosphate durch Ammoniak gefällt, man wäscht sie auf ein Fi(- 
tram aus, troclmet und glühet sie und aus der abgeflossenen 
Flüssigkeit fällt man die Kalkerde, welche der kohlensauren Kalk* 
erde entspricht, durch oxalsaures Ammoniak. Da beini Auswa- 
schen der Erdphosphate immer etwas phosphorsaure Magnesia 
mit fortgeführt wird, so muss man zur Flüssigkeit, aus welcher 
die Kalkerde durch oxalsanres Ammoniak gefällt worden ist, noch 
phosphorsaures Natron fügen, um die Magnesia zu fällen. Will 
man die Erdphosphate trennen, so löst* man sie in Chlorwasser* 
stoffsaure, sättigt genau mit Ammoniak so weit, bis noch kaum 
FlQlung ansteht, fällt dann die Phosphorsäure durch essigsaures 
Blei; die abfiUrirte Flüssigkeit befreit man durch Schwefelstoffgas 
von Blei, fällt aus der neutralen Lösung die Kalkerde durch 
oxalsaures Ammoniak und darauf die Magnesia durch phosphor- 
saures Natron und Ammoniak.*) 



*) Will man auch noch da^ Fluorcalcium bestimmen, so nimmt 
man eine gewogene Menge der durch Ammoniak gefällten Kno- 
cbenerde, bei welcher sich das Fluorcalcium befindet, übergiesst 
dieselbe in einem Platintiegel mit concentrirter Schwefelsäure und 
erwärmt so lange, bis das Fluorcalcium entwichen ist; man er- 



212 * Ueber gesunde und kranke Knochen. 

Oewöhnlich beschränkt man sich indessen darauf, nur das 
Verhältniss der yerbrennlichen und feuerbeständigen Salze za 
ermitteln oder die letzteren in die in Wasser löslichen, in Erd- 
phosphate und in kohlensauren Kalk zu zeriegen. 



lieber gesunde Knochen 
sind von' Frerichs (Annal. d. Chemie u. Pharmacie. Septbr. 
1842) und Marchand (Jeumal f. praktische Chemie, Oktbr. 
1842} Untersuchungen angestellt worden. 

Um zu ermitteln, ob die Knochen eine wesentlich kon- 
stante Zusammensetzung besitzen, hat Marchand ^en von 
Oberhaut und Fett befreiten Schenkelknochen eines 30jäh- 
rigen Mannes untersucht; das Resultat der ^aiyse stimmt 
80 nahe mit der von Berzelius bereits vor vielen Jahren 
angestellten Untersuchung überein, däss die constante Zusam« 
mensetzung der kompakten Knochen wenigstens sehr wahr- 
scheinlich wird. Die Untersuchungen ergaben: 

Berzelius Marcband 

Knor])el in Wasser völlig löslich . . . 32,17 . . 27,23 

„ „ Salzsaure unlöslich ... — . . 5,02 

„ ,1 ,1 löslich .... — . . 1,01 

Gefässe 1,13 . . — 

Basiscti phosphorsaure Kalkerde m. we- 
nig Fluorcalcium 53,04 . . — 

Basisch phosphorsaure Kalkerde ... — . . 52,26 
Fluorcalcium — 1,00 



kennt dies daran, dass eine aufgedeckte Glasplatte nicht mehr 
angeätzt wird; hierauf behandelt man die rückstandigen Salze 
mit Wasser, um die schwefelsaure Kalkerde vollständig auszuzie- 
hen, fällt aus der wässrigeu Lösung die phosphorsaure Kalkerde 
durch Ammoniak und dann die dem Fluorcalcium entsprechende 
durch oxalsaures Ammoniak. Auch kann man die Knochenerde 
in einer Betorte mit Schwefelsäure erhitzen und das ausgetrie- 
bene Fluor in Ammoniak auffangen und aus dieser Lösung durch 
Cblorcaicium fällen. 



lieber gesunde uad kranke Knochen. 213 

Berzelius Marchand 

Kohlensaure Kalkerde 1,30 . . 10,21 

Phosphorsaure Magnesia 1,16 • • ^fiS 

Natron mit wenig Kochsalz 1,20 . ' — 

Natron — ^^^ 

Ghlornatrium — 0,25 

Eisenoxyd, Manganoxyd, Verlust ... — . . 4,05 



100,00 . • 100,00 
Da die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen über 
das relative Verhältniss der organischen Bestandtheile zu 
dem unverbrennlichen Rückstand in den Knochen verschie- 
dener KörperlheUe eines und desselben Individuum, so wie 
auch in den Knochen von Personen verschiedenen Alters, 
wMug Uebereinstimmung zeigen, so hat Prerichs diese 
Arbeit noch einmal aufgenommen. Die gereinigten und vom 
Periosteum befreiten Knochen wurden zepstossen, das Fett 
aus ihnen mit Aether entfernt und im Oelbade bei + 130 bis 
140 * so lange getrocknet, als sich nur ein Gewichtsverlust 
zeigte; es wurde alsdann eine gewogene Menge in einem 
Hatintiegel caicinirt und die vielleicht entwichene Kohlen- 
säure durch Erhitzen mit kohlensaurem Ammoniak wieder 
ersetzt und alsdann wieder gewogea Der Yert hat sich 
der Knochen bedient, welche bereits einer Maceration durch 
KaÜL unterworfen Waren; vermieden v^irden dabei diejeni- 
gen, bei welchen in Folge dieser Behandlung ein Theü des 
Knorpels zerstört war, so wie auch die, welche in ihren 
Höhlungen Theüe des Macerationskalkes eingeschlossen hat- 
ten; die Knochen eines Erwachsenen waren von einem und 
demselben Individuum. Zu den Analysen wurde Gortical- 
und Medullarsubstanz gleichmässig genommen. 

Unorgan. Best Organ. Best. 
Os parietale eines Erwachsenen . . 68,5 • . 31,5 
„ „ eines Kindes von 3 Jahren 66,3 . . 33,7 
Pars petro8aoss.temporum eines Erwach. 70,2 . . 29,8 
Maxilla inferior eines Erwachsenen . 68,0 . • 32,0 
„ „ ein. Kindes V. 3 Jahren 62,8 . . 37,2 

Sternum eines Erwachsenen . . . 64,7 . 35,3 
Costa „ „ ... 65,3 . . 34,7 



214 Ueb«r gesimde und kranke- Knochen. 

Unorgan. Best Organ. Best. 
Humerus eines Erwachsenen . . . 68,3 . . 31,7 
Humerus u. UIna eia Foetus V. 8 Monaten 63,2 . . 36,8 
Radius eines Erwachsenen .... 66,3 • . 33,7 
Radius eines 10jährigen Knaben . • 65,5 . . • 34,5 
Tibia eines Erwachsenen ..... 66,2 . . 33,8 
Fibula eines Erwachsenen .... 66,5 . . 33,5 
CariöseExcrescenzen einer andern Fibula 61,2 . . 38,8 
Os «netatarsi eines Erwachsenen . .. 65,9 . . 34,1 
Patella eines Erwachsenen .... 63,7 . • 36,3 
Corpus vertebraelumbonimein«Erwachs.' 60,5 . . 39,5 
Der Verf. scbHesst aus diesen Untersuchungen, 

1) dass dep Kalkgehalt in den Knochen verschiedener 
Körperiheile eines und desselben Individuums verschieden ist. 

2) dass um so weniger feuerbeständige Salze, als dieMark> 
kanälchen und Markhöhlen in den Knochen zunehmen, also 
weniger in den spongiösen Knochen, als in den kompakten; 
indessen sucht der Verf. den grossem Gehalt spongidser 
Knochen an organischer Materie nicht in einer grossem 
Menge des Knorpels, sondern der Membran und Gefässe, 
welche die Markböhlen und Markkanälchen auskleiden. 

3) diass die unorganischen Bestandtheile mit dem Alter 
Kunehmen. Sehr ey er fand in den Knochen des Kindes 
48,48, in denen Erwachsener 74,84 in demen von Greisen 84,10 
feuerbeständige Salze; eine so bedeutende Zunahme unorga« 
nischer Materie konnte der Verf., wie sich aus den vorher* 
gebenden Untersuchungsreihen ergiebt, bei Erwachsenen nicht 
bestätigen, denn der Unterschied beträgt hier nur 2 bis 5t; 
besonders muss das Verhältniss der unorganischen Substanz 
in dem Humerus und der Ulna eines Foetus von 8 Monat» 
wo diese 63,2 i beträgt und das in dem Humerus eines Er- 
wachsenen, wo sie 68,3 * beträgt, hervorgehoben werden, 

4) dass die Quantität der unorganischen Substanz in 
den Knochen grösser ist, als dieses Rees und einige An- 
dere angeben, vermuthlich weil bei ihren Untersuchungen 
das von den Knochen so hartnäckig zurückgehaltene Wasser 
nicht vollkommen entfernt worden war. 

Der Verf. stellte einen Versuch an, um zu ermitteln, 



Ueber gesuüde ond kranke KnocbeiL 21$ 

auf welche Weise die kohlensaure und phoq[>hor8aure Kalk- 
erde in den Knochen vertheilt, oder neben einander gela* 
geri sind, ob etwa die eine Verbindung ausschliesslich in 
den Knochenkörperchen, die andere in der strukturlosen 
Zwischensubstanz sich befinde. Aus einem dUnnen Knochenr 
blältchen, in welchem die Knochenkörperchen und ihre radi- 
enartige Yerzweigungen deutlich zu erkennen waren, wurde 
mit sdiwacher Kalilauge vorsichtig der Knorpel ausgezogen, 
das filättohen gereinigt und mit einer Lösung von salpeter- 
saurem Silber befeuchtet. Unter dem Mikroskope zeigte sich 
jetzt die Substanz ttberaU gleichmässig gelb gefilrbt, ein 
Beweiss, dass kohlensaure und phosphorsaure Kalkerde durch- 
weg auf gleiche Weise vertheill sind. Um die iPrage zu 
eriedigen, ob in der - stivkturiosen Zwischensubstanz der 
Knochen die Kalksalze mit dem Knorpel chemisch verbun* 
den oder mechanisch darin vertheilt sind, versuchte der 
Verf. eine solche Verbindung von - phosphorsaurem Kalk mit 
Leim durch Mischen einer Lösung gewöhnlichen Leims- und 
basisch pbosphorsaurer Kalkerde in Salzsäure und Fällen 
durch Ammoniak darzusteUen; der erhaltene Niederschlag 
enthielt 18,5 f Leim; wurd^ eine gleiche Mischung mit einem 
aus Knochenknorpd bereiteten Leim, wobei dieser im Ue* 
berschuss angewendet wurde, dargestellt, so wurde aus 3 
Versuchen ein Mittel von 26,6 i Leim erhalten« Dieses Ver- 
faältniss scheint lür eine chemische Verbindung des Leims 
mit der Knochenerde zu sprechen; legt man das von Mul* 
der bestimmte Atomgewicht des Leims zu Grunde, so mttsste 
euie Verbindung von 1 Atom Knochenerde und 1 Atom Leim 
%,2f des letzteren enthalten. Um zu untersuchen, ob in 
den spongiösen und kompakten Knochen das Verbältniss 
zwischen kohlensaurem und phosphorsaurem Kalk sich gleich 
bleibe, wurden Analysen von beiden Knochenarten eines 
und desselben Individuum angestellt. Sie ergaben 

f. spongiöse Knoch. -f. kompakte Knoch. 
1. 2. 1. 2. 

Organische Substanz . S8,22 37,42 . « 3L46 30,94 
Pbosphorsaure Erden . 50,24 51,38 . . 58,70 59,50 
Kohlensauren Kalk . . 11,70 10,89 . . 10,08 9,46 

100,16 99,69 . . 100,28 99,90 



216 lieber gesunde und kranke Knochen. 

Hieraus scheint hervorzugehen, das^ in den kompakten 
Knochen und in den spongidsen Knochen das relative Ver« 
hältniss zwischen phosphorsaumn Erden und kohlensauenn 
Kalk nicht ganz dasselbe ist; in den ersteren würde von 
der Summe beider Erden die phosphorsaure Kalkerde 86, 
in den andern 82 -J^ betragen. 

Knochen, welche längere Zeit atmosphärischen Einflüssen 
ausgesetzt sind, verändern sich zwar, jedoch mcht wesent- 
lich, besonders wenn sie vom Erdreich bedeckt waren; 
indessen hat die Lagerstätte anf die Zusammensetzung Ein- 
fluss, wie dieses aus zwei vergleichenden Analysen, welche 
Marchand mit Bärenknochen aus der Gailenreuter Höhle 
angestellt hat, von dem der eine, nahe der Oberfläche, der 
andere aus einer bedeutenden Tiefe genommen war, her- 
vorgeht. Die Analyse des tiefer gelegenen Knochen ist mit 
2., die des an der Oberfläche gelegenen Knochens mit 1. 
bezeichnet. Ausserdem wurde von Marchand noch der 
Oberschenkelknochen eines fossilenHirsches untersucht, dessen 
Analyse mit 3. bezeachnet ist. 

1. 2. a 

Thierische Substanz ........ 4,20 16,24 7,25 

Phosphorsaure Kalkerde . . . . . 62,11 56,01 54,15 

Kohlensaure Kalkerde 13,24 13,12 19,26 

Schwefelsaure Kalkerde 12,25 7,14 12,24 

Fluorcalcium 2,12 1,96 2,06 

Phosphorsaure Magnesia 0,50 0,30 2,12 

Kieselsäure .•••.•.«... ^ 2,12 2,15 «— 
Eisenoxyd, Manganoxyd, Natron u. Verlust 3,46 3,08 — 
Eisenoxyd, Manganoxyd und Verlust — — 2,90 

100,00 100,00 100,00 
Aus diesen Untersuchungen ergiebt sich, dass mit der 
Abnahme der thierischen Substanz die Menge der kohlen- 
sauren Kalkerde zunimmt; ferner ist in allen 3 Analysen 
die Menge des Fluorcalciums viel aiüsehnlicher als in den 
Knochen der Thiere späterer Zeit 



Ueber gesunde und kranke KnocbeiL 217 



Ueber kranke Knochen. 



Es sind in der letzten Zeit mehrere Arbeilen über die 
erkrankten Knochen veröffentlicht worden, von denen ich 
das Wichtigste hier zusammen stellen will; eine Reihe von 
Untersuchungen, die von Dr. Ragsky angestellt worden 
sind, veröffentlicht Rokitansky in der 2. Lief, des 2. Bd. 
seiner pathologischen Anatomie; andere Untersuchungen sind 
von Mai-chand geliefert worden; endlich hat Ephraim 
eine Analyse mitgetheilt, ich selbst habe mich mit der Un* 
tersuchung des Osteoides beschäftigt und Nasse mit kran* 
ken Rippenknochen. 

Es wird gewiss vielen der Leser angenehm sein, wenn 
ich dasjenige, was der iim die pathologische Anatomie so 
sehr verdiente Rokitansky Über das äussere Verhalten und 
die innere Struktur der erkrankten Knochen spricht, hier 
voranschicke. 

1) Exostose. Die kompakte Exostose erscheint als ein 
gleichsam wie aufgeleimter planconvex^r Knoten, der nicht selten 
die Knochensubstanz, auf welcher er aufsitzt, an Härte und Dich- 
tigkeit iibertrifll und dann die elfenbeinartige Exostose darstellt; 
diesQ ist schon von Beginn an in gleicher Dichtigkeit gebildet, so 
dass selbst die kleinsten hirsekornartigen Auswüchse von glei-. 
eher Dichtigkeit wie die grösseren, nie spongiös erscheinen, und 
in der Art fortwächsen, dass die neusten Schichten immer bald 
in den Zustand elfenbeinartiger Dichtigkeit übergehen. In der 
Grösse vaniren sie von der eines abgeplatteten Hirsekorns bis 
zu der einer Haselnuss; ihre Oberfläche ist eben, bisweilen auch 
uneben, aber immer glatt und wie polirt; wachst sie über das 
gewöhnliche Mass, so stellt sie bisweilen einen homartigen, bis* 
weilen mehr oder weniger walzenförmigen Höcker dar; die Farbe 
dieser kompakten Exostosen ist weiss, gelblich weiss und weisser 
als der Knochen, auf dem sie aufsitzt. % Die schwammige Exo- 
stose stellt einen Tumor von zelliger Textur dar, strotzend von 
Knochenmark und von einer kompakten Lamelle als Hülle um- 
kleidet, sie entwickelt sich bald aus der kompakten, bald aus 
der spongiösen Knochensubstanz j ihre Rinde geht in die des be- 



218 Ueber gesuBde und kranke Knocben« 

treffenden Knochens über. Man findet auch schwammige Exo- 
stosen, die innerhalb der kompakten Rinde nicht nur das schwam- 
mige Gewebe^ sondern auch eine förmliche Markhöhlung zeigen, 
welche mit dem Tubus medullaris kommunicirt. Nachdem die 
schwammige Exostose durch unbestimmte Zeit in ihrer eigenthüm- 
liehen Texturbildung beharrt hat, tritt in ihrem Innern eine Mas- 
senzunahme, Sclerose, in verschiedenem Grade und Ausdehnung 
ein; sie bekommt eine kompakte Rinde von ansehnlicher Dicke, 
von welcher ein Lager schwammiger Substanz oder eine förm- 
liche Markhöhle eingeschlossen wird; sie wird auch in der Tiefe 
an verschiedenen Stellen, ja selbst durch und durch, gleichm'ässig 
kompakt. 

2) Osteophyt. Scharfe Grenzen lassen sich nicht zwischen 
Exostose und Osteophyt ziehen, dennoch hat letzleres so manche 
augenfällige Eigenthümlichkeiten, dass man es in der Mehrzahl 
der Fälle leicht von der Exostose unterscheiden kann. Der Exo- 
stose gegenüber erscheint das Osteophyt als ein Knochengebilde, 
welches in den mehrsten Fallen ausgebreitete Stellen eines Kno* 
chens einnimmt und diesen in verschiedenen Formen überklei- 
det. Das Osteophyt erscheint sammBtähnlich , vülös, wenn 
es als reifäbnlicher Anflug den Knochen bedeckt oder als eine 
bisweilen 1 bis 2 Linien dicke Schicht,^ die aus zarten Fibrillen und 
Lamellen besteht und dadurch das Ansehen des Sammets oder 
eines zartfaserigen Filzes erhalt. Indem es dichter wird, erhalt 
es eine glatte , von zahlreichen feinen Poren durchlöcherte Rinde 
und in der Tiefe ein deutlicheres lamellöses Gewebe. Die Farbe 
dieses Osteophyts ist im frischen Zustande, je nach der Intensi- 
tät des dasselbe bildenden Prozesses, nach der Dauer seiner Exi- 
stenz und dem Fortgange seiner Verknöcberung, bläu, rosen^ 
röthlich, ins Gelbliche fallend, schmutzig weiss, endlich blendend 
weiss mit einem seiden- öder asbestähnlichen Glänze. Das 
Osteophyt erscheint als das splittrig-blattrige , wenn es als koni- 
sche, bis zu mehreren Linien lange, Excrescenzen oder Lamellen, 
die, unter einer fein porösen kompakten Rinde eine grobzellige 
Knochentextur, wohl selbst eine einfache Höhle enthalten, den 
Knochen bedeckt. Das warzen- oder tropfsteinartige Osteophyt 
bildet warzenähnliche, breit oder stielig aufsitzende Excrescenzen, 
aus einer kreidigen, weissen, sehr brüchigen Substanz bestehend. 
(Gewöhnlich am Hüftgelenk und dessen arthritischer Metamor- 
phose augehörend.) Das Osteophyt in Gestalt von glatten, dorn- 
und griffelförmigen , einfachen oder verästigten, von gestielten 



Ueber gesunde und kranke Knochen. 219 

und rnndlichen, kncnrigen Fortsätzen ist hart und von dichter 
Textur. Das Osteopbyt, das in Form einer ttber den Knochen hinge« 
gossenen und im Fluss erstarrten Knochenmasse mit ebner und 
glatter oder unebner und glatter Oberflache, wie ein gleichsam 
über die Knochenflächen hingegossener Strom erstarrter Kno- 
chensnbstanz erscheint, ist ebenfalls kompakt, 

Krankheiten der Knocbentextur» 
3) Ostitis. Die Knochenentzündung entspringt aus äussern 
oder innem Ursachen, die letzteren sind besonders dyskrasische 
Zustande. Sie bat ihren Sitz bald in der kompakten, bald in 
der schwammigen Substanz. Ein sehr massiger Grad der Ent^ 
Zündung $etzt em gallertähnlicbes, aus Dunkelroth durch das 
GelbröihUche, in rbthlich Weiss und endlich bis in Weiss über* 
gehendes Exsudat ab, welches seiner Consistenz nach von der 
gallertartigen bis zu der eines biegsamen Knorpels und eines 
röthlich-weissen succulenten Knochen übergeht; dieses überklei* 
det den Knochen je nach seiner Menge als ein kaum wahrnehm« 
barer weisser poröser Anflug oder in Form eines zartfasrigen 
Filzes oder Sammets und hängt inniger mit dem Knochen als 
mit der Beinhaut zusammen. Heftigere, sich widerholende, wie 
es scheint^ spezifische Knochenentzündungen setzen massenhaftere 
ExsudatJonen genannter Form ab , wobei die- Beinhaut sich bis» 
weilen zu einer fibrösen, speckigen Schwiele von monströser 
Dicke bypertrophirt, so bisweilen am Schienbein. Unter dem 
Periost, der Basis des Geschwüres, findet sich eine, aus einge« 
rollten, senkrechten, auf den -Knochen gestellten Knocbenblättem 
bestehende, der Madropore ähnliche Wucherung, in deren Inter- 
stitien die Beinhaut Portsätze abgiebt. Hat die Entzündung in 
der inneren Lamelle des Röhrenknochens ihren Sitz, so verengt 
sie durch das Exsudat die Markhöhle. Ein hoher Grad von Ent* 
Zündung setzt ein faserstoffiges, bald schmelzendes oder ein 
eitriges, dünn bis dickflüssiges, gelb bis röthlich gefärbtes, oder 
ein grünliches, bräunliches, missfaTbiges , jauchiges Produkt ab. 
Bei diesen Entzündungen von sehr rapidem Verlauf zeigt sich die 
Beinhaut über dem Knochen verschiebbar, oft vom Eiter zu einem 
fiuctuirenden Sacke ausgedelmt; der Knochen erscheint dem Ex- 
sudate entsprechend, welches in alle Räume seines Gewebes 
ergossen ist, fahl, schmutzig gelblich, oder röthlich grün, missfar- 
ben; seine Oberflache ist besonders bei jauchigem Exsudat rauh 
und corrodtrt. 

4) Caries. Der jauchende Knochen im frischen Zustande 



220 lieber gesunde und kranke Knochen. 

untersucht bietet je nach den Fortschritten, welche die Krank- 
heit gemacht hat, ein verschiedenes Verhalten . dar. Bei superfi- 
cialer Caries ist der kompakte Knochen unter einer Decke von 
Jauche rauh wie angefressen ; seine Markkanälchen sind ungleich- 
massig erweitert; die in ihnen enthaltenen Gewebe sind tbeils 
zu einer zottig zerreiblichen Masse verjaucht, oder es entwickeln 
sich aus ihnen lockere leicbtblutende Fleischwarzcheo , die sich 
nach aussen hin in wuchernder Menge über die rauhe Knochen- 
oberfläcbe ausbreiten. Der Knochen erscheint immer porös oder 
schwammig, je nach dem Inhalt der Markkanälchen, im ersten 
Falle missfarbig, im zweiten in verschiedener Weise roth« Bei 
Caries des schwamnügen Gewebes nimmt der Knochen, wenn 
die Bildung von Granulation wuchert, eine dunkle, livide Röthe 
an, er erweicht und ähnelt einem, von einem zarten und moir» 
sehen Knocbengewebe durchzogenen Stücke Fleisch. Der Sab- 
Stanzverlust des Knochengewebes ist in dessen Schmelzung durch 
das in die Räume der Markkanälchen gebildete, jauchige Produkt 
der Entzündung begründet. Nach Delpech, Berard, Pouget 
und Sanson und nach Mouret wird in cariösen Knochen ein 
eigenthümlicher fetter Stoff erzeugt, wobei jedoch nach dem 
letzteren Beobachter die Knochengallerte nicht aus den Knochen 
verschwunden ist Der cariöse Knochen im macerirCen uud 
getrockneten Zustande erscheint rauh, wie corrodirt, und erhält 
durch die ungleichförmig erweiterten, hier und da zu Höhlen 
ausgebuchteten Markkanäle, die ihn vielfach durchlöchern, ein 
schwammig poröses,, wormstichiges Ansehen; die Zellen seiner 
spongiösen Substanz sind erweitert, ihre Wände gleich den Fä- 
chern des Gitterwerks verdünnt und zerstört. 

5) Osteoporose. Durch eine übermässige Entwicklung 
des Knochenmarkes oder der die Markkanäle und Zellen des 
Knochens ausfüllenden Gebilde nimmt der Knochen bei der 
Rarefaction seines Gewebes an Volumen zu. Die Wände der 
sich erweiternden Knochenräume verdünnen sich so sehr, dass 
endlich im Innern und in der aüssersten Rindenhunelle Lücken 
entstehen, wodurch die Knochenräume unter einander in Korn» 
munikation treten; der aufgeblähte Knochen ist je höhör der 
Grad der Krankheit, desto weicher, grobporös uud schwammig, 
so dass er dem Fingerdrucke weicht und sich leicht mit dem 
Messer schneiden lässt; seine Räume werden von einem in;grosser 
Menge angesammelten dunkelrothen Mark erfüllt, welches von 
erweiterten Gefässen durchzogen ist. 



Ueber gesunde und kranke Knochen. 221 

Bei Erweichung des Knochens, welche unter den zwei For 
men von Rhacfaitis und Osteomalacie vorkommen, ist eine Osteopo- 
rose verschiedenen Grades vorhanden; zugleich jedoch tritt als 
wesentliche Anomalie eine Reducirung des Knochens zu seiner 
knorpligen Grundlage mit oder ohne gestörte chemische Mischung 
derselben ein*, die Knochen sind daher nicht brüchig, sondern 
leichter biegsam, Krüidmungen unterworfen und erleiden, statt 
eigentlichen Bruchs, desto leichter Knickungen. 

6) Die Knochen bei Rhachitis erscheinen aufgeschwollen und 
der kantige Schaft der langen Röhrenknochen wird rund, wal- 
zenförmig, die Gelenke derselben und andere breite Knochen, wie 
die Beckenknochen, werden ungemein didc. Was die Textur 
der rhachitischen Knochen anbetrifll, -so leiden sie in zweierlei 
Weise, 1. an Osteoporose mit Yolumenzunahme, wobei in die 
erweit^Hen Kanäle und Zellen eine blassgelbe, röthliche Gallerte 
ergossen wird; der gefäss- und blutreiche Knochen erscheint 
dunkler gefärbt, rotb; dieser Zustand errdcht bisweilen einen 
solchen Grad, dass die Zellen der schwammigen Knochen und 
die im Innem der Markröhren durch übermässige Ausdehnung 
ihrer Wände, zu grösseren Höhlen zusammenfli^sen und völlig 
verschwinden. 3. verannt der Knochen an seinen feuerbe^ 
ständigen Salzen bisweilen so, dass er ganz auf seine knorplige 
Grundlage zurückgeführt wird, und einem mit Sauren behandel- 
ten Knochen gleicht; die Knochenkörperchen sind leer und ihre 
Strahlen verschwunden; die lamellöse Struktur ist hier und da 
verwischt, und an andern Stellen sind die Lamellen wie aus 
einander gewichen und die Knochenkörper zwischen denselben 
gleichsam eingeschachtelt. 

7) In der Osteomalacie nehmen die Knochen anVolamen 
ab und die Texturveränderung besteht in Osteoporose mit Atro- 
phie, Trünkung des Knochens mit Feit und in einer Reduktion 
des Knochens zu seiner knorpl^en Grundlage, hi diesem Kqor- 
pel erscheinen die Knochenkörperchen leer, ohne Strahlen, die 
lamellöse Struktur ist verschwunden; zugleich erieidet der Knor« 
pei eine eigenthümliche Abänderung in seiner chemischen Mischung, 
da der durch Kochen erhaltene Auszug sowohl . vom Chondrin 
als auch vom Knochenleim verschieden ist. 

6) In der consecutiven Sei er ose scheint die Anomalie 
der chenüschen Zusammensetzung in Uebersättigung der knor- 
pligen Grundlage des sclerosirten Knochens mit Mineralbestand- 
theiien, in dem Vorhandensein ungewöhnlicher Salze und in einem 
Simon BeitrHge I. 2. 15 



222 Ueber gesunde und kranke Knochen. 

abweichenden Verhalten des Knochenleims selbst, zu bestehen. 
Besonders ausgezeichnet sind, wie Rokitansky bemeikt, die Me* 
rosen, welche aus der im vorgerückten Alter vorkommenden 
Osteoporose hervorgehen und die man öfters am Schädel zu 
beobachten Gelegenheit hat. Die Knochen bieten äusserlich noch 
mehr auf der Schnittfläche nehea einer mattweissen Färbung ein 
kreidiges Ansehen, und auf der Bruchfläche ein grobes Korn dar; 
die Knochenschlifie lassen unregelmässige eckige, buchtige Mark- 
kanäle, mangelnden oder nur stellenweise wahrnehmbaren lamel- 
lösen Bau, unordentlich durch einander liegende und streichende 
Knodienkörperchen erkennen. Auch die Scleroje des Schen- 
kelkopfes h& dem Malum coxae senile zeigt ein ähnliches Ver- 
halten; die Enochenmasse nimmt eine gypsahuliche Politur an. 
Die genauere Untersuchung zeigt dicht lameliöse Struktur, sehr 
zahlreiche Lamellen, wenig Knochenkörperdien, die jedoch an 
einzelnen Stellen in dichten Haufen zusammen liegen. Die auf 
dem Schenkelkop^f sich vorfindenden, tropfsteinartigen ,. kreidigen 
Osteophyten zeigen eine ähnliche Struktiu* und sehr- viele dicke, 
meist runde, sehr schwärze Knochenkörperchen. Die Sclerose 
(C^neation) mit welcher der Rhaohilismus hohem Grades heilt» 
ist iurch Härte, durchweine glasartige 'Briichigkeit des Knochens, 
durch blättrigen oder blättrig splittrigen Bruch ausgezeichnet, die 
Markkanäle sind klein, von grossem, weit ausgreifendem Lamel- 
lensystem umgeben, und es werden nur wenige den Kanal um* 
kreisende, kleine und merkwürdiger Weise grösstentheils durch- 
sichtige, mit wenigen Kalkstrahlen versehene Knochenkörper 
beobachtet. 

Afterbildungen: 

1) Cystenform ation. Die einfache Cyste mit serösem oder 
synovialähnlichem Inhalt, vorzugsweise in den Knochen des Ge- 
sichtes; die zusammengesetzten Cystoiden; die Akepha* 
lo Cysten, diese wie die vorgirfienden sind seltene Erschefaiun- 
gen; die Akephalocysten hat man im HumeruS) Tibia, Darmbein 
und m der Diploe des Schenkelknochens gesehen* Rokitansky 
bemerkt von dem in der Wiener Sammlung aufl>ewafarten Exem- 
plare, dass das linke Darmbein au einem mannsiaust grossen 
serösen Sacke verwandelt, welcher neben zahlreichen kleinem 
und grösseren, an der inneren Wand des Sackes haftenden Kno- 
chenbruchstücken mit hirsekom- und nussgrossen Echinococus- 
blasen gefüllt war. 

S) Fibröse Geschwülste. Sie erreidien bisweilen eine sehr 



Ueber gesunde uad kranke Knochea 229 

beträchtliche Grösse, dehnen den Knochen zu einer Blase auf, 
oder zermalmen ihn so, dass n^an in ihrer Substanz yereinzeltei 
aus einander geworfene Fragmente desselben zerstreut findet; 
das Gewebe des Fibroids istl>ald dicht, bald locker, weich elastisch. 

3) Enchondrom. Es zeigt sich in dem Knochen häufiger als 

in ^dcra Geweben^ besonders in den Knochen der Finger, 

Zehen, Rippen, des Brustbeins; es besteht nach Analogie der 

permanenten Knorpel lange, selbst die ganze Lebenszeit, in sei- 

'nem prinutiren Zustande, bisweilen verknöchert es, bisweilen 

wird es von den umgebenden Weichtheilen her yon Entzündung 
ergriffen und veijaucht. 

4) Osteoid. Es gehört hier besonders her, ein aus einer' 
fortan yerknöchemden knorpligen Grundlage neuer Bildung im 
alten Knochen sich entwickelnder Knoqhen, in der Form einer 
rundlichen Geschwulst, welcher vom normalen Knochengewebe 
sich durch eine abweichende elementare Textur unterscheidet. 
Endlich werden noch' bei den Afterbildungen das sehr seltene 
Cholesteatom, die Tuberkel, die Sarkome und die Krebse ab- 
gehandelt. 



Es sollen nun hier in derselben Reihenfolge, in welcher 
vorher die physikalische Stmktnrbesdiaffenheit der kranken 
Knochen nach Rokitansky angeführt wurde, die Unter- 
suchungen, wetehe verschiedene Chemiker mit diesen Kno- 
chen angestellt haben, zusammen gestellt werden. 

1) Exostosen. Nach Valentin undLassaigneist in 
einer Exostose der Gehalt an phosphorsaurer Kalkerde vermin- 
dert; der Gehalt an kohlensaurem Kalk aber ansehnlich ver- 
mebrt, der Gehalt an organischer Materie grösser als in den 
Knochen, auf welchen die Exostose aufätzi Lassaigne fabd 
folgende Yerhältnisse in den Knodien und in der Exostoid, 

Im Knochen In Exosfoso. 

Organische Sobstans 41,6 ... 46 

Phosphorsaurer Kalk 41,6 ... 30 

Kohlensaurer Kalk 8,2 • . . 14 

Lösliche Salze 8,4 ... 10 

2) Ueber cariöse Knochen hat Valentin Untersucbun 
gen angestellt Folgendes sind <Se Resultate derselben: 

1&* 



2. 


3. 


4. 


54,390 


45,620 


54,830 


39,393 


45,451 


33,914 


4,620 


5,683 


7,602 


0,520 


1,180 


0,389 


0,424 


1,620 


3,157 


0,647 


0,446 


0,118 


' caridsen Tibia 


1 eines 



234 Ueber gesunde und kranke Knochen. 

1. 
Organische Bestandtheile . 55,880 
Basisch phosphorsaurer Kalk 34,383 
Kohlensaurer Kalk . . . 6,636 
Phosphorsaüre Magnesia . 1,182 
Chlornatrium . . . j , 

Kohlensaures Natron | ' 

Die erste Analyse ist mit di 
38jährigen Mannes, die zweite mit dem cariOseu Condyl. 
exL femor. eines Mädchens; die dritte mit dem cariösen 
Tibiakopf desselben Mädchens; die vierte mit dem cariösen 
Rückenwirbel eines 2(]!jährigen Mannes angestellt. In allen 
diesen Analysen erscheinen die organischen Bestandtheile 
vermehrt. Phosphorsaurer Kalk ist am meisten, der kohlen- 
ifbure Kalk unbedeutend vermindert. Eine wahrscheinlich 
osteophyi-ähnliche Kruste, welche um die cariöse Tibia ab- 
gelagert war, bestand nach Valentin aus: 

Organische Bestandtheile . . 59,370 
Basisch phosphorsaurer Kalk . 29,424 
Kohlensaurer Kalk .... 4,201 
Phosphorsaure Magnesia . . . 0,317 

Chlornatrium 5,556 

Kohlensaures Natron .... 1,117 
•Hier ist also die phosphorsaure Kalkerde noch bedeu- 
tender vermindert und eine auffallend grosse Menge Chlor- 
natrium zugegen. 

3) Osteoporose. Dr. Hagsky (Handbuch der patho- 
logischen Anatom, v. Rokitansky. 2. Bd. 2. Lief. p. 201«) 
hat auf Ansuchen des Prof. Rokitansky mehrere Untersu- 
ohongen mit erkrankten Knochen vorgenommen. Die Osteo- 
porose des Schädels einer alten Person hatte ein spez. Gew. 
von 0,909. Sie bildete beim anhaltenden Kochen langsam 
Leim, dessen Lösung weisslich und trübe war; derselbe 
wurde von Alkohol gefällt, Essigsäure, Alaunlösuog und 
Blutlaugensalz gaben keine Niederschläge, dagegen wurde 
durch GaUäpfeltinktur und Platinchlorid ein starker, durch 
Quecksilberchlorid ein mäsafger Niederschlag bewirkt Der 
Leim verhält sich also nahe zu wie das gewöhnliche Glutin. 



« 



lieber gesunde and kranke Knooben. 225 

Die Ana]y9e ergab: 

Knorpel, Fett und Gefösse . . 38,6i 

Basiscb phospbors. Kalk m. 1 

pbospbors. Magnesia 55,80 f ^^ «^ „ , ,,^ 

Kohlensaurer Kalk mifan- | 61,39 anorgan. Beslandth. 

deren Salzen . . • . '5,59 J 
4) Rbachitis. Die Knocben in Rhachitis sind zu ver* 
scbiedenen Malen untersucht worden; sie zeichnen sich be- 
sonders durch den geringen Gehalt an. feuerbeständigen 
Salzen aus. Davy fand folgende Verhältnisse der Erdsalze 
in rhachitisdien Knochen: 

Im Femur . • . 37,8 
Im Processus spinös. 40,7 
In der. Rippe — '40,8 
In der Tibia ... 26,0 
' Im Scheitelbein . . 27,1 
Lebmann (Physiologisch. Ghemie.;Bd. 1. p. 111.) fand 
in der Tibia eines rhachitischen Kindes 33,9 phosphorsau- 
ren Kalk. Ephraim (ad Morphologiam rbachitidis Symbolae 
noonuUae) fand, in einem rhachitischen Knochen 
Organische Substanz . . . 64,271 
Feuerbeständige Salze . . 35,729 
Diese, bestanden ^us Erdphosphaten 31,289, kohlensau- 
rem Kalk 4$017, löslichen Salzen 0,423. 

Marchand (Journal f. pract. Ghemie, Oktbr. 1842.) hat 
verschiedene Knoehen eines an Rhachitis verstorbenen Kin- 
des untersucht; aus diesen Untersuchungen ergiebt sich, dass 
die Rücke^ Wirbelknochen die grösste, d^s Slemum die 
g^ingere Menge an feuerbeständigen Salzen verloren hat, 
es wurden gefunden: 

RUckenwirb. Radius Femur Stemum 
Knorpel. ...... 75,22 71,26 72,28 61,20 

Fett . : 6,12 7,50 7,20 9,34 

Phosphorsaure Kalkerde . 12,56 15,11 14,78 21,35 
Phospborsaure Magnesia . 0,92 0,78 0,80 0,72 
Kohlensaure Kalkerde . . 3,20 3^5 3,00 3,70 
Schwefelsaure Kalkerde und 
schwefelsaures Natron . 0,98 1,00 1,02 1,68 



S36 Ueber gesunde und kranke Knochen. 

RUckenwirb. Radius Femur Sternum 

STtTviS""" "! '■«' '■» >■»> ''^' 

^100,00 100,00 100,00 100,00 
Marchand fand denlüiorpel des fhachiiischen Knochens 
80 wesentlich verändert, dass er durch Kochen weder eine 
glutin- noch chondrinbaltige Flüssigkeit gab. Ragsky unter- 
suchte ein in rhachitischer Erweichung begriffenes, getrock- 
netes Schulterblatt und einen Humerus. Das Schulterblatt 
hatte ein spez. Gew. von 0,612. Abweichend von Marchand 
fand Ragsky, dass der E^norpel desselben sich beim Ko- 
chen in einen, jedoch nur schwachen gelatinirenden Schleim 
umwandelte, dessen Lösung bräunlich und durchscheioend 
war; von Alkohol wurde die Lösung nur getiübt, Galläpfel- 
Unktur brachte einen starken Niederschlag hervor, ebenso 
Platinchlorid, weder Essigsäure noch neutrales oder essig- 
saures Blei, noch schwefelsaures Eisenoxyd und Alaunlösung 
oder Kaliumeisencyanür trübten die Lösung. Die chemische 
Untersuchung des Knochens ergab: 

Knorpel, Geföss und Fett 8i>12 

Basisch phosphors. Kalk mit phosphors. Magnesia 15,60 

Kohlensaurer Kalk 2,66 

Im Wasser lösliche Salze 0,62 

Marchand fand bei Untersuchung des Harns von dem 
Kinde, von dessen Knochen oben die Untersuchungen mit- 
getheiit worden sind, kurz vor dem Tode 5 — 6 mal mehr 
phosphorsaure Erden, als man im gesunden Harn vorfindet. 
Schon Berzelius bewies, wie ausserordentlich leicht die 
phosphorsaure Kalkerde von der Milchsäure gelöst wird. Da 
in der Scrophulosis und auch bei den Knochenseropheln 
eine excessive Säurebildung in den ersten Wegen immer 
beobachtet wird, so liegt die Ansicht sehr nahe, dass auch 
eine grössere Menge von Säure in die Circulation gelangt, 
und die nächste Ursache zur Lösung der Knochenerde aus 
den Knochen abgiebt. So lange die alkalischen Salze des 
Blutes hinreichen das Uebermaass der Säure zu sättigen, so 
können die Knochen in ihrer Integrität erhalten werden; fst 
dies aber nicht der Fall, so wird ihre Knochenerde gelöst. 



Ueber gesunde und kranke Knoeben. 227 

Mk Recht macht Marc band auf die absurde Behandlung 
rhachilischer Kinder mit Färberöthe aufmerksam. Eine nor« 
male Behandlung muss dahin streben den ursächlichen Mo- 
menten der übermässigen Säureerzeugung durch zweck- 
mässige Diät und Säure absorbirende Mitlei zu begegnen, 
und zunächst müssen alle diejenigen Nahrungsmittel, welche 
fähig sind Milchsäure zu bilden, wie Zucker, Stärke, Gummi, 
vermieden werden. 

5) Osteomalacie. In der Osteomalacie sind eben so 
wie bei der Rhachitis die Erdsalze in den Knochen ausser- 
ordentlich vermindert; wir besitzen Untersuchungen von 
Bestock und Pro seh Über solche krankhaft veränderte Kno« 
eben; diese ergaben: 

fiostock Prösch 

Rückenwirb. Rückenwirb. u. Rippenknoch. 
Knorpel ..... 79,7S . . 74,64 . . . 49,77 
Phosphors. Kalk . . 13,60 . . 13>25 . . . 33,66 
Phosphors. Magnesia 0,82 . . <— • . • •*-* 
Kohlens. Kalk . . . 1,13 . . 5,95 ... 4,60 
Schwefels. Kalk und 

pbosphors. Natron 4,70 . . 0,90 . . . 0,40 

FeU ^ . . 5,26 . . . 11,63 

Ragsky hat ein Stück einer Rippe von einem osteo* 
maladschen Scelett untersucht. Das spez. Gew. des Kno- 
chens war 0,721. Er gab beim Kochen eine weisslich trübe 
Flüssigkeit, welche schwach gelatinirte; diese wurde von 
Alkohol nicht getrübt; Galläpfeltinktur dagegen gab einen 
starken, und Platinchlorid einen massigen Niederschlag; 
Essigsäure, neutrales und basisch essigsaures Bleioxyd, schwe- 
felsaures Eisenoxyd, Alaun- und Blutlaugensalzlösung verän 
derten die Flüssigkeit nicht. Der Knochen enthielt 
Knorpel, Fett und Gefässe . . 76,20 
Basisch pbosphors. Kalk 1 

m. pbosphors. Magnesia 17,48 V 23,80 unorgan. Bestandth. 
Kohlens. Kalk u. a. Salze 6,32J 

In diesen Rippenknochen waren also die Erdsalze viel 
mehr vermindert, als in denen, welche Prösch untersuchte. 
Die Zusammensetzung nähert sich mehr derjenigen, die 
Rostock uud Prösch für die Rückenwirbel fanden. 



238 lieber gesunde und kranke Knochen. 

6)' Sc 1er ose. Ragsky hat mehrere Untersuchungen 
mit scterotischen Knochen vorgenommen. 1) Einfache gut- 
artige Scierose des Schädels eines Irren. Das spez. Gew. 
dieses Knochens war 1,911. Beim Kochen verwandelte si(4i 
der Knorpel langsam in Leim, die Lösung war weissUcb, 
trttb und gelatinfrte; Alkohol brachte darin eine stariLe Trü- 
bung und Galläpfeltihklur 4^inen staii^en Niederschlag her- 
vor, Quecksilberchlorid trübte die Lösung und Plaünohlorid 
fitilte'sie istark, der Leim war also Glutin. Die quantitative 
Analyse ergab: 

Knorpel und Geßsse • • • ^ 33,41 
Basisch phosphors. Kalk m. 

Spuren v. Fluorcalcium 54,10 
Kohlensaurer Kalk . . 10,45 } 66,59 unorgan.. Bestandth. 
Phosphors. Magnesia 1,00 

In Wasser lösl. Salze 1 ,04 

' Vergleicht man diese Zusammensetzung mit der ange- 
führten Zusammensetzung gesunder Knochen,^ so wird man 
finden, dass sie ganz damit übereinstimmt 

2) Gonsecutive Scierose in Folge einer Osteoporose; 
niederer Grad.*) Das spez. Gew. des Knochens 0,854. 
Beim Kochen verwandelte sich der Knorpel langsam in Leim, 
die Lösung war weisslicb, enthält viel Fett und gelatinirte; 
sie wurde von Alkohol stark gefällt, ebenso von Galläpfel- 
tinktur und Platinchlorid ; Quecksilberchlorid erzeugte einen 
ziemlich starken Niederschlag.. Die Beaction auf Ghondrin 
blieb ohne Erfolg. Die quantitative Analyse ergab: 
Knorpel, Fett u. Gefässe . . . 44,10 
Basisch phosphors. Kalk 

m. Phosphors. Magnesia 48,20 I 5590 unorgan. Bestandth. 
Kohlens. Kalk *. - - > » 



rs. Magnesia 48,20 I 
^ . . . . 7,45 1 
I. Salze . . . 0,25 j 



In Wasser lösl. 

3) Dieselbe Scierose in einem höheren Grade. Das 



*) Der Kuochen ist nicht angegeben, vielleicht ist es der 
Schädelknocben einer alten Frau, von der früher die Analyse der 
Osteoporose mitgetheirt wurde. (Siehe Analyse unter 3.) 



Ueber gesunde und kranke Knoohen. 229 

spez. Gew. des Knochens war 1,842. Der Knorpel verwan- 
delte sich langsam in Leim, die weisslich irttbe, feiihakige 
Flüssigkeit gelatinirte; der Leim verhidt sich gegenHeagen- 
tien ganz ähnlich wie der aus den vorigen Knochen gewon- 
nene. Die Analyse ergab:' 
Knorpel und Gefässe . . . • 42,51 
Basisch pfaosphors. Kalk m. 1 

Phosphors. Magnesia . . 5Ö,2d ? 57,49 unorgan. Bestandth. 
Kohlens. Kalk m. a. Salzen 7,20 ' 

4) Dieselbe Sei eres e höchsten Grades. Das spez. Gew. 
des Knochens war 1,751. Der Knorpel verwandelte sich 
beim Kochen langsam in Leim; die Lösung hatte jedoch 
wenig Neigung zum Gelatiniren. Alkohol bewirkte .darin 
nur eine Trübung; die anderen Heagentien verhielten sioh 
zu der Flüssigkeit, wie bei den frühem Knochen. Die Ana- 
lyse ergab: 

Knorpel und Geisse . . '. . 38,27 
Basisch phosphors. Kalk m. ^ . 

phosphors. Mignesia . 55,52 I 
Kohlens. Kalk . . • / 5,95 f 61,73 unorgan. Bestandth. 

In Wasser lösL Salze . . 0,26 J 

Vergleicht man diese vier Analysen der von Sclerose 
befallenen Knochen, so zeigt sich, dass No. 1., wie schon 
bemerkt, wenig von der Zusammensetzung der gesunden 
Knochen abweicht; die drei andern consecutiven Sderosen 
im Gefolge der Osteoporose No. 3« weichen in doppelter 
Beziehung, so weit nämlich die nicht detaillirten Analysen 
die Comparation erlauben, von der Zusammensetzung der 
gesunden Knochen ab. In dem niedem Grad der consecu- 
tiven Sclerose finden wir die mineralischen Bestandtheile 
des Knochens am meisten vermindert, im höchsten Grade 
am wenigsten, so zwar, dass- die Zusammensetzung des 
Knochens, welcher von dem höchsten Grade der consecu. 
tiven Sclerose ergriflfen war, fast ganz übereinstimmt mit 
der Mischung der Osteoporose des Schädels, in deren Ge- 
folge (wenn ich die Beziehungen von Ragsky's Analysen 
richtig versiehe) die .Sclerose aufgetreten .war. Die zweite 
Abweichung in der Mischung der Knochen in coüsecutiver 



230 lieber gesunde und kranke Knochen. 

Sderose besteht in dem , VerhäUniss der phosphorsauren 
Erden zu dem kohlensauren Kalk; wenn im gesunden 
Knochen von der Mischung der Erdsalze der ko|ilensaure 
Kalk etwa 20 -( ausmacht, so macht er bei der consecutiven 
Sclerose im niederen Grade nur 15 f, bei der im höchsten 
Grade nur 10 f aus; eben so viel beträgt er bei der früher 
erwähnten Analyse der Osteoporose des Schädels einer alten 
Frau (vergl. Analysen unter 3.) 

5) Ein wahrscheinlich in Folge derselben Osteoporose 
(Analyse unier 3.) sclerosirtes Schenkelbein, das spez. Gew. 
des Knochens war 1,490. Der Knorpel verwandelte sich 
beim Kochen leicht in Leim; die Lösung war bräunlich, trübe, 
aber nur schwach gelatinirend. Alkohol bewirkte darin nur 
tinen schwachen Niederschlag; die übrigen Reagentien ver- 
halten sich wie bei den frühern Knochen. Die Analyse ergab: 
Knorpel und Gefässe .... 38,49 
Basisch phosphors. Kalk u. 1 

Phosphors. Magnesia . 53,21 > 61,51 unorgan. Bestandth. 
Kohlensaurer Kalk . . . 8,301 « 

In Wasser lösliche Salze sind hier nicht angegebexL 
Das Verhältniss der organischen und unorganischen Bestand- 
tbeile ist wie in der vorhergehenden Analyse; abweichend 
dagegen das Verhältniss der phosphorsauren Erden zum 
kohlensauren Kalk, von welchem in Summa der letztere 
hier 17 {- ausmacht. 

6) Syphilitische Sclerose des Schädels hohen Gra- 
des. Das spez. Gew. des Knochens betrug 1,613. Der 
Knorpel löste sich langsam beim Kochen; die Lösung war 
weisslich trübe und gelatinirte; sie gab mit Alkohol und 
Platmchlorid einen schwachen, mit Galläpfelünktur und Queck- 
süberchlorid einen starken Niederschlag; sie wurde aber 
auch, was bei den Knorpeln der frühem Knochen nicht der 
Fall war, von Bleizucker und Bleiessig stark gefällt und die- 
ser Niederschlag löste sich weder in Essigsäure noch durch 
Kochen (vieUeicht schwefelsaures Blei?) Die Analyse ergab: 
Knorpel und Gefasse .... 36,30 
Basisch phosphors. Kalk m. 

phosphors. Magnesia . . 57,20 } 63,70 unorgan. Bestandlb. 
Kohlensaurer Kalk . . . 6,50 



Ueber gesunde und kranke Knochen« 231 

Auch hier betrag! der kohlensaure Kalk nur 11 f von 
den Erds^lzen. 

8) Endlich hat Ragsky auch noch die Rippe eines 
Scelettes mit allgemeinem Knoobenschwunde untersucht; 
ihr spez. Gew. betrug 1,432. Beim Kochen gab der Knor- 
pel in ktvzer Zeit Leim; die Lösung gelatinirte, war gelb- 
lich trüb, wurde von Galläpfeltinktur stark gefällt, eben so 
von Platinchlorid; Quecksilberchlorid gab einen mässigmi 
Niederschlag, Alkohol aber nur eine Trübung. Die Gegen- 
wart von Ghondrin .konnte weder durch Essigsäure nooh 
durch Alaunlösung erkannt werden. Die Analyse ergab: 
Knorpel und Gefässe .... 39,36 
Basisch phosphors. Kalk m. 1 

Phosphors. Magnesia . «1.871 ^^^3^^^^^^^ 
Kohlensaurer Kalk und m | 

Wasser lösl. Salze . . 8,50/ 
Auch hier ist die Menge des kohlensauren Kalkes verändert 
8) Arthrilische Knochen. Dass die Tophen, welche 
sich in Folge eines arthriüschen Krankheitsprozesses auf den 
Knochen und besonders an den Gelenkenden bilden, harn- 
saure Verbindungen enthalten, ist bekannt, ebenso dass die 
erkrankten Knochen selbst eine geringere Menge feuerbe- 
ständiger Salze enthalten, als gesunde. Marchand unt^- 
sucbte den Oberschenkelknochen und Vorderarmknochen 
von einem Arthritischen; die Untersuchung ergab: 

Oberschenkelknochen. Vorderarmknochen. 

Thierische Substanz . . 411,32 -45,96 

Phosphorsaure Kalkerde • 42,12- 43,18 

Kohlensaure Kalkerde 8,24 8,50 

Phosphorsaure Magnesia . 1,01 ö>99 

Pluorcalcium . . ^ 

Natron, ChIomatrium> . 2,31 1*37 

Verlust •, . . . J • •...._— i» 

100,00 100,00 

Dör Oberschenkelknochen war an dem einen Gelenkende 
mit Tophen bedeckt, der Vörderarmknochen dagegen nor- 
mal; gleichwohl zeigen beide Knochen eine übereinstim- 
mende Abweichung von der normalen Zusammensetzung, so 



232 Ueber gesunde und kranke Knochen. 

dass der Krankheitsprozess sich nicht blos in den mit Topben 
besetzten Knochen, sondern im ganzen Knochengerüst aus* 
zusprechen scheint; die gieichmässige Verminderung der 
feuerbeständigen Salze, und vorzugsweise der phosphorsau- 
ren' Kalkerde, fällt hier. in die Augen. Exostosen arthrtti- 
scher Knochen entstehen nicht durch Auswuchening von 
Knochensubstanz^ sondern' durch Ausstossung von Materien, 
welche der normalen Mischung des Knochens fremd sind. 
Die Goncretionen, welche sich an den . zuvor bemerkten 
arthritischen Oberschenkelknochen befanden, hat Marc band 
untersucht; er fand darin: 

Hamsaures Natron . . 34,20 
Harnsäure Kalkerde . . 2,12 
Kohlensaures Ammoniak 7,86 
Chlomatrium .... 14,12 

Wasser 6,80 

Thierische Substanz . . 32,53 

. Verlust 2,37 

100,00 
Ragsky hat eine gypsähnliche Concretion eines von dem 
sogenannten Malum cozae senile befallenen Schenkelkopfes 
untersucht, iEir spez. Gew. war 0,845; sie gab beim Kochen 
eine bräunlich gelb durchscheinende Flüssigkeit, die wenig 
Neigung zum Gelatiniren zeigte, aber von Galläpfeltinktur 
und Plätinchlörid stark gefällt wurde; sie enthielt 
Organisc)^e Bestandtheile .... 33,90 

Basisch phosphors. Kalk mit phos- 

phors. Magnesia ...... 59,10 

Kohlensaurer Kalk ...... 6,57 

In Wasser' lösliche Salze .... 0,43 

Harnsäure, welche man darin suchte, konnte nicht ge- 
funden werden^ 

Osteoid (nach Job. Müller). Bin sehr merkwürdiges 
Osteoid ist von mir untersucht worden. 

Bei einem 14jährigen böohst leucophlegmatischen Kna- 
ben, welcher an Hydrops anasarca, Oedem der Füsae, dea 
Scrotums litt,- bildete sich um das Kniegelenk eine höckrige, 



Ueber gdsunde und kranke EDochen. 233 

massig harte, auf der OberflSche einen bläulichen, dichtm 
GefSsskranz zeigende Geschwulst. Die nähere Untersuchung in 
der Klinik des Hrn. Geh:-Rath JUngken ergab die Tibia, Pa- 
tella, so wie den ganze Unterschenkel frei und die Geschwulst 
nur auf dem Os femoris aufsitzend, auf welchen sie sich von 
den Gondylen bis nahe an den Gelenkkopf des Os femoris 
erstreckte. Beim Ausmessen ergab es sich, dass die Geschwulst 
10 Zoll lang und 25 Zoll breit war; mit beiden ausgespannten 
Händen konnte man sie nur etwas über die Hälfte des ganzen 
Umfangs umfassen. Nach der vom Hm. Geh.-Rath Jüngken 
ausgeführten Amputation wurde die Knochengeschwulst genau 
untersucht; bei Durchsägung derselben liessen sich zunächst 
zwei Schichten unterscheiden. Die erste, dem kranken Kno- 
chen unmittelbar aufsitzende stellte eine nur an einzelnen 
Stellen von theilweise weichrer Masse durchsetzte, harte, 
der kompakten Knochensubstanz vollständig ähnliche Masse 
dar, welche unmittelbar unter dem Periosteum sich in Form 
senkrecht aufstehender Knocbenfasem erhob und allmählig 
in die Knochenmasse tiberging; die zweite weichere Schicht, 
welche den äusseren Theil der Geschwulst bildete, war eine 
pulpöse, dem Drucke jedoch Widerstand leistende Masse; 
sie schien ganz von derselben Struktur zu sein, wie die 
antere feste Schicht und sich nur durch eine geringere 
Menge abgelagerter Knochenerde von jener zu unterschei- 
den. Der Röhrenknochen selbst hatte seine Gestalt als sei- 
dig ganz eingebüsst, seine Markhöhle war mit Knochen- 
substanz gefüllt und das spongiöse Gewebe der Epiphyse 
zu einer elfenbeinartigen Masse umgewandelt. 

Das StUek dieser merkwürdigen Knochengeschwulst, 
welches ich zur Untersuchung erhielt, war nicht durchweg 
von gleicher Reschaffenheit; die SteUen, wo noch die Sägen- 
schnitte zu sehen waren und die also dem Knochen zunächst 
lagen, waren die härtesten und ganz knochenartig, aber grob- 
körnig und von so geringer Festigkeit, dass man sie mit 
nicht grosser Gewalt mit dem Messer zerschneiden konnte; 
nach der äusseren Hautbedeckung zu wurde die Substanz 
weicher, aber immer mit Knochenablagerung durchsetzt und 



234 Ueber gesunde und kranke Knochen. 

zwar ungleich, so dass an einzelnen Stellen die Knochen- 
substanz sehr dicht gelagert war und diese sich -wie Knoten 
anfühlten, an andern wieder die ganze Masse sehr weich 
erschien. Von den härteren Stellen machte ich feine Durch- 
schnitte und liess die^e schleifen. Unter dem Mikroskop 
zeigten diese sehr zahlreiche, aber ganz unregelmässig gela* 
gerte Knochenkörperchen, welche rundlich, ziemlich gross 
und zwar grösser als in den normalen Knochen, theils sehr 
dicht, theils weniger dicht gelagert und mit nur undeuUfeh 
zu erkennenden feinen Strahlen versehen waren; zwischen 
den Knochenkörperchen zeigte die strukturlose Masse eine 
gewisse, durch runde und welienfttrmig verlaufende Streifen 
bezeichnete Lagerung. Eine gewisse Menge theils härterer 
theils weicherer Substanz wurde fein geschnitten und in 
einem Kolben 10 Stunden hindurch mit Wasser gekocht; ich 
erhielt einen ziemlidi konsistenten Leini, der sich beim Er- 
wärmen leicht verflüssigte und mit wasserfreiem Alkohol 
versetzt wurde, wodurch eine ansehnliche Menge zäher 
weisser Flocken sich niederschlugen* Diese wunden mü 
Alkohol gewaschen und in Wasser gelöst. In der Ltfsung 
brachte weder. Essigsäure noch Alaunauflösung einen Nie» 
derschlag hervor; dagegen wurde die essigsaure Lösung 
durch KaHumeisencyanUr stark getrübt und die reine Lösung 
von Gerbsäure, Piatinchlorid und Jodtinktur stark gefällt, 
von essigsauerm Bleioxyd und essigsauerm Kupferoxyd ge- 
trübt Der Knorpel dieses pathologischen Produktes gab 
also Glutin und kein Chondrin, zugleich hatte sich eine Pro- 
teKnverbindung aufgelöst 

Da das pathologische Produkt nicht durchweg von glei- 
cher Struktur war, so nahm ich zur chemischen Unter- 
suchung Stücke von verschiedener Konsistenz, 1) ein sehr 
hartes knochenartiges, 2) ein weicheres und 3) ein noch 
weicheres Stück. Diese Stücke wurden mögüchsi fein ge- 
schnitten, getrocknet, zerkleinert, endlich zerrieben und zuletzt 
vollständig im Oelbade ausgetrocknet. Die Lamellen des 
härtesten Stückes wurden dabei ganz erdig weiss, die der 
andern weicheren mehr homartig. Durch wiederholtes Bx; 
trahiren mit Aether zog ich aus dem vom Wasser befreiten 



Uober gesunde und kranke Haoehen« 236 

Koochea das Fett aus; der Aether binieriiess ein gelbes 
scbmieriges Eett, welches weder für sich, nooh mit Kali 
oder Raik «verbrannt einen phosphorsäurehalligen Rückstand 

gab. 

Die von Fett befreiten Knochen wurden weiter der 
Analyse unterworfen, wie diese in dem Eingange zu dieser 
Arbeit erwähnt worden ist, nämlich im PlatintiegeLgebrannt, 
der Rückstand mit kohlensauerm Ammoniak befeuchtet, wie- 
der erhitzt, dann gewogen, die fast weisse Asche wurde 
erst mit Wasser von allen darin löslichen Salzen befreit, 
dann in Ghlorwasserstoffsäure gelöst» mit Ammoniak die Erd* 
phosphale gefällt und mit oxalsaurem Ammoniak aus der 
abiltrirten Flüssigkeit die Ealkerde, welche als kohlensaure 
Kalkerde in den Knochen sich befindet 

Fett 

Fett, Knorpel und Gewebe . 

Feuerbeständige Salze . • . 

Basisch phosphorsaurer Kalk 

Kohlensaurer Kalk .... 

Phosphorsaure Magnesia . . 

Lösliche Salze 0,52) ^ 

Chlornatrium 0,26) "'^^ "'^^ 

Wenn man die feuerbeständigen Salze mit denen in 
den gesunden ELnochen nach den Untersuchungen von Der- 
zelius und Marchand vergleicht und sie auf 100 Theile 
feuerbeständigen Bückstand reducirt, so erhält man 

1. 2. 3. Norm.Knoch. 
Bariscb phosphorsauren Kalk 89,7 86,5 86,9 79,4 
Phosphorsaure Magnesia 14 1,9 -— 1,7 

Kohlensauren Kalk .... 6,8 6,6 6,0 16,9 

Lösliche Salze 0,7) 1,4 

Kochsalz 1,3) *»^ ^'^ 0,4 

Es ergiebt sich hieraus, dass der grösste Unterschied 
in dem Gehalt der kohlensauren Kalkerde liegt, die sich, 
wie es scheint, bei Erkrankung der Knochen immer zuerst 
vermindert; die in Wasser löslichen Salze sind vermehrt 
und zwar um so bedeutender, je geringer die Menge der 



1. 


2. 


3. 


1,16 


3,61 


3,21 


58,91 


87,04 


86,20 


39,93 


9,35 


10,59 


35,85 


•8,00 


9,90 


2,70 


0,62 


0,64 


0,58 


0,21 


— 



336 Ueber fesiude unil krAnfce Knochen« 

Kalksalze in vdem krankbaften Produkte lei^, sie stüBunea daher 
ohne Zweifel von den organischen Theilen. Neben der Ab- 
lagerung der Knochensubstanz scheint aber auch 'das Ge- 
webe selbst in so fern verändert zu sein, als es eine nicht 
unbedeutende Menge vonProte'fnverbindung neben dem Glutin- 
gewebe enthält; Cbondrin könnte, wie schon bemerkt, gar 
nicht beobachtet werden. 

In der Lunge dos Verstorbenen zeigten sich zahlreiche 
Tuberkete «nd Biterhöblen; ausserdem wurde aber auch eine 
haseinusagrosse, ovale, feste' tmd eingesch|iclttelt^ knechen* 
artige Goncretion gefundoof welche mir zur Untersuchung 
übergeben wurde, um- zu ermitteln, ob dieselbe in Struk- 
tur und chemischer Mischung mit dem Osteoid sich ver- 
wandt zeige. Die Masse hatte im Innern ein grobkörniges 
Qefüge und es zeichnete sich besonders eine Stelle aus, 
welche vqu ganz besondrer Härte und Dichtigkeit war; feine 
Durchschnitte zeigten eine ziemlich strukturlose Masse, in 
welcher zahlreiche, netzartig zusammenhängende, dunkle 
Körper' beobachtet wurden, die in ihrer Form und Verästr 
lung nicht viel Aebnlichkeit mit den Knocbenkdrperchen des 
Osteoids zeigten, an einigen Stellen jedoch wurden auch 
rundliche, isolirte, dunkle Körperchen gesehen, die Aehnllch- 
keit mit den Knochenkörperchen hatten; ein Theil der Masse 
wurde von der anhängenden Membran befreit, fein geschnit- 
ten und mehrere Stunden mit Wasser gekocht; ^ie Abko- 
chung verdampft gab eine geringe Menge Leim, dessen Lösung 
von Essigsäure wem'g getrübt wurde> eine grössere Menge 
Ess^säure löste die Trübung wieder auf und es brachte 
alsdann Kaliumeisencyanilr von Neuem eine Trübung her- 
vor; Gerbsäure und PlatjU^orid bewirkten starke Fällung; 
essigsaures Blei eine Trübung, der erhaltene Leim verhält 
sich also ganz, wie der aus dem Osteoid erhaltene. Die 
chemische Untersuchung der knochenartigen Masse ei^ab 
folgendes Resultat: 

Organische Matene .... 38,89 
Feuerbeständige Salze . . 61,11 

Erdphosphate ". 53,33 

Kohlensaurer Kalk .... 7,04 
Lösliche Salze 0,37 



I 



Heber gestmdiiind kranke EhoeheiL 237 

Befecbnel man die feuerbeständigen Salze MrHandert, 
so erhält man: 

Erdphosphaie 87,2 

Kohlensauren Kalk .... 11,5 

Lösliche Salze 0,65 

Eine MiBcbnng, welche von der des festem Tfaeils des 
Osteoids sich niir durch eine grössere Menge von kohlen- 
saurem Kalk und eine geringere Menge der in Wasser 
RSsIichen Salze unterscheidet« ' ' 

Wenn auch, wie von Brandes, Römer u. a. in Con- 
cretionen eine ^ähnliche Mischung von phosphors. und koh- 
lens. Kalk beobachtet worden ist, so glaube ich doch, dass 
der Glutingehalt des organischen Gewebes der von mir un- 
tersuchten knochigeü Masse -eine Verwandtschaft in der 
Bildung derselben und des Osteoids voraussetzen lässt; die 
sogenannten verkreideten Tuberkel enthalten gewöhnlich den 
kohlensauren Kalk in vorherrschender Menge. An den Wän- 
den der Pleura dieser Leiche hatten sich Massen, welche 
Aehnficbkett mit lymphatischem Exsudat zeigten, angesetzt; 
ein Theil dieser pseudopolypenähnlichen Massen wurde ki 
Wasser gelegt, um die löslichen Theile auszulaugen, und es. 
binterblieb dann eine gelatinöse, dem geronnenen Fibrin 
plastischer Lymphe nicht unähnliche weisse 'hautartige Ma- 
terie zurück. Diese verhielt sich unter dem Mikroskope ganz 
ähnlich wie Exsudatfaserstoff; sie gab selbst beim anhalten^ 
den Kochen keinen Leim, löste sich aber bei hinrdfehendem 
Digeriren in Essigsäure und in dieser Lösung erzeugte Kalium- 
eisencyannr eine Fällung; ich muss daher diese an der Pleura 
sitzenden gdatinösenMassen für lymphatisches Exsudatansehen. 
Endlich ist noch eine Reihe von Untersuohungen mitzu- 
theilen, welche H. Nasse (Joum. f. prakt. Ghem., i842-Nvbr.) 
mit den Rippenknochen von Personen angestellt hat^ die an 
folgenden verschiedenen Krankheiten verstorben waren. 

1) Ein an verdterten Lungentuberkeln und Wasserkopf ver- 
storbener ISSähriger Jüngling; die Rippen waren platt 
und fest 

2) Eme SQjährige Frau; früher an Rhacbilis leidend, in 
Folge voff Geschwüren des Dickdarms und DurchfaUs 

aimoB BeitrSge I. t 16 



^ \i^t »m^ und l»«ikfi Xnofd^. 

¥«fftoiJMD. Di« IMppen wurtD barli (4IWk; qnd ver- 
bogen. 

3) Bin 49jttbriger Mann, sehr abgemagert, an Marksch^wamm 
des Magens verstorben; die Rippen ware^ leicht und 
sehr zerbrechlich. 

4) Ein 7<]ti)Üiriger Mann, starker Potator; die lUppei) waren 
leicht und sehr zerbrechlich. 

$] Die Bippe eines 40jäbngen, schlecht genährte« MMOi^ 
an Geschwüren des Darmkanals und OorchfAll var^tor* 
b«&; ohne Lungeotuberkeln« 

6) Bin 17jttrigcr kleiner magrer Knabie, frUber acropbM* 
loa, sp<lter epileptisch, endücb sebtsfsOiphüe mü IM- 
mung der Blase; die Lunge wurde brandig gefondtn 
mü wenig Tuberkeln; die Rippen waren fein, dUnni 

' elastiscb. 

7) En uog0iiKhr SQjäbriger Mapo put einem nicht sehr be- 
, träcbtlichen^ aus einem Herzfehler entsprungenen HydnopSf 

plötzlich verstorben; die Rippen waren sehr fest 
8} Ein lejähriger Eqabe, sehr «^g^magert, mit iuogentii- 

berkeln; die Rippen waren sehr feUig, das Periofilewn 

leicht abzugehen. 
' 9) Ein i9jährifjer Jüogling mit Lungeniuherkeln, ziemlich 

gut genährt; die Knochen waren fest, des Periosteum 

schwer ablösbar, 
i/^) Ein 3Qjäbrigiar kräCkjger Mann, dem Branntwein zugethan, 

an eioAr scbneU^ verlaufenden Longenphthise gesinr- 

ben; die Rippen waren platt und ziemlich fein. 
il) ttn 30!j9hriger Mann mit ehronisab. Gehirnleiden, an 

LwgenlAhmung verstorben} wenig abgemagert; die Ena- 

chen waren aebr hart und dicL 
112) Rine MjlUuige Frau, vor 3 Wochen entbunden» mit IRit«* 

TUüg der Scbenkelvene und Ritererguss im Htrzbeut«!; 

die Rippen waren fein gi^baub 
13^ Ein itjäb^w Mann, in Fol^ von ebnonisoher Wupser- 

sifofat vnd Brm tfeUent rttnd luac verstorben; die B4>pen 

waren diinn, leicht, blutreich und fettig. s 

M) £in 4e!jabnifer sehr fetter Mann, starker Potato», «n 



Qiiier §tmkh und kiMh» InockM. IM 

A|iiflpl«ü verstfrben; die Rippen waren nmdlich, nicht 

hart| blutreich und fettig. 
15) Bin SSjähriger magrer Mann, an Gehirnwassersucbi und 

einttn Abaceas im Gehiru veratorban; die Rippen plati, 

hart und blutleer. 

Naaae hatte bei Unterauohung der Koecben dieae von 
dem Knorpel und weichen Theilea, nüi InbegriiF dea Pe^ 
iHMleDina, befreü und in dar Siedebilze ge trodLuet, aladana 
mt Aelher daa Feil auagekocbt und sie hierauf oalcinirt, 
Ana der Aaeha wurden zuerst die Mslicben Salze gesogen, 
die Erdaake wurden darauf durch SaUaKura gelOai, die Lü- 
awDg nerai durch Aetzammooiak (£rdphoq>hai^, dann dureh 
oxalaaures. Ammoniak (Kalk) und endiieh durch phoaphor* 
aauvea Natron und Ammoniak (Magneaia) gßtäUk Es wur- 
den nnahatehende Beaultate erbalten , deren Nummern sich 
auf die eben angefthrien krankhaften Knochen beaiehen. 

I. 2. 3. 4. 6. 

Fett 247 14,35 2,78 34,70 2|89 

Gallerl (Eiwaisa, Faaeratoflf) 52,10 37,17 39,33 31,36 44^02 
Pboaphorsaurer Kalk . . . 35,96 39,53 48,70 27,84 37,39 
KohbnaaiMrer Kalk .... 8,15 6,34 6,67 6^ 13,08 
In Waaaer Idaliche Salze . 0,60 0,43 0,59 0,60 0,61 
KaUettMnre Magneaia ( 0,23 0,28 0^9» « «^ 

Vedoit I • • *'"^ 1,95 1,65 0^ ' 

6. 7. 8. % M. 

FaU 9,83 14,46 2,78 3,75 2,9? 

GailerC (Kiwaiaa, Faaerato«) 42,02 37,56 41,77 41,02 44,M 

Fhoephoraanrar Kalk . . . 43,69 40,74 47,93 44,21 43,81 

KaUeoaaurer Kalk . . 2,79 6,11 6,52 10,37 7,a 

te Waaaer lOahche fiabe . 0,56 0,49 0,54 0,47 0,68 

KaUenaanro Magnesia « . 0,21 OßSi q^ 0,lft ^qi 

Veriual 1,35 0,2« ' O,00i ^ ' 

II. 12. 13. 14. 15. 

Bett «»«1-^.-7 14,37 11,63.-.-: 

OaHffi (Kweiaa, Faaeratefi) 40,56i ' 37,48 44,931 ^""'^ 

Phoaphamarer Kiik . . . 45,44 36,41 41,10 37,33 46JU 

KoUeDfl»mf Kalk ... . 5,5^ 12,44 5,96 4,71 7jn 

In WaaaMT lOaSehe Salae . 0,52 0,48 0,10 0,46 0,44 

16» 



340 Üeber gesunde und ktnkt Knoehen 

11. 12. 13. 14. 15. 

Kohlensaure Magnesia | 0,10 0,04 0,08 0,22 

Verlust * • ^'^^0,00 0,55 0,86 1,28 

Der Gehalt an Wasser schwankt bei den verschiedenen 
Knochen von 54,3 bis 35,8 f und zwar enthielten die Rippen 
des 40jährigen Mannes (5.) die grösste, die des 25jtthrigen" 
Mannes (15.) die geringste Menge; es berechnet sich einMü- 
iel von 42,8. Das Fett, welches aus den Knochen durch Aether 
ausgezogen wurde, zeigte sich grdsstentheils flUssig; ganz 
ölig flttssig war es bei den Branntweintrinkem; Nasse 
beobachtete, dass es Phosphor enthält und zwar, nach einer 
ohngefähren Berechnung aus dem phosphorsauren Kalk, den 
es beim Einäschern mit kohlensaurem Kalk giebt, 1,406 {• 
Man muss daher, wie Nasse mit Becht bemerkt, vor dem 
Verbrennen der Knochen das Fett ausziehen, wenn man 
nicht die Menge der phosphorsauren Kalkerde vermehren wHL 
Die Quantität des Fettes in den verschiedenen Rippenkno- 
eben variirte ausserordentlich; das Minimum bei den an 
Lungenphlhisen Verstorbenen (1. und 10.) mit 2,17 und 2,27; 
das Maximum bei einem Branntweintrinker (4.) mit 34,7. 
Sehr ansehnfich ist auch das Fett der Rippen bei den an 
Wassersucht Verstorbenen (7. und 13.), wo es noch Über 
14 f beträgt. Das Mittel für den Fettgehali aus allen Ana- 
lysen berechnet sich mit 9,37 ; ; wo das FeU im Uebermass 
zunimmt, vermindern sich der Knochenknorpel und die Kno- 
cbenerde auf gleiche Weise. Das Verhältniss der feuerbe« 
ständigen Salze zu dem Knorpel zeigt keine bedeutenden Ab- 
weichungen, wenn man das Fett aus den oben mitgetheilten 
Analysen eliminirt. Frerichs fand in dem, im Oelbade voll- 
aländig ausgetrockneten gesunden Rippenknochen eines Er- 
wachsenen das Verhältniss der unorganischen Bestandtheile 
zu den organischen wie 65,3 zu 34,7. Rees, welcher, wie 
Frerichs bemerkt, die Feuchtigkeit nicht absolut entfernt hat, 
fand das Verhältniss in der Rippe des Erwachsenen wie 57,5 sa 
42,5; in der eines neugebomen Kindes, wie 53,7 zu 46,3. 
Sebastian fand in den Rippenknochen das Verhältniss wie 
46,9 zu 53,1 und Thilenlus endlich wie 63,7 zu 36,3. Dm 
d(e Relationen aus den Analysen von Nasse mit diesen 



Daher gesotid» und kranke KnoehM. 241 

Aogaben beeser verglichen zu könneo, habe ioh das Ver- 
bäliuias der organischen und unorganiscben Bestandtheiie, 
mit Ausschlug des Fettes, berechneL Das Maximum der 
feuerbeständigen Salze fand Nasse bei dem 49jährigen Mann 
mit Markschwamm des Magens (3.), wo es 59,5 t; das Mini* 
mum bei dem phlhisischen Jüngling (1.) mit 46,7 f. 57 f feuep 
beständiger Salze wurden zweimal bei Pbthisichen (8. und 9.) 
beobachtet. 56 f wurden 4 mal, bei der 5Qjährigen Frau 
(2.J, bei dem äOüährigen Mann mit Wassersucht (7.) 9 bei dem 
21jährigen Mann mit Wassersucht (13.), und bei dem 30jährigen 
Mann mit Gehirnleiden (11.) beobachtet. Ein Mittel der feuer- 
beständigen Salze berechnet sich aus den Analysen mit 54 f- 
scheint also im Allgemeinen, dass die Menge der feuer- 
ten Salze in den erkrankten Rippenknochen etwas 
«abgenommeo hat. Folgendes sind die spedellen Verhältnissei 
wobei, wie schon bemerkt, das Fett elimiairt worden ist, 
was aber bei 12. und 15. nicht geschehen konnte, da hier 
das Fett nicht getrennt worden war. 
Feiierbesk Salze Organ. Best. Feuerbest; Salze Organ. Beat 



i) 


46,75 . . 


. 53,25 


9) 


57,38 . . 


. 42,62 


2) 


66,61 . . 


. 43,39 


10) 


54,00 . . 


. . 46,00 


3) 


59,51 


. 40,49 


It) 


56,48 . . 


. . 43,52 


*> 


61,98 . . 


. 48,02 


12) 


49,43 . 


. . 50,57 


6) 


54,67 . . 


. . 45,33 


13) 


66,35 . . 


. 43,65 


6) 


53,40 . . 


, . 46,60 


14) 


49,05 . 


, . 50,95 


7) 


56,09 . 


. . 43,91 


15) 


54,81 . 


. . 45,19 


8) 


57,04 . . 


. . 42,96 









Die^ grössten Differenzen zeigen sich in dem relativen 
YerhäUniss von phosphorsaurem Kalk und kohlensaurem Kalk. 
Wie schon früher gezeigt wurde, beträgt in den gesunden 
Knochen, nach Berzelius und Marohand's Analyse, von 
der Summe der phosphorsauren und kohlensauren Kalkerde 
die letztere etwa 17 f. Frerichs fand in den spongiösen 
Knochen 14 f kohlensauren Kalk von der Summe der Kalk- 
salze und in den kompakten Knochen 18 f. in den Nasse- 
scben . Untersuchungen bildet der kohlensaure Kalk von der 
Summe der Kalksalze bei; 



Ui 



WÜtti^bMimi iuM knMlMr SoooiMn. 



1) 


. ^ 18^* 


2) . 


. 13,8 


3) . 


. 12,4 


4) • 


. . 15,8 


S) 


. . 25,8 


6). 


. . 6,0 


7) 


. . 12,8 


8) 


. . 11,9 



9) • 


. 19^ i 


1^ . 


. 13,9 


11) . 


. 10,» 


12) . 


. 264 


13) . 


. 18,6 


14) . 


. 11,2 


16) . 


. 13,3 



Dl« beiden lUsima dieser Reihe, nüBilkfk 35,8 und 25,4 
treten bei dem 40Jitbrigen Mann (5.) und bei def 24|llhrig0n 
Fren (lä.) auf; aueserdem kommen noch zwei hohe Wertte 
))el d^ phthiaisohen Jünglingen (1. und 9.) mit 18,4 und 
19,0 i vbr. In 3 von diesen PäDen (1. 5. 12«) ist der phe»- 
pborsaure Kalk im Minimum. Das Minimum des kohlenea» 
ren Kalkes tritt bei dem früher serophultfsed I7jäfarigen Kaa-. 
bell (6.) mk 6fi^ auf; die aüdern Weribe im Ms&imum snt 
15,t, im Minimum 10,9 f drehen sich ohngeAfhr um das phy- 
siologische Mittel des kohlensauren Kalkes in Bpongi(MB 
Knochen, welches früher mit 14 f von der Snmme der EtA- 
salze angegeben wurde. Aus allen den oben aogeAhrten 
W^t&en berechnet sich ein Mittel Vte 14,8 i der kohlen- 
sauren Kalkerde von der Summe der Erdsalze. Bdrechnel 
man die phosphorsaure Kalkerde in Prozenten aus den fett- 
freute Rippenknocheo^ so beträgt sie ungefähr bei: 



1) . 


. 37t 


9) . . 46 t 


2) ■ 


.46 


10) . . 46 


3) . 


. . 50 


11) . . 48 


*) ■ 


. 43 


12) . . 36 


fi) 


. . 38 


13) . . 48 


6) . 


, . 48 


14) . . 42 


7) 


. ; 48 


15) . . 45 


8) . 


. . 49 





Hier fallen also die Minima auf 1. und 12«, die Maxima 
auf 3. und 8. Die in Wasser löslichen fialze variiren nichl 
bedeutend, die Schwankungen liegen, wie Nasse beuHHrkt, 
innerhalb naher Grenzen (0,44 und 0,61). Das Wttel berech- 
net sich mit 0,52 (wenn man jedoch das Fett aus de» Ana- 
lysen fortlässt, so fallen auch hier die Differenzen grösser 



0%tor geMM« und krMfci tMOdkoä. 0|8 

MI). Nadse ksft vdo k&elirdti üf ile rM i ehm igen die HMiolMil 
Belse gesammelt imd die Bäureii dann bestiminl, welche als 
an Natren gebuoden bereebnel wurdea. Für obiges Mittel 
▼en 0,53 i laslieher Setee ergiebi sieh daraus die Zusain» 
iMbseizung: 

Kohlensaures (Milehsaurss) Natron 0,953 

Chtomatrium . 0,134 

Fhösphorsaures Natron .... 0,101 
Sehwetelsanres Natron .... 0,082 
Nasse bemet^t hiertu, dass dies nicht die Zasammett- 
Setzung der Salze sei, wie sie im Biete enthalten sind, in 
denen das Kochsalz mehr als die HSMe betragt, hier dage«- 
g^n nvit i. Das milchsaure Natron dürfte der Gelafine an- 
gehSren, des sehwefel- und phospborsaure Natron sich wahr^ 
seheinlich erst beim Einäschern bilden. Das Ghlomatrium 
gehbrt dagegen dem Blate oder der parenchymatösen 
PHissl^eil der Knochen an. Näsite berechnet, dass vet 
den 74 Theflen Wasser, welche die frischen Knochen enthaK 
teo; 22 dem Blute angehören und nur 52 als Wasser die 
KnocbensubStanz tränken. 

Nasse führt noch eine Analyse der Rtppenknorpel vom 
4. Falle an und vergleicht diese mit der der Rippen dessel* 
ben Individuums. 

Es wurden erhalten: 

Knochen. Knorpel. 



FeU ...... . 34,70 

Gallert etc 31,36 

Phosphorsaurer Kalk . 27,84 

KoMensaurer Kalk . . 5^22 

Lösliche Salze . . . 0,60 
Magnesia i 

Verlust » • • • • 



0,28 



3,16 
87,70 
2,17 
3,07 
3,08 
0,14 
1,76 



Bemerkenswerth ist die grosse Menge der in den Rip- 
penknorpelu e;ithaltenen Menge löslicher Salze, von denen 
jedoch nur 0,593 Kochsalz waren. Der kohlensaure Kalk, 
welcher in den Knochen nach nicht \ der gesammten Kalk- 
salze beträgt, steigt in dem Knorpel auf f. 

GelenkmäusCf Pie unter dem Name» Gelenkmttuse 



244 U«bar gesmide und kranke Knochett. 

tMSweilen in den Gelenkböhlen in Folge eines pathischenZuslan- 
des sich bildenden isolirten kleinen knorpelartigen Körper habe 
ich untersucht; es wurde mir vom Hm. Geh.-Rath JUngken 
ein solcher Körper von der Grösse ein^ grossen Hasdansa 
und platter Form übergeben. Die äussere OberflJiche war 
glatt und hatte einige Unebenheiten; der Durchschnitt- zeigte 
in der Peripherie eine dem Knorpel ganz ähhiiche Masse 
und im Centrum beginnende Ossification. Die mikroskopi- 
sche Untersuchung üess regelmässige, mit Kernen versebene 
Knorpelzellen erkennen und nur der nicht wesentliche Um* 
stand/ dass einige .Knorpelzellen sehr lang gezogen waren, 
unterschied diesen Knorpel von einem anderen normalen, wel- 
chen ich damit verglich. Beim Kochen mit Wasser wurde in kur- 
zer Zeit ein gut gelatinirend^ Chondrin erhalten; eine geringe 
Menge des getrockneten Knorpels verbrannt hinterliess 11 f 
iCeuerbesttndige Salze, die wegesi der geringen Menge nicht 
geschieden werden konnten, beim Befeuchten rotbes Lak- 
muspapier blau färbten, eine ansehnliche Menge phosphor- 
saurer Kalkerde und kohlensaure Kalkerde enthielten. Es 
scheint «daher, dass weder in der Struktur noch in der Mi- 
schung diese sogenannten Gelenkmäuse von dem normalen 
Knorpel sich unterscheiden. 



Untorsuckmigen der Knochen der Menschw 

nnd einiger Tbiere 



von 



(Briefliche MiUheiluug vom Verf.) 

Seit fast zwei Jahren beschäftige ich mich fast aus- 
SchliessUsh mit der Analyse von Knochen, und theile Ihnen 
daber^ Ihrer freundlichen Erlaubniss gemäss, im Folgenden 
einige der von mir gemachten Erfahrungen mit. Eine voll- 
konunene Zusammenstelhing der bis jetzt von mir untersuch- 
ten Knochen ist mir gegenwärtig noch nicht wohl möglich, 
da es bei den verschiedenen Tbiergattungen aus Mangel an 
Material noch zu viele Lücken giebt, und weil ich mich dess- 
halb noch nicht für berechtigt halle mit einiger Sicherheit 
Schlüsse zu ziehen, und die Fragen zu beantworten, die ich 
mir gestellt habe. Mein Aufenthalt auf dem Lande giebt 
mir indess Gelegenheit nach und nach die Knochen fiist 
aUer bei uns lebenden Thiere im frischen*} Zustande zu 



*) Es ist wohl nur in seltenen Fällen möglich, die Knochen 
ausländischer Thiere frisch zu erhalten, und ich habe daher auch 
mit älteren, die ich aus verschiedenen Sammlungen durch die 
Gefälligkeit von Freunden erhalten habe, Versuche angestellt und 
habe gefunden, dass auch solche Knochen, wenigstens zur Ent* 
Scheidung einiger Fragen, tauglich sind, indem sich dieselben 
lange Zeit unverändert erhalten, und fast keine Unterschiede ge- 
gen frische Knochen zeigen, im Fälle sie nur nicht zur Auszie« 
hung des Fettes mit Alkalien beh^indeU worden sind. 



246 Untersuch, d. Knoch. d. Menschen u. eiojg. Thiere. 

erhalten, und ich werde den nächsten Sommer hauptsäoh- 
lieh dazu benutzen, die best^enden Unterschiede zwischen 
alten und jungen Individuen einer und derselben Art zu 
beobachten, worüber ich schon im vorigen Jahre mehrfache 
Versuche angestellt habe. 

Die Hauptbestandtheile der Knochen sind hinUfinglich 
bekannt. Ich beschrtloie mich daher Ihnen nur einige Ver- 
suche über Körper anzugeben « deren £sistenz in den Kno« 
eben entweder einerseits noch zweifelhaft erscheint, oder 
welche nur in ganz geringer Menge in denselben vorkommen. 

Talkerde. 

(An Phosphorstfure oder Kohlensäure gebunden?) 

Die Talkerde hat man in den Knochen gewöhnlich als 
phosphorsaure angenommen, denn es ist dieselbe von den 
meisten Chemikern, welche sich mit der Analyse von Kno- 
chen beschäftigt haben, als pbosphorsaure in Rechnung ge- 
bracht worden. So in neuster Zeit wieder vonFrerichs*), 
Marchand.**) Nasse***) hingegen, der indess meist Kno- 
chen von kranken Individuen untersuchte, nimmt sie ah 
kohlensaure an, hat aber weniger als die anderen Beobach- 
ter gefunden. Berzelius****) hat die Knochen von Men- 
schen und Ochsenknochen untersucht, und bei Angabe der 
ftesultate die Talkerde ebenfalls als phosphorsaure ange- 
führt; er sagt indessen, dass es nicht unwahrscheinlich sei, 
dass dieselbe als kohlensaure in den Knochen vorhanden 
und nur durch die analytische Methode als phosphorsaure 
ertiallen wttrde. 

Fs erscheint auf den ersten Blick nicht mit besonderen 
Schwierigkeiten verknüpft, diese Frage zu. entscheiden, in- 
dem die Talkerde aus einer Lösung, die Salmiak enthält, 
durch Ammoniak nicht gefällt wird, wenn sie nicht an Phoa- 
phorsäure gebunden ist, und es würde mithin genügen eine 



•) Anal. d. Chemie and Pharm, v. Liebfg u. Wöhler. Ä. 43. p. 251. 
••) Journ. f; pr. Chemie v. Sfdmann u. Marchand. B. 27. p. 83. 
^*0 Joam. f. pr. Chemie v. Brdmann u. fflarchand. B. 27. p. 274 
•••♦).Uhrbuch d, Chemie. B, *. p. 545. 



iMuDg dir gegUMM KnocbM in Bitoäure mil Amttoniak 
m fttHeb, stu fittriren, die im Filirate befiodUolie, arepriki% 
Kdh als kelikBsaiire vorimadem Kaikeitle mit oxalaauren 
Ammmak niederzuseiilef^Di und kierauf auf KAlkerde m 
piitfen. Dieser Versurii aeheüert aber daran, desa bei Q»- 
genwari iroii pheäpbefiaurera Kalke £e Talketde bei Zuaate 
yna MMuMA Mets, WeBigstena tbeilweiae, aia |>]|^osiibop- 
•ttare mit niederfUii, wenn aie auch im reinen Znatande^ 
«od iricM als phoapberaaiire, in die LtfaUng gebraüit wop> 
den at. 

Aber auch die nicht anbedeutende Lösliehkeit der ptaoft^ 
phoreanr^ Taikerde, besondere aber der fHsch geMtten 
baüach pfaospborsauren Kelkerde, trkt störend ouf« Denn 
wenn man äeb die Knoohenerde künstlich l>ereitet, indem 
man CUortalGiUm in kleinen Quantitäten in ttbersehUssiges 
pbotphotsanres Natren ein^eest, und den so erhdtenen 
pbdsfdiorSauren Kalk nach dem Glühen und WSgen mit einer 
•lyenfaüa gewogenen Menge phosphersaurer Talkerde mengt, 
in Saissiure Jdsst, mit Ammoniak niedersohltigt und flitdrt, 
findet man bisweilen, dass men schon im ersCen PHtrale 
durch Ktefeänre Kalk nachweisen kann, wem gleickwohl 
dnreh Ammoniak nichts weiter gelUit wird. Setat man aber 
das Auswaschen eine kurze Mi hindurch fort, So erhük 
man aus der durchgegangenen Ftttssigkeit stets ziemlich bo> 
deutende Mengen ycn Kalk, Und wird derselbe durch Kie^ 
etere geOBt, so findet sich immer auch TAIkerde im Fttlrate. 
Man kann alm, im Falle man auch Talkerde in der tcrher 
mil Ammouak geMMen UMung der Knochen findet, nicht 
g er a dem behaupten, dasa sie ton «SkSprtlnglich als kehlen- 
aam*e anweaender Talkerde herrührt. loh habe vieM&ltige 
und oft wiederfaelte Versuche angestellt, indem ich sowohl 
getrocknete und gewogene Knochen, als auch ktinstlich berei- 
fete baaisoh phosphorsaure Kalkerde mit kohlensaurm-, so 
wie auch mit phosphorsaurer Talkerde versetzte und mtt 
Ammoniak AUte, aber ioh habe trotz dem, dass ich stets 
gisiehe Mengen Ammoniak -FilMigkeft anwendete, so wie 
gleiche Mengen Wasser zur Verdünnung, doch nie recht zu- 
sammenstinunende tduNate erMlen ktfoninf 



318 Uaienucb. d. Enodi. d. MeasciiMi u. ainig. Thtare. 

' Wurden z. B. gleiche Mengen geglühter Talkerde und 
pfaoephorsauern Kalkes aus der Lösung in Salzsäure zusam- 
men mit Anunonisk niedergesohhgen, so entinek m den 
meisten Ftilen das erste Filtrat Kalkerde, und d«r Nieder- 
schlag selbst neben der phospborsauren Kalkerde auch 
bedeutende Mengen von Talkerde. Aber in manchen FllUen 
war in dem ersten Filtrate auch kein Kalk enthalten, und 
abo vollständig niedergefallen, während dennoch bedeu* 
tende Mengen Talkerde als phosphorsaure gefällt worden 
waren. Es scheint keinem Zweifel unterworfen, dass sich 
die Talkerde bei solchen Gelegenheiten eines Theiles der 
Phosphorsäure des Kalkes bemächtigt, allein nickt stets im 
konstanten Verhältnisse, wenigstens ist es mir nicht geiun^ 
gen ein solches herzustellen. Hat man indessen eine Mea- 
gung, in welcher die Masse der Talkerde die der-Kalkerde 
bedeutend überwiegt, so erhält man bestimmlere Resultate, 
indem die phospbors^ure Ammoniak* Talkerde, 4rotz dem 
dass sie im Wasser auch nicht ganz unlöslich ist, dies doch 
nidit in so hohem Grade, als die frisch gefiUle phosphor- 
saure Kalkerde, zu sein scheint. 

Ich habe hierauf die durch Alkohol und Aether von Fett 
befreiten Knochen mit stark verdtinnter Essigsäure behan- 
delt und habe gefunden, dass, wenn die Säure den gehtt- 
rigen €h*ad der Verdünnung hat, keine kohlensaure Talkerde, 
oder überhaupt gar keine Talkerde aus den zerkleinerten 
Knochen ausgezogen wird; Lehmann*) hat dieselbe Er- 
fahrung gemacht. Ich habe eme Flüssigkeit angewendet, in 
welcher auf 2 Unzen Wasser ein Tropfen Bssigisäure von 
1,060 spes. Gewicht kam. Bei Anwendung von wenig mehr 
Säure fand sich Talkerde in der Flüssigkeit, aber es war 
dann auch jedesmal Phosphorsäure nachzuweisen. Ich habe 
auf diese Weise geprüft: Femur, Tibia, Humerus eines ein» 
jährigen Kindes; von einem 2QjährigenMann: Femur, Hume- 
rus; von emem 23jährlgen Manne verschiedene Schädel- 
knochen. Ferner das Femur einer Hauskatze, eines jungen, 
und das eines ausgewachsenen Fucbaes, eines Ochsen, 



*) Lehrbuch 4 phfnoL Chemie. B, 1. p. UU 



Uoleriuck & Kooch. d. Hettsobeo it tiiäg. Iliitre. M9 

ciiier Ziege, ei&es ftrties und eines Sehweines; Femur 
und Humeras eines Uhu, eines Thurmfalken, eines Bunt' 
speehies, eines grauen Beihers, einer Rohrdremmel, eines 
Rebhuhns und eines Haushuhnes. 

Ich bin hierdurch veranlasst worden die Tallierde als 
phosphorsaure in den Knochen anzunehmen. 

Es ist aber noch ein Grund vorhanden, der dies nicht 
SBwahrscheiBiieb macht. Eine ziemlidie QuMitiUfi der phos^ 
phorsauren Erden, weiche durch den Harn und die festen 
Exkremente aus dem Körper gescfaaflFl werden, wird wohl 
durch die thierische Stoffmetamorphose selbst erzeugt, in« 
dem der PhoeiAor des verzehrten Albumins, Fibrins u. s. 
w. sich oxydirt, und sich mit dem, ihm in anderen Yerbin« 
düngen gebotenen Erden verbindet Wenn nun die Talk- 
erde, wie es aus den obigen Versuchen erhellt, im Stande 
ist sich der Phosphorsäure des Kalkes zu bemächtigen, wenn 
sie mehr Verwandtschaft zur Phosphorsäure als jene zu ha- 
ben scheint, so ist nicht abzusehen, warum sie sich im thie- 
rischen Körper selbst nicht mit der frisch entstandenep 
Pbosphorsäure verbinden, und beim Ersatz, beim Austausch, 
oder bei der Zunahme der Knochensubstanz, als phosphor- 
saure Talkerde austreten sollte, wenn gleichwohl ein Theil 
der Kalkerde als kohlensauer besteht. 

Kieselerde. 

Ich habe in den Knochen von Säugethieren und Vdgelo 
Bwar Kieselerde gefunden, aber in äusserst geringer Quan- 
tität, so dass ihre Anwesenheit nur bei Anwendung von 
grösseren Mengen von Substanz nachgewiesen werden konnte. 
IMe frischen von der Knochenhaut und vom Markfett befrei« 
teil Knochen wurden scharf geglüht, in Salzsäure gelöst, zur 
Trodme verdampft, wieder mit Salzsäure und Wasser be* 
bandelt, und der so eihaltene geringe Rückstand, ohne An- 
wendung eines Filter durch höchst vorsichtiges Schlemmen 
und Wasehen mit salzsäurebaltigem und später mit reinem 
Wasser so lange behandelt, bis letzteres beim Verdampfen 
auf Platinblech keine Spur eines Rückstandes mehr hinter- 
liess. Der auf dieee Weise erhaltene Rückstand, durch vor^ 



Mtf Uotamob« d. Knock. 4. MeMchn a üiiig. WiM. 

«MMiges OMMttmi M viel wie aiii|$cli vam WMler bc» 
fiwil, wurde wir Treckne gebracht und gegHlki. Er var- 
Meli siek vor dem Lötbrohr als reue Kieeelente. leb habe 
auf diese Weise in 25,628 Gramme von den Knochao einee 
erwaobseneD Mannes 0,003 Kieselerde geiuBdsii, fltr 1,000 * 
0,00012 Gramm. ZioBiüch dieser ZaU ^Ispraeheoda Manr 
gen habe ich in den Knochen des Hundes, des FuAbses, 
der Hauskaice, des Marders, der Kalte, des OeiMan, des Bth— 
und der 2Sieg^ geAioden. Aueh die Knoehen der Vügri 
Siiglen ein fibnüekes VerkäUnias« Es wurden untairnnriil 
die des Tkurmfalken, der Schleiereule, des Rebhuhns, cbr 
Walds^epfe, des grauen Reibers, der grossen Rohrdraofi« 
nel und der Gans« 

Bei den Kneahen der Piaobe, ii» ieh bisher untersooM 
habe, habe ieh elwas mdur Kieselerde gefunden. 

Natron. 

(Gebunden an Ghlpr, Kohlensäure, Schwefelsäure, Phos« 
pborsäure?) 

Werden Knochen, welche man von der Knochenhafil 
und vom aeusserlich anhängenden MarkfeUe befreit hat, mit 
Wasser behandett, und der erhaltene Auszug hierauf wr 
Trockne verdampft, so erhält map eine Salzmasse, die 
durch etwas organische Substanz bräunlich gefärbt ist, und 
eine ziemliche Menge kohlensaures Natron, weniges Ghlor- 
natrijum, eine Quantität Eisen und Spuren von Kaikerde, 
Talkerde und Phosphorsäure enthält. Hat man die Knochen 
Ywbeg vem Fette durch Aelher l>^eit, so erhält man diesel« 
ben Subataacen; hat man abw längere Zdt mit Aikehd 
ausgelogen, so wird das duroh Wasser hierauf erhaltene 
Sakgemenge eiwas verändert, indem der Alkebel neben 
daü Fette auch einen Theil der in flun Itfsliohen Sake aus^ 
gaiPieo bat. Arbeilet man mit grossen Mengen von Em^ 
ehSA, so daas die an und lür sieb geringe Menge Katkeede) 
Talkorde und Pbasphorsäore etwas bedeutender wird, und 
aetat man der mit einigen Tropfen Salpetersäure versetzten La» 
aung des Saizgemenges Ammoniak su, so erhält man eines 
geringen NiedersoUag, der aus phosphorsauren Erden be« 



linlfimok, i gQMb. d. Me»sc)M« ft «jiiig, |Mfi9, iit 



Flüssigkeit findet man keine Phosphorsäure rn^r, Wfspn aM^, 
;was dfterat tr^z dar Uebers^itiguag mit Aii^mpoi^k} doch 
4er Fall ist, niobt web Kalkerde ja derselben nachweiseo 
lässt Ich glaube deshalb, dass die Phppphorsäure, die sich 
iga Wassedrausamg^ ungeglubter Knochen befindet, nicht an 
NaUxw, aondern m Kalkerde und Talkerde gebunden ist. 

Werden die K)|M>Gbeo, nachdem sie vorher durch Alko^ 
hol und Alliier vom Fette befreit sind, im serUet^erten Z}^ 
Stande, durch längere Zeit mit öfters erneuteiQ Wasser b^ 
handelt,^ hierauf getrocknet und geglüht, und wieder mit 
Wasser ausgezogen, so erhftk aaan ein Salzgemenge, welches 
wiedK kohlensaurem Wafron, Gbloroelriun^ jedoßh auph Schwe- 
felsäure enthält. Aber man findet jetzt mehr Kalkerde 91 
demselben, als in dem Wasserauszuge der ungegluhten Kno* 
eben, und auch wieder eine gewisse Menge Talkarde. Aus 
4eB9i Wasser^iiszuge wird durch Ammwiak pichis Qieder- 
eesehlageui und durch salpetersaures Silber können nur 
sehr ^wejielbafle Spuren vop Phosphorsäure nachgewiesep 
w^düo* I^ie Kalkerde ist nur durch kleesaures Apw>ipjajk 
fiyttbar, wäbreiid die Talkerde aus der vom kto^aurßn Kffikü 
akfiltrirten Flüssigkeit durch pbosphorsaures Natron erbaUep 
wir4. Diese Erscheinung wäre vielleicht als ein Beweis an^. 
amsehan, dass siob die Talkerde oder wenügstens ein Theil 
derselben als kohlensaure in den Knochen befände, aber 
die Menge derselben ist gering, und die Phosphorsfiure in 
so kleiner Quantität ziemlich schwierig nachzuweisen, wess- 
halb ieh mich vorttufig Jiioch nicht m diesem Schlüsse be- 
rechtigt halte. 

Vebrigeos wechselt bei diesep Versuchen dif M^pge 
der Ka^Kerde, je na^chdem man die Knoohen stärker odi^f 
acbwik^her giUbt, in der Arit, dass b^i s|ark gegliditaa Kno^ 
chen dpeselbe bedeutender ist. Sie rQhrt also offei^Mtf da« 
vqa her, dass durch starkes Glühen Irin Theil der LeWea^ 
sauren Kalkerde sich zarseut ha,t, und als reine Kalkeni« 
leiehter v^ow Wi^sser aufgeppmmen ^iiid, Bebandeilt mm 
ciie gegittbtep K^pobea miH kAUeaeauraai Aminaniak uodt 



iSi Untersttoh. d Knooh. d. Meaadi^n u. einig. Thiare. 

^tfit Bodimak, jedoeh schwach, so erhMli man nor sehr 
wenig Kalkerde. 

Was die Substanzen betriSl, die man in dem Wasser- 
auszuge der ungeglühten Knochen anlriiR, so rühren solebe 
wohl von der in den Zellen der Knochen befindlichen Flüssig* 
keil her, während das kohlensaure und schwefelsaure Natron 
des geglühten Knochens durch die Verbrennung des Knor« 
pels, durch dessen Natron und Schwefelgehalt entstanden 
ist, und eben so der Ghlomatriumgehalt, als der Knorpel« 
Substanz angehörig, betrachtet werden muss. 

Ghlorkalium. 

So wie überhaupt eine Kaliverbindung habe ich bis 
jetzt in den Knochen nicht finden können. 

Eisen. 

Wie ich im Vorhergehenden bemerkt habe, enthält der 
Wasserauszug der ungeglühlen Knochen stets Eisen und es 
ist dies wohl jedenfalls den Flüssigkeiten zuzurechnen, die 
sich in den Knochenzellen befinden. Hat man aber vom Fett 
befreite Knoohen auch noch so sorgfältig mit Wasser behan- 
delt,* und glüht dieselben hierauf, so findet man stets, nach- 
dem sie mit Säure gelöst werden sind, Eisen in denselben, 
und dieser Antheil Eisen mag vielleicht wohl mit der 
Knochensubstenz selbst verbunden sein. 

Fluor. 

Dass sich Fluor in den Knochen befindet, ist wohl un- 
bestreitbar. Ich habe die geglühten Knochen in einer glä* 
semen Retorte mit Schwefelsäure, die zuvgieichen Theilen 
mit Wasser gemengt war, destillirt, und jedesmal ein Destil- 
lat erhalten, welches den deutlichen Geruch nach Kiesel- 
flusssäure hatte, und auch an einigen Stellen die Vortage 
sehwach ätzte. Die Retorte selbst aber war, so weit in die* 
selbe die Flüssigkeit reichte, jedesmal mehr oder weniger 
angegriffen, und zwar bisweilen ziemh'ch staik, wenn grössere 
Mengen von Substanz angewendet wurden. In einigen Fäl- 
len habe ich audh auf einer mit Wachs überzogenen Glas- 



UBtarsaoh. d. SnocL d. Menschen xu einig. Thiere. 253 

tatel, auf welcher Sohriftzllge angebracht waren, schwache, 
aber beim Anbauchen siebtbare Aetzung erhalten, wenn in 
einem grösseren, 2 Unzen Wasser hallenden Platiniiegel die 
Knochen voii Schwefelsäure erwärmt wurden, in einem klei- 
neren Gefässe aber, und bei Anwendung von weniger Sub- 
stanz war dies nichi der Fall. 

Die von Wöhler*) vorgeschlagene Methode, die Fluss- 
alhire quantitativ zu bestimmen, indem die durch Schwefel- 
säure entwickelte- Flusssäure in verdünntes Ammoniak gelei- 
tet, und durch Chlorcalcium als Fluorcalcium gefällt wird, 
habe ich wegen Mangels an einer Platioretorte nicht anwen- 
den können. Als ich die weiter von WC hier angegebene 
Methode versuchte, bei welcher in einem ähnlichem Appa- 
rate wie jener, den man zuf quantitativen Bestimmung der 
Kohlensllure anwendet, die zu analysirende Substanz mit 
Kieselerde gemeiigt, und mit concentrirter Schwefelsäure 
behandelt wird, erhielt ich 0,8 bis^0,4f. Aber die in den 
Knochen vorhandene Kohlensäure scheint störend auf den 
Versuch einzuwirken, wenn man gleichwohl dieselbe zuerst 
entweichen lässt, und vor dem Erwärmen aufs Neue wägt 

leb habe Menschenknochen sowohl, als solche von fleisch- 
und pflanzenfressenden Säugethieren und Vogelknochen auf 
Fhior untersucht, und in allen deutliche Anzeichen desset 
ben gefunden, und ich zweifle nicht, dass sich in den Kno^ 
eben alier warmblütigen Thiere wenigstens, Fluor nachwei- 
sen lässt. 

Wie Marchand**) beobachtet hat, habe ich bei allen 
fossilen Knochen, die ich untersucht habe, die Menge des 
Fluors viel bedeutender als bei fHschen Knochen gefunden, 
und es liess sich solches schon bei höchst geringer Menge 
von Substanz, bei Behandlung mit Schwefelsäure in einem 
Platintiegelchen, durch Aetzung einer Glastafel nachweisen. 

Arsen, 
welches man in neuerer Zeit in den Knochen gefunden 



•) Joum. f. prakL Chem. B. la p. S84. 
*•) Lehrbuch d. phys. Chem. v. B. T» SarcHand. B. 1. p. 100« 
Simon BeUrage I. S. 17 



SM üatoriucb. d. Eüoek d. MenAcIüa u. einig. Thiers. 

babea will , habe ick me auffinden kdnnan. leh tiabe aich rar 
AuftuebuDg desaelben der etwas abgeäDderien Harsh'sebaii 
Probe bedient, habe aber auch die Probe von Reinsch*) 
versucht.'*'*^) Bei Anwendung der Probe von Marsh wurde 
der Apparat folgender« Gestalt zusammen gesetzt. In den 
einen Tubulus einer 6 Unzen haltenden zweihaisigen Flasche 
war mittelst eines Korkes ein enges, bis auf den Boden der 
Flasche reichendes Trichterrohr eingesetzt worden. Der M- 
dere Tubulus nahm ebenfalls einen Kork auf, durch den ein 
im rechten Winkel gebogenes Glasrohr geführt war, wel- 
ches in der Flasche selbst, dicht unter dem. Korke seUbsl> 
schief abgesprengt war. Dieses Rohr, von der Biegung an 
%'^ lang^ war lose mit Baumwolle ausgefüllt, und durch eine 
Kautschuk-Röhre mit einem 16 '' langen zweiten Glasrohr in 
Verbindung gesetzt, weldies mit Stücken' von Ghlorcaicium 
«ngeftkllt war, welche an beiden Endtheilen wieder durcli 
Baumwolle gehalten wurden. Durch ein. Kautschuk-Rohr war- 
den nun die 10 — 12'^ langen Endröhren, die in eine dUnne 
Spike ausgezogen waren, mit dem Apparate in Verbindung 
gebracht. Ich habe mich am Anfange zu den Versudien 
und Gegenproben, welche ich über den Arseogeholt der 
Knochen anstellte, zur Wasserstoffgas -Entwicklung des Zin^ 
kes bedient, welches ich nach Heillit**'*) durch Umschnel- 
Beu mit \ s^nes Gewichtes Salpeter reinigte^ spater aber 



*) Jeurn. t p, Chemie. B. 94. p. 244. und R^pertoriam f. d. 
Pharm, v. Bochner. Bv 27. p. aia* 

**) Nie habe ich können Arsenik in den Knochen auffinden» 
obgleich ich viel Versuche mit einem, wie ich glaube, allen An* 
Sprüchen genügenden Apparat anstellte. Eine 16 Unzen fassende^ 
Flasche bat oben an der Biegung einen Tubulus mit gläsemeia 
Sperrhahn. Durch die Oeffnung der Flasche geht ein einge- 
schliffener Trichter, der 16 Unzen fasst und bis auf den Boden 
der Flasche in eine dort befindliche Vertiefung reicht, das sich 
entwickelnde Gas treibt die Flüssigkeit in den Trichler hinauf 
und durch den Sperrhahn kann man das Gas ausströmen lassen. 

F. S. 
••*) Joutn. d, Pharm, B, 17. p, «aa. 



ihiliriua(i« d. EomL d. MeosohM «. einig. Tbtera. UK 

habe iob Uofliehee^ fewabtes Zink Terwemkl, weiebee tici 
voUkoKiroen artenfrei bewies. * Die angewendete - käufiiche 
Saizeäure war, wie die Probe roK.dem Harsh^hen Appa- 
rat selbst zeigte, ebenfalls voUkommen rein. 

Bei den Versuchen selbst Hess ich, nachdem Zink und 
Säure in den Apparat gebracht war, die Wc^seraftoffgaa^n^ 
wieUung einige Minuten anhaiteD, brachte hierauf eine gut 
sehende Berzelinesche-Lampe unter dasBndrehr, wodurch di^ 
ses bald zum Glidien gebracht wurde. Nachdem joh nieh 
in jedem einzelnen Versuch^ überzeugt hatte, dase Säure 
«od Zink rein waren, wurde durch das Triohlerrehr die 

in den Apparat gebüacht. 
Probeflilaai^eiten wurden auf folgende Welse 



Zdm Pfund frischer Rindsknochen wurden, ohne vor- 
her durch Alkohol vom Fette befreit worden a sein, in 
Salzsttnre digerirU Warum man die Knochen bei der Probe 
auf Arsen vorher voiq Fette befireien soll, ilt nicht wohl 
abzusehen, denn wenn nian ttberhaupt diesen Körper in 
den Knochen vermuthei, ist es nicht undenkbar, dass sich 
Jefselbe eben sowohl im Markfette, als in der Kaoebensub- 
slanz vorfinden kann. Nach längerer Digestion wurde die 
Masse mit etwas Wasser verditamt, fihrirt, gewaschen, der 
fttldLstand ausgepresat„ nodmais mit Salzsäure behandelt 
und* dasselbe Verfahren wiederholt. Die Flüssigkeit wnirde 
Werauf durch Abdampfen cöncentrirt, uod Sohwnfslwaaaer« 
atoff durch dieselbe geleitet» Hierauf wurde diesdlbe ail 
rtnem gelinde erwärmten Orte durch längere Zeit der Bmhe 
Aberlasaen, und hiersuf ftlrirt Es wurde' auf dem Füle* 
dfai geiblieber RUdLstand erhalten , der sammt dem Filter in 
Saipetersäure, die mit einigen Tropfen Sabaäure versetat 
war, gebracht wurde, und sich bei Anwendung von gelai- 
dar Wärme zieariioh leicht lOste. Die so erhaltene, voll- 
hemmen klare Flüssigkeit wurde in den Apparat gebraobt, 
und bewirkte keine Spur eines Anfluges von redueirtem Ar* 
ien in der erhitzten Rdhre. Auf i^iohe Weise, und mit 
demselben Erfolge ^vurden 8 Pfunde der. Knochen eines 
Sooblatierea, und die gleiche Menge friacher Pfepddmechen 

17* 



2S6 Untenüch. d. Knoch. d. MeuBdtea u. einig. Ttdere. 

behandelt Eben so wenig konnte auf diese Art Arsen ge- 
funden werden in Femur und Tibia eines Mannes, in dem 
Becken, den Rippen und den sämmtlichen Handknoohen 
eines Weibes, ich habe hierauf eine grössere Flasche zur 
Gasentwicklung angewendet, und, nachdem ich die Knochen 
verschiedener Thiere in Salzsäure gelöst hatte, wurde die 
ganze salzsaure Lösung in den Apparat gebracht, nachdem 
durch reine Säure die Gas^itwicklung in Gang gesetzt wor- 
den war* Es konnten auf diese Weise keine so grossMi M en« 
gen von Knochen in Untersuchung genommen werden, doch 
wurden immer noch ziemlich bedeutende Mengen angewen- 
det . Aber auch jetzt konnte keine Spur von Arsen gefun- 
den werden. Auf die eben angegebene Art habe ich un- 
tersucht Femur und Humerus eines Schweines, eioes Schaa- 
feB und zweier Hunde; Femur, Tibia und Humerus eines 
Fuchses .und dieselben Knochen dreier Katzen. Femur, 
Tibia und Humerus von 30 und etlichen Rebhühnern, Fe- 
mur und HunSerus einer Gans, eines Schwanes und fast die 
sKmmtlichen Knochen dreier Eulen; (StnV Aluco und Striz 
nootua.) Die Knochen der so eben genannten Thiere waren 
im frischen Zustande zur Untersuchung genommen wordeik 
Von alteren Knochen, die ikbrigens mir unbekannte Zeit hin- 
durch aufbewahrt worden waren, untersuchte ich RUckenwir- 
.bei und Rippen zweier grösserer Affenarten, verschiedene 
Schädelknochen eines Seehundes, Rippen und Rückenwirbel 
eines Delphins, und Femur und Humerus von drei Kunden, 
loh habe femer mit dma Knochen der so eben genannten 
Thiere den Versuch in der Art abgeändert, dass ich diesel* 
ben vei^ohite, in reiner Schwefelsäure löste, filtrirte und 
das Filtrat in (ien Apparat brachte. Aber es konnte auch 
auf diese Weise keine Spur von Arsen bemerkt werden. 
Als ich indessen 0.010 Gramm, arseniger Säure in Salz- 
säure löste, diese Lösung mit einem Litre Wasser verdünnte 
und von dieser Flüssigkeit mir einige Grammen in den Ap« 
parat brachte, beschlug sich die Röhre, einige Sekunden 
nach dem Einglessen der arsenhaltigen Elüssigkeit, sogleich 
mit einem vollkommenen ArsenspiegeJ. 

Wie ioh oben erwähnte, habe ich auch die Arsenprobe 



Olitorsuclh (L Knoeh. d. Hensclieii il einig. Tbiere. 257 

von Re losch in Anwendung gebracht , welche bekanntlich 
darin besteht, dass die zu untersudiende Flüssigkeit mit 
Salzsäure angesäuert, und mit einem blanken Kupferbleche 
gekocht wird, worauf sich das Arsen als ein grauer Beschlag 
auf dem Kupferbleche ablagert. Aber obsehon, wie ich mich 
ebenfalls durch Gegenproben überzeugte, auch dieses Ver-N 
fahren ein empfindliches^ Reagens auf Arsen ist, habe ich 
doch nicht die mindesten Anzeichen dieses Körpers erhal« 
ten köDneDj. indem ich versdiiedene der oben angegebenen 
Knochen in Behandlung nahm. Ich habe bei aHen 'diesen 
Versuchen mit gewissenhafter Genauigkeit gearbeitet, da ich 
aber nie auch nur die geringste Spur von Arsen erhalten 
habe, bin ich der sicheren Ueberzeugung, dass in aHen von 
mir untersuchten Knochen kein Arsen gegenwärtig war. 

Es haben indessen sehr tüchtige Beobachter in den 
Khochen Arsen gefunden, und es lässt sich nicht wohl den- 
ken, jdass ihren Angaben Beobachtungsfehler zu Grunde 
liegen."^) Aber es ist wohl möglich, dass man in manchen 
FäUen Knochen zur Analyse verwendet haben mag, bei wel* 
chen das Individuum, dem sie angehörten, durch Arsen ver- 
giftet worden war, und es ist dies namentlich bei den Kno- 
chen von Thieren der Fall, wdche vielleicht znfitUig früher 
zu toxicobgischen Versuchen gedient haben mögen. 

Duflos und Hirsch**) haben in dieser Beziehung Ver- 
suche angestellt, indem sie ein Kaninchen 14 Tage lang mil 
arsenhaltigem Putter ernährten, und hierauf, nachdem sie 
dem Tbiere 6 Wochen hindurch wieder reines Futter ge- 
reicht hatten, dasselbe tödteten. Sie haben in diesem Falle 
kein Arsen in den Knochen nachzuweisen vermocht, aber 
eben so wenig im MuskeUleische und den Eingeweiden. Es 
war also das Arsen wieder aus dem Organismus entfernt 



e) Nach Danger und' Flandin findet sich normal in den Kno- 
chen kein Arsenik, und Orfila, der Erfinder des Arsengebaltes 
der Epochen, hat es sich vorbehalten die normale Gegenwart 
zu bezweifeln. , F. S. 

**) Das Arsenik und seine Erkennung etc. D. A. Duflos und 
A* 6. Birseh. Breslau 1842. p. 49. * 



SM CHIMUi^. A lD«k d. KeitsclMi ui tfnig. tkiüi. 

WoriMt Wenn aber dn Thier tog^ch mA den i r a lc n 
14 Tligto, wahrend wdcher es arsenhalliges FsUer erttelt, 
getödtM ifvorden wtfre, halle eich ohne ZweiM a^dk in den 
Kneeheii Atten nadiweieeii laasen, wie sie es aueh im 
HuaketflSeisohe eittaa auf diese Weise behandelteB Thieras 
gefunden haben. Ich seibat hAe lüdessen bis jetzt in die 
aer Beziehung noch keine Verauehe angeetdit. 



&n Folgenden werde ich Ihnen nun die Ergehniaae etni* 
ger vollständigen Analysen miltheilen. Die Art, wie aeibige 
bewefksteBigt wurden, war f<rfgende. Die zur Abalyse be- 
stimmten Knochen wurden vom zelligen Gewebe und der 
Knochenhaut befreit, in kleine Stückchen gebracht, indem 
aie in einem Poraellanmtfrser aerstossen wurden. Bei stür- 
'hei^n KnoohM wurde mit einer Säge naehgehelCsn. Die so 
vorbereitete Subslana wurde zwischen + 115 -* iflO * A. 
ao lange getrocknet, bis sie Nichts mehr an Gewicht ver- 
lor, und hierauf schnell in Terschiedeneo Parthieen gewo* 
gen. Die zur Bestimmung der KoUensSlure bestimmte Menge 
wurde sogleioh in emen Ueinen, n)it Salasäure versehenen 
und gewogenen Apparat gebracht, wie man solchen zur 
direkten Bestimmung der Kohlenstfure gewöhnlich anwendet. 
' Naohdem die Knochenstiickohen gelöst waren, wurde aus 
dem Gewiditsverluste die Menge der Kohlensäure gefunden. 

Eine aweite Menge der Knochen wurde durch Aether 
erschöpft, der Auszug verdunstet, und so das Fett gewicht- 
Boh bestimmt, hierauf gegltlht, mit kohlensaurem Ammoniak 
behandelt, nochmala schwach geglüht und gewogen, hier« 
auf in Salpetersfiure gelöst, mit Ammoniak nahe gesättigt^ 
nnd durch essigsanres Blei die Phosphorsäure gefUlt. Das 
überschüssige Blei wurde durch Schwefelwasserstoff ent- 
fernt, filtrirt, das Schwefelblei mit Schwefel wasserstoffbalti- 
gem Wasser gewaschen, das Pillrat erwärmt und hierauf 
mit kleesaurem Ammoniak die Kalkerde gefällt. Das Filtrat 
der Kalkerde, zur trockne verdampft, geglüht und hierauf 
init Waaser ausgesogen, gab die Talkerde. Aus der durch 
Glühen des kleesauren KaU^es erhaltenen Menge fcpManna» 



t 



UaMiDeh. d. Kxkoib. 4. Iftiuichfhi u. einig. Tfim. tM 

MB Xalkfis wurde die der feinen Kalkerde bere<^ei, von 
dieser eine der gebundenen Menge Kohlensäure entsprechende 
Quantität hinweg genommen, und der Rest als phosphor- 

smier (Ga^'P^) berechnet. Bie Tatkerde wurde ebenfaUs 
als phosphorsaure in Rechnung gebracht. Zur Bestimmung 
des Natrons^und Ghlomatriums wurden wieder frische Men- 
gen Substanz in Behandlung genommen* Der geglühte KnO'* 
eben wurde -mit Wasser ausgelaugt, der Auszug verdampft, 
schwach geglüht, und das kohlensaure Natron auf Natron 
berechnet. Das Chlornatrium suchte ich aus einer weiteren » 
Menge ebenfalls geglühter und mit Wasser ausgezogener 
Knochen zu bestimmen, indem mit salpetersaurem Sifber 
gefällt, und aus dem erhaltenen Niederschlage von Chlor- 
stiber die Menge des Ghlomatriums berechnet wurde. Wenn 
aber nicht grosse Mengen von Knochen cur Analyse zu Ge- 
bot standen, haben die so erhaltenen Resultate wenig Wertb, 
da die Menge des Chlornatriums stets nur sehr unbedeu-* 
tend ist, und durchschnittlich kaum 1 der Salze des Was- 
serauszuges betrügt. 

Der Verlust wurde als Knochenknorpel angenommen. 

Auf diese Weise habe. ich folgende Resultate erhall^: 

Mensch. (Weib .von 25 Jahren.) ^ 

Femur Tibia Fibula Humerus Uina 



Phosphors. Kalkerde m. 




etwas Fluorcalcium . 


57,42 57,18 57,39 58,03 67,52 


Kohlensaure Kalkerde . 


8,92 8,93 8,92 ' 9,04 8,97 


Phosphorsaure Taikerdc 


> 1,70 1,70 1,63 1,59 1,72 


^ Natron, Ghlornatrium 


0,60 0,61 0,60 0,59 0,67 


Knorpelsubstanz . . . 


29,54 29,58 29,49 29,66 29,14 


Fett 


4,82 2,00 1,97 1,09 1,99 




100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 


Organische Substanz 


31,36 31,58 31,46 30,75 31,13 


Anorganische Substanz 


68,64 68,42 68,54 69,25 68,87 


• 


100,00 100,00 100,X)0 100^ 100,00 




Radius Metacarp. Clavic. Os occip. Costa 


Pbospbors. Kalkerde m. 




etwa^ Fioorcaloium 


57,38 57,77 56,35 57,66 52,91 


Kohlensaure Kälkerd« , 


8,95 8,93 8,88 8,75 ^8,66 



SSO Untersuch, d. Koocb. d. Mensehen u. eiii||^ Tktere. 



Pbospbors. Talkerde 
Natron, Gblornätriam 
Knorpelsubstanz . . 
FeU 



Organische Substanz 
Anorganische Substanz 



Radius Metaoerp. Gla vic. Os ocdp. Costa 
1,72 1,58 1,69 1,69 1,40 
0,63 0,61 0,59 ' 0,63 0,60 

. 29,43 29,23 30,66 29,87 33,06 
1,89 1,89 1,83 1,40 %a7 

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 

. 31,32 31,12 32,49 31,27 35,43 

68,68 68,88 67,51 ^8,73 64,57 

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 

Stemum Scapula yertdt>rae Os ilii 
Phosphors. Kalkerde m. 

etwas FJuorcalcium . . 42,63^ 54,7$ 44,28 49,72 

Kohlensaure Kalkerde . . 7,19 8,58 8,00 8,08 

Phosphorsaure Talkerde . . 1,11 1,53 1,44 ij57 

Natron, Chlornatrium . . 0,50 0,51 0,53 0,60 

«Knorpelsubstanz .... 46,57 32,90 43,44 38,26 

Fett 2,00 1,73 2,31 1,77 



Organische Substanz 
Anorganische Substanz 



100,00 100^00 100,00 100,00 

48,57 34,62 45,75 40,03 

51,43 65,38 54,25 59,97 

100,00 100,00 100,00 100,00 



Hund. (Gastrat, 16 Jahr alt.) 



Phosphors. Kalkerde m. 
etwas Fluorcalcium . 
Kohlensaure Kalkerde . 
Phosphorsaure Talkerde 
Natron, Ghlomatrium . 
Knorpelsubstanz . . . 
Fett 

Organische Substanz . 
Anorganische Substanz 



Femur Tibia Humerus Verleb. Costae 


59,24 


53,45 


57,33 


46,86 


48,68 


. 9,63 


8,08 


8,99 


6,89 


7,00 


1,11 


1,10 


1,12 


1,05 


0,97 


0,62 


0,57 


0,61 


0,50 


0,60 


. 28,49 


35,88 


31,05 


42,89 


41,35 


0,91 


0,92 


0,90 


1,81 


1,40 


100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 


29,40 


36,80 


31,95 


44,70 


42,75 


70,66 


63,20 


68,05 


55,30 


57,26 



100,00 100,00 100,00 100,00 100^00 



Ilotarsuali. d. Knoch. d. Menscken u. einig. Tbiere 861 



Fuchs. (AH.) 

Femur Tibia Hutner. Vert. Os occ. 



Phosphors. Kalkerde m. 
etwas Fluorcalcium . 
Kohlensaure Kalkerde . 
Phosphorsaure Talkerde 
Nairon, Ghlomalriuin . 
Knorpelsubstanz . . . 
Feit ...... . 



62,29 


60,66 


60,81 


56,97 


67,50 


6,80 


6,72 


6,09 


6,01 


6,24 


1,31 


1,30 


1.17 


1,00 


1,03 


0,52 


0,50 


0,43 


0,46 


0,50 


28,27 


29,89 


30,72 


34,17 


33,74 


0,81 


0,93 


0,78 


1,39 


0,99 



100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 
Organische Substanz . 29,08 30,82 31,50 35,56 34,73 
Anorganische Substanz 70,92 ^69,18 68,50 64,44 65,27 

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 

Wilde Katze. (Alt.) 

, Femur Tibia Humerus UIna Gostae Vertebr. 
Phosphors. Kalkerde m. 

etw. Fluorcal. 63,00 62,45 62,45 62,36 51,17 43,75 

Kohlens. Kalkerde 7,83 7,88 7,94 7,30 5,09 5,00 

Phosphs. Talkerde 1,00 1,03 1,10 0,90 0,90 0,85 

Natron, Chlornatr. 0,40 0,41 0,41 0,43 0,42 0,40 

Knorpelsubstanz 27,00 27,32 27,50 28,19 41,22 48,10 

Fett . . .^ J), 77 0,91 0,60 0,82 1,20 1,90 

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 
Organ. Subst. . 27,77 28,23 28,10 29,01 42,42 50,00 
Anorgan. Subs t 72,23 , 70,99 71,90 70,99 57,58 50,00 

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 

Uhu. 

Femur Tibia Humerus Utoa Radius 
Phosphors. Kalkerde m. 

etwas Fluorcalcium . 59,14 57,22 60,23 57,89 57,36 

Kohlensaure Kalkerde . 8,11 7,99 8,90 8,11 8,00 

Phosphorsaure Talkerde 1,13 1,08 1,19 1,20 1,00 

Natron, Ghlomatrium . 0,60 0,55 0,70 0,40 0,40 

Knorpel 29,99 32,07 27,99 31,33 32,17 



MS Untersuob. d* Koodi. d. MeDschen u Mi%. IUmm. 

Pemar tihia Humerus UId^ Eadius 
Feit 1,13 1,09 0.99 1,07 1,07 

100,00 100,00 100,00 100,00 100^ 
Organiscba Subslanz . 3i,12 33,16 28,98 32,40 33,24 
AnorgaiiaGhe Subslan« 68,88 66,84 71,02 67,fiO 66,7< 

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 

Metaoarp. Slero. Cost. a. Coat. M}Fiira 
Pbospbors. Kalkerde m. 

etwa8 Fluorcalciüm . 55,75 49,29 60,37 ^,28 49,75 

Kohlensaure Kalkerde . 8,10 7,39 7,90 8,00 7,30 

Phospfaorsaure Talkerde 1,00 0,93 0,98 1,20 l,Oi 

Natron, Chlornatrium . 0,62 0,50 0,50 0,51 0,49 

koorpel 33,63 40,69 38,72 35,57 40,46 

Fett 1,00 lt2Q 1,53 1,44 0,99 

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 
Organische Substanz . 34,63 41,89 40,25 87,01 41,45 
Anorganische Substanz 65,37 58,11 59,75 62,99 58,55 

100,00 100,00 100,00 100,00 100,00 



■ 

Phosphors. Kalkerde m. 

etwas Fluorcalciüm 
kohlensaure Kalkerde 
^hosphorsaure Talkerde 
t^atron, Cblomatrium 

Knorpel 

PetI 



Scapula Clavicula Osilii Vertebr. 



55,19 


56,75 


49,52 


49,61 


7,59 


7562 


7,27- 


7,55 


0,99 


1,07 


- 0,90 


1,00 


0,57 


0,53 


0,41 


0,42 


34,68 


33^2 


40,77 


40,20 


0,98 


1,01 


1,13 


1,22 



100,00 100,09 100,00 100,00 

Organische Substanz . . 35,66 34,03 41,19 41,42 

Anorganische Substanz . . 64,34 65,97 58,10 58,58 

lOOjOO 100,00 100,00 100,00 



*) Cosiae a., hierunter verslebe ich Jenen Theil der Rippen, 
der ans Sternum grenzt, während unier b. der den Wirbeln 
angebörige gemeint ia^ 



VwkmatL d. KttMk. i. Miinirhgi u. eJBig. ThwNL MS 

Die kkiaea in den Kaoeken ymkftBm0ttim Mmge m von 
Bifl«n und Kieaelerde htbe ksli bei diesen Anatysen niohi 
weiter berücksichtigt 

Die Unterschiede der organischen und anorgeniscbeo 
Snbstans stimmen bei den versdiiedenen Thierarten in den 
vorstehenden Analysen nicht vollkonmen susammen, doch 
ist dies im Aligemeinen in so fem der Fall, dass die cylin* 
drischen Knochen der Extremitäten stets mehr anorganische 
Substanz als die Knochen des Rumpfes enthalten. Dies ist 
fcei Sättgeibieren und Vögeln durchgängig der Fail, unter 
den oylindrisohen Knochen selbst aber finden wieder Untere 
schiede statt 80 hatte der Humerus bei allen menschlichen 
Knochen, die ioh bisher untersucht habe, stets etwas mehr 
anorganiaehe- Substanz als das Femur, bei den Ubrigen 
Säugethieren aber war dies fast immer der entgegengesetzte 
Fall. Bei den Vögeln habe ich den Hunerus stets wieder 
Ipeieher an anorganischer Substanz gefonden, jedoch maeh*- 
tön hier die Knoohen einiger Taubenarton eine Ausnahme: 
Es finden überhaupt bei den Vögeln bisweilen in Bezug auf 
die Menge der organischen und anorganischen Substanz 
merkwürdige Verhältnisse statt, und nach den meisten Er- 
fahrungen, die ich bisher gemacht habcy nimmt die Knochen- 
erde im bcbmk Alter auf eine bedeutendere Weise zu als 
bei den Silugelhieren, indessen, wie es scheint, aoek nicht 
bei allen Gattungen in demselben Grade. Bei den Tauben- 
und den Htthnerarten habe ich bis jetzt in dieser Beziehung 
die bedeutendsten Unterschiede gelinden, kh habe das Fe- 
mur und den Humerus von 70 und etlichen BeUübnem 
auf den Gebait an organischer und anorganischer Substanz 
untersucht, und bei sehr allen Thieren oft eine so grosse 
Menge von Knochenerde gefunden, dass eine vielfilllige Wie- 
derholung dieser Versuche mich von dersn Richtigkeit 
überzeugte. 

Was den Gehalt an kohlensaurem Kalke in den Kno- 
eben überhaupt betrifft, so wechselt derselbe sowohl bei 
den versehiedenen Gattungen alltr TUere, die ich unter 
sudMt habe, als auch bei den verschiedenen hdivMlaen selbst 
Bei i^m uinl demselben Individuum i^t derselbe aber stets 



est UntttTiuch. d. Kaoch. d. Mansehen o. einig. 1lM$m. 

in nemKoh gleichem Verhältnisse verlheilt, so dass z. B. bei 
einem grösseren Gehalte des Femur an phospfaorsaurein 
Kalke gegen das Slernum, ersteres auch mehr kohlensav* 
ren Kalk hat. 

Nicht durchgängig, aber in der Mehrzahl, habe ich bei 
jungen Individuen weniger kohlensauren Kalk, als bei älte- 
ren gefunden, und dies bei Säugethieren sowohl, als bei 
Vögeln. 

Ehe ich diese Notizen schliesse, füge ich noch den Ge* 
ball einiger Thierknochen an organischer und anorganischer 
Substanz bei, wozu ich übrigens bemerkdn muss, dass bei 
Angabe der organischen Substanz das Fett mitgerechnet ist, 
obgleich es jedesmal durch Aether ausgezogen, und filr sich 
bestimmt wurde. Ich werde mich später erklären, warum 
dies geschehen ist. Alle im Folgenden angegebMien Kno- 
chen, sämmtlich Femora, habe ich vollständig analyairt, und 
durch Ermittelung ihrer Bestandtheile im Einzehien s«wohli 
als wie durch Glühen den Gehalt an organischer und am»** 
gianischer Substanz bestimmt 

Org.S. Attorg.S. 
Felis catus, drei Jahr alt ..... . 31,84 68,16 

Felis catus, 7 Jahr alt . 26,38 71,62 

Ganis vulpes, ein Jahr alt 37,50 62,50 

Musieta foina 29^48 70,52 

Sdurus vulgaris 30,26 69,74 

Gervus capreolus, zwei bis drei Jahr alt 28,46 71,54 
Bos taurus, vier Jahr ak, Zuchtstier . . 31,00 69,00 

Ovis aries 30,38 69,62 

Equus caballtts 36,19 63,81 

Strix noctua 30,47 69^3 

Slrix Aluoo ; . . 38,32 64^ 

Faico tinnunculus 36,39 63,61 

Anas Boschas domestica 31,78 68,22 

Anas anser, 8 Wochen alt '33,56 66,44 

Anas anser, 15 Jahr alt 29,39 70,61 

Trinja vanellus, halbjährlich 36,70 63,30 

TriDja vanellus, sehr alt ..... • 21,01 78,99 
Ardea m^or . 3^18 6&fi2 



Uslersuch'. d. Kaooh. d. Meosehen u. eiii%. Thiare. 26fi 

* 

Org.S. Anorg.S. 

Ardea stellaris 32,12 67,88 

Scolopax rusticüla 27,06 72,94 

Galluft gallinaceus, 4 Jabr alt .... 25,1^ 74,65 
Gallas gallioaceus, 6 Wochen alt . . . 35,08 64,92 

Phasianiis gallus 23,04 76,96 

Colunaba lurlur 13,01 86,99 

Golumba palumbus 25,11 74,89 

Coiumba dornest., wenigstens 4jährig . . 21,78 78,22 
Golumba dornest., kaum flUgge .... 41,24 58,76 

Gorvos pica 29,49 70,51 

Gorvus cornjx . . . / 30,86 69,14 

Psitlaot» püHarios 46,74 53,26 

Psittacus cristatus 39,68 60,32 

Picus medius 41,28 58,72 

Ich erlaube mir nun noch eine Frage an Sie zu stellen. 
Wie Ist denn wohl der Satz zu verstehen, den man fast in 
allen Naturgeschichten, Physiologien, Anatomien etc. mehr 
oder weniger auf folgende Weise ausgesprochen flndel: 
„die Höhlen in den Knochen der Vögel sind nicht mit Hark 
erfüllt, sondern nehmen Luft auf,*' öder: „die Luft hat freien 
Zugang in den Knochen der Vögel, weiche hohl und ohne 
Mark sind'*? Ich habe die Knochen der meisten bei uns 
lebenden Vögel zu untersuchen Gelegenheit gehabt, und 
habe die vollkommenste Gewissheit erlangt, dass, mit Aus- 
nahme des Humerus, alte Röhrenknochen des Fusses und 
des Flügels mit Markfett ausgefüllt sind, und dass selbst der 
Humerus bei einigen Individuen mit Mark erfüllt ist So li«-' 
gen mir im gegenwärtigen Augenblicke 3 Exemplare von 
Turdos pilaris vor, bei welchen dless der Fall ist. Im Ue- 
brigen hat es seine Richtigkeit, dass der Humerus durch- 
schnittlich markfrei ist, und es scheint, dass zur Zeit des 
FKlggewerdens das Mark in ziemlich kurzer Zeit aus diesem 
Knochen tritt, indem ich bei jungen Thieren, die ich aus 
dem Neste nahm, denselben noch vollkommen mit Mark an- 
gefüllt fand, während nach einigen Tagen bei den übrigen 
indess flügge gewordenen Jungen derselben Art sich der 
Humerus fast vollkommen markfrei fand. 



•M Uaüttudu d.. Kaodh. d. MfasoliM u. eii% TUh». 

Wten umhi diese Forschungen nicht etwa bei Tafel an- 
sMk, WC durch den Prozeaa' des Bratens die Exemplare daa 
MarkSstt 'verloren haben können, wird man sich leicht von 
der Richti^eit des eben Gesagten überzeugen können. 



*) Grant sagt in dieser ßeaiebimg in seiner vergleichenden 
Anatomie S. 100: Jm jungen Zustande sind die Knochen der Vö- 
gel mit einem dünnen serösen Mark angefüllt , wie das der Rep- 
tilien, welches während des Wachsthums durch den Zutritt der 
Luft bald im grösseren, bald im geringeren Umfange verschwin- 
det u. s. w, JWeckei rührt in seiner vergleichenden Anatomie 
B. 2. Abth. % 8. 96. an, dass keiner der unterhalb öes Sllenbo* 
gengelenkes Ibefindlicheo Knochen lufthaltig a^ und S. leS., 
dasselbe ven den Knochen unterhalb des Knies. F. S. 



Pathologisch chemische Untersuchungen 



von 
Frans Simon, 



1. Einige Ergebnisse aus hiesigen Kliniken. 

i) Auswurf tfei Lnngentuberksln. 

Den Auswurf der mit tuberkulöser ' Lungenphthise Be« 
hafteten habe ich oft zum Gegenstande mikroskopischer Vt^ 
Versuchungen gemacht; es ist bekannt, dass dieser Auswurf, 
abgesehen vom Wasser, ans zwei schon physikalisch unter- 
scheidbaren Parthieen besteht, einem gelbweisslichen , mehr 
oder weniger zShen, viele Luftblasen einschlfessenden und 
daher auf dem Wasser schwimmenden Schleim und einef 
weisslicheD, auf dem Boden des Spuckglases ruhenden Schicht, 
welche schon dem blossen Auge eiterartig erscheint; in di^ 
ser Sebicbi, welche gewöhnlich gleichförmig auf dem Boden 
verbreitet ist, findet man zuweilen kleine, weissiiche, käse« 
Artig erscheinende Stippchen ; diese letzteren sind von jehef 
dem Arzte verdäditige Erscheinungen gewesen und man^ 
bezeichnet sie gemeiniglich mit Tuberkelmaterie. Was es 
in der Bfehrzebl der Fälle mit diesen kleinen Stippchen ftie 
Beivandtniss habe, ist schon im '2. Bd. meines Handbuchs 
der medis. Chemie S. 316. angeftlhrt worden, wo ich l>e*- 
merkte, dass Stücken roher Tuberkdmasse nur sehr seltett 
in <hem Lungenanswurf erscheinen, dass viel häullger dage« 



S66 Patheloi^sche ohemisclie Uiitmiiidioiq(«ii. 

gen Speisereele z. B. kleine Slllckchen Wäissbrpt^ Grau- 
pen etc. mit ausgeworfen werdep und dann, wie sich yon 
selbst versieht, diese Blasse nicht als verdächtig und auf 
Gegenwart von Lungeniub«diielu hinweisend betrachtet wer- 
den darf. Wenn man sdche Stippchen mit dem Mi- 
kroskope aufmerksam unl^rsuebt, so findet man eine weiss* 
liehe oder gelbliche amorjrfie Masse, bisweilen mit Fettkttgel- 
chen, bisweilen mit runden oder ovalen, weissen Kdrpem, 
an denen man bei scharfer Beobachtung concentrische Binge 
wahrnehmen kann, untermischt; man kann sich bald durch 
Hinzufügen von Jodtinktur überzeugen, dass diese Körper 
und ein Theil der Masse, in der sie gefunden worden, 
Amylon sind. 

Im Oktober- Heft der London medioal Gaz. v. 1842 fin- 
det sich em Aufsatz über Schleim und Eiter, worin von 
eigentbllmlichcn jinsenfärmigen Ki^rpem, welche der Tub^>^ 
kefanaierie angeboren s<flten, und aus deren YoAommen man 
auf die Gegenwart -von Tuberkeln zu schliessen berechtigt 
sein soN, gesprochen wird. Da die dort gemachten Angaben 
sdbr bestimmt sind, und die Beschreibung der cbemisch-physi- 
calischen BeschaflEonheit dieser Körper beigegeben ist, so sah 
ich mich veranlasst, noch einmal genaue Untersuchungen über 
diesen Gegenstand anzustellen,"^ und sowohl die ausgeviror- 
fenen Massen Phthisischer, ganz besonders aber die in den 
Lungen befindlichen Tuberkeln genau zu untersuchen. Diese 
Untersuchungen führten zur Bestätigung meiner früher ge* 
machten Beobachtungen; ich habe wieder gar nicht selten 
in den ausgeworfenen Massen die bemerkten Körperchen 
gefunden, sie aber auch jedesmal, durch Beimischung von 
Jod, für Amylon erkannt. Nie habe ich in den Tuberkel- 
massen der ^Lunge etwas Aehnliches gesehen. Sind diese 
bereits erweicht, so sieht man eine grosse Menge Biterkör- 
perches untermischt, mit sparsamen, an Grösse die Eiter* 
körperchen 3— 4mal übertreffenden, dunklen granulirten 
Kugeln, welche den Exsudatkugeln gleichen, und zwi- 
schen diesen zahlreiche dunkle Pünktchen, vielleicht duroh 
Zerfallen von Eiterkörperchen oder den grösseren Kugeln 
entstanden. Dieselbe .eiterartige Masse erweichter Tid>er- 



Paibologiseh« chemische Uatersttchungen. 269 

kein wird ausgewürfen und sie ist es, weiche am Boden des 
Spuckglases die weissliche Schicht bildet. Ist die Tuberkei- 
masse noch fest, so sieht man, wenn man sie behutsam 
zwischen Glasplatten presst, eine amorphe, feinkörnige Masse, 
welche nicht seilen von faserartigen oder gefössartigeuRami- 
ficationen durchsetzt ist; dasP^phcnt, welches bisweilen in den 
Tuberkelmassen abgelagert ist, erscheint, wie das melanoti- 
sebe; in Form kleiner schwarzer Kügdchen. An den SteHen, 
wo die Tuberkelmaterie schon weicher wird, unterscheidet man 
auch in der amorphen Masse bereits Biterkörperchen und 
die grösseren runden Kugeln, auch unregelmässige eckige 
Körperchen, welche wenig grösser sind als Eiterkörperchen. 
Tuberkehi aus dem Mesenterium verhalten sich ganz so wie 
die Tuberkeln der Lunge. 

In dem Schleim, welcher bei entzündlicher Reizung der 
Nasen- oder Luflröhrenschleimhaut abgesondert wird^ findet 
man ebenfalls, bisweilen in grosser^ Menge, grosse runde 
Zellen, welche den Ezsudatkugeln gleichen.*] 

In der grössten Mehrzahl von Fällen sind also die wei* 
ssen, käseartigen Stippcben in den Auswurftmassen Phthisi- 
scher nicht rohe Tuberkelmaterie, überhaupt wird diese, wie 
ich glaube, nur höchst selten ausgeworfen, da der Tuberkel erst 
erweicht sein muss, ehe seine Masse einen Ausweg in einen 
Bronchienast finden kann. Unter solchen Umständen darf man 
daher dem Erscheinen der weissen, käsearligen Flöck- 
chen, ohne vorhergegangene mikroskopische Untersuchung 
gar keinen Wertb beilegen.**) 
(Die Abbildungen hiezu finden sich auf der zweiten Tafel Fig. 1.) 



*) J* Vogel hat den Auswurf Phthisischer genau geschildert, 
auch ist die Abbildung, die derselbe von der Tuberkelmasse giebt, 
ganz treu. 

**) Nach M. E« Boudet (Gompt. rend. d. l'aead. d. scienc. 
ist die tuberkulöse Degeneration der Lungen noch viel häu- 
figer und ihre glückliche Heilung viel weniger selten, als 
man gewöhnlich glaubt. B. hat die Lungen von 197 Perso 
nen untersucht, welche an verschiedenen Krankheiten oder 
durch andere Zufälle plötzlich verstorben waren. Er fand in 

Simon Bellrtfg« I. 9. lg 



S70 Pathologisch - chemische Untersuchungen . 

2) Harn in Morbus Brigtbii. 
S. 103 dieser Beiträge habe ich von dem Auftreten eigenlhUm- 
lieber Formen in dem Harne der an Morbus Brigtbii leiden- 
den Personen gesprochen. In zwei andern Fällen, von de- 
nen der eine ein 19jähriges Mädchen betraf, welche in der 
Schönleinsohen- Klinik behandelt wurde, habe ich die 
langen cylindrisohen Schläuche und grossen, dunklen Kugeln 
auch wieder in ansehnlicher Menge gefunden. Dass diese 
Gylinder die EpitbelialUberztkge der Bellinischcn Harnkanäl- 
eben sind, davon kann man sich leicht überzeugen, wenn 
man mit einem Scalpell auf den Durchscbnilt einer Niere 
leicht hinwegfährt und was man mit dem Messer abstreicht, . 



dem Alter von 1 Tag bis zu 2 Jahren unter 57 Fallen nur einmal 
Tuberkeln; vom 2. bis zum 13. Lebensjahre zeigte sich schon in 
] der untersuchten Fälle die Gegenwart von Tuberkeln in den 
Lungen. Im noch weiter vorgerückten Lebensalter findet die 
Tuberkelbildung ihr Maximum; unter 135 Personen zwisdien dem 
15. und 76. Jahre wurden bei 116 Tuberkeln gefunden. Die Hei- 
lung kann zu Stande kommen 1) durch Sequestration; der Tu- 
berkel sondert sich vom Gewebe durch eine übro-kartilagiuöse 
eder kalkartige Hülle; 2) durch Verkalkung oder Induration, so 
dass der Tuberkel enlwcder zu einer zerrelblichen oder zu einer 
festen zähen Masse wird, oder endlich verkalkt; 3) durch Ab- 
sorption, entweder, wie gewöhnlich, durch theilweise, oder, wie 
selten, durch vollständige; 4) durch Elimination durch die Bron- 
chien« Die Verkalkung scheint nach B. von innen nach aussen 
stattzufinden; man findet im Innern kleine Körnchen, die sich 
vergrössem und endlich den ganzen Tuberkel erfüllen. F. Boudet 
fand darin, im Widerspruch mit Lassaigne, nur Spuren von phos- 
phorsauren mid kohlensauren Salzen, dagegen zu -f^ Kochsalz 
find schwefelsaures Natron. (Ich habe einigemal Konkretionen, 
welche ausgehustet worden waren, und die an ihrer Form er- 
kennen Hessen, dass sie in Bronchienasten gebildet wurden, un* 
tersucht und fand. sie der Hauptmasse nach aus phosphorsaurem 
und kohlensaurem Kalk bestehend.) Bei Kindern bis zum 3. Jahre 
ist Stillstand in der Entwicklung der Tuberkeln selten: vom 3. 
bis cum 12. Jahre beobachtete Boudet 12 Fälle (2 mit Excava- 
tionen), von 15 bis 76 Jahren findet Stillstand in der Eniwiek- 
lang und das Vernarben viel häufiger statt. 



P^ologieoh- chemische Uotersucbungen. 271 

unter dem Mikroskope betrachtet; man sieht dann meh- 
rere solcher cylindrischen Schläuche, welche jedoch inso- 
fern von den krankhaft abgesonderten verschieden sind, 
als man in ihnen wohlerhaltene Zellen findet, welche durch 
ihre Aggregationen den Cylinder zu bilden scheinen. In 
dem Sediment des von dem Mädchen entleerten Harnes ver- 
minderten sich gegen Ende der Krankheit die Cylinder, da- 
gegen trat kurze Zeit vor dem Tode- eine ansehnliche 
Menge von grossen runden blasenförmig«i Zellen auf, welche 
den noch nicht vollständig ausgebildeten Pflasterepithelienglei- 
chen, wie man sie bei beginnendem Nasencatarrh beobachtet. 

3) Albuminurie.*^ 

Es ist bekannt, dass Albuminurie unter höchst versehie* 
denen Umständen aufkreten kann, dass sie bald das Symp* 
tom eines tiefen Leidens ist, und die allerhöchste Be- 
achtung verdient, bald von geringer Bedeutung für den 
Krankheitsprozeat erscheint. In jedem Falle wird das Auf* 



*) Bei der Nachweisung des Albumms im eiweisshaltigea 
Harn ist man Täuschungen ausgesetzt. Beim Erhitzen bis zitt 
Kochen kann eine Trübung entstehen, wenn auch kein Albumin 
zugegen ist; in diesem Falle schlagen sich Erdphosphatc oder 
vielleicht kohlensaurer Kalk nieder. Fügt man zu diesem trüben 
Harn eine freie Saure (Salpetersäure), so klart er sich augen- 
blicklich, was nicht geschehen würde, wenn Albumin darin zu- 
gegen wäre. Beim Zusatz von Salpetersäure kann ein Harn getrübt 
werden, wenn er gleich kein Albumin enthält; in diesem Falle 
ist er gewöhnlich sehr reich an Harnsäure und diese wird ausge- 
schieden; (vergl. S. 106 dieser Beitr.) wenn dies stattfindet, so darf 
sich der Harn beim Erhitzen bis zum Sieden nicht trüben, und 
die Fällung durch Salpetersäure bewirkt, muss sich beim Er- 
hitzen lösw. 6. 0. Rees theUt im Guy's Hospit. Rep. YoL 17. 
p. 121. mit, dass der Harn auch nach dem Gebrauch von Cube- 
ben und Copaivabalsam die Eigenschaft erlangt durch Salpeter- 
säure gefaüt zu werden, ohne das^ er Albumin enthält, solcher 
Harn wird aber nicht durch Erhitzen getrübt. Ich habe dieses Ver- 
halten des Harns ebenfalls beobachtet; die Fällung besteht aus 
kleinen Oeltröpfchen , welche sich leicht in Alkohol lösen und 
4^n Geruch des Gopaivabalsams besitzen. 

18* 



272 Paibologisdi» chemische Untersuchungen. 

treten von Eiweiss im Harne die Aufmerksamkeit des Arztes 
in Anspruch nehmen, welche Bedeutung er aber dieser Er- 
scheinung geben soll, wird abhängig sein von dem Komplex 
der Symptomengruppe. Es dürfte für den denkenden Arzt 
nicht uninteressant sein, einige Mittheilungen Über die unter 
verschiedenen Umstönden auftretende Albuminurie zu erhal- 
ten. Ich habe schoo in meinem Handbuch der medizini- 
schen Chemie den eigenthtimlicfaen Fall erwähnt, wo ein 
junger, sich ganz wohl ftlhlender, blühender Mann, zu einer 
Zeit, wo durch äussre oder innere Momente keine Veran- 
lassung gegeben sein konnte, in seinem Harn eine ansehn- 
liche Menge Eiweiss vorfand. Der einzige Umstand, der 
vielleicht in Verbindung mit dieser Erscheiiiung gebracht 
werden konnte, war der, dass der junge Mann vor 6 Jahren 
an Febris intermittens gelitten hatte. In Folge einer 
katarrhalisch-rheumatischen Affeklion beobachtete ich einmal 
in meinem des Morgens gelassenen Harn eine geringe Menge 
Eiweiss, von dem jedoch am Mittag desselben Tages keine 
Spur mehr zu finden war. Nachfolgende Fälle von Albumi- 
nurie wurden kürzlich in der Schön! einschen Klinik beo- 
bachtet. Ein von Pneumonie befallner Mann Hess zur Zeit 
der beginnenden Resolution einen vollständig trüben Harn, 
welcher sehr sauer reagirte and selbst nach mehrstündigem 
Stehen kein Sediment bildete; die Untersuchung ergab, dass 
die Trübung durch Suspension von harnsauerm Ammoniak 
bewirkt war; beim Erhitzen löste sich die Trübung vollstän- 
dig, der Harn blieb auch beim Kochen klar, trübte sich aber 
wieder beim Erkalten; der jumentöse Urin zeigte sich in 
derselben Beschaffenheit 6 Tage hindurch, am 7. Tage be- 
gann eine etwas flockige Absonderung von harnsauerm Am- 
moniak, welches mit dem Mikroskop betrachtet als ein voll- 
ständig amorphes Sediment erschien; beim Erwärmen des 
Harnes löste sich das Sediment vollständig, als es aber bis 
zum Kochen erhitzt wurde, trübte sich der Harn und es 
sonderte sich eine ansehnliche Menge von Eiweiss aus. Am 
nächsten Tage war der Harn noch stark getrübt durch harn- 
saures Ammoniak und ebenso reich an Eiweiss, vrie am 
vergangenen Tage, von da ab aber klärte er sich, wur# 



Pathologisoh-chemisoho Untersuchungen. 273 

vollständig hell, blieb aber eiweisshallig bis zur volktändi* 
gen Konvaiescenz, jedoch verminderte sich mit zunehmen- 
der Besserung die Menge des Eiweiss; zu keiner Zeit wäh- 
rend dieser Albuminurie hatte der Patient, selbst beim star« 
ken Druck, über Schmerzen in der Nierengegend geklagii 
auch sonderte sich aus dem klar gewordenen eiweisshalti- 
gen Harn kein schleimiges Sediment ab. 

Ein an ziemlich heftigem Rheumatismus der Gelenke 
leidender Mann, welcher einer antiphlogistischen Behand- 
lung unterworfen wurde, liess während einer langem Zeit 
einen ziemlich dunkel gefärbten, stark sauer reagirendea 
Harn, welcher keine Sedimente ablagerte; zur Zeit der 
Konvalescenz, nachdem Geschwulst und Schmerzen in den 
Gelenken sich vermindert hatten, die freie Säure des 
Harns im Abnehmen begriffen war, ohne dass sich eine An- 
deutung von Sedimenten zeigte, der Schweiss aber noch 
im hohen Grade sauer reagirte, enthielt eines Morgens der 
Harn eine sehr ansehnliche Menge von Eiweiss. Dieser ano- 
male Bestandtheil zeigte sich im Verlauf des ganzen Tages 
im Harne, den nächsten Morgen war er aber beinahe und 
am darauf folgenden Tage vollständig verschwunden. Eine 
Beizung der Nieren konnte nicht beobachtet werden und 
ebenso zeigte sich auch im Harne kein fremdartiges Se- 
diment. 

Der Harn eines jungen Mannes, welcher alle Zeichen 
des Hydrops universalis an sich trug, enthielt eine ansehn- 
liche Menge Eiweiss, es sonderte sich aus demselben ein 
leichtes schleimähnliches^ Sediment, in welchem man eine 
bedeutende Menge durchaus farbloser Blutkörperchen an 
ihrer scheibenförmigen Gestalt erkaimte, ausserdem viele 
der sogenannten Exsudatskugeln, Schleimkörperchen und 
äusserst sparsame Gylinder von der Form, wie ich sie 
Seite 103 beschrieben habe; der Harn hatte das grünlich blasse 
opalescirende Ansehen, welches den albuminösen Urin cha- 
rakterisirt, vom Blutroth war keine Spur zugegen; es mussten 
also die Blutkörperchen, über deren Vorhandensein kein 
Zweifel obwaltet, schon in den Nieren vollständig ausgc- 



274 Pathologisch - ofaemisohe Unlersuchungeo. 

laugt sein. Die Niereogegend des PaiienteD war selbst beim 
tiefen Druck nicht schmerzhaft. 

Von Hm. Dr. Braun erhielt ich den Urin eines Kran« 
ken, welcher schon seit längerer Zeit an bedeutender öde- 
mentüser InfiltraUon der Extremitäten litt. Dieser Harn ent- 
hielt keine Spur Eiweiss, auMi zeigten sich darin keine von 
den Formen, welche auf eine besondere Reizung der Nie* 
ren schliessen Hessen. Die Flüssigkeit, welche aus dem in- 
flltrirten Zellgewebe der Extremitäten sich ergoss, enthielt 
wie gewöhnlich eine ansehnliche Menge Eiweiss, Harnstoff 
konnte dagegen, selbst bei der genauesten Untersuchung^ 
nicht nachgewiesen werden. 

Dass in gewissen Hydropsien Eiweissharn vorkommt, 
aber auch gänzlich mangeln kann, hat die Erfahrung hin« 
reichend gelehrt; bei Hydrothorax, bei Hydrops in Folge von 
Herzleiden, Leberleiden fehlt das Eiweiss im Harne in den 
meisten Fällen. Bei Hydrops, in Folge von Nierenleiden 
oder bei Hydrops, in welchen die Nieren mit leidend sind, 
ist Eiweiss im Harne gewöhnlich. Bei Morbus Brigthli ent« 
hält der Harn, so viel ich erfahren habe, stets Eiweiss. *j 
Findet sich Eiweiss im Harne und bildet derselbe zugleich 
ein purulent erscheinendes Sediment, welches sich, mit dem 
Mikroskop betrachtet, als aus Schleim oder Eiterkörperohen 
bestehend ergiebt, so ist der Verdacht auf Gegenwart von 
Eiter gerechtfertigt, aber es ist keinesweges mit absoluter 
Gewissheit die Gegenwart des Eiters festgestellt, da der 
Eiweissgehalt des Harnes unabhängig von dem Schleimge- 
halt bestehen kann. So kann aus den Nieren Eiweiss, von 
der Blasenschleimhaut Schleim abgesondert werden, und 
durch die gleichzeitige Anwesenheit dieser beiden Stoffe 
der Harn den Gharak|er des Eiterharns erhalicn; ja es kann 
sogar bei Frauen aus dem Uterus auch noch dem Harne 
Blut beigemischt werden und dadurch das purulent erschei- 
nende Sediment den Charakter erhalten , wie man ^ bei 



•) R. J. G'raves (Dublin Journal No. 60.) meint, dass auch 
Morbus Brightii ohne Albuminurie vorkommt. 



Paihologiseh-chemisobe Uotersuchungeii. 276 

Nieren CMler filasenpblhise beobaobiet, ebne dass eine solcbe 
Krankbeit zu exifiUren braucbt Bin fibnlicber Fall wurde 
kürzUcb in der Schönleinseben Klinik beobachtet; bei einem 
Mädcben hatte sich in Folge befliger traumatischer Einwirkun- 
gen eine Gystitis ausgebildet, zugleich aber hatten die Gatame* 
nien aufgehört zu fliessen. Der Harn setzte ein bedeuten- 
des purulent erscheinendes Sediment ab^ welches mit Blut 
untermischt war$ die darüber stehende Flüssigkeit war 
ausserordentlich reich an £iweiss, der Harn trug Diithin 
alle^ Gharaktore des Eiterhams an sich; allein Blut und Ei- 
weissgehalt des Harnes hatten ihren Ursprung im Uterus, 
das purulent erscbdnende Schleimsediment wurde von der 
gereizten Blasensohleimhaut secernirL Eiweiss und Blut 
verloren sich nach und nach aus dem Harne, das pttru-* 
lent erscheinende Schleimsediment hingegen hielt längere 
Zeit an. 

4) Kohlensaures Ammoniak im Harne. 

Dass sich unter Umständen der Harnstoff in kurzer Zeit 
in kohloisaures Ammoniak umsetzen kann, ist bekannt und 
ich habe in dieser Beziehung S. 109. dieser Beiträge einige 
Mitlheilungen gemacht Die Gegenwart von Schleim begün- 
stigt diese Umsetzung ausserordentlich ; ich habe nämlich einen 
Fall beobachtet, wo, bei Gegenwart einer nicht unbedeutenden 
Menge von einer ProteYnverbindung im Hari^e, eine so aussei>- 
ordentlicb schnelle Umsetzung des Harnstoffs in kohlensau- 
res Ammoniak stattfand, dass man den Prozess in seiner 
Erscheinung förmlich als Gährung bezeichnen konnte. In 
der Schönleinschen Klinik befand sich ein Mann, welcher 
an einer weitverbreiteten und höchst intensiven Pleuropneu- 
monie darnieder lag; der Harn dieses Mannes hatte ganz 
das Ansehen einer durch Hefe in Gährung versetzten Zucker- 
flüssigkeit; er sah gelblich trübe aus und hatte auf seiner 
Oberfläche dne starke spumöse Decke, aus welcher sich 
fortwährend Blasen entwickelten, auch in der Flüssigkeit 
selbst und besonders von dem gelblich amorphen Sedimente 
aus fand eine Gasentwicklung statt. Die spumöse Decke 
und das Sediment waren aus einer amorphen Materie, zahl- 
reichen Krystallen von phosphorsaurer Ammoniak -Ma- 



276 Fatbologisch* chemische (Jutersuebungeo. 

gnesia und Schleimkörperchen zusammen gesetzt Setzte 
man zu dem Sedimente freie Säure, so lösten sich die Kry- 
stalle und ein Theil der amorphen Materie, welche phosphor- 
saurer Kalk war; ein anderer Theil dieser Materie blieb un- 
gelöst und verhielt sich bei genauer Untersuchung ähnlich 
dem koagulirten Eiweiss. Der Harn enthielt keine Spur Zuk- 
ker, wohl aber eine ansehnliche Menge kohlensaures Am- 
moniak; beim Schütteln brauste er heflig, ganz besonders 
stark aber beim Hinzufügen von Salzsäure. Beim Ver- 
dampfen des filtrirten und mit Salzsäure versetzten Harnes, 
blieb eine grosse Menge Salmiak zurück. Von Harnstoff 
konnten bei vorsichtiger Behandlung mittelst Salpetersäure 
nur sehr geringe Mengen nachgewiesen werden; es ist offen- 
bar, dass hier unter Vermittelung der ProteVnverbindung der 
Harnstoff in kohlensaures Ammoniak umgewandelt worden 
ist; ganz ähnlich wirkt der Blasenschleim, daher denn bei 
Galarrh der Blase oder bei Blasenphtbise der Harn in sehr 
kurzer Zeit einen sehr unangenehmen Geruch verbreitet und 
sein Gehall an Harnstoff um so geringer wird, je mehr er 
kohlensaures Ammoniak entwickelt. 

5) Harn im Typhus. 

Das Verhalten des Harns im Typhus, von dem ich im 
vorigen Hefte gesprochen habe, wurde in ganz gleicher 
Weise wiederum bei einigen Personen beobachtet Interessant 
war es in dieser Beziehung zu sehen, wie bei einem jungen 
Manne, bei welchem der typhöse Krankheitsprozess eine 
gewisse Zeit hindurch normal sich entwickelt hafte, der 
schon einige Tage hindurch alkalisch reagirende Harn eines 
Morgens stark sauer reagirte und mit dieser Veränderung 
zugleich eine nicht zu verkennende Verschlimmerung in den 
Krankheitssymptomen eintrat Die saure Beaktion des Harns 
hielt nur eine kurze Zeit an, er wurde alsdann wieder neu- 
tral und alkalisch reagirend und der Kranke genas. 

6) Faecalmaterien Typhuskranker. 

Die eigenthUmliobe Beschaffenheit der Darmausleerun- 
gen Typhuskranker, wie sich dieselbe dem unbewaffneten 
Auge darbietet, ist bekannt Schönlein macht auf das Ab- 
scheiden der gelblichen, flockigen Massen aus einer trüben 



Palboiogiscb-cbenusohe Untersuchuiigeii. 277 

FUlssigkeii aufmerksam, in Polgö dessen zwei scharf getrennte 
Sdbichten entstehen; ebenso bezeichnet Schönlein die in 
der unteren Schicht befindlichen, bisweilen nur sparsam, 
öfter aber in grosser Menge vorkommenden, heller gefärb- 
ten Pünktchen oder käseartig erscheinenden Süppchen, die 
Anwesenheit zahlreicher Erystalle von Magnesia-Tripel-Phos« 
phai, und den bedeutenden Gehalt der Stühle an Ammo- 
niak, als charakteristisch für den Typhus. Untersucht man 
die Faecalmaterien der am Typhus Erkrankten mit dem Mi« 
kroskope, so findet man darin ganz eigenthümliche Formen; 
die obere Schicht gelber trUber Flüssigkeit enthält meisten- 
theils nur Schleim- oder Eiterkörperchen, gewöhnlich eine 
grosse Menge von Krystallen aus phosphorsaurem Magnesia- 
Ammoniak und eine in sehr feinen Punkten zerlheilte Ma- 
terie. Die untere flockige Masse der Typhusstühle enthält 
neben einer sehr grossen Menge von Krystallen des Magne- 
sia- Tripel-Phosphats und formlosen gelbgeßirbten Massen 
eigenthümliche, gelbgelärbte, runde oder linsenförmige Kör- 
per, die, wie es scheint, den Typhusstühlen eigenthümlich 
angehören« Die Grösse dieser Körper variirt sehr, von 
0,0009 bis 0,0036 P. Z. Sie sind gewöhnlich ganz rund 
oder länglich rund, scheinen Platten zu sein ; wenn sie aber 
rollen, sieht man, dass sie mehr oder weniger sphärisch ge- 
bildet sind; ihre Farbe ist dunkelgelb bis braun; am Rande 
haben sie gewöhnlich einen etwas blasser erscheinenden 
Bing, der nach dem äusseren Kontour zu scharf begränzt 
erscheint Wenn man mit dem Deckgläschen behutsam und 
in grader Richtung auf das Objekt drückt, so findet man, 
dass diese Körperchen zerdrückt werden und in mehre 
theils regelmässige, theils unregelmässige Stücke zerfallen. Von 
Jodtinktur werden sie scheinbar nicht verändert Erhitzt man 
etwas von dem dicken Absätze aus einem Typhusstuhl mit 
Aether und untersucht es darauf, so findet man, dass die mei- 
sten dieser Körper theils farblos erscheinen, theils blasser gelb 
gefärbt; die ganz farblosen können nun als die membranen- 
artigen Hüllen der früheren Körperchen angesehen werden. 
Der Aether enthält ein gelbes Fett, welches, mit dem Mi* 



378 Paihotogisoh- chemische Umersucbungen. 

kroskop untersucht, aus vielen gelblichen Oeltröpfchen und 
strahligen krystallinischen BUndeln zusammen gesetzt er- 
scheint, wahrscheinlich Margarinsäure und Olein oderOelsäure. 
Von verdünnter Kalilauge und von verdünnten Säuren sehet 
nen diese Körperchen nicht sehr verändert zu werdcD. 
Ausser den beschriebenen Körperchen findet sich in dem 
dickeren Theil der Typhusstühle noch eine grosse Menge 
gelblich gefärbter, rundlicher oder länglicher Massen aus 
einer amorphen kömigen Materie zusammengesetzt, weloho 
nicht einen scharf begränzten Kontour besitzen und an denen 
man auch nicht den eigenthümüchen Ring erblickt, von wel* 
ohem die früher erwähnten Körperchen eingeschlossen sind; 
beim Druck zerfallen sie in feine, zum Theil Molekularbewe* 
gung zeigende Körnchen« 

Um mich über die Natur dieser eigenthttmiichen For- 
men noch mehr aufzuklären, habe ich den Darmkanal von 
am Typhus Verstorbenen besonders an den Stellen, wo 
sich die Geschwüre befanden, untersucht. Die weisslicb 
gelbe, eiterartige Masse, welche sidi auf den Geschwüren 
befindet, enthält keine Art der so eben beschriebenen For 
men; ich konnte darin nur Biterkörperchen und eine grosse 
Menge Krystalle des Magnesia -Tripel -Phosphates erkennen« 
Pilzsporen oder Pilzfäden habe ich bei vier verschiedenen 
Untersuchungen auch nicht gefunden. Betrachtet man aber 
den Schleim, welcher in der Umgebung der Darmgeschwüre 
mit einem Messer leicht abgestrichen werden kann, so fin- 
de! man ihn a\is Schleim- oder Eiterkörperoben, sparsamen 
Cylinderepithelien, sehr zahlreichen KrystaUen und endlich 
aus runden oder länglichen gelbgefärbten dunklen granulö- 
sen Massen zusammen gesetzt, welche mit den oben erwähn- 
ten, aus den Typhusstühlen erhaltenen grosse Aehnliohkeit 
haben. Weniger deutlich, als an den früher beschridi>e- 
nen Körperchen, habe ich den Ring erkennen können, auch 
war ihre Masse weniger dunkler, aber ihre Kontouren wa- 
ren ziemlich scharf begrenzt. Einige dieser Körper waren 
fast kreisrund, schwammen frei, andere waren länglich und 
schienen Thcile von Darmzotten zu sein. 



Pathologisch -cbamisohe ÜDlersuchangen. 279 

L. Btthm boschreibt in seinem Werke: die kranke Darm- 
Schleimhaut in der asiatischen Cholera p. 43, Erscheinungen an 
den Darmzotten, welche bereits Lieberkühn beobachtet und 
geschildert hat. Böhm fand nämlich an dem vorderen Ende 
» der Darmzotten des kranken Darmkanals Blasen, welche ein 
Fett eingeschlossen enthielten, das nach einiger Zelt erstarrte; 
wenn diese Blase mit erstarrtem Fett zwischen Glasplättohen 
gedrückt wurde, so zersprang sie in viele concentrische 
Stücke, nach der Art der Linse des Auges, wenn man die- 
I selbe gefrieren Jässt Indem ich die Zeichnungen, welche 
Böhm seinem Werke beigefügt hat, mit den von mir gefer- 
tigten verglich, wurde es um so wahrscheinlicher, dass die 
oben beschriebenen Körperchen, die ich in den Typhus« 
Stühlen fand, einen ähnlichen Ursprung haben mussten, wie 
die, weiche Böhm in der Cholera beobachtete; besonders 
stimmt auch die Erscheinung, welche ich an den mit Aether 
extrahirten und nun farblos gewordenen Körperchen wahr- 
nahm, dass dieselben als membranöse HüUen zurückbleiben, 
mit der Angabe Böhmes überein, der da glaubt, dass das 
regelmässige Zerreissen der Körper von den feinen, die 
Zottenhöhlen durchziehenden Scheidewänden herrühren 
könne.*) 

In den Speisen, welche die Kranken in der Charit^ ge* 
niessen, habe ich bei der mOcroskopischen Untersuchung 
solche Körperchen nicht aufßnden können, eben so wenig 
in normalen Stühlen, auch nicht bei Diarrhöen oder in der 
Ruhr, aber, so oft ich jetzt beobachtet habe, immer beim 
Typbus. Wenn es gleich noch vor der Hand dahingestellt 
bleiben muss, ob sie dem Typhus allein eigen, oder ob sie 
auch in noch anderen Krankheiten gefunden werden, wOnn 
auch zur Zeit ihre wahre Bedeutung noch keinesweges er« 



*) Der genannte Beobachter äusserte, als ich ihm die run* 
den Körperchen aus dem Typhusstühlen zeigte, dass sie grosse 
Aehnliohkeit mit den von ihm auf der Darmschleimhaut bei 
Cholera beobachteten haben. F. S. 



280 Paihologisoh-cheinisohe UntersucbungeD. 

miUeil isi, so glaube ich doch aus den ziemlich zahlreichen 
Beobachtungen, ^*elche ich angestellt habe, die mikroskopi- 
sche Untersuchung der Stühle in Fällen, wo man Abdominal- 
typhus vermuthet, für nützlich, ja filf wichtig ansehen zu 
milssen; denn nicht nur ist das Vorkommen dieser 
gelben runden Massen bezeichnend, sondern in ganz 
demselben Grade auch das einer so ungewöhnlich grossen 
Menge von Erystallen der phosphorsauren Ammoniak-Magne« 
sia, auf welchen Umstand Schön lein schon vor langer Zeit 
aufmerksam gemacht hatte. Wenn sich auch die phosphor- 
saure Magnesia in allen menschlichen Darmconcrementen zeigt, 
zunächst wohl mit dem Brot und den Hülsenfrüchten dem 
Körper zugeführt, so muss eine so ausserordentliche Menge 
dieses Salzes, wie ich sie in den Typhusstühlen gefunden 
habe, zu Zeiten, wo die Kranken in mehr denn 24 Stunden 
nur eine geringe Menge Bouillon und Milch genossen, dage- 
gen 6 bis 10 Darmentleerungen gehabt hatten, wirklich auf- 
fallen. Ich fand bei zwei zu ganz verschiedenen Zeiten an- 
gestellten Untersuchungen solcher Stühle von verschiedenen 
Individuen übereinstimmend 30 bis 32 f Salze von Irocknem 
Rückstände und von diesen nahezu die Hälfte (13 und 
14,6 f) phosphorsaure Magnesia, eine wahrhaft ausseror« 
deutliche Menge. Es ist gewiss der Beachtung werth, dass 
man grosse Mengen von phosphorsaurer Magnesia theils 
durch den Harn, theils durch den Stuhl da entleeren sieht, 
wo das Nervenleben vorzugsweise atßcirt ist. Die Menge 
des Anmioniaks in den Typhusstüblen ist gewöhnlich auch 
sehr bedeutend, nicht nur allein an Phospborsäure gebuur 
den, mit der phosphorsauren Magnesia ein Doppelsalz bil- 
delnd, sondern auch als kohlensaures Ammoniak ist es zu- 
gegen. Schönlein hat auf diese reichliche Ammoniakbil- 
dung beim Typhus häufig auftnerksam gemacht. Es ist keine 
Frage, dass sich auch hier ein Zusammenhang zwischen 
Nervenleiden und Ammoniakbildung ziemlich ungesucht zeigt, 
denn wie im Typhus, so findet man auch bei heftigen Spi- 
nal- und Gerebraiirrilationen, dass der Harn ausserordent- 
lich reich an kohlensaurem Ammoniak wird. 

(Die Abbildungen hierzu finden sich auf Tat« II. Fig. 3.) 



Pathologisch- chemische UntdrsuchungeD. 281 

7) Pilzbiidung in dem fuliginösen Zungenbelag 
eines Typhuskranken. 

Seitdem die Aufmerksamkeit der Aerzte und Naturfor- 
scher durch Bassi's EnldedLung der Krankheitsursach der 
Muskardine bei den Seidenwürmem nnd Schönlei n's Ent> 
deckung von Padenpilzen in den Krusten der Poirigo lupi- 
nosa auf die Parasitenbildungen gerichtet worden ist, hat 
sich die Kenntniss dieses Gegenstandes sehr vermehrt Von 
vielen Seiten, besonders durch Henle, Fuchs und Lan-r 
genbeck, J. Vogel, Gruby, Bennet, Oesterlein sind 
Pikbildungen in der Grusta lactea^ in den Aphthen bei 
Kindern beobachtet worden. Langenbeck fand selbst in 
einer Geschwnlst des Gehirns eine grünliche Masse, welche 
ganz aus Sporen tragenden Fadenpilzen bestand (vergl. Be* 
rieht der Verhandlungen der Naturforscher und Aerzte zu 
Erlangen p. 176.) und eine eigenthümliche Gonferve mit un* 
gefärbtem Thallus und rostbraun geßirbten Speren, welche 
mit einem braunen Staub gefüllt waren, im Eiterausfluss eines 
rotzigen Pferdes (Frorieps Not. 1841. 4.)*) Im verflossenen 
Jahre machte Gruby der Pariser Akademie eine Mitthei- 
lung über eine Art ansteckender Kinnflechte, welche in 
einer kryptogamischen noch nicht bekannten Pflanze ihren 
Grund hat. (Comptes rend. d. FAcad. des sc. September 
1842.) Diese Flechte kommt vorzugsweise am Kinn, der 
Oberlippe und den Wangen vor, bedeckt diese Theile mit 
weissen, grauen oder gelblichen Schoppen, welche 2 bis 6 
Millm. breit und 3 bis 8 Hillm. lang, in der Mitte ein wenig 
erhaben, an den Rändern ekig und überall mit Haaren durch- 
setzt sind. Unter dem Mikroskop erscheinen beim Untersu- 



*) -Dass diese von Langenbeck beobachtete Pilzbildung 
auf den Geschwüren und in dem Eiterausflosse rotzkranker 
Pferde nicht konstant auftritt, davon hat steh Herr Prof. Gurlt 
überzeugt und auch ich habe bei einigen Untersuchungen ver- 
gehBch nach diesen Conferven geforscht. 



28'i Palbologisch* chemische Untersucbungeu. 

eben diese Schuppen als Zellen der Epidermis; bei der 
genauen Untersuchung der Ilaare findet man jedoch, dass 
der ganze Theii, welcher in der Lederhaut eingesenkt ist, 
von Kryptogamen umgeben wird, so dass die Haare, wie 
der Finger im Handschuh, in der Schicht von Vegetabiiien 
steckt; es gehen aber diese Vegetabiiien merkwürdiger Weise 
nie tlber die Oberfläche der Epidermis hinaus; sie bilden 
eine Unzahl von Sporuln, welche theils an der inneren 
Oberfläche der Scheide des Haars, theils an der Haarwur- 
zel hangen bleiben und von der ersteren nur sdiwer zu 
trennen sind. Ausser diesen Kryptogamen zeigt sich kein 
anderes pathologisches Produkt, kein Eiterkörperchen oder 
Exsudatkügeln. Gruby giebt folgende Unterscheidungs- 
zeichen der Kryptogamen des Wachsgrindes, Soors und der 
Kinnflechte: Bei den Porrigophyten (Kryptogamen des Wachs- 
grindes) liegen die Kryptogamen zwischen den Zellen der 
Epidermis; sie steigen bis auf die Beutelchen des Haars 
hinab, sind in eigene Kapseln eingeschlossen, haben in den 
Stielen nur selten Kömchen und ihre Sporuhi sind gross und 
gewöhnlich oval. Bei den Aphthophyten (Kryptogamen des 
Soors) liegen die Kryptogamen zwischen den Zellen des 
Epithcliums, sie bilden Schwämmchen, ihre Aeste gehen 
unter spitzen Winkeln vom Stiele aus und sind selten ge- 
streift Bei den Hentagraphyten liegen (im Vergleich mit 
den Porrigophyten) die Kryptogamen zwischen Haar und 
Scheide und steigen von der Wurzel nach der Epidermis 
zu, besitzen keine Kapseln, zeigen in ihren Stielen fast im- 
mer Kömchen; ihre Spomln sind klein und gewöhnlich 
rund; (im Vergleich mit den Aphthophyten) bilden sie keine 
Schwämmchen, ihre Aeste lösen sich unter Winkeln von 
40 bis 80 ab und sind immer gestreift. 

Auf der Rachenschleimhaut einer am Typhus verstorbe- 
nen Leiche hat B. Langenbcck schon im Jahre 1839 
(Froriep's Notizen 1839. No. 252.) Pilzbildung beobachtet. 
Bin dicker membranöser Ueberzug bedeckte einen Theil der 
Rachenhöhle und erstreckte sich von den Tonsillen bis hin- 
unter zur Gardia; er erschien als ein f- ''' dicker lockerer gelb« 



PaUlologisoh* chemische Untersuchungen. 283 

Hoher Absatz, der auf der Schleimhaul dicht adfaänrle; diese 
selbst erschien, nachdem die pelzige Decke abgenommen 
worden war, vom Epithelium enlbJösst und stärker als ge- 
wöhnlich gertftbet. Unter dem Mikroskope erschien die 
Pseudomembran als vielfach durch einander verwebte Pilze. 
An der Aussenfläche der Thalhisfäden befanden sich zahl« 
räche wasserheUe ovale Zellen (Schimmelsporen) mit einem 
oder zwei excentrischen Zellenkemen versehen. Auf den 
Darmgeschwüren des Göcum und Ileum konnte sich Lan- 
genbeck mit Sicherheit nicht von der Gegenwart ähnlicher 
Pilzbildung überzeugen. 

Von einem am Typhus abdom. schwer Erkrankten, wel- 
cher in der Schönlein sehen Klinik behandelt wurde, un- 
tersuchte ich den dicken rothbraunen Zungenbelag, der in 
Stücken von 1 bis 1} Linien Dicke die Zunge bedeckte. 
Die Stücke sahen homartig braun aus, weichten in Wasser 
ziemlich leicht auf, wurden an den erweichten Stellen wie 
mit weisslichem Schleim bedeckt Wenn man diese weiss- 
lichen Flocken mit dem Mikroskop untersuchte, so sah man, 
dass die ffauptmasse aus dicht verwebten Pflastcrepithelien 
bestand, von denen auch zahlreiche einzelne, aber durch 
den Druck veränderte in der Flüssigkeit umherschwammen. 
Zwischen den Epithclienmassen befanden sich in ausseror- 
denUicher Menge kleine Sporuln zerstreut, von denen die 
meisten einzeln oder zu zweien vereinigt^ waren, wenige 
nur zu drei. Eigentliche Pilzföden oder längere Reihen von 
Sporuln konnte ich nicht wahrnehmen. Die einzelnen Sporuln 
waren von verschiedener Grösse, von der Grösse der Blut- 
körperchen und doppelt so gross, oval, seltener rund, sehr 
hell und ohne allen Inhalt. Der Belag der Zähne verhielt 
sich eben so; auch hier bestand die Hauptmasse aus zusam- 
mengedrückten Epilhelienblättern und zahlreichen hcUen Pilz- 
sporuln. Bei einem anderen Typhuskranken, dessen Zunge 
und Zähne ebenfalls mit einem fuliginösen Ueberzug be- 
deckt waren, fand ich wieder die Hauptmasse aus Epithe- 
lialbläifchen bestehend, jedoch Hessen sich nur äusserst spar- 
same Pilzsponiln darin erkennen. Auf den Darmgeschwtkren, 



284 RalboJogisGh* chemische UntersuchmigeD. 

die ich üfter und in verschiedenen Entwickelungsstadien 
untersuchte, |»abe ich keine Püze auffinden können.*} 

8) Pemphigusfiüssigkeit. 

Aus der Klinik des Herrn Professor Romberg erhielt 
ich die Flüssigkeit, welche aus den Blasen bei Pemphigus 
gewonnen worden war, zur chemischen Untersuchung. £s' 
halte diese Untersuchung fllr mich in so fem viel Interesse, 
als ich bereits vor 6 Jahren von derselben Patientin das 
gleiche Krankheitsprodukt untersucht hatte. Die Flfissigkeit 
glich im physikalischen Verhalten der früheren; sie war 
fast farblos, wenig getrübt von darin suspendirten Schleiuh 
oder Eiterkörperchen, unter denen sich 'mehrere von beson- 
derer Grösse befanden, die Uebergangsstufen zur 



*) Ändral und Gavarret (Gazette m6dicale 11. P6vrier 
1843.) haben in der Academie des Sciences eine Abhandlung ver- 
lesen über die Entwickelang von Pilzen in eiweisshaitigen Flüssig- 
keiten. Wenn Blutserum oder Eiweiss von Eiern mit dem dop- 
pelten Volumen Wasser vermischt und das freie Alkali dorcb 
eine Saure abgestumpft wird, so fanden sie, dass schon nach 
12 Stunden sich in der Flüssigkeit kleine runde oder elliptische 
Kügelchen entwickelten, welche sich zu 2 oder 3 an einander 
reihen; nach 2 bis 3 Tagen halten sich zahlreiche Pilzfäden ge- 
bildet mit ihren bekannten Zweigen und Verästelungen, welche 
dem blossen Auge als schleimige Flocken erscbienea Die Bil- 
dung dieser Vegetabiiien -ging nur bei dem ungehinderten Zutritt 
der atmosphärischen Luft vor sich; in einer Atmosphäre von 
Kohlensaure oder Wasserstoffgas fand sie nicht statt, auch in 
den eiweisshaitigen Flüssigkeiten, welche als Krankheitsprodukte 
auftreten, beobachteten sie eine gleiche Pilzbildung. Ich glaube 
nicht auf das Specielle dieser Arbeit eingehen zu dürfen, da die 
Bildung dieser Vegetabiiien als ohne Wcrth für die physiologische 
oder pathologische Chemie betrachtet werden muss; ich habe 
oft genug Gelegenheit gehabt dieselbe zu beobachten, sie aber 
immer zu wenig wichtig gehalten, um eine öffentliche Mittbeilung 
darüber zu machen. In einer Beziehung jedoch scheint mir der 
Gegenstand beachtungswerth , da sich möglicherweise das Auf- 
treten des Kyesteins, im Harne der Schwangeren dadurch erklä- 
ren lässt. 



Pathologisch- chemische Untersuchungen. 285 

iienbildung zu sein schienen. Die Reaktion der Flüssigkeit 
war heftig sauer. Es wurde aus einem Theil der Flüssig- 
keit das Albumin durch Alkohol gefällt und die alkoholische 
Lösung bis auf emen geringen Rückstand abdestillirt. Die 
übergegangene Flüssigkeit reagirte sauer, wurde mit Natron 
gesättigt, verdampft und das rückständige Salz als essig- 
saures Natron erkannt. Die Salze des Rückstandes in der 
Retorte bestanden aus Chlomatrium und essigsaurem Na- 
tron, milchsaures Natron konnte mit Sicherheit nicht nach- 
gewiesen werden ; es war auch noch etwas freie Säure zu- 
gegen, die nicht als Milchsäure, sondern ebenfalls als Essig- 
säure erkannt wurde. Reim Verbrennen des durch Alkohol 
gefällten Albumins blieb eine geringe Menge schwefelsaures 
und phosphorsaures Alkali und phosphorsaurer Kalk zurück. 
Harnstoff konnte nicht nachgewiesen werden. 

Es wurde die Flüssigkeit zusammengesetzt gefunden aus 

Wasser 959,8 

Festem Rückstand . . . 40,2 
Albumin mit Schleimkörp. 28,1 

Fett 3,0 

In Alkohol lösl. extraktiver 

Materie . ' 3,0 

Feuerbeständigen Salzen 4,5 

Vergleicht man diese Zusammensetzung mit der, welche 
ich früher erhalten hatte (mediz. Chemie R. 2. p. 579.), so 
findet man in dem Mischungsverhältniss eine ziemliche 
Uebereinstimmung. 

9) Schuppen von Ichthyosis. 

Aus der Klinik des Herrn Geh.-Rlh. Dieffenbach er- 
hielt ich die grau und schwarz gefärbten Schuppen von 
Ichthyosis in leider nur zu geringer Menge, um damit eine 
erfolgreiche chemische Untersuchung vornehmen zu können. 
Liess man die Schuppen in Wasser erweichen, was «rst 
nach längerer Dauer geschah, und brachte die erweichten 
Massen unter das Mikroskop, so sah man, dass sie aus zu- 
sammengepressten Epitheliumschuppen bestehen. Ein feiner 
Querdurchschnitt der Schuppen bot einen ähnKchen Anblick, 
wie em Querdurcbschnitt getrockneter Oberhaut der Fuss« 

Simon Beitrüge I. 2. 19 



Pathologisch« cbemisohe Untorsuchungen. 

soUe; dureh die ganze Dicke desselben hindurch hildeten 
die parallelen Schichienlagen der Epithelien Ziokzack-Unien 
mit scharf hervorspringenden und einspringenden Winkeln ; die 
Schichten selbst waren aber viel grobfasriger und dunkler 
gefi[ii)t als bei getrockneter Oberbaut; sie hingen so we- 
nig xuSammeni dass bei dünnen Durchschnitten ein Trennen 
der einzelnen Schichten statt fand. Ein Flächendurchschnitt 
der Schuppen gab das Bild, wie man es gewöhnlich bei 
verdickter Oberhaut sieht, nämlich Andeutungen von Poren- 
Öffnungen und um dfese eine koncentrische Schichtung des 
Epitheiiums. An einigen Stellen sah man ein schwarzes 
Pigment in kleinen dunklen Kömern abgelagert Beim Ver- 
brennen hinterliessen die Schuppen eine ziemlich bedeutende 
Menge von durch Eisenoxyd stark gelb gefärbter Asche, in der 
kohlensaurer Kalk, phosphorsaurer Kalk und Eisenoxyd vor- 
walteten. Die verdickte Oberhaut gewöhnlicher Schwielen 
der Ftlsse oder Httnde, welche ich verbrannte, hinterliess 
eine fast vollständig weisse Asche, in der nur Spuren von 
Eisenoxyd enthalten waren. 

II. Einige Ergebnisse aus der Privatpraxis. 

1) Blauer Harn. 

Seite 118. dieser Beiträge habe ich einen Fall von 
blauem Urin mitgetheilt, in welchem das Pigment als Indigo 
eikannt wurde. Hr. Dr. Schmitz aus Marienberg bei Bop» 
part, von welchem ich jenen Urin erhalten hatte, machte 
mir bei seiner Anwesenheit in Berlin kurz nach dem erfolg- 
ten Abdruck jenes Aufsatzes noch einige MiUheilungen Über 
diesen blauen Harn, welche derselbe, da durch sie zum 
Theil die frühem Angaben berichligi werden, hier aufge- 
nommen zu sehen wünscht. Der blaue Harn wurde nicht 
in der von Hra. Dn Schmitz dirigirten Anstalt, sondern in 
Grräfenberg entleert; der Kranke, ein fifann, welcher sich 
früher längere Zeit in Ostindien aufgehalten hatte und nach 
Europa zurückkehrte, um die verlorene Gesundheit wieder 
zu erlangen, versichert nichts genossen zu haben, was naeh 
seinem Wissen zur Erzeugung der blauen Farbe beigetra* 
gen haben konnte; Hr. Dr. Schmitz, der von dem Patien- 



Pathologisch -chemische Un(ersuchuDgen. 287 

leo einen Theil des blauen Urins erhielt, hatte denselben 
von einem Chemiker in der Rheingegend untersuch«) lassen, 
auch Proben des Harns an die Hrn. Chemiker Bourchar- 
dat, Lieb ig und Proui etc. geschickt UebereinsUmmend 
fiel das Urtheil über die Beschaffenheit des Pigmentes dahin 
aus, dass es kein Indigo sei, sondern ein anderer organischer 
Farbstoff. Welche Eigenschalten Bourchardat dem Pig- 
mente zuschreibt, habe ich in der Note S. 119. dieser Bei- 
träge angeführt; da Hr. Dr. Schmitz mir die Versicherung 
gab, dass ich von ganz demselben Harn zur Untersuchung 
erbalten habe, welchen er auch von andern Chemikern un* 
tersuchen liess, so muss zu den Fragen, Vielehe ich an die- 
sen Fall knüpfte , auch noch die gefügt werden, ob es möglich 
ist, dass ausserhalb des thierischen Körpers ein blaues 
Pigment, welches nicht Indigo ist, in Indigo übergehen kann? 

2) Hiichariiges Blutserum. 

Schon früher hatte ich ein weiss gefärbtes Blutserum 
eines an Morbus Brightii leidenden Mannes untersucht, in 
welchem kein flüssiges Fett die Ursache der- weissen Fär- 
bung war, sondern eine in sehr feinen Emuchen präcipüirte 
ProteYoverbindung (Vergl. mediz. Chemie Bd. 2. p. 220.) 
Vom Hm. Mediz.-Rth. Busse erhielt ich ein vollständig weiss« 
getrübtes Blutserum, in welchem sich mit dem Mikroskope 
durchaus keine Fettkügelchen erkennen Hessen, dagegen eine 
ausserordentliche Menge sehr feiner Punkte, durch welche 
die weisse Trübung hervorgebracht wurde; um diese in 
Suspension erhaltene Substanz genauer zu untersuchen, 
vermischte ich das Blutserum mit einer gewissen Menge Was- 
ser; nach längerer Zeit senkte sich ein weisses Sediment, 
welches viiederholt gewaschen und dann so lange auf dem 
Fiitram mit Wasser ausgesüsst wurde, bis endlich das Albu* 
min entfernt war. Die weisse Substanz erschien jetzt unter 
dem Mikroskope als ein Aggregat von fein^ Eemchen, welche 
sich weder vollständig in kochendem Alkohol, Aether, 
noch in kaustischer Kalilauge auflösten; der kochende Alko- 
hol nahm daraus eine ansehnliche Menge Fett auf; die noch 
heiss fihrirte Lösung liess beim Erkalten ein weisses, unter 
dem Mikroskope als krystaUinische Schuppm 

19* 



288 Pathologisdi- chemische Uniersuchungeo. 

Feit fallen und behielt ein flüssiges Fett in Auflösung» Das 
ki;ystallinische Fett löste sich leicht in Aether, unbedeutend 
in kochendem Alkohol, wurde von kaustischem Kali nicht 
oder unvollständig verseift, schmolz bereits bei + 100 * G. 
und verhielt sich demnach wie Serolin; fllr sich oder mit 
Salpeter verbrannt, gab es keinen phosphorsäurehaltigen 
Rückstand. Das flüssige Fett verhielt sich wie Oleuin, ent- 
hielt aber ebenfalls keinen Phosphor. Was sich in Alkohol 
nicht löste, wurde beim Erwärmen leicht von verdünnter 
Kalilösung aufgenommen, aus dieser Lösung durch Essig- 
säure gefällt und beim Digeriren in Essigsäure gelöst; in 
der sauren Lösung erzeugte Kaliumeisencyanür einen bedeu- 
tenden Niederschlag. Es bestand mithin diese Substanz, 
durch welche das Blutserum weiss getrübt war, aus einer 
dem Fibrin ähnlichen ProteYnverbindung mit festem und 
flüssigem Fett. Die von mir früher beobachtete, das Blut- 
serum weiss färbende Substanz enthielt kein Fett oder nur 
Spuren von Fett und verhielt sich ganz wie Fibrin. Es ist gar 
nicht unwahrscheinlich, dass in vielen Fällen, wo man ein 
milchweisses Blutserum beobachtet, 4ie Trübung nicht durch 
Fett, sondern durch eine ProteYnverbindung bewirkt wird; 
das Mikroskop' giebt über diesen Punkt sogleich Aufschluss. 
Für den Physiologen hat diese Art von Präcipitation einer 
fettreichen ProteYnverbindung insofern gewiss ein grosses 
Interesse, als man in derselben ganz jenen Bildungsact ver- 
wirklicht sieht, den man bei- der Erzeugung und Neubildung 
von organischen Zellen anzunehmen genöthigt ist (Vergleiche 
hiermit S. 124. dieser Beiträge die Mittheilung von Herrn 
Prof. Scherer.) 

3) Benzoösäure als Arzeneimittel bei Gicht 

Bekanntlich hat Ure vor einiger Zeit die interessante 

Beobachtung gemacht und veröfientlicht, dass Benzoösäure, 

wenn man sie dem menschlichen Organismus einverleibt, 

in Hippursäure umgewandelt wird.*) Derselbe Beobachter 



*) Diese Beobachtung hat seitdem von mebreroi Seiten Ihre 
Bestätigung erhalten. So überzeugte sich Keller von dem Ueber^ 



Pathologisch -cbemischd Untersucbttiigen. 269 

Mgi hinzu, dass diese UmwaDdliing auf Kosten der Harn- 
säure vor sich gehe, welche nach dem Gebrauch der Ben- 
xo^sfiore im Harne verschwinden soll; auch sollen da, wo 



gang der eingenommenen Benzoesäure in Bippursäure, welche 
durch den Harn oiüeert wurde; fast zur selben Zeit hatte ich 
einen Versuch in gleicher Beziehung augesteUt, auf den ich oben 
amrtickkommen werde; auch B. Garrod und Andere bestätigen 
diese Thatsache. Endlich wurde durch 0. L. Brdmann und 
Marohand die Beobachtung gemacht, dass auch die der Benzoe- 
säure in ihrer Zusammensetzung so nahe verwandte Zimmt- 
saure, weun sie genossen, im Organismus in Hippunsäure umge* * 
wandelt wird, die sich in dem Harn wiederfindet; da die Ben« 
zoesäure (C14 Hi, 0^) stickstofiFErei,; die Hippursäure (dt ^19 
0« N,) stickstofifhaltig ist, so musste natürlich zu den Blemen- 
ien der Benzoesäure im thieriscben Körper Stickstoff hinzugetre- 
ten sein, wenn sie in Hippursäure umgewandelt werden sollte. 
Die Erforschung der Art und Weise, wie die Benzoesäure in 
Hippursäure äl>ei^eführt wird, ist für die Stoffmetamorpbocte 
im thierischen Körper von Interesse und Wichtigkeit. Es sind 
von den Chemikern verschiedene Erklärungen Air den bei dieser 
Umwandlung stattfindenden Prozess versucht worden. Ure meinte 
gefunden zu haben, dass nach dem Gebrauch von Benzoesäure 
die Harnsäure im Harn verschwinde, ja er giebt auch an, beobach- 
tet zu haben, dass bei solchen Personen, bei welchen hamsaure 
Verbindungen als gichtische Deposita an gewissen Theilen des 
Körpers abgelagert worden sind, auch diese nach dem Gebrauch 
der Benzoesäure nach und nach sich verlieren, und es scheint, 
dass üre der Ansicht sei, es gebe die Harnsäure ihren Stickstoff 
zur ümwandelung der Benzoesäure in Hippursäure her, und 
höre dann auf als solche zu existiren. Gegen diese Annahme 
streiten die Beobachtungen anderer Chemiker, nach welchen in 
Folge des Genusses von Benzoesäure die Harnsäure im Urin nicht 
nur nicht verschwindet, sondern selbst nicht einmal vermin* 
dert wird« Liebig, (die organische Chemie in ihrer Anwendung 
auf Physiologie und Pathologie p. 153.) welcher die Ansicht ent- 
wickelt, dass in gewissen Secreten, (wie z. B. in der Galle) 
welche als Produkte des Umsatzes von organischen Geweben 
und Nahrungsstoffm gebildet werden, die StickstofiVerbinduogen, 
weiche gewöhnlich als Umsatzprodukte von stickstoffhaltigen (pro- 



290 Pathologisch' chemische Unlersuchungen. 

in Folge von gichtischem oder rheumatischem Krankheitspro 
zess hamsaure Salze in Gelenken abgelagert sind, diese 
nach dem Gebrauch der Benzoesäure verschwinden. Der 



teinhaltigen) KÖq)erlheilen in die elementare Mischung der Se- 
crete eingehen, unter Umstanden von stickstoffhaltigen Nahrongs* 
Stoffen, die nicht ProleVn sind (wie Caffein, Tbee'ita) geiiefert irer- 
dea können — bemerkt zu der von Ure gemachten Reobach- 
tung, dass sie von grosser physiologischer Bedeutong sei, weil 
sie unmittelbar beweisen würde, dass der Akt der Umselzung 
der Gebilde im Thierkörper durch gewisse, in den Speisen ge- 
nossene Materien eine andere Form in Beziehung auf die neuge 
bildeten Verbindungen annimmt; denn die Hippursaure enthalt 
die Elemente des milchsauren Harnstoffs, in dessen Zusammen- 
setzung die Elemente der Benzoesäure eingetreten sind. Ein 
Atom Harnstoff (G, N4H»0 2)+1 Atom Milchsäure (C « H « 
O4) + 3 At. Benzoesäure (C,s Hto 0«) »2 Ai. krystaDlsirter 
Hippursaure (C)« N4 H,« O.,). BaringGarrod (Lond. Edingb. 
u. Dubl. Phil. Jonm. Ul ser. Juni 1843.) stellt über die Dmwan- 
delung der Benzoesäure in Hippurniure die gleicbe Ansicbl wie 
Liebig auf, und bekräftigt sie noch durch die Angaben, dass 
nach dem Gebrauch der Benzoesäure im Harne eine gerii^ere 
Menge Harnstoff gefunden wird, als vor dem Gebrauch, womit 
indessen die Beobachtung von Keller und mir nicht ganz über« 
einstimmen, da nach Letzterem in der Menge des Harnstoffs vor 
und nach dem Gebrauch der Benzoesäure keine wesentlichen 
Veränderungen wahrgenommen worden sind. Erdmann und 
Marchand, welche, wie ich schon bemerkte, beobachteten, dass 
auch die Zimmtsäure im thierischeu Körper in Hippursaure um- 
gewandelt wird, fügen ihren Untersochungen folgende Bemer- 
kungen bei: die Bildung der Hippursaure aus ZimmCsäure hat 
nichts Befremdendes, da durch einlache Oxydation eines Tbeils 
des Wasserstoffs und Kohlenstoffs der Zimmtsäure, aus dieser 
Benzoesäure wird. Indessai lasst die Betrachtung der Zusam- 
mensetzung der Hippursaure und Zimmtsäure noch einen eiofs- 
oberen Zussmunenbang beider Substanzen annehmen. Die 
Summe von 1 At. wasserfreier Zimmtsäure und 1 At Ammoniak 
ist gleich 1 At. Cinnamid, aus welchen 1 At. Wasser ausgetreten 
ist; treten hierzu noch 4 At. Sauerstoff, so erhält man Bip- 
pursäure. 



Pathologisch -obemisohe UnlersuchuDgen. 291 

Herr M6d]Z.*HÜi. Froriep ersuchte mich Über die sehr 
wichtige Frage, ob die Harnsäure in dem Harne gichtischer 
Personen nach dem Gebrauch der Benzoesäure verschwinde 
oder sich vermindere, einige chemische Untersuchungen >an* 
zustellen. Es wurde mir zu dem Zweck von den Personen, 
welche der H. M. R. Froriep in Behandlung nahm, der 
Harn zugestellt, welcher vor dem Gebrauch der Benzoesäure 
entleert wurde nnd später der, welcher entleert worden 
war, nachdem eine Zeit lang der Gebrauch der Benzoesäure 
gedauert hatte. Ich fand den Harn meistenlheils dttnn, 
wässrig, wenig gefärbt, von geringem spezifischem Gewicht, 
und nur in einem Falle befand sich in dem mehr koncen- 
trirten Harne sowohl vor, als nach dem Gebrauch der Ben- 
zoesäure ein Sediment voa hamsaurem Ammoniak. Die 
Resultate von 6 Untersuchungen waren folgende: die Menge 
des Harnstoffs, wenn man sie für 100 Theile festen Rück- 
standes berechnet, zeigte vor wie na^h dem Gebrauch der 
Benzoesäure keine anffallenden Differenzen. In einem Falle 
fanden sich vor dem Gebrauch der Säure 39 f , v. fesL Rückst 
Harnstoff nach dem Gebrauch nur 37t f i >Q ^^^^ anderen 
Fällen war dagegen nach dem Gebrauch der Benzoesäure der 
Harnstoff um 1 und Ij-f vermehrt. Die Harnsäure fand ich 
nach dem Gebrauch der Benzoesäure im Harne immer vor. In 
zwei Fällen betrug sie nach dem Gebrauch der Benzoesäure 
etwas weniger als vor dem Gebrauch; 1,7 pGt. vor dem 
Gebrauch, 1,5 pGt. nach dem Gebrauch; 1,5 pCt vor dem 
Gebrauch, 1,4 pCt. nach dem Gebrauch; in dem Falle, wo 
der Harn sedimentirte, fand ich die Harnsäure nach dem 
Gdsrauch der Benzoesäure selbst vermehrt, 2,2 pCt. vor dem 
Gebrauch, 2,8 pCt. nach dem Gebrauch. In einem Falle wurde 
die Harnsäure nieht bestimmt. 

Bei der sehr geringen Menge der Säure, welche ich 
aus dem, noch dem Gebrauch der Benzoesäure eriialtenem 
Harne durch Verdampfen im Wasserbade, Zusatz von Sstz- 
store, Ausziehen des stark gefärbten krystallinischen Nie- 
derschlags mit Alkohol, Verdampfen der alkoholischen Lö- 
sung, Sättigen des Rückstandes mit kohlensäuerm Natron, 
Entfärben durch Thierkohle und Zerlegen des Salzes durch 



292 Palbologisch- chemische ÜDlersuchiiBgen. 

Salzsäure erhielt, konnte ich mich in den 5 PilUen nicht mit 
der gehörigen Sicherheit überzeugen, ob ich es immer mit 
Hippursäure zu thun hatte; in 4 Fällen schied sich üie 
Säure in Nadeln ab, diese lösten sich aber mit ziemlicher 
Leichtigkeit in Aether; auf einem Platinblech erhitzt entwickel- 
ten sie einen zum Husten reizenden Dampf von ähnlichem 
Geruch, wie ihn erhitzte Benzoesäure ausstösst; in dem 
einen Falle erkannte ich unter dem Mikroskope deutliche 
Aggregate von Tafeln, in ähnlicher Form, wie die Benzoe- 
säure krystallisirt; gegen Aether verhielt sich diese Säure 
wie die früher erwähnte. Beide Arten Säuren hinterliesseDi 
in einem Glasröhrchen erhitzt, einen kohligen Rückstand. 
Da ich auf diese Weise nicht mit Ueberzeugung aussprechen 
konnte, ob ich es wirklich immer mit Hippursäure zu thmi 
hatte, so machte ich Anfang August einen Versuch im gro- 
ssem Maasstab. Ich nahm eines Abends in 3 Dosen eine 
Drachme Benzoösäure mit Zucker und Wasser. Von einer 
eigentlichen Verstimmung nach dem Gebrauch der Säure 
kann ich nicht sprechen, der Puls schien etwas aufgeregter, 
die Urinsecretion war nicht vermehrt; die Nacht verlief ru- 
hig. Den vor Schlafengehen und des Morgens gelassenen 
Harn verdampfte ich im Wasserbade, setzte zu demBüd^- 
stand Salzsäure und erhielt nach kurzer Zeit eine ausser- 
ordentliche Masse braun gefärbter Krystalle. Die Säure wurde 
mit kaltem Wasser gewaschen, an Natron gebunden, das 
Salz durch Thierkohle entfärbt und zu der hinreichend mit 
Wasser verdünnten Lösung, Salzsäure gefügt; schon nach 
einer Stunde hatte sich die Flüssigkeit mit einer grossen 
Menge ausgezeichnet schöner, langer, vierseitiger, schwach 
fleischroth gefärbter Erystalle von Hippursäure erfüllt; die 
ausnehmend schöne Erystallform liess hier nicht mehr an 
der Natur der Säure zweifehi; ich habe alle Säure, so viel 
ich erhalten konnte, gesammelt und erhielt etwas über 60 
Gran. Die Menge des Harnstoffs in diesem Harn betrug 
34 f vom festen Rückstand, die der Harnsäure 1^7{, Quan- 
titätsverhältnisse, welche von denen, die ich sonst in mei- 
nem Harn beobachtete (vergleiche mein Handbuch der mediz. 



PaUkologisoh- chemische UntersuehiiogeD. 293 

Chemie B. 3. S. 359.) nicht wesentlich abweichen. Zu ähn- 
lichen Resultaten, wie die hier angeführten, ist auch Keller 
gekommen. (Lieb ig die organ. Chemie in ihrer Anwendung 
auf Physiologie und Pathologie p. 338.) 

Nachdem ich mich durch das mit mir angestellte Ex- 
periment von der Umwandlung der Benzoesäure in Hippur- 
säure überzeugt hatte, nahm ich noch zwei Untersuchungen 
mit dem Harn von an Gicht leidenden Personen vor, welche 
Hr. Mediz.-Rtb. Froriep mit Benzoesäure behandelte. Ick 
lasse hier das Resultat der Untersuchungen folgen. 

i' 2. 

V. d. Gebr. N. d. Gebr. V. d. Geb. N. d. Gebr. 
d. Säure. d. Säure. 

Wasser 976,73 978,84 965,25 962,43 

Fester Rückstand . 23,27 21,16 34,75 37,^7 
Harnstoff .... 7,02 6,10 9,23 10,00 

Harnsäure .... 0,50 0,48 0,58 0,60 

Erdphosphate . . . 0,35 — 0,28 — 

Schwefelsaures £ali 2,67 — 2,08 — 

Phosphorsaures Natron 1,60 — 4,53 — 

Hippursäure ... — 0,65 — 0,69 

Berechnet man hieraus für 100 Theile festen Rückstand 
den Harnstoff und die Harnsäure in Procenten, so erhält 
man für den ersten Fall vor dem Gebrauch der Benzoesäure 
30,16 f Harnstoff und 2,14 f Harnsäure, nach dem Gebrauch 
28,21 i Harnstoff und 2,22 ^ Harnsäure. Für den .zweiten 
Fall berechnet sich vor dem Gebrauch der Harnsäure 26,56 i 
Harnstoff und 1,66 1 Harnsäure und nach dem Gebrauch 
26,61 f Harnstoff und 1,59^ Harnsäure. 

Obgleich sich aus diesen Untersuchungen ergiebt, dass 
eine konstante Verminderung des Harnstoffs oder der Harn- 
säure mit Bestimmtheit nach dem Gebrauch der Benzoesäure 
nicht angenommen werden kann, so haben gleichwohl die 
Beobachtungen, welche Hr. Mediz.-RQi Froriep zu machen 
Gelegenheit hatte, gezeigt, dass die Wirkung der Benzoe- 
säure bei Arthritis günstig war, vne sich aus nachstehender 
Notiz ergiebt. 



294 Pathotogisch-chemisohe Unterauchungan. 

S'cbriflliche Mittheilung des Hrn. Mediz.-Btb. 

R. Froriep. 
Ich habe die Benzoesäure jetzt in 20 Pillen tfaeils gieh* 
tischer, theils (einigemal) chronisch rheumatischer Leiden 
angewendet; ausserdem einmal bei einer rein lokalen Krank- 
heitsform bei einem Mann mit Ansammlung von Flüssigkeit 
in den Sehnenscheiden der rechten Hand (grosse Ganglien). 
Behn letzten Fall zeigte sich gar keine Einwirkung. Bei 
allen übrigen Fällen aber ohne Ausnahme habe ich bemerkt, 
dass in den ersten 24 Stunden nach dem Gebrauch eine 
rermehrte Turgescenz in den Geschwülsten und Gelenkauf- 
treibungen mit einem Gefühl vonjlitze in denselben eintrat, 
worauf aber jedesmal am zweiten Tage und so fort eine 
Verminderung und namentlich ein Weich- und Schlaffwer- 
den der Geschwülste zu bemerken war; bei fortgesetztem 
Gebrauch erfolgte in der Mehrzahl der FäUe eine gleich- 
m^sig, wenn auch langsam, fortschreitende Minderung der"" 
Geschwülste; in einigen Fällen, die indess entweder sehr 
geschwächte Personen oder sehr komplicirte Krankheiisfor- 
men betrafen, ging die Besserung nicht weiter als bis zu 
dem Zustand, den ich in den ersten Tagen der Behandlung 
bereits erreichte. Im Ganzen muss ich sagen, dass ich mit 
dem Erfolg des Gebrauchs dieses Mttels bei meinen Kran- 
ken sehr zufrieden bin; die Theorie der Wirkungsweise 
mag sich definitiv stellen, wie sie wolle, so scheint mir 
nach den bisher gesammelten Erfahrungen das Mittel wich- 
tig und weiterer Untersuchung voRkommen werth. 



Beiträge zur Materia medica, 

von 
Frans« Simon. 



1. Üeber das chemische Kautel beim Recept* 

verschreiben. 

Es ist ein Verzug der neueren Zeit, den wir, wie es 
scheint, der Homöopathie verdanken, dass das Versohreiben 
der Recepte nicht mehr in jener bunt zusammen gesetzten Art 
geschieht, wo für jedes Symptom ein Ifittel auf dem Pa- 
piere stand und wo möglich ein, zwei oder mehrere Büttel 
durch gegenseitige Zersetzung unwiricsam wurden, oder 
wohl eine ganz andere Wirkung ausübten, als man beab- 
sichtigte, sondern dass man möglichst wenig zusammengesetzte, 
oder einfache Mittel verschreibt. Allein auch bei dieser wes<«t- 
iichen V^besserung im Receptverschreiben ereignet es sich 
dennoch, dass der Arzt, der aller chemischen Kenntnisse 
baar ist, unglücklicher Weise selbst die wenigen Bfittel so 
wäUt, dass sie sich chemisch zersetzen und gar nicht oder 
anders wirken, als er erwartete. 

Abgesehen von dem Uebelstande, der daraus für den 
Patienten und für die Kur überhaupt hervorgeht, der aber 



296 Beiträge zur Hateria medica. 

von einem weltklugen, in der Praxis solcher Fälle geübten 
Aerzte aber wohl bald entdeckt und wieder gut gemacht 
werden kann, kommt hiezu noch ein anderer, in politischer 
Beziehung viel mehr in die Waage fallender Uebelstand. Das 
Recept ist gewissermassen das einzige schriftliche Doku- 
ment, welches der Arzt dem Apotheker upd dem grossen 
Publikum Über seine Handlungs* oder Behantllungsweise 
übergiebt Der Apotheker sieht gewiss sehr bald die gegen 
die Gesetze der chemischen Verwandtschaft Verstössen- 
den Fehler und das Publikum muss sie wahrnehmen, wenn 
die erhaltene Arznei (Mixtur, Solution etc.) eine ganz andere 
Beschaffenheit zeigt, als der Arzt sie beschrieben. Wenn 
nun auch bisweilen der Apotheker aus Gefälligkeit die Schuld 
auf sich nimmt, so geschieht dies doch nicht immer und 
der Arzt verliert nothwendig an Ansehn. 

Das Studium der Chemie, von diesem Gesichtspunkte 
aus, ist dem Arzte für den täglichen Gebrauch gewiss recht 
dringend nothwendig, aber es umfasst eben ein gar gewal* 
tig grosses Feld, als dass es könnte mit Leichtigkeit erwor- 
ben werden; um so willkommener werden einige aligemeine 
Regeln sein, die als Leitfaden dienen können, um grobe 
chemische Fehler beim Receptverschreiben zu vermeiden. 

1) Man muss nicht Stoffe in der Lösung ver- 
schreiben, die unlöS'lich sin^. 

a) Die wässrige Lösung. 

Da die wässrige Lösung die gewöhnlichste ist, so wer- 
den auch hier die häufigsten Verstösse begapgen. £s ist 
bekannt, dass das Wasser die sogenannten löslichen Salze, 
die Extrakte, Gummi, Zucker und Seife auflöst, nicht die 
Harze, Oele, Fette, Balsame, Gamphor, nicht Schwefel, Phos- 
phor, Jod, Galomel, Sulphuraurat etc. 

Was die Salze oder salzähnliohen Verbindungen anbe- 
trifft, so ist es nothwendig einige aufeuführen, welche un- 
löslich oder fast unlöslich sind, aber doch bisweilen in der 
Lösung verschrieben werden, von anderen aber, welche 
löslich sind, die Lösungsfähigkeit anzugeben, gegen welche 
nicht selten Verstössen wird. 



Beitrüge 2ur Maieria medioa. 297 

Unlöslioh oder fast UDltfsKch sind: 

Blagnesia carb. u. usta; fernim borussicum u. ferrum 
phosphoricum, acidum stibioso-stibicum (Antimon, diaphor.) sti- 
biom sulphurat^ aur., stib. sulpburat. rub.; Zincum carbonicum, 
Zincnm cyanogenatum und einige andere Gyan-HetaHe; end- 
lich mHgen iüer auch noch die reinen vegetabilischen Alka- 
leide, Ghininum, Cliinchoninum, Salicinum, Phloiorrhizinura 
und das so oft in der Lösung verschriebene Ghininum sul- 
phur. angeführt werden, welches sich nur in äusserst gerin- 
ger Menge in reinem Wasser löst, leicht dagegen in einem 
durch Schwefelsäure schwach angesäuertem Wasser. 

Von den schwerlöslichen, aber in der wässrigen Lösung 
öfter verordneten chemischen Präparaten will ich zugleich 
mit der Angabe, wie viel sich in der Unze Wasser löst, an- 
führen: Acidum benzoicum 3 gr., Chinium muriat H gr., 
Galcaria sulphurata 1 gr., Galcar. sulphurat süb. 2 gr., Tar- 
tarus depurat. 4 gr., Alumen crudum 25 gr., Kali sulphuri- 
cum 30 gr., Borax ^ gr. 

Von den in neuerer Zeit in Anwendung gekommenen 
Jod und Brom-Yerbindungen sind die des Eisens leicht lös« 
Ueh, ebenso ist Zincum jodatum löslich. Das Aurum jodatum 
ist unlöslich, das Hydrargyrum perbromatum und protobro- 
matum sind sehr schwer löslich, Hydrargyrum perjodatum^ 
und jodatum sind unlöslich. 

Was die Lösung der Extrakte anbetrifft, so muss be- 
meriit werden, dass diese nur in wenigen Fällen eine voll- 
ständige ist; theils weil die Extrakte sich verändern und 
ein Theil durch Sauerstoflaufnahme unlöslich wird, theils 
weil sie harzartige Verbindungen enthalten, besonders wenn 
sie mittelst Alkohol bereitet wurden; in diesen Fällen isl 
die Lösung trtkbe, theils von bräunlicher, theils von grUiw 
lieber Farbe. 

b) Die alkoholische Lösung. 

Der Alkohol löst vorzüglich Harze, ätherische Oele, Bal- 
same, Seifen, Gamphor und Jod auf. Von den Salzen löst 
der Alkohol besonders die im Wasser löslichen Chlorverbia« 
düngen (Quecksilberchlorid, Chlorgold, Ghloreisen etc.) die 
essigsauren und milchsauren Salze; die kohlensauren, schwe- 



298 Beilräge sur Kateria medioa. 

feisauren, phosphorsauren Salze löst der Alkohol gar nichl. 
Von Schwefel und Phosphor löst Alkohol nur sehr wenig auf. 
Die alkohoUsche Lösung der Harze, äiherischen Oele, 
Balsame, des Gamphors und des Jods werden durch Hinzu- 
fbgen- von Wasser gefällt. Die nicht in Alkohol löslichen 
Salze, auch Gummi, viele Extrakte, werden aus ihrer 
wässrigen Lösung durch Hinzufügen von Alkohol gefällt 

c) Die ätherische Lösung. 

Der Schwefeläther löst Fett, ätherische Oele, Gamphor, 
PhosphM* und einige Chlorverbindungen, wie Eisenchloridi 
Goldchlorid und Quecksilberchlorid, auf. 

d) Die ölige Auflösung. 

Die ätherischen Oele mischen sich mit flüssigen und 
festen Fetten, sie lösen Gamphor, Schwefel und Phosphor 
auf, besonders viel das Dippelsche Oel; in Alkohol sind sie 
löslich. Die fetten Oele mischen sich mit ätherischen, sie 
lösen ebenfalls Gamphor, Schwefel und Phosjphor auf; in 
Aether sind sie leicht, in Alkohol wMiig löslich. 

Wenn man einen Stoff in der Lösung giebt, muss man 
stets das indifferenteste Lösungsmittel wählen, damit niehC, 
wenn man eine volle Dosis reichen will, die Wirkung des 
Lösungsmittels vorwaltet» 

2) Man darf keine Stoffe zusammen verordnen, 
die sich gegenseitig zersetzen. 

Dieser Grundsatz ist ein solcher, der sich leicht verthei- 
digen lässt, der aber in der praktischen Medizin natürlich 
einen durch den Gebrauch aufgerichteten Stein des Anstosses 
finden muss. Allein, wenn dies auch der Fali, warum nicht 
versuchen diesen Stein, den kein wahres Recht, sondern 
allein der Gebrauch gesetzt hat, mit Hilfe der Wissenschaft 
umzustürzen? Gäbe es keine Reaktion in der Wissenschaft, 
so rückten wir nicht vorwärts und Gebrauch oder Aulori- 
tat, wenn auch nicht rechtlich begründet, würden Gesetze. 

Ich will nicht gegen die Aq. p^gedaenic. rubr. u. m'gra, 
nicht gegen die Aq. Goulardi, nicht gegen Oxymel Aerugi- 
nis u. 8. w. sprechen. Diese Mittel werden da, wo sie 
nützen, mit gulem Erfolg, gebraucht; ich will nur da vor 



mmmm^a^gmmmmm^ 



Beiträge zur Materia medica. 299 

uncbemiscb«! OrdinatioDen wameo, wo der tfrzUicbe Zweck 
und das ärztliche Aoaehn gleichzeitig leiden. 

Folgende allgemeine Regeln können vielleicht manchem 
praktischen Arzte als Leitfaden dienen, wobei noch bemerkt 
werden muss, dass in Bezug zu dem Mittel, das verordnet, 
und dem, das vermieden werden soU, immer natürlich ein 
reciprokes Verbältuiss stattfindet. 

Wenn ^rytsalze, Bleisalze, Kalksalze verordnet wer- 
den, hat man schwefelsaure Salze und freie Schwefelsäure 
tu vermeiden, da die Schwefelsäure mit Baryt- Blei- und 
Kalksalzen weisse schwerlösliche Niederschläge giebt 

Wenn Silbersalze und Bleisahe verordnet werden, so 
bat man die salzsauren Verbindungen und die freie Salz- 
säure zu vermeiden, da Ghlorsilber unlöslich, Chlorblei sdiwer 
löslich ist 

Wenn Metallsalze irgend einer Art verordnet werden, 
so bat man zu vermeiden: 

a) Die Schwefelverbindungen, besonders die löslichen, wie 
Schwefelkalium, Schwefelammonium, da sich die unlös- 
h'chen schwarz oder gelb oder röthlich gefärbten Schwe- 
fsfanetalle niederschlagen. Selbst wenn sowohl das Me- 
tallsalz, wie auch die Schwefelverbindung unlöslich 
sind, sucht man ihre Verbindung zu vermeiden. (Galo- 
mel und Sulphur aurai) Unlösliche Schwefelverbindun- 
gen mit löslichen können zusammen verordnet werden; 
(Antimon, crud. mit Kali sulphnrat) 

b) Die kohlensauren löslichen Verbindungen, wie beson- 
ders kohlensaures Natron, kohlensaures Kali, da sich 
di^unlöslichen kohlensauren Metalloxyde bilden ; beson- 
ders ist dies hervorzuheben bei den Eisen-, Blei-, Kupfer« 
Zink<, Antimon- (Brech Weinstein) und Quecksilbersalzen. 

e) Die freien Alkalien und freien Erden, besonders ist 
hierher der Liq. ammon. caust. u. die Aq. Calcar. zu 
reehnen; es werden beim Mischen der Metallsalze mit 
diesen Mitteln die Metalloxyde meist im Zustande der 
Hydrate niedergeschlagen. Nothwendig ist dies zu be- 
rücksichtigen bei der Verordnung von Mitteln zum 



300 Beiträge zur Hateria medioa. 

äusseren Gebraudi wie des Subtimats (Sublimat mit 
falkwasser giebt Quecksilberoxyd undCUorcaldum, das 
ist Aq. phagedaenica rub«), des Galomels, des essig- 
sauren Bleis u. a. m. 
d) Extrakte und besonders gerbstoShaltige (fistr. Cascarill., 

Ghin.y nuc. Jugl., Campech., Ratanh., etc.) SämmUicbe 
Metallsalze geben mit den Extrakten, welche mit weni- 
gen Ausnahmen eine gewisse Menge Gerbstoff enthalten, 
unlösliche flockige, dunkelbraun bis 'schwarz gefärbte 
Niederschläge. Besonders stark sind diese b^ den 
Quecksilber-, Gold-, Silber-, Blei-, Kupfer- und Eisensal* 
zen, so dass gewöhnlich, wenn die Menge des Extrak- 
tes hinreichend gross ist, sämmtliches Metallsalz zer- 
setzt wird. Die Niederschläge sind bei den Quecksü- 
bersalzen dunkelbraun, beim Gold violeltbraun, beim 
Silber braun, beim Blei schmiiteig braun, beim Kupfer 
grünbraun, beim Eisen schwarz. Natürlich wiiiLen die 
narkotischen Extrakte ganz eben so. Man muss stets 
erwarten« bei einer Verbindung von essigsaurem Blei, 
Quecksilberchlorid, salpetersaurem Silber mit Opium 
oder Bilsenkrautexti*akt, einen Theil des Metallsalzes mit 
Extraktivstoff und mit den vegetabilischen Säuren des 
Extraktes in Verbindung treten zu sehen. Der Gebrauch 
billigt solche Formeln^ aber der Arzt kann sich nie 
Rechenschaft geben, welcher Verbindung er in dem 
voriiegenden Falle die günstige Wirkung verdankt; in 
einer Fomentation, in einem Augen wasser aus essig- 
saurem Blei und Opiumtinktur kann möglicher Weise 
das essigsaure Blei gar nicht zur Wirkung ]p>mmen, 
sondern es wirkt essigsaures Morphium, mekonsaures 
Blei und Bleitannat; ein ganz ähnliches Verhalten tritt 
bei der Zusammensetzung des Gollyrium aus schwefel- 
saurem Zinkoxyd und essigsaurem Bleioxyd ein, wo 
jedenfalls das unlösliche schwefelsaure Bleioxyd gebil- 
det wird und essigsaures Zink in der Lösung bleibt 
Erreicht der Arzt damit seinen Zweck, um so besser, 
nur soll er, wenn er rationell verfährt, auch wissen, 
welche Mittel die Wirkung hervorbrachten. 



tm^m^ 



Beilräge zur Matoria medica. 301 

e) Das8 die reinen gerbätofOialtigeD IBUel: China, Aatanhia, 
Gort. Quercus, Kino, Gatecbu u. s. w., nicht mit metal- 
lischen Mittietai zusammen verordnet werden dilr/en, 
wenn man nicht die GerfostofiPirerbindungen der Metalle 
zu erhatten wünscht, wie z. B. das Plumbum tannicum 
in dem Ungi contr. decub. Autr., ist schon in dem vori- 
gen Abschnitt erwShni 

f) Seifen. Die Seifm werden von den metallischen Mit- 
tebi zersetzt, es sdMden sich fettsaure Metalloxyde ab; 
es ist dies besonders zu berücksichtigen bei den Eisen-, 
Blei- und Eupfersalzen. Unlösliche MetaUverbindungen 
mit Seifen zu verordnen, etwa in PHlen, kann keinen 
Anstand haben. 

g) PflanzenschleinL Besonders sind es die Blei- und Ei- 
sensalze, welche sich mit dem Schleim zu unlöslichen 
gelatinösen und fadenziehenden Massen verbinden. 

Wenn man freie oder kohlensaure Alkalien oder 
Erden verordnet, so müssen die firden Säuren vermieden 
werden, wenn mim nicht in dem einen Falle Braus^nischungen 
zu reichen gedenkt Saturationen dürfen eher einen gerin- 
gen Ueberschuss an froier Säure als an kohlensaurem Air 
kali enthalten. Gewisse und zwar besond«« die salzrei- 
chen Extrakte, vor AUen aber das Bxti*. aloes c. add. sulpb* 
eorr., zersetzen ebenfalls die kohlensaüron Alkalien, oder es 
werden ihre bisweilen duroh die lange Zeit des Aufbewah- 
rens in ansehnlicher Menge ^^eugten Ammoniak-Verbindun- 
gen zerlegt und es entwickelt sich Ammoniak. Auf diesen 
Umstand muss man nothwendiger Weise bei dem Verord- 
nen von Pillenmassen, in denen kohlensaure Alkalien und 
Pflanzenextrakle, wie Extr. taraxaci, fumar., cardui benedict», 
Absinth., Helenü, Levistici, Saponariae, ödier die Extrakte 
narkotischer Pflanzen enthalten sind, Rücksicht ndimen. Die 
Pillen, in denen diese Einwirkung der StoflSe auf einander 
und die Entwicklung eines Gases Vor sich geht, werden 
nach einiger Zeit grösser und grösser und können von der 
Grösse einer Erbse bis zu der einer kleinen Hasefaiuss aut 
queUen. 

Wenn man Schwefeiverbindungen, besonders aber 

Simon Beitrage I. %, 20 



302 Beiiräge cur Halma mediea. 

Scbwefelalkalien (Kali sulphuratum) verordnet^ moss tmn 
freie Stfiven oder saure Salze vermeideD. Man moss aber 
aucb bedenken, dass in einer neutralen Flttssi^eit durcb 
'Gäfarong siob eine Säure erzeugen kann und zwar beson- 
ders in den zuckerhaltigen^ so z. B. in Syr. papar. alb. 
Dieser Umstand verdient besondere Berückidchtigung beim 
Verordnen des Sulphur aurat. oder des Kermes mit Zucker- 
saft als Linetus. Wenn hier in Folge der Gfibrung Säure 
erzeugt wird, so wird der Goldschwefel aeriagt, es bildet sich 
Schwefelwasserstoff und eine Antimonoxydverbindung , die 
brechenerregend wirkt. 

Dass man beim Verordnen von Sehwefelverbindungen 
Metallsalze in regulinischen Metallen zu vermeiden bat, ist 
adbea erwflhnt Es ist nur in dieser Beziehung noch bei 
den Pillen zu bemerken, dass man vermeiden rnnss, Pillen, 
in denen sieh Schwefelverbindungen befinden, mit Gold- oder 
SüberblatL Überziehen zu lassen, da in kurzer Zeit der Me- 
tallüberzug schwarz wird; 

Was das Verordnen der, in Bezug au ihrer Wirkung 
wie zu ihrem chemischen Verhalten sehr diflbrenlen Met allr 
salze anbetriftf wie z. B. des Ghlorgoides, salpetersauren 
Silbers, essigsauren oder schwefelsauren Kupfers, easigSBu- 
ren Bleis, des Quecksilberchlorids u. a. m., M sind die 
Kavtelen im Voriiergehenden schon abgegeben« Da man diese 
Stoffe gern in Pillen verordnet, aber, wenn man die Zet- 
aetzungen zu verhüten wünscht, Extrakte vermeiden musa» 
80 schlage ich mit Bücksidit auf Versuche, die ich schon 
flrüber über diesen Gegenstand angestellt habe, als Pillenr 
messe eine Mischung von gidicben Theilen AUheepulvers 
und Zucker vor, mit der niitbigen Menge Wasser. Wenn 
man nicht zu befürchten hat, dass die Metallsalze auf die 
Sehlingwerkzeuge nachtheilig einwiiken, so würde sich die 
Pulverform am meisten empfehlen und man bedient sich 
dann am zweckmässigsten des Milchzucken als Gonslüueas; 
indessen müaste doch beim Quecksilbersublimat, dem Ghkr* 
gold, dem Salpetersäuren Silber die Pillenfbrm vorgeiogeB 
werden. In den Losungen sind jedoch diese Metallsalse, für 
daa Auge wenigstens, gegen vegetabilische Stoffe noch dif- 



Beürdge zur Mattria mediea. 303 

ferrater auflreleiid ab in der Pineoform. Bin Infüsum aus einer 
Unze Flor, chamoraiil. mit 10 gr. Plumb« acet oder Argenl. 
nur. Udei 2wei Theile: einen Niederscblag , worin das He- 
taUoxyd als MetaUsa?z und eine Flttssiglceil, worin wenig meiir 
als Waner. Diese rein empirischen Formeln kttmiten viel« 
leiobl durch zwedmüssigere, rationelle vertanscht werden, 
besser aber wäre es, die Aerzte machten sich bekannt mit 
den Mitteln , die sie verordnen , (in diesem Pirile die Verbin- 
dungen des essigsauren Bleioxyds oder des Silberoxyds mit 
den organiseben, exivaktiven und gerbsioilhaltigen , Materien) 
wie sie z. B. in dem Ungt ctr. decub. Autenr. wissen, dass 
nicht essigsaaree Blei und Gerbstoff, sondern das Pfambum 
tannicom wirfst. 

BefD Verordnen der vegetabilischen Alkaloide muss 
man die GerbsXure und die gerbstoflbaltigen Pflanzenstoffe 
vermelden, es bilden sich unlösliche Verbindungen; daher 
rigenen sich audi die gerbsloffhaltigen Mittel am besten 
als Antidota bei Vei^ftungen mit vegetabilischen Alkalolden. 
Eben so muss man bei den bemerkten Mitteln das Jod ver- 
meiden, auch dieses geht unKlsIiche Verbindungen ein. 

Beim Verordnen von Seifen sind ausser den schon 
ttgeltthrten metallisdieo Mittetai auch Brdsalze und die freien 
Säuren und sauren Salze, so wie das Extr. aloes c. acid. 
sulph. corr. zu vermeiden, durch welche letzteren die Fett- 
säuren abgeschieden werden; ganz besonders ist dies zu 
berUcksichligen beim Verordnen des Sapo stibiatus, aus wel- 
chem durch die freie Säure nicht allein die Fettsäure gefällt 
Wird, sondern auch Schwefelantimon und Schwefelwasser- 
stoffgas sidi entwIckelL Eine in Berlin sehr gangbare, aber 
praktisch nicht ausftdirbare Form ist die Verbindung der 
Seifen mit Extr. aloes c. acid. sulph. corr. Es vrird stets die 
Fettsäure ausgeschieden. 

Eben so müssen auch beim Verordnen der Extrakte 
easser den Metallsalzen die freien Säuren vermieden 
werden, durch welche ein Tbeil der extraktiven Materien 
geAllt wird. Von den Erdsalzen ist noch besonders der 
Alaun hervorzuheben, welcher mit den Extrakten und beson- 
ders mit den geriMoflhaltigen Mitteln Niederschläge giebt. 

20* 



304 BeitrMge 2ur Materia medica. 

Beim Verordnen der löslichen Erdsolze/ wie CSUorbarymu, 
Chlorcaicium, schwefelsaurer Magnesia und Alaun, sind die 
kohlensauren Alkalien und phosphorsaures Natron zU ver- 
meiden, durch welche freie oder kohlensaure oder phos* 
phorsaure Erden gefUli werden. Doch ist zu bemerken, 
dass die schwefelsaure Magnesia nicht durch Natron bicar- 
bonat gefällt wird. 

Beim Verordnen von Kalisalzen, ganz besonders beim 
Kali tartaricum und Tart. boraxatus, ist die freie Weinaleiii- 
säure zu vermeiden, durch welche Gremor tartari (doppelt* 
weinsteinsaures Kali) geföllt wird. 

Beim Verordnen von dem einfach weinsteinsauren Kali 
(Kali tartar.) und von den Doppelsalzen des weinsteinBaur. 
Kali, wie Tärt ammoniat, Tart. natronat., Tart atihiat., Tart. 
chalybeatus müssen ausser freier Weinsteinsäure auch andere 
freie Säuren, liesonders die Mineralsäuren, vermieden wer- 
den; die Salze werden mehr oder weniger, stark zersetzt, 
so dass theils Gremor tartari, theib Metallverbindungen ge- 
Ollt werden. 

Aber auch selbst schon säuerliche vegetabilische. Mittel, 
wie z, B. Syr. acetos. Citri, Pulpa tamarindorum, schlagen, 
wenn sie mit Tart tartaris. zusammen kommen, Gremor tar- 
tari nieder, woher denn die so häufig vorkonunenden Sedi> 
mente in solchen beliebten eröffnenden Mixturen. 

Beim Sättigen des gewöhnlichen Essigs in Saturationen, 
der präparirtcn Essige und des frisch gepressten Gitronen- 
safles, sondern sich vegetabilische Stoffe in Flocken aus^ 
diese Saturationen sind daher trttbe; allein die Saturation 
mit destillirtem Essig ist klar. Man kann die anderen Sa- 
turationen filtriren, wobei sie jedoch an Kohlensäure verlieren. 

Die Verbindung des Calomel mit Ghlorverbindungen, 
besonders mit dem Chlorwasserstoff- Ammoniak, bringt häa* 
fig übele Zufälle hervor^ die man einer Bildung von Subli- 
mat zuschreibt; diese ist unter Vermittlung des Lebenspro- 
zesses möglich; jedoch durch die darüber angesteUten Un- 
tersuchungen ausserhalb des Thierkörpers, wie ich glaube, 
noch nicht erwiesen. Dagegen scheint die Verbindung des 
Calomel mit sogenannten Absorbentien, wie Magnesia carbon. 



Bdlräge zur Materia medica. 305 

oder Gonöb. prptao eher nachtheilig ab vortheilhaft zu wir- 
ken, da durch diese kohleDsauren Erden kohlensaures Queck* 
Silberoxyd gebildet wird, was offenbar energischer und an- 
ders wirkt als Galomel. 

Gewisse Metallsalze zersetzen sich beim Zutritt des Sauer- 
stoffs der atmosphärischen Luft und besonders in der wäss- 
rigen Lösung; so ist dies vorzüglich der Fall mit den Eisen- 
oxydulsalzen, wie dem EisenchlorUr, dem milchsauren Eisen- 
oxydul, dem Eisenjodür. Diese Mittel in der wässrigen Lö- 
sung zu verordnen ist nicht anzurathen, eher ist die Mi- 
schung mit Zuckersaft oder Honig zu empfehlen, und eben 
so zweckmässig die Darreichung im Pulver mit Milchzucker.*) 
Wenn man diese Darreichungs weise wählt, so muss darauf 
gesehen werden, dass von dem Apotheker ein frisch bereite- 
tes Metlallpräparat und im durchaus trocknen Zustande an- 
gewendet wird und nur wenige Dosen, welche oft repetirt 
werden können, in Wachskapseln verordnet werden. 

Es ist wohl kaum nöthig zu erwähnen, dass in Pulvern 
zeriliessliche Salze nicht in Schachteln, sondern in G^ern, 
oder bei dispensirten in Wachskapseln verordnet werden. 
Solche Salze sind besonders die Kalisalze und vorzugsweise 
der Tart boraxatus, Tart. tartarisat., Tart. ammoniat.. Kalt 
carbon. etc. Besonders sind gewisse vegetabilische Zusätze 
von stark hygroskopischen Pulvern dem Zerfliessen oder 
dem Zusammenbacken des Pulvers förderlich, wie Pulv. rhei. 

Salben mit wässrigen oder Spirituosen Flüssigkeiten zu 
mischen, ist nur bis zu einem gewissen quantitativen Ver- 
hältniss möglich; ist die Menge der wässrigen oder Spirituo- 
sen Lösung zu gross, so vdrd sie nicht mit dem Fett ver- 
bunden. Daher ist es auch nicht möglich, das Linimentum 
sapon. camph. mit einer Salbe zu verbinden, da das erstere 
Mittel eine Lösung von Seife in Spiritus, wogegen sich das 
Liniment ammoniat. sehr wohl mit Salben vermischt. Will 
man mit Salben grössere Mengen wässriger oder spirituöser 



*) Siehe den nachfolgenden Aufsatz. 



306 BeiIrNge zur Säteria mddiBa. 

Mittel veAindeby so muss man sieh als BiDdanuUd des Liq. 
atnmon. caust. bedieiieii und das Fett theilweis versetfen. - 

Beim Verordnen von Phosidiorlinimenlen oder phosphor* 
haltigen Salben muss man sich wohl vorsehen, dass man 
nicht die Lösungsfifhigkisit des Phosphors im Fett Überschrei- 
tet^ damit nicht Partikeln Phosphor ungelöst bleiben, die sieh 
beim Einreiben entzttnden könnten. Eine Unze gewtthnlir 
eher Fette lösen, wie man angiebt, 6 bis 8 Gran Phosphor. 

Dass man sich beim Tat>rdnen von Augensalben nioht 
getaug vor den Fettsäuren der in den Pharmaden vorräthi* 
gen Salben hüten kann, die oft beim besten Willen des 
Arztes dessen Heilzwecken entgegenarbeiten, ist kaum oöthig 
zu sagen; desshalb muss als Salbenbasis immer eine ex tem- 
pore aus Mandelöl oder Wachs bereitete verordnet werdea 
Auch bei dem Verordnen von Jodverbindungen, besonders 
Jodkalium, muss man die Fettsäuren vermeiden. 

2. Ueber Pilulae ferruginosae Valletii. 

In den- natürlichen eisenhaltigen Mineralquellen ist das 
Eisen als kohlensaures Oxydul, in iU>ersohüssiger Kohlen» 
säure aufgelöst, enthalten. Da nun das Eisen in dieser, von 
der Natur gegebenen Form als sehr wirksam befunden, der 
fiisoigehalt jener Mineralwässer aber sehr gering ist — er 
übersteigt nicht ^ Gran auf 1 Pfd. Wasser, -— so war es 
schon längst der Wunsch des medizinischen Publikums in 
dem Arznetschalz ein Mittel zu besitzen, welches jenes Ei- 
senpräparat •«- das kohlensaure Oxydul -^ in eider solchen 
Form enthalte, dass man es in grossem Dosen verabreichen 
könnte. Die Ausführung war mit Schwierigkeiten verbun- 
den, da das auf künstlichem Wege bereitete kohlensaure 
Eisenoxydul sich bei der geringsten Berührung mit der 
Luft gänzlich verändert und in Eisenoxydhydrat unter Ab- 
scheidung von Kohlensäure verwandelt wird. Nach vie- 
len vergeblichen Versuchen fand man in dem Zucker und 
Honig zwei Mittel, welche durch ihre desoxydirende Kraft 
auf mehrere Metalloxyde auch befähigt sind, die höhere 
Oxydation des Eisens in dem kohlensauren Bisenoxydul zu 



Beitrüge cur Materia medka. 307 

verhindern^ sobald sie mit demselben stets in inniger Berüh- 
rung bleiben. Auf diese Erfahrung gründet sich die Berat- 
tung der Vallei'schen Pillenmasse, nach ihrem Erfinder, einem 
französischen Apotheker, benannt. Die Vorschrift ist für den 
Gebrauch in deutschen Officinen etwas abgeändert und be- 
steht mit Hinweglassung der Zahlenverhältnisse in Folgendem: 

Reines oxydfreies schwefelsaures Eisenoxydul und reines 
kohlensaures Natron werden, jedes für sich, in ausgekoch- 
tem Zuckerwasser aufgelöst und die Auflösungen in einer 
wohl zu verschliessenden Flasche gemischt, die. von der 
Flüssigkeit gänzlich angefüllt wird. Das entstehende Präci- 
pitai von kohlensaurem Eisenoxydul wird mit ausgekochtem 
Zuckerwasser bis zur völligen Reinheit ausgewaschen, auf 
einem mit Zuckersyrup impragnirten Seihetuch von der 
Flüssigkeit geschieden, sogleich in erwärmten Honig einge- 
tragen imd das Gemisch im Wasserbade bis zu einem be^ 
slinmiten Gewicht abgedampft. Die Verhältnisse sind so 
gewählt, dass die erhaltene etwas weiche Pillenmasse die 
Hälfte an reinem kohlensaurem Eisenoxydul enthält. Der 
Zucker und Honig schützen das Präparat fast vollkommen 
gegen eine durch höhere Oxydation entstehende Verände- 
rung; die Masse löset sich leicht in den verdünntesten Säuren 
unter Brausen und die Auflösung läsat durch Reagentien 
nur einen sehr geringen Gehalt von Oxyd erkennen. Zehn 
Gran der Pillenmasse (welche bereits in vielen Apotheken 
vorräthig ist] gaben in der Analyse 3,4 Gran Eisenoxyd, 
welche 6 Gran kohlensauren Eisenoxyduls entsprachen: Die 
beste Form zur Anwendung des neuen Mittels möchte fol- 
gende sein: 

Mass. pilular. ferru^inos. Vallet^ 3} 
Pulveris cujuslibet q. s. (gr. x — xv] 
M. f. pilulae Nr. 30. 

JedePille enthält einen Gran kohlensauren Eisenoxyduls.*) 



^ Hinsichtlich seines Gehaltes an metaUiscbeni Eisen ent- 
spricht ein Gran kohlensaures Eisenoxydul (oder 1 Vallet'sche Pille) 

lA Gr. Ferrum oxydat. fuseum 



308 Beiträge zur Materia medicai 

Für die flttssige Form (als LiDCius) schlagen wir fol- 
gende Vorschrift vor: 

nr Massae pilul. ferrug. Vallet 3^ 
Solve in Aquae destill. 3jj 

et adde 
Syropi (cujuslibet) i^ß 

ut fiat linctus. D. S. Umge schütte lt. Thee - 
löffelweise. 
Ein Tbeelöffel voll enthält ein Gran kohlensaures Ei- 
senoxydul. 

Ueber Ferrum jodatum. 

Die meisten pharmacodynamischen Versuche, welche 
mit der Verbindung des Jods mit dem Eisen angestellt wor- 
den sind, beziehen sich auf das Eisenjodür derjenigen Ver- 
bindungsstufe, welche aus 1 Atom Bisen und einemDoppelatom 
Jod besteht, also dem Fisenoxydui und dem Bisenchlorür 
entspricht, während das Bisenjodid auf 2 Atom Bisen 3 Dop- 
pelatome Jod enthält. Jenes EisenjodUr (Ferrum protojodatum, 
Jodatum ferrosum) ist der Zersetzung durch die Luft noch 
weit mehr unterworfen, als das entsprechende ChlorUr; es 
wird daher nicht, wie jenes, in den Apotheken vorräthig 
gehalten. Da nun die jedesmalige Bereitung einige Zeit er* 
fordert, war es sehr angenehm in dem^yrupus Fern jodali 
(nach Wackenroder's Vorschrift) ein Medicament zu erhalten, 
in welchem der Zucker durch seine desoxydirende Kraft 
das in dem Syrup enthaltene Jodür vor der Zersetzung 
schützt. Der Syrup wird durch direkte Verbindung des 
Jod's mit Eisen, unter Zusatz von Wasser, Auflösen von 
feinem Zucker in dem Filtrat, und Abdampfen bis zu einem 
bestimmten Gewichte, bereitet Die Drachme dieses, fast 
in allen Apotheken vorräthigen Syrups enthält 14 gr. Eisen- 
jodür (oder 12 gr. Jod); er bildet vermöge seiner Conccn- 
tration das Substrat zu anderen Arzneiformeln. 



2i Gr. Ferrum suipburic. cryst. 

1t V }) »f muriat. oxyduiat. und 

13 Tropfen Tinct. Fern muriatici. 



Beiträge zur Materia medica. 309 

1) Linctus. 

Syr. ferri jodati 3/3 
„ eimplicis ^ß*) 
MD. in vitr. bene dauso S. 
Theelöffelweise. 
Ein Theelöffel (» 1^ Drachme**) enthält i Gr. Eisenjodür. 
Diese Form ist den beiden anderen vorzuziehen, das 
fiisenjodOr erhält sich in ihr am längsten unzersetzt. 

2) Mixtura. 

j^ Syr. ferri jodati Zß 
„ simpl. 3j 
Aquae destiUat. ^y^ß 
MD. in vitro bene clause. 
Ein Bsslöffel (» | Unze) enthält i Gr. Eisenjodttr. 

3) Pilülae. 

^ Syr. ferri jodati aj 

Rad. Alihaeae pulv. q. s. (SjJjj) 
MF. pilul. Nr. 70. consp. ei dent. in vitro optune 
clause. 
6 Pillen enthalten 1 Gr. Eisenjodür. 

Ferrum lacticum und Acid. lacticum. 

Das milchsaiire Eisenoxydul wird jetzt in dem Labora- 
torium des Hm. Apotheker Riedel in Berlin 'auf folgende 
Weise in ansehnlichen Quantitäten dargestellt. 

Nach der Methode von Fremy und Boutron wird aus 
der Milch Milchsäure erzeugt, indem man zu der mit einer 
gewissen Menge Milchzucker versetzten Kuhmilch, welche so 
lange sich selbst überlassen an einem temperirten Orte ste- 
hen bleibt, bis sie stark sauer reagirt, so viel kohlensaures 
Natron setzt, bis die freie Milchsäure gesättigt, die Milch 



^) Es ist rathsam nur den reinen Zuckersaft zur Verdün- 
nung des Syr. ferri jodat. anzuwenden, weil durch zusammen- 
gesetzle Säfte eine Zersetzung des Präparates zu fürchten ist. 

*») Wackenroder nimmt an, dass 12 Kaffeelöffel auf eine 
Unze gehen» dies ist aber, wenigstens bei den in Berlin gebräuch- 
lichen Theelöffeln, nicht richtig. Ein solcher fasst eine Drachme 
wässrigcr Flüssigkeit oder H Drachme Syrup. 



310 BeUrtge zur Maieiia mediea. 

etwas alkalisch reagirt und das koagqlirte Kasein wieder ge- 
lost ist; die Milch bleibt dann wieder so lange stehen, bis 
durch die neu aus dem Milchzucker erzeugte Milchsäure 
von Neuem eine Fällung des Kastffns und eine stark saure 
Reaktion hervorgerufen worden ist; man sättigt nun wieder 
mit Natron und fährt in derselben Weise fort, bis sämmtU- 
eher Milchzucker in Milchsäure verwandelt worden ist. 
Hierauf wird mit Hilfe gelinder Wärme das koagulirte Kase^ 
vollständig gefällt darauf filtrirt. Die durchgelaufene Flüssig- 
keit wird bei sehr gelinder Wärme eingedampft, (bei einer 
zu hohen Temperatur nimmt sie leicht eine dunkle Farbe 
an) und zu der syrupartigen Flüssigkeit starker Alkohol 
gesetzt, wodurch noch ein Theil Kase^fa niedergeschlagen 
wird; das milcbsaure Natron bleibt im Alkohol gelöst Zur 
alkoholischen Lösung des milchsauren Natrons setzt man vor- 
sichtig mit Alkohol verdünnte Schwefelsäure im geringen 
Ueberschuss, um schwefelsaures Natron zu fSUen, filtrirt und 
nimmt den Ueberschuss von Schwefelsäure durch die erfor* 
derliche Menge Barytwasser hinweg. Die durch Verdam- 
pfen concentrirte Milchsäure digerirt man mit reinen Eisen- 
feilen, um das milchsaure Eisenoxydul zu erhalten, verdampft 
die Lösung im Wasserbade und lässt das milchsaure Eisen- 
oxydul krystallisiren. Das Salz, welches ich bei Hrn, Riedel 
gesehen habe, erscheint in kryslallinischen Krusten von 
weisser Farbe, die einen geringen Stich in das Grünliche 
haben und ein schneeweisses Pulver geben; es löst sich 
«ohne einen Rückstand im Wasser. *) 

Rassmann (Report, f. d. Pharmacie v. Buchner Bd. 27. 
pag. 226.) stellt in Batka's Laboratorium das milchsaure Eisen- 
oxydul auf ganz ähnliche Weise dar. Es wurde Milchsäure 
nach der von Boutron und Fremy angegebenen Methode 
durch Sauerwerdenlassen der mit Milchzucker versetzten 
Milch, Sättigen der Milchsäure durch doppelt kohlensaures 
Natron, Zersetzen des in Alkohol gelösten milchsauren Na- 
trons durch Schwefelsäure dargestellL Nachdem der Alko- 

«) Wie iofa aus einer MiUheilung des Hrn. Apotheker R Simon 
in Berlin ersehe, wird «uch in seinem Laboratorium jeUt das 
ferr. lacticum dargfesteHt. ^' ^* 



BeiMfge jBur Materia medica« 311 

hol abdealiUiri und die lilckständige Milchatture mit Wasser 
verdnnnt worden war, wurden Eisenfeile im Ueberschuss 
tainsiigelügl, so lange gekocht, als noch Gasentwicklung an- 
dauerte und noch heiss in ein gut zu verschiiessendes Ge- 
fifss filtrirt I>ie erkaltete schwanigrüne Lösung Uess eine 
beträchtliche Menge von milchsaurem Eisen in kleinen Kry- 
stallen fallen, welche auf ein Filter zuerst mit wenig Wasser, 
sodann mit Alkohol gewaschen wurden, worauf sie vollstän* 
dig weiss erschienen und diese Farbe auch nach dem Er* 
kalten behieltoi. Die Mutterlauge, mit Zusatz von Bisenfei- 
len eingedampft, gab noch mehrmals neue Krystallisationen, 
welche, wie die ersten Erystalle behandelt, gleichfalls ein 
weisses Salz gaben. 

Reine Milchsäure von Konsistenz ttnd Farbe eines weissen 
Zuckersyrups wird bei Hm. Rie del auf folgende Weise darge* 
stellt Die Milchsäure, deren Darstellung zur Rereitung des 
milchsauren Eisenoxyduls ich so eben mitgetheilt habe, wird 
mit Zinkoxyd digerirt und reines milcbsaures Zinkoxyd im 
krystaniniscfaen Zustande bereitet. Dieses Salz wird in einer 
hinreichenden Menge Wasser gelöst und durch einen Strom 
von Schwefelwasserstoffgas zerlegt^ wodurch Schwefelzink 
fällt, welches in Milchsäure nicht löslich ist. Die Lösung 
der Milchsäure wird hierauf im Wasserbade bis zur Kon- 
sistenz eines Syrups verdampft. Diese Säure ist durchaus 
geruchlos , von scharf saurem Geschmack und verbrennt im 
Platinüegel durchaus ohne Rückstand. 

Ueber Stahibäder. 

Zur Bereitung eines künstlichen, kohlensaure- und eiseur 
reichen Stahlwassers zu Bädern, giebt W. Artus in seiner 
äug. pharmaceutischen Zeitschrift (pag. 10.) folgende Vor- 
schrift. Man kocht etwa 3 Pfd. Malz mit 20 bis 25 Pfd. 
Fhisswasser eine halbe Stunde lang uud giesst die Flüssig- 
keit durch ein Seihetuch; in diese Flüssigkeit legt man vor- 
her mit verdünnter Schwefelsäure (1 Theil Säure auf 24 
ThL Wasser) eine Viertel Stunde hindurch in Berührung ge- 
lassnen, alsdann gut abgewaschnen dünnen Bisendraht, im 
Gewiehte von 1| Pfd.; damit der Draht in möglichst voll- 



312 Beiträge zur Materia medioa. 

ständige BerbhroDg mit der FlttArigkeit komme, wird er auf 
einem hölzernen Dreifuss in das mehr hohe als breite Brilh* 
fass gebracht und darin mit der Malzabkochung Übergossen, 
so dass diese ihn vollständig bedeckt. Wenn die Flüssig- 
keit eine Temperatur von 20* zeigt, werden vier gewöhn- 
liche Esslöffel Bierhefe hinzugefügt und das Gefäss, nachdem 
die Flüssigkeit wohl durch einander gerührt worden ist, 
20 bis 34 Stunden in Ruhe hingestdlt; das in Berührung 
mit der Flüssigkeit gebildete Eisenoxydul wird von der sich 
entwickelnden Kohlensäure aufgelöst und zugleich nimmt 
die Fl&ssigkeit eine gewisse Menge Kohlensäure auL Nach 
Verlauf dieser Zeit giesst man die Flüssigkeit vom Eisen- 
draht, dessen man sich zur wiederholten Bereitung der Bä- 
der bedienen kann, ab und vermischt die Flüssigkeit mit 
der noch nöthigen Menge warmen Wassers, worauf sie als 
emn Bade geeignet angesehen werden kann. Ein von Artus 
selbst bereitetes Bad von 220 Mass Flüssigkeii enthielt in 
jedem Uäas 1,1 Gr. Eisen; Artus bemeilLt, dass dies Bad 
bereits von mehreren Personen mit dem besten Erfolge an- 
geweixdet worden sei. 

Naphthalin, 

als auflösendes Mittel und als Ezpectorans wird von A. 
Dupasquier (Joum. d. Pharm. Dcbr. 1842) empfohlen. Schon 
tV Gr. des Naphthalins, auf die Zunge gebracht, lässt den schar- 
fen und unangenehmen Geschmack dieses Mittels erkennen; 
man empfindet ein Gefühl von Wärme, welches sich durch 
die Mundhöhle bis zum Pharynx und selbst bis zu den Schleim- 
häuten der Bronchien erstreckt und sich bisweilen zu einem 
prickebden Gefühl steigert, wodurch Husten und Auswurf 
hervorgerufen werden. Das Naphthalin äussert diese Wir- 
kung als auflösendes und expectorirendes Ifitiel stärker als 
Ammoniakgummi, Tolubalsam, Benzoesäure etc. Durch Ver- 
suche an Kranken hat Dupasquier diese Wiri^ung bestätigt 
gefunden. In Fällen, wo eine lebhafte Stimulation der Bronchial- 
schleimhaut nothwendig war, that das Mittel trelfliche Dienste; 
so bei mehren schwachen Greisen, die in Folge eines chro- 
nischen Lungenkatarrhs wegen der Unfähigkeit den Bronchial- 



Beiträge zur Hateria medica. 313 

schleim zu entfernen mit Erstiokungsnotb kämpften. Die An- 
wendung des Naphthalins als ExpectcHrans ist auf keine Weise 
nachlheilig, selbst auch für den Kranken, wenn man von dem 
unangenehmen Eindruck auf den Geschmack absieht, nicht 
unangenehm. Wegen der heftigen Erregung, die es bewirkt, 
mnss es bei Bnmchitis und Lungenentzündung natürlich 
vermieden werden. 

Dupasquier empfiehlt für seine Anwendung die Wr 
schung mit einem linctus oder auch einem Syrup aus 1 TU. 
Naphthalin und 125 Theil Zuckersyrup bereitet. Um ee. in 
dem SchütteOinctus zu suspendiren, soll es mit Gummi an- 
gerieben, und, um es mit dem Syrup zu mischen, in Alkohol 
gelöst werden. Zweckmässiger dürfte es wohl sein, das Naph- 
thalin m Mandelöl lösen und eme Emulsion bereiten zu 
lassen, da auf diese Weise eine bleibende Vertheilung des 
Mittels bewirkt und zugleich der Eindruck auf den Geschmacks- 
nerven verhindert wird. Nach Dupasquier kann man das 
Mittel zu 2 bis 4 Gr. des Tages mehremal nehmen lassen^ 
bis genügende Expectoration erfolgt. Beispiel: 
iff Naphthalini gr. X. 

solve in oleo amygdal. dulc. iß 
subige cum 

Pulv. gummi arabici 3jj 

Aq. destillat ^ß 

ut f. emuls. spissa 
cui admisce 

Aq. foeniculi ^ 

Syr. liquirit. 3i3 

Liq. ammon. anisat. Jj 

MDS. Wohlumgeschüttelt. 

ZweisUlndlich 1 Esslöffel. 
Im Februarheft des Journal de Pharmacie empfiehlt 
Dupasquier die Tablettenform fllr das Naphthalin und zwar 
^ Naphthal. gr. \ 

sacchar. alb. gr. XVj 

Mucil. Tragacanth. 
q. s. ut fiat Masse e qua formet. 

Trochisotts. D. dos. etc. 



314 Beärüge zur Ihtorta m^dioft. 

Dea Tages 20 bis 30 PastÜfen zu verbrauchen gegen 
ehroniscben Lungenoatarrh. 

3. Ueber ArzeneimitMferfälscbang. 

Die Fälscbnng von Anseneimittehi ist nicht eben selten^ 
besonders aber klagt man darüber in PraiAreich. Das Joar* 
nai de Ctiemie m^dical enthält fast in jeglicher Nammer 
Mittheihingen von Fälschung. Solche Mittheihingen scheinen 
auch hier um so noth wendiger, als leider nodi gewisse 
chemische Präparate aus Paris bezogen werden, wie dies 
z. B. mit dem milchsauren Eisenoxydnl der Fall ist. Der 
Apotheker Pelletier zn Douö machte auf die Fälscbong 
des eben beonerkten Präparates aufimerksam ; es bestand 
dieses aus emer Uschcmg von 12 TheQen fein zerriebenen 
Milchzuckers und 4 Theilen schwefelsauren Bisenoxyduls. 
Derselbe bezog von einer Handlung gepulverte Bnzianwur- 
zel, welche zu fiOf gelben Ocker beigemengt enthielt; der 
Pharmaoeut Eugen Marchand machte auf die^ Fälschung 
des Harnstoffs durch salpetersaures Kali aufmerksam, wel- 
ches 75 f des Präparates betrug; Apotheker Kriphenkove 
führt die Fälschung des essigsauren Morphiums und des 
Yeratrin's durch schwefelsauren Kalk oder Magnesia an, 
welche Stoffe bisweilen den zehnten Theil der Alkaloide be- 
tragen. Pharmaceut Prul erwähnt der Fälschung des schwe- 
felsauren Kupferoxydes durch schv^felsaures Eisenoxydul 
und Alaun. Der Pharmazeut Lepage zu Gisors bemerkt, 
dass selbst die Zuckersäfte, wie Altbeesynip, Gummisyrup, 
Opium und Mohnsyrup, Jpocacuanhasyrup, Rosenhonig u. 
s. w. verfälscht werden. Prof. Magonii zu Bordeaux fiihrt 
verschiedene zum Theil sehr gr?ft>liche Fälschungen an: 
Jndigo fand er auf 3 verschiedene Weisen verfälscht: mit 
Meipulver, das durch emsiges Reiben geschmolzenen Bleies 
in einem Steingut- Gefässe bereitet wird; eine Fabrik be* 
schäftigte sich einzig und allein mit Darstellung dieses ver* 
fälschten Indigos. Femer mit einem blauen Thonerdelack; 
dieser Indigo hinterliess beim Verbrennen | seines Gewich- 
tes Alaun-, Kiesel- und Kalkerde. Endh'ch mit Jodamylon, wel • 
ches sich leicht durch verdlbinte Kalilauge nachweisen lässt. 



Beiträge sur Materia medica. 315 

Ue Cootaenille fand Magonti bU su SOf mit Bleimetali 
vermischt; man kann diese Verßilschimg aagenblioUioh dunsh 
das Bestimmen des spez. Gewichtes erkennen. Der Salpe- 
ter wird durch StUcken Thonerde, die mit Salpeterpulver 
überstreut sind, durch Seesalz verfklscht; auch YerOÜschun* 
gen der Seife mit Thonerde in dem Masse, dass der beim 
Verbrennen bleibende Rückstand f vom Gewicht der Seife 
beträgt, ist beobachtet worden. (Joum. d. Chemie m^dic. 
de Pharm, et Toxicol. Decbr 1842 u. Febr. 1843.) 

Dass dieser Industriezweig auch in Deutschland kulti- 
virt wird, ist ein öffentiiches Geheimniss, ich mache nur 
auf die Fälschtmgen des Höllensteins, des Chiidns und 
CMnchonins aufmerksam. Wttnschenswerth wären Mitlhei* 
lungen über diesen Gegenstand. 



Anzeigen verscbiedenen Inhalts. 

In dem Laboratorium des Dr. Franz Simon sind die 
wichtigsten nähern Bestandtheile des Thierkörpers darge* 
stellt worden. Es sind von diesen Präparaten Sammlungen 
angelegt worÜen, welche sich dazu eignen, sowohl die phy- 
sikalische Beschaffenheit derselben, als auch ihr Verhalten 
gegen Reagentien zu demonstrjren. Die Präparate befinden 
sich in cylindrischen Gläschen, welche in einem passenden 
tragbaren Kasten eingeschlossen sind; solcher Kasten ent- 
hält gewöhnlich folgende Stoffe: 1 ProteYnverbindungen: 
Proteen, Albumin, koagulirtes und unkoagulirtes, Albumin der 
Krystalllinse, Albumin des Gehirns, KaseKn, Krystallin; 2. Blut- 
bestandtheile: Blut, Haematoglobulin, Serum sanguinis, Hae- 
matin^ Haemaphaein. 3. Extraktive Materie: Wasserextrakt, 
Alkoholextrakt, Spiritusextrakt 4. Gehimfette : Cerebrinsäure, 
Oelphosphorsäure. 5. Gallenbestandtheile: Galle, Bilin, Gho- 
lobilifelinsäure, Gholinsäure, Fellnsäure, Lithofelinsäure, Bili- 
phaeXn, Biliverdin. 6. Hambestandtheile: Harnstoff, Harn- 
säure, hamsaures Ammoniak, Sedimentum laterilium, Hip- 
parsäure. 7. Zuckerarten : Milchzucker, Hamzucker, OelsUss. 



316 ' Beiträge zur Materia medica« 

8. MilohsSure. 9. Fette: Olein, Margarin, Stearin, Oelstfui«, 
Margarinsäure , Steariosäore, Cholesterin, Serelin. 10. Kno- 
cbenbestandthefle: Glutin, Chondrin, Ossa calcinata, phoe* 
phorsaurenEalk und Magnesia. Fikr Lehrer der Physiologie oder 
Pathologie dürften solche Sammlungen von Interesse sein. 

Reagenzkasten für pathologisch -chemische Untersuchun- 
gen sind nach Angabe des Dr. Franz Simon von der Hand- 
lung physikalischer Instrumente etc. Ho ff mann und £ber- 
hardt in Berlin angefertigt worden. Dieselben enthalten an 
Reagentien in grossen Gefässen: Salpeterstore, Essigsäure, Sal- 
miakgeist; in kleinem Gefässen: Salzsäure, Sohwefelsäiire, es- 
sigsaures Blei, salpeteraanres Silber, schwefelsaures Kupfer, 
Platinchlorid, Quecksilberchlorid, kaustisches Kali, Kaliumei« 
sencyanUr, Ghlorbaryum, oxalsaures Ammoniak, Eochsahlö* 
sung, Gallustmktur und Jodtinktur; an Gerätbschaften ent- 
halten sie: ein Reagenzstativ mit Gläsern, eine Spirituslampe 
von Glas, Glascylinder und Trichter, ein Sandbad von Eisen, 
Platindraht, Platinblech, Pinzette, Abrauchschaalen, Glasstäbe 
und Spritzröhrchen und einen eisernen Dreifuss. Der Preis 
eines solchen Kastens von Mahagoni beträgt 10 Rthln; ein 
Löthrohr wird auf Verlangen beigegeben und separat be- 
rechnet. 

Dieselbe Handlung hat auch kleine portaüve Apparate 
zur chemischen Diagnostik zusammengestellt, welche bequem 
und ohne Gefahr getragen werden können; in denselben 
befinden sich an Reagentien: Salpetersäure, Sahniakgeist, 
verdünnte Schwefelsäure und Reagenzpapier; an Apparaten: 
eine Spirituslampe, einige Reagenzgläser, ein Porzellanlöffel, 
Platinblech und Pinzette. Der Preis dieses Portativs beträgt 
3 Rthlr. 10 sgr. 



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Veber Herstellnng nnd Aufbewahrnng mikrosko- 

piscber Präparate 

von 
Hr. OsebaiB* 



(Nachtrag zu Seite 128.) 

Seit BekannlmacbuDg der ersten betreffenden MittheiloD* 
gen in diesem Journal ist es dem Verfasser gelungen, einige 
Erweiterungen und Abänderungen des angegebenen Verfah- 
rens zu ermitteln, die geeignet sein dtkrften, die Benutzung 
desselben zu erleichtern. 

Besonders günstig war diesen Bestrebungen die Förde- 
rung und Anregung, deren dieselben vom Herrn Geheimen 
Rath Mitscherlich für werth erachtet wurden. Der Ver- 
fasser fühlt sich gedrungen, seinen Dank für die Liberalität 
auszusprechen, mit der ihm die Benutzung der vorzüglich- 
sten Mikroskope und der reichen Hülfsmitiel des Laborato- 
riums gestattet worden ist 



Die im ersten Hefte gehegte Hoffnung einer endlichen 
genügenden Herstellung des mikrofomischen Supports ist un- 
ter beträchtlichen Vereinfachungen dieser Vorrichtung reali- 
sirt worden. Es lassen sich gegenwärtig bei geeigneten Ob- 
jeclen mit HMfe desselben VölUg gleichmässige Durchschnitte 
von 0,006«»*' (yfö'") erlangen. Eine Beschreibung des Mecha- 
nismus würde indess den Zwecken dieser Beiträge zu fern 
liegen, und muss deshalb späteren Mittheilungen in einem 
besonderen Werke überlassen bleiben. 

Von aOgemeinerem Interesse für die Herstellung mi- 
kroskopischer Durchschnitte ist ein Verführen zur feineren 

Simon BeitrKge 1. 3. 21 



318 lieber Herstellung u. Aufbewahr, mikrosk. Präparate 

Schärfung der Messer, das zwar den Mechanikern und Tech- 
nologen nicht unbekannt ist, von den InstrumentenmacherD 
jedoch fast gar nicht in Anwendung gebracht wird. Da Je- 
der sich die nöthige Fertigkeit leicht aneignen kann, die Ab- 
hängigkeit vom Instrumentenmacher aber mitunter unbequem 
ist, so möge die Angabe der erforderlichen Vorrichtung 
hier folgen. — Statt der ebenen Schleifsteine und Abzugs- 
steine bedient man sich matt geschliffener Glasplatten von 
verschiedener Feinheit. Auf den gröberen wird Schmirgel, 
auf den feineren Zinnasche in Oel als Schleifmittel mit einer 
kleinen Reibscheibe gleichmässig vertheilt. Dergleichen Schei- 
ben haben vor den Steinen den Vorzug, dass sie weit län- 
ger eine ebene Fläche behalten, dass man ihnen ein belie- 
big feines Korn geben kann und dass sich durch Auswahl 
des Schleifpulvers die grösste Feinheit der Schneide erlan- 
gen lässt. Dabei ist die Abnutzung des Messers äusserst 
gering, so dass ein Abschleifen auf dem Rade weit seltener 
erforderlich wird. 



Rei dem vom Verfasser in Anwendung gebrachten Ver- 
fahren mikroskopische Präparate einzuschliessen, war es 
besonders unbequem, dass dieselben unmittelbar nach der 
Anfertigung sich wegen der noch weichen Umschliessung 
nur mit grosser Rehutsamkeit unters Mikroskop bringen lies- 
sen. Dieser Uebelstand veranlasste Herrn Dr. Mun- 
ter folgenden Weg einzuschlagen. Auf ein grösseres Stuck- 
chen Spiegelglas, etwa vom Format der gebräuchlichen mi- 
kroskopischen Objectträger, wird das Präparat in der Auf- 
bewahrungsflUssigkeit ausgebreitet, dann ein Deckgläschen 
übergelegt und durch sorgrältiges Abtrocknen die nicht iü>er- 
deckte Flüssigkeit entfernt. Hierauf verbindet mau den Rand 
des Deckgläschens und die angrenzenden Stellen der Unter- 
lage durch Peronschen Kitt (eine zusammengeschmolzene 
Mischung von Wachs und Kolophonium filr unsem Zweck in 
tingefahr gleichen Theilen), welchen man an einen erhitzten Me- 
tall- oder Glasstabe flüssig gemacht hat. Erforderlichen FaUes 



Ueber Herstellang u. Aofbewabr. mikroglL Präparate. 319 

Uissi sich das Präparat durch eine Zwiachenlage vor der Pres- 
sung durch das Deckgifiachen schützen. Der Vorzug dieses Ver- 
fahrens besteht in dem sdinellen Erhärten der Umschlies- 
sungsmasse und in ihrer gänzlichen chemischen Indifferenz 
gegen wässerige Flüssigkeiten. Indess ist der Zeitaufwand, 
den eine jede Umschliessung erfordert, nicht unbeträchtlich, 
weshalb der Verfasser eine Abänderung in Anwendung ge- 
bracht hat, bei der durch vorangehende Zurichtung eine 
grossere Bequemlichkeit für den Moment des Binschliessens 
erlangt wird, besonders, da man die erforderliehen Vorbe- 
reitungen nicht selbst auszuführen braucht. Dieselben be- 
stehen in Folgendem. Man überdeckt auf einer Unterlage 
von Spiegelglas einen oder einige der Grdsse der Präparate 
entsprechende Stellen mit Blättchen von Ichlhyokollamasse, 
die man durch Wasser zum Anhaften bringt und überaeht 
dann die Fläche einige Mal mit feinstem Kopalspirituslack, wel- 
cher sehr schnell trocknet. Da diese Blättchen von Gelatine, 
wie sie unter dem Namen Glaspapier im Handel vorkommt, 
ungeachlet ihres sicheren Haflens sich sehr leicht trocken 
ablösen lassen, so erhält man durch Entfernung derselben ge- 
nau umgrenzte Räume, in welche die Präparate mit der Auf- 
bewahrungsflüssigkeit eingebncht werden können. Hat man 
dann ein Deckgläschen angelegt, so lässt sich die überge- 
tretene Flüssigkeit mit einem Pinsel leicht vom Kopallack 
vollständig wegnehmen und man darf nur noch den Rand 
des Deckgläschens mit Kopallack umziehen, um einen sehr 
sichern hermetischen Verschluss des Präparates zu erlan- 
gen. Des besseren Aussehens wegen kann man den Kopal- 
lack durch Zusatz von feinem Kiehnruss schwärzen, wobei 
zugleich der Grad der Deckung einen Maasstab für die gleich- 
massige Auftragung der Masse abgiebt; dass hierbei diese 
UeberzugSBchicht zugleich als schützende Zwischenlage für 
die Präparate dient, ist einleuchtend. 

Für dickere Objekte, z. B. Hühnerembrya u. dgl. ist statt 
der Auftragung von Kopallack das Aufkleben eines Ringes von 
Kartenpapier oder dünner Pappe zu empfehlen, den man zuvor 
stark mit Kopallack überzogen hat. 

21* 



318 lieber Herstellung u. Aufbr ^^,^?tx8k. Präparate. 




SchärfuDg der Messer, das y ^naoA vor Beschädigung zu 
nologen nicht unbekann' /^^ff^fieoi für die Einordnung in 
jedoch fast gar nicht i ^/y^ etforderlich, zuerst ein Blatt 
der sich die ndthige ' ' ^des Deckgläschens auf die Trag* 
hängigkeit vom lns( y -.^em Oeffnungen an den Stellen der 
ist, so möge dir >^5iad und dann hierüber ein Blatt star- 
hier folgen. — y'^'^essea Oeffnungen mit den ausgespar- 
steine bedient f^j^^tfitor liegenden Glasplatte correspondi- 
verschiedene y^ea bieten dann hinlänglichen Raum zu ge- 
auf den fei -yt, der Präparate dar. 




/: 



kleinen R' 

ben hah ^ auf die Aufbewahrungsflüssigkeiten für thie- 
ger ei /J^^ ^'^ ^ bemeriien, dass sich neben der Ar- 
big ' /jf0^% ^^^ ^^^ Allen Thomson angegebene Mi- 
def />^r brauchbar erwiesen hat, nur ist eine weit ge- 
¥ /f Quantität der Salze schon ausreichend; es genügt 
y^^en, wenn man statt J (Unzen) 3 (Drachmen) setzt 
j^em hat sich in vielen Fällen auch für animalische 
j^te concentrirte Zuckerltfsung, die nur manche Präpa- 
jß zu durchsichtig macht und die Grenzlinien nicht scharf 
^verscheiden lässt, als sehr geeignet erwiesen. Namenilich 
listen sich Blutkörperchen und einige Infusorienarten, z. B. 
fuglena, in ihr ausgezeichnet gut 

Noch möge die Notiz hier Platz finden, dass die 
Bssigsäure, eins der vorzüglichsten Reagentien bei Unter- 
suchung thierischer Objekte, für die Pflanzenphysiologie 
gleicUalls ein sehr wichtiges Hülfsmittel abgiebt, indem sie 
in den jüngsten und zartesten Gebilden, deren Struktur 
man gewöhnlich wegen des trüben Inhaltes der jungen Zel^ 
len nur schwer erkennen kann, durch theilweise Auflösung 
dieses Inhaltes den Bau des Zellgewebes in schönster Klar- 
heit hervortreten lässt Es ist rathsam, die Essigsäure hier- 
bei ziemlich concentrirt anzuwenden. 

Berichtigung: Im ersten Heft S. 131. Z. 16. v, o. muss es 
statt Smith heissen: Adams. 



lieber das Verhalten der schwefeligen Säure und 

der Essigsäure, so wie des chromsauren Kalis 

zu verschiedenen thierischen Substanzen 



vom 
in Greifswalci. 



1. 

Die schweflige Säare ist naoh ihrem Verballen zu den 
ProteYb-Verbinduogen und anderen thierischen Stoffen nicht 
geprüft worden. Nur vom Blute weiss man, dass es von dem 
sohwefligsauren Gase brSunlich roth gefUrbt und nach län- 
gerem St^en verdickt wird, ohne es aber zu einem Gerin- 
sel zu coaguliren. IMe Bräunung des Bluts durch diese Säure 
ist eine brauchbare Reaction, wenn die Frage entsteht, ob 
an thierischer Stoff gänzlich vom Blute oder Blutroth be- 
freit ist oder nicht; findet das Letztere statt, so wird der 
auch ganz weiss erscheinende Körper noch ein wenig bräun- 
lich, wenn man ihn eine Zeitlang in schweflige Säure ent- 
haltendem Wasser liegen lässt. Dies Verhalten kann auch in 
der Mikroskopie benutzt v^erden. Wäscht man Muskelsub- 
stanz oder Blutfaserstoff so weit aus, dass sie ganz weiss 
erscheinen, so kann doch noch Bräunung durch die längere 
Einwirkung von schwefliger Säure eintreten, und erst, wenn 
diese nicht eintritt, kann man sicher sein, dass der Faser- 



322 Ueb. d. Verhalt d. schweflig. Säure u. d. Essigsäure etc. 

Stoff oder das Faserstoffgebilde vom Blute rein ist. Mar- 
chand (vergl. dessen physiolog. Chemie S. 149.; s. auch 
Simon, Handb. der angew. mediz. Chemie II. S. 524.) hält 
es fUr möglich, dass das Blutroth mit dem Muskelfaserstoff, 
unter gewissen Bedingungen, eine besondere Verbindung 
eingehe; das Verhalten der schwefligen Säure schien mir 
in mehreren Fällen dafür sehr zu sprechen. Simon (vergl. 
dessen Handb. der angew. medic. Chemie I. 32.) meint, dass 
die physikalischen, namentlich die Consisteozzustände des 
Faserstoffs verschiedener Art zu sein scheinen; dieser Um- 
stand würde dann auch wohl bei der möglichen Verbindung 
von Blutrolh und Faserstoff in Betracht kommen, vorausge- 
setzt, dass die chemische Beschaffenheit des Baserataffs überall 
ganz dieselbe ist, was nicht so zu sein scheint Gewiss ist 
es, dass die Faserstoff-Gerinsel in verschieden Blutarten: Och- 
sen-, £alb-, Schwein-, Hammel- Kaninchenblut u. a., zur 
Befreiung vom Blut oder richtiger zum Weisswaschen ver- 
schiedene Zeiten fordern. In meiner Preisschrift ober das 
Blut habe ich angegeben, dass das mit schwefliger Säure 
gesättigte Blut nach 7 bis 8 wöchentlichem Stehen zu einer 
nur sdiwach bräunlich -gelben Flüssigkeit entfärbt wurde, 
dass die davon abfiltrirte Flüssigkeit auf Cyaneisenkalium, 
Galläpfeldedoot und den Geschmack wie eine schwache Auflö- 
sung von mit thierischem Stoff gemengtem Eisenoxydulsalz rea- 
girte *) und nach dem Zusatz voa etwas Alkali vollends beim 
Erhitzen wieder geröthet wurde. Die schweflige Säure 
verhsdt sich zu dem Eiwms, dem Serum, der alkalischen 
Auflösung des Faser8i<^ wie die Essigsäure, sie unterschei- 
det sich aber wesentlich von derselben bei der Einwirkung 
auf Milch und alkalische Käsestoffauflösung; denn schweflige 
Säure bringt die Milch nicht zum Gerinnen, und diese bleibt 
auch beim Erhitzen uncoagulirt. Erst nach längerem Stehen 
entsteht Coagulaüon, die aber vielleicht nur von gebildeter 



*) Scherer hat dargelegt, dass auch mittelst verdünnter Schwe- 
felsäure das Bisen aus dem trocknen Blutkuchen ausgezogen 
werden kann. 



Ueb. d. Verhall, d. sohweflig. Säure u. d. BssiggSure etc. 323 

Schwefelsäure herrtthrt. Bringi man schweflige Säure 
im Ueberschuss zu einer alkalischen Auflösung des Käse- 
stoS^ so eutstehi kein Niederschlag, sondern die Auflösung 
bleibt klar, dagegen coaguUrt bekanntUoh die Essigsäure die 
Miicb und so auch die alkalische Auflösung des GaseÄns (der 
Kuhmilch), und erst bei sehr reichlichem Ueberschuss im 
letzteren Fall und gleichzeitigem Eriiitzen löst sieh der Käse* 
Stoff wieder auf. Es ist bemerkenswerth, dass die beson- 
dere Koaguiationsweise, die der Käsestoff zeigt, auch durch 
die Auflösung in Alkali nicht verloren geht, so dass der Ge- 
übte sehr wohl ein GaseYn-Coagulum von einem Albumen- 
und Fibrin -Goagulum unterscheiden kann. Die schweflige 
Säure trilbt und fallt auch nicht beim Ueberschuss die filtrir- 
ten alkalischen Auflösungen von Kalb- und Rindfleisch, Hirn-, 
Nieren- und Milzsubstanz, von Leim, Homgewebe, Gefösssub- 
stanz. Die filtrirte Auflösung der Krystallinse (vom Rind) in Was- 
ser wird ebenfalls nicht von der schwefligen Säure getrübt 
Sättigt man Biweiss mit derselben, so wird es zum 
Theil coagulirt, während Blut und Serum erst nach länge- 
rem Stehen verdickt werden, und letzteres gallertförmiga 
Massen ausscheidet Die schweflige Säure verbindet sich 
mit dem Protelfn nach Art der Essigsäure, und die Verbin * 
düng wird beim Erhitzen aufgehoben. Während nun also 
dasEiweiss, das Serum, die wässrige Auflösung derKrystall- 
Knse von der Essig- und schwefligen Säure, wenn sie nur 
im Uebersdioss hinzukommen, nicht getrübt und gefällt wer- 
den, so findet dies doch statt, wenn sie zuvor i^l Stunde 
mit verdünnter Natronlauge im Wasserbade behandelt wer- 
den; doch gab das Biweiss mit schwefliger Säure nur eine 
geringe Trübung. Gleichwohl sind die Fällungen in mehr 
Säure, wenigstens bei geringem Brhitzen, auflöslich. Welche 
Veränderungen hierbei das Alkali bewirkt, muss ich ganz 
im Zweifel lassen, man könnte vermuthen, das durch 
eine schwache Einwirkung von Alkali CaseKn entstehe'*'). 



*) Ekke ähnliehe Ansicht spricht Simon aus, s. dess. Handb« 
d. angew. med« Chemie U. S. 569. 



324 Ueb. d. Verhall, d schweflig« Säure u. d. EssigsSure etc. 

Die Veränderung durch starke Einwirkung des Alkali ist 
bekannt. 

Im Verhalten zum Eiter wirkt die schweflige Säure 
der Essigsäure gleich bei dem von mir geprüften Abscess- 
Eiter und phthisischen Eiter, d. h. sie verursachte auch im 
Uebarschuss in der filtrirten alkalischen Auflösung dersel- 
ben reichliche Trübungen und Niederschläge, die auch bei 
reichlichem Zusatz der Säure und beim Erhitzen blieben, 
wenigstens zum Theil; aber sie wirkte verschieden bei der 
Anwendung eines Wundeiters, indem dessen alkal. Solution 
von der sehwefeligen Säure nicht getrübt wurde, wie es 
durch Essigsäure geschah. Bei dieser Gelegenheit habe ich 
mich von der Eigentbümlichkett des dem Schleimstoff ver- 
wandten PyYns, wie sie Güterbock darlegte, und Simon 
sie bestätigte, überzeugt, obschon ich damit nicht gesagt 
haben will, dass das Py'in ein eigenthümlicher ihierisoher 
Stoff sei, wofür ihn auch Simon nicht hält. Der Fettge- 
halt des Eiters ist in der That immer in der Menge zuge- 
gen, dass der getrocknete Eiter auf einem Porzel/anscher- 
ben oder Platinblech über dem Weingeiste lange mit heller 
Flamme brennt, wie es Güterbock ermittelte. 

Die Unterscheidung des geronnenen und in Alkali auf- 
zulösenden Käsesloffs vom Albumin, Fibrin hat grosse Schwie- 
rigkeiten, wenigstens für den Ungeübten, und besonders, 
wenn er mit andern ProteYn- Verbindungen gemengt ist; denn 
der alkalischen Auflösungen von Albumin- und Fibringebil- 
den, wie namentlich die oben bemerkten, die von Blutfaser- 
stoff, Muskelsubstanz u. a. m., geben mit Essigsäure im Ue- 
berschuss auch oft Trübungen und Fällungen, die nur da- 
durch von denen des Gasefns sich unterscheiden, dass sie 
schon in einem kleinen Ueberschuss von Essigsäure ver- 
schwinden, während das ^ase'fn einen reichlichen Ueber- 
schuss fordert; doch wissen wir durch die Untersuchungen 
Simonis, dass das Gase'i'n sich nicht überall gleich verhak, 
dass das der Frauenmilch namenUich nur unvoUsändig von 
der Essigsäure gefällt wird. Es würde für das geronnene 
Caseln ausser der elementar-analytischen Probe nur das eigen- 



Ueb. d. Veriialt d. schweflig. Säure u. d. Bssigsfiure elc. 325 

thümliche Verhalten zum Alkohol als Unterscheidungsmittel 
bleiben; doch auch dieses scheint nicht Überall Stich zu 
halten, und ist praktisch wenig brauchbar. Die alkalische 
Auflösung des Pflanzeneiweisses, des Klebers, Legumins, 
Emulsins, welches letztere schon bei der Digestion mit schwa- 
cher Natronlauge merklich Ammoniak entwickelt, verhält 
sich zu Essig - und schwefliger Säure dem Casefn sehr 
ähnlich; es kamen die beim Erhitzen verschwundenen Trü- 
bungen und Fällungen in der Überschüssigen Säure beim 
Erkalten wieder zurück. — 

Die alkalische filtrirte Auflösung von (vollkommen ausgebil- 
deten, festen, entfetteten) Tuberkeln des Mesenteriums gab, 
mit überschüssiger Essig- und schwefliger Säure versetzt, 
reichliche Niederschläge, die bei Zusatz von noch mehr Säure 
und Erhitzen grOsstentheils verschwanden. Wahrscheinlich 
sind sie ein eigenthümliches Gebilde von ProteYnverblndung 
und Gefässsubstanz, jenes vielleicht im Uebergange zu Ca- 
setn; die essigsaure (vorher alkalische) Auflösung wurde durch 
Kaliumeisencyanür nur schwach gefällt. — Der grössere 
Theil der Tuberkelsubstanz wies durch sein chemisches Ver- 
halten auf eine Aehnlichkeit mit der Nierensubstanz bin. — 

2. 

Im Jahre 1836 habe ich einen Aufsatz über die Reac- 
tion die Chromsäure zu verschiedenen thierischen Stofiien 
publicirt. Simon hat sie für die Diagnose weiter beach- 
tet und gezeigt, dass man statt der Chromsäure auch dop- 
pelt chromsaures Kali anwenden könne. Derselbe bemerkt 
S* 541. seines ausgezeichneten Werkes, der medic. analyU 
Chemie: Doppelt cbromsaures Kali der Eiweisslösuug zuge- 
setzt, und dann höchstens zwei Tropfen verdünnte Chlor- 
wasserstofflsäure, erzeugen augenblicklich einen starken gel- 
ben Niederschlag. Ist die Eiweissauflösung sehr verdünnt, 
die doppelt diromsaure Kalilösung so diluirt, dass sie hell- 
gelb aussieht, so erfolgt bei der Vermischung und HinzulÜ- 
gung von einem Tropfen Ghlorwasserstoffsäure keine Fäl- 
lung; nach einigen Minuten aber tritt eine gelbliche Trübung 



326 Ueb. d. Vertudi d. schweflig. Säure u. d. Essigsäure öle. 

ein. Um das Verhalten der Ghromsüure uftter mOgUchsi 
gleichen und für medicioisch- analytische Zwecke brauohba* 
ren Umständen zu prttfen, digerirte ich die folgenden thieri- 
schen Stoffe und Gebilde mit einer schwachen Natronlauge im 
Wasserbade i — 1 Stunde: EiweisSi Bhitoerum, KrystalUinse, 
Gehimsubstanzy Blutfaserstoff, Muskelaubstanz, gekochtes und 
gebratenes Fleisch^ (vomBind), Käsestoff, Käse, Emulsin, frische 
Klebermasse durch Auswaschen von Weizenmehli Kleber- 
masse, die lange mit Weingeist gelegen, und zu einer krfim- 
lig-fadigen Masse zergangen war, Kleber, der durch Ab< 
dampfen der Spirituosen Auflösung chatten worden, Legu- 
min, Nierensubstanz, Tuberkebif Wundeiter, phthisischer Eitw, 
Abscesseiter, Homgewebe, Schleimgewebe, Gefässsubstans, 
Speichel, Schleim und Leim. Die alkalische Solution wurde 
mit Essigsäure übersättigt, erhitzt und nach dem Erkalten 
filtrirt. ich versetzte nun die einzelnen sauren Lösungen 
mit dem doppelt chromsauren Kali; es wurden nicht oder 
kaum getrübt: Hörn- und Schleimgewebe, Schleim, Speichel, 
Geflisssubstanz, Balkengewebe und pulpöse Masse der Milz, 
Legumin, der Kldi>er und das Pflanzeneiweiss. Auch die Ge- 
hirn- und Nierensubstanz, so wie die Tuberkeln gaben nur 
eine geringe Trübung und Fällung. Dagegen wurden mehr 
und weniger reichlich gefällt, und zwar a) dottergelb, pul- 
pös und reichlich: Leim, Eiweiss, vor und nach der Behand- 
lung mit Alkali, ebenso die KrystaUinse; b] dottergelb, kä 
sigt und reibhlich: Käsestoff, Eiter, Emulsin; c) dottergelb, 
pulverigt-flockig, und nicht reichlich: Biutfaserstoff, rohes ge- 
kochtes iukI gebratenes Fleisch. 

Alle Niederscibläge, welche das Ghromsalz hervorbringt, 
sind in der sauren essigsauren Flüssigkeit insgemein nur 
beim Erhitzen auflöslich und kommen dann beim Erkalten 
wieder. Das dottergelbe Goagulum, welches das Ghromsals 
in der kalten Leimaufltfsung für sich hervorbringt, ver- 
schwindet schon beim Erhitzen, kommt id>er doch beim Er- 
kalten wieder. Das Chondrin (ich wendete Gekukknoipel 
an) verhält sidi wie Leim; doch bemerkte ich bei der an- 
gestellten Probe, dass die Ghondrinauflösung erst beim Zu- 



Ueb. d. Verhalt, d. schweflig. Säure u. d. Essigsäure etc. 327 

satz von etwas Essigsäure gefüllt wurde. Ein Zusatz von 
Salpeter- oder Salzsäure zu dem gelben Glutin- oder Chon- 
drincoagulum löst dieses leicht auf, wodurch es von dem 
der Proteen -Verbindungen verschieden ist, welche bleiben, 
oder umgesetzt werden in die entsprechenden von jenen 
Säuren. In alkalischen Flüssigkeiten sind die Ghromsalz- 
niederschlage leicht auflöslioh. Setzt man das Ghromsalz 
zu den sauren schwefeligsauren Auflösungen, so entsteht 
eine Fällung von Ghromoxydul und ProteYnverbindung, die 
sich aber in der sauren (grünen) Flüssigkeit bald vertheilt 
und auflöst, was aber beim Käsestoff erst beim Erhitzen 
statt findet. 

Der Nutzen des Chromsalzes als Reagenz liegt am mei- 
sten in der Farbe der Niederschläge. Eine so weit ver- 
dünnte Eiweissauflösung, dass sie beim lochen eine kaum 
bemerkbare Opalescenz zeigte, wurde von Chromsäure, oder 
chromsaurem Kali und Essigsäure noch deutlich durch ein 
dottergelbes Gerinsel angezeigt, besonders nach dem Er- 
hitzen mit «Digen Tropfen Salzsäure und Wiedereikilten. 
Wenn man sich auf die specielle Prüfung der prote'fnösen 
und nicht proteYnösen Stoffe in ihierischen Gebilden einiässt, 
um audi für den Gomplex derselben eine günstige Diag- 
nose zu gewinnen, so trifft man auf so viel Abweichendes 
und Unsicheres, dass man erst recht einsieht, wie viel noch 
für diesen Gegenstand zu thun ist, und wie wichtig es wäre, 
dass ausgedehntere c<Hnparative Versuche gemeinschaflUch 
aogestelll würden, worauf von allen neuern physiologisch« 
chemischen SchrifLen am meisten die von Simon hinweist, 
von dessen eifriger Benutzung einer schönen Gelegenheit zu 
zoochemischen Versuchen, wenn sie collegialiscb unterstützt 
wird, wichtige Materialien für die physiologisch -chemische 
Zukunft zu erwarben stehen. 



Ueber die Balkengewebe und die pnlpose Snb^ 

stanz der Milz 



von 
Professor Hftiiefelil 

in GreifBwald. 



Im Veriauf der ^vorstehenden Versuche war meine Auf« 
merksamkeit auf die eigenthünüiche Substanz der Milz, be- 
sonders auf das Balkengewebe derselben, gerichtet Den 
festen, eigenthümlich gebauten Theil der Milz erhält man 
leicht gesondert, wenn man aus dünnen Scheiben der frischen, 
einige Tage in essigsäuerlichem Wasser macerirten Milz, mit- 
telst eines etwas stumpfen Messers das Blut und den ttbri« 
gen Inhalt unter massigen Druck und öfterem AbsptUen 
ausstreicht, und das Gewebe mehrmals abspült Die 
Milz vom Hunde und Menschen gestattet diese Sonderung 
leicht Die so behandelten Milzscheiben, auf einer Glastafel 
ausgespannt und mit der Loupe betrachtet, zeigen eine Zu- 
sammenfUgung von anscheinend muskulären (zwischen der 
äussern Haut der Milz ausgespannten) Fasern, die an die 
Trabeculae cordis erinnern. Sie sind auch Trabeculae lie- 
nis^ Balkengewebe, genannt worden. Um das Balkenge- 
webe vollkommen zu sondern von der pulptfsen Masse und 
der äussern Haut der Milz, zerrieb und zerstampfte ich es 
mittelst reinen Sandes, goss den mit Wasser verdtinnlen 



Ueb. d. BaOiLengewebe u. d pulpi^se Substanz d. Milz. 329 

Brei durch ein massig dichtes Haarsieb , welches die pul- 
pöse Masse hindurchUissty und das Balkengewebe zurück- 
Uisst, von dem nun die von der äussern Milzbaut befreiten 
Partieen leicht ausgesucht werden können. Die so geschie- 
denen Milzgebilde: das Balkengewebe und die pulpöse Hasse 
wurden mittelst essigsäuerlichen Wassers mehrere Tage aus- 
gewaschen. Das Balkengewebe löste ich nun in schwacher 
Natronlauge im Wasserbade auf, und versetzte es mit einem 
Ueberschuss von Essigsäure, in einem andern Falle mit 
schwefeliger Säure: es wurde nicht gefällt, und ein Zusatz 
von Chromsalz zu der essigsäuerlichen Flüssigkeit gab keinen 
Niederschlag. Ebenso zeigte auch das Ausbleiben eines sol- 
chen durch Gyaneisenkalium, dass das Balkengewebe kein 
Prote'üigebilde ist, wenn anders es feststeht, dass dieses 
Reagenz jedes Proteingebilde fällt Ebenso verhielt sich die 
Gefässsubstanz, die Substanz der Nieren, die des jungfräu- 
lichen Uterus und die pulpöse Masse der Milz. Die Trabe- 
culae lienis tragen, wie bekannt, eine rothe pulpöse, aus 
braunrothen förochen bestehende Masse, in welche zuletzt 
alle feinste pinselförmig verzweigte Anterien gehen. Die 
weissgrauen, theiis rundlichen, theils ovalen Milzkörperchen 
Malpighi's ,sind nach J. Müller's Ui\|;ersuchung wahr- 
scheinlich dickwandige Bläschen, welche eine, aus unregel- 
mässig kugelförmigen, fast gleich grossen, weissen KöQ>ercben 
bestehende breiigeMasse enthalten, welche (nicht zerfliessende) 
Bläschen an den Aesten der Mllzarterin-Stämmchen als blosse 
Auswüchse der Scheiden sitzen. Ich habe früher angege^ 
ben, dass der feste, eigenthümlich gebaute Theil der Milz 
sich in heisser Salzsäure mit bräunlich-rother Farbe auflöse, 
und Gyaneisenkalium diese Auflösung fällt, und dass sie 
sich also wie ein Faserstoffjgebilde verhalte. Diese Fällung 
rührte wahrscheinlich von dem noch nicht völlig entfernten 
Blut her, abgesehen davon, dass die in Salzsäure mittelst 
Erhitzung bewirkten Auflösungen thierischer Gebilde sich 
für die Erprüfung der Reaction des Gyaneisenkaliums nicht 
recht eignen, vor Täuschungen nicht so sichern, wie die mit 
Essigsäure versetzten alkalischen Auflösungea Das Balken- 



330 Ueb. d. Balkengewebe u. d. pulpöse Substans d. IHz. 

gewebe der Mile eriniieri am meisten an die Subatant dea 
Uterus und der Nieren, die pnlp^^se Masae der Nieren ver- 
hält sich ganz wie Gefttassnbatanz. Das Uterasgewebe löat 
sich in hoisser Salzsäure zu einer schmutzig gelben ti^en 
Flüssigkeit auf, das mit Wasser verdünnte Filtrat trübt sich 
und wird nicht von Gyaneisenkaliam gefällt. Ebenso ver- 
hielt sich die essigsäuerlich gemachte alkalische Auflassung. 
Dagegen zeigte der untersuchte Uterus von einer mehrmals 
Geborenhabenden, nach den Fällungen seiner in gleicher 
Weise bewirkten Auflösungen durch Gyaneisenkalium zu ar- 
theilen, Faserstoff- oder ProteYngehalt. Von der Substanz 
der Nieren bemerkt Ber Zell US, nach seinen Versuchen, dass 
die feste Materie, welche das Gewebe der Nieren bildet, 
weder Fibrin ist, noch solches enthält, denn sie gelatinirt 
nicht mit Säuren, und ihre saure Auflösung wird nicht von 
Gyaneisenkalium gefäUt; ebensowenig besteht sie aas Zell* 
gewebe, da sie nicht zu Leim aufgelöst wird. Am nächsten 
kommt sie noch, mit einigen kleinen Abweichungen, mit der 
Masse der faserigen Haut der Arterien überein, und dieser 
Umstand scheint es zu bestätigen, dass sie nichts Anderes 
als eine Verwebung von feinen Gefdssen ist Die chemische 
Untersuchung der. Schild- und Brustdrüse und einiger an- 
dern Drüsen zeigte mir auch keine Prote'iTngebilde, sondern 
der Mibiind Nieren analoge. Da wir mit Bestimmtheit wissen, 
dass die Adhäsion als Gapülarität eine Reihe von merkwür- 
digen physikalisch -chemischen Veränderungen hervorbringt, 
so lässt sich wohl kaum bezweifeln, dass die anatomisch 
eigenthümlich ausgebildeten Gefäss- und Gapillargefässappa* 
rate der Drüsen, namentlich auch der drüsenarUgen Organe, 
der Leber, Nieren, Milz, für die Metamorphose des Blutes 
sehr bedeutsam sein /uüssen. Die geringste Dignität unter 
diesen grossen drüsiglen Organen hat die Milz, in so fem 
sie ohne besondere Gefährdung des Lebens, wie bekannt, 
entfernt werden kann. Dass auch ohne die Milz die eigent* 
hebe Hämatose stattfinden kann, zeigt wohl das jahrelange 
Bestehen entmilzter Thiere aagenscheinUch; aber die Milz 
muss doch ihre Function haben. Nach meinen gegenwärtig 



Veto. d. Balkengewebe u. d. pulp<^ Substani d, Mflz. 381 

gen Yereudieii erinnert die chemisehe Beschaffenheit der 
Milz an eine Analogie derselben mit den Nieren (noch ahn* 
Hoher möchte sie den Nebennieren sein, die, so vid ich 
weiss, chemisch noch nicht geprüft sind), und ich wünschte 
daher wohl eine Prüfung meiner Ansicht über die Function 
der Milz, die ich in meiner oben citirten Sehr. II. S. 125. nie- 
dergelegt habe. Sie ist hier also gegeben: 

VieQeicht ist die Milz eine Art Depot für das Blut, was 
zunächst für den Verdauungsakt bestimmt ist, so dass hier 
ein für die Ausscheidung von freier Säure (Milchsäure) schon 
etwas vorbereitetes Blut gebildet wird, zugleich das Blut- 
system hierdurch weniger während des Yerdauungsaktes 
gestört wird, als es sonst geschehen würde. Es wäre nicht 
unwahrscheinlich, dass die Venen der Yasa brevia das im 
Hagen extrahirte Albumin und gebildete milchsaure Natron 
und mehrere andere Salze abf&hren, während die Arterien 
das säurehaltige Blut zufuhren. Während dieses Blut nach 
der Schleimhaut des Magens, des Dünndarms strömt, geht 
das mehr alkalische Blut nach der Leber und zu den tiefern 
Häuten der Gedärme, daher auch wohl das Blut der Leber 
und Gedärme längere Zeit flüssig bleibt, und weniger ge- 
rinnt Giesker's Ansicht ist, dass die Milz eine dem chy- 
lopoötischen System zugegebene Drüse sei, welche die nähere 
Assimilation der durch den Darmkanal aufgenommenen Sub- 
stanz zum Zwecke habe, welchen sie einerseits durch die 
Absonderung einer gerinnbaren Lymphe und deren Ergies* 
sungzum Chylus, anderseits durch besondere Veränderung 
des in ihr circulirenden Bluts und dessen Erguss zum Blut 
der Pfortader zu erreichen strebe. J. Müller bemerkt 
hierbei: Um Gewissbeit darüber zu erhalten, müsste erwie- 
sen werden können, dass die Milzlymphe ihre Farbe und 
Quantität zu gewissen Zeiten der Verdauung ändere, und 
dass die Milz wirklich zur Zeit der Verdauung blutreicher 
sei. Am a. 0. habe ich in Bezug auf die accessive Digni* 
tat der Milz für das Verdauungsgeschäft, auf Bulard's An« 
gaben des Leichenbefünds bei der Pest hingewiesen, welche 
er auf zahhreiche Beobachtungen stützt: Dünn- und Dick- 



332 Nachweis, d. Siickstoffgehalt. in organisch. Materien. 

dann, Leber, Pankreas waren normal oder doch fast nor- 
mal, der Dünndarm nie geschwttrig; aber der Hagen war 
von einer meist schwärzlichen Flüssigkeit ausgedehnt, und 
sehr verändert, selbst geschwUrig, die Milz insgemein um 
das 3 — 4fache erweitert, mit Petechien besetzt, strotzend 
von weinhefenfarbenem Blut und fast immer faulig erweicht, 
auch die Nieren sind merklich verändert, und die Lymph- 
drüsen immer angeschwollen, dunkel geßirbt, verhärtet bis 
faulig erweicht. 



Nachweisang des Stickstoffgehaltes in orga- 
nischen Materien. 

(Auszug aus dem Journal de Ghömie mödical de Pharmacie 

et Toxicologie, Avril 1843.) 



Um den Stickstoffgehalt organischer Materien nachzuwei- 
sen, hat man sich verschiedener Methoden bedient. Pelle- 
tier und Dumas empfehlen die zu untersuchende Substanz 
in einer kleinen Kugel zu erhitzen, an welcher eine Vorlage 
befindlich ist, aus der die Gasarten durch ein gebogenes 
Rohr in eine möglichst neutrale salpetersaure Qaecksilber- 
oxydulauilösung geleitet werden ; war Stickstoff zugegen^ so 
entwickelte sich Ammoniakgas, durch welches aus der Metall- 
auflösung Quecksilberoxydul niedergeschlagen wird. Viel- 
mehr in Anwendung ist die Methode, nach welcher man die 
zu untersuchende Substanz mit kaustischem Kali oder Kalk 
mischt, in ein enges kleines, unten zugeschmolzenes Glas- 
röhrchen bringt, erhitzt, und während des Erhitzens ro- 
thes Lackmuspapier so in das Glasröhrchen hineinsenkt, 
dass es nicht die Wandungen berührt. War auch nur eine 



Naohweis. d. Stickstolrgehah. in organisch. Materien. 333 

geringe Venge Stickstoff zugegen, so wird durch das sich 
bildende Ammoniakgas das rothe Lackmuspapier augenblick- 
lieh gebläael und ein feines, mit Salzsäure befeuchtetes 
Stäbchen entwickelt, wenn man es in das Giasrohr hinein- 
senkt, einen weissen Nebel. 

Lassa igne empfiehlt jetzt folgende Methode, um selbst 
noch in der geringsten Menge einer Substanz auch die klein- 
sten Quantitäten Stickstoff nachzuweisen, indem man eine 
Gyanverbindung bildet und aus dieser mit einem Eisensalz 
Berliner Blau erzeugt. In ein kleines unten zugeschmolze- 
nes GlasrOhrchen von W Länge und -J^^'^ innem Durchmes- 
ser bringt man ein kleines Stückchen Kaliummetall, von der 
Grösse eines Hirsekorns, breitet es mit einem Plalindrath 
darin aus, und bringt darüber die zu untersuchende Sub- 
stanz-, ist diese flüchtig, so muss man das Kalium darüber 
legen, damit die Dämpfe das Metall treffen, man fasst das 
Rohrchen mit einer Pinzette und erhitzt es über der Spiri- 
tusiampe, Jbis der Ueberschuss des Kaliums verflüchtigt ist, 
was man an den grünlichen Dämpfen erkennt, welche sich 
in der Nähe der erhitzten Substanz zeigen; ist die Stelle, 
wo das Gemisch lag, bis zum dunklen Rothgltthen erhitzt, 
so lässt man das Glasröhrchen erkalten, schneidet es als- 
dann an der Stelle ab, wo die verkohlte Masse liegt, legt 
es in ein Porzellanschälchen, und löst mit 4—5 Tropfen des- 
Ifllirten Wassers das gebildete Gyankalium; zu der Flüssigkeit 
fügt man | Tropfen schwefelsaurer Eisenoxydul-oxydlösung, 
worauf sogleich ein grüngelber Niederschlag entsteht, der 
nach Hinzufllgung von Salzsäure Berliner Blau zurüdLlässt. 
Lassa igne hat auf diese Weise in Quantitäten Morphium, Cin- 
chouin, Harnstoff, Harnsäure etc., welche auf der Waage 
nicht angegeben wurden, den Stickstoffgehalt nachgewiesen, 
wohingegen reiner Zucker, Amylum, Gummi, Salicin keine 
ähnliche Reaction erkennen Hessen. Man kann sich nicht 
mit gleichem Erfolge an der Stelle des Kaliums des kausti- 
schen Kali's oder des kohlensauren Kali's bedienen. 

Ich habe mit der von Lassa igne angegebenen Methode 
eine Reihe von Versuchen angestellt, als deren Resultat ich 

Simon Beiträge I. S. 22 



33A Nachweis. cL SUckstoffgehalt in orgaaiaeh. Ifatorieit 

kurz anfuhren will, dass ich s. B. noch bei weniger als 
2 MiU, Grmm. Albumin einen deutlich zu erkennenden Nie* 
derschlag von Berliner Blau erhielt Eine gleiche Menge AI* 
bumin mit kaustischem Kalk gemischt und in einem Glas- 
röhrchen erhitzt, gab mir aber ebenso unzweideutig durch 
4ie starkblaue Färbung des gerötheten Lackmuspapier, die 
Gegenwart von Stickstoff an. Eine so geringe Menge von 
Brucin, welche, nach der Lassaigne'schen Methode behan* 
delt, über die GegenwaH von Stickstoff in Zweifel Kess, be* 
wirkte, als sie mit frischgeglübetem kaustischen l^alk erhitzt 
wurde, noch eine starkblaue Färbung des geröthetan Lack* 
muspapiers. Ein durch mehrfaches Umkrystallisiren gerei* 
nigter Zucker bewirkte, wenn man ihn mit zerfallenem kans* 
tischen Kalk in einem nicht vorher geglühten Glasröhrehen 
erhitzt^ eine schwache blaue Färbung des gerötheten Lack- 
mospapiers; war das Glasröbrohen zuvor aber erhitzt wor* 
den und der kaustische Kalk kurz zuvor durch Gltthen von. 
Marmor bereitet, so wurde das rothe Laokmuspapier nicht 
gebläuet Ich glaube daher , dass die Methode, den Stick* 
Stoffgehali einer Substanz durch Erhitzen mit kaustischem 
Kalk nachzuweisen, eben so sichere Resultate gewährt, als 
die von Lassaigne empfohlene, auch ist sie jedenfalls ein* 
facher, als die eben genannte; nur dürfte es rathsam seiUi 
den kaustischen Kalk jedesmal durch Glühen von etwas Mar« 
mor frisch zu bm^eiten. Wenn die organische Substanz beim 
Erhitzen etwas Wasser abgiebt^ so muss man sich vorsehen, 
dass das rothe Lackmuspapier nicht die Wandungen des 
Glases berührt, weil es alsdann durch den gelösten kausti- 
schen Kalk gebläuet wird. 



Ueber die Metamorphosen des Albnmins. 

(Auszug aus den Annalen der Chemie und Pbarmacie. 

April 1843.) 



Dn BL Hoff mann Iheilt folgende Beobachtungen Über 
die Einwirkung von Darmschleimhaut auf das Albumin des 
Blutserums mit: 1) Es wurde in einem Gylindeiiglase das 
Serum von frischem Kalbsblut mit einem .Stück Haut aus 
dem Duodenaltheil eines Kalbsdarms, welcher, schon meh- 
rere Tage gelegen hatte, zusammengebracht, und das Gefiiss 
im Wasserbade, ^ einer Temperatur von 25— 30*R. ausge- 
setzt Nach 24 Stunden trübte sich die -sehr klare Flüssig« 
keit und es setzte sich ein Niederschlag als weisses Gerin* 
sei ab^ der nach 5 Tagen nahe die Hälfle des Gewisses 
einnahm. Die Flüssigkeil über demselben, früher alkalisch 
reagirend, war neutral geworden, sie gerann nicht mehr 
beim Erhitzen, sondern verbreitete einen Geruch nach Käse- 
matten und bildete auf der Oberfläche eine Haut von weis- 
ser Farbe. 2] Wenn die Temperatur nur 8*^ R. war, so 
trat selbst nach 8 Tagen keine dieser Erscheinungen unter 
den sonst gleichen Umständen ein. 3) Wenn man Blutserum 
mit Darmhaut und stinkender Ochsengalle zusammen bei der 
Temperatur von 2«^^0* R. auf einander wirken Hess, so 
zeigte sich ein gleicher Erfolg wie bei 1. 4] Blutserum ohne 
Darmschleimhaut mit stinkender Ochsengalle der genannten 
Temperatur ausgesetzt, trübte sich gleichfalls und setzte ein 
weissliches Präcipitat ab, die Flüssigkeit über demselben 
reagirte alkalisch, das Präcipitat neutral. 5) Blutserum für 
sich der Temperatur von 25 — 30* ausgesetzt, veränderte 

22* 



336 lieber die Metamorphosen des Albumins. 

sich nicht, auch nicht, wenn demselben Speichel zugemischi 
wurde. Das Präcipitat war weiss, veränderte sich nicht 
beim Kochen mit Wasser, verbreitete aber einen Käsegeruch; 
es löste sich in dünner Kalilösung und, durch Essigsäure 
daraus gefällt, löste es sich in einem Ueberschuss derselben 
langsam wieder auf; aus dieser Lösung wurde es durch Blui- 
lungensalz niedergeschlagen. Gewaschenes Fibrin aus demsel- 
ben Blute löste sich nicht in verdünnter Essigsäure bei + 30* R. 
Das Präcipitat gab 4,llf Asche; mitKupferoyd verbrannt 
gab es 7,725 Wasserstoff und 55,892 Kohlenstoff. Hoffmann 
meint, dass, wenn diese Transformation des Albumins in einer 
mit dem GaseYn oder Fibrin identischen Form durch Bildung 
von Milchsäure vor sich gehe, so könnte man veranlasst 
werden, an einen ähnlichen Pro^ess bei der Milchbildung zu 
denken.* Es wäre gewiss recht wUnschenswerth, dass Hof f- 
m*ann diesen Versuch noch ein Mal wiederholte, eine genaue 
Bestimmung des Schwefelsäure- und Phosphorsäuregehaltes 
der Asche, sowohl des Serums, als des durch Alkohol oder 
Kochhitze daraus abgeschiedenen Albumins, des bei der er> 
wähnten Präparation erhaltenen Präcipitats und der Flüssig- 
keit, aus der es sich abgeschieden hat, vornähme, und end- 
lich diese Flüssigkeit selbst noch einer genauen Untersuchung 
auf einen etwanigen Gehalt einer Prote'fnverbindung unter- 
werfen möchte. 

FS. 



lieber normalen LuDgenschleim« 
(Auszug aus dem Journal für praktische Chemie, B. K. S. 59-) 



Ueber die chemische Mischung des normalen Lungen- 
Schleims mit vorzüglicher Berücksichtigung seiner Salze hat 
n. Nasse Untersuchungen angestellt und zugleich auch 
die Mischung der Salze des Eiterserums und Blutserums 
desselben Individuums bestimmt Der Schleim wurde von 
einem gesunden Manne, dessen Respirationsorgane nicht lei- 
dend waren, des Morgens durch leichtes Äusräuspern ent- 
leert und gesammelt. Es wurde aus einer Probe die Menge 
des festen Rückstandes bestimmt; der andere Schleim wurde 
getrocknet, mit kochendem Aether, Alkohol und Wasser be- 
handelt und so die in diesen verschiedenen Menstruen lös- 
lichen Stoffe gelöst. Die Bestimmung der Salze wurde aus 
den Aschenrückständen vorgenommen. Nasse fand den 
frischen normalen Lungenschleim (1) und den trockenen (2 
zusammengesetzt aus: 

1. 2. 

Wasser • • 95S,520 

Festem Rückstand .../.., 44,480 

Scblejmsioff mit etwas Biweiss . . . 23,754 — 53,405 

Wasserextrakt 8,006 — 18,000 

Alkoholextrakt 1,810 — 4,070 

Fett 2,887 — 2,490 

Gblornatrium 5,825 — 13,09S 

Schwefelsaurem Natron 0,400 — 0,880 

Kohlensaurem Natron 0,198 — 0,465 



\ 



338 Ueber normalen Lungenschleim. 

1. 2. 

Phosphorsaurem Natron 0,080 — 0|i80 

Pfaosphorsaurem Kali mit Spuren von 

Eisen 0,974 — 2,190 

Kohlensaurem Kali . 0,291 — 0,655 

Kieselerde und schwefelsaurem Kali . 0,255 — 0,570 

1000,000 ^ 100,000 
Berzelius fand bei der Analyse des normalen Nasen- 
schleims (Simon's med. Chemie B. .11 S. 305.) mehr feste 
Beetandstheile wie Nasse und besonders eine grossere 
Menge von in Wasser und Alkohol unlöslicher Materie (Schleim- 
kürperchen, Epilheliumzellen, vielleicht geronnenes Eiweiss), 
geringer dagegen fand er das Wasserextrakt, was, wie 
Nasse meint, wohl daher kommen mag, dass bei seiner 
Untersuchung das kochende Wasser länger auf die Stoffe 
einwirkte. Der Gehalt des Chlomatriums ist in beiden (flüs- 
sigen) Schleimarten ganz gleich, waltet also auch in beiden 
unter den anderen Salzen vor. 

Die Analysen des Eiterserums und Blutserums ergaben 
folgende Resultate: 

Eiterserum. Blutserum. 

Wasser 890,00 — 906,5 

Fester Rückstand . . . 11,00 — 093,5 
Organischer Bestand theil 92,58 — 85,7 
Chlornatrium .... 12,60 — 4,6 
Kohlensaures Natron . . 2,22 — 1,4 
^ Phosphorsaures Natron . 0,32 — 0,9 
Schwefelsaures Natron . 0,18 — 0,2 

Ehosphorsaurer Kalk .. . 1,20) qm 

Kohlensaurer Kalk . . 0,9o| ' 

Beim Vergleichen der relativen Mischung der Salze die- 
ser drei Flüssigkeiten eines und desselben Körpers findet 
man, dass in dem Blutserum die geringste Menge der iös- 
lichen Salze enthalten ist; sie beträgt hier 7,6^ vom festen 
Rückstande, beim Eiterserum 14,2 und beim Schleim 15,1|, 
eben so ist auch im Blutserum eine geringere Menge Koch- 
salz enthalten, welches hier 64^ der löslichen Salze, beim 



lieber Bestimmang der Salze etc. 339 

BiCersenim 82J- und beim Schleim 892^ beträgt; dagegen ist 
das Blutserum am reichsten an kohlensaurem Natron, wel- 
ches hier 19i der löslichen Salze beträgt, im Eiterserum 14i, 
im Schleim nur 3t. Der Schleim ist aber am reichsten an 
Kaiksalzen, die 3,3|- seines festen Rückstandes betragen, im 
Eiterserum '2,2^ und im Blute nur 0,7i. 
Nachschrift des Red. über die Bestimmung der ein- 
zelnen Salze, mit denen man bei thierisch-chemi- 
schen Untersuchungen gewöhnlich zu thun hat. 

Es ist bekannt, welche grosse Rolle die Salze im Ihie- 
risohen Körper spielen, theils als integrirende Bestandtheile 
der verschiedenen organischen Stoffe, deren physikalische 
und selbst chemische Modalität sie nicht selten' bestimmen, 
theils durch ihren Einfluss auf die allgemeine Punktion, sei 
es beim Umsatz von Stoffen, sei es bei der Thätigkeit ver- 
schiedener Organe. Die genaue Kenntniss der Salzmischung 
in den verschiedenen festen und flüssigen Bestandtheilen des 
Ihierisdien Körpers, in den Sc- und Excretionen ist daher von 
Wichtigkeii und H. Nasse, ein eben so fleissiger als ta- 
lentvoller Forscher im Gebiete der chemischen Physiologie, 
hat diesem Gegenstande seine Aufmerksamkeit schon seit ei« 
niger Zeit zugewendet 

Die genaue quantitative Bestimmung solcher Salzmischun- 
gen, wie man sie als Rückstände beim Einäschern thierischer 
Substanzen gewöhnlich erhält, ist, sobald man einen richti- 
gen Weg zur Zerlegung einschlägt, ohne Schwierigkeit, er^ 
fordert aber naiürhch eine grosse analytische Genauigkeit 
und hinreichende Uebung. Diese Salze sind gewöhnlich fol- 
gende: 1) in Wasser unlösliche: phosphorsaurer Kalk und 
phosphorsaure Magnesia, ersterer vorwaltend, beide mei- 
stentfadls zusammenbestimmt als Erdphosphate; kohlensau- 
rer Kfldk, Eisenoxyd; 2) lösliche Salze: die Alkalien verbuiH 
den mit Schwefelsäure, Phosphorsäure, Chlorwasserstoffsäure, 
Kohlensäure. Walten die Brdsabe vor, so brennt sich die 
verkohlte Substanz leicht weiss, walten die Alkalisalze vor, 
so hält e« oft sehr schwer, alte Kohle zu verbrennen, da die 
Alkalisalze schmelzen und den Zutritt des Sauerstoffs ver> 



340 Ueber Bestiminuiig der Salze etc. 

hinderq. In solchen Fälleo, wo man einen sehr schwer 
verbrennlichen anschmelzenden Rückstand erfaälty ist es bes- 
ser, mit Wasser das, was sich löst, auszuziehen, und den 
kehligen Rückstand auf ein kleines Filter von sogenanntem 
schwedischem Papier von neuem zu verbrennen, was nun 
sehr leicht vor sich geht; wollte man dagegen die ange- 
schmolzenen Salze so lange hefUg erhitzen, bis sie weissge- 
brennt sind, so ist zu befürchten, dass ein Theil des Chlor- 
natriums sich verflüchtigt 

Wenn man die gewogene Asche einer Substanz mit 
Wasser auf einem FUter so lange auszieht, bis ein Tropfen des 
durchfliessenden Wassers auf Platinblech keinen Rückstand 
mehr hinterlässt, so hat man die unlöslichen (auf dem Fil- 
ter) von den löslichen geschieden, beide werden für sich 
untersucht. 

A. Unlösliche Salze: EisenSxyd, phosphorsaure und koh- 
lensaure Erden*). : 

Man wiegt diese Salze und löst sie darauf in verdünnter 
Salzsäure und filirirt, wenn es nothwendig ist. Zu der fil- 
trirten Lösung setzt man Ammoniak und fällt dadurch a) Ei 
senoxyd und 6) phosphorsaure Erden, gelöst bleibt c, der 
salzsaure Kalk, welcher dem kohlensauren £alk der Asche 
entspricht. Man trennt durch ein Filter das Gelöste vom 
Ungelösten und süsst letzteres mit Wasser aus. 

a. Der ungelöste Theil wird mit kohlensaurem Natron und 
etwas Wasser in einer Plaünschaale gemischt, dann verdampft 
und bis ziun Glühen erhitzt. Man erhält phosphorsaures lös-r 
liches Natron und Eisenoxyd, Kalkerdei und Magnesia. Die 
Masse wird in Wasser gelöst und das Lösliche durdi ein 
Tiltrum vom Ungelösten getrennt 

». Der ungelöste Theil (Eisenoxyd, Kalk- und Talkerde) 
wird in verdünnter überschüssiger Salzsäure gelöst und mit 
Ammoniak das Eisenoxyd gefällt Nachdem dies abfilirirt 
ist, fällt man aus der ammoniakalischen Lösung den Kalk 



*) Ich übei^ehe hier das Fluorcalcium, siehe darüber die 
Note auf S. 211. dieser Beiträge. 



Ueber Bestimmung der Salze elc. 341 

durch oxBkmres Ammoniak und nachdem der oxalsaure Kalk 
abfilbrict ist, verdampft man die abgelaufene Flüssigkeil 
und gltdit den Bückstand, wobei die' Magnesia erhalten 
wird. Das Eisenoxyd erhält man beim Verbrennen des FO* 
trums als Rückstand; der exalsaore Kalk verwandelt sich 
beim Erhitzen und schwachen Glühen in kohlensauren Kalk^ 
dar gewogen wird. Die Magnesia wird sogleich gewogen. 

ß. Die Flüssigkeit, welche das phösphorsaure Natron ent< 
hftlt, wird mit Salpetersäure bis zur Zerlegung des kohlen- 
sauern Natrons versetzt, mit Ammoniak neutralisirt, die Phos- 
phorsäure durch salpetersaures Bleioxyd gefällt, der Nieder- 
schlag abßltrirt, gewaschen, geglüht und gewogen. 

Die gefundene Phosphorsäure wird mit der aus der 
kohlensauren Kalkerde berechneten Kalkerde und der Mag- 
nesia in Verbindung berechnet. 

&. Aus der Flüssigkeit (6) fällt man, nachdem man sie 
mit Ammoniak tibersättigt hat, die Kalkerde durch oxalsau- 
res Ammoniak, filtrirt den Niederschlag ab, wäscht uQd glüht 
ihn, worauf kohlensaure Kalkerde zurückbleibt. War das 
Glühen zu heftig, so kann ein Theii der Kohlensäure verlo- 
ren gehen, dann muss man den Rückstand mit kohlensaurem 
Ammoniak befeuchten, und noch ein Mal bis zum gelinden 
Rothgltthen erhitzen. 

Anmerkung. 

Ist in den unlöslichen Salzen J. kein Eisenoxyd ent- 
halten, so vereinfacht sich der Weg sehr; man braucht dann 
nur die Salze in Ghlorwasserstoflfsäure zu lösen, und mit 
Ammoniak die phosphorsaure Kalk - und Talkerde zu fällen« 
(vergl. diese Beiträge S. 211.). 
B. Lösliche Salze. 

Für die Trennung dieser Salze hat H. Nas^se einen 
sehr praktikabeln Weg eingeschlagen (Journal für praktische 
Chemie Bd. IX.) der sich vielleicht noch dadurch vereinfa- 
chen lässt, dass man auch das Chlor aus einer und dersel 
ben Flüssigkeit bestimmt. Man löst diese Salze in Wasser 
und setzt salpetersauren Baryt hinzu, wobei a. schwefelsaurer 
und kohlensaurer Baryt fällt; die Flüssigkeit &. wird abfilthrt. 



342 Ueber BesUminuDg der Salze etc. 

a. Za dem Niederschlag von Barytaalzen aelxl man Salpe- 
tersäure, wobei nur der schwefelsaure Baryt ungelöst bleibt; 
diesen filtrirt man ab, glttht und wiegt ihn. Aus der abfil- 
trirten Flüssigkeit fällt man den phosphorsauren Barjrt durch 
ttberschüssiges Ammoniak, und wenn der phosphorsaure 
Baryt möglichst schnell abfiUrirt worden ist, damit sich kein 
kohlensaurer Baryt bilden kann, fällt man den Baryt, wdcher 
dem kohlensauren Baryt entspricht, durch Schwefelsäure, nach- 
dem man zuvor die Flüssigkeit mit Salpetersäure sauer ge- 
macht hat. Aus den Barytverbindungen berechnet man die 
Säuren. 

h. Die Flüssigkeit (&.} macht man durch Salpetersäure 
sauer, und fällt mit salpetersaurem Silberoxyd das Chlor. 
Das Ghlorsilber wird abfiltrirt und das überschüssige Silber 
durch Salzsäure gefallt. Die Flüssigkeit, weiche man von 
dem Ghlorsilber abfiltrirt hat, verdampft man zur Trockne, 
gliJÜit, löst den Rückstand mit etwas Salzsäure in verdün(em 
Alkohol, setzt Platinchlorid hinzu und fällt dadurch das EaH 
als Kaliumplatinchlorid. GewöhnBch nimmt man aa, dasa 
der Kali an Schwefelsäure gebunden sei, wenn man es da- 
mit berechnet hat, so berechnet man für die übrigbleibenden 
Säuren die nöthige Menge Natron, womit sie verbunden ge* 
wesen sein müssen. Ueber diese und ähnliche Arten der 
Berechnung werde ich in einem andern Au&atz ausführli- 
cher handeln. 



Ueber das Verhältniss des specifischen Gewich- 
tes der Harnes zu seinen festen Bestandstbeilen. 



von 
Frans Simon. 

(Fortsetzung von Seite 77.) 



Harn in Krankheiten. 



pr.U. 



65. Harn eines Mannes, der an Hydrorrhachitis leidet; 
der Kranke gebraucht eine Mixtur mit Tart. na- 
tron. Der Harn ist ziemlich blass, enthält kein 
Albumin, ist schwach alkalisch ohne Gehalt an 
kohlensaurem Ammoniak. 

Spec. Gew. 1007,6. . Zum Verdampfen 4,82 gr. 

Rückstand 0,0765 15,90 

66. Harn eines Typhuskranken 1 Tag vor dem Tode 
gelassen. Der Harn war blass, sauer, ohne Se- 
diment 

Spec. Gew. 1011,86. Zum Verdampfen 1^46. 

Rückstand 0,039 25,21 

67. Harn eines Mannes, der in Folge einer RUcken- 
marksaffection an Incontinentia urinae leidet Der 
Harn blass, trübe, von schwach alkalischer Re- 
action und einem geringen Gehalt an kohlensau- 
rem Ammoniak. 

Spec. Gew. 1014,00. Zum Verdampfen 0,676. 

Rückstand 0,020 29,58 



344 Ueb. d. Verbäil. d. spec. Gewichts, d. Harnes eic. 

pr ML 

68. Harn eines Mannes an akuter Hepatitis leidend. 
Der Harn ziemlich blass, sauer reagirend, ohne 
Sediment 

Spec. Gew. 1014,03. Zum Verdampfen 1,746 gr. 

Rückstand 0,075 42,97 

69. Harn eines an Phthisis tuberculosa Leidenden. 
Der Harn bernsteingelb, trübe von ausgeschie^ 
denem harnsaurem Ammoniak, sauer reagirend. 

Spec. Gew. 1014,6. Zum Verdampfen 1,050. 

Rückstand 0031 29,52 

70. Harn eines an Scorbut leidenden Frauenzimmers, 
bei welcher das Zahnfleisch sehr angegriffen, die 
Füsse ohne Ecchymosen, aber ödematös infiltrirt, 
der Harn sehr dunkel ofine Gallenpigment oder 
Albumin, sauer reagirend. 

Spec. Gew. 1015,05. Zum Verdaovpfen 0,831. 

Rückstand 0,0275 33,10 

71. Harn eines an Intermittens tert. leidenden Mannes, 
in der fieberfreien Zeit gelassen. Harn gesättigt, 
gelb, sauer, reagirend, ohne Sediment 

Spec. Gew. 1016,30. Zum Verdampfen 1,020 

Rückstand 0,033 32,37 

72. Derselbe Harn noch ein Mal verdampft aus 1,034 

Rückstand 0,044 42,55 

73. Harn eines an ziemUch heftiger Pneumonie Lei- 
denden. Der Harn ziemlich dunkel, getrübt, sehr 
sauer mit einem geringen Sediment von hamsau- 
rem Ammoniak. 

Spec. Gew. 1017,30. Zum Verdampfen 0,750- 

Rückstand 0,031 41,33 

74. Harn eines 38jährigen Mannes, an Scorbut lei- 
dend. Die unteren Extremitäten ödematös an- 
geschwollen und mit Ecchymosen und Petechien 
bedeckt, das Zahnfleisch locker und leicht blu- 
tend, der Harn* dunkelbraun mit einem ansehnli- 
chen Sedimenl von harnsaurem Ammoniak ohne 
Albumin, Rlut oder Gallenpigment 



r 

Ueb. d. Verhall, d. spec. Gemohts d. Harnes eic. 346 

pr. M. 
Spea Qevf. 1017,36.>Ziim Verdampfen 1,029 gr. 

Rückstand 0,040 39,84 

75. Harn desselben an Intermitiens leidenden Mannes 
von Nr. 71. nach dem Paroxysmus gelassen. Der 
Harn in geringerer Menge wie vor dem Paroxys- 
mus ziemlich dunkel, mit einem stalten Sedi- 
ment von hamsaurem Ammoniak, sauer reagirend. 

Spec. Gew. 1018,85. Zum Verdampfen 1,230. 

Rückstand 0^2 42,27 

76. Harn bei Lithiasis gelassen. Der Harn ist dun- 
kelgelb, reagiri sauer, und hat ein Sediment von 
pumlentem Schleim abgelagert, keine Harnsäure; 
enthält Eiweiss. 

Spec. Gew. 1018,9. Zum Verdampfen 0,668. 

Rückstand 0,0275 41,16 

77. Harn eines 28jährigen Mannes, der an Hepatitis 
acula leidet. Der Harn ist von normaler Farbe, 
reagiri sauer, enthält kein Sediment; er wird von 
allen Säuren geteilt, enthält viel hamsaures Am- 
moniak gelöst 

Spec. Gew. 1019,28. Zum Verdampfen 1,579. 

Rückstand 0,094 59,53 

78. Harn eines Mannes, der an Scariatina im Sta- 
dium der Acme leidet^ Der Harn dunkelrotb, 
flammig, stark sauer, ohne Sediment, ohne AI- 
bunün. 

Spec. Gew. 1019,8. Zum Verdampfen 0,913. 

Rückstand 0,042 46,00 

79. Harn eines Mannes, der an Pleuropneumonie lei- 
det; der Harn von gesättigt gelber Farbe, etwas 
trübe von hamsaurem Ammoniak, stark sauer, 
ohne Albumin« 

Spec. Gew. 1019,85. Zum Verdampfen 0,56. 

Rückstand 0/)33 58,90 

80. Harn eines am Scorbut leidenden Mannes von 
40 Jahren, mit bedeutenden Ecchymosen an den 



316 Ueb. d. Verhalt, d.^spec. Gewichts d. Haroias eld 

pr. M . 

Füssen 9 sauer, tief rothlMrauu, ohne Blut oder 
Gallenpigment und Albumin, ohne Sediment 
Spec. Gew. 1031,32. Zum Verdampfen 1,152 gr. 

Bttckstand 0^065 47,36 

81. Harn eines am Typhus Brkrankien, kurz vor dem 
Tode entleert; reagirt alkalisch, riecht nach freiem 
Ammoniak, hat ^ne trUbe gelbe Farbe und ein be- . 
deutendes Sediment vonErdphosphatenabgelagert 

Spea Gew. 1022,3. Zum Verdampfen 0,429. 

Rückstand 0,017 39,62 

82. Harn eines loterischen; tief dunkelbraun, schwach 
sauer reagirend, ohne Sediment und ohne Eh 
weiss. 

Spec. Gew. 1023,8. Zum Verdampfe 2,479w 

Bückstond 0,150 60,50 

83. Harn eines Mannes an Hydrorrhachitis leidend,, 
von demselben, wo der Harn 65. herstammt, aber 
zur Zeit der Aufnahme in der Charitö entleert 
Der Harn dunkehrotb, in geringer Menge entleert 
klar, ohne Sediment, stark sauer. 

Spec Gew. 1024,20« Zum Verdampfen 0,999. 

Rückstand 0,054 54,50 

84. Harn eines am Typhus erkrankten Mannes, bei 
dem starice Durohfiille und ein comatöser Zu- 
stand eingetreten sind. Der Harn in geringer 
Menge entleert, sauer mit Sediment von harn- 
saurem Ammomak. 

Spec. Gew. 1024,52. Zum Verdampfen 2,300. 

SttcksUnd 0,121 62,61 

85. Harn eines Kranken, der an Lungenemphysem, Le- 
ber- und Nierenaffaktion und in Fotge letalerer 
an Hydrops leidet Der Harn dunkelrothbraun 
mit bedeutendem Sediment von bamsaurem Am« 
moniak, enthäU Biweiss. 

Spec. Gew. 1094,8. Zum Verdampfen 0,345. 

RMLstand 0,0186 53,54 



Ueb. d VerhUt. d. »peo. Gewiohts d. Harnes ela 347 

pr. M. 

86. Harn bä akutem Gelenkrheamatiamus ; sehr sauer, 
trübe von hamsaurem Ammomak, aber ohne d* 
gentUcbes Sediment, ohne Albumin. 

Spec. Gew. 1025,15. Zum Verdampfen 1,702 gr. 

Btteksland 0,114 65,80 

87. Harn bm sehr heftiger Pleuropneumonie, die Er- 
scheinungen im hohen Grade gefahrdrohend. 
Der Harn in sehr geringer M^ge gebissen, dun- 
kel flammig roih, sehr sauer, trübe von harn- 
saurem Ammoniak, frei von Albumin. 

Spec. Gew. 1025,'2. Zum Verdampfen 1,484. 

Rückstand 0,096 64,69 

88. Harn bei Pleuropneumenie. Der Harn flammig 
roüi, sehr sauer, klar und ohne Sediment 

Spea Gew. 105,85. Zum Verdampfen 1,360. 

Httokstand 0,082 60,35 

89. Hant bei Pleuropneumonie im Stadium der Resolu- 
tion von demselben Kranken, wo der Harn von 
87. bernsteingelb von Farbe, fast neutral mit ei- 
nem schön krystallinischen Sediment von phos* 
phcM'saurer Ammoniak -Magnesia, wkd von allen 
Säuren gefiillt, wegen eines bedeutenden Gehal- 
tes an faarasaurem Ammoniak. 

Speo« Gew. 1027,14. Zum Verdampfen 1,314. 

Rückstand 0,083 63,16 

90. Harn eines anUabetes mellitus Leidenden A.; in 
24 Stunden zu 4 Quart gelassen bei animali- 
scher Diät; Harn heUgelb, sauer reagirend. 

Spea Gew. 1029,7. Zum Verdampfen 1,510. 

Rückstand 0,106 70,20 

91. Harn desselben diabetischen A. nachdem er eine 
Zeit hindurch bei animalischer Kost täglich 2 Un- 
zen Lebertlvan genommen, der Harn hellgelb, 
schMpaeb sauer. 

Spee. Gew. 1030,218. Zum Vei-danq)fen 0,960. 

Rückstand 0,070 71,53 



318 Ueb. d. Verbttlt. d. spec. Gewichts d. Harnes etc. 

pr. M . 

92. Harn eines 39jährigen Mannes, der an acuten 
Gelenkrheumatismus leidet; besonders Fussge- 
lenke und Handgelenke geschwollen; dabei stel- 
len sich Durchfölle ein und der Kranke filhlt 
sich ziemlich matt, Natronbicarbonat und Sel- 
terwasser. Der Harn hat nicht den physikali- 
schen Charakter des rheumatischen Harns, er ist 
sehr sauer, dunkel braunroth und setzt erst nach 
längerer Zeit ein Sediment von hamsaurem Am- 
moniak ab, Albumin, Blut oder Gallenpigment sind 
nicht zugegen. 

Spec. 'Gew. 1030,38. Zum Verdampfen 1,535 gr. 

Bttckstand 0,122 79,41 

93. Von demselben Harn zum Verdampfen 1,463. 

Rückstand 0,116 79,22 

94. Harn des Diabetischen A, nachdem eine Zeit 
lang Leberthran und Jodeisen gebraucht worden 
sind; das Jod lässt sich mit Leichtigkeit im Harn 
nachweisen, Harn 4 Quart in 24 Stunden ziem- 
lich dunkelgefärbt und sauer. 

Spec. Gew. 1830,44. Zum Verdampfen 0,735. 

Rückstand 0,053 72.10 

95. Harn desselben Diabetischen beim Gebrauch von 
Lebwthran, Jodeisen und Kteberbrod. Harn zu 31 
Quart in 24 Stunden, sauer. 

Spec. Gew. 1032,37. Zum Verdampfen 0,684. 

Rückstand 0,056 80,41 

96. Harn desselben Diabetischen bei gleicher Be- 
' handlung. Die. Hammenge hatte sich auf 4l 

Quart in 24 Stunden vermehrt 
Speo. Gew. 1032,97. Zum Vmlampfen 1.160. 

RUcksUnd 0,093 80,17 

97. Hani desselben diabetischen A. vor der ange- 
führten strengen Fleischdiät» Hammenge in 24 
Stunden 4t Quart, der Harn blass und sauer 
reagirend. 



Ueb. d. VerfaSH. d. spee. Gewichts d. Harnes etc. 349 

pr.M. 
Sp. Gew. 1037,10. ZamVerdampfen l^OSOCnnm. 

Rückstand 0,094 89,52 

98. Harn desselben Diabetischen (A.) nach eingeführter 
Fteischdiät; Menge 3 Quart io 24 Stunden, der 
Harn etwas dunkler wie frUher, sauer. 

Spec Gew. 1038,90. Zum Verdampfen 0,76ä. 

Rückstand 0,072 94,11 

99. Harn eines anderen Diabetischen (B.), blass sauer 
reagirend. 

Spea Gew. 1039,0. Zum V^dampfcn 0,535. 

Rückstand 0,050 93,45 

100. Harn eines anderen Diabetischen, fast wasserhell 
sauer. 

Spec. Gew. 1039,8. Zum Verdampfen 1,560. 

Rückstand 0,150 96,20 
Es ist lutum nbthig eu erwähnen, dass bei diesen neu- 
eren 36 Bestimmungen des festen Hamrttckstandes mit der- 
selben Genauigkeit verfahren worden ist, wie bei den frü- 
heren, um sichere Resultate eu erhalten; da, wo die gefim« 
denen Werthe zu abweichend erscheinen, wurden die Be- 
stimmungen doppelt gemacht Fasst man diese letzteren 
Untersuchungen des Harns in Krankheiten mit den 27 frü- 
heren zusammen und vei^eicht sie mit den 37 Bestimmun- 
gen, welche ich mit dem Harn gesunder Ifenschen angestellt 
habe, so ergiebt sich hieraus schon klar, dass die Relation 
des festen Rückstandes zum specifischen Gewicht des Harns 
in Krankheiten eine ganz andere ist, als im normalen Zu- 
stande und es stellt sich jetzt noch klarer heraus, dass die 
von Becquerel entworfene Tabj^Ile (vergl. Simon's med. 
Chemie Bd. IL S. 341.) durchaus unaniverlXssig ist Aber 
eben so ergiebt es sich auch, dass man aus einer Tabelle, 
in welcher die Relation des festen Hamrückstandes des 
Urins gesunder Menschen zu dem spedfisdien Gewicht durch 
Reihen von Untersudiungen ermittelt worden ist, nie auf 
ein gleiches Verfaältniss im Harn kranker Individuen schlies- 
sen darf. Endlich ist es mehr als wahrscheinlich^ dass zwar 

Simon Beitrüse I. S. 23 



350 Ueb. d. VerblQi; d. spco. Gewichts d. Harnes etc. 

das Verhältniss des festen HarnrUckslandes zum specifischen 
Gewicht in dem Harne eines und desselben unter gleichen 
Verhältnissen lebenden Menschen ein gleiches sein wird, dass 
man aber Abweichungen in diesem Verhältniss finden wird, 
wenn man die Resultate der Harnuntersuchungen verschie- 
dener gesunder Individuen vergleicht und selbst Abweichun- 
gen, wenn man die Resultate der Untersuchungen des Har- 
nes eines und desselben, aber unter verschiedenen Bedin- 
gungen der Ernährung und anderen äusseren Einflüssen le- 
benden Menschen, vergleicht; indessen darf man doch hof- 
fen, durch hinreichend grosse Reihen von Beobachtungen 
für den gesunden Harn allgemeine Hittelwerthe zu finden, 
die sich für den praktischen Gebrauch hinreichend eignen. 

Bei genauerer Betrachtung der aus den Untersuchungen 
des Harnes kranker Indiviclqen erhaltenen Resultate stellt 
sich nun, so weit man aus den vorliegenden Thatsachen ur* 
theüen kann, Folgendes heraus: 

1] Das Verhältniss des festen Harnrückstandes des dia- 
betischen Harns zu seinem specifischen Gewicht^ stimmt 
mit den Angaben Henry's in seiner Tabelle (vei^l. Si- 
monis med. Chemie Bd. IL S. 451.) so nahe* überein, dass 
für den allgemeinen praktischen Gebrauch diese Tabelle an- 
gewendet w^den kann; selbst unter den verschiedenen 
Bedingungen der Diät sind, so lange der Zucker noch den 
Hanptbestandtheil ausmacht, die Schwankungen nicht ansehn- 
lich. Indessen sind noch Erfahrungen anzustellen, ob da, 
wo sich der Zucker so vermindert und der Harnstoff sich 
so veripehrt, dass dieser letztere überwiegt» andere Verbält- 
nisse gefunden werden. 

2) Das Verhältniss der festen Bestandtheile des Harns 
zu seinem specifischen Gewichte überschreitet das normale 
Verhältniss immer und bisweilen sehr bedeutend in den 
entzündlichen Krankheiten. Solche Fälle findet man Unter- 
suchung 61, Ö8, 59, 62, 63, 68, 73, 77, 79, 86, 87, 88, 89, 92. 

Nur in einigen Fallen will ich das Verhältniss der gefun- 
denen Werthe zu denen, die sidi aus der BocquereTschen 
Tabelle und aus meinen Untersuchungen des gesunden Harns 



Ueb. d. Verhalt, d. spec. Gewichts d. Harnes etc. 351 



(siehe Beiträge S. 48.) filr em gleiches spedf. Gew. berech- 
nen, anführeo, imi die grossen Unterschiede zu zeigen. 



No. 



FUr normalen Harn berQchnet. EntzUnd. H. 
Spec. Gew. nach Be6q. nach Simon gefunden. 



73. . 


. 1017,0 . . 


79. . 


. 1019,5 . . 


88. . 


. 1025,5 . . 


89. . 


. 1027,0 . . 


63. . 


. 1028,0 . . 


92. . 


. 1030,0 . . 



pr. M. 


pr. M. 


. . 37,0 . 


. .41,0 


• ötßjQ • 


. .58,5 


. . 54,0 . 


. .60,5 


• « ÖUfÖ « 


. 63,0 


. . 59,0 . 


. 64,4 


. . 62,96 . 


. 79,4 



pr. M. 

. 28,0 . 

. 31,5 . 

. 41,0 . 

. 44,5 . 

. 46,0 . 

. 49,5 . 

In dem BntzUndungsham ist der Gehalt an Harnstoff 
grösser, wie dies schon durch Untersucbiingen von mir und 
Anderen dargethan worden ist, und es nühern sich die 
Werüie des festen Rückstandes mehr denen, welche Leh- 
mann in seinem hamstoffreioben Harn ge&uiden iiat Es 
finden sich aber unter meinen UntensucbuogeQ abweicbendere 
Resultate; so wurde No. 58. bei 1024,6 spec. Gew. 65 p.M. 
fester Rückstand gefunden, in No. 86. bei 1025,0 spec. Qew, 
66 fester Rückstand und No. 89. bei 1027, spec- GeWt 63 
fester Rückstand. Ft^ solche Abweidiungen fehlt es m 
plausiblen Erklärungen nicht: so können Blutentziehuogen, 
die Art der Ernährung 5 die Intensität der Entzündung und 
endlich der Arzneigebrauch von Einfluss sein. Es bleibt 
natürlich hier noch viel zu beobachten und zu untersuchen. 
3) Bei Krankheiten,' in welchen das Blut faserstoffarm 
gefunden wird, bei denen das Fieber mehr den Charakter 
des Torpors an sich trägt, die Kräfte und der Lebensturgor 
sinken, die auch darin den Entzündungen gegenüberstehen, 
dass der Harn arm an Harnstoff sich zeigt, ist das Verhält- 
niss der festen Bestandtheile zum specifischen Gewicht ein 
viel geringeres, wenn gleich die dunkele Färbung und seine 
oft sehr stark saure Reaktion auf einen bedeutenderen Ge- 
halt an festen Bestandtheilen schliessen lassen sollten. So 
zeigt es sich No. 66, 71, 74, 80, 81, 84, beim Harn der am 
Typhus und am Scorbut Erkrankten. 

23* 



352 Deb. d. Verhält d. spec. Gewichte d. Harnes etc. 

Folgendes giebt eine ZusammensteUung des, dem apecifi- 
sehen Gewicht enteprechenden festen Bückstandes im normalen 
Harn (nach meiner Bestimmung), im typhösen oder scorbuti- 
, sehen Harn und im Entzündungsham ; die Zahlen geben aber 
nur die annähernden Werthe an. 
No. SpecGew. normal Harn, im Typhus. Entzttndungsh. 



66« * 


. 1012 ... 24,5 . 


. 26,2 ... 28 


71. . 


. 1015 ... 31,0 . . 


> . 33,1 ... 37 


74. . 


. 1017 . . . 39,0 . 


. . 39,5 ... 41 


80. . 


. 1021 ... 44,0 . . 


.47, ... 58 


81. . 


. 1022 ... 45,5 . 


.. 39,5 ... 60 


04. • 


. 1024 . . . 52,0 . 


. . 52 ... 62 



Der ausserordentlich geringe Bttckstand bei No. 81. lässt 
sich woU daher eridären, dass während des Verdampfens 
aus dem staik ammomakalischtaHam Ammoniak entwidien ist 

4) Auch der Harn bei Hydropsieen oder überhaupt bei 
Albuminurie, wo gewöhnlich eine geringere Menge Harnstoff 
zugegen ist, giebt im Yerhältniss zum specifischen Gewicht 
einen geringen Bückstand, wie die Untersuchungen 42, 46, 
48, 76 und 85, zeigen, in welchen das Yerhältniss des festen 
Bückstandes zum specifischen Gewicht ähnlich dem im ge- 
sunden Harn (nach meiner Untersuchung) oder selbst noch 
darunter ist 



•-.3 



IT eher Kjstein 

von 



DasKysUfin oder, wie es auch genannt worden ist. Gra- 
vidin, hat bekanntlich Nancbe im Urine schwangerer Frauen 
aufgefunden, es ist spSter von mehreren anderen Beobachtern 
untersucht worden. Nauche beschreibt dasselbe als eine 
weisse Masse, die sich aus dem Harn, wenn er eine ge- 
wisse Zeit gestanden hat, abscheidet, theils «or Oberfläche 
steigt und dort eine filamentöse, mit glänzenden Erystallen 
durchmischte Haut von ziemlich festem Zusammenhang bil- 
det, theils nach und nach zu Boden sinkt ui)d einen mehr oder 
weniger starken milchrahmähnlichen Niederschlag davstdlt 
Nauche hielt das KysteYn flir ein untrügliches Zeichen 
der Schwangerschaft. Auch Eguiser hält das Kystelfn 
flir ein sicheres Zeichen der Schwangerschan, nach ihm 
erscheint es im Harn nach 2—6 Tagen, es setzt sich 
in Form weisser opaker Körper zu Boden, steigt alsdann 
zur Oberfläche und bedeckt diese ähnlich wie die Haut von 
erstarrtem Fett einer erkalteten Fleischbrühe. Eine gründ- 
liche und umfangreiche Untersuchung hat £. Kane gelie- 
fert; nach ihm erscheint das Kystetn in einem Zwischen- 
raum von 30 Stunden bis 8 Tagen, die zuerst kaum wahr- 
nehmbare Haut, wird dabei dicker und erhält Zusammen- 
hang, nach einiger Zeit zerreisst sie und die einzelnen Bruch- 



351 ^ Ueber Kystein. 

Stücke sioken zu Boden; eine kieste'faarlige Haut erzeugt 
sich auch im Harne von Individuen, welche an Phlhisis, Ar- 
thritis, und mctaslatisohen Abscessen, Blasehkatarrh u. s. w. 
leiden; jedoch unterscheidet sich diese Haut von der des 
Kystein sowohl in der Art ihrer Bildung als in der Art 
der Wiederauflösung; diese letztere Haut erscheint in der 
Regel später wie die des Kystei'n's, sie entwickelt sich schnel- 
ler, zeigt weniger Zusammenhang. In einer ansehnlichen 
Reihe ven Beobachtungen hat E. Eane den Harn stets im 
frisch gelassenen Zustande auf die Gegenwart von Eivvciss 
oder käsestoffartiger Materie geprüft; nur in 4 Fällen unter 
85 z'eigte der Harn einen Gehalt an Eivveiss. Essigsäure 
bewirkte ebenfalls .nur in wenigen Fällen Coagulation, in 
den meisten Fällen rcagirt der frischgelassene Harn sauer 
und erst, w^nn sich die Haut vom Kystein entwickelt, wird 
der Harn neutral und ammoniakalisch; unter dem Mikroskop 
zeigt sich das KystcYn als eine amorphe Materie aus klei- 
nen opaken Körperchen zusammengesetzt! in welchen Kry- 
stallc von phosphorsaurer Magnesia-Ammoniak zerstreut lie- 
gen, die Krystalle werden von Essigsäure gelöst, tbut man 
dagegen Ammoniak hinzu, so löst sich das Kystelfn, die 
Krystalle aber nicht. Die Prüfungen, welche E. Kane mit 
dem Harne angestellt hat, zeigen, dass die Bildung des Ky- 
Stäfn's unabhängig von einem EiweissgehaU im Harne ist; es 
erscheint nach ihm nicht allein im Harn von Schwangern, 
sondern auch nach der Schwangerschaft während der Lac- 
tation, besonders wenn die Milchsecretion aus den Brüsten 
gehindert ist. Wenn demnach das Kystein nicht ausschliess« 
Kch der Schwangerschaft eigenthümlich ist, so glaubt Kano 
doch^ dass in Fällen, wo die Schwangerschaft möglich oder 
wahrscheinlich, die Gegenwart des KysteYns im Harn eines 
der unzweifelhaftesten Beweise dieses Zdstandes abgiebt und 
dass, wo im vorgerückten Stadium der supponirten Schwan- 
gerschaft das Kystein im Harne nicht erscheint und die Per- 
son sonst gesund ist, die Wahrscheinlichkeit wie 20 : 1 ist, 
dass die Prognose fehlerhaft sei. Aus den von Kane mit- 
getheillen Beobachtungen ergiebt sich, dass in den meisten 



Ueber KysteYn. 355 

Fällen das KysteYn sich am 3. Tage bildet, nachdem der 
Urin gelassen worden Ist; es wurde aber auch IFall beob- 
achtet, wo es erst, nachdem der Urin 8 Tage lang gestan- 
den hatte, erschien; in einigen Fällen zeigt es sich schon 
am ersten Tage. In den ersten Wochen der Schwanger- 
schaft beobachtete es K^ne nur selten, am häufigsten im 
7. 8. und 9.' Monat und selbst noch zur Zeit der Nieder- 
kunft; unter 85 Beobachtungen zeigte sich in 11 Fällen im 
Urin von Schwängern kein KysteYn, dagegen fand Kane die- 
sen Stoff in 94 Fällen, wo er den Harn der Frauen wäh* 
rend der Lactation beobachtete, 32 Mal. 

Ich habe den Harn von Schwängern aus dem 2., 3., 
4., 5. und 6. Schwangerschaflsmonat beobachtet, aber nicht 
Immer das KysteYn sich bilden sehen; wo dessen Bildung 
eintrat, wie z. B. aus dem Harn im zweiten, 5. und 6. 
Schwangcrschaflsmonate, da war der frisch gelassene Harn 
hell, gelb gefärbt, reagirte schwach sauer, war klar, und 
wurde weder durch Salpetersäure, Essigsäure noch durch 
Erhitzen getrübt Gewöhnlich trat nach 24 Stunden eine 
leichte Trübung der ganzen Harnflüssigkeit ein, wobei die 
sauere Reaction verschwand, es senkte sich ein weisslicher 
schleimartiger Bodensatz und etwas später gewöhnlich be- 
gann die Bildung der Haut auf der Oberfläche des Urins, 
diese war in der ersten Zeit äusserst fein, nach 12—24 
Stunden wurde sie stärker, dichter, opaker und wurde beim 
reflectirten Lichte schiUemd, von zahlreich eingestreuten 
Krystallchen der phosphorsauren Ammoniak-Magnesia; beim 
ersten Beginn der Bildung dieses Pläutchens untersuchte ich 
es mit dem Mikroskop, es zeigte sich bei SOOfacherVergrös- 
serung zusammengesetzt aus einer amorphen Materie, die 
aus kleinen opaken Pünktchen bestand, ähnlich wie ein Nie- 
derschlag aus phosphorsaurer Kalkerde oder wie ein Nie- 
derschlag aus harnsaurem Ammoniak erscheint, nur waren in 
dem letzteren die einzelnen Pünktchen gewöhnlich dunkler, 
schärfer und auch grösser, als wie die im Kystcin; das 
ganze Object wurde durch zahlreiche Vibrionen in Bewe- 
gung gesetzt; zwischen dieser belebten Masse befanden sich 



356* Ueber Kysiciüt 

zerstreut die bekannten Krystalle der pbosphorsauren Am- 
moniak-Magnesia; war die Haut auf dem Urin dichter gewor- 
den, so erschien sie unter dem Mikroskope in ganz ähnlichen 
Formen, nur zeigten sich alsdann an der Stelle der frühera 
Vibrionen sehr bedeutende Mengen von Monaden; wurde 
tu dem Objecto etwas Essigsäure gesetzt, so verschwanden 
die Krystalle, aber nicht die amorphe Materie^ wurde die 
Haut von Kyste'i'n mit Essigsäure digerirt, zu der abfillrirten 
Flüssigkeit Kaliumeisencyanttr gesetzt, so zeigte sich verhält- 
nissmässig nur eine sehr schwache Trübung, welche auf 
Gegenwart einer Prote'fnverbindung schliessen Hess, wurde 
die Haut zuerst mit einer verdünnten Kalilauge macerirt, die 
abfillrirte Flüssigkeit mit Essigsäure Übersäuert und erhitzt, 
und zu der wiederum filtrirten sauern Flüssigkeit Kaliuroei* 
sencyanür gesetzt, so erschien eine etwas stärkere Trübung. 
Der weissllche Bodensatz, weichet sich auf dem schon meh- 
rere. Tage stehenden Harne abgelagert hatte, besass einen 
unangenehmen lebhaft an faulenden Käse erinnernden Ge* 
ruch, unter dem Mikroskope zeigte er sich ganz ähnlich zu- 
sammengesetzt wie die Kaut; ich habe eine Partie dieses 
Bodensatzes mehrere Mal mit Wasser gewaschen und alsdann 
mit Alkohol und etwas Schwefelsäure erhitzt, es entwickelte 
sich dabei ein angenehmer Fruchtgeruch} welcher an Butter- 
säureäther erinnerte. 

Ganz übereinstimn!iend mit meinen Beobachtungen über 
das KysieVn sind die Erfahrungen, welche Lehmann über 
diesen Gegenstand gemacht hat; er fand nach 36 — 48 Stun- 
den bereits das Häutchen auf dem Harn gebildet, welches 
nach 2 — 3 Tagen, zuweilen auch später zu Boden sank und 
sich dem^ vom Anfange der Trübung des Harns an abgela- 
gerten Sediment beimischte; aus dem Häutcheu* zog Leh- 
mann durch Aether ein Fett aus, welches mit Kali verseift 
und durch Schwefelsäure zersetzt, den deutlichsten Butter- 
säuregeruch entwickelte; wurden grössere Mengen des Urins 
mit Schwefelsäure gemischt und destilUrt, so konnte aus 
dem Destillate mit Barytwasser, buttersaurer Baryt erhalten 
werden; die mit Aether extrahirte Hasse färbte coacentrirte 



Ueber KysleYa 867 

Salzsäure, mit der sie längere Zeit in BerOhrung blid>, UaQ, 
in Essigsäure löste sie sich ziemlich leicht und ward durch 
Kaliumeisencyanttr gefällt; Mrurde die Hasse mit kaustischem 
Kali behandelt und alsdann Salzsäure zugesetzt, so entwik* 
kelte sich der Geruch nach Schwefelwasserstoff. 

Fasst man die Über das KysteYn gemachten Erfahrungen 
zusammen, so ergiebt sich daraus, dass diese Materie nicht 
ein eigenthUmUcher Stoff, sondern eine Protetnverbindung 
sei, dass seine Bildung in unzweifelhafter und naher Bezie- 
hung zur Milcherzeugung stehe. Aus den Beobachtungen! 
von Kane und aus meinen eignen, glaube ich folgern zu 
müssen, dass eine Schwangerschaft bestehen könne, ohne 
dass sich im Urin das sogenannte KysteKn zeigt; ist aber 
eine Schwangerschaft zu vermuthen und wahrscheiilich, 
und wird im Harne das KysteYn abgeschieden, so scheint 
es, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit zur Gewissheit er- 
hoben wird; dass man aus dem Erscheinen des KysteiXns 
keinen zuverläsngen Schluss auf die Zeitdauer der Schwan- 
gerschaft machen kann, ergiebt sich von selbst 

Auf jedem Harn, welcher eint Zeitlang sich selbst Über« 
lassen stehen bleibt, bildet sich eine Haut, welche mit dem 
KysteKn verwechselt werden kann, und entweder sehr bald 
nach dem Entleeren des Harnes, öfter aber erst nach 6^8 
Tagen erscheint In dem ersteren Falle besteht sie aus 
jihosphorsauren Erden, die sich beim Alkalischwerden des 
Harnes niederschlagen und eine sehr dünne Haut auf der 
Oberfläche des Harns bMfbiit Wenn dieses der Fall ist, so 
reagiri der Harn stets alkalisch; die Haut ist sehr dünn, 
zeigt wenig Zusanmenhang und sinkt leicht zu Boden. Un- 
ter dem Mikroskop zeigten sich die Krystalle von Magnesia- 
Tripelphosphat, lüid eine amorphe Materie, die unter Um- 
ständen sehr grosse Aehnlichkeit mit dem Kys^eKn haben 
kann und aus phosphorsaurem Kalk besteht; diese Haut un« 
terscheidet sich vom KysteYn dadurch, dass sie von freien 
Säuren gelöst wird ; das Häulehen auf dem Harn kann aus Fett 
bestehen ; es ist dann sehr dünn und irisirt gewöhnlich ; un- 
ter dem Mikroskop zeigen sich die zahhreichen Fettkörper- 



856 Uebcr die Milch. 

«heu. Dio Haut, welche sich sehr späl auf dem Harn bil- 
det, erst gegen den 6. — 8. Tag, besteht gewöhnlich aus 
Schimmelpilzen, man sieht unter dem Mikroskop zahlreiche 
Pilzfäden wie verfilzt durch einander gewirkt und grosse 
Mengen Pilzsporen; aber ich habe auch einmal eine Haut 
auf dem Harn eines Hannes nach 3 Tagen entstehen sehen, 
welche sowohl in ihrem chemischen wie in ihrem mikros- 
kopischen Verhalten die grösste Aehulichkeit mit dem Kie- 
stc'jfn halte. 



Ueber die Milcli. 

(Auszug aus den Annalcn der Chemie und Pharmacie, 

Bd. 45., II/l, 3.J 



Dr. F. Rochleder hat Untersuchungen über den Käse- 
stoff angestellt, welche sich zunächst an dio fr&her von 
Scheerer, Über denselben Gegenstand anschliessen, und 
den Zweck haben, das verschiedene Verhalten des Käse- 
stoffs der Milch, wie es von den verschiedenen Autoren an- 
gegeben wird, zu erklären. Rocbleder kam durch seine Un- 
tersuchung zu dem Resultate, dass das durch Säuren aus der 
Milch gefällte CaseYn durch hinreichendes Waschen mit Was- 
ser seine sämmtliche Säure abgiebt und dann, nachdem man 
es vom Fett befreit hat, als reines, im Wasser äusserst we- 
nig lösliches CaseYn zurückbleibt. Die Löslichkeit des Ca« 
seYns in der Milch wird durch das Alkali der Milch bewirkt; 
frische MHch, welche schwach alkalisch reagirte und beim 
Einäschern unter den Salzen kohlensaures Alkali zurückliess, 
enthält dieses nicht, wie Hai dien angiebt, als miichsaures 
Alkali, sondern als kohlensaures Alkali in Verbindung mit 
dem Käsestoff. Caso'fn auf dreierlei verschiedene Art aus 



lieber die Milcb. 359 

der Mkli abgescUoden, nämlicb durch Schwefelsäure, durch 
iohleusaure NatronUSsuog, aus einer Lösung des GaseYns in 
verdünnter Schwefelsäure und durch Essigsäure, gaben beim 
Verbrennen mit Kupferoxyd nahe übereinstimmende Quan- 
titäten von Kohlenstoff und Wasserstoff. 

Dass die alkalischen Salze Einfluss auf die Löslichkell 
des GaseYns haben, ist wohl ausser Frage gestellt; zu be- 
dauern ist, dass Rochleder seine Untersuchungen nicht 
auch Über Käsestoff der Frauenmilch ausgedehnt.hat. Manche 
eigenthümiiche Verschiedenheiten des Käsestoffs der Kühe 
und Frauenmilch erklären sich nicht einzig und aHein durch 
etwa veränderlichen Gebalt alkalischer Salze; so löst sich 
unter Umständen der vom Fett befreite eingedampfte Miich- 
rückstand im Wasser fast vollständig wieder auf, t»sweilen 
nur in äusserst geringer Menge und in beiden Fällen kann 
gleichwohl der wässrige Auszug eine schwach alkalische Re- 
action zeigen. Dass übrigens das durch eine Säure gefällte 
und von der anhängenden Säure durch Abwaschen befireite 
Cas6ijrn, das eigentliche und reine Gase/n, das in der Milch 
gelöste eine Alkaliverbindung sei, ist eine Annahme, die wohl 
noch des positiven Reweises bedarf. Retrachlet man das 
durchLab,gewisseSäuren oder wasserfreien Alkohol koagulirte 
Gase'fn als eine ModificaUon des gelösten, ähnlich der des 
koagulirten Albumins, des geronnenen Fibrins, so erklären 
sich die Erscheinungen viel natürlicher, da man mit Recht 
dem GaseYn in Uebereinstimmung mit den anderen ProteYn- 
Verbindungen, dem Albumin, Fibrin, Globulin, die Eigen- 
ihümlichkeü, in zwei isomerischen Modifikationen erscheinen 
zu können, zuschreiben kann. 

Hai dien hat Untersuchungen über die Zusammenset- 
zung der Salze der Kuhmilch angestellt. Wie schon bemerkt, 
ist er der Meinung, dass das beim Einäschern der Milch zu- 
rückbleibende kohlensaure Natron nicht als milchsaures In 
der frischen schwach alkalisch reagirenden Milch enthalten 
ist, sondern an Gasein gebunden. Die in der Milch enthal- 
tenen Salze sind, wie bekannt, an Phosphorsäure gebunde- 
ner Kalk, Magnesia, Eiscnqxyd, Ghlorkalium, Ghlornatrium 



360 Ueber die Uilcb. 

mid mit CasäTD verbundenes Natron; die PhosphonauM 
reicht gerade aus, sich mit den Erden su verbinden, das 
schwefelsaure Alkali, welches sich erst beim Einäschern der 
Milch bildet, hat Hai dien nicht bestimmt. In 2 Versuchen 
bestand die Menge der in 100 Theilen enthaltenen feuerbe- 
ständigen Satee aus 0,525 und 0,715^, van der ersten Menge 
waren 0,280 unlöshche, 0,245 in Wasser lösliche Salze, von 
der zweiten Menge Ittsten sich 0,3 in Wasser und 0,415 wa- 
ren unlöslich. 

Für 100 Theile Milch ergiebt sidi nach den beiden Un- 
tersuchungen folgende Zusammensetzung der Salze. 

1. in Prooent 2. in Proc. 
Pbosphorsaurer Kalk . . 0,231 47,1 . . 0,344 50,7 
Phosphorsaure Magnesia . 0,042 8,6 . . 0,064 9,5 
Phospborsaures Eisenoxyd 0,007 1,4 . . 0^ 1,0 

ChlorkaUum 0,144 29,4 . . 0,183 27,1 

Chlomatrium 0,024 4,9 . . 0,034 5,0 

Natron 0,042 8,6 , . 0,045 6,7 

0,490 100,0 . . 0fil7 100,0 

Die relative Mischung beider Salzmengen ist nicht sehr 
von einander abweichend. Es wird dem Körper eine viel 
grössere Menge phosphcNrsaure Magnesia im Teriiältniss zur 
pbosphorsauern Kalkerde zugeführt, als dieses VerhälUiiss 
sich in der Knochenerde und in dop Salzen des Blutes naoh- 
weist. Da kohlensaure Kalkerde oder ein anderes als an 
Phosphorsäure gebundenes- Kalkerdesalz, sich in der Milch 
nicht vorfindet, so mUsste man annehmen, dass der kohlen- 
saure* Kalk der Knochen durch Umsatz der phosphorsauem 
Kalkerde erzeugt wird. 

Haidien hat eine neue Methode zur Analyse der Milch 
angewendet, welche er meint, den jetzt üblichen vorziehen 
ZQ müssen, er vermischt die Milch mit etwa \ des Gewich- 
tes fein gepulverten Gips, erhitzt l>is zu 100, wobei eine voll- 
ständige Gerinnung eintritt, der nach dem Verdampfen blei- 
bende Rückstand bildet eine spröde leicht zu pulvernde 
Masse, aus dieser wird die Butter durch Behandeki mitAe- 
tber, der Milchzucker und die löjslichcn Sake durch heissen 



Ueber die Milch. 3S1 

Alkohol voD 0,85 spec. Gewichts ausgezogein, Kalkcaseai und 
Gips bteiboD zurück. Wenn man die Menge des angewen- 
deten bei 100* getrockneten Gipshydrats kennt und ver* 
dampft, so findet man den Bückstand der IDlch durch Ab- 
ziehen des angewendeten Gipses von dem GesamratrUck- 
Stande; zieht man die gewonnene Menge der Butter, des 
durch Alkohol ausgezogenen Zuckers und der Salze, von 
dem eigentlichen Milchrückstand ab, so findet man die Menge 
des CaselCns *j. Die Besultate der Untersuchungen, welche 
Haidien mit der Kuh- und Frauenmilch angestellt hat, stim- 
men im Allgemeinen mit den von Simon 'erhaltenen über- 
ein/ Auch bestimmte er em ganz ähnliches Yerhftltniss des 
Zuckers zum Käsestoff in der Frauenmilch, wie dieses von 
Simon gefunden worden ist. In 100 Tbeilen Kuhmilch wa- 
ren 3 Butter, 4,6 Milchzucker und lOsEche Salze und 5,1 Ga- 
siän und unlüsUehe Salze, in einer gesättigten Frauenmildi 
wurden 3,4| Butter, 4,3f Milchzucker und S,!!* Käsestoff 
gefunden. 



*) Ich kann die Vorthefle, welche dieser Methode den Vor- 
zug vor der von mir eingeschlagenen ertheflen sollen, nicht recht 
eigentlich erkennen; der noch nicht sehr mit den Untersuchun- 
gen thierischer Stoffe vertraute Arbeiter kann leicht Fehler in der 
Bestimmung des Wassers der Milch, in der des Milchzuckers und 
dann auch des Caseöos machen, da der Milchzucker in kochen- 
dem Alkohol V9n 0,85, wie ihn Haidien anwendet, nur sehr we- 
nig löslich ist, überhaupt eine genaue Tremiung des Milcbzuk- 
kers Yom Casem eine gar nicht leichte Aufgabe ist. 

F.S. 



UDtersnchnng frischer Klapperschlangen- 
Exkremente. 



Von 
Frans Slmoii« 



Der Herr Geh. Bath Lichten stein war im Besitz zweier 
lebenden jungen Exemplare von SLIapperschlangen, von denen 
ich ganz frische Excremente zur Untersuchung erhielt. Frisch 
ausgestossen sind diese ein gelber; weicher Brei von ziemlich 
unangenehmem Geruch ; einige Zeit an der Luft hegend j trock- 
neten sie aber bald zu einer leicht zerreiblichen Masse ein, 
die ihre Farbe in Grün verändert hat und dentienich ganz 
einbüsst Etwas der noch nicht. ganz ausgetrockneten Ex-* 
kremente auf Lackmuspapier gelegt und befeuchtet Hess so« 
wohl das rothe wie das blaue unverändert. Mit dem Mi- 
kroskop betrachtet, zeigt sich die Masse als aus runden Ku- 
geln bestehend, die theils einzeln, theils zu zweien verbun- 
den sind; mit kaustischem Kali behandelt, entwickelten sie 
eine grosse Menge Ammoniak. Aus den trocknen Excre- 
menten zog Aether nur eine sehr geringe Menge einer Ma- 
terie aus, von der er sich schwach gelbgriln färbte und 
die nach dem Verdampfen des Aethers einen gelben, in Was- 
ser nicht, in Alkohol löslichen, beim Erhitzen nach ranzigem 
Fett riechenden Bückstand hinterliess. Die mit Aether be- 
handelten Exkremente wurden wiederholt mit Alkohol aus- 
gekocht; der Alkohol färbte sich dabei ebenfalls nur wenig 
und hinterliess einen' grUnbräunlichen in Wasser auflösli- 
chen nicht biller, sondern salzig schmeckenden BUckstand 



Untersuchung frischer Klapperschlangen-Exkremonle. 3$3 

in dem veder durch den Geschmack noch durch Behandeln 
mit Salzsäure ein dem BUin oder der Cholo • Bilifelinsäure 
ähnlicher Stoff nachgewiesen werden konnte. Ein Theil des 
alkoholischen Rückstandes wurde in einem Schälchcn er- 
wärmt, wobei es den Geruch des sogenannten Fleischex- 
traktes ausstiess; nach dem Erkalten wurden eim'ge Trop- 
fen Salpetersäiu-e zugemischt und das Schälchen unter die 
Luftpumpe gestellt; es konnte, nachdem die Feuchtigkeit na- 
hezu ganz eingetrocknet war, weder mit den blossen Augen 
noch mit dem Mikroskop salpetersaurer Harnstoff entdeckt 
werden. Der Bückstand wurde nun verkohlt und mit Was* 
ser ausgelaugt und in diesem die Gegenwart von Chlorna- 
trium* nachgewiesen. Wasser mit dem durch Alkohol und 
Aether extrahirten Excrementen gekocht, färbte sich grün und 
nach dem Erkalten der Abkochung setzte sich daraus ein 
weisses feines Praecipitat von harnsaurem Ammoniak ab. 
Die darüber stehende Flüssigkeit war geschmacklos und hin- 
terliess nach dem Verdampfen eine geringe Menge eines 
grün gefärbten Stcffes, der sich sowohl in Wasser wie auch 
in Alkohof löste, mit Salpetersäure übergössen sich nicht 
augenblicklich veränderte aber bei gelindem Erwärmen seine 
Farbe sogleich in Gelb umwandelte. 

Die mit kochendem Wasser extrahirten Excremente wur- 
den mit verdünnter Chlorwasserstoffsäure behandelt; schon 
nach ganz kurzer Zeit der Einwirkung konnte man mit dem 
Mikroskop wahrnehmen, dass sich die frühere Form von Ku- 
geln veränderte; es entstanden zahllose kleine rhombische 
Tafehi von Harnsäure und grosse Gruppen lancettförmiger 
Krysialle derselben Säure. Die Extraktion mit Salzsäure wurde 
einige Mal vsiederholt und dann die salzsaure Lösung ver- 
dampft. Von dem Salzrückstande verbrannten etwas mehr 
als die Hälfte und was zurückblieb bestand aus Chlornatrium, 
Ghlorcaicium und phosphorsanrem Kalk. Ein anderer Theil 
im Wasserbade ausgetrockneter Schlangenexcremenle wurde 
gewogen und verbrannt; der Bückstand wurde mit kohlen- 
saurem Ammoniak befeuchtet, wieder erhitzt und gewogen. 
Er wurde nun mit Wasser ausgelaugt bis alles kohlensaure 



S64 Untersuchung frischer Klapperschlangen-Excremenle. 

Natron entfernt, alsdann das kohlensaure und phosphorsaure 
Kali mit Ghlorwasserstoflsäure gelöst, letzteres mit Ammo- 
niak , ersteres aus der abfiltrirten ammoniakalischen Hilssig- 
keil durch oxalsaures Ammoniak gefflit 

Obgleich die Form der Excremente mich vermuthen liess, 
dass sie keine freie Harnsäure, sondern nur hamsaure Salze 
enthalteui so stimmt damit das Resultat der quantitativen Un- 
tersuchung nicht ttberein. Die Quantität Chlorammonium 
welche ich beim Digeriren der Excremente mit Ghlorwasser- 
sioflbäure erhielt, entspricht, wenn man daraus das hamsaure 
Ammoniak berechnet, bei weitem nicht der Quantität ver- 
brennlicher Thcile in den Exkrementen, so dass nothwendi- 
ger Weise der grössere TheH der Harnsäure frei darin ge- 
dacht werden muss. Ich will hier die Zusammensetzung 
mittheilen, wie sie sich aus meinen Untersuchungen heraus- 
Btellk Damach enthalten 100 Tbeile trockner Schlangenex* 
kremente: 

Freie Harnsäure etwas Fett und 

extraktive Materie .... S6,i 

Hamsaures Ammoniak . . . 31,1 

Harnsaures Natron mit etwas 

Chlomatrium 9,8 

Harnsäuren Kalk 1,4 

Phosphorsauren Kalk .... 1,3 

• 100,00 
Von den Exkrementen erwachsener Schlangen und be- 
sonders der Riesenschlangen unterscheiden sich diese durch 
den Gdialt eines eigenthümlichen gelben Farbestoffs, durch 
eine ansehnliche Menge frder Harnsäure und durch den 
Mangel an Harnstoff. 



Blot und Harn Chlorotischer. 

(Auszug aus Buchner^s Repertor., n. Reihe, Bd. 29, Heft 2. 



Die Resultate, welche aus deq vonAndral und Gavar- 
ret und dem Herausgeber dieser Beiträge angesteltteo Un- 
tersuchungen mit dem Blute Ghtorotischer vor und nach dem 
Gebrauch von Eisenmitteln auf eine so tkbereinstimmende 
Weise erhalten wurden, finden eine neue Bestätigung in den 
UntersnchungeB, welche kürzlich Herberger ansteDte. Ton 
den Eisenpräparaten wurden während 8 Wochen Ferrum alco- 
holisatum, Tinctura ferri acetici aetherea und Yinum ferricum 
gebraucht. Der Fall betraf ein Mädchen aus gebildetem 
Stande, 20 itahr alt, welche Hiit mcht andauerndem Erfolg 
fünf Mal das Bad Schwalbach besucht hatte. Nachfolgende 
Analysen zeigen die Mischung des Blutes vor dem Eisenge- 
brauch (A.) und nach dem Eisengebrauch (B.). Das Blut 
bildete bei freiwilligem Gerinnen „einen etwas reichen Blut- 
kuchen", ohne Grusta phlogistica, 

A. B. 

Wasser ...... 868,34 807,08 

Feste BeStandtheile . . 131,66 192,92 

Fibrin 3,609 1,960 

Albumin ; . . . • 78,200 81,509 
Globnlin . « . . • 36,470 94,290 

Hämatin 1,590 4,029 

Fett 2,310 2,470 

Extractivstoff und Salze 8,92i 8,236 
Verlust 0;500 0,409 

Simon Beiträge I» 3. 24 



36^ Blat und Harn Gblorotischer. 

Diese Untersuchungen stimmen ausserordentlich nahe 
mit denen, welche der Herausgeber angestellt bat *), aoch er 
beobachtete, dass trotz der ausserordentlichen Zunahme von 
Haematoglobttlin, nach dem Gebrauch desJBisens, das Fibrin 
sich yermindert hatte und dass vor wie nach der Kor die 
Menge des Bluteiweisses sich gleich geblieben war. 

Besonders interessant werden Herberger's Unterso- 
chimgen dadurch, dass er zugleich den Urin der Patientin 
vor und nach dem Bisengebraoch untersucble; schon aus 
BecquerelFs Mittheilungen (Le Söm^iotique des urines 
p. 291.) kann man ersehen, dass gleichzeitig mit der Ver^ 
minderung der Blutkörperchen die Menge des Harnstoffs im 
Hnti abnimmt^ so dass in dem einen Falle die Menge des 
flamsioffis im Barne CfalorotiscJier kaum mehr als die Hälfte 
von der im normalen Harne beträgt Annlibemde YerhälU 
nisse ergeben sieh aus den Untersucbungen Herberger^s; 
es wurde der Harn eines cblorotiachea Mädchens während 
der Krankheit an 3 veavchiedenen Tagen untersucht «od 
nach dw Genesung an 2. verschiedenen Tagen. 

Urin vor dem EisengebraucL 

1. 2. 3. 

Spec. Gewicht 1,010 . 1,009 1,013 

Menge des in 24 Stunden 

gelassenen Harns ... 32 Unz. . 42 Ünz. . 35 Unz. 

Wasser 975,43 . 978,21 . 971,98 

Feste Stoffe 24,57 . 21,79 - 28,02 

Harnstoff • . . « ^ • 7,04 « 7,00 7,12 

Harnsäure 0,13 . 0,21 . 0,19 

Extractive Materie . • . 10,48 9,00 13,99 

Feuerbeständige Salze . . 6,80 . 5,50 6,62 

Verlust 0,12 . 0,08 . 0,10 

Urin nach dejnEiseng^brauoh. 

1 2. 

Wasser 940,16 . 938,70 



•) Medicinische Chemie Bd. IL S. 207. 



26,84 . 


27,36 


0,94 . 


0,96 


18,62 . 


16,28 


13,32 . 


15,71 


0,12 . 


0,99 



Blut und Harn Ghlorotischer. 367 

Feste Stoffe . . . 59,84 . 61,30 

Harnstoff .... 

Hanisäure . . , . 

Bxtractive Materie 

Feuerbeständige Salze 

Verlust 

Berechnet man aus, diesen Analysen die Menge des 
Harnstoffs und der Harnsäure nach Prooenten vom festen 
Rückstand, so ergeben sich kx derselben Reihenfolge wie 
oben, nachstehende Zahlen. 

1. 2. 3. 4. 6. 

Harnstoff. 28,7 32,1 25>4 44,9 46,2 

Harnsäure 0,5 0,9 0,7 1,5 1,5 
Der auffallende Unterschied in den Mengen des Harn* 
sio&s und der Harnsäure, weiche der Urin vor und nach 
dem Gebrauch des Eisens enthält, Mt hieraus wohl hinrei* 
chend In die Augen. Zur richtigen Würdigung muss indes- 
sen auf Lehmann' s Beobachtungep über den Einfluss der 
Nahrungsmittel auf den Harnstoff und Hamsäuregehalt des 
Urins hingewiesen werden, denn Hßrberger bemeiU, dass 
das Mädchen, nachdem es hergestellt war, einem vehemen- 
ten Appetite durch reichücho thieriscbe Nahrung ein Genttge 
gethan hat. Apf der andenCi Seite darf auch nicht überse- 
hen werden, dass bei chlorotischen Individunen während 
der Krankheit stickstoffreiche Nahrungsmittel niofat ausgeschlos- 
sen sind, hier also mög^cherweise nur von einer Vermeh- 
rung der gewöhnlichen Diät die Rede sein kann und dass 
ganz gewiss die so sehr vermehrie Zunahme des Harnstoffs 
aum Theil ihren Grund in der veränderten Blutmischung hat 
Dass der Hani während der Kur eisenhaltig war, und 
2war besonders des Morgens un4 dass auch der Schweiss 
Eisen enthielt; davon hat sich Herberger überzeugt 



24 



Ueber die Lebre Ton den Krisen und den kriti- 
scben Tagen, insbesondere iiber die Harnicrise in 

Entziindnngen. 

Torltfufige MittheOung vom 
Hr« SinunenBaiui» 

LaEarelh-Chirvrg im 9. Garde -Regiment. 



Die Lehre von deu. Krisen und den kritischen Tagen^ 
^0 all wie die Medizin überhaupt und hervorgegangen aus 
der treuesten Beobachtung von Krankheiten, die gewöhnlich 
durch die reine Naturfaeilkraft sich entschieden, ist in neu- 
erer Zeit, die es sich namentlich zur Atifgabe gesetzt hat, 
durch die Skepsis und die Negation zur Wahrhmt und zum 
Positiven zu gelangen , von reellen und gewichtigen Seiten 
BtaiiL in Zweifel gezogen, wo nicht gänzlich abgeleugnet 
worden. Und die Gründe, die diese Zweifler &lr sich hal- 
len? Sie waren gerade so stark und vollwichtig, wie die 
der anderen Partei, die mit allen Klüften sie verlbeidigte 
und als Richtschnur filr ihr Thun und Haadebi am Kran- 
kenbette in Anwendung brachte. — Für's Brste steht einer 
ganz exakten Erforschung, ob sich eine akute Krankheit ge- 
nau an den als kritisch erkannten Tagen entscheidet, oft 
der Umstand entgegen, dass man nicht sicher berechnen 
kann, wenn dieselbe angefangen; aber auch da, wo sich 
dies mit Bestimmtheit ermitteln liess, sah man an diesen 



Heb. die Lehre v. d. Krisen u. d. kritisch. Tagen etc. 369 

Tagen oft keine kritische Entscheidung durch Harn und 
Schweiss. und die Kranken genasen dessen ungeachtet. 
Oder die Krisen stellten sich früher, ein andermal wieder 
später ein; oft waren sie da, und der Kranke starb; zudem 
beobachtete man in einer Reihe von Krankheiten, z. B. in 
den nervösen Abdominalfiebem, gar keine kritischen Er- 
scheinungen, während die Kranken genasen, so dass man den 
Harn derselben gar nicht mehr der Aufmerksamkeit würdigte. 
Eben so wenig, wie die allgemeinen Krisen stellten sich 
die örtlichen ebenfalls an bestimmten Tagen ein, womit, wie 
die Yertheidiger der Krisenlehre behaupten, jene im engsten 
Causai-Nexus stehen sollten, so zwar, dass sie nicht die Ur- 
sache, sondern mehr die Folge derselben (örtlichen Krise) 
wären. 

Vor Allem aber wurde das Fieber, von welchem die 
Humoralpatbologen annahmen, dass es die Coction. die kri- 
tische Perturbation und .endliche Entscheidung bewirke, 
und das ihnen als die personificirte Naturheilkraft, als ein 
Deus ex maohina, als ein Hospes ignotus, von dem man nicht 
wusste, woher er kam und wohin er ging, in Bezug auf 
sein Verhältniss zur Krise überhaupt am stärksten in Zwei- 
fel gezogen. Denn nicht genug, dass Genesung eintrat, wo 
gar kein Fieber, vielmehr das Gegen theil davon, zugegen 
war, sah man häufig, durch den Eintritt des Fiebers Ver- 
schlimmerung der Zufälle und den Tod erfolgen. Eben so 
oft sah man das Fieber bald eher aufhören, als die Krise 
eintrat, bald dauerte es länger; ja viele Vorgänge, die man 
als kritisch anzusprechen veranlasst sein konnte, zeigten 
»ich gar nicht von der Art, sondern als rein symptomatische 
Erscheinungen, wie z. B. die Schweisse im Rheumatismus, 
manche Exantheme, wie z. B. der Priesel, der bald als gu- 
tes bald als böses Zeichen erschien. — Dazu nun noch die 
grosse Uneinigkeit, die unter den Vertheidigem der Krisen 
selbst herrschte, die bald jenen bald diesen Tag als kritisch 
gelten lassen wollten, die grosse Unbestimmtheit in der De- 
finition der Krise, die vollkommene Unmöglichkeit^ einen po- 
sitiven Beweis zu führen, dass die im Schweiss und dem 



STB VA. die Lehre v. d. Ktisea u. d. krüiscb. Tagen etc. 

Harn beobaobleteii paftkologiscben EracbeiDungeD, deren ehe- 
miache Beatandtheile man nicht im entfernlesten kannte, 
BBÜ der gekochton und auageleerien Maleria peocans im Zo» 
aMuneniiMige alehen, ja die Unfiilugkeit der Hnmoralpatho- 
kgen, diese letztere im Blute evident nachsuweisen: wenn 
man alles dieses zusammenfasst und bedenkt, so kann man 
es denkenden und mit Beobachtungsgabe ausgestatteten 
Aerzten nicht verargen, wenn ihr Glaube an das alte Dogma 
der Krisen und der kritischen Tage fest ganz und gar er- 
schüttert wurde. Diejenigen, welche nur das Ansehen des 
Hippocrates und des Galen noch dadurch zu retten such- 
ten» dass sie annahmen, dass bei unserer heutigen energi« 
scheren Behandlungsweise der Krankheiten die Krisen nicht 
so auffallend auftreten, oder wohl ganz und gar nicht zu 
Stande kommen, handelten noch äusserst glimpflich. 

Aber wenn man den Stand der damaligen Medicin und 
ihrer Fundamental- Wissenschaften, namentlich der Chemie, 
betrachtet, so muss man gestehen^ dass der Kampf liber die 
Lehre von den Krisen, wo derselbe am hartnHckigsten ge- 
lUhrt wurde, ein Kampf war des Riesen mit den Windmith« 
len, ja dass die meisten Streiche in die blaue Luft und im 
Finstera geschahen. Man war damals durchaus unfthig, auch 
nur einen einzigoi Satz positiv zu beweisen oder zu ne- 
gtfen, da alle Gründe, die man vorbrachte, auf Schein , nichi 
auf Thatsachen gegründet waren, da man immer nur auf 
der Oberfläche herumsnchte, ohne in das Innere dringen zu 
können. Beobachtungen, auch noch so gut hippokratisch ge- 
macht, standen gegen Beobachtuogen: dagegen forschte man 
nicht, man experimentirte nicht, um der Natur ihre Gebeine 
nisae abzuzwingen. 

In mir regten sich eben dieselben Zweifel und um mich 
zur Positivität zu erheben, versuchte ich bei der guten Ge- 
legenheit, die mir dazu geboten vnirde, und ausgerüstet mit 
demjenigen Maass von Kenntnissen, das vielleicht hinreicht, 
einiges Licht über diesen dunklen Punkt zu verbreiten, und 
namendioh ausgerüstet mit der Ausdauer und Geduld, die 
dazu nöthig ist, ein ganzes Vierteljahr hindurch Tag fUr Tag 



Ceb. die Lehre v. d. Krisen a. d. kritisch. Tagen elo. 371 

von 5 bis 8 Kranken die Bxoreta und das Blut za unter- 
suehen, hierüber AufklMmog zu rerschaflTen. 

Beim Mifitair bat man anerkanntemassen die beste Ge 
legenheit, Untersuchungen über die Krisen anzustellen , da 
die akuten Kranken gewObnttch im Stande «sind, genau an- 
zugeben, an welchem Tage ihre Krankheit begonnen hat. 
Denn meistens werden (Ke Soldaten auf dem Wachposten, 
oder beim Exerciren im Freien vom Frost ergriffen und 
entweder am ersten oder höchstens am zweiten Tage ihrer 
Krankheit ins Laeareth gebracht: und fast immer tritt der 
Frost in den akuten Krankheiten, namentMeh den Entzündun- 
gen, mit selcher Heftigkeit bei den gesunden, blühenden 
Soldaten auf, dass die Zeit, wo er sich einstellte, ihrem Ge- 
dächtniss nicht leieht entschwindet Davon hatte ich mich 
nun auch früher schon hinlänglich Überzeugt, dass die kriti- 
schen Erscheinuiigen, namentliph im Haro, durchaus nicbt im- 
mer an den sogenannten krittsehen Tagen eintreten, da dies von 
so mancherlei Umständen, die störend einwirken können, ab- 
hängt. Denn erstens kommt es auf den Wassergebalt des 
Harns, auf die Ifenge der schwer löslichen Bestandtheile, z. B. 
des hamsaurea Ammoniaks, der Harnsäure und der Tripel- 
phosphat - Krystalle, zweitens auf die Temperatur des um- 
gebenden Mediums und drittens auf die Zeit an, seit wel- 
cher der Kranke dm Harn gelassen hat. Gar zu häufig ver- 
einigen sich alle diese Umstände, um den Arzt zu täuschen, 
während man bei genauerer Untersuchung immer im Stande 
ist, so lange die akute Krankheit währt, pathok^che Ver- 
änderungen im Harne nachzuweisen. 

Als das trefflichste Beagens auf den Harn, welches die 
eo umständlichen, Zeit und Geld raubenden chemisehen 
Untersuchungen ziemlich überflüssig macht, wenn man 
nicht ein vollkommener Chemfter ist, und nicht in einem 
solchem Umfange zu ezperimentiren im Stande ist, dass 
man auch jedes Atom Exkret in Betrachtung ziehen kann, 
ist die Kälte zu betrachten. Sie war das souveraine 
Mittel, das ich als Einleitung der Untersuchung benutzte, 
indem ich jeden Harn einer Temperatur von 0*--5* B. aus- 



372 Udb. die Lehre v. d. Krisen u. d.'krütscb. Tagen eic. 

selzie. So wie ich einen akuten Kranken ins Lasareth be- 
kam, musste derselbe, bevor er irgend wie behandelt wurde, 
seinen Harn lassen, und unier air den Fällen, die ich später 
kurz angeben werde, befand sich kein einziger, dessen Harn 
nicht gleich am .ersten oder zweiten Tage, jenachdem er ins 
Lazareth gebracht worden war, ein Sediment. lateric. ge- 
macht hätte, während eine andere Portion, die in der Stdbe, 
bei 15 bis 18* R. stehen blieb, dieses keinesw^s that. 

Ebenso verhielt sich der Harn von den folgenden Tagen, 
nur mit dem Unterschiede, dass zur Zeit, wo die Hesolution 
und die Ausführung der metamorphosirten Maleria peccans 
am reichlichsten vor sich ging, da so verhältnissmässig sehr 
grosse Mengen von hamsaurem Ammoniak, Harnsäure und 
der Tripelphosphat-Verbindungen zugegen waren, der Harn 
auch in der Stube Sedimente von diesen, unzweifelhaft 
durch Zersetzui^ der Materia peccans entstandenen Produc- 
ten machte. Aber dieses geschah durchaus nicht, fast nie^ 
an den als kritisch anerkannten Tagen, wohl aber fiel es ge- 
wöhnlich mit dem deuthchen Abnehmen der örtlichen Erschei- 
nungen zusammen, so zwar, dass das Erscheinen der Harn- 
Sedimente als Folge der örtlichen Krise, und nicht als Ur- 
sache derselben zyi betrachten ist 

Das Fieber hat nun, wie mich zum wenigsten meine Be- 
obachtungen belehren, mit den ILrisen im Harn auch nicht 
das Allermindeste zu thun, höchstens dürfte man die Ver- 
mehrung des Hamfarbfitoffes damit in näheren Zusammen- 
hang bringen können. Denn erstens habe ich Hamkrisen, 
und zwar von so ausgezeichneter Qualität und Quantität, 
wie man es nur immer kann, bei Kranken beobachtet, die 
während der Dauer ihrer ganzen Krankheit gar kein Fieber 
hatten, als auch mir zu häufig der Fall vorgekommen ist, 
dass z.B. in Pneumonien, nach energischer Anwendung der 
Antiphlogose, das Fieber sowohl als die dringendsten örtli- 
chen Erscheinungen in den ersten 3 bis 6 Tagen total ver- 
schwanden, während noch mehrere Tage darnach sehr aus- 
gezeichnete Harnkrisen eintraten. Gewiss ist das Fieber 



Ueb. die Lehre v. d. Krisen u. d. kritiscb. Tagen etc. 373 

niohfts weiter, als ein blosse Symptom, und hat dieselbe 
Bedeutung, wie jedes andere, z. B. der Schmerz, und zeigt 
stets an, dass die Gentralorgane des Nervensystems in Mit- 
leidensebafl gezogen worden sind: also ein Höhersteigen und 
Weiterumsichgreifen des Krankheitsprozesses. Wenden wir 
daher zeitig und energisch dergleichen Mittel an, die so auf 
den Grund des KrankheitsiM'ozesses und so umstimmend 
oder depotenzirend auf den Krankheitskeim, das Pseudo- 
plasma, einwirken, dass er verhindert wird, tiefer und fes 
ter Wurzel zu fassen und mehr Widerstand fiiKlet, so steht 
es immer in unserer Gewalt, auch das Fieber fortzuschaffen^ 
und damit ist stets sehr viel gewonnen. Denn wir heben 
hiermit nicht bloss das Symptom, sondern, da die Wirkung 
immer eine Ursache hat, die Ursache dieses Symptomes, das 
ganze Wesen der Krankheit S^wirkt das Chinin, in den 
nervösen Abdominal-Fiebern mit rotermittirendem und selbst 
remittirendem Typus, und der Äderlass in Entzündungen 
mit remittirendem oder anhaltendem Fieber, so iange noch 
nicht in dem Krankheitsbeerde eine solche Metamorphose 
eingetreten ist, dass von hier aus, durch Beizung der cen- 
tripetalen Nervep das Fieber unterhalten und genährt wird, 
und das ergossene Pseudoplasma die Stadien seiner Um- 
wandlung zu durchlaufen genöthigt isU 

Bei meinen Untersuchungen und anhaltend fortgesetz- 
ten Beobachtungen stellte sich mir vielmehr das Gesetz 
heraus, dass in akuten* Krankheiten, z.B. Entzün- 
dungen, Erysipelen, der Umlauf stets in 7, 14, 21, 
28 Tagen, manchmal in 4 und 11 Tagen genau be- 
endet wurde und zwar war der Harn dafür das entschei- 
dende Merkmal. Denn mit diesen Tagen hörten die patho- 
logischen Erschemungen, die in verschiedener, gesetzmässi- 
ger Reihenfolge aufzutreten scheinen, vollkommen auf, wäh- 
rend die örtlichen Symptome gewöhnlich schon so geschwun- 
den waren, dass die Kranken das Bette verlassen hatten, 
und bis auf einige Schwäche, ganz wohl und genesen zu 
sein schienen; wogegen die Erscheinungen, im Harn jeden* 
falls darauf Undeuteten, dass im Krankheitsbeerde noch 



374 Ueb. die Lehre v. d. Kriseu u. d. kriüsdi. Tagen etc. 

solche palbologische Veränderungen vor sich gingen , die 
auf Residuum der Maieria peccans und auf nicht vollen* 
dete Wiederherstellung des ergriffenen Organs hindeuteten. 
Gewöhnlich fiel die Entscheidung der örtlichen Affektion um 
die Mitte dieser Tage ein, so um den 3. bis 5., um den 5. 
bis 8., um den 9. bis IS., um den 16. bis 24. Tag, was sich 
auch meistentheils durch freiwilliges Sedimentiren des Har- 
nes in der Stube bemerkbar machte. Stets gehen in Bntilln- 
düngen mit den Hamkrisen die Krisen durch die Haut einher; 
man wird wohl selten eine Pneumonie oder eine Erysipelas- 
Form beobachten, die sich zum Guten entschiede, wo die Haut- 
krise nidit da gewesen wäre; wohl aber fehlt sie gewöhnlich 
da, wo dieKraiÄhett einen tödtUchen Ausgang nimmt, wUhrend 
sich pathologische Veränderungen im Harn auch in solchen 
Fällen stets vorfinden und^achweisen lassen werden. 

Bei denjenigen KranBeiten mm, wie Entzttndungeni 
Erysipelen u. s. w. , wo eine Umwandlung des ergossenen 
Plasma in EUer und Schleim geschieht, lässt es sich nach« 
weisen^ dass bei der Metamorphose desselb^ d^ es durch- 
läuft, die im Harn und Schweiss beobachteten Veränderun- 
gen entstehen. Diqenigen Sedimente, durch welche sich 
diese Krankheiten entscheid«!, sind: das hamsaure Ammo- 
niak, die TripelphospbatrKrystalle und die reinen Hamsäure- 
Krystalle, die bald iür sich allein, bald in Verbindung von 
zweien aulzutreten pflegen. Sie verdanken ihre Entstehung 
einer ähnlichen Umwandlung proteäfnartiger Körper, wie der 
Harnstoff, die unkrystallisirte Harnsäure und die phoqphor 
saure Magnesia und der phosjrfkorsaure Kalk, wie sie im ge- 
sunden Zustande im Harn als integrirende Bestahdtheile vor- 
kommen. Man sieht leicht, dass alle ihre Elemente in dem 
ProteYnkörper enthalten suid, und dass der Chemismus mir 
in ganz geringer Weise modificirt zu sein braucht, um diese 
Verbindungen zu Wege zu bringen. 

Wie der gesunde Lebensprozess nichts weiter ist, als 
das Produkt der qualitativ und quantitativ normalen, 
progressiven und regressiven Metamorphose imd dadurch 
zu Stande kommt, dass sich beide das Gleicbgewidit hal- 



Ueb. dte hehre v. d Krisen a d. kritisch. Tagen etc. 375 

ten, 80 besteht aveh der kranke Lebensprozess in nichfs 
Anderem f als dass zwischen beiden das Gleichgewicht ge- 
stört, eine vor der anderen vorherrscht, oder die Qualität 
derselben abgeändert ist. Wie in der gesunden progressiv 
ven Metamorphose die organische Lebenskraft allen in sie 
eingehenden, assimülrbaren Stoffen das Gepräge des Orga- 
nisdien aofdrtteki und sie geschickt macht, in die Bmäh< 
rung des Organismus einzugehen, indem sie die chemisdie 
Qualität derselben tiberwindet, so besteht die regressive Me- 
tamorphose darin, dass entweder die organitohen, nicht as- 
similirten Stoffe, oder die durch die Aktion der Organe, den 
Lebensprozess, verbrauchten, excernirbaren Materien, durch 
die Einwirkungen des Saoerstoffii in den lAmgen und dem 
peripherischen Gefässsyslem der Haut zersetzt werden, 
wobei eine sotdie Umwandlung der Stoffelemente in den 
Formelemenysp vor sich geht, dass die auf der Stufe ^um 
Anorganischen stehenden Produkte , der Harnstoff, die Harn- 
säure, die Salze (schwefelsaure und phosphorsaure Alkalien) 
die Milchsäure, die milcfasauren Salze (milchsaures Natron, 
milchsaures Ammoniak) harnsaures Ammoniak gebildet wer« 
den. IMe Entwickehmg* von Ammoniak ist das Gharakte- 
ristisidie des Zersetzungs- oder Fäulniss- Prozesses animali- 
scher Materien, das Produkt des reinen Chemismus; und 
wir sehen daher in der regressiven Metamorphose das 
Hervorragen der chemischen Verwandschaftskraft Über die 
organisohe LebenskrafL Es würden fnilich bei der Fäul- 
niss organischer Materien ausserhalb des Organismus ganz 
andere Verbindungen entstehen, und nur dem noch stattfin- 
denden Einflüsse der organischen Lebenskraft ist es zuzu- 
schreiben, dass sidi EamsliaS etc. bilden. 

« In Krankheiten nun, wo die organische Lebenskraft un- 
terdrttAt oder gesunken ist und der Chemismus vorherrscht, 
da finden wir, dass auch mehr die anorganischen Produkte 
bei der Zersetzung der organischen Materien entstehen. So 
das hamsaure Ammoniak in tkberwiegender Menge, die Tri- 
pelphosphal-RrystaHe, die sich, wie ich gefunden habe, aus 
aUen thierischen Matanen durch Fäuhüss entwickeln; die 



376 Ueb. die Lehre v. d. Krisen u. d. kritisch. Tagen etc. 

Milchsäure, die sich im Harn, den man einige Zeit stehen 
lässt, fort und fort erzeugt, bis alle diejenigen Bestandtheile 
desselben verbraucht sind, aus denen sie sich zunächst bil- 
den kann; endlich deutet auch die Erscheinung der krystai- 
lisirlen Harnsäure ebenfalls auf einen eliminirten Ghemis> 
mus hin. 

Auf dieser regressiven Metamorphose der Therapia sem- 
pitema interna des Priedr. Hoffmann, beruht nun in der 
Tbat in Krankheiten alle Naturheiiung; ohne diese Eigenschaft 
aller thierischen Materie unter Einwirkung der Wärme, des 
Wassers und des Sauerstoffs in Zersetzung und Päulniss 
überzugeben, ist in manchen Krankheiten Heilung undenkbar. 
In Entzündungskrankheiten nun durchläuft das ergos- 
sene Pseudoplasma erst sdche Metamorphosen durch die 
Einwirkung der organischen Lebenskraft, dass es ins Blut 
resorbirt, durch die Einwirkung des SeuerstoQi^ beim Alh* 
men in die mehr anorganischen Produkte verwandelt wer- 
den kann, und es scheint dies gleich mit dem ersten Tag& 
der Krankheit vor sich zu gehen, da wir sofort, nach dem 
Frostanfall, schon Sedimente von harnsaurem Ammoniak im 
Harn bewirken können. Die Reifaefolge der Sedimente ist 
verschieden, was auf besonderen Bedingungen zu beruhen 
scheint; aber immer beginnen sie mit dem hamsauren Am- 
moniak, dann können die Tripelphosphat-Krystalle folgen 
oder das hamsaure Ammoniak mit den Hamsäure-Krystallen, 
dann diese allein, oder auch mit den Tripelphosphateo; aber 
stets hat sich mir in allen Fällen, wo Pseudoplasma die Me- 
tamorphose durch Eiter etc. durchlief, die Erscheinung dar- 
geboten, dass zuletzt die reinen Hamsäure-Krystalle entwe- 
der allein oder mit dem harnsauren Ammoniak auftraten. 
Diese Harnsäure - Krystalle werden gewöhnlich übersehen, 
entweder weil man überhaupt den Harn derReeonvaleseen- 
ten nicht mehr der Beachtung fiir werth hält, oder weil sie 
zu unscheinbar sind. Ihr Erscheinen ist das sicherste Zei- 
chen, dass, bei gleichzeitiger Abnahme der örtlichen Symp- 
tome, die Genesung sicher eintreten wird, und. sie geben 
ebenfalls filr die Entlassung^zeit der Kranken einen sehr gu- 



* Ueb« die Lehre v. d. Krisen u. d. kriüsdi. Tagen etc. 377 

ten Fingerzeig. So lange nämlich noch die Harnsäure -Kry- 
stalle erscheinen, so lange ist der Kranke noch nicht voll- 
kommen genesen, wiewohl es oft den Anschein hal^ entliesse 
man ihn ans der Krankenanstalt, so würde er, da wegen 
der Andauer des pathologischen Prozesses in dem ergriffe^ 
nen Organ dieses noch immer die pars minoris resistentiae 
ist, sehr leicht ein Reci^iv bekommen können. 

Jedenfalls müssen wir den Typus und Periodus morbi 
ia dieser Metamorphose der Materia peccans suchen, und 
die Ontoiogen haben ganz Recht, wenn sie, freilich in ihrer 
mehr poälischen als wissenschaftlichen Sprache, die kriti- 
schen Tage und die Lebensdauer der Krankheit an die Le- 
bensdauer des Parasiten, des Pseudoorganismus, knüpfen. 
Dies giebt jedoch einen Fortschritt in der Erkenntoiss des 
Wesens der Krankheiten und ihrer nächsten Ursaehen, der 
den wichtigsten Nutzen ausüben wird«- . 

Fragt man nach den Beweisen, woher ich dazu komme, 
das harnsaure Ammoniak, die Tripelphosphat*Krystalle und 
reinen Hamsihire-Krystalle, als die Zersetzungsprodokte der 
Materia peccans zu betrachten, so könnte ich erstens die 
Zweifler auf gevfichtige Autoritäten verweisen. Zweitens 
sind, wie schon gesagt, alle Elemente dieser pathologischen 
Hambestandlheile in Plasma, Eiter etc. enthalten, und drit- 
tens findet ein auffallendes Alteriren zwischen den Sedimen« 
ten und einem Harne statt, der eine gerinnbare Protetn-Ver- 
bindung enthält, die, gemäss der chemischen Reaktion, rei- 
nes Fibrin ist, wie ich in Casper's Wochenschrift Nr. 22. 
d. J. näher dargethan habe. Und hierbei ist dies das Merk- 
würdige, dass das Fibrin, wahrscheinlich weU es als ein 
exkrementieller Stoff im Blute vorhanden ist, gewöhnlich 
schon in dem Serum des Blutes dieser Kranken vorhanden 
war. So habe ich es bei zwei Augenkranken und zwei 
Pneumonischen gefunden. Oft kommt das Fibrin im Harn 
allein vor, und fault dann sehr schneü, wobei sich die Tri- 
palphosphatrKrystaUe bilden, oft kommt es in Verbindung 
mit dem harnsauren Ammoniak, der Harnsäure und den 
Tripelphosphat-Krystallen vor. Kommt es allein im Harn 



378 Ueb. die Lehre v. d. Krisen n. d. kritisck. Tagen etc. ' 

vor, so ist dies ein Beweis, dass die Zersetzung dessetben 
entweder deshalb nicht za Stande kam, weil die Einwiifcmg 
des SooerstofiBi gehemmt war, wie z. B. bei heftiger Pleo* 
ritis oder Pneumome, oder weil seine Menge zn bedeatend 
war, wie bei den Aogenkranken. In diesen letzteren PSl* 
len war das Sennn primär fibrinhaltig; in den Fällen von 
Pleuritis oder Pneumonie, wo ich es beobachtet habe, war 
es wahrscheinlidi durch Resorption des plastischen Ezsu- 
• dets ins Blut aufgenommen worden; denn die ersten Ader* 
ttsse zeigten ein ganz reines fibrinfreies Serum. 

Für das Gesetz, dass mit dem 7, 14, u. s. w. Tage, wo 
die pathologischen Veränderungen im Harn aufhören, erat 
der ganze Krankheitsprocess beendigt ist, stehen mir 6 Pneu« 
monien, resp. Pleuritis, zu Oebote, 3 Erysipel^Formen, 3 Au* 
genkranke; dass die Hamsäure-Krystalle bei der Metamor- 
phose des Plasma durch Eiter etc. entstehen, sowohl jene 
11 Kranke, als auch ein Kranker, bei dem eine Vereiterung 
last sämmtKcher Lymphdrüsen stattfand, bei einem Kran- 
ken der hintereinander mehrere Absoesse bekam, wo der 
Harn bald Fibrin, bald Harnsäure - Krystalle enthielt; zwei 
Andere, wovon der Rine einen Abscess. am Hinterhaupt, der 
Andere zwei Bubonen hatte, die in Eiterung übergegangen 
waren. Beide Kranken hatten kräi Fieber; trotzdem machte 
der Harn einige Tage hindurch Sedimente von hamsaurem 
Ammoniak, dann von Hamsäure-Krystallen und bei dem Er- 
steren war er einige Mal gerinnbar. 

Im Harn bei Typhus, Febr., gastr., bUiosa, im Wedt- 
aelfieber habe ich nie die reinen Harnsäure - Krystale ge- 
sehen. 

y Der Baum gestattet es mir nicht, diesen für die Palho* 
logie so wichtigen Punkt noch näher zu erörtern und es 
möge diese flüchtig entworfene Skizze einstweilen ah ein 
Nothbebelf dazu dienen, die Forschungen Anderer ebmMls 
auf denselben hinzulenken, bis ich im Stande bin, die Er- 
gebnisse meiner Studien als ein organisch Zusaflameohängen- 
des vorzulegen. 



U^. die Lebre v. d. Krisen il d. kritisch. Tagen etc. 379 

Nachschrift vom Re'dactenr. 
Der vorstehende Aofeatz verbreitet sich tiber Fragen 
in der Medizin, weiche von jeher die Aufmerksamkeit der 
Aerzte in Ansprach nahmen. Da es dem praktisch viel he* 
scliäfligten und denkenden Arzte ein Leichtes sein muss, 
aus der grossen Anzahl seiner Beobachtungen zu entscheid 
den, ob und w^he Krankheiten sich mit kritischen Erschei- 
nungen in den Se* und Bxcretionen entscheiden, so würe 
es wunderbar, w«Ein die Annahme dieser Krisen und ihre 
Bedeutung im Harn, Schweiss etc. noch in Frage gestellt 
w^den solRen. Diess ist dann auch keineswegs der Fall, 
da sich die anwkanntesten Autoritäten in der Medizin da* 
für aussprechen. Ein anderer Punkt ist die Feststellung der 
kritischen Tage und es wäre wohl sehr wttnschenswerth 
wenn von erfahrenen Aerzten darüber die Meinungen au8<- 
gesptochen würden. Aber auch über die Krisen im Harn 
und Schweiss an sich sind wir 'noch nicht hinreichend un- 
terrie£tet, da erst die jüngste Zeit die Mittel an die Hand 
giebt, dieselben ihrer Natur nach genau zu erkennen. Ein 
Jeder Arzt hat Gelegenheit, die Erscheinungen, wdche als 
kritisch im Harn auftreten, zu beobachten, und die QMalität, 
die eingetretene Veränderung mittdst des Mikroskopes und 
wei^r chemischen HülfsmiUel zu studiren; möchte doch 
auch hierzu der vorstehende Aufsatz anregen. Da aber be- 
kanntlich nicht aUe von den normalen abweichenden Br> 
schrinungen im Harne kritisch genannt werden können, 
80 muss die gewissenhafteste und genaueste Untersuchung 
des Krankbeitsprocesses mit dem Studium der Hambeschaf^ 
ienheit verbunden sein. 

Es mögen hier noch einige Bemerkung^ über kritischen 
Harn ihren Platz finden, wdche Selon (Arch. general de 
m^didn) mittheiit, die ich um so lieber der Beachtung der 
Leser anempCeUe, als es gerade dem praktischen Arzte se 
Irehr leicht isl, über die Richtigkeit der Solon'sc^en Beob* 
•chtwgen zu entscheiden. Ich selbst habe zu wiederhdten 
Malen den Harn mit Salpetersäure geprüft, so wie es unten 
angegeben ist, ohne da, wo es hätte erwartet werden kön- 



380 Ueb. die Lehre v. d. Krisen u. d. kritisch. Tagen elc. 

nen, die charakteristischen Erscheinungen eintreten zu sehen-; 
bisweilen wurden sie da, wo man sie nicht erwartete, wahrge- 
genommen, bisweilen traten sie in anderer Form ein, wie sie 
So Ion beschreibt. Weshalb eine Wolke, wie sie Solon be- 
schreibt, im kritischen Harn nach Hinzuf&geQ von Salpeter« 
säure entstehen soll, ist nicht wohl abzusehen; Trübungen 
iheils partielle, theils vollständige, beobachtet man sehr oft, 
aber diese dienen, nach meiner Erfahrung, eher als Vorläu- 
fer der Krisen, oder zeigen unvollständige Krisen an, wo- 
hingegen die eigenthUraliche Art des Hamsedimeuts aus 
hamsaurem Ammoniak viel charakteristischer für das erfolg- 
reiche Heilbestreben der Natur zu sein scheint. 
Solon bemerkt nun Folgendes: 
Wenn der Harn weniger oder 1015 spec. Gew. hat, we* 
nig gefäri^, frei von Albumin ist und von Salpetersäure 
nicht gefällt wird , so ist es der . sogenannte anämische 
Harn. Ist der Harn klar, stark gefärbt, von höherem spec. 
Gewicht wie 1015 und bildet mit Salpelarsäure versetzl 
keine Wolke, so ist es gesunder Harn, oder Harn wie man 
ihn auch zuweilen bei acuten oder chronischen Krankheiten 
antrifft Wenn dagegen im Verlauf einer akuten Krankheit 
der Harn nach Hinzufilgung von 10^15 Tropfen Salpeter- 
säure eine Wolke von 5 — 6 Millm. (2(— 3 lin.) Dicke hervor- 
bringt, welche in der Mitte der Flüssigkeit schwebt, wie das 
Enaeorema der Alten, so ist dies ein Anzeichen der Krisis der 
Krankheit und die Hamwolke ist kritisch. An der Stelle 
der Wolke kann eine theilweise oder voUsändige Trübung 
des Harns entstehen, wie man bei verschiedenen Umständen 
im Fieberstadium sieht Aber diese Wolken haben in den 
meisten Fallen keine kritische Bedeutung, nur in gewissen 
Fällen gehen sie einige Tage der kritischen Wolke voraus, 
eben wie es mit ringförmigen oder dünnen, kaum \ Linie 
dicken Wolken der Fall ist Der trübe, rölhlich- gelbe, ju* 
mantöse Harn ist nur selten kritisch, wird er aber filtrirt 
und bringt in der klaren Flüstigkeit Salpetersäure die Wolke 
hervor, so ist er kritisch und er ist es nicht, wenn er klar 
bleibt oder wenn er sich auf abweichende Weise trübt 



• • 



Ueb. die Lehre v. d. Krisen u. d. kriliseb^ Tagen etc* 381 

Die kritische Wolke erzeugt sich entweder augenblicklich 
nach Hinzuiügung der Salpetersäure^ oder nach einigen Se- 
kunden oder Minuten; sie bildet sich in der Mitte und sinkt 
bis zum & Theil der Flüssigkeit, schwimmt horizontal, ist 
dunkel und löst sich nach 24 Stunden von selbst auf; sie 
besteht aus hamsaürem Ammoniak, und bildet sich wahr- 
scheinlich j|uf die Weise, dass das harnsaure Ammoniak des 
Harns zum theil terseizi wird, und saures harnsaures Am- 
moniak entsteht Die Andauer des kritischen Harns wShrt ein 
bis mehrere Tage, so däss man also mehrere Tage hindurch 
die Prüfung vornehmen muss. Auch albuminOser Harn kann 
auf diese Weise sich kritisch zeigen, doch muss man als- 
dann concentrirte Essigsäure statt Salpetersäure anwenden. 

Selon bemerkt, dass jahrelanges Beobachten' ihn von 
4em wahren Wertbe der kritischen Wolke fibeneeugt faabe^ 
die besonders ansehnlich in akuten Krankheiten; auch im 
lyphösen Fieber zeigt sie sich häufig, allein die Schwier%- 
keit^ immer den Harn während der Krankheit gehörig zu 
Mmfneln> hat die hinreichend vollständigen Beobachtungen 
bis jetzt beeinträchtigt 

Die kritische Wolke zeigt sich in einigen Fällen öfter 
als ein Mal, so nach jedem Paroxysmus der Intermiltens, des 
akuten Rheumatismus oder nach dem Fieber der Invasion 
und Suppuration der Variolen^ Sie bildet sich nicht in der 
dureh Breohweinstein behandelten Pneumonie, nicht bei dem 
durch grosse Dosen Salpeter behandelten akuten Rheuma- 
Iismus, in welchen Fällen diese Salze im Urin die Bildung 
der Wolke verhindern. 

Die kritische Wolke zeigt sich nicht ohne Ausnahme, 
da die Natur noch andere Wege zur kritischen Ausschei- 
dung benutzt; aber in den Pleuropneumonien, wo man sie 
am bestMi beobachtet > fehlt sie unter 10 Mal höchstens 
ein MaL 

Wenn auch das Erscheinen der kritischen Wolke nicht 
ohne Ausnahme einen günstigen Veriauf der Krankheit in 
Aussicht stellt, da sie biswcolen bei Phthisischen kurz vor 
dem Tode oder bei anderen Kranken, welche unrettbar ver- 

Simon Baitraga I. $• 25 



382 Ueb. d. BesibsITeiiheit d. Exsudats bein Weichselzopf. 

loren sind, i» Folge sioh xtigeseUcnder BnlziinduiigeQ beob- 
achtel Tvird, so bat doch xvie Solon bemerkt, seine Erfah- 
rung Ihm gelehrt, dass solche Päile den Werlh der beob- 
achteten Erscheinung nicht beeinträchtigen können. 



Ueber die Besehaffenbeii des Exsudats beim 

WeicbselKopf 

vom 
Professor HüneteM 

in Greifswald. 



Seit der diemischen Untersuchung der Haare von Vao- 
queliH ist, soviel ich weiss, die neuertich von Lear publi- 
cirte die einzige tkber <Kesen Gegenstand in so langem Zeit- 
räume. Vor zwei Jahren wurde ich zu chemischen Versu- 
chen mit dem Weichselzopf veranlasst, indem mich mein 
gegenwärtiger Kollege, Herr Prof. Baum, damals ärztlicher 
Dirig^t des grossen Lazareths zu Danzig, ersuchte, an den 
mir tibersendeten sehr ausgebildeten zwei WeichselzOpfen 
etwa stattfindende chemische Diifer^zen darzulegen. Nach 
Vauquelin soll die Haarsubstanz in der FIttssigkeit des 
Weichselzopfs in einem nicht völlig erhärteten Zustande 
sich befinden. Der Auszug des Vauquelin'schen Memoire 
in den Ann. de Ch^m. T. LVIII. 1806. schKesst mit den Wor- 
ten: „Un commencement de travail, entrepris par VL Vau- 
quelin sur rhumeur de fa plique hii fäit croire, qu'elle est 
de la m&me natura que la substance des cheveux. et qo'elle 
est surabondante k la formation de ces demiers." Das 
gesunde Haar und das des trockenen Weichselzepfs verhal- 
ten sioh nach meinen Versuchen zu Wasser, Weingeist, Ae- 
ther gleich oder unmerklich verschieden. Ebenso zeigte die 
mikroskopische Betrachtung keine Verschiedenheil, so wie 
denn auch nach der Beobacbtung meines Kollegen Baum 
an den Harrbälgen keine Differenz wahrzunehmen war. Der 



Ueb. d. BesdialfeDheii d. Exsudats beim Weichselzopt 383 

von einer klebrigen Flüssigkeit durcbdriiBgene Weicbseizopf 
enthielt eine Menge abgelöster Haarsehuppea, geraengt mit 
Staub, SchBMtterlingsflttgeln, Federchen u. dgL Nach Vau* 
quelin zieht Wasser, was mdirere Tage ttber gesunden 
Haaren kecbte, eine geringe Menge thieriscber Materie aus, 
welche das GallSpfelinftisum fidlt, und Fäuhuss des Wassers 
bei .längerem Stehen veranlasst Yauquelin sieht den ex» 
trahirten tfaierischen Stoff mehr als ein Produkt an, was er 
zum Theil auch allerdings ist; denn wenn man entfettete 
gesunde Haare sehr fein zerschpeidet, so zieht Wasser von 
50— 60^R. in Zeit von 8 — 12 Stunden nur eine sehr un* 
merkliehe Menge extractiver Materie aus. Lear bemerkt 
ebenfalls, dass, wenn man reine und entfettete Haaro tage- 
lang mit Wasser (in demselben aufgehängt) auskocht, sie 
nach mehreren Tagen r^^thlich werden, aber nur wenig an 
Gewicht abnehmen; das vom Wasser aufgenommene föHt 
neutrales und nach diesem noch basisches Bleiacetat und 
Spuren von Schwefelblei , Gblorblei und einer Verbindung 
von Bieioxyd und einer organischen Substanz, welche letz* 
tere nach Abscheidung durch Schwefelwasserstoff und eva- 
porirt butterartig rotbbraun, in Alkohol völlig unauflöslich 
ist, und mit süssiichem thierischen Geruch verbrennt Ein 
Theil der durch eine schmierige FlUssig)Leit veridebten und 
in einander gewirrten Haare des Weichselzopb wwde in 
destiU. Wasser einige Stunden eingeweicht, dann in demsel* 
ben ge>Vaschen. Die Haare gingen leicht auseinander; das 
Wasser hatte sich bräunlich gelb gefärbt; es wurde filtrirt 
und im Wasserbade evaporirt, wobei sich die Flüssigkeit 
immer dunkler färbte und trübte und einen sehr unange^ 
nehmen Geruch entwickelte. Das Präparat zeigte unter dem 
Mikroskop nichts Krystallinisches; es reagirie neutral. Mit 
Kalk gemengt, entwickelte es sogleich einen starken Am- 
moniakgeruch, und die filtrirte Auflösmig gab mit Infus, 
gallar. einen reichlichen schmutzig braunen Niederschlag, 
mit Silbemitrat einen käsigten aus Chlorsilber und Silber^ 
oxyd mit tbierischer Substanz; Bleiacetat verhielt sich ähn- 
lich; mit Sublimat und schwefelsaurem Kupfer gab sie starke 

25* 



384 Ueb. d. Beschaffenheit d. Exsudats beim Weichselcopt 

Niederschläge, weniger storiL mit Bisenchlorid, und nicht 
mit Eisenoxydulsalz und Gyaneisenkaiiimi. Die Bestandtheile 
der Asche des Extracts waren: Kochsats, Spuren von Chlor- 
kalium, Natronsulphat, Natronphosphat, pbosphorsaurer und 
schwefelsaurer Kalk und Eisenoxyd. Das von einem an- 
dern Theii der Haare bereitete Extract wurde durch Wein- 
geist in ein Wasser- und Weingeistextract geschieden, ^- 
steres betrug an Menge ohngefilhr 44, das andere ^V- ^ 
würde zu weit lührim, die damit angestellten qualitativen 
Proben alle aufzuflihren, da die Chemie der extractiven thie- 
rischen Materien noch so mangelhaft ist; ich will nur be- 
merken, dass sich die beiden Extrakte im Wesentlichsten 
wie das Fleischextrakt verhielten, und nur in der Art 
verschieden waren, dass der durch Sublimat ßllbare Ex- 
traktivstoff im Wasserextrakt, der durch Kupfersulphat fäll- 
bare im Weingeistextrakt herrschend war. Aether zog aus 
dem schmierigen Weichselzopf etwas sauer reagirendes 
Fett aus, was ich nicht näher untersucht habe. Worin die 
pathologische Veränderung beim Weichseizopf besteht, ist 
nicht einmal in der Weise einer zulässigen Vermuthung zu 
sagen. Der mit dieser Krankheit vertraute Leser weiss, wie 
dunkel hier das Terrain ist. Eine allgemeine Störung der 
Metamorphose liegt gewiss zun> Grunde; ein eigenthilmlicher 
Gomplex von klimatiscben Einflüssen und eine mit diesem 
in der allgemeinen Störung der Metamorphose hervorgeru- 
fene Alienation in dem Haarbildungsprozess mag die Oert- 
Uchkeit bedingen. Die ausgebreitetete chemische Untersu- 
chung des Exsudats beim Weichselzopf, die nähere Kennt- 
niss der Genesis des Haarstoffs und der Extractivstoffe an 
der Hand einer vielseitigen ärztlichen Beobachtung könnte 
vielleicht einen Schritt weiter führen, wenigstens möchten 
sieh bessere therapeutische Mittel ergeben, als die bisheri- 
gen es sind. Es ist ein Gegenstand einer für die Wissen- 
schaft dringend nothwendigen Gesellschaft für die vielsei- 
tige Erprüfumg physiologisch- und pathologischchemischen 
Veränderungen. Einer allein sieht gewöhnlich zu wenig 
oder auch zu viel, sieht wenigstens nicht sicher genug. 



Ch^fOBMehB Uniersuchung eioiger Coner«tion«n. 

Vom 



1. Harnsteine des Menschen. 

In Bezug auf das Herkommen dieses Harnsteines habe 
ich nichts Näheres erfahren, als dass er von einem Indivi- 
duum mSnnHchen Geschlechts durch die Operatioi» erhalten 
N;nirde. Alle weiteren Nachrichten fehlen. 

Die Concretion, die 1 Unze und 28 Gm. wog, hatte eine 
länglich runde aber plattgedrückte Gestalt, und eine unebene 
rauhe Oberfläche. Der Stein bestand im Kern aus einer 
Substanz von erdigem Bruche und von hellbrauner Farbe, 
die indessen mit verschiedenen Höhlungen durchzogen war. 
Es bestand derselbe, wie die spätere Untersuchung erwiess, 
aus derselben Substanz, wie die darauf folgenden Lagen, 
und es war kein fremder Körper in derselben aufzufinden^ 
auf welchem sich etwa die ersten Niederschläge gebildet 
haben konnten. Um diesen Kern der Concretion waren bis 
zur Oberfläche derselben, höchst dilnne excentrische Schich- 
ten gelagert, von derselben Farbe wie der Kern. 

Es war die Concretion leicht zu durchsägen, und 
ebenso leicht zu feinem, unfühlbarem Pulver zu zen^eiben. 

Ihr spec. Gewicht betrug: 1,661. 

Auf Piatinblech geglüht war sowohl durch den Geruch 
als auch durch einen mit Salzsäure befeuchteten Glasstab 



386 Chemisohe Untersuchung einiger GoncrelioDen. 

eine bedeutende Menge entweichenden Ammoniaks bemerk 
bar. Es verbrannte die Probe leicht bis auf einen geringen 
Rückstand, der aus einer grauen, schwach zusammenge- 
schmolzenen Masse bestand. 

Mit verdünnter Kalilauge behandelt, war ebenfalls das 
Entweichen einer nicht unbedeutenden Menge Ammoniak zu 
bemerken. . 

Salzsäure, sowohl zum Pulver der Substanz, als auch 
zu kleinen Bruchstücken derselben gesetzt, bewirkte nicht 
das genngste Aufbrausen, 

Wurde eine Probe mit Salpetersäure auf Platinblech er- 
hitzt, und der eingetrocknete Rückstand mit Ammoniak be- 
feuchtet, so zeigte sich die bekannte Reaktion der Harnsäure, 
indem sich anfänglich die Substanz unter Brausen löste, und 
hierauf eine intensive purpurrothe Färbung zeigte. 

-^ Bei Behandlung des Pulvers mit kochendem Wasser, 
und öfterer Wiederholung dieses Verfahrens, wurde eine 
äemliche Menge der Substanz gelöst. Beim Erkalten fiel je- 
doch eio^Theil derselben, als ein theii weise an den Wän- 
den des Gefässes sich anhängender weisser Niederschlag 
wieder nieder. Der zur Trockne gebrachte Wasserauszug 
liess wieder Harnsäure und Ammoniak erkennen,' und vor- 
brannte auf Platinblech mit einer kaum bemerkbaren Spur 
von Rückstand. Bei diesem Ausziehen mit Wasser und wie- 
der Einengen des Auszuges zeigte sich eine sehr geringe 
Menge extractiver Materie, welche indessen, da sie nur 
in Spuren zugegen, nicht weiter berücksichtigt werden 
konnte. 

Durch Alkohol und Aether wurde weniges weisses Fett 
extrahirt, das mit Kali verseifbar war, aber nicht aus der 
alkoholischen Lösung herauskrystallisirte, sondern erst 
nach dem Verdampfen derselben erhalten wurde. 

Der nach dem Verbrennen der Concrelion verbleibende 
Rückstand^ wurde mit Wasser behandelt, welches jedoch 
nichts auszog. Es wurde hieraus auf die Abwesenheit ei- 
ner alkalisehen Verbindung geschlossen, welches auch dar- 
aus erhellte, dass der Wasserauszug der unverbrannten Sub- 



Gheawsohe ÜDlersucbuug einiger Qooorefipoea 387 

tlanz siob oäne Rüekstand auf Plaikiblech verflUcbUgeü liess. 
Wurde die Ascbe mit Salzsäure bebaodeit, so erfolgie ein 
schwaches Brausen, was, wie eben bemerkt wurde, bei der 
«ugeglUhieo Substanz nioht der Fall war. Zusatz von Am« 
moniak bewirkte in der salzsauren Lösung sogleich einen 
Niederschlag. Aus der mit Ammoniak übersättigten, und 
hierauf filtrirten FlUs^gkeit, wurde durch kleesaures Am- 
flooiiiak ein abermaliger Niederschlag hervorgebracht. Der 
in , Salpetersäure gelöste Rückstand gab mit salpetersaurem 
Silber behandelt und mit Ammoniak neutralisirt, einen gel* 
ben Niederschlag 9 der die Anwesenheit von Phosphorsäure 
erwtess, so wie durch das Verhatlen der salzsauren Lösung 
Talkerde und £alkerde angezeigt wurden. Da aber diese 
letztere nicht durch Ammoniak, sondern erst durch Klee^ 
säure geföUt worden war, und das ungeglühte Pulver nicht, 
wohl aber das geglühte mit Säure brauste, so wurde auf 
die Anwesenheit von Kleesäure, auf kleesauren Kalk ge- 
schlossen, die Talkerde aber als pbosphorsaure Ammoniak- 
Talkerde angenommen. 

Kaliumeisencyanür liess eine geringe Spur von Eisen 
erkennen. 

Nach' diesen Versuchen also bestand die Concretion aus 
Harnsäure, harnsaurem Ammoniak, phosphorsau- 
rer Ammoniak- Talkerde, kleesaurer Kalkerde und 
Spur von Eisenoxyd. 

Um die quantitative Zusammensetzung der Goncre- 
Uon auszumitieln, wurde folgender Weg eingeschlagen: 

Eine gewogene Menge der Substanz wurde so lange im 
Wasserbade erwärmt, b^^s sie nichts mehr an Gwicht ver- 
lor. Es wurde auf diese Weise ein Verlust erhalten von 
1,8 pC, der als Wasser angenommen wurde. Das auf diese 
Weise getrooknete Pulver wurde mit alkoholhaltigem Aether 
ausgekocht, auf einem kleinen tarirten Schälchen langsam 
verdunstet, gewogen und die erhaltene Menge als Fett. 
bemerkt. 

Hierauf wurde das, durch gelindes Erwärmen von al- 
lem Alkohol befreite Pulver so lange mit stets erneuten Men* 



388 Ghemisohe Unlersuehuog einiger GoncralioiieD. 



gen Wasser gekoobi, bis siob nichs mehr löste, der KUckstand 
oiit heissem WassM* gewaschen, und herauf der eriialteiie 
Auszug zur Trockne gebracht und* als hamsaures Ammo^ 
niak bezeicbneL Der unlösliche, aus Hamsfiure und Erden 
bestehende Rückstand wurde mit verdünntet^ Saizsäyre bei 
gelinder Wtfrme digerirt, und so die Erden ausgezogen. 
Nach don Auswaschen der Harnsäure wurde diese in heis- 
ser Kalilauge gelöst, die noch helsse Lösung in verdttnole 
Sahsüure gebracht, und die gelHUte Hamsilare nach de» 
Trocknen gewogen. 

Eine andere Menge des Steines wurde hierauf verbrannt 
und geglaht, und der Httckstand mit etwas verdünnter Sali- 
sHure gelöst Die Lösung wurde mit Ammoniak behandelt, 
nach dem Erwärmen der entstandene Niederschlag von 
pbosphorsaurer Ammoniak- Talkerde geglüht, und die erhal- 
tene phospborsaure Talkerde wieder auf phos. Ammor 
niak Talkerde, 17,434 Talkerde, 30,144 Phosphorsäure, 14,468 
Ammoniak und 37,954 Wasser berechnet Die Kalkerde 
wurde hierauf durch kleesaures Ammoniak gefSlit, getrocki 
net und als kleesaurer Kalk in Rechnung gebracht Es 
wurde auf diese Weise erbalten: 

Harnsäure 84,69 

Harnsaures Ammoniak ........ 9,03 

Fett ....,..,...,. . 0,81 

Phosphorsaure Ammoniak -Kalkerde ... 1,12 
Kleesaure Kalkerde ......... 0,95 

Wasser 1,80 

Spur von Eisen, extractive Materie^ Verlust 1,60 

100,00 

a. Harnsteine mit dem Harne entleert 

Was mir über diese Steine durch die Gefälligkeit des 
den Kranken behandelten Arztes mügetheUt wurde, ist 
Folgendes: 

N. N. 71. Jahr all, von sehr kräfUger Constitution, seit 
30 Jahren Wittwer und seit 5 Jahren in den Ruhstand ver- 
seist, wodurch der durch seine amtlichen Verhältnisse oft 



Ghemiscdie Unlersucfau&g einiger Conorelionen. 389 

veraolaMte Aufenüiatt ia freier Luft mit staiker Bewegung 
eimgermassen beschränict wurde, IMet rat etwa 5—6 Jah- 
ren an Hambeschwerden mit Abgang von^-Gries und Steinen, 
von denen einige die Grösse einer Erbse erreichten, und 
welche innerhalb 2 Jahren in solcher Quantit&t abgingen, 
dass derselbe fast 2 EssIOffel voll dieser Goncretionen sam- 
meln konnte. Der Ort der Ansammlung dieser Steine war 
theils in den Nieren, theils in der Harnblase, und je nach 
den begleüenden Symptomen su erkennen. Die Ursache 
der Steinerzeugung lässt sich muthmassfich tu dem Genuas 
von herben Weinen finden. Die bisherige Behandlung war 
auf Auflösung oder wo mögliche Entfernung und Verhütung 
der Steinerzeugung gerichtet Unter den, der letzten Indi^t 
cation gemäss angewandten Mitteln, bewiese sich besonders 
zweckmässig das tägliche Trinken von i bis 1 Pfund Kalk- 
wasser mit etwas Milch, und einem Gläschen Moselwein 
mit reguUrter Diät, wodurch wenigstens die fcurtschreitende 
Vermehrung des Steines geheount und das schmerzhafte 
Hamen bedeutend vermindert wurde. 

Ich habe 15 dieser Steine erhalten, welche aber blos 
die Grösse eines Hanfkornes erreichten, und zusammen 18,5 
Grn. wogen. Sie hatten im Verhältniss zu ihrer Grösse eine 
rau))e, warzige Oberfläche, und eine rundliche Form. Einige 
derselben waren hellgelb, während andere dunkler gefärbt 
waren. Sie bestanden aus concontnschen Schichten, ohne 
irgend einen andern bemerkbaren Kern. Die Steine waren 
ziemlich fest, jedoch im Mörser ohne besondere MUbe in 
feines Pulver zu bringen. Ihr spee. Gewicht betrug: 
Kleiner hellgelber Stein .... 1,443 
Etwas grösserer, eben so gefärbt 1490 

Rothgelber Stein 1,483 

Die qualitativen Proben auf dieselbe Weise wie bei 
dem vorhergehenden Steine vorgenommen, zeigten, dass die 
Bestandtheile der verschiedenen Steine dieselben waren. 
Sie bestanden nämlich aus Harnsäure, aus weniger mit Al- 
kohol ausziehbarer eztractiven Materie, Fett, Eisen und Kalk- 
erde. Die beiden letzten Bestandtheile waren aber in so 



390 Chemiscbe Untorsttchung einiger GoaerelioneiL 

geringer tfeiige vorhaadeii, dasses umnögUcb ersehieo, üe 
genauer zu bestimmen. 

£s konnte keine Spur irgend einer anderen Saure auf- 
gefunden werden y als Harnsäure, und es wurde daber die 
geringe Menge Kalkerde als mit dieser Säure verbunden an- 
genommen. 

Die quantitative Analyse wurde so «bewerkstelligt, dass 
mehrere der Steinchen zusamttien genommen und feinge- 
pulvert, im Wasserbade vollständig getrocknet wurden. 
Hierauf wurden «ie mit Aelber, und alsdann mü Alkohol 
ausgekocht, das rückständige Pulver mit verdünnter Saiz« 
säure behandelt, nach dem Waschen in Kalilauge gelöst und 
wieder mit Salxsäure niedergeschlagen. Es wurde auf diese 
Weise erhalten: 

Harnsäure 96,10 

Extractive, durch Alkohol auszidibare Materie 0,41 

Fett 0,60 

Wasser 1,60 

Spur von Eisen, Kalkerde und Verlust • . . 1,39 

100,00 

b. Harnsteine mit dem Harne entleert. 

Auch diese 5 Steine wurden von einem und demselben 

• 

Individuum mit dem Harne seoernirt Der Kranke ist ein 
wohlbeleibter Mann von 60 Jahren, der eine gute Tafel führt, 
und dem Genuas von Wein und Bier sehr ergeben ist Er 
leidet bereits seit 6 Jahren an Fussgicht, und hjBit jährlich 
mehrere heftige Anfälle derselben zu bestehen. Seit etwa 
anderthalb Jahren hat derselbe mit dem Harne in Interval- 
len von 3—5 Monaten die in Rede stehenden Steine ausge- 
leert. Besondere Beschwerden in der Blase waren nicht 
vorhanden, und nur beim Abgang der Steine durch die 
Harnröhre fand Schmerz statt. Es wurde nach dem Ab- 
gange des ersten Steines Natrum carbonicum gegeben und von 
Zeit zu Zeit damit fortgefahren« Ich habe von diesen Slei* 
nen nur 3 erhalten können, und war leider nicht im Stande 
auszumitteln, in welcher Beihanfolge dieselben ausgesondert 



Chemische UntersaohuDg doigBr GoDCOretionea 391 

wurden, welches wegen der eigenChttmlichen Zusammen* 
Setzung eines derselben, von doppeltem Interesse gewe- 
sen wäre. 

Der grössere dieser Steine hatte die Grösse einer star- 
ken Erbse, die beiden andern waren etwa halb so gross. 
Alle 3 hatten eine ziemlich regelmässige runde Gestalt. 

Jener grössere Stein war an der Aussenfläche glatt und 
glänzend rothbraun; im Bruche war er rötUich gelb, und 
bestand aus vielen concentrischen Schiditen, die um einen 
kleinen runden Kern von kaum Stecknadelknopfgrösse ge- 
lagert waren. Der Kern war etwas heller als die darauf 
* folgenden Schichten gefärbt, und trennte sich von diesm 
locht und vollständig ab. Auf die im Vorhei^ehenden an- 
geführte Weise untersucht, zeigte sich, dass der Kern alleto 
aus Harnsäure bestand, indem schon ein kleines firuchstUck* 
chen desselben auf Platinblech mit Salpetersäure erwärmt 
und mit Ammoniak behandelt, unverkennbare Reaction auf 
Harnsäure gab, der Rest des Kernes aber ohne allen Rück- 
stand verbrannte. 

Die um diesen Kern gelagerten Schiebten lösten sich, 
bis auf einen höchst geringen Antheil einer organischen 
Substanz, in verdünnter Salzsäure auf^ und bestanden aus 
kohlensaurem Kalke mit weniger phosphorsaurer Talkerde. 

Eine kleine Probe mitKalilösung behandelt, trübte sich 
kaum bei der darauf folgenden Behandlung mit Salzsäure. 

Mit einer verhältnissmässig grösseren Menge Wasser 
ausgezogen, blieb nach dem Verdampfen des letzteren ein 
geringer Rest, der aber, mit Zusatz von etwas Salpetersäure 
gelöst, nur kohlensauren Kalk zeigte. Es schien mithin die 
Concretion blos aus kohlensaurer Kalkerde \md weniger 
phosphorsaurer Talkerde zu bestehen. 

Ob die wenige, beim Lösen in Salzsäure ungelöst zu- 
rückbleibende organische Substanz Harnsäure war, konnte 
wegen ihrer äusserst geringen Menge nicht mit Bestimmt^ 
heit entschieden werden., ich glaube indessen nicht. 

Spuren von Eisen zeigten sich auch hier, so wie überhaupt 
bei den meisten der von mir untersuchten Goncretionen. 



392 Gbemiscbe Untersuchung einiger Concretioiien. 

Es wurde bei der quantitativen Bestimmung die pbos 
phorsaure Talkerde aus der salzsauren LOsung durch über- 
schüssiges Ammoniak, und die Kalkerde durch kleesaures 
Ammoniak gefällt. Man erhielt so für die in Rede stehende 
äussere Schicht: 

Kohlensaure Kalkerde . 85,10 
Phosphorsaure Talkerde 2,03 

Wasser 12,40 

Spur von Eisen, Verlust 0,47 

100,00 
Die beiden anderen Concreßonen haben ebenfalls eine 
ziemlich glatte abgeschliffene Oberfläche, und aussen, so ' 
wie im Bruche eine röthUch gelbe Farbe. Sie hatten ein 
krystallinisches Gefüge und nur undeutlich war eine vom 
Mittelpunkte ausgehende Schichtung zu bemerken. 

So wie ihr physikalisches Verhalten war sich auch ihr 
chemisches gleich. 

Neben einem unwägbaren Antheile von Fett, konnte 
durch Alkohol eine eben so geringe Menge einer extrakti- 
ven Substanz ausgezogen werden. Sie bestanden aus fast 
reiner Harnsäure, und verbrannten im Platintiegel mit Hin- 
terlassung einer kaum wahrnehmbaren, nicht untersubhba- 
ren Menge von Asche. 

Neben geringer Spur von Eisen und jener von Asche 
und organischer Substanz bestanden dieselben aus 

Harnsäure 96,2 

Wasser . 3,8 

100,0 

2. Harnsteine von Thieren. 
Stein aus dem Harnleiter eines Pferdes, 

Das Pferd von dem dieser Stein genommen wurde, war 
einem Bewohner Unterfrankehs angehörig, sogenannter ge- 
wöhnlicher Landschlag, Wallache, und erreichte ein Alter von 
25 Jahren, während welcher Zeit es fortwährend zur Feld- 
arbeit und zum Zuge verwendet wurde. Die Fütterung war 
die gewöhnliche, bestand aus Hafer und Heu, und im Som> 



Chemisdie Uotersaohung einiger Concretaoiimi. 393 

mer aus frischen FuUerkräutem und Klee. Getränkt wurde 
das Thier aus einem Brunnen, dessen Wasser nach einer 
damit vorgenommenen Analyse nichts besonders Bemerkens- 
werthes zeigte, welches aber, wie viele unserer, aus den gyps- 
reichen Lagen des Keupers entspringenden Quellen, ziemlich 
reich an diesem Bestandtheile war. Das Thier litt viele 
Jahre an Hambeschwerden, die jedoch durch angewendete 
Mittel stets fUr einige Zeit wieder gehoben wurden. Da 
dasselbe aber früher durch ' verschiedene mir unbekaniite 
Thierärzte behandelt worden war, konnte nicht in Erfahrung 
gebracht werden, woraus diese Hittel bestanden. In der 
letzten Zeit bemerkte man auf der linken Seite der Lenden- 
gegend, wo der Psoas minor liegt, eine flache Erhabenheit 
and das Pferd äusserte Schmerz, wenn man auf dieselbe 
drückte. Bei der Bewegung im Schritt vernahm man durch 
die Auscultalion einen knarrenden Ton, so dass man glau- 
ben konnte, es müsse ein Bruch des Querfortsatzes eines 
Lendenwirbels vorhanden sein. Da das Thier fast gar nicht 
mehr zu gebrauchen war, wurde von dem in letzter Zeit zu 
Aathe gezogenen Thierärzte empfohlen, dasselbe tödten zu 
lassen, was auch geschah. Bei der Sektion zeigte sich Fol- 
gendes: Mit Ausnahme der Harnorgane waren alle übrigen 
in ziemlich normalem Zustande. Zwischen der linken Niere 
aber und der Harnblase lag eine äusserst voluminöse Masse 
von Exsudalionen. Sie wurden sammt der linken Niere mit 
dem Messer von Grund aus abgehoben, und sassen in Form 
eines Klumpens auf dem linken Psoas-Muskel, der fast ganz 
iabesciri war. Nach Entfernung aller. Exsudationen zeigte 
sich der in Rede stehende Stein von bedeutender Grösse^ 
der durch die ausgedehnten Häute des linken Ureter's um- 
schlossen war. An der Einmündung in die Blase hatte der 
Harnleiter wieder seine ' natürliche Grösse. In der Blase 
selbst befand sich eine nicht bedeutende Menge Hamgries, 
welchen ich jedoch nicht zur Untersuchung erhalten habe. 
Der Stein wog 31 Unz. 28 Gm. Er hatte eine höchst 
unre^elmässige, nicht leicht deutlich zu beschreibende Ge- 
stalt, indem er vielßiltig zerstQSsen und durchiöcbeOrt er- 



394 Chemische Untersuchung einiger ConcretioneD. 

schien. Durchsägt an mehreren Stellen, zeigten sich theil- 
weise von verschiedenen, indessen nicht immer mit Sicher- 
heit bestimmbaren Mittelpunkten aus, concentrisohe Lageo. 
Es schienen indessen viele solche Mittelpunkte vorhandea 
zu sein, und mithin die Concretion eigentlich aus mehreren 
Steinen zu bestehen, die verbunden, zusammengewachsen 
waren. SichtKch war an einigen Stellen wieder von der 
Masse der Concretion aufgelöst worden, während sich an 
anderen wieder neue Schichten abgelagert hatten« Die 
Oberfläche des Steines war an manchen Stellen ziemlieh 
glatt, an anderen aber, und das zwar an den meisten, rauh 
uneben und mit grösseren oder kleineren Erhöhungen be- 
setzt, von welchen die meisten, wenn sie mit einer sehr 
feinen Säge durchgesägt wurden, ebenfalls wieder für sich 
bestehende concentrisohe Schichten zeigten. Andere Stel- 
len der Concretion zeigten keine Spur von um einen ge- 
vdssen Mittelpunkt geordneten Lagen, sondern bestanden 
aus einer erdigen Substanz, die von kleinen Höhlungen 
durchzogen, und nicht sehr hart war, während die aus con- 
centrischen Schichten bestehende Masse hart, schwieng in 
feines Pulver zu bringen und schwer zu durchsägen war. 
Die Farbe war im Bruche gelblich weiss, die Oberfläche 
schmutzig grau. Das spec. Gewicht der festen^ in concen- 
trischen Schichten abgelagerten Substanz war ss 2,234. 

Die Analyse dieser Concretion wurde ebenfalls wieder 
auf ähnliche Art wie die der vorhergehenden bewerk- 

stellict. 

Beim Gltihen der Substanz im Platintiegel , färbte sieh 

das gelbliche Pulver schwärzlich, ohne jedoch bedeutead 
an Volumen zu verlieren, und durch verstärkte Hitze konnte 
dasselbe weiss gebrannt werden. 

Hit Kalilauge behandelt, wurde eine schwache Ammo- 
niak-Entwickelung bemerkt Nach dem Filtriren und lieber- 
sättigen des Filtrates mit verdünnter Salzsäure, trübte sich 
dasselbe, und es wurde nach einiger Zeit ein bräunlicher 
flockijger Niederschlag erhalten. Die auf diese Weise erhal- 
tene Substanz war in Ammoniak ebenfalls löslich, und konnte 



Ghemisehe üatersadiuDg einiger Goncretionen. 395 

wicider durch Sahsäure g^Ut werden, ebenso durch Es- 
sigsäure. Id SalpeiersÖure löste sie sich zur gelben Fiüs- 
sigkeii, welche sich durch Zusatz vcn Aoiinoniak noch et* 
was dunkler färbte. Schwefelsäure löste sie zur braunen 
FlUssi^eit und Wasser scUug aus derselben wieder bräun- 
liche Flocken nieder. 

Mit Wasser möglichst gut gewasdiener Schleim der 
Harnblase verhielt sich eben so. 

Ich habe, beiläufig gesagt, diese Substanz auch in allen 
DarmooDcretionen gefunden, die ich untersucht habe, und 
hatte sie für Schleim, altein ihre Quantität war stets so aus- 
serordentlich gering, dass eine genauere Untersuchung un- 
möglich gemacht wurde. loh werde indessen in der Folge 
einen Darmstein von bedenteoder Grösse daau benutzen, 
mir eine grössere Menge der Substanz* zu verschaffen, um 
sie näher untersuchen zu können. 

Mit Salzsäure behandelt, löste sich das Pulver des Stei- 
nes unter heftigem Aufbrausen und Zurflcklassung sehr we- 
niger Flocken, vollständig auf. 

Die mit Ammoniak gesättigte Lösung liess phos. Am- 
moniak Talkerde fallen, und aus der von derselben ab- 
filtrirten Flüssigkeit filllte kleesaures Ammoniak sehr bedeu- 
tende Mengen kleesauren Kalkes. 

Durch Ghlorbarium wurde in der salzsauren Lösung 
die Gegenwart eines schwefelsauren Salzes angezeigt. 

Salpetersäure löste die Substanz ebenfalls unter hefti- 
gem Aufbrausen, und es konnte in der Lösung durch sal- 
petersaures Silber, Phosphorsäure, und eben so geringe 
Mengen einer Chlorverbindung nachgewiesen werden. 

Durch warmes Wasser wurde eine Spur von Chloma- 
trium ausgezogen, welche bei grösserer Menge angewen- 
deter Substanz durch die WasserstofTgasflamme, so wie 
bei langsamer Verdunstung unter dem Mikroskop kenntlich 
war, und nebenher enthielt der concentrirte Auszug noch 
Spuren von Kalkerde, Talkerde, Phosphorsäure und Schwe- 
felsäure. 



396 Chemische Untersuchung einiger ConcrelioneOi 

Alkohol so wie Aeiher zogen ein weisses festes F«U 
aus. Wurde der durch kochenden Alkohol erhaltene Auszug 
der freiwilbgen Verdunstung überlassen , so konnte keine 
Spur einer Krystallisation bemerkt werden. 

Es waren mithin in der Coni^retion kohlensaure Kalk*' 
erde, phosphorsaure Ammoniak-Talkerde, Schwe^ 
feisäure, also ohne Zweifel. schwefelsaure Kalkerde^ 
organische durch Kali ausziehbare Substanz, Fett, 
und Spuren von Chlornatrium nachgewiesen worden. 

Der Wassergehalt der Substanzen, die phosphorsaure 
Ammoniak -Talkerde enthalten, und dies besonders» wenn 
die Menge dieser Verbindung einige Procente Übersteigt^ 
kann nicht durch Trocknen im Wasserbade erhalten wer^ 
den, denn schon bei + 70* R. verliert dieselbe in den mei- 
sten Fällen ihr sämmtliches Wasser, und es schont als 
wenn bei anhaltendem Trocknen, auch ein Theil des Am^^ 
moniaks entwiche, ich habe daher das Wasser durch den 
Verlust zu bestimmen gesucht 

Nachdem ich mich durch einen eigenen Versuch über- 
zeugt hatte, dass der aus der salzsauren Lösung durch Am* 
moniak entstandene Niederschlag blos aus phosphorsaurer 
Ammoniak-Talkerde bestand, ohne dass Kalkerde mit gefäUt 
worden war, wurde der auf diese Weise erhaltene Nieder^ 
schlag gemüht, und die phosphorsaure Talkerde auf phos- 
phorsaure Ammoniak-Talkerde berechnet Die ganze Menge 
der Kalkerde wurde hierauf durch kleesaures Ammoniak 
gefällt, geglüht, und die erhaltene kohlensaure Kalkerde ab 
solche in Rechnung gebracht, nachdem vorher in einem 
eigenen Versuche mit einer frischen Menge durch Chlorba^ 
rium die Menge der Schwefelsäure bestimmt, und die für 
dieselbe gehörige Menge der Kalkerde in Abzug gebracht 
worden war. Eine weitere Menge wurde mit Alkohol und 
Aether ausgekocht, und die, durch Erwärmen von den letz- 
ten Antheilen Aether und Alkokol befreite Substanz, mit 
Kalilauge behandelt, der Auszug mit Salzsäure geßUlt, ge- 
trocknet und gewogen. 



Chemisobe Unlersuohung einiger ConcreCionen. 397 

Es wurden so erhalleq: 

Kohlensaure Kalkerde .*•...,.» 87,63 

Phosphorsaure Ammoniak-Talkerde .... 8,61 

Schwefelsaure Kalkerde 1,64 

Organische, durch Kali ausziehbare Substanz 0,90 

Fell 0,30 

Spuren von Chlornalrium) Wasser, Verlust . . . 1,62 

100,00 
Es muss bemerkt werden, dass sich in qualitativer so 
wie in quantitativer Beziehung die verschiedenen Lagen 
des Steines so gleich verhielten, dass ganz kleine Untere 
schiede blos als Untersuchungsfehler angenommen werden 
konnten. 

fiarnsieine eines Schweines. 

Diese Steine waren beim Schlachten eines 3jährigen 
Matterschweines in der Harnblase gefunden worden. Es 
konnte indessen nichts Näheres über dessen früheren Ge- 
sundheitszusland, so wie Über seine Futterungsweise ausge* 
milteit werden. 

Es waren zusammen 5 Steint, welche 43 Gt*n. wogen, 
von denen aber einer bedeutend grösser als die an- 
dern waren, und allein ein Gewicht von 35,5 Grn. halte. 
Die kleineren Steine waren ziemlich regelmässig rund, der 
(prtfssere aber war flach, und bildete ein an den Ecken ab* 
gerundetes, unregelmässiges Dreieck. Sie waren grünlich, 
metallisch glänzend, und bestanden aus einer Menge höchst 
feiner Schichten, welche sich leicht von einander ablösten, 
und schwach durscheinend waren. 

Das specifische Gewicht des grössten Steines war 
— 2,219. 

Das chemische Verhalten der einzelnen Sttine war 
sich gleich. 

Im Feuer verknisterten sie mit Heftigkeit, und die Sub^ 
stanz war hierauf leicht weiss zu brennen. Wurden sie 
mit Vorsicht geglUht, damit durch das Zerspringen kein Ver- 
lust entstehen konnte, so entstand doch stets eine viel stär- 

Slmon BeiU'Hge 1. 8. 26 



398 Chemische UolersuchuDg einiger Concrelionen. 

kere Gewichlsabuahme als im Wasserbade erhatlen wurde. 
Es zeigte sich bei ihrer Untersuchung, dass einer ihrer De- 
slandtheile kohlensaure Talkerde war, und der Gewichts- 
verlust beim Glühen erklärt sich dadurch, dass die kohlen- 
saure' Talkerde schon bei schwacher Glühhitze ihr sämmt- 
liches Wasser und eben so einen grossen Theil ihrer Koh- 
lensäure verliert, was schon daraus erhellt, dass, wenn 
man eine Quantität der zerstossenen Steine in einem klei- 
nen Retörtchen glUhte, und das erhaltene Gas in Ralkwas- 
ser auffing, augenblicklich eine starke Trübung dieses letz- 
teren erfolgte, was auch bei künstlich bereiteter kohlensau- 
rer Talkerde der Fall ist. 

Wurde die salzsaure Lösung mit Ammoniak übersät- 
tigt, so entstand ein geringer Niederschlag von phosphorsau- 
rcr Ammoniak -Tatkerde; mit oxalsaurem Ammoniak be- 
handelt fiel darauf Kalkerde, aber die sodann abfiltrirle 
Flüssigkeit zeigte, wenn sie mit phosphorsaurem Natron be- 
handelt wurde, noch eine ziemlich bedeutende Menge Talk- 
erde. Es war in der Substanz keine Spur einer anderen 
Säure aufzufinden, als wenige Phosphorsäure und Kohlen- 
säure, und es bestand daher dieselbe zum grössten Theil 
aus kohlensaurer Kalkerde und Talkerde, und aus 
weniger phosphorsaurer Talkerde. Durch Aether wurde 
et^as Feit ausgezogen. Durch Alkohol wurde eine sehr 
geringe Menge einer bräunlichen extraktiven Materie er- 
halti^n. 

Im Wasserauszuge konnte keine Spur einer Chlorver- 
bindung oder eines Alkali erhalten werden. 

Die im Wasserbade vollständig getrocknete Substans, 
wurde nach dem Ausziehen mit Aether und Alkohol in 
Salzsäure gelöst, die phosphorsaure Talkerde durch Ammen 
niak gefällt, die Katkerde hierauf durch oxalsaures Am- 
moniak und die noch in der Flüssigkeil befindliche Tatkerde 
durch phosphorsaures Natron niedergeschlagen^ geglüht, und 
als kohlensaure Talkerde berechnet. 

Es wurden so erhalten: 



Chemische Untersuchung einiger Concretionen. 399 

Kohlensaure Kalkerde 78,81 

Kohlensaure Talkerde 9,31 

Phoaphorsaure Talkerde 0,90 

. Durch Alkohol ausziehbare organische Materie 0,30 

Fett 0,21 

Wasser , . 8,85 

Verlust und Spuren von Eisen ifi2 

mfiö 

Harnstein eines Schweines. 

Von dieser Conoretion habe ich nichts weiter in Brfah* 
rung bringen können, als dass sie aus der Blase eines ge- 
schlachteten Schweines genommen wurde; das Alter des 
Thieres, so wie alle weiteren Umstände sind mir unbekannt 
geblieben. 

Der Stein wog 43 Grn. , hatte etwa die Grosse einer 
Haselnuss, und eine längKch runde Gestalt Er war gelb- 
lich weiss, und seine Aussenfläche hatte ein verworrenes 
krystallinisches Ansehen. Durchsfigt zeigte derselbe ein 
kryslallinisches vom Mittelpunkte ausgehendes Gefüge, in 
welchem kleine, mit mikroskopischen Krystallen ausgefüllte 
Zwischenräume befindlich waren. 

Es war die Goncreüon ziemlich leicht zu durchsägen, 
und ebenfalls nicht schwer in feines Pulver «u bringen. 

Ihr spec. Gewicht betrug sae 1,723. 

Die Analogie ergab, dass der Stein der Haiq>tsache 
nach blos aus phosphorsaurer Ammoniak-Talkerde bestand, 
der nur wenige phosphorsaure Kalkerde beigemengt war. 
Mit Kalilauge l^^handelt wurde eine äusserst geringe Menge 
der schon früher erwähnten organischen Substanz ausgezo- 
gen, durch Aether einiges Fett. 

Der Wasserauszug enthielt ausser einiger phosphorsau- 
rer Ammoniak -Talkerde, geringe, jedoch deutliche Spuren 
von Chlomatrium. KaKumeisencyanÜr zeigte eine ebenfalls 
sehr geringe Menge Eisen in der salzsauren L'ösung. 

Bei dieser und bei den folgenden Goneretionen, welche 
vorzugsweise phosphorsaure Ammoniak-Talkerde und phos- 

26» 



400 Ghemiscbe UntersochuDg dniger ConcretioDen. 

plionatire Kalkerde eolhielteii, wurde zur Trennung beider 
.meistens der Weg eixigescblagen, dass eine gewogene Menge 
derselben in Saksäure gelöst, und mit Ammoniak in so 
weil gesättigt wurde, dass bei sehr geringem weiteren Zu- 
sätze ein Niederschlag entstand. Hierauf wurde dureh es- 
sigsaures BJei die Phosphorsäure gefällt und das niederge- 
schlagene phosphorsaure Blei mit dem zugleich entstande- 
nen Cblorbici abfillrirt, gewaschen, das überschüssige Blei 
durch Schwefelwasserstoffgas aus der Flüssigkeit entfemt| 
und nach Veijagung des überschüssigen Schwefelwasserstoffs 
durch gelinde Wirme, die Kalkerde durch oxaJsaures Am- 
moniak, die Talkerde aber durch phosphorsaures Natron ge- 
fallt, und nach dem Glühen als phosphorsaure Ammoniak - 
Talkerde, und als phosphorsaurer Kalk berechnet 

Es wurden durch die quantitative Untersuchung er- 
halten. 

Phosphorsaure Ammoniak - Talkerde 93,27 

Phosphorsaure Kalkerde 2,10 

Durch Kali ausziehbare organische Substanz . . . 0,10 

Fett 0,20 

Wasser, Spuren von Eisen, Ghlomatrium und Verlust 4,33 

100,00 

Harnstein eines Schweines. 

Auch an diesem Steine konnte nichts weiter in Erfah- 
rung gebracht werden, ab dass er aus der Blase eines ge- 
schlachteten, übrigens aber scheinbar völlig gesunden Thie- 
res genommen worden war. 

Das äussere Ansehen, Form, Grösse, die innere Textur 
waren ebenfalls bis zum Verwechseln dem vorigen ähnlich, 
nur zeigte der Durchschnitt der Goncretion, dass etwa der 
vierte Theil derselben von aussen berein, schön citronen- 
gelb gefärbt war, während die übrige Masse weiss , mit 
kaum gelblichem AnOuge war* Der Stein wog 415 Gm. 
und hatte ein spec Gewicht von 1,709. 



Cbemisolie UntersadiiiDg einiger CcmeretioDen. 401 

Die qualitative Anafyse zeigte wieder pbosphorsanre 
Ammoniak -Talkerde, phosphorsaure Kalkerde and Spitren 
TOD Eisen. 

Als die SobsCanz mit Kalilauge behandelt wurde^ färb- 
ten sich die gelben Partieen derselben orange. Nach der 
Behandlung mit verdünnter Kalilauge wurde fiUrirt und mit 
Salzsäure gefällt. Es trübte sich die Flüssigkeit langsam^ 
und bekam einen rötbhchen Schiller. Nach Verfauf von 
24 Standen war mit Hilfe gelinder Wärme ein sehr gerin- 
ger, flockiger Niederschlag erhalten worden. Wurde der- 
selbe mit Salpetersäure und Ammoniak auf Platinblech be- 
handelt^ so zeigte sichele purpurrothe, derHamsSure ange- 
hörende Farbe. -Es war indessen das auf die angegebene 
Weise durch Ausziehen mit Kali und Fallen mit Salzsiore 
erhaltene Präoipitat nicht reine. Harnsäure, was schon aus 
der gelben Farbe, bd der Behandlung mii Kali, and ans 
der rölhlicfaen, beim Fällen mit Salzsäure, erhdlte. 

Sowohl durch Alkohol als durch Aether wurde eine 
SubsCduz ausgezogen, welche nach dem Verdampfen des 
Alkohols oder Aethers als hellgelbes harziges Pulver zurüdkr 
blieb, und sich mit Kali ebenfalls dunkelgelb fKrbte. 

Wurde die Alkohollösung mit Wasser versetzt, so fiel nach 
einiger Zeit in spärlichen Flocken eine grönlicbgelbe Sub- 
stanz, welche, zum Trocknen gebfacht, sich mit Kali wie- 
der ebenfalls dunkler gelb färbte. 

Wenn die Substanz, nach dem Auskochen mit Alko- 
hol und Aether, mit Kali behandelt und so eine Tren- 
nung des .gelben Körpers von der Harnsäure versochi 
wurde, erhielt man zwar durch Salpetersäure und Ammo- 
niak nodi Spuren dieser letzteren, allein vollkommen un- 
wägbare. 

Es wurde deshalb das geringe Gewicht der hellgelben 
harzähnlichen Substanz zusammen mit jenem der Hamsiure 
bestimmt. 

Es wurden erhallen: 

Phosphorsaure Ammoniak -Talkerde 90,40 

Phosphorsaure Kalkerde 6^31 



402 Ghemisdie Untersuchung eiuiger ConorelioneD. 

HarzähnKchey durch Kali und Aether ausziehbare Sub- 
stanz- und Harnsäure 0,20 

Spuren von Eisen, Wasser, Verknt 3,09 

100,00 

Harnsleine eines Ochsen. 

Diese Steine wurden nach dem Tode des Thieres, wel- 
ches geschlachtet wurde, aus der Harnblase genommen. 
Man konnte, so lange das Thier lebte, kein Zeichen von 
Schmerz oder Krankheit an demselben wahrnehmen. 

Diese Steine 16 an der Zahl, wogen zusammen 18 Gni. 
Sie hatten eine unregelmässig runde Gestalt, und waren von 
der Grösse eines starken Hanfkomes und darüber. Ihre 
Aussenfläche war graugelb und rauh, und unter einer gu- 
ten Loupe konnte man warzenartige Brhtfhungen auf der- 
selben bemerken. Diese unebene Lage bedeckte aber nur 
die äusserste Oberfläche der Steine, deren Inneres aus ganz 
ausserordentlich dünnen Schichten bestand, die einen ins 
Grüne ziehenden PerlmuUerglanz hatten, und fast vollkom* 
men durchsichtig waren. Es war kein eigentlicher Kern 
zu beobachten. Schon bei einem geringen Drucke zerspran- 
gen die einzelnen Steinchen und Hessen sich leicht in ein 
VQllkoD»men feines Pulver bringen. 

Ihr spec. Gewicht war a 1,990. 

Wurden die ganzen Steinchen im Platintiegel geglüht, 
so zersprangen sie mit Heftigkeit. Sie schwärzten sich nur 
unbedeutend und brannten sich leicht weiss. 

Mit Aether konnte weniges Fett, aber weder durch Kali 
noch durch Alkohol eine andere organische Substanz aus- 
gezogen werden. 

Die weitere Untersuchung, auf die schon mehrfach be- 
rührte Weise ausgeführt, zeigte, dass die Steine bei Abwe- 
senheit aller anderen anorganischen Körper, neben einer Spur 
von Eisen, allein aus kohlensaurer Kalkerde und kohlensau- 
rer Talkerde bestanden. 

Man fand: 

Kohlensaure Kalkerde . . 61,66 



Chemisdie Uutersuchung einiger Goncrelionen. 403 

Kohlensaure Tnlkerde . . 30,78 

Feit 0,80 

Wasser 5,30 

Verlust und Spuren von Eisen 1,46 

100,00 

Stein aus der Harnröhre eines Ochsen. 

Es war dieser Slein durch die Operation aus der Harnröhre 
eines Ochsen entfernt worden, der längere Zeit an Harnbe- 
schwerden litt. Nach Hinwegnahme des Steines war das 
Thier geheilt, und es ist, so weit mir wenigstens bekannt 
geworden, kein Bückfall erfolgt. 

Die GoncretioQ .wog 8,5 Grn. Sie hatte eine flache, 
plattgedrückte unregelroässig länglich runde Gestalt, und 
war hellgelb Und pedmutterglänzend. Sie bestand aus ei- 
ner Menge äusserst dUnner concentrischer Schichten, die slark 
durcbacMuend waren; es war kein Kern aus einer anderen 
Substanz oder von eigentbilmlicher Gestalt in derselben zu 
bemerken. Die Goncretion war äusserst leicht zu zerreiben. 
Sie hatte ein spec. Gewicht von =5 2,017. 

Kleine Stückchen derselben im Platintiegel geglüht, zer- 
sprangen mit Helligkeit. 

Es zeigte sich, dass die Substanz aus kohlensaurer Kalk> 
erde und kohlensaurer Talkerde bestand. 

Durch Alkohol wurde eine geringe Menge einer ex 
traktiven Materie, und dureh Aether Spuren vom Fett aus 
gezogen. 

Eisen und in Wasser lösliche Salze waren nicht aufzu 
finden. 

Die quantitative Analyse ergab: 

Kohlensaure Kalkerde . . 64,6 

• KohieAsaure Talkerde . . . 28,3 

Fett und extraktive Materie 0,2 

Wasser 5,5 

Verlust 1/4 

100,0 



404 Gbemische UutersuchuDg einiger GonoretioDen. 

Darmsteine von Pferden. 

1. 

Aus den Gedärmen eines getödieten Müller - Pferdes 
wurden mehrere Goncretionen genommen, welche zusam- 
men an 9 Pfunde gewogen haben sollen; ich habe zwei 
dieser Goncretionen erhallen. Es war mir nicht möglich 
zuverlässige Notizen über den Zustand des Thieres vor dem 
Tode zu bekommen. 

Beide Steine verhielten sich sowohl in chemischer ab 
auch physikalischer Hinsicht ziemlich gleich. 

Der eine derselben wog 36,5 Unz. 39 Gm. Er schicQ 
ursprünglich von länglich runder Gestalt gewesen zu sein, 
war aber durch gegenseitiges Reiben wohl so abgeschliffen 
worden, dass er dreiseilig und die Oberfläche vollkommen 
glatt erschien. Er war braungelb mit helleren und dunk- 
leren Adern und Streifen. Durchsägt zeigte sich als Büttel- 
punkt, um welchen sich die exoentrischen, abwechselnd 
heller oder dunkler gefärbten Schichten abgelagert hatten, 
ein Stückchen eines eisernen Nagels. Beim Durchsagen und 
. eben so bei starkem Reiben oder sehr gelindem Erwärmen 
der Goncretion zeigte sich ein eigenthümlicher ammoniaka- 
lischer Geruch, vollkommen ähnlich jenem, den man in den 
Pferdeställen wahrnimmt Dieser Geruch, wurde übrigens 
erst einige Zeit nach dem Durchsägen redit bemerkbar, 
oder erreichte erst dann seine ganze Stärke. Es hatten 
die einzelnen Schichten eine strahlige Textur und liesseq 
sich leicht von einander ablösen. 

Das spec. Gewicht des Steines betrug: 1,979. 

Es zeigte sich, dass die Hauptbestandtheile der Gon- 
cretion aus phosphorsaurer Ammoniak -Talkarde bestanden, 
mit wenig phosphorsaurer Kalkerde. 

Wurde der wässrige Auszug der Goncretion slark einge- 
engt, mit etwas Salpetersäure die entstandene Trübung 
gelöst, und so lange Ammoniak zugesetzt, bis kein Nieder- 
schlag mehr entstand, so zjdigte sieh in der abfiltrirten Flüs- 
sigkeit durch salpetersaures Silber noch die Anwesenheit 
eines phosphorsauren Salzes. Eben so wurde auch noch 



Chenische Untersuchung einiger CoBcretionen. 4M 

die, einer Chlorverbindung aofgefiinden« Der einzig« 
Bestandtheil aber, welcher noch in der Flüssigkeit gefunden 
wurde, war Natron; es sind also im Wasserauszuge, neben 
aufgelöster phosphorsaurer Ammoniak-Ta]k:erde und 
Spuren von Kalkerde, auch Ghlornatrium und phos- 
phorsaures Natron enthalten gewesen. VomBisen konn- 
ten Spuren nachgewiesen werden. 

Durch Alkohol wurde eine Substanz ausgezogen, -im 
als grUnliche^ harzdhnliche Hasse nach dem Vordampfen 
des Alkohols zurückblieb. Sie war in ätzenden und kohlen- 
sauren Alkalien leicht zu einer trüben Flüssigkeit löslich. 
Durch Wasser wurde in der alkoholischen Lösung nur ein 
sehr geringes Opalisiren bemerkt Durch . GhlorbariuiO) 
schwefelsaures und essigsaures Kupfer, durch sal- 
petersaures Silber und salpetersaures Quecksilber- 
oxydul wurde die mit Wasser verdünnte alkoholische Lö- 
sung ziemlich stark getrübt. Säuren bewirkten ebenfolb 
eine Ausfällung in grünlich -grauen Flocken. Ich halte diese 
Substanz, die auch durch Aether ausziehbar war, für Fett, 
Büt eineni geringen Antheile eines harzigen Stoffes ge- 
mengt. 

Wenn das durch Alkohol und Aether von Fett, und 
von der harzähnlichen Substanz befreite Pulver der Gonere- 
tion mit verdünnter Kalilaage behandelt, und diese hierauf 
mit Salzsäure gesättigt wurde, erhielt man denselben brau- 
nen flockigen Niederschlag, dessen ich schon oben, bei dem 
grossen Harnsteine eines Pferdes erwähnte, aber ebenfalls 
nur in sehr geringer Menge. 

Wurde eine gewisse Menge der gröblich gepulverten 
Coneretion im Platintiegel heftig geglüht, so verbli^, wenn 
der Rückstand mit Säure behandelt wurde, in verschiedenen 
Versuchen eine nie vollkommene gleiche Menge reinen 
Quarzsandes zurück. Dieser Sand war höchst ungleieh 
durch die Masse der Coneretion vertheilt, und wie es schien, 
schichtenweise so, dass manche Schichten vollkommen frei 
von demselben waren. Es v^rde derselbe bei der Bereoh- 



406 Ghemisohe Untersuchung eioiger ConcrelioueD. 

nuog des Resultats apsgescblossen. Seioe Menge schwankte 
zwischen 0,2 und 2,4 pC. . 

Uebrigens waren durch eine gute Loupe noch Fasern 
von organischer Substaqz zu erkennen,' welche sich unter 
dem Mikroskop als Pflanzenfaser auswiesen. 

Es wurde bei der quantitativen Analyse Kalk und Talk- 
erde auf die vorhin angegebene Weise vermittelst essig> 
saurem Blei u. s. w. geschieden. Zur quantitativen Bestim- 
mung des Ghlomatriums und des phosphorsauren Natrons 
wurde, da grössere Mengen der Substanz zu Gebole stan- 
den, folgender Weg eingeschlagen. Das Pulver der Conm*e- 
tion wurde durch längere Zeit mit stets erneutepi Wasser 
ausgekocht, filtrirt, und der Auszug eingedampft, hierauf mit 
Wasser gelöst und durch Zusatz von Ammoniak die aufgOr 
lösten phosphorsauren Erden ausgefällt, wieder filtrirt, ver- 
dampft, im tarirten Platinschälchen geglüht und gewogen, 
dann wieder gelöst und mit salpetersaurem Silber gefällt; 
das Ghlorsilber auf einem dünnen Porzellanscherbchen bis 
zur angehenden Schmelzung erhitzt, gewogen, und so die 
Menge des GUomatriums berechnet, jene des phosphorsau- 
ren Natrons aber aus dem Verluste bestimmt. 

Es wurden mit Hinweglassung des Sandes erhalten: 

Phosphorsaure Ammoniak- Talkerde 92,13 

Phosphorsaure Kalkerde i^gg 

Durch Aether und Alkohol ausziehbare Substanz 0,50 

Durch Kali ausziehbare Substanz 0,53 

Ghlomatrium 0,44 

Phosphorsaures Natron 0,53 

Wasser, Pflanzenfaser, Spur von Eisen, Verlust 4,19 

Ein zweiter dieser Steine hatte dasselbe physikalische 
Verhalten wie der so eben beschriebene, nur bestand des* 
sen Kern aus einem Ifinglichen abgerundeten Stückchen 
grobkörnigen Sandsteines. Es erschien indessen die Textur 
der Goncretiou in der unmittelbaren Nähe des Sandstein Stück- 
•chens nicht vollkommen compact, sondern enthielt kleine 
Höhlungen, welche Krystalle von phosphorsaurer Ammoniak- 



Chemische Untersuchuhg einiger GoDcreiionen. 407 

Talkerde enthielten, nebst einigen deutlich kenntlichen StÜ<^- 
chen Pflanzenfaser. Etwa 2'" von Kerne aus begann dann 
die Bildung der concentrischen, in schwachen Abstufungen 
bräunlich gefärbten Schichten. 

Der Stein wog fast genau 33 Unzen. Sein specifi. Ge- 
\wht war 1,682. 

Das chemische Verhalten der Goncretion war ebenfalls 
dasselbe wie das der vorigen. Es wurden erhalten: 

Phosphorsaure Ammoniak -Talkerde 92,11 

Phospfaorsaure Ealkerde 1,83 

Durch Alkohol und Aether ausziehbare Substanz 0,66 
Durch Kali ausziehbare Substanz ..... 0,41 

Chlomatnum 0,62 

Phosphorsaures Natron 0,71 

Wasser, Pflanzenfaser, Spur von Eisen, Verlust 3,67 

löpo 

2. 

Diese Goncretion, welche, ehe ich sie erhielt, schon 
längere Zeit in einer Sammlang aufbewahrt worden war, 
wurde angeblich aus dem Blinddärme eines alten, wegen 
UntaugUchkeit zum Dienste getOdteten Mttllerpferdes ge- 
nommen. 

Es hatte dieselbe eine sehr bedeutende Grösse, indem 
ihr Durchmesser über 6'^ betrug, und ihr absolutes Gewicht 
7 Pfd. 4 Unz. 32 Grn. 

Sie halte fast vollkommene Kugelform, war ziemlich 
glatt, ohne jedoch Spuren an sich zu tragen, irgendwo durch 
einen anderen Körper abgeschliffen worden zu sein. Wie 
die beiden vorher beschriebenen, bestand sie aus concentri- 
schen Schichten, die sich hier um ein kleines, 3''' im Durch- 
messer haltendes Stückchen Kalkstein abgelagert hatten. Bei 
einigen dieser Schichten trat deutlich eine strahlige Textur 
hervor u. es zeigten sich Höhlungen,' in welchen wieder kleine 
Stückchen Pflanzenfaser wahrgenommen werden konnte. 
Sandkörner von verschiedener Grösse waren ebenfalls wie- 
der, jedoch In ungleicher Menge, durch die ganze Goncretion 



40B Chemische Uolersuchong einiger Goiicrelioneii. 

▼erbreitet Beim Durchsägen oder Reiben verbreitete dio- 

selbe jenen dgenlhümlichen Geruch, wie die beiden vor- 

heif ehenden. 

Eben so war die chemisdie Zusammensetzung fast die 

nimliche. Es wurden gefanden: 

Phosphorsaure Ammoniak -Talkerde 93,1% 

Phosphorsaure Kalkerde 1,18 

Alkohol und Aetherauszng 0^43 

Durch Kali Ausziehbares 0,36 

Ghlornatrium 0,63 

Phosphorsaures Natron 0,31 

Wasser, Pflanzenfaser, Spuren von Eisen, Verlus t 3,99. 

100,00 

3. 

lieber diese, so wie Über die folgende Conoretion konnte 
zwar mit Sicherheit ausgemittelt werden, dass sie beide aus 
den Gedärmen zweier Pferde genommen wurden, alle wei- 
tere Nachrichten aber fehlen gUnzIich. 

Der in Rede stehende Stein wog 4 Cnz. 10 Gm., und 
hatte im Durchmesser etwa 2'^ und eine rundliche Gestak. 
Seine Oberfläche war bräunlich, fast metallisch glänzend, mil 
vielen Vertiefungen versehen, gleichsam zerfressen. Durtb- 
sägt zeigte sich als Hittelpunkt ein mehrere Linien grosses 
susammengebog«aes Stückchen Eisenblech. Die so zer- 
schnittene Concretion hatte eine grau grünliche Farbe, und 
erschien im Bruche fast erdig. Man konnte jedoch an von 
derselben abgeschabtem Pulver bei 350facher Vergr^sserung 
mit vollkommener Deutlichkeit eikennen, dass sie durch ihre 
ganze Masse aus feinen mikroskopischen Härchen bestand, 
zwbchen denen, und sich an dieselben anhängend, eine 
amorphe Masse sich befand, die sich in verdünnter Salzsäure 
leicht liSste. Die stärksten dieser Härchen hatten 0,015, die 
kleineren 0,010 Millimet. Durchmesser, und es erhelH wohl 
Itteraus, dass dieselben nicht durch Verschlucken etwa von 
der fiussem Haut herrührender Haare in den Darm gebrachi 
worden sein konnten, sondern höchst wahrscheinlich einer 



Untersuchung einiger Coocretio&en. 4M 

abnormen Bildung ihren Ursprung verdanken. Es konnte; 
trotz yieiniüger Versuche, kein einziger Haarknopf beob- 
achtet werden, hingegen deutlich bei vielen derselben die 
oDgespaltene Spitze, und eben so der nicht mit Marie aus- 
gefüllte Kanal, indem man sehr wohl wahrnehmen konnte, dast 
besonders bei solchen Individuen, bei denen die Spitze ab* 
gebrochen war, sich der Kanal gänzlich mit Flüssigkeit er- 
tUIUe, wenn die Haare unter dem Mikroskope mit einer sol* 
ehen zusammen gebracht wurden. Die grOsslen dieser HXr- 
chen hatten eine Ltoge von 0,3 Millimet Ihre Fdxbt 
arseMen, bei durchfallendem Lichte schwach hellbräunlich. 
Durch die ganze Masse der Goncretion waren unregeimdssig 
QuarzkOmer von verschiedener Grösse vertheilt, von denea 
Blanche vollkommen scharfe Kanten zeigten. 
Das specifi. Gewicht betrug ms 1,599 — 
Abgasehen von den Haaren, waren die Bestandtheila 
der Concretion dieselben, wie die der vorhergehenden Darm- 
steine. Da die Masse des Quarzsandes eine ziemlich bedeu- 
tende war, so habe ich im Folgenden das Mittd von 5 Versu* 
ehen angegeben, bei welchen jene Quantititt durch Glühen der 
Substanz, Behandeln mit Salzsäure, Waschen und Trockenen 
der ungelöst zurückbleibenden Körner bestimmt wurde. 
Die quantitativ« Menge der Haare habe ich dadurch zu be- 
stimmen gesucht, dass ich wiederholt die Substanz mit ver- 
dünnter Salzsäure bdiandelte, und hierauf durch Scblimnea 
von den ungelöst zurückbleibenden Quarzkörnem /trennte. 
Nach dem Auswaschen wurden sie hierauf mit Alkohol aus- 
gekocht, getrocknet und gewogen. Ich habe so erhalten. 
Phosphorsaure Ammoniak -Talkerde . . 73,96 

Phosphorsaure Kalkerde 8,25 

Aikobolanszug 0,61 

Durch Kali Ausziehbares % 0,33 

Phoephorsaures Natron und Chlomatrium 0,60 

Quarzsand 4,50 

Haare 9,20 

Wasser^ Spuren von Eisen, Verlusten . . 2,55 

100,00 



410 Ghenusche UnlersudMUig eioiger CoDcreUoDen. 

4 
Es kam von dieser Ck>DcretioD blos die eine Hälfte ia 
meiiieii Besitz. Sie w<^ 17^ Unz. und 83 Grn. und hatte 
im Ganzexk viele Aehnlichkeit mit der vorbergehenden. Sie 
war läoglich-rond und hatte im Läogeodurchmesser Über 6.'^ 
Schon beinahe mit unbewaflhetem Auge war zu erkennen, dass 
sie aus aussäst kieiDen zusammengefilzten Härchen bestand. 
Hure Farbe war grünlich - gelb und ihre Aossenfläche 
weich, ohne glänzenden Uebersug, fast sammetartig zu nen- 
nen. Risse und Spalten durchzogen in unregelmässiger 
Hiditung das Innere und Aeussere derselben, und waren 
Iheils mit Quarzsand, theils mit kleinen amorphen Stückchen 
von phosphoraaurer Ammoniak -Talkerde ausgeiülit» Den 
Mittelpunkt bildete eine unregelmässige Höhlung von etwa 
6'^' im weitesten Durchmesser. Doch war diese woU ur- 
sprünglich mit irgend einem fremden Körper, als erstem 
iüifangspunkte der Goncretion ausgefüllt Von dieser Stelle 
aus, bis etwa zum halben Durchmesser der Goncretion, er- 
schienen die Härchen leichter in einander verfilzt, weniger 
fest aneinander gepresst, und hier zeigten sich auch 
grössere und häufigere Quarzkörner. In der äusseren Hälfte 
war die Substanz dichter, steinähnlicher, und es zeigten 
sich concentrische Lagen, in welchen sichtlich die Erdsalze 
vorherrschten.. 

Das specifi. Gewicht dieses Theiles der Goncretion war s» 1,581 
Die chemische Zusammensetzung, in qualitativer Beziehung 
vollkommen der vorhergehenden ätmlich^ war folgende: 

Innere Schicht 
Phosphorsaure Ammoniak -Taikerde . . 64,12 

Phosphorsaure Ealkerde 4^ 

Ghlornatrium und phosphorsaures Naüron (jißO 

Durch Alkohol Ausziehbares 0,70 

Durch Kali Ausziehbares 0,43 

Quarzkörner . . . 9,61 

Haare 18,78 

Wasser, Spuren von Eisen, Verlust . . 1,66 

100,00 



Chemische Untersuchung einiger Goncretjonen. 411 

Aeassere Schicht. 

Phosphorsaure Ammoniak-Talkerde . . . 71,00 

Phosphorsaure Kalkerde 4,43 

Ghlornatrium 0,61 

Phosphorsaures Natron . . • 0,S2 

Dureb Alkohol Ausziehbares 0,70 

Durch Kali Ausziehbares 0,40 

Quarzköruer 7,38 

Haare . : 13,20 

Wasser, Spuren von Eisen, Verlust . . 1,96 

iööjöo 

Magenstein eines Pferdes. 

Ein früher vollkommen gesundes MUllerpferd starb, an- 
geblich in Folge einer Darmgicht. Als das Thier geöffnet 
wurde, fand man im Magen eine Goncretion. Darmsteine 
wurden nicht gefunden. 

Dieser Magenslein war flach und bildete ein an den 
Ecken abgerundetes Dreieck, dessen Seiten etwa 2,5'^ massen. 
Der Durchmesser betrug 1^'. Er war grauweiss mit sehr 
schwachem Stich ins Gelbliche. Den Kern bildete ein kiei« 
nes flaches Stückchen Kalkstein, um welches sich die 
Schichten, wie es vorher bei den Darmsteinen angegeben 
wurde, abgelagert hatten. Kleine und sparsam vorkommende 
Höhlungen zwischen diesen Schichten waren zum Theii mit 
mikroskopischen Krystallen von phosphorsaurer Ammoniak- 
Talkerde, theils auch mit Pflanzenfaser ausgefüllt. Die Zu- 
sammensetzung der verschiedenen Schichten war dieselbe, 
und zugleich jener der Darmsteine vollkommen ähnlich. Der 
Stein wog 6 Unz. 38 Gr. Sein spec. Gewicht betrug » 1,677. 
Es wurden gefunden 

Phosphorsaure Ammoniak- Talkerde 93,02 

Phosphorsaure Kalkerde 1,01 

Durch Alkohol Ausziehbares 0,41 

Durch Kali Ausziehbares . . . . v . . . 0,33 
Sand 0,40 



412 Chemische Untenuchung einiger Goncrelionen. 

Chloraalriom u. Spuren v. phosphorsaurem Natron 0,51 
Wassefi Spuren yonEisen,Pflanzeniaser, Verlust 4,32 

100,00 
Das Vorkommen Ton. phosphorsaurem Natron , wenn 
auch nur in geringer Menge in dem Hagen^teine eines Pfer- 
des, ersdieint vielleicht merkwilrdig, weil man im Magen- 
safte dieses Salz noch nicht gefunden hat 

loh bedauere sehr, bei mehreren der im vorstehenden 
imtersuohten Goncretionen keine genauere Angaben Über 
den Gesundheitszustand der Individuen, von welchen Bio 
genommen worden, mittheilen zu können. 

Vorzugsweise aus demselben Grunde wurde eine ähn- 
Eohe Arbeit von mir, Über einige pathologische Substanzen, 
¥oa einem sehr geübten Kritiker vollkommen verworfen* 

Es wird nnn wohl in solchen Fällen Jedermann, wenn 
•s mttgüch ist, Krankengeschichten anzugeben^ solches nicht 
mteriassen. Ist man aber nicht in den Stand gesetzt, dies 
ihun zu können, so dtlrfle deshalb doch die Untersuchung 
solcher Substanzen nfeht so ganz nutzlos sein, und da ich 
l^ube, nicht der Einzige zu sein, der diese Meinung hegt, 
so habe ich keinen Anstand genommen, die vorstehenden Ana* 
lysen zu veröffentlichen. 



Harnstein ans Xanthic - Oxjd oder harniger 

Säure. 

Vom 
IProf esflor Bolk 

in Königsberg. 



Der Harnstein kam von einem 8jährigen Knaben her, 
welcher lange Zeit hindurch an Harnbeschwerden gelitten 
hatte. Bei der Entleerung der Harnblase durch einen Ca- 
theter hatte der in die Harnröhre hineingedrängte Harnstein 
anfänglich zurilckgestossen werden müssen ^ bis er bei den 
wiederholten AnsU'engungen des Ausstossens so weit in det 
Harnröhre vorgerückt war, dass er künstlich daraus entfernt 
werden konnte. Mehrere Monate später, als der Stein in 
meine Hände gelangte (aus einer Provinzialstadt Ostpreus- 
sens], wog derselbe noch 7 Gran, und hatte ohngefähr die 
Grösse und Gestalt einer grossen Kaffeebohne. Seine völlig 
glatte OberDäche liess hier nicht Harnsäure, wie in den bei 
weitem häufigsten Fällen, als hauptsächlichsten Bestandtheil 
des Steins vermuthen, wogegen auch die äusserlich bräun- 
liehgeJbe Farbe zu sprechen schien. . Beim Anfeilen des 
Steines sprang eine ganz dünne Rinde ab, die sich, leicht 
vollständig ablösen liess, und sich als Harnsäure zu erken- 
nen gab. Die darunter befindliche Hasse des Steins war 
hellbraun, g^tt, etwas glänzend^ und verhielt sich beim Au-^ 
feilen als eine homogene Masse. Beim Daraufschlagen mit 
einem Hammer zersprang der Stein leicht in mehrere Stücke, 

Simon Beitrüge I. 3. 27 



414 HarDStein aus Xanthic-Oxyd oder harniger Säure. 

deren Hauplbestandtbeil die angegebene bräunliche Masse war, 
die jedoch einen hellen, gelblich gefärbten Kern einschloss, 
welcher für Harnsäure gehalten, und auch sogleich bei der 
Behandlung mit Salpetersäure als solche erkannt wurde. 
Die eigentliche Hauptmasse des Steins bestand aus tiberein- 
ander gelagerten Schichten ohne alles krystallinische Gefüge, 
und wurde für phosphorsaure Kalkerde gehalten. Um nur 
durch einen einfachen Versuch die Richtigkeit dieser Prä- 
sumtion nachzuweisen, wurde etwas von dieser Masse in 
Salpetersäure gebracht, worin allmählig vollständige Auflö- 
sung erfolgte, und dann Aetzammoniak im Ueberschuss hin- 
zugefügt, um das aufgelöste Phosphat wieder auszuscheiden. 
Es wollte indessen auch nach längerer Zeit nicht der min- 
deste Niederschlag erscheinen, und ich kam auf den Ge- 
danken, dass die Masse vielleicht ozalsaure Kalkerde sein 
möge. Es wurde also ein Stückchen davon in einem Pla- 
tiolöflfel der Hitze einer Weingeistlampe ausgesetzt, wobei 
die Masse sogleich schwarz, aber auch gleichzeitig 
in kleine Stücke zersprengt und fortgeschieudert wurde. 
Ein anderes Stückchen wurde also in einer Glasröhre er 
hitzt, und die durch das Zerspringen entstandenen kleineren 
ganz schwarzen Stückchen jetzt in dem Platinlöffel Über der 
Weingeistlampe unter freiem ZutriU der Luft erhitzt, um 
nach Zerstörung der organischen Substanz reine Kalkerde 
als Rückstand zu erhalten. Statt dieses erwarteten Erfolges 
behielten die Stückchen ohne die mindeste Aendenmg die 
▼oUkomoien schwarze Farbe bei, und verschwanden in kur- 
zer Zeit durchaus vollständig, so dass auch nicht der min- 
deste Rückstand blieb. Hierdurch war es entschieden^ dass 
die Masse eine durchaus organische sei, und es lag nun 
die Vermuthung nahe, dass sie aus Xanthic-Oxyd bestehe. 
Ein Theil derselben wurde also fein zerrieben, und mit Aetz- 
kalilauge gelinde digerirt, worin sie sich leicht auflöste. 
Auch mit Aetzammoniak erfolgte bei gelinder Digestionen 
wärme völlige Auflösung. In die durch Abgiessen gut ge* 
klärten Auflösungen wurde Kohlensäuregas hineingeleitety und 
es schied sich nach einiger Zeit ein völHg weisses Pulver 



Harnstein aus Xanlhic-Oxyd oder hamiger Stfure. 415 

aus, an dem sich durchaus nichts Kryslallinisches erken- 
nen liess, und welches, gut abgewaschen und getrocknet, 
in Wasser, Alkohol und Aether unlöslich war, ttberhaupl 
alle die Eigenschaften zeigte, die Liebig und Wohl er von 
der hamigen Stfure angegeben haben. Beim Uebergiessen 
eines kleinen Theils der Stsinmasse mit Salpetersäure löste 
sie sich allmählig auf, jedoch unter deutlicher Entwickelung 
von kleinen Gasbläschen, und auch die reine harnige Säure 
liess bei der Auflösung in Salpetersäure eine geringe Gas- 
entwickelung wahrnehmen, indem die kleinen Körnchen der 
hamigen Säure während der Auflösung nicht auf der Stelle 
blieben, wo die Auflösung erfolgte, sondern deutlich fortge« 
stossen wurden. In beiden Fällen wurde bei der Abdam- 
pfung ein citrongelbes Fluldum eriialten, und das aus der 
reinen harnigen Säure, auf einem Piatinspatel befindlich, 
gab beim Abdampfen Über der Weingeisllampe einen festen 
gelben Rückstand, der bei weiterem Erhitzen nicht roth 
wurde, was auch durch wiederholtes Auflösen in Salpeter» 
säure und nochmaliges Erhitzen tiber der Weingeistlampe, 
um hierdurch die hamige Säure zu Harnsäure zu oxydiren, 
nicht erhalten werden konnte, jedoch war die cilrongelbe 
Farbe ins Hochgelt>e tibergegangen. Die von der Steinmasse 
erhaltene, und in einem Uhrgläschen- bis zur dicklichen Con- 
sistenz abgedampfte gelbe Auflösung hatte nach mehrtägigem 
ruhigem Hinstellen kleine harte durchsichtige Krystalie aus^ 
scheiden lassen, von welchen der flüssig gebliebene Theil 
der Auflösung auf einen Platmspatel getröpfelt, und über 
der Weingeistlampe erhitzt eine blutrothe Farbe annahm, 
in welche auch die gelbe Farbe des im Uhrgläschen zurück- 
gebliebenen geringen Antheils des Fluidums nach einigen 
Tagen von selbst an der Luft ohne weitere Erhitzung über« 
ging. Hieraus schien zu folgen, dass die in Salpetersäure 
aufgelöste harnige Säure in der durch Abdampfen coneen- 
triiten Auflösung bei längerer Einwirkung in Harnsäure um- 
gebildet worden sei, was denn auch die vollständige Bestä- 
tigung dadurch erhielt, dass die oben beschriebenen klei- 
nen Krystallkömohen, der kleinen Menge ungeachtet, als AI- 

27 • 



416 Harnslein aus XanUiic-Oxyd oder harniger Säur«. 

loxanlln erkannt werden konnten. Beim Uebergiessen mii 
kaltem Wasser, wobei dieses sich roth färbte, blieben die 
gelben Körnchen ungelöst, lösten sich aber bei Siedhitze 
vollständig auf, als sie mit Wasser in ein Probirgläschen 
hineingespttlt worden waren. Die noch heisse concentrirte 
Auflösung nahm beim Zusatz von Ammoniak eine röthliche 
Farbe an, die beim Erkalten verschwand. Bin Theil der 
bis auf wenige Tropfen concentrirten Auflösung wurde mit 
Salpetersäure vermischt und dann Ammoniak zugesetzt, wor- 
auf sich ein grün gefärbtes Salz ausschied. 

Das Vorkommen eines aus Xanthic-Oxyd bestehenden 
Harnsteins ist zuerst von Harcet und dann nur noch, so- 
viel mir bekannt, von Stromeyer beobachtet worden, so 
dass der hier beschriebene Fall als der dritte bezeichnet 
werden müsste. Das seltene Vorkommen dieses abnormen, 
organischen Gebildes zeigt auf's deutlichste, dass die Bedin- 
gungen zur Bildung desselben nur selten gegeben sind, und 
zwar, wie es scheint, nur im kindlichen Lebensalter. Den 
von Stromeyer untersuchten Stein halte Langenbeck 
einem Knaben ausgeschnitten, und der von mir unlersuchle 
rührte gleichfalls, wie bereits oben angegeben worden ist, 
von einem 8jährigen Knaben her. Ueber die Abstammung 
des von Harcet entdeckten Steins ist zwar nichts ange- 
führt, jedoch das Gewicht desselben von 8 Gran angegeben, 
was mit dem Gewichte des von mir untersuchten Steines 
von 7 Gran so gut übereinstimmt, dass sich mit Wahrschein- 
lichkeit auf eine gleiche Abstammung, nämlioh aus einem 
jugendlichen Lebensaller schliessen lässL In den vorgerück- 
ten Lebensaltem sind bekanntlich die aus Harnsäure gebil- 
deten Steine die am häufigsten vorkommenden, wogegen in 
dem Harne der Kinder, welcher, wie eben so bekannt iaty 
nicht halb so viel an festen Bestandtheilen enthält, wie der 
Harn von Erwachsenen, die Harnsäure im Anfange fast gänz- 
lich fehlt, und nur nach und nach hervortritt So wie nun 
unter gewissen Lebensbedingungen bei Erwachsenen eine 
Vermehrung der Harnsäure in dem Ifasse eintritt, dass sie 
in dem Harne nicht aufgelöst bleiben kann, sondern zu fes- 



Harnstein aus Xanlhic-Oxyd oder harniger Säure. 417 

ten Conglomeraten zusammengeht, so würden dieselben Le- 
bensbedingungen auch bei Kindern denselben Erfolg herbei- 
führen, wenn dieser nicht durch die EigenthUmliohkeit des 
kindlichen Organismus umgeändert würde. Dieser ist gleich* 
sam noch nicht befähigt, wirkliche Harnsäure zu bilden, 
und wo diese bei Erwachsenen als Produkt erscheinen 
würde, tritt hier im jugendlichen Alter die noch nicht voll- 
ständig ausgebildete Säure, die niedrigere Oxyc|ationsstufe 
der Harnsäure, die hamige Säure, auf, die, als im Wasser 
unauflöslich, sogleich ausscheiden und zu einem Goncrement 
sich niederschlagen muss. In unserm Falle konnte der ju- 
gendliche Organismus in seiner fehlerhaften Richtung, Harn- 
säure zu bilden, nur ganz kurze Zeit verweilen, er konnte 
nur einen ganz kleinen Kern von Harnsäure bilden, und 
musste dann zur Bildung der harnigen Säure übergehen, 
worauf wieder die Bildung einer ganz dünnen Binde von 
Harnsäure folgte. Es ist zu bedauern, dass in allen drei 
Fällen eine gleichzeitige Untersuchung des Harns nicht vor- 
genommen worden ist, oder nicht' bat rorgenommen wer- 
ben können. 



Ueber den ffam und fiber die Exeremente 

Diabetischer. 

Pathologisch •chemische Uotersuchungeo 

von 
Frantt 0im«ii« 



Den Harn Diabetischer habe ich In der neuesten Zeil 
ihehrfach za untersuchen Gelegenheit gehabt, da zufilllig im 
Frtlhsommer dieses Jahres eine Anzahl Hamruhrkranker in 
Berlin behandelt ^urde; ich habe jedoch zu meinen spe- 
eiellen Untersuchungen vorzugsweise den Harn eines Man- 
nes in den vierziger Jahren, welcher längere Zeit in der 
Schoenlein'schen Klinik sich befand, benutzt. Dieser Pa- 
tient hatte seit etwa Juni 1842 die auffallende Vermehrung 
des Harnes, verbunden mit dem quälenden Durste, bemerkt 
und glaubte, dass eine Erkältung die erste Veranlassung zur 
Krankheit ^gewesen sei. Die Menge des gelassenen Harns 
war bei diesem Patienten im Anfange ziemlich bedeutend; 
nach seiner Angabe stieg sie bis 9 Quart; in welchem Ver- 
hältniss damals die Menge des genossenen Geträokes mit 
der des entleerten Harnes stand, weiss Patient nicht anzu- 
geben. Zur Zeit, wo der Kranke in der Klinik war, zeigte 
sich der Harn fast normal gefärbt, er wurde zu verschiede- 
nen Zeiten ganz frisch gelassen, mit dem Reagenzpapier ge- 
prüft und stets sauer reagirend gefunden, die Säure zeigte 
sich aber vermehrt, nachdem er einige Zeit gestanden hatte; 
nach 10— 12 stundigem Stehen trübte er sich gewöhnlich 
und setzte ein leichtes schleimartiges Sediment ab, welches 
mit dem Mikroskop betrachtet, nur zum Theil aus Schleim- 
körperchen bestand, der grössten Menge nach aus amor- 
phen hamsaurem Ammoniak; zwei Mal, und zwar zur Zeit 



Ueb. den Harn und die Excremenle Diabelisoher. 419 

der animalischea Diflt, war dem Sedimente auch kryslalli- 
airie Harnsäure beigemischt; Ei weiss wurde, so lange ich 
Beobachtungen anstellte, zu keiner Zeit im Harne gefunden; 
das specifisohe Gewicht des Harnes schwankte zwischen 
1039 und 1030, es war im Beginn der Kur am höchsten, 
und erhielt sich am Ende der Kur ziemlich constant auf 
1030. Die Menge des Harns war zu Anfang in 24 Stunden 
nahe 5 Quart, verminderte sich aber während der Behend- 
lung nie unter 3 Quart; sie war stets etwas geringer als 
die Menge des genossenen Getränks. Die Menge des Ztik- 
kers welche ausgeschieden wurde, bildete beim Beginn der 
Behandlung ein Maximum und verminderte sich während 
der Kur um ein Drittheil, blieb aber immer noch viel zu an* 
sehnlich, als dass man hätte dne radikale Kur erwarten 
dürfen. Der Harnstoff war bei Beginn der Krankheit sehr 
vermindert, vermehrte sich aber in Folge der Kur so be* 
deutend, dass die normale, in 24 Stunden abgeschiedene 
Quantität, wenn auch nicht Überschritten, doch erreicht wurde, 
es stand aber mit dieser bedeutenden Vermehrung des Harn- 
stofls die Verminderung des Zuckers in keinem Verhähniss; 
Harnsäure war stets zugegen, es wurde jedoch während der 
ganzen Dauer der Behandlung nie eine so bedeutende Menge 
Harnsäure abgeschieden, wie man sie unter ähnlichen Ver« 
hältnissen der Ernährung bei gesunden Leuten beobachtet. 
Die feuerbeständigen Salze schwankten ziemlich bedeutend, 
doch war ihre Menge stets grösser als die von Gesunden 
gewöhnlich entleerte Quantität, es fanden sich darin vor- 
waltend Kochsalz, wenig kohlensaure Alkalien, auch verhält- 
nissmässig mehr Erdphosphate, wie im Normalzustande ent* 
leert werden, die \vi der Behandlung war folgende: nach 
dem der Kranke einige Tage dem gewöhnlichen Regim der 
Charit^ unterworfen worden war, wurde er auf eine stick 
stoffreichere Diät gesetzt; er erhielt Bouillon, Eier, Rind- 
fleisch und Braten, Milch und Weissbrod; später wurde die 
Milch entzogen und an dessen Stelle Kaffeeabsud von 2 Loth 
Bohnen zum Trinken gegeben, das Weissbrod wurde ver- 
mindert; amSchluss der Kur wurde an die Stelle des Weiss- 



420 Ueb. den Harn und die Excremenie Diabetische. 

brodes ein kleberreicheres Brod . gereicht, welches durch 
andauerndes Auswaschen bis zu einem festen Teige ange- 
kneteten Mehles mit Wasser, um einen grossen Theil des 
Amyions zu trennen, bereitet wurde, dieses Eleberbr^d 
wurde mit dem gewöhnlichen Weissbrod der Charit^ ver* 
glichen, und es zeigte sich, dass es nahe denselben Ge« 
halt an Feuchtigkeit besass, dass aber, wenn beide Brodar« 
ten auf gleiche Weise behandelt wurden, aus dem Kleber* 
brod nur die Hälfte des Amyions erhalten werd«i konnte, 
weiches das gewöhnliche Weissbrod gab, dass dagegen die 
3fache Menge einer stickstoffreichen Substanz zurückblieb als 
beim gewöhnlichen Weissbrod; in den letzten 3 Wochea 
verzehrte der Patient in 24 Stunden folgende Quantitäten: 
1 Pfd. Kleberbrod, 2 Pfd. Rindfleisch, von welchem 1 Quart 
Bouillon bereitet worden war, ausserdem noch \ Pfund ab^ 
gekochtes Rindfleisch, 6 — 7.Loth Kalbsbraten, 6 Stück Eier 
und 2 Quart Kaffeeabsud aus 2 Loth Bohnen bereitet, diese 
Quant reichten zwar hin, wie der Patient meinte, um seinen 
Appetit zu stillen, aber es kam doch bisweilen vor, dass er 
sich, wenn er unbeobachtet, auf unrechtmässige Weise Weiss« 
brod oder Suppe von Reis, Graupen etc. zueignete, Medi- 
cinisch wurde er auf folgende Weise behandelt: Im Anfang 
erhielt er Opium und dessen Präparate, darauf Adstringea- 
tia bei gleichzeitiger Vermehrung der stickstofihaltigen Kost 
und Entziehung von Zucker und zuckergebenden Nahrungs- 
mitteln; nachdem eine Zeitlang die Fleischdiät gereicht wor- 
den war, und sich herausstellte, dass mehr Zucker fortge- 
führt wurde, als die Menge des Hilchbrodes und die Menge 
der Milch liefern konnten, reichte man ihm 24stUndlich 2 
Unzen Oleujn jecoris aselli. Nach zwölflägigem Gebrauch 
dieses Mittels erhielt er unter Beibehaltung desselben täglich 
4 Gm. Eisenjodiir; zum Schluss wurde neben den erwähnten 
Medikamenten, unter Weglassung des Weissbrodes und 
der Milch, das Kleberbrod verordnet. Der Erfolg, den man 
nach dieser Kur zu sehen wUnschte, trat nur sehr iheilweise 
ein, der Zucker verminderte sich zwar von 12 Unzen in 
24 Stunden bis auf 7i Unzen, allein er stieg später wieder 



Ueb. den Harn und die Excremente DiabeÜscher. 421 

bis auf 9 Unzen und 1 Drachme. Der Harnstoff, von wel- 
chen beun Beginn der Kur nur 3 Drachmen in 24 Stunden 
ausgeschieden wurden, vermehrte sich bis auf 1 Unze und 
3 Drachmen; die Harnsäure, von welcher zu Anfange nur 
Spuren gefunden wurden, vermehrte sich bis zu 12 Gm. in 
24 Stunden. Der Kranke iUhlte sich nicht eigentlich unwohl, 
seine Kräfte hatten nach seiner Aussage zugenommen, seine 
Verdauung war vortrefflich, der Durst hatte sich vermindert, 
er transpirirte bisweilen bedeutend, aber er war in Verlauf 
der Kur bedeutend magerer geworden; der Speichel des 
Kranken reagirte bei mehrmaligem Prüfen schwach sauer, 
in einer geringen Portion, welche gesammelt wurde, konnte 
ich mich von der Gegenwart des Zuckers nicht überzeugen; 
der Schweiss des Kranken, mit destillirtem Wasser aus dem 
Hemde ausgezogen, Hess Spuren von Zucker erkennen; die 
Excremente waren stets breiig aber so wenig gefärbt, dass 
sie den Excrementen Icterischer glichen, fast thongrau, sie 
wurden mit grosser Sorgfalt auf die Gegenwart von Zucker 
geprüft, es konnte aber keine Spur darin nachgewiesen wer- 
den, dagegen enthielten sie eine ausserordentliche Menge 
eines festen Fettes, sehr wenig Gallenbestandtheile und eben 
so wenig die eigenthümlichen extraktartigen Materien der 
Excremente; die grösste Masse der Excremente war in 
Wasser und Alkohol unlöslich, verbrannte mit dem Geruch 
der Proteinverbindungen und gab mit kaustischem Kalk ge- 
glüht, eine sehr grosse Menge Ammoniak. 

Bei den Untersuchungen des diabetischen Barnes bin 
ich in Bezug zur Bestimmung des Harnstoffs und Zuckers auf 
einige Schwierigkeiten gestossen, die ich hier kurz berühren 
jnuss. Wenn man den Harn bis zur Syrupsdicke verdampft, 
und ihn dann mit einem warmen, durch Wasser verdünnten 
Alkohol mischt, so werden der Schleim, die Harnsäure, oder 
harnsauren Verbindungen und die Erdphosphate gefällt. Die 
abfiltrirte spirituOse Lösung wurde wieder bis zur dünnen 
Syrupsconsistenz verdampft und mit wasserfreiem Alkohol 
vermischt, wobei ein unlöslicher flüssiger Theil sich abschei- 
det ^ der wiederholt mit wasserfreiem Alkohol behandelt. 



in Ueb. den Hani und die Eicremente Diabeiiscber. 

endlich dick und zfibe wird. Wenn man diesen Zucker nuo 
wieder in wenig warmen, waaserhaUigen Spirilus löst und 
ibn nochmals durch wasserfreien Alkohol fttlil, wieder mehr- 
mals auswäscht und ihn dann auf Harnstoff prüft, so findet 
man, dass er stets noch eine gewisse Menge davon enthält *» 
ja ich habe den 'Zucker drei Mal wieder getost und ihn mit 
wasserfreiem Alkohol gefällt, und ihn doch harnstoffhaltig 
gefunden; nur wenn man ihn aus einer alkoholischen Lö- 
sung durch Selbstverdampfung krystallisiren lässt, erhält 
man ihn harnstofffrei. Die alkoholischen Extractionen vom 
Hamzucker bis zur Syrupsdicke verdampft und wieder mit 
wasserfreiem Alkohol vermischt, scheiden von neuem einen 
harnstoffhaltigen Zucker ab. Bestimmt man nun den Ham^ 
Stoff aus den gesammelten alkoholischen Auszugs- und Aus- 
waschflttssigkeiten vom Zucker, so erhält man stets zu we- 
nig Harnstoff. Ich habe daher geglaubt auf folgende Wdse 
verfahren zu müssen: es wurde genau der feste Rückstand 
des Harns ermittelt, dann eine gewogene Menge verdampft, 
mit verdünntem Alkohol gemischt und fillrirt; ^e filtrirle 
Lösung wurde zur Syrupsdicke verdampft und kalt mit 
concenlrirter Salpetersäure gemischt, so dass über die 
Kryslalle noch einige Tropfen Flüssigkeit standen, stark 
abgekühlt, und die krystallinische Masse auf Papier ge- 
bracht und nach und nach so lange stark ausge- 
presst, als noch das Papier Feuchtigkeit abgab. Aus 
eioer andern Quantität Harn wurden die feuerbeständi- 
gen Salze bestimmt. Zieht man von der bekannten Menge 
des festen Rückstandes die in wässrigem Alkohol un- 
lösliche Partie (aus welcher auch die Harnsäure bestimmt 
wurde) den Harnstoff und die feuerbeständigen Salze ab, 
80 behält man den Zucker und das Alkoholeztrakt, das übri- 
gens im diabetischen Harn sich, wie es scheint, um so mehr 
vermindert, wie der Zucker zunimmt, als Rest. 

Folgendes sind die speziellen Resultate der Harnunter- 
suchungen: 

No. 1. Die Analyse des Harns vor der Fleisehdiät. 
No. 2. Nach eingeftihrter Fleischdiät. No. 3. Bei gleicher 



Udb. den Harn und die Excremente Diabetiscber. 423 

DiMt kurz vor dem Gebrauch des Oels. No. 4. Nachdem 
bei Ficäscbdiäi 8 Tage hindurch Leberthran (Uigiich 
4 Löffel) gebraucht worden. No. 5. Nachdem bei gleicher 
Diät und dem Gebrauch von Leberthran während 8 Ta« 
gen EisenjodUr täglich 4 Grn. genommen. No. 6. Nach- 
dem während 8 Tagen an der Stelle des Weissbrods kle- 
berreicheres Brod genossen. No. 7. Zwei Tage später bä 
einer bedeutenden Vermehrung des Harns. 
In 24 Stunden wurden entleert: 

1. 2. 3. 

4| Quart. 3 Quart. 4 Quart 

Spec. Gewicht . 1037,1 1038,9 1029,7 

Feste Stoffe . . 14,5 Unz. 9,9 Unz. 10 Udz. 

Zucker u. extraktive 
Materie . . . 12,5 - 7,5 - 8,5 - 

Harnstoff . . . 3 Dreh. 5 Dreh. 7 Dreh. 

Harnsäure ... — 5 Gm. 8 Gm. 

Feuerfoeständ. Salze — — 6 Dreh. 

4. 5. 6. 

4 Quart. 4 Quart. 3^ Quart 
Spec. Gewicht . 1030,2 1030,4 1032,37 

Feste Stoffe . . 10,5 Unz. . 10,5 Unz. 10,2 Unz. 
Zuckern, extraktive 
Materie ... 8,9 - 7,25 - 8,1 - 

Harnstoff . . . .7,8 Dreh. 10 Dreh. 1,1 Unz. 

Harnsäure . . . 10 Grn. 5 Gm. 

Feuerbeständ. Salze 6 Dreh. 8 Dreh. 400 Gm. 

7. 
4i Quart. 
Specifisches Gewicht . . . 1032,97 

Feste Stoffe « 12,5 Unz. 

Zucker und extraktive Materie 9,6 

Harnstoff 1,3 

Harnsäure 15 Grn. 

Feuerbeständige Salze . . 1 Unz. 9 Grn. 

Ganz anders aber stellt sich das Verhäitniss nach den 

Erfahrangen, wenigstens, die ich gemacht habe, wenn di^ 



424 Ueb. den Haro imd die Excremente Diabetischer. 

Krankheit rfidiLSchreitet und der Patient in die Beconvales- 
eenz eintritt Der Zacker vermindert sich dann aosserge- 
wöbntich, es tritt zeitweise Albumin auf, ein Stoff, der sich 
gewöhnlich auch beim Beginn der Krankheit zeigt, und wech- 
selt mit dem Zudker, wie im Beginn der KradLheiL Wenn 
der Zucker so vermindert ist, dass der Geschmack des reich- 
lichen Kochsalzes vorwaltet, so wird die nicht geübte Zunge 
ihn aus dem Alkoholextrakt nicht herauserkennen. Immer 
giebt dann aber die Kupfersalzprobe, sowohl in diesem Al- 
koholextrakte, als auch im Harne selbst noch die Gegenwart 
des Zuckers zu erkennen. Ich verfahre hierbei auf folgende 
Weise: In ein 7 Zoll hohes Reagenzglas wird etwa l Zoll 
hoch Urin gegossen und dieser mit kohlensaurem Kali (3/? 
— 9Jj} erhitzt; darauf giesst man das 5— 6fache Volum 80$ 
Alkohol hinzu und kocht wieder einige Zeil, damit sich das 
sich entwickelnde Ammoniak löst, alsdann wird etwas 
schwefelsaure Kupferoxydlösung hinzugefügt und wieder 
gekocht Ist viel Zucker zugegen, so geht in der unten- 
stehenden Lösung des kohlensauren Kali im Harne sehr 
bald die Reduktion des Kupferoxyds in Oxydul vor sicb^ 
die Flüssigkeit färbt sich dabei gelb, roth oderkupferi)raun; 
ist die Menge des Zuckers sehr gering, so tritt die Redok- 
tion ärst später ein, aber selbst bei einer sehr geringen 
Quanlilat Zucker findet sie noch statt Ist aber kein Zucker 
zugegen, so bleibt die Kalilösung blau oder blaugrün geßirbt 
Wenn sich der. Zucker im Harne vermindert, dagegen der 
Harnstoff und die extraktiven Materien vorwalten, wird das 
Verhällniss der festen Bestandtheile zum specifischen Gewichte 
geringer, wie man aus den nachstehenden 3 Fällen beim 
Vergleich mit den Angaben Seite 423 ersieht 

Ich habe ganz kürzlich einen zuckerhaltigen Harn unter- 
sucht, der nur sehr geringe Mengen Zucker enthielt, früher 
aber reich daran war. Einige Zeit vor der letzten Unter- 
suchung fand sich der Zucker darin nicht vor, dagegen Hess 
sich Eiweiss erkennen. Die letzte Untersuchung wurde mit 
drei verschiedenen Hammengen, während der verschiedenen 
Tageszeiten gelassen, vorgenommen. Die Quantität Harn, welche 



Ueb. den Harn und die Excremenie Diabetischer. 4S5 

von Mittag bis Abend gelassen fvurde und die grösste war, 
enthielt den meisten Zacker, die während der Nacht gelas- 
sene die geringste Menge. Die drei Untersuchungen ergaben 
folgende Resultate: 

L 2. 

Harn Harn 

V. Uittag bis Abend, von der Nacht 
QuantiiSt des Harns . . 34,3 Unz. 6 Unz. 

Spec. Gewicht .... 1026,02 1024,38 

In 1000 Theilen sind enthalten: 

Wasser 943,00 946,43 

Fester Rückstand . . . 67,00 53,57 ; 

Harnstoff 14,12 • 17,50 

Harnsäure 0,34 0,80 

Chlomatrium mit wenig koh- 

lens. u. schwefeis. Natron 11,27 8,60 

Schwefels, und phosphors. 

Alkali 5,80 4,65 

Erdphosphate 1,20 0,80 

ExtraktarL Mater, m. Ammo- 

nidksalz.u. Spuren V.Zucker 24,51 21,94 

3. 

Harn 

von Früh bis Hittag. 

Quantität des Harns 10,7 Unz. 

Spec. Gewicht 1027,76 

In 1000 Theilen sind enthalten: 

Wasser 934,47 

Fester Rückstand 65,53 

Harnstoff 16,21 

Harnaäure 0,50 

Chlomatrium mit wenig kohlensaurem und 

schwefelsaurem Natron 10,50 

Schwefelsaures und phosphorsaures Alkali 5,70 

Erdphosphate 0,90 

Extraktartige Materien mit Ammoniaksalzen u. 
Spuren von Zucker 32,18 



4?S Ueb. den Harn und die Excremente Diabelischer. 

Aus der Gesammiquantität in 24 Stunden entleerten 
Urins berechnet sich die Mischung der festen Bestand- 
theile mit 

Feste Bestandtheile 3 Unz. 

Harnstoff 365 Gm. 

Harnsäure 11,2 Gm. 

Feuerbeständige Salze 425 Grn. 

Extraktive Materie etc. 1 Unz. 139 Gm. 



Was nun die Exoremente des erst angeführten Kranken 
betrifil, so habe ich auch mit diesen Untersuchungen vor- 
genommen. Es ist schon oben bemerkt worden, dass ich 
nicht eine Spui' von Zucker darin nachweisen konnte, dass 
dagegen eine sehr ansehnliche Meoge festen Fettes darin 
gefunden wurde. Schon die Konsistenz des Felles 
zeigte, dass dasselbe nicht allein von dem genossenen 
Leberthran herzuleiten sei. Das Fett verhielt sich über- 
haupt ziemlich abweichend von dem gewöhnlich im m«DSch* 
liehen Körper vorkommenden, so dass ich eine genauere 
Untersuchung damit vorzunehmen beschloss, deren Resultat 
ich' später mittheilen werde. Es wurden täglich zwei bis 
drei breiige Stühle entleert, die einen sehr unangenehmen 
Geruch verbreiteten und thongrau gefärbt waren. Bei zwei- 
maligem Wiegen der täglich entleerten Stühle fand sich, 
dass die Menge der Stoffe zwischen 17 bis 20 Unzen 
schwankte. Ich werde bei der Berechnung die Hittelzahl 
mit 18,5 Unzen annehmen. 

Alkohol damit digerirt, färbte sich dunkelbraun und zog 
daraus viel Fett, extraktive Materien und geringe Mengen 
Gallenstoff. Wurde hierauf der Rückstand mit Wasser behandelt, 
so färbte sich dieses hellbraun, die Lösung aber wurde andL Lufl 
bald dunkler; beim Verdampfen hinterblieb ein sehr gerin- 
ger Rückstand, der wenig Geschmack zmgte, sich wieder 
in Wasser löste und sich wie die von Berzelius bezeich- 
neten, durch Wasser ausziehbaren extraktiven Stoffe der Fäcal- 
materie verhielt Was ungelöst blieb, verbrannte mit dem 



Ueb. den Harn und die Excremente Diabetischer. 427 

Geruch nach Hörn oder Leim und enthielt ausserordentlich 
viel Stickstoff. Die quantitative Analyse ergab, dass die 
184 Unze der Fäcalmaterieu enthielten: 

Gesammtquantität für 100 

Wasser 12 Unz. 312 Grn. 

Feste Bestandlheile . . . 5 408 

Fett -2 ünz. 34,0 

Gallenstoff und extraktive, in 
Alkohol lösliche Materien . 56 Gm. 2,0 

Wasserextrakt 56 - 2,0 

Alkalische Salze .... 182-1 6,5 
Kohlensauren Kalk ... 70-1 364 2,5 
Erdphosphate und Eisenoxyd 112 - ) 4,0 
Unlösliche stickstoffreiche Be- 
standlheile 2 Unz. 359 Grn. 47,0 

Ich habe versucht, nach Angaben, wie sie sich in Lehr- 
büchern der Thierchemie vorfinden und besonders in dem 
Anhange von Liebig's Werk zusammengestellt sind, aus der 
Menge der genossenen Nahrungsmittel und aus der Quan« 
tität der Ausleerungen die Quantitäten Kohlenstoff, Stickstoff 
und Wasserstoff für Einnahme und Ausgabe zu berechnen, 
um dieselben vergleichen zu können. Die Werthe, welche 
ich nach dieser Berechnung hier zusammenstelle, sollen und 
können durchaus keinen Anspruch auf analytische Genauig- 
keit machen, aber es sind Annäherungswerthe, welche nur 
dazu dienen, das Verhältniss zwischen Einnahme, sensi- 
belen Ausleerungen und Perspiration anäherungsweise aus- 
zudrücken. Die Abweichungen von dem normalen Verhält- 
niss, welche sich herausstellen, müssen sehr ansehnlich ge- 
nannt werden. 

Eingenommen wurden 

8 Unz. trocknes Kleberbrod 
114 - trocknes Fleisch. 

2 - trockne Eier. 

2 - Le berthran. 
23,5 Unz. 



428 Ueb. den Harn und die Ezeremenle Diabetischer. 

Entleert wurden 

durch den Harn. durch den Stuhl. 

8,8 Unz. Zucker. 2 Unz. Fett. 

1^ • Harnstoff. 2,5 - stickstoffreiche unlös. 

liehe Fäkalroaterie u. 
Protei'nverbindung. 

15 Grn. Harnsäure. 100 Gm. extraktive Materie u. 

^^ Gallensio ff. 

15 Unzen. 

Ueberschuss an Speisen 8} Unz. 

, j e • • j iu li 'fl den Ausleerungen 

In den Speisen sind enthalten . , ,, i. ° 

^ sind enthalten. 

12 Unz. Kohlenstoff 6,6 Unz. Kohlenstoff. 

1 - 6 Dreh. Wasserstoff. l - Wasseratoff. 

2,5 - Stickstoff. 410 Grn. Stickstoff. 

700 Gm. feuerbeständige Salze. 710 Grn. Salze. 

Es sind daher mehr genossen und durch sensibeln Aus- 
leerungen fortgeführt: 11 Loth Kohlenstoff, H Loth Wasser- 
stoff, di Loth Stickstoff. Die Quantität Kohlenstoff und Was- 
serstoff ist viel geringer als man für die LuogeDperspfra- 
tion gewöhnlich berechnet; der Kohlenstoff beträgt nur die 
Hälfte von dem, was Davy und Pepys berechnen, und 
noch viel weniger als Liebig annimmt. Wenn auch anzu- 
nehmen ist, dass ein Tbeil Stickstoff mit der Hauttranspiratioa 
fortgeht, so muss doch das grosse Missverbältniss zwi- 
schen eingenommenem und ausgegebenem Stickstoff sehr 
wundem. Eine genaue Untersuchung der ausgeatbmeten 
Luft Diabetischer ist höchst wUnschenswerth, um unsere 
Kenntniss von dem chemischen Moment in diesem merk- 
würdigen Krankheilsprozess zu vervollständigen. 



Harn im Scorbnh 



Ueber den Harti im Scorbut habe ich in der lelzteii 
itii in der SchOnlein'schen Klinik einige Beobachtungen 
Ztt machen Gelegenheit gehabt, welche tvohl einiges Inter- 
esse gewähren mOgen, da diese Krankheit in hiesiger Ge- 
gend ziemlich selten ist und Überhaupt eine genauere Kehnt^ 
niss des Harns in derselben noch mangelt Es kamen 
in der genannten Klinik in einem äehr kurzen Zeiträume 
drei Fälle von sehr ausgeprägtem Scörbut Vor, zwei bei 
Männern zwischen 30 und 40 Jahren und einer bei einer 
Frau, welche seit einigen Wochen entbunden worden war. 
Bei beiden Männern war nicht allein das Zahnfleisch iin 
hohen Grade angegriffen und der eigenthUmliöhe unange- 
nehme Geruch aus dem Munde wahrnehmbar, sondern es 
waren auch an den untern Extremitäten zahlreiche und aus- 
gedehnte SugiUationen und Ecchymosen, so wie Petechien vor- 
handen; der eine dieser Kranken hatte zugleich ödematöse 
Anschwellung an den Knöcheln. Die Frau hatte ein sehr 
cachectisches Ansehen, war im Gesicht etwas geschwollen^ 
das Zahnfleisch im hohen Grade destruirt, livid, leicht 
blutend, die Zähne sämmtlich locker, ein Zahn selbst in 
einer Nacht ausgefallen, der Athem höchst unangenehm rie- 
chend. An den FUssen hatte sie keine Ecchymosen oder 
l^etechien, dagegen an den Knöcheln eine ödematöse 
Anschwollung. Der Harn war bei sämmllichen drei Indivi* 
Simon Belüge !• 3' 28 



430 Harn im Scorbut. 

duen von ähnlicher physikalischer BeschafFenheil. Er wnrde 
in der ersten Zeit in nur geringer Menge (8 bis 12 Unz.) gelas- 
sen; war tief dunkelbraun, bei dem einen Manne wie von 
Gallenpigment, bei dem andern wie vom zersetzten Blute 
gefärbt, bei der Frau war der Harn dem dunklen Typhus- 
harne ähnlich und trübe. Der Harn von den beiden Män- 
nern war schwach sauer reagirend, ohne den eigenthUmlichen 
süsslichen Geruch, den der Typhusham besitzt-, er enthielt 
weder Gallenpigment, noch Blut, auch kein Albumin; schon 
nach wenigen Stunden entwickelte sich in diesen beiden Ham- 
arten ein unangenehmer Geruch nach Ammoniak. Auch, 
wenn man den Harn vorher mit etwas Kali schüttelte und 
dann Salpetersäure hinzufügte, so wurde keine Farbenver- 
änderung bewirkt. Auch der Harn der Frau war frei von 
Gallenpigmeni, Blut und Eiweiss; er reagirie sehr schwach 
Malisch) roch unangenehm nach Ammoniak und war 
trübe. In allen dr.ei Arten von Harn brachte Ammoniak 
eine schwache Trübung hervor. Der durch Salpetersäure 
angesäuerte Harn wurde in allen drei Fällen durch Chlor- 
barium gefällt, doch war die Fällung (von schwefeJsaurem 
Baryt) viel geringer, wie im normalen Harn. Ebenso gab die 
BeacUon auf Phospborsäure in dem vom schwefebauren 
Baryt abfiltrirten Harn, durch HinzulUgen von Ammoniak eine 
verhältnissmässig nur geringe Trübung. GaUäpfelinfiisioQ 
trübte den S(?orbuUschen Harn in allen drei Fällen siemlich 
stark, ebenso wirkte basich und neutrales essigsaurea Blei- 
oxyd und essigsaures Kupferoxyd. Queeksilberohlorid bo* 
wirkte nur eine sehr geringe TrUbung. In der chemischen 
Mischung zeigten die drei Harnarten ein sehr übereinstim- 
mendes Verhalten, wodurch sie eheqfaUs dem Harn im Ty- 
phxis sehr ähnlich werden. Der Hamatoff war in vieJ genii« 
gerer Menge zugegen > wie im normalen Harn und betrug 
nur 35— 30f vom festen Rückstand. Die feuerbeständigen 
Salze waren in dem Harn der beiden Männer venntedert, 
sie betrugen zwischen 14— 18f vom festen Hücksland, bei 
der Frau betrugen sie 27 f, also etwas mehr wie im nor- 
malen Harn (35{)* Die Harnsäure war in allen drei 



Harn im Scorbüt 431 

fiamaiieh um ein wenfg vermehrt, sie betrug zwischen 
1— 3f voiü festen Rückstand. Nach der eingeleiteten Be- 
handlung zeigte sich bei den beiden Männern ein ziemlich 
rasches Rückschreiten der Erankheitssymptome, die Ecchymo- 
sen und Sugiiiaiionen wurden blasser j sie verschwanden 
nach einigen Tagen, Wie auch die ödemätöse Anschwel- 
lung; der Harn wurde reichlicher gelassen, von Tage zu 
Tage heller und hatte schon nach 6 Tagen so ziemlich die 
normale physikalische Beschaffenheit erlangt. Bei der Frau 
bei welcher überhaupt ein allgemeiner bedeutender Schwäche^ 
zustand Zugegen war, ging die Besserung sehr langsam vor 
sich. Wie das Blut im Scorbute steh seiner chemischen 
Mischung nach dem Blute im Typhus annähert, so ist dies 
auch mit der chemischen Mischung des Harns der Fall, ein Um- 
stand, der, wenn man bedenkt, das die Mischung des Barns 
stets einen RückscUuss auf die Mischung des Blutes, und 
umgekehrt machen tässt, vorhör zu sehen war. 



28 



Harnsedimente. 



Ein ähnliches Sediment, wie ich es S. 105 dieser Bei- 
träge beschrieben habe, hatte ich wiederum Gelegenheil in 
der Schönlein'schen Klinik in einem Fall von Pneumonie 
zur Zeit der Resolution zu beobachten; es zeigten sich in 
dem bernsteingelb gefärbten klaren Harn, die schon früher 
beschriebenen ausgezeichnet schönen Krystalle von Magnesia- 
Tripelphosphat, und ebenso wurde der Plam von sämmt- 
Hcher Säure weiss gefällt, und in dem durch die Säure er- 
zeugten Sediment, bildeten sich nach längerer Zeit kleine, 
rhombische Tafeln, welche als Harnsäure erkannt wurden. 
Ich habe schon an anderen Orten darauf aufmerksam ge- 
macht und Jeder, 4er sich mit den genaueren Untersuchun- 
gen de^ Formen der Hamsedimente abgegeben hat, findet 
täglich Gelegenheit, Beobachtungen anzustellen, wie unter 
verschiedenen Umständen die Formen, in welchen die Salz« 
verbindnngen oder auch die freie Harnsäure, aus dem das 
Sediment besteht, von einander abweichend sind; es ist 
ganz gewiss von nicht geringem Interesse, zu erforschen, ob 
die verschiedenen Formen der Krystalle oder krystall-ähnli- 
chen Aussonderungen einzig und allein abhängig sind von 
physikalisch -chemischen Prozessen, z. B. schnelleres oder 
langsameres Bilden des Sedimentes, schnelleres oder lang- 
sameres Abkühlen der Harnflüssigkeit, schnelleres oder lang- 
sameres Sättigen der freien Säure durch das sich bildende 
Ammoniak, oder ob vielleicht irgend ein Zusammenhang zwi- 
schen den verschiedenen Formen der SedimeiittheScben und 



HamsedimeDie. 433 

dem Kraakheitsprozess nachgewiesen werden kann? eine 
Frage, die ihre Beantwortung nur durch genaue, äusserst 
zahlreiche und umsichtige Beobachtung am Krankenbette 
finden kann; es ist, um nur einen Moment hier hervorzu- 
heben, klar, dass ein Sediment aus hamsaurem Ammoniak, 
wie ich es S. 113« dieser Beiträge beschrieben habe, oder 
solches, wie es Fig. 28. b. der Taf. I. des H. Bd. meines Hand- 
buchs der medizinischen Chemie dargestellt ist, einen schwer 
und erdig am Boden des Uringlases sich abgelagemden Nieder- 
schlag bilden muss, über welche der Harn geklärt erscheint» 
während jene Form des hamsauren Ammoniaks, wo es in 
den allerfeinsteu Molecülen erscheint, lange Zeit im Harn 
suspendirt bleiben kann, und die Unna jumentosa bildet; 
derjenige praktische Arzt, welcher es sich zur Pflicht gemacht 
hat, den Erscheinungen im Harne mit Aufmerksamkeit zu fol- 
gen, gtebt diesen beiden Formen des Sediments in Beziehung 
zu dem Rrankheitsprozess nicht gleiche Bedeutung. Dasselbe 
gilt von der Art, wie die Harnsäure als Sediment sich zeigt, 
bald in kleinen rhombischen Tafeln, bald in quadratischen 
Tafeln, bald in abgeschliffenen rhombischen Prismen, die 
die Form kleiner Ttfnnchen haben, bald in Form sternför- 
miger Krystallgruppen aus lanzettförmigen Krystalltafeln zu- 
sammengesetzt; dasselbe gilt vom Oxalsäuren Kalk, der bald 
in aggregirten Kügelchen, bald in schön ausgebildeten qua- 
dratischen OctaSdem erscheint, dasselbe gilt endlich xon 
dem phosphorsauren Kalk und noch mehr von den Krystalien 
der phosphorsauren Ammoniak-Magnesia. 

Wie ich bemerkte, kann nur ein fortgesetztes sehr auf- 
merksames Beobachten der Sedimente mit steter Rücksicht 
auf den Sland des Krankheitsprozesses über eine für 
die praktische Medizin gewiss nicht unwichtige Frage Auf- 
schluss geben. 

In dieser Beziehung haben mich Beobachtungen von 
Dr. Zimmermann, welche in Casper's Wochenschrift 
(1843. No. 19.) mitgetheiH sind, angenehm überrascht, da 
mit dieser die Reibe solcher Untersuchungen eröffnet wird, 
von der Seite aus, von welpher sie aliein mit Erfolg unter- 



434 Harnsedimeute. 

aommen werden können, Qämliob von der Seite der prak- 
tischen Aerzte, 

Zimmermann hat zunächst die Krystalle des Magnesia- 
Tripelphospbata zum Gegenstand der Untersuchung gemadit, 
er unterscheidet ein zwiefaches Auftreten desselben, ein 
primäres und seoundäres; primfir nennt er es, wenn der 
Harn die phosphorsaure Ammoniak r Magnesia bereits beim 
Entleeren gelöst enthüllt und nach kurzer Zeit (2-«4 Stunden) 
rein herauskrystalliren lässt. Der Harn sieht gewöhnlich 
gelblich aus, und reagirt entweder neutral oder im Anfange 
sauer. *) Zimmermann nennt das Auftreten der KrysCalle 
secupdär, wenn sie, wie im gesunden Harn, erst nach län- 
gerer Zeit durch Umsatz des Harnstoffs zu kohlensaurem 
Ammoniak sich bilden, und sie wurden beobachtet selbst 
noch ehe der Harn alkalisch reagirt, da, wie Zimmermann 
sehr richtig bemerkt, das Ammoniak wahrscheinlich sogleich 
zur phosphorsauren Magnesia tritt. Enthält ein Harn Pro- 
teYnverbindungen oder Schleim, welche als Gährungsmittel 
für den Harnstoff dienen künnen, so tritt die secundäre Bildung 
rascher ein ; primär beobachtete Z. die Bildung der ErystaUe 
von phosphorsaurer Magnesia -Ammoniak in einem Fall von 
Intermillens tertiana zwischen dem 4. u, 5« Anfall , nachdem 
Sedimentum latentium vorher gegangen war; in einem 
Falle von Erysipelas faciei in gut ausgebildeten Prismen, 
am 6. Tage gesellte sich diesem eine geringe Menge Sedi« 
mentum laterilium hinzu; bei einem Kranken mit Gonjunct. 
catarrhal. rheumat., ihm gesellten sich am 14. Tage Sedi- 
mentum lateritium, am 23. Krystalle von reiner Harnsäure 
bei; auf ähnliche Weise zeigten sie sich mit Sedimentum 
lateritium im Harne eines an Lungenentzündung leidenden 
Kranken; am massenhaftensten wurden sie bei Catbarrhus 
vesicae mit Schleimkörperchen vermischt gefunden. Bemer- 
kenswcrth ist, dass dieser Harn erst am 7. Tage alkalisch 



*} Auch ich habe solchen Harn, der kurze Zeit, nachdem er 
gelassen worden, ein Sediment von Tripetphospbat-Krystallen 
enthielt, öfters schwach sauer reagirend gefunden. 



Harasedimeniea 435 

reagirend wurde. Secundär sah Zimmermami die Kry* 
stalle sich bilden in allen den Fällen, wo der Harn blass- 
gelb, trübe, sauer reagirend war und durch Kochen gerann; ' 
es ist nicht mit Sicherheit angegeben, ob das Gerinnen 
durch Geaguliren des Eiweisses bewirkt wurde; nach 24 Stun- 
den zeigte sich der Harn alkalisch, setzte dann ein weisses 
Sediment ab, welches zum grossen Theil aus diesen Kry- 
stallen bestand und gerann dann nicht mehr. So wurde 
der Harn in einem Fall von Pleuritis, Endocarditis, bei einem 
Augenkranken, bei einem Kranken mit Periostitis und bei 
einem Kranken mit Nephritis acuta beobachtet Bei einem 
Kranken der an Periostitis litt, zeigten sich nach 3-*5 Tagen 
immer prismalische Tripelphosphate, plötzlich aber erschie- 
nen die gabelförmigen; während dieser Zeit hatte Patient 
Innerlich Nichts bekommen. 

Ich kann nicht unterlassen, zu bemerken, dass ich in 
der Art und Weise, wie die hier kurz angeführten Beob- 
achtungen Zimmermannes angestellt worden sind, den 
richtigen Weg erblicke, auf welchem von Seiten der praktischen 
Aerzte wichtige und interessante Beiträge zu dem Fort- 
schritte und für die weitere Ausbildung der physiologischen 
und pathologischen Chemie und Mikroskopie geliefert wer- 
den können, und wer diesen Weg betreten will, muss vor 
allen Dingen sich bestimmte, klare und einfache Fragen vor- 
legen, die durch die Beobachtungen beantwortet und erle- 
digt werden sollen, und mag sich dazu derjenigen Hilfs- 
mittel bedienen, welche ihm eben zu Gebote stehen. 



lieber den lubalt von Balgg^eschwiilsten ^ soge^ 
nannten GrQUgesehwiilsten (Atherom). 



Die Balggeschwulst, welche ich untersuchte, hatte die 
Grösse eines Gulden, war rund und von beiden Seiten platt- 
gedrückt. Die umgebende Haut war ziemlich dick, zell- 
gewebearlig, der Inhalt war breiartig, weiss, körnig, ähnlich 
der gekochten Grütze, geruchlos und reagirte auf Lakmus- 
papier stark sauer. Unter dem Mikroskope -zeigte sich die 
mit Wasser angeriebene, fein zertheilte Hasse als aus einer 
Uns^ahl ovaler Körperchen von Grösse der Pflasterepitheliea 
und aus zahlreichen grossen, schön ausgebildeten quadrati- 
schen und rhombischen Tafeln von Cholesterin zusamuien- 
gesetzt, zwischen welche sparsam klelQe Fettkügelchen und 
granulirte runde Körpereben eingestreut waren. Wenq 
man die Masse mit Essigsäure behandelte und etwas er^ 
wärmte, so zeigten sich die ovalen Körperchen zum Theil 
aufgeblasen, fast kuglich, andere waren platt geblieben und 
man erkannte jetzt in den meisten einen Kern und bei Blen- 
dung einen feinen granulösen Inhalt, so dass man sie mitSicher- 
beit als Pflasterepithelien oder doch bis nahe zu Pflaster- 
epithelien entwickelte Zellen bezeichnen konnte. Bisweilen 
waren 12 und noch mehrere dieser Zellen regelmässig zu< 
sammengefügt, wie man solche Stücke bisweilen von Schleim- 
häuten sich ablösen sieht, und sämmtliche hatten scharf ge- 
zeichnete Kerne. Die Zellen aus einem kleineren Atherom, 



Ceber den lohaii von Balggesobwttlsien. 437 

\on etwa Bobnengrösse , dessen Inhalt feinkörniger -und 
iweisser erschien, waren viel heller und diaphaner, als die 
der zuerst beschriebenen Geschwulst, und bei ihnen traten 
auch nach dem Behandeln mit Essigsäure die Kerne nicht 
so scharf hervor. Beim Eindampfen der grützartigen Masse 
verbreitete sich ein deutlich saurer Geruch, der Aehnlichkeit 
mit Essigsäure halte} als aber etwas der Grützmasse mit 
Schwefelsäure Übergossen und erwärmt wurde, konnte nut 
Sicherheit Essigsäure nicht nachgewiesen werden. Wurde 
die Grützmasse mit Wasser anhaltend geschüttelt und das 
Wasser abfiltrirt, so zeigten sich darin Spuren von gelöstem 
Albumin. Dieselbe Masse wurde dann mit verdünnter Essig- 
säure extrahirt, welche nach der Filtration sehr wenig von 
Kaliumeisencyanür und eben so wenig von Gerbsäure getrübt 
wurde. Aetber zog aus der durch kalten Alkohol gewasch- 
nen trocknen Grützmasse ein aus Cholesterin und schmie- 
rigem gelblichen Oel bestehendes Fett aus. Beim Ver- 
brennen hinlerliess dieser grützartige Inhalt der Balgge- 
schwulst eine ausserordentlich grosse Quantität leicht sich 
weiss brennender Asche, näoüich 25,7f von welchen 21,7 
phosphorsaurer Kalk, 4,0 kohlensaurer Kalk und Spuren 
Eisen und Chlomatrium waren. Vor einigen Jahren erhielt 
ich ein Töpfchen von 2 Unzen, ganz geAillt mit demselben 
Inhalt einer sehr grossen Balggeschwulst Vogel hat in 
seinen Icones histol. path. Taf. IX. eine getreue Abbildung 
des Inhalts vom Atherom gegeben. 

Der Inhalt einer andern Balggeschwulst, welche mir 
vom Hrn. Dr. Meier mit der Bezeichnung Meliceris (viel- 
leicht wohl auch Atherom) übersendet wurde, halte, mit 
blossem Auge betrachtet, ein von dem früher erwähnten, 
verschiedenes Ansehen, es war eine weisse, vollkommen 
gleichförmige, stark zusammenhängende, etwas fettglänzeode 
Masse, welche am besten in seinem Ansehen mit dem coa- 
gulirten Eiweiss hart gekochter Eier verglichen werden kann 
und blaues Lackmuspapier sehr stark röthete; unter dem 
Mikroskope zeigte sich die Masse sehr ähnlich der früher 
beschriebenen, sie bestand aus zahllosen, äusserst hellen. 



438 Ueber den Inhall von Baiggeschwillslen. 

gialten, ellipiisGhen Schuppen, welche zum Theil einzeln 
lagen, zum Theil in dicken Haufen zusammen und zwischen 
weichen eine sehr grosse Menge schdn ausgebildeter Chole- 
aterin-Krystalle und ziemlich viel sehr kleiner PettkUgelchen 
zerstreut lagen; in Aether verlor diese Masse schnell ihren 
Zusammenhang; der Aelher zog ein Fett aus, welches beim 
Yerdampfen theils krystallisirte, und aus Cholesterin, wahr- 
scheinlich auch etwas Margarinsäure, und flüssigem Feit be- 
stand« Ungeldst Hess der Aether die elliptischen Schuppen ; 
Würden diese zuerst mit Essigsäure, darauf mit wässriger 
Jodtinktur behandelt, so konnte man in jeder dieser Schup- 
pen einen kreisrunden Kern erkennen, welcher wenig ge- 
fSirbt war und so vortrefflich von der üef dunkelgelb ge- 
färbten Umgebung abstach; auch diese Masse hinterliess 
beim Verbrennen eine weisse, nicht anschmelzende, aus 
phosphorsaurem und kohlensaurem Kalk bestehende Asche. 



Beiträge zur Arzneiwirkang. 



Ueber die Einwirkung des Alkohols und Aeihers 
auf den thierischen Organismus 

sind von C. H. Mitscherlieh Untersuchungen angestellt 
worden. Dass der Alkohol in das Blut übergeht, dass er 
zum Tbeil durch die Lungenperspiration, zum Theil durch 
den Harn entleert wird, geht aus den Untersuchungen von 
Orfila, Magendie, J. Percy u. A. hervor. Der wasser- 
freie Alkohol coagulirt die löslichen ProteYnverbindangen, 
wie Eiweiss und Käsestoff, und führt sie in die in Wasser 
unlösliche Modi6kation Über; eben so wird das Albumin, 
welches dem Mageninhalte beigemischt ist, coagulirt; auf 
der äussern Haut erzeugt der AJkohol zuerst durch Verdun- 
stung das Gefühl von Kälte, später fcrfgt dagegen Wäfrne 
und Brennen, Wegen des verhärteten und ausgetrodLneten 
Zustandes der ZeHen, welche die Epidermis bilden, nimmt 
diese den Alkohol nur langsam auf; viel leichter durchdringt 
dagegen der Alkohol das Epithelium, erregt schnell Gefühl 
von Brennen, dem selbst Entzündung folgt, die Epitheüen 
verändern ihre Form und schrumpfen zusammen; in frischen 
Wunden, in welchen die Nerven blossHegen, erzeugt der 
Alkohol sogleich den heftigsten Schmerz und bald Entzün- 
dung. Kaninchen, denen 1 Unze wasserfreien Alkohols in 



440 Beilräge zur Arzneiwiitung. 

den Magen oingespritsi worden war, verfielen in kurzer 
Zeit in einen ZusUnd grosser Mattigkeii, Empfindung und 
Bewegung nahmen in dem Grade ab, dass sich die Thiere 
nicht mehr aufrecht erhalten konnten, der Puls und das Athmen 
wurde ausserordentlich beschleunigt, der Tod erfolgte nach 
H — 2 Stunden ohne alle Ck>nvulsionen; bei der bald nach 
dem Tode erfolgten Oeffnung war der Alkoholgeruch deut- 
lich zu erkennen, die Muskeln zuckten noch bei mechani- 
scher Reizung, die peristaltische Bewegung des Darmkanals 
war schwach, der Magen zeigte sich im hohen Grade ent- 
zündet, die FIfrbuog des DUnndarms war nicht ver- 
ändert, der Mageninhalt roch stark nach Alkohol und 
war zum Theil coagulirt. Die chemische Einwirkung 
des Alkohols auf die Magenhäute war ausser Zweifel 
gestellt; das Epithelium war nur an einigen Stellen abge- 
lotst, grauweiss und leicht zerreiblich, die Form seiner Zellen 
war verändert, sie erschienen wie zusammengeschrumpft 
Die Gefässhaut war dunkelrotbbraun, strotzend vom Blut 
und von einem theils klaren oder auch rölhlich gefärbten 
Bzsudat durchdrungen, wodurch sie an Dicke bedeutend 
sugenommen hatte, das Exsudat selbst aber war nicht ge- 
ronnen; die Muskelhaut und der PeritonealUberzug erschie* 
nen nicht bedeutend verändert; der Dünndarm zeigte sich 
wenig verändert, Dickdarm, Lungen, Herz, Nieren, Leber 
waren von normaler Beschaffenheit, das Gehirn und die 
Gefässe der Gehirnhäute waren nicht stark mit Blut Über- 
füllt, ein Exsudat wurde nicht wahrgenommen; das Blut zeigte 
sich in keiner Weise verändert, auch konnte Alkoholgeruch 
nicht beobachtet werden. Verdünnte alkoholische Flüssig- 
keilen bringen keine chemische Veränderung in den Magen* 
häuten hervor, allein schon beim nüchternen, übermässigen 
Genuss eines 40| Branntweins sind chemische Reactiooen 
zu befürchten. 

Das der Genuss stark alkoholischer Flüssigkeiten Magen- 
entzündung zur Folge hat und dass diese auch bei Potato- 
ren, welche nach übermässigem Genuss des Branntweins 
gestorben waren, aufgefunden worden ist, ist bekannt. 



Beiträge Eur Arzneiwirkong. 441 

Wenn der Alkohol in das Blut übergeht, so wird er nicht 
allein von den Venen demselben zugeführt, sondern der 
Alkohol durchdringt auch die Gewebe und kommt auf diese 
Weise mit den blutführenden GefHssen in Berührung, es 
geschieht dies um so leichter, je verdünnter der Alkohol ist. 
Die Erscheinungen, welche in Folge des Ueberganges des 
Alkohols ins Blut und der direkten Einwirkungen desselben 
aufis Herz, Gehirn und Rückenmark entstehen, sind zur Zeit 
noch nicht von denen zu unterscheiden, welche auf sympa- 
thischem Wege vom Magen aus erfolgen; bei verdünnten 
alkoholischen Flüssigkeiten scheinen die ersteren, bei star- 
kem Alkohol die letzteren vorzuwalten. 

Das chemische Verhalten des Aethers zu organischen 
Stoffen ist flir die Erklärung seiner Wirkung, für jetzt ohne 
Bedeutung. Der Aether verändert das Albumin des 'Blut- 
serums nicht sichtbar, er löst von den Bestandtheilen des 
thierisdien Körpers nur die Fette; Bpithelium mit Aether 
zusammengebracht, verändert sich nicht; auf der äussern 
Haut erzeugt der Aether durch Verdunstung Kälte, erst spä- 
ter Wärme und Brennen, in den Mund genommen empfindet 
man dagegen sehr rasch das Gefühl von Brennen, da. das 
Bpithelium schneller den Aether hindurch lässt als die Epi- 
dermis; in .Wunden bei blossgelegten Nerven empfindet man 
sehr schnell Gefühl von Brennen. Ein Kaninchen, dem 
1 Drachme Aether in den Magen gespritzt war, schien dar- 
auf wenig erregt, wurde sehr bald unempfindlich, fiel auf 
die Seite; der Leib wurde tympanitisch aufgetrieben und 
nach 14 Min. erfolgte der Tod ohne Krämpfe ; bei der Oeff- 
nung war der Geruch nach Aether deutlich wahrnehmbar, 
die Muskeln zuckten nach mechanischer Reizung, die peri- 
staliische Bewegung des Darms war sehr schwach; Magen 
und Dünndarm zeigten sich im hohen Grade entziUidet, das 
Futter schien nicht verändert und es war demselben nur 
wenig Aether beigemischt, die Zellen der Magenschleimhaut 
zeigten sieh von ihrer NormaUorm wenig abweichend,, an 
einigen Stettin, wo die Scbteimbaut mit Blut bedeckt war, 



443 BeilrHge zur ArsDeiwirkmig. 

zeigten sich die Epilheliumeellen inn das 6— Sfaohe au%6- 
quollen y die Gefiisshaut war stari^ injicirii Rtttskdhaui and 
Peritonaeum zeigten sich unverändert, der Dünndarm war 
entzündet, enthielt noch viel Aetfaefi seme Cylinderxellen 
waren meistentheiis aufgequollen. Erfolgt bei grossem Ga- 
ben von Aether der Tod sehr rasch» so war der Dannkanal 
unverändert. Bisweilen sterben die Thiere bei der schnei* 
len Verdunstung des Aethers suffokatorisch. Der Aether 
ruft mithin eine starke Entzttndimg des Magens und Dann- 
kanals hervor, er durchdringt die Häute und wird so den 
blutführenden Gelassen zugerohrt. Eine chemische Einwir- 
kung auf die Gewebe, kann nicht wahrgenommen werden. 
Die im Darmkanal vorgefundene Strukturveränderung, das 
Aufquellen der Epithelienzellen und AbsCossen derselben 
ist nicht Folge einer chemischen Einwirkung, sondern wird 
durch die Thätig)^eit des Organismus hervorgerufen; die 
Allgemeinwirkung des Aethers auf den Organismus, theib 
vom Magen aus, theils durch den Uebergang in das Blut, 
bleiben somit bis jetzt noch unbekannt 



Die Benzoesäure, ein Mittel zur Aufhebung der 
Alkalescenz des Hamas und der Ablagerungen 

von Erdpbosphaten. 



A. Ure wurde von einen 37 Jahre alten Mann wegen 
Störung in der Urinsecretion eonsultirl; der Urin, welchen 
dieser KraidLe entleerte, dessen Appetit utid Schlaf unge- 
stört waren , und der sich besonders über ein GefUhl wie 
Sohwäehe und Mattigkeit in der Lendengegend, so wie über 



Beiträge zur Araoeiwirkoiig. 448 

häufige Verstopfung beklagte, setzte, bald nacbdem er ge* 
lassen iTvar, ein weisses, flockiges Sediment von pbospbor* 
saurem und kohlensaurem Kalk ab, er reagirte dkalisch und 
nahm einen stechenden ammoniakalischen Geruch an; Harn« 
säure war darin nicht aufzufinden. Ure reichte ein Abfuhr* 
mittel aus Rhabarber mit 10 Gran BenzoiSsäure 2mal tag« 
lieh; der Urin setzte nach dem Gebrauch dieser Mittel kein 
Kalksediment mehr ab, reagirte sauer und zeigte sich in 
jeder Beziehung normal; nach ßtSgigem Gebrauch wurde 
die Benzoesäure ausgesetzt und der Urin nahm nach Ver- 
lauf mehrerer Tage wieder seine frühere annomale Be- 
schaffenheit an; es wurde nun versucht, durch andere Mittel 
dem Harne die normale Reaction zu ertheilen; man ver- 
ordnete den Gebrauch von Salpetersäure, später von Salz- 
säure, Schwefelsäure mit Eisenvitriol und Chinin, Weinstein- 
säure mit Salmiak, allein obgleich diese Mittel der Beihe 
nach andauernd und in reichlicher Menge genommen wur- 
den, blieb der Urin alkalisch und setzte weisse, erdige 
Massen ab. Es wurde nun wieder zum Gebrauch der Ben- 
zoesäure geschritten, mit demselben günstigen Erfolge wie 
früher. Als nach einigen Monaten der Patient wiederum 
die Hülfe des Dr. Ure gegen genanntes Leiden in Anspruch 
nahm, wurden ganz dieselben Mittel mit demselben Erfolge, 
wie erwähnt, in Anwendung gebracht Ure bemerkt, dass 
man in der Benzoesäure ein Mittel besitze, alkalisch reagi- 
renden Harn beliebig seine normale sauere Reaction zu er- 
theilen und dadurch den unangenehmen und reizenden Wir- 
kungen des alkalisch reagirenden Harnes auf die Schleim- 
häute der Blase und der Harnröhre zu begegnen, ebenso 
dürfte das Mittel da zu empfehlen sein, wo in der Blase 
selbst Ablagerung von Erdphosphaten als Goncretionen vor- 
handen sind, oder wo, wie es bsi Gichtischen bisweilen 
der Fall ist} Ablagerungen von Kalkphosphaten in den 
Muskel- oder Arterienhäuten, oder auf den Knochen sich 
vorfinden. Sowohl die Verbindungen der Magnesia und des 
Kalkes mit Phosphorsäure, als auch der kohlensaure Kalk, 



444 Beiträge zur Ansneiwirkimgi 

werden durch eine warme Lösung der Hippursaure in 
Wasser leicht aufgelöst, ebenso fand Ure, dass eine Ver- 
bindung von Eiweiss mit Knochenerde, welche im deslillir- 
len Wasser behandelt, sich darin als vollständig unidshch 
zeigte y Kalk und Phosphorsäure abgab, wenn dem Wasser 
etwiis Hippursäure zugesetzt worden war. 



Literarischer Anzeiger 

Pur 

Dieser literarische Anzeiger ^vird Bosch, Zeitschrift für Geborts- 
Iconde, der Wochenschrift für die gesanimte Heilkonde, Sirooo 
Beitrige zor ph^siol. ond pathol. Chemie ond dem Magazin 
ffir die gesammte Thierheilkonde so Ende eines jeden Monats 
beigegeben« 

Berlin. -^^g- Ulrachwald, 



Sämintliche hier angezei^e Bächer sind stets 
durch die Hlrschwald^sche Buchhandlung iü 
Berlin, Burgstrasse No« 25. zu beziehen. 



SBri Sfuguft ßirfcbwalb in SSerUn ifi fo tbtn txW^ntn utib in 
allen 93u4)i)anbfungen (u babrn: 

5[^et)ic<nalt)crfaffun9, 

ober DoUftAnbige 2)arfic(fung aütr, ba^ äRebictnalmeftn unb bie 

inebirinifd^e ^oUjei in bcn i((nigtt(^ ^reußif4)(n Staaten bctreffenben 

@efc$e, SSerorbitungen unb 6inrt(^rungeii; 

Don 

Sdinigfld^tn Geheimen unb 9{rdierttng^;änrbi|inalrat(e, S)octor uub ^rofrffor 

ber anebMn, dtitttc ic. ;c. 

Siebenter Sanö. 

eiitl^allcnb bie aWebicmaUajcrorbnungcn »on 1838 — 1842. 

fit. 8. 9)rci0 2 Xilt. 26i ©gr. 



Bei Vandenhoeck u. Ruprecht ist erschienen: 

Conrad i, J. W. H,, über Schönleins klinisch'e Vorlrage. 
gr. 8. 10 Sgr. 



Bei Ludwig Hchumann in Leipzig ist erschienen: 

Jahrbuch der Pharmakodynamik 

für 1843 
von Dr. Joseph Buchner. 

geh. Preis i TJiIr. 

■ Bei 



B»! Auguii llirsohwald in Berlin ist ertckienen: . 

Diagnostisch - tlierapeutiscbe Uebersicht 

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der ganzen 

Helkologie, 

tabellarisch zusammengestellt 



von 



Dr. M. B. Lessing. 

Zweite gfinilioh omgearbeilete ood vielfach vermehrle Auflage, 
qa. Fol. Kopferdruck Pap. geh. Preis 2 Thir. 7$ 6gr. 

In der Fest 'sehen Verlagshendlung In Leipsig iat eo eben 
erschienen und in nUen B^hhendlongen su hehen: 

Untersuchungen und Erfahningen 

im 

Gebiete der Anatomie, Phjsiologie, Micrologie und 

wissenschaftlichen Medicin, 

vorn 

Prof. Dr. U. Klencke. 

Zwei Bände, gr. 8. hroch. Preis 1} Thlr. 

1. Band} L Der Nervus Sjmpathicus in seiner morpfaologiseben 
und physiologischen Bedeutung. 

n. Mihrosicopiseh -pathologische Beobachtungen über die 
Natur des Contagium. 
9- Band: I. Mikroskopische Untersuchen fiber die feineren Slruc- 
tur- und Form «Charaktere pathologischer Gewebe, 
FlQssigkeiten und nenerzeugter Materien des Orga- 
nismus; nebst Bemerkungen fiber deren Beziehungen 
zum Heilverfahren. 

IL Zur Lehre von den Fehlern der Sprache und der 
Sprachlaule, nebst Anwendung der Resultate auf das 
Ileiivcrfahrep. Nach selbstst findigen Beobachtungen. 

Das gessmmte mediciniache und naturforschende Publicum erhalt 
von dem bekannten Verfasser eine Reihe durcbaua neuer Beob- 
aohtungen, welche die in gegenwärtiger Zeit in Frage stehenden, 
bisher sweifelkaft erkannten €regenst&nde der Wissenschafl griind- 
lieh darstellen. Durch seine ausgedehnten mikroskopischen Forschun- 
gen hat der Verfasser nicht nur die normale, sondern auch die Irranke 
li'atur des Organismus vielfach aufgeklirt und wir empfehlen dieses 
wiohtige Werk, welches nur neue und eigene Beobachtungen entp 
hilt« Allen, die an den Fortschritten der Aledichi und Naturkunde 
irgend Interesse nehmen« 

* Bei 



B« AogOBi Hirscbtvild in Bcrlia ist encbi<fiMn: 

Die Anaphytose 

oder 

Verjüngung der Pflanzen. 

Ein Schlüssel zur ErklSrang des 
Wachseus, Biabens und Fruchttragens, 

mit praktiichen Rfickiichten auf die Koilar der Pflanieo. 

Von 

Dr. C. Bf. SchuUz. 

ordentlicbem Professor an der Universilät zu Berlin. 
80. geheftet, Preis 1 Tiifa*. 7i Sgr. 



Bei 000 ist ersebieneD ond darch alle BocfahaodlaDgen la beiiehea: 

Ueber die Skrophelsncht 

und die 
davon abhängigen Krankheitszosiände« 

Eine praictische Abhandlung 

von 

Dr. C A* Bredow. 

236 Seiten gr. 80. 1 Thlr. 3} Sgr. 

Der Herr Verfasser, Arzt bei der Kaiserl. Alexandrowskischen Nana- 
feetar unweit St. Petersburg, hat di«8c Nonoeraphie, eine von der Kaiaerl. 
Akademie jee Irr Onte Preisscbrift, naeb den bcaten und neuesten Jite- 
rsriscben Qi^^ll^n so wie nach reicbcr eigener Erfabmng gearbeitet 

Berlin Juni 1843. 

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Bei G. Barnewilz in Ncobrandenburg ist erschienen und in 
allen Bucbhand langen zu haben: 

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niagneto-electrischeu 

Rotations-Apparates 

in Terscbiedenen Krankheiten 
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Dr. Julius Hesse. 

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Wissensehaflliche Cranioscopie« 

ErtcbieacB ist, vnil dorck alle Bucbhaiidlungeii su beziehen: 

Atlas 

der 

■ 

Cranio scopie 

(Scbädellehre) 

i 

oder 

AbbililMiigeB der ScbBdel- und Antlitzfornen berfthnfer oder son»t 

liger Personen. 



Von 

Dr. Carl Chtstaic Carus. 

Bot' and lfed.-IUUi, LeUMrzt S. M. des Königs v. Sachsen, RiUer. 

Heft L, entbalteod aaf seLn iithogr. Tafeln die Abbildangen 
der Kopfformeo Schillert, Talleyrands, eines Grönländers, 
eines Cretins, Napoleons, eines alten Skandinaviers, ei- 
nes Kaffern nnd eines Bali, sovde xwei Tafeln übereinander 
g^ezeiehneter Contonre dieser Köpfe. 

Mit dentschem nnd französlscbem Text. Folio, Laden- 
preis 6 Tblr. 10 Sgr. (8 gGr.) 

Nacbdem es dnrcb die nenern ForUcbriite im Gebiete der Phy- 
siologie möglich geworden ist, ober die psychisebe Symbolik des 
mensehliehea Sehldelbanes genauer^ Nacbweisnngen su geben, als 
es die bypotbetiscben Angaben Ton Gall, Spurzheim, Combe 
n. A. Termoehlen, musste auch das Bedfirfnits nach durchaus genauen 
und allen Anforderungen entspreehenden Abbildungen menschlicher 
Kopfformen immer fühlbarer werden. — Die hier gebotenen Tafeln 
sind ans der rQhmlichst bekannten Anstalt des Herrn Franx Hanf- 
stingl herrorgegangen und unter Leitung des Herrn Herausgebers 
Bach der einsig richtigen Methode in uatiirlicher Grösse gefertigt, 
so dass sie jeden Kenner aufs Vollkommenste befriedigen müssen. 

Die «weite Lieferung dieses Allasses, dem wohl keines der 
seitherigen Werke fibolicher Art an die Seite zu stellen sein dürfte, 
wird unter andern die Kopfbildung von Kant, den Schädel einer 
merkwördigen Königsmuni ie aus den Gräbern von l^lemphit, 
den Sehädel eines alten Germanen, und den eines weibi. 
Cretin's in den genauesten Abbildungen liefern. 

Leipzig im Juli 1843. 

August WeichardL 



liiterarischer Anzeiger 

J)^ 6. ^^^^^^ ""^ UatwM^tt. ^g^o 

Wieser literariscfie Anzeiger wird Busch, Zeitschrift für Gebnrta- 
künde, der Wochenschrift fÖr die gcsaramte Heilkunde, Simon 
Beitrage tnr pbystol. und pathol. Chemie und dem Magazin 
für die gesammte Thierheilknnde zu Ende eines jeden Alonals 
beigegeben« 

Berlin. Auguai IHrachwald. 



Sämintliclie hier angezeigte Bücher sind stets 
durch die HirschwaldWhe Ruchhandlung in 
Berlin 9 Burgstrasse No. 23. zu beziehen. 



Bei August Hirschvrald in Berlin ist erschienen J 

Das ausserordentlich getroffene Portrait 

des 

Dr. Karl Bimly^ 

tveiland König!. Grossbritanisch- Uannorerschera Hofratbe, ordenlK Pro- 
fessor der Heilkunde an der Universität zu Götlingen, Director des 
alcadem. Hospitals daselbst, Ritter etc. etc, 

Lithographie und Drack sind von Hanfsläiigl in Dresden* 

Folio, -Chines. Papier, Preis 1 Thlr. 10 Sgr. 



Beiträge 
zur Kenntniss des Zustandes der heutigen 

EutwickeluDg^-Geschichte. 

Von . 

Dr. K. B. ReicIierL 

t*rosector Und Privatdocent an der Universität zu Berlin etc. etc. 

gr. 8« Velin Pqpier, geheftet Preis 25 Sgr. 

' Im 



Im VeHagt der Baltb. ScbmidUcfacn BocIibMidloag (F. C. Kremer) 
in Aogtbnrg (Perlagberg neben der St Peterskirc^he) iai ertcbienen aod 

darcn alle BacbhandlongeD zu belieben: 

Correspondenzblatt» Repertorinm 

and 

Literatur-Journal 
für die gesammte Veterinär-Medicin. 

Herausgegeben von 

Dr. Johann Martm Kreutzer^ 

Kreia-Uedicinal-Au8chii8B-1llitgliede vnd •adtiscben Poliiei-Tbier«zt 

in Äagabnrg etc. 

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1. Jahrgang. 1. Quartalheft. 

(Complett in 4 Heften.) 

ff. 4. broch. Preia für den ganzen Jabrgang 3 Thir. 15 Sgr. 

Dietea Werk iat gewiss jedem VeterinSrarxt, Landvrtrtb etc. willkom« 
roen, da es bis jetit das einxig dastebende divser Art iat, und gewiss 
scbon iSngat das fiedfirfniss gef&nlt wnrde die TeieiiDirlnlUche Literatnr 
mit einem solchen bereichert zn seben. 

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Handbuch 

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BibUotheca epidemiographica 

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spedali conscriplorum. 
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Med. et chlr. Doci. Prof. In universitate literarom Jenensl extraordinario. 
gr. 8. CrebeAeC. Preis 20 gGr. oder 25 Sgr. 

■ — Lebrbucb 



L e h r b a' c li 

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Die folgenden 2 (höchstens 3) und circa 10 Bogen starken Lie- 
ferungen dieses Werks werden der gegenwärtigen bald nachfolgeUi 
so dass das ganze Werk bis £ude dieses Jahres bestimmt rollen- 
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Bei Ch. E. Kollmann in Leipzig ist erschienen: 

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Lisfranc, chirurgische Klinik des Hospitals de la Pitie. 
Aus dem Fransös. von Dr. 6. Krupp. 1. 2. Liefr. ä | Thlr. 

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Prout, Krankheiten des Magens und der Harnorgane. Aus 
dem Englischen von Dr. 6. Krupp. 1. 2. Liefr. ä | Thlr. 

Nro. 5. 
R. J. Grares, Prof. in Dublin, Klinische Beobachtungen. 
Nach dem Englischen bearbeitet von Dr. H. Dressier, 
lle Liefr. | Thlr. 

Den Sammlungstitel: MandbibliotHek etc. hat die Verlagshandlung 
gewihlt, .um grössere Werke in Lieferungen von 12 Bogen zu dem 
Subscript, Preise von f Thlr. desto schneller und wohlfeiler zur 
Benutzung bringen zu können. Es kann jedes einzelne Werk 
zum Subsoriptionspreise abgelassen werden, doch gilt dieser nur 
wfihrendder Herausgabe desselben^ dann mit Vollendung jedes Werks 
tritt für dasselbe ein höherer Ladenpreis, ein. 



SBfl 3. a. Xitilt in e<ipiid iH fo tUn txWmn m\> in aBett 

Äatttoaffcr^Äuren 

unh 

3 l m e n a u. 

eine m^ aOgemeinen biitettfc^en Seburfniffen angefleUte fBtttad)^ 

tunfl tet Xalttoa^txf^tilmtt^ott, ncbft einem autentif4)en Seric^te 

ber in ben legten 3a(ren in Slm^nau be^anbelten Xrant^etten. 

»on 3uflu^ l^eilbron. ^reitf | S£^(r. 

Bei 



Bei F. A. Ilerliig in Berlin ist jefti votlsiändig ersrlii^nens 

Handbucb der Geburtskunde 

in alphabetischer Ordnung. Bearbeitet und beraos- 
gegeben von Dr. D. W. II. Busch, Geh. Medic. Rathe, ordentL 
Prof. der Hedicin, DirecCor des klin. Instituts für Geburts- 
hülfe an der Friedrich -Wilhelms -Universität etc., und Dr. 
A. Moser, prakt. Arzte, Wundarzte und Geburtshelfer elc. 
4 Bände, gr. 8. 1841—43. Subscriptions-Preis 12| Thlr. 

'Während et keineswegei an Schriften und Lehrbüchern über 
die. GeburUkunde mangelt, fehlle es doch an einem rein^rakliacbea 
Werke, das« nach dem gegenwartigen Stand der Wisseo* 
Schaft so umfangreich und ausführlich abgefasst ist; um besonders 
als Handbuch zum Nachschlagen und Selbststudium auch für iliere 
Aerzte dienen zu können. Es ist jetzt voUst&ndig evsdbienen 
und entspricht,, nach dem Urtheile, welches kritische fiJlller über 
dasselbe abgeben, seinem Zwecke vollkommen, wofür schon der Name 
eines Bus eh bürgt. Mit möglichsler Vollstindigkeil i»i das ganze 
Gebiet der Geburtsbiilfe berücksichtigt und in einzeln Afonograptiieea 
gegeben worden. 



Nett erschienen ist: 

Kraus^ L. Ä.^ Etyciologiscli-inedicjlnisches Lexikon« 
3te stark vermehrte niid rerhesserte Anllage* 
lieft h IL Bogen 1 — 20. Subscriptionspreis a 
20 Sgr. pr. Heft. 

Das ganze Werk wird hh Ende dieses Jahres in 7—8 IJct* 
ten a 10 Bogen erscheinen, die rasch auf einander folgen^ da das 
Manuscript ganz vollendet vorliegt. Der Subscriptionspreis Hir 
8 Hefte a 10 Rogen ist 5 Rtblr. 10 Sgr. Nach Erscheinen 
des letzien Heftes tritt der um f erhöhte Ladenpreis ein« 

Die 3te Auflage eines Buches braucht wohl nicht besonders 
empfohlen, wohl aber bemerkt zu werden, dass es eine reich ver* 
besserie und vermehrte ist, die durch ihren innern Gehalt so wie 
durch Äussere Ausstattung die frühem Auflagen weit hinter sich iSsst. 



In der A. Sorgesohen Bnchhandlang in Osterode und Goslar 
ist erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: 

Chimrgiachet Almanach ßkr ^as Jahr 1848. Von Fried. Emsi 
ßaumgarierij Bergchirurgus zu Clausthal. Sechster Jahrgang, 
kl. 8. Cart. etc. 20 Sgr. (1^5 Jahrgang, 59 Bogen mit 1 Portrait 
und 3 lilhogr. Tafeln — 2 Thlr. 20 Sgr.) 

Zeitschrift für Chirurgen von Chirtirgen. Hedigirt von Friedrich 
Emsi Bttumgarien, Bergchirnrgas zu Clausthal und Verfasse 
des Chirurg. Almanachs. 1 Band 1. 2. 3. Heft Gr. 8. ^ (16 Bog.) 
Geh. lli Sgr. 



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lieber die BestancUlieile der Lymphe, 

von 



Obgleich die Lymphe der Pferde diejenige ist, welche 
am häüßgslen anafysirt worden, weil man am leichtesten 
eine grössere Menge von ihr erhalten kann, so lassen die 
brshengeu Analysen immer noch viel zu wünschen übrig. 
Namentlich hat man die einzelnen Salze noch nicht genauer 
bestimmt, und auf den etwa vorhandenen fiarnstoff noch 
nicht untersucht. Gerade diese beiden Punkte sind aber 
Air die Physiologie sehr interessant. Sehr dankbar bin ich 
daher Herrn Professor Gurlt in Berlin für ein von mehre- 
ren Pferden aus den Halslymph- Geissen gesammelte Lymphe, 
ivelche er im getrockneten Zustande mir zu übersenden die 
Güle hatte. Das Gewicht derselben betrug, nachdem sie ge> 
pulvert utkd im Wasserbade bei 100 ^ R. getrocknet war, 
265,5. Gr. Sie ^Ite das Ansehen von getrocknetem Eiweiss, 
und verbreitete beim Zerreiben einen eigenthümlichen unan- 
genehmen Geruch. 

Mit Aether fünf Mal ausgekocht, gab sie mir 0,45 Gr. 
flüssiges, stark und zwar etwas ar^miatisch riechendes Fett. 

Der Auszug durch kochenden und Ifcalten Alkohol hatte 
eine bräunliche Farbe und betrug 7,10 Gr. 

Simon Beiträge L 4. 29 



450 Ueber die Bestandtheile der Lymphe. 

HU Spiritus von 86 * ward darauf das Pulver so oft 
digerirt, bis der aufgegossene Spiritus sich nicht im minde* 
sten mehr färbte und nur eine kaum merkliche Spur Bück- 
stand beim Verdampfen hinterliess. Der braune Auszug 
wog 13,63 Gr. 

Dann ward der Rückstand mit Wasser so lange ge- 
kocht, digerirt und kalt ausgewascheUi bis dasselbe, wel- 
ches anfangs gelblich, dann farblos aussah, etwas trübe 
durchlief. Eingedampft glich der 31,77 Gr. betragende 
Auszug dem Leim; er hatte weniger Geruch als der aus 
hydropischen Flüssigkeiten dargestellte. 

Der nicht lösliche Theii der Lymphe ward nun calci- 
nirt, zuerst in einem porzellanenen Tiegel, dann mehrere 
Stunden bei beständigem Umrühren in einer offenen Plati- 
naschale, bis der Rückstand eine feine weisse, schwach 
gelbliche Asche bildete, welche 1,90 Gr. in kochendem Was- 
ser lösliche Salze enthielt. 

Jeder der drei Auszüge (durch Alkohol, Spiritus und 
Wasser) ward für sich verbrannt. Die im Wasser löslichen 
Salze wurden darauf ausgezogen und nach dem Eintrocknen in 
krystallinischem Zustande gewogen. Die schwarze Asche je- 
des Extractes glühte ich darauf in einer Platioascbale, bis 
alle Kohle verschwunden war. So liess sich berechnen, wie 
viel organische Substanz in jedem Auszug enthalten gewe* 
sen war Die Verhältnisse waren: 

Alkoholextract Spiritusextr. Wasserextr. 
im Wasser lösl. Salze . 3,21 9,10 15,20 

nicht lösl. Rückstand . . 0,03 0,05 0,25 

organische Substanz . . 3,89 4,98 16,60 

7,10 Gr, 13,63 Gr. 32,05 Gr. 

Ehe der Alkoholauszug verbrannt worden, halte ich ver- 
sucht, aus ihm Harnstoff zu gewinnen, indem die Salze durch 
mehrmaliges Aufgiessen von absolutem Alkohol und soi^- 
fUtiges Eindampfen der Lösung entfernt wurden, bis dass 
die Masse sich rasch, ohne Rückstand in Alkohol löste. Dar- 
auf setzte ich nach dem Eindampfen Wasser zu. Die so er- 
haltene trübe Lösung lief ganz klar durch das Filtnim. Nach 



Üeber die Bestandüieite der Lymphe. 4SI 

dem Bindampfen bis tn einem geringen Rückstand und nach 
dem Erkalten goss ich etwas Salpetersäure zu. Nur aus 
Fetttröpfchen y ohne alle krystallinische JBeimischung, be- 
stand der sich in der Kälte und beim Eintrocknen bildende 
Niederschlag, welcher unter dem Mikroskop untersucht Ward» 
Kein Harnstoff, sondern nur ölsaures Alkali war demnach 
in der wässerigen Auflösung des von dem Kochsais und 
Pett befreiten Alkoholauszugs enthalten. 

Um mich genauer von der Natur der in der Lymphe 
enthaltenen Salze und der Art und Weise ihres Yorkom« 
mens zu vergewissem, analysirte ich die drei Portionen 
Salze, welche 1) aus dem Alkohol- und Spiritusauszug, 2) 
aus dem Wasserextract und 3J aus dem unlöslichen Rück- 
stände gewonnen waren > jede für sich allein, nachdem zu^ 
vor nach der Entfernung des Grepitations- und Krystallisa- 
iionswassers das Gewicht derselben nochmals bestimmt war. 
Die erstere Portion betrug 11,95, die zweite 14,92 und die 
dritte 1,90 dr. Aus jeder ward nun zuerst das Ghloralkali 
Vermittelst Alkohol vollständig (Wie die nachträgliche Unter- 
suchung des Rückstandes durch salpetersaures Silber ergab) 
ausgezogen, dann nach Zusatz von etwas Essigsäure, welche 
Aufbrausen erzeugte, auch das essigsaure, aus dem kohleib- 
sauren Alkali entstandene, so dass also nur das phosphor- 
saure und schwefelsaure Alkali übrig blieben. Ans der 
Lösung dieses Rückstandes, welcher überall nur sehr gering 
war, wurden die Säuren mit essigsaurem Baryt niederge- 
schlagen, und daraus die Menge der beiden Salze als Na- 
tronsalze berechnet. Das essigsaure AUcali ward durch Er- 
hitzen vor der Gewichtsbestimmung wieder in kohlensaures 
umgewandelt — Bei der Untersuchung der gesammten lös- 
lichen Salze auf Kali durch Platinchlorid ergab sich; dass 
der (Sehalt an diesem sehr gering war^ und dass nicht 
viel mehr als die Schwefelsäure an diese Basis gebunden 
sein konnte, so dass also die übrigen Salze Natron zur Ba- 
sis hatten. 

Die drei genannten Portionen Salze zeigten sich auf fol- 
gende Weise zusammengesetzt* 

29* 



12,170 


0,115 


ifiOO 


1,261 


0,330 


0,053 


0,820 


0,370 


14,920 Gr. 


1,900 Gr. 



452 üeber dre BesfandlheHe der Lymphe. 

Salzeausdem Saizeausdem Saliea. d. un- 
Alkohol- u.Spirkusexlr. Wasserexlr. lösl.Rückstand 
Ghlornatriüm , . . 8,781 
Kohlensaures Nalron 2,939 
Phosphorsaures Natron 0,230 
Schwefelsaures Kali . — 

11,950 Gr. 

Das phosphorsaure und kohlensaure Nalron können 
natürlich nicht als solche durch den Alkohol und Spiritus 
ausgezogen sein, indem sie nicht darin löslich sind. £rstc- 
res ist wahrscheinlich durch Verbrennen des mit dem Fette 
und den Übrigen organischen Beslandtheilen verbundenen 
Phosphors entstanden. Die Menge des auf diese Weise er- 
haltenen phosphorsaureu Salzes ist so unbeträchtlich, dass 
sie dieser Annahme nicht entgegensieht. Das kohlensaure 
Alkali des Alkohol- und Spirilusexlractes war entweder 
mHchaoures oder an eine Fettsäure, namenUich an Oelsäure, 
gebundenes. Milchsäure soll sich den neuesten Untersuchun- 
gen zufolge gar nicht im Blute finden, wird daher auch nicht 
in der Lymphe vorkommen. Da der Zusatz von Salpeter- 
säure in der nach dem Filtriren ganz klaren wässrigen Lö- 
sung des Alkoholextractes eine starke Trübung bewirkte, 
welche durch Freiwerden yon Fetlpartikelchen entatand, so 
ist die Anwesenheit einer Natronseife in der Lymphe hin- 
reichend erwiesen. Ich werde deshalb statt der 2,939 Gr. 
kohlensaures Natron, welche ich aus dem Alkohol- und Spi 
ritusextract enthielt, eben so viel ölsaures Natron bei der 
Gesammt-Analyse substituiren. 

Dass durch das Wasser nach der langem Behandlung 
mit Alkohol und Spiritus doch noch so viel Kochsalz aus 
der trockenen Lymphe ausgezogen wurde, darf uns nicht 
wundern, da dieses in jenen Flüssigkeiten ziemlich schwer 
lösliche Salz aus den nicht erweichten Partikelchen des fei- 
nen Pulvers schwer auszuziehen war *). Es ist daher wohl 



*) Auch bei lange fortgesetztem Kochen mit Wasser behall 
immer noch das Eiweiss eine Portion Salz eingeschlossen, die 
grösser ist, als die von eben so behandeltem Faserstoff zurück- 



lieber die Bestandtheile der Lymphe. 453 

iDöglicb, dass auch die Menge der drei Auszüge, durch Ae- 
Ifaer, Alkohol und Spiritus, bei der Untersuchung frischer 
Lymphe etwas grösser ausfallen würde. 

Der nicht lösHche Rückstand organischer Substanz hat, 
wie dies frühere Analysen der Lymphe zeigten, ausEiweiss 
mit etwas Faserstoff bestanden. Letzterer konnte natürlich 
nach dem Eintrocknen nicht mehr von ersterem getrennt 
werden. — Die in diesem Rückstand gefundenen Salze bo 
ten ganz andere Verhältnisse wie die der Extracte dar. Es 
ist auffallend, dass unter ihnen das kohlensaure Alkali vor- 
waltet, obgleich von anderer Seite her versichert wird, dass 
die Asche des reinen Albumins weder kohlensaures noch 
freies Alkali liefere. Dies kohlensaure oder freie Alkali 
muss mit dem Eiweiss in einer innigeren Verbindung gestan- 
den haben als die übrigen Salze, denn es ist nicht einzuse- 
hen, warum das Kochsalz fast gänzlich durch Spiritus und 
Wasser ausgezogen wurde und gerade kohlensaures Alkali 
in so grosser Menge zurückblieb. Es ist zwar wahr, dass 
bei dem Verbrennen und der Caicination des Eiweisses 



erhaltene. Da die Angaben der Chemiker nicht übereinstimmen 
in Betreff der Menge der Salze, die sich in der Asche des Ei- 
weisses und des Faserstoffes vorfinden, so habe ich eine Analyse 
dieser Substanzen angestellt, aus denen ich, so viel als möglich, 
die Salze vorher entfernt halte. Das eingetrocknete Blutwasser 
verschiedener Thierarten, aus dem das Fett mit Aether ausgezo- 
gen war, wurde pulverisirt und dann mehrere Tage Iqng mit de- 
stillirtem Wasser gekocht nnd digeriri. Der rein ausgewaschene 
Faserstoff, welcher ebenfalls von verschiedenen Arten von Haus- 
thieren herstammte, hatte Monate lang in Weingeist gelegen, ehe 
er getrocknet, gepulvert und ausgekocht wurde. Von jeder Sub- 
stanz caicinirte ich 250 Gr. Dies geschah bei dem Faserstoff 
viel leichler als bei dem Eiweiss. Aus der Asche von diesem 
erhielt ich 1,175 Gr., aus der von jenem 0,240 Gr. lösliche Salze, 
oder 0,470« und 0,096}. Und diese bestanden aus 

Eiweiss. Faserstoff. 

Kochsalz 0,211 0,052 

schwefelsauren und phosphorsauren Sal- 
zen 0,259 0,044 

0,470 0,096 



454 Ueber die Bestandtheile der Lymphe. 

mit Kochsalz eia Theil des Chlors frei wird^ wie ich durch 
direote Versuche mich überzeugt habe, allein dieser Verlust 
des Chlors ist doch nicht so beträchtlich, dass daraus die 
Menge des kohlensauren Natrons in unserm Falle erklärt 
werden könnte. 

Das schwefelsaure Alkali der Lymphe kann nicht bloss 
aus der Verbrennung des mit dorn Prote'fn zum Eiwei^s 
verbundenen Schwefels sich gebildet haben, erstlich weil 
seine Menge im Verhältniss zu der des Eiweisses zu gross 
ist, zweitens weil das Wasserextract noch mehr als einmal 
so viel schwefelsaures Salz lieferte als das ausgekochte Ei- 
weiss. 

Die in Wasser unlösliche Asche aus den ExCracten und 
dem Eiweiss bildete eine zu geringe Menge, um nach 
der genauen Methode von Fresenius analysirt zu werden. 
Das Eisen befand sich in so äusserst geringer Menge in der 
Asche, dass es von dem phosphorsauren Kalke, dessen Ge- 
wicht auch noch nicht einmal ^y Gr. betrug, nicht getrennt 
werden konnte. Dasselbe gilt von der Spur phosphorsau- 
rer Magnesia, die an dem phosphorsauren Kalke haftete. 
So begnügte ich mich denn damit, nach Ausscheidung der 
Kieselerde durch Wiederauflösen der schon einmal in Salz* 
säure aufgelösten Asche den phosphorsauren Kalk nebst den 
Spuren von Eisen und Magnesia vermittelst Ammoniak nie> 
derzuschlagen, ohne eine nachherige Trennung der präcipitir- 
ten Bestandtheile mit Essigsäure vorzunehmen, Der kohlen- 
saure Kalk wurde darauf als oxalsaurer, die kohlensaure 
Magnesia als phosphorsaure nach der gewöhnlichen Weise 
gewonnen. 

Zu der nun folgenden Analyse habe ich nach Angabe 
der Methode, nach der sie angestellt ist, weiter nichts mehr 
binzuzutügen, als dass die Extracte hier angegeben sind, 
wie sich ihre Menge nach Abzug der Salze ergab. 
Aether-Auszug . . . 0,450 
Alkoholauszug . . . 3,860 L ^^.«q^ 
Spiritusauszug . . . 4,480 ( "^'"^^ 
Wasserauszug . . . i6,600j 

~25~3d0 



1,579 



Ueber die Bestandlheiie der Lymphe. 45ri 

Transport 25,390 

Eiweisd und Faserstoff 189,861 

ölsaures Natron . . 2,939 

kohlensaures Natron . 2,862 

phosphorsaures Natron 0,613^ 28,670 

schwefelsaures Kali . 1,190 

Chlomatrium . . . 21,066 

kohlensauren Kalk 0,530' 

phosphorsauren Kalk mit 
etwas Eisen . . . 0,485 

kohlensaure Magnesia . 0,221 

Kieselerde .... . 0,343 ' 

255,500 
Die mittlere Menge des Wassergehaltes in der Pferde- 
lymphe ist ungefähr 95 f. Reducirt man die so eben an- 
gegebenen Zahlen auf die Totalsumme von 50, so ist die 
Pferdelymphe' auf folgende Weise zusammengesetzt : 

Aetherauszug . . . 0,088 

Alkoholauszug . . . 0,755 

Spirituseuszug . . . 0,877 

Wasserauszug . . . 3,248 

Eiweiss mit Faserstoff 39,111 

ölsaures Natron . . 0,575' 

kohlensaures Natron 0,560 

phospfaorsaures Natron 0,120^ 5,611 

schwefelsaures Kali . 0,233 

Chlomatrium . . . 4,123 

Kohlensaurer Kalk 0,104' 

phosphorsaurer Kalk mit 
etwas Eisen . . . 0,095^ 0,310 

kohlensaure Magnesia 0,044 

Kieselerde .... 0,067 

Wasser .... - 950,000 

1000,000 
Es ist zwar hier nicht der Ort, physiologische Betrach- 
tungen an das Resultat dieser Untersuchung zu knüpfen, in- 
dessen kann ich mich nicht enthalten, ein für mich höchst 
überraschendes Ergebniss einer andern Analyse hinzuzufü- 



456 Heber die Beslandtheile der Lymphe. 

gen, dessen Zusammenstellung mit jenem zu einem von selbst 
in die Augen fallenden Schlüsse leitet. 

Von einem gesunden Pferde gewann ich eine grosse 
Menge Blutwasser, aus dem ich durch vollständige Galcina- 
tion in zwei Portionen, indem ich das durch Kochen erhal- 
tene Wasserexiract von dem gewonnenen EiWeiss trennte» die 
Salze darstellte. Die Verhältnisse der einzelnen Salze zu 
einander waren in diesen beiden Portionen fast ganz die- 
selben, wie bei der Lymphe, nur mit dem Unterschiede» 
dass das Eiweiss, weil es unvollständiger ausgekocht war, 
verhältnissmässig mehr Kochsalz lieferte. Das kohlensaure 
Natron war auch hier, wie im Eiweiss der Lymphe, das 
reichlichste Salz, während es im Wassereztract von dem 
Kochsalz um das Sechsfache in der Menge ttbertroffen wurde. 
Als ich die entsprechenden Salze aus den beiden Portionen 
des Blutwassers addirt und ihre Verhältnisse zu einander 
auf 5,611 (welches die Zahl der Salzmenge in der Lymphe 
war) zurückgeführt hatte, zeigte sich eine auffallende Uc- 
bereinstimoiung in der Zusammensetzung beider Salzmi- 
schuugen, vorausgesetzt, dass das Ölsäure Alkali in der Lym- 
phe ebenfalls als kohlensaures berechnet wurde. Aus dem 
Blutwasser war dieses Salz vor dem Verbrennen nicht 
durch Alkohol ausgezogen. Die Zahlen sind nämlich fol- 
gende : 

Blutwassen Lymphe. 



Chlor-Alkali .... 


4,055 


4,123 


kohlensaures Alkali 


1,150 


1,135 


schwefelsaures Alkali . 


0^11 


0,233 


phosphorsaures Alkali 


0,115 


0,120 



5,611 5,611 
Die Lymphe ist also ein verdünntes Blutwasser, und die 
Salze des Bluts, welche mit der farblosen Blutflüssigkeit aus 
den Haargefässen heraustreten, kehren entweder in densel- 
ben Verhältnissen zu einander^ wie sie ausgetreten sind, 
auch in die Haargefässe zurück, so dass also in den zu- 
rückbleibenden das frühere Verhältniss nicht zerstört wird 
oder sie dringen, was wahrscheinlicher ist, nur in die Lymph- 
gelässe ein. 



Ueber die Bestandtheile der Lymphe. 457 

Ausser dass In der Lymphe mehr Wasser vorhanden 
ist, als im Blulwasser (hier 922, dort 950 Theile) unterschei- 
den sich beide Flüssigkeiten noch in- dem Verhältniss der 
festen Bestandtheile zu den Salzen, welches in der erstem 
Flüssigkeit wie 88,7:11,3, in der letztem wie 91,2:8,8 ist. 
Gerade dieser Umstand ist es wohl, der die viel grössere 
Klebrigkeit des Serams bedingt, die keineswegs bloss von 
der grossem Goncentration der Eiweisslösung abhängig ist 

Ich muss schliesslich noch erwähnen, dass man aus dem 
negativen Resultate meiner Analyse keineswegs folgern dürfe, 
in der Lymphe befinde sich kein Harnstoff, denn* dieser 
konnte in der mir zugesandten entweder durch zu grosse 
Hitze beim Eindampfen sich verflüchtigt oder bei zu langsa- 
mem Eintrocknen sich zersetzt haben. Es wäre gewiss der 
Mühe werth, die Untersuchung auf Hamstoff in einer mit 
Sorgfalt eingedampften Lymphe zu wiederholen. 



456 ^*®^ **^ 

gen, dessen Zusa^^ 
in die Augen f 

Von ein* 
Menge Blut^ 
iion in z^- 
tene Wa? 
Salze f' 
einanr* 
selbf 
das' 
ver 
Nf 
n 
F 



,uf die Verbindung des Leims mit der 

Humussäure 



von 



Professor HfiaefeldL 



Die Humossäure verhält sich zu Leim ähnlich der Gerb- 
säure. Bringt man humussaures Alkali zu einer Leimauflö- 
sung, und setzt etwas Säure hinzu, so entsteht ein schwar- 
zer zäher Niederschlag, der weder in kaltem noch kochen- 
dem Wasser, oder doch nur sehr wenig auflösbar ist. Ist 
die Humussäure noch mit Extractivstoffen verbunden, wie 
es häufig der Fall ist, so bleiben diese dann in der Flüs- 
sigkeit zurück, wenn sie auch zu den durch Leim fällbarein Ex- 
tractivstoffen gehören. — Ich kann mir nun eine Jßrsohei- 
nung erklären, die mir bisher sehr auffallend war, und von 
der ich, wenn ich nicht irre, vor einigen Jahren Einiges in 
Erdmann's Joum. mitgetheilt habe. Ein Freund zu Stral- 
sund- sendete mir Stücke von « einem halbweichen brau- 
nen hohlen Cylinder, den man unter dem Strassenpfla- 
ster zu Stralsund gefunden hatte, und erbat eine chemische 
Untersuchung von mir. Man hatte 2 solche Cylinder gefun- 
den: von etwa anderthalb Fuss Länge, 2 1 bis 3 Zoll Dicke 
im Ganzen und 1| bis 2 Zoll Durchmesser der Röhre. Die 
pyrochemische Probe deutete auf ein Gemenge eines vege- 
tabilischen Körpers mit einem thierischen, aber trotz einer 
ausführlicheren Untersuchung blieb ich eine geraume Zeit 



Ueber d. Yerbiadung des Leims mit eto. 459 

in Zweifel wegen der Qualität dieses Fundes; nur das sland 
fest, dass beisses Wasser nach längerem Kochen ein sUsses 
Extract gab, was, eingedampft, wie Syrup sich verhielt. 
Die beim Kochen restirende Substanz löste sich nicht in 
Wasser und Säuren, und roch beim Verbrennen wie ver- 
branntes Hom, nur weniger stark. Man hatte mir bemerkt, 
dass, da das Strassenpflaster zum letzten Male vor 20 Jah* 
ren umgedammt sei, die Röhren wenigstens so lange in der 
ßrde gelegen hätten. Ich durchblickte eine Technologie, und 
wurde hier daran erinnert, dass Stanhope in dem ersten 
Decennium unseres Jahrhunderts Drucker-Walzen eingeführt 
habe, die aus Syrup und Leim gekocht worden, ich zwei- 
felte hier auch nicht daran, dass jene auf irgend eine Weise 
unter das Strassenpflaster gekommenen Gylinder Drucker- 
Walzen seien, doch wusste ich mir die Unauflöslichkeit des 
Leims nicht zu erklären, bis ich nun, beschäftigt mit einigen 
Versuchen mit Humus, erfahre, dass die Humus säure die- 
sen Zweifel löst. 



Ueber 4as Schwefelcjrankaliaai und das Eisen- 
ehlorid als die besten Mittel zur Demonstration 

der Endos- nnd Exosmose 



von 
Professor HOnef eld» 



Bei dem akademischen Unterricht sind instructive Ver- 
suche eine grosse Hauptsache. Wenn ich die merkwürdige 
Erscheinung der End- und Exosmose zeige, so bediene ich 
mich der Auflösung vorstehender Salze, da sie sich hierzu 
aus allen Gründen vorzüglich eignen, und besonders des- 
halb, weil die Bildung des Schwefelcyaneisens sehr in die 
Augen fällt, und die Zerlegung ohne Trübung und Nieder- 
schlag entsteht. Ich habe diese Mittel auch schon in mei- 
ner Schrift, Chemie und Medicin u. s. w. 11, S. 16 und 20 
angeführt. 



lieber die Wirkung des Coniins auf das Bhii 

von 
Professor Hüneield. 



In meiner Preisschrift über das Blut: Chemismus in der 
thierischen Organisation, Leipzig 1840, habe ich von einem 
eigentbUmlicben Yerhallen des alkaloidischen Coniins zum 
Blute gesprochen. Simon gedenkt desselben in seiner me- 
dic. analyt. Chemie If, S.21. So wie etwas Coniin mit Blut 
gemengt wurde, zeigte sich sogleich eine auffallende Verän- 
derung. Das Blut wurde zu einer schmutzig röthlich-gelben 
schmierigen Masse, die unter dem Mikroskop keine Blutkör- 
perchen mehr erkennen liess, verändert Das angewandte 
Coniin war vollkommen rein. Beim Zusatz von salzsaurem 
Coniin blieb das Blut unverändert. Vor kurzem wiederholte 
ich diese Versuche mit Coniin, und erhielt ganz dasselbe 
Resultat. Die auf die Ursächlichkeit der Reaktion gerichte- 
ten neueren Versuche zeigen mir nun, dass Serum und Ei- 
weiss auf ähnliche Weise coaguliren; denn bringt man ei- 
nen mit Coniin benetzten Glasstab in diese Flüssigkeiten, so 
entsteht an dem Stabe ein zähes Coagulat. Diese Eigen- 
schaft theiU das Coniin mit dem Kreosot, dem Terpentinöl. 
Fuselöl, bittern Mandelöl (besonders stark) und einigen an- 



lieber die Wirkung des Goniins auf das Blut. 461 

dem ätherischen Oelen, während andere, wie z. B. Ros- 
marin-, Pfeffennttnz-, Ghamillen-, Baldrian-, Stein- und 
Gitronen^Oel auf diese Weise keine Goagulalion bewirken, 
und erst beim Zusatz von etwas Wasser und Schütteln 
Goagukimartiges abscheiden; Unterschiede, welche wohl nä-' 
her geprüft zu werden verdienen. Eine massig concentrirte 
Auflösung von getrocknetem Blut erleidet bald eine Verfär- 
bung ins Gelblich-Bräunliche, so dass auch der Blutfaserstoff 
verändert wird, und nach längerem Stehen ist das Blut ver- 
dickt. Das Goniin weicht also in diesen Reactiönen von 
den andern Alkaloiden sehr ab, und nähert sich, wie zu 
eniv:arten war, den aetherischen Oelen. Ob auch die übri- 
gen flüchtigen Alkoloide, namentlich das flüssige Nicotin, 
eine coagulirende Wirkung hat, muss ich denen zu prü- 
fen überlassen, die diese Stofl^e zur Hand haben. Dass 
das Goniin schon in sehr kleinen Dosen, für sich und 
auch als Salz , äusserst rasch tädtet, ist besonders ' 
von Ghristison hervorgehoben worden, und ich habe 
schon mehrmals Gelegenheit gehabt, die grosse Schnellig- 
keit der tödtlichen Wirkung zu bestätigen. Dass Goniin- 
salze eine gleiche Giftigkeit zeigen, dass ein Tropfen Goniin 
ein grosses Kaninchen in wenigen Minuten tödten kann, 
die Blutkörperchen und das Blut des eben gestorbenen 
Thieres keine Veränderung bemerken lassen, der Tod hier 
mit eigenthümlichen Nervenlähmungen, während er bei an- 
dern Narcoticis mit andern eintritt, spricht nicht dafür,' dass 
die Wirkungen der Gifte (und Medicamente I) immer einen 
chemischen Grund haben. Wahrscheinlich concentrirt sich 
in dem Falle, dass der Tod von der veränderten Blutbe- 
schaffenbeit ausgeht, die Ursache desselben darin, dass die 
Vitah'tät der Blutkörperchen, der Blutzellen vernichtet wird, 
in einem andern Falle darin, dass die Störung sich mehr 
in den nothwendigen Leitern des Lebensagens, in den Ner- 
ven, manifestirt, und zwar nach ihrer verschiedenen vita- 
len Dignität in diesen und jenen Nervenpartieen. Man 
kann Blut- und Nervengifte unterscheiden. Wer alle phy- 
siologischen Erscheinungen, namentlich das Gebiet der Ner- 
ven Physik stets vor Augen hat, der wird finden, dass 



462 lieber die Wirkung des Gomins auf das Blut 



die Wirkungen der äussern Potenzen auf den 
nicht nach chemischen Principien erklärt werden können, 
und dass wir einigen trefflichen Physiologen es gar sehr 
danken mUssen, dass sie den herrschend werdenden che- 
mischen Ansichten Schach gebieten. Doch ich lasse diese 
Betrachtung fallen, und schiebe die weitere AusAlhrung auf 
eine passendere Zeit hinaus. *) 



*) ilovra SoTu^vditxs. Die Chemie hat bisher noch Hühe ge- 
habt, die ihr cebührende Anerkennung im Gebiete des Lebens 
SU finden, und es scheint weit mehr zeilgemäss, ihren gerediten 
Ansprüchen Vorschub zu leisten, als ^egen die Möglichkeit von 
Uebergriffen in andere Gebiete anzukämpfen« D» H. 



Ueber eine nene organische SSnre in den 

Bezoarsteinen 



von 

A. XilpOWltB. 



Durch die Entdeckung der Lithofellinsäure in einem aus 
concentriscben Schichten bestehenden Gallenstein von Goe* 
bei, und die spälere Nachweisung durch Dr. Haukel in 
Pogg. Anoalen Bd. 55. Seite 481., dass die Uthofellinsäure 
in den, in Alkohol löslichen Bezoarsteinen den Hauptbe-' 
standtheil ausmache, wurde ich veranlasst, ein Fragment 
eines orientalischen Bezoars auf seine Bestandtheile zu prü- 
fen. Ich fand aber, dass der von mir untersuchte Bezoar- 
stein zu derjenigen Klasse dieser Steine gehört, welche 
Fourcroy und Vauqueiin für die zweite Sorte der vor- 
kommenden orientalischen Bezoare halten, die nicht in Al- 
kohol löslich, wohl aber in Alkalien und deren alkalische 
Auflösung an der Luft eingetrocknet purpurroth wird. 

Es schien mir daher interessant, da ich keine nähere 
Untersuchung dieser Bezoarsorte auflfinden konnte. Versuche 
damit anzustellen, und ich erwartete die Zusammensetzung die- 
ser Steine so zu finden, wie sie Berzelius in seiner Thier- 
Ghemie beschreibt, woselbst er die Bezoare für eine wahr- 
scheinliche Verbindung von Gallenfarbestoff, Gallenharz und * 
Darmschleim hält. 



464 Ueber eine neue organische Säure elc. 

Wie schon John, der ebenfalls die orientaliitchen Be- 
zoare untersuchte, gefunden, war das von mir zur Untersu- 
chung gezogene Stück, aus concenlrischen dllnnen Schich- 
ten gebildet, deren Farbe dunkel -olivengrUn und durch die 
Schichtenfolge auf dem Durchschnitt bandfiSrmig schadirt 
erschien. Der Stein mochte in seinem vollkommenen Zu- 
stande ungeföhr 14 Linien gehabt haben, und zeigte eine 
ursprunglich nierenförmige Gestalt an. Die Oberfläche war 
fast vollkommen polirt und grün. In seinem Innern hatte 
der Bezoar nach seiner Länge eine ellipsoidische, mit dem 
Anfange des Steins parallele Höhlung, in der aber bei mei- 
nem Fragment, das ungefähr ein Drittel des ganzen Steins 
sein konnte, die Frucht fehlte. 

Wenn gleich früher diese Art der Bezoarsteioe unter- 
sucht worden ist, so scheint man doch dieselben weder mit 
allen zu Gebote stehenden Auflösungsmitteln geprüft, noch 
die aus den Auflösungen gefällten Niederschläge einer sorg- 
fältigen mikroskopischen Untersuchung unterworfen zu ha- 
ben. Durch genauere Prüfung und Vergleichung der Nie- 
derschläge und durch die mikroskopische Beobachtung, bin 
ich zu der Ueberzeugung gelangt, dass die oben beschrie« 
bene Bezoarsorte, welche weder in Alkohol noch in Aetber 
löslich ist, aus einer eigen thümlichen und wie ich glaube 
nicht uninteressanten Säure bestehe, der ich den Na- 
men Bezoarsäure beizulegen mir erlaube. 

Die Steine lösen sich in kalter Kaiilauge mit einer 
grünschmutzigen Farbe, unter Entwickelung eiiies eigen- 
thümlichen Ambra ähnlichen Geruchs, vollkommen klar auf, 
und die Lösung wird beim Stehen braunroüi. Auf Zusatz 
von Salzsäure wird ein Niederschlag von schmutzig gelber 
Farbe erhalten, der aus kleinen mikroskopischen Krystallen 
besteht, welche wiederum sternförmige Gruppen bilden. 
Nimmt man eine verdünnte aber heisse Auflösung der 
Bezoare in Kali, so erhält man auf Zusatz von verdünnter 
GhlorwasserstofTsäure einen Niederschlag, in welchem die 
Krystalle und Gruppen derselben sich bedeutend grösser 
* darstellen, und bei einer ISOmaligen Vergrösseruog unter 



Ueber eioe oeue oi^anische SSure eic. 46Ü 

dem Hikroricope wie Fig. 1. es zeigt, sieh beobachten las- 
sen. Es sind prismatische, en den Enden veriaufend zuge> 
Fig- 1- Fig. 2. 




Gestalt des untersachtec Bezoarsleins. 



spitzle kleine Erystalle und Gruppen wie IPtg. i. a u. b — 
Ist hingegen die KalilUsung concentrirt und heiss, so 
fallen auf Zusatz von CblorwasserstoffsSure die Rrystalle, 
welche den Niederschlag bilden, in Formen nieder, wie 
Pig. 2. sie darstellt. Die EryslaTle haben sSmmtlich eine 
eigenthUmlfch gekrUmmte Form angenommen, welche sich 
ganz regelmassig bei allen zeigt, und einem lateinischen S 
gleich kommt; man erkennt darin deutlich die Form Flg. 1. 
jedoch sicheirbrmig gebogen und mannigfaltig wie Fig. 3. a 
b c d es zeigt, gruppirt. 

In kalten Auflösungen gestalten sich die Krystalla 
in eben denselben Formen, je nachdem sie aus concentrir- 
len oder verdünnten Auflösungen gefällt werden; haben 
dann aber kaum die Hälfte von der Grosse, als die aus beis- 
sen Auflösungen gefäUten. Man kann Übrigens, so ofl man 
will, Bezoare aufläsen, und erhält beim Pracipitiren stets die- 
selbe Form der Eryslalle wieder. 

SowoliJ die Bezoarslelne als auch die aus Auflösungen 
erhaltenen Niederschläge iBsen sich ohuie Schwürzung in 

Simon Betirlge I. 4. 30 



466 * Ueber eiDe neue organische Säure etc. 

doer hinreichenden Menge concenirirter Schwefelsäure voll* 
kommen mit dunkel -grüobrauner Farbe auf. Die Auflösung 
muss aber durch WärmeunterstUtzung eingeleitet werden. 
Auf Zusatz von Wasser wird sich die gelöste Menge des 
Bezoars als ein Niederschlag absondern, welcher die Kry- 
stallform von Fig. 2 unter dem Mikroskop zeigt, und durch- 
aus dieselbe Eigenschaft, wie ein aus einer Kalilauge gefäll- 
ter Niederschlag erkennen lässt. 

Das eigenthttmliche Gestalten des Niederschlages, sei 
derselbe auch aus den verschiedenartigsten Auflösungen 
erhalten, und andererseits, dass die beschriebenen Bezoare 
sich unverändert in Kali, Natron mit Leichtigkeit lösen, in 
Ammoniak schwierig, dagegen, wie die Harnsäure, in Schwe> 
felsäUre löslich sind, und mit Lilhion ebenfalls leicht lös- 
liche Verbindungen eingehen, veranlasst mich, diese Art 
der Bezoare für eine Concretion zu halten, welche aus ei- 
ner eigenthümlichen Säure, von mir Bezoarsäure genannt, 
gebildet ist. 

Die vorläufig von mir aufgefundenen Eigenschaften der 
Bezoarsäure sind das theils schon bemeikte Verhalten in 
morphologischer und chemischer Beziehung. Sie ist auf 
Platinblech vollkommen verbrennbar ohne vorher zu schmel- 
zen. Die Bezoarsäure löst sich in Salpetersäure mit schö- 
ner, der zersetzten Harnsäure ähnlicher Farbe, welche Auf* 
lösung beim Erhitzen und Verdampfen gelb wird; sie lässt 
rieh mit Kali zusammenschmelzen und liefert dann in Was- 
ser eine klare Auflösung. Die Auflösung der Bezoarsäure 
in Alkalien wird durch die schwächsten Säuren leicht zer- 

m 

setzt^ selbst durch Salmiaklösung gelallt — Inr kohlensaurem 
Natron und Kali ist die Bezoarsäure schwieriger als in einer 
Auflösung von kohlensaurem Lithion löslich« 

Sie scheint keinen oder doch nur geringe Mengen von 
Stickstoff zu enthalten, denn mit Kali geschmolzen fin- 
det auf Annäherung eines mit Essigsäure befeuchteten Glas- 
Stückes keine oder doch nur minutiöse Wolkenbildung statt. 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese sowohl durch ihr 
chemisches Verhalten charakterisirte als auch durch ihr 
morphologisches Verhältniss merkwürdige Säure, in dem 



lieber eine neue organisc&e Säure etc. 467 

ihierisoben Organismus eine weitere Verbreitung hat, als 
man vielleicht glaubt^ und sie dürfte in Zukunft unter An- 
wendung des Mikroskops leicht aufzufinden sein. 

Leider erlauben mir's. jetzt weder Zeit noch Verhält* 
nisse, eine weitere Untersuchung dieser merkwürdigen 
Säure vorzunehmen, und ich habe daher Herrn Professor 
Mitscher lieh freundlichst gebeten, eine Elementar-Analyse 
dieser Säure in seinem Laboratorium zu veranlassen und 
die SättigungS'Capacität derselben bestimmen zu wollen. 



lieber Bezoare 

von 
tkuXbourL 

(Comt. rend. XVI. Seite 130.) 



Guibouri tbeilt über Bezoare Folgendes mit Nicht im- 
mer besteben die Pferdedarmsteine der Hauptmasse nach aus 
phosphorsaurer Amoniak- Magnesia, wie man gewöhnlich an* 
nimmt. Guibouri fand einen 1088 Gr. schweren aus 
oxalsaurem Kalk mit geringen Mengen schwefelsauren Kalkes 
zusammengesetzt, ein anderer Stein von 126 Gr. Gewicht 
zeigte dieselbe Zusammensetzung. Ein dritter Siein enthielt 
43,5 f kohlensauren Kalk, 34,3 Oxalsäuren Kalk, 2,8 schwe^ 
feisauren Kalk, 2,3 kohlensaure Magnesia, 1,3 Fett, Koch- 
salz, 1,2 Extractivstoff, 13,0 Schleim, Pflanzeniheile und gelbe 
Substanz und 1,4 Wasser. Ein vierter Stein (occidentalischer 
Bezoar) bestand aus phosphorsaurem Kalk mit etwas phos* 
phorsaurer Ammoniak-Magnesia. In Bezug zu diesem letzten 
Stein fügt Guibourt als bemerkenswerth hinzu, dass 
derselbe beim Kochen mit Wasser ein Drittheil an dasselbe 
abgab, welches aus saurem phosphorsauren Kalk bestand 

30 ♦ 



468 lieber Bezoare. 

und dass der Rückstand aus sesquibasischem pbospborsau« 
rem Salz bestand, dass also aller Wahrscheinlicbkeit nach 
der Stein neutralen phosphorsauren Kalk enthält. Gui> 
bourt bewiess auch durch Versuche, dass sich der neu- 
trale phosphorsaure Kalk beim Kochen in Wasser in lös- 
lich saures und in unlöslich basisches Salz verwandelt. 
Neutrale phospborsaure Kalkerde erleidet dieselbe Umwand- 
lung. Die wahren orientalischen Bezoare wurden schon 
von Fourcroy und Vauquelin in grüne und braungelbe 
unterchieden, was Gui bourt bestätigt fand. Die erste 
Art dieser Steine besteht aus concentriscben Schichten, wel- 
che grün in verschiedenen Nuancen gefärbt sind; sie haben 
einen harzartigen Bruch, ein sp. Gew. von 1,132, einen bit- 
tern Geschmack imd einen aromatischen Pflanzengeruch. Sie 
schmelzen leicht, brennen mit Flamme, lösen sich in Alkohol, und 
aus der concentrirten alkoholischen Lösung kryslalUslrt eine 
weisse Substanz, Lithofeilinsäure. Die andere Art der Be- 
zoarsteine ist von fahler Farbe, concentrisch geschichtet, im 
Bruch harzartig, hat ein sp. Gew. von 1,595, schmilzt nicht 
im Feuer, ist nur wenig, selbst in kochendem Alkohol lös- 
lich; es scheidet sich auch aus dieser Lösung eine krystal- 
linische Substanz aus, welche aber viel weniger in Alkohol 
löslich ist, als die Lilhofellinsäure und sich nicht in Ammo- 
niak löst; dieses verändert aber ihre Natur und benimmt ihr die 
Löslichkeit in Alkohol und die Eigenschaft zu kryslallisiren. 
Der in Alkohol unlösliche Theil der fahlen Bezoare besteht 
aus einer gelben Substanz, welche Thenard in dem Gal- 
lensteine vieler Thiere nachgewiesen hat, und an welcher 
Gui bourt einige neue Eigenschaften nachweist Ausser- 
dem enthielt der Rückstand noch andere Bestandtheile mit 
interessanten Eigenschaften, die er später genauer zu unter- 
suchen gedenkt. Den fahlen Bezoarstein glaubt Guibourt 
identisch halten zu müssen, mit jenem, welchen Napoleon 
vom Schach von Persien 1808 erhielL Es ist diess wahr- 
scheinlich der pierre de porc^ von welchem in vielen 
Werken gesprochen worden ist, wofür überdiess noch der 
Geruch, den dieser Bezoar beim Reiben von sich giebt, und 
der dem Gerüche gleicht, welchen Schweineblut beim Ver- 



Ueber Bezoare. 469 

mischen mit Schwefelsäure entwickelt. Die grünen harzi- 
gen Bezoare mögen, wie Guibourt meint, von der Pa- 
senziege aus Persien stammen, welche Kämpfer beschreibt, 
Guibourt hebt endlich noch die grosse Wahrscheinlich- 
keit hervor, dass diese Bezoare sich aus (harzigen balsami* 
sehen) Theilen der Pflanzen bilden, welche die Thiere ge- 
niessen. 



Ueber die organische Periode mit besonderer 

Rücksicht auf Georg Schwelgas 

Untersuchungen 



von 



Mit dem Worte Periodologie verbindet man seit gerau- 
mer Zeit den Begriff einer besonderen Lehre von den Um- 
gängen in den Lsbenserscheinungen und der in wiederhol» 
ten, gleichmässigen Zeiträumen sich vollendenden und zu 
ihrem Anfange zurückkehrenden Verwandlungen. Da der 
Begriff der Zeit von demjenigen der Bewegung unzertrenn- 
bar und wiederum das Leben nur in Bewegung als ein 
Werden denkbar ist, so war es schon in den Anfängen der 
aus der Philosophie sich sondernden Naturwissenschaft, dass 
man jene allgemein und noch nicht concret aufgefassten Be- 
ziehungen zu besondern und in bestimmte Ausdrücke und 
Gesetzesformeln zu bilden sich Mühe gab. So entstanden 
allerlei, theils speculalive, theiis empirische Anschauungswei- 
sen von dem Verhalten des Zeitmoments im gesunden wie 
im kranken Zustande, die Lehre von den Lebensaltern, den 
Typen und Krisen, später die von den Gonstellationen, wel- 
che eigentlich nur auf diesem Zusammenhange beruhte; nir- 
gend aber konnte bisher noch nachgewiesen werden, was 
eigentlich das Bestimmende für das Zeitmoment der Lebens- 



470 Ueber die organische Periode etc. 

bewegungen sei. Und obgleich man die einfache 248lttQ- 
dige Periode, in welcher die Pflanze und in der Regel selbst 
das Thier einen Kreislauf von abwechselnden Erregungen 
vollendet, ganz nothwendig erkennen musste und viele Ur- 
sache hatte, auf die nähere Untersuchung dieses Verhält» 
nisses einzugehen, hielt man sich doch weit mehr an wei- 
ter ausgreifende und dunklere Erscheinungen, wie sie z. B. 
die Periode der Krankheit darbietet. 

Sanctorius muss als der Erste betrachtet werden, 
welcher es mit Bewusstsein unternahm, die Lebensbewe- 
gung in ihrer eintägigen Periode aufzufassen und dessen 
Fleisse es gelang, dasjenige zu begründen, was er richtig 
die statische Medicin nannte: die Lehre von dem sich her- 
stellenden Gleichgewicht des gesunden Lebens innerhalb 24 
Stunden. Er stellt dieses Gesetz .des Gleichgewichts als 
allgemeines Gesetz der Gesundheit an die Spitze seiner be- 
rühmten Arbeit, indem er es jedoch nicht rein als ein blos 
mechanisches betrachtet; wie aus dem Aphorismus hervor- 
geht: si quanta et qualis oporteat quotidie fieret additio eo- 
rum quae defioiunt et ablatio eorum quae excedunt sanitas 
amissa semper recuperaretur et praesens semper conser« 
varetur. 

Diese tägliche Ausgleichung des Ab- \md Zugehenden, 
welche fUr den Sanctorius das Ideal der Gesundheit bildet, 
wird aber gleich anderem Idealen durch die Thatsaohen nicht 
verwirklicht, und dies ist nicht bloss eine Voraussetzung, 
sondern eine Beobachtung selbst jenes Naturforschers, die 
er aber sogleich wieder auf eine zweite, umfassendere Pe* 
riode hinleiteL „Corpora virorum sana et moderantissimo 
victu utentia singulis mensibus fiunt solito ponderosiora unius 
scilicet duarumve librarum pondere et redeunt ad consue« 
tum pondus oirca finem mensis ad instar mulierum, sed 
faota crisi per urinam pauUo copiosiorem vel turbidiorem/* 
(Aph. I, 65). 

Man muss hierbei wohl bemerken, dass Sanctorius 
durchweg die Veränderungen, welche in den Gewichtszu- 
ständen eintreten, als Folgen des Stoffwechsels anerkannt, und 
dass er also den chemischen Uebergang der Materie vom Einge- 



Ueber die organische Periode etc. i^% 

führten (Ingesl) zum Ausgesonderten (Excret) notbwendig 
als an bestimmte Zeitläufe gebunden ansehen muss, derge- 
stalt, dass das Eingeführte, wenn es „quantum et quäle opor« 
tet" ist, innerhalb der von ihm festgeslelilen tägigen oder 
bezüglich monatlichen Periode die Abetossung eines gleichen 
Gewichts von Auszuführendem am entgegesetzlen Pole der 
Ernährung zur nothwendigen Folge haben müsste, wenngleich 
eine ausdrückKche Bezeichnung dieses chemischen Wechsel- 
verhfiltnisses sich nicht vorfindet. 

Dessenungeachtet ist die blosse Gesammtwägung des 
Körpers, die vergleichende Wägung von Speisen und festen 
oder flüssigen Aussonderungen und der Rückschluss auf 
den Betrag der sogenannten perspiralio insensibilis, in wel- 
cher die Ergebnisse der Athmung und Hautausdünstung 
begriffen werden, auf jeden Fall ein nur wenig ausreichen- 
des Mittel zur Bestimmung der Reihenfofge von Lebensbe- 
wegungen. Ja es waltet in den Beobachtungen des San- 
clorius offenbar jene Einseitigkeit ob, welcher sich die 
Selbstbeobaditung, insofern sie eben nur ein Individuum 
berücksichtigt, niemals entziehen kann; sein Gleichgewicht, für 
welches Zunahme wie Abnahme dieselbe nachtheilige Be- 
deutung haben soll, passt durchaus nur auf das Gewicht 
des ausgewachsenen Menschen im Mannesaller, auf die Jahre 
von 30 — 50 beim Manne; vor denen Zunahme, nach denen 
Abnahme des Gevnchts physiologische Regel ist. Bekanntlich 
tritt die Gränze des Maximums des Körpergewichts bei 
Frauen später als bei Männern ein, und diese ganze phy- 
siologische Periode ist in beiden Geschlechtem wesentlioh 
verschieden. 

Was aber noch eigenthümlicher erscheint, ist eine von 
Chaussier zuerst beobachtete und von Quelelei bestä* 
tigte Verminderung des Gewichts der Neugebornen von der 
Geburt bis zum 3ten Lebenstage, deif;estalt, dass die 7 Tage 
alten Kinder durchschnittlich das Gewicht der Neugebore- 
nen noch nicht erreicheo. Es liegt wohl am Nächsten, di^se 
merkwürdige Erscheinung den Wirkungen des Athmungs- 
processes zuzuschreiben, und die eintretende Verminderung 
von beiläufig fast vier Unzen auf Rechnung der Aussphei* 



472 Ueber die organische Periode etc. 

düngen Überflüssigen Kohlenstoffs zu setzen. Aber nach Al- 
lem, was man aus diesen Wahrnehmungen schliessen kann, 
ist eben die Stäligkeit des Gewichts kein allgemeines Ge- 
setz, sondern nur vorübergehende Regel und es geht aus 
derselben noch schwerlich irgend eine bestimmte Schluss- 
folge für die Umläufe des organischen Daseins hervor. 

Um zu einer solchen zu gelangen, ist es vor allen Din- 
gen nöthig, überhaupt aufzufassen, wie sich das Zeitliche 
in den Lebenserscheinungen verhalte, und bierfür bietet der 
jetzige Zustand der Physiologie vielleicht eine hinreichende 
Grundlage dar, wie er es vor wenigen Jahrzehnten gewiss 
noch nicht that, weshalb wir namentlich die sogenannten 
Ansichten der naturphiiosophischen Schule Über das perio- 
dische Leben ganz unberücksichtigt lassen dürfen, nur so- 
viel von ihr beibehaltend, als sich durch alle Zeiten bewah- 
ren muss, nämlich dea Begriff des Reizes und der Erreg- 
barkeit als nothwendiger Bedingungen periodischer sowohl, 
als atypischer Erscheinungen. . % 

Die Nervenphysiologie lehrt, dass zwischeti dem Reize 
und der Erregung im Nervensystem stets ein mehr oder 
minder kurzer Zeitraum verfliesst. Schwingungen, welche sich 
zu schnell folgen, hören auf zu tönen, weil der Zeitraum, 
dessen der Hömerv bedarf, um sie aufzufassen, kürzer ist, 
als derjenige, worin sie einander folgen. Rasch bewegte 
Körper werden unsichtbar, verschiedene Farben verschwim- 
men in eine. Der schnell durch das Licht bewegte Fin- 
ger wird nicht schmerzhaft erregt, weil die Ursache schnel- 
ler zu wirken aufhörte, als die Nerven empfinden. Hier ist 
also eine Zeitdauer gegeben, der Zeitunterschied zwischen 
Reizung und Reaction. Rechnen wir die Dauer der letzte- 
ren hinzu, bis zu dem Punkte, wo der Reiz nicht mehr em- 
pfunden wird, so haben wir eine einfache Periode, welche 
aus zwei Theilen besteht: dem Zeiträume von der Reizung 
bis zur Empfindung des Reizes und dem zweiten von da ab 
bis zum Erlöschen dieser Empfindung. Eine Reihenfolge 
von Perioden wird aber nolhwendig hervorgebracht, sobald 
der Reiz selbst auf irgend einer periodischen Ursache be- 
ruht. Der Atbmungsprocess der Pflanzen im Tageslichte 



Ueber die organische Periode etc. 473 

und in der Nacht bietet eine vollständige vierundzwanzlg- 
stündige Periode dar, die unter den Tropen in zwei gleiche 
Hälften verfällt, dagegen im Polarsommer aus ungleichen Thei- 
len besteht Diese Periode umfasst aber wiederum alle jene 
kleineren Perioden, welche aus dem auf das Blatt einwirken* 
den Lichtreize, und der Reaktion auf denselben zusammen- 
gesetzt sind. Da es weder erwiesen, noch auch nothwen- 
dig ist, dass die Lichtwellen in einem ununterbrochenen Zu- 
sammenhange aufeinander folgen, so kann man sich ihre 
Wii^ung als eine aus einzelnen Reizungen zusammenge- 
setzte vorstellen, welche dadurch ununterbrochen erscheint, 
dass die Wirkung des neuen Reizes gerade in dem Zeitmo- 
mente eintritt, wo die Reaktion auf den vorhergehenden 
aufhört Tritt sie früher ein, so muss nach und nach die 
Reaclion gesteigert werden, indem die einzelnen Reactionen 
sich Summiren, und etwas dergleichen bemerkt man aller- 
dings in der täglichen Periode des Lebens zwischen Erwa- 
chen und Schlaf. 

In der Pflanze hängt die tägliche Periode mit der Ein- 
wirkung des Sonnenlichts und hierauf mit dem Ernährungs- 
Erscheinungen auf eine deutliche Art zusammen, im thieri- 
schen Leben lässt sich ein so einfacher Zusammenhang 
durchaus nicht nachweisen, und es ist völlig unbekannt, in 
welchem Zusammenhange die Erscheinung, dass Schlaf und 
Wachen auf eine vierundzwanzigstUndige Periode vertheilt 
sind, mit irgend einer andern Einwirkung der täglichen 
Umdrehung, den Lichtwechsel allein ausgenommen, stehe. 
So viel ist zugleich auch gewiss, dass das Thier und zu- 
letzt auch der Mensch aufsteigend immer mehr und mehr 
unabhängig wird von den Tageswechseln und dass die Ta« 
ges Periode, welche wir beim Menschen so leicht für eine 
physiologische Thatsache ansehen, im Grunde etwas ganz 
Anderes sein kann: nämlich eine Folge der bürgerlichen 
Gonvenienz. — 

Wenn man auch gegen diesen Ausspruch im ersten 
Augenblicke viele Einwendungen erheben zu können scheint, 
so wird er doch bei näherer Betrachtung immer mehr be- 
stätigt. Es ist richtig, dass Millionen Menschen zu bestimm- 



i7i ' Ueber die organische Periode etc. 

ter Tagesstunde zu wachen, zu schlafen, 2U essen und zu 
excerniren pflegen, dergestalt, dass alle diese Erscheinungen 
den Charakter einer vierundzwanzigstündigen Periode an 
sich tragen. Eben so richtig ist es aber auch, dass es >viU« 
kürliche Zeilvertheilungen sind, weiche diese Handlungen 
bestimmen, dass z. B. die Stunden der Mahlzeiten eben so 
verschieden sind, als diejenigen der Ausleerungen, dass sie 
da, wo eine unregelmässige Lebensweise geführt wird, 
auch fortwährend wechseln, dass sie bei Kindern, so lange 
ihnen noch keine bestimmten Gewohnheilen eingeprägt sind, 
eben so wie bei Thieren einen durchaus unbestimmten Um- 
lauf haben, dass Schlaf und Wachen weder in der Thier- 
weit noch in der Menschenwelt gleichmässig, vieiweniger 
nothwendig innerhalb 24 Stunden umlaufen, und dass also 
die Periode mehr einer willkürlichen als einer unwillkür- 
lichen Bewegung ihren Ursprung verdankt. 

Man kann dies bei einer der am meisten regelmässig 
erscheinenden Bewegungen, bei der DarmexcreUon, ganz 
deutlich nachweisen. Die Fähigkeit des Hastdarms, grosse 
Massen von Darmkoth aufzunehmen, und der äusserst kräf- 
tige Einfluss des Willens auf die Schliessmuskel machen es 
durchaus erklärlich, dass Erwachsene sich gewöhnen kön- 
nen, täglich in der Regel nur einmal und zu bestimmter 
Zeit zu Stuhle zu gehen. Untersucht man aber die Beschaf- 
fenheit der Ausleerungen, so findet man ein sehr mannig- 
faltiges Verhalten der Stoffe, welche aus mechanischen oder 
dynamischen Ursachen nicht verdaut werden können, in- 
dem einige sich bereits in der 8 — 10 Stunden nach der 
letzten Mahlzeit eintretenden Ausleerung wiederfinden, an- 
dere dagegen bis zum zweiten, ja bis zum dritten Tage zu- 
rückgehalten werden. Ersteres ist z. B. der Fall mit den 
Schaalen der meisten frischen, reifen Früchte, den Hülsen, 
Kernen und steinigen Goncrementen der Birnen, den Saa- 
menkeruen der Erdbeeren; überhaupt mit den Resten sol- 
cher Stoffe, denen eine geünd abführende Wirkung zuge- 
schrieben werden muss. Diese finden sich, sie mögen mit 
der ersten oder der leUten Mahlzeit genossen sein, regel- 
mässig in der 8 bis 10 Stunden auf letztere erfolgenden 



Ueber die organische Periode etc. 476 

gewohDten Ausleerung ein, fast immer in Begleitung einzel- 
ner uDzersotzter, mit Galle gefärbter Pflanzenzellen, deren 
gemeinschafUicher Ursprung beweist, dass .sie die Ueberre- 
ste des gesammten Ingests bilden. Dagegen wurden die 
unzersetzten Reste grob gekauter Mandeln, die Kerne der 
Rosinen, die Scbaalen der Hülsenfrüchte und unzerstörte 
Fellzellen von rohem Fleische bei meinen mehrmonatlichen 
wiederholten Beobachtungen immer erst mit der zweiten 
Entleerung ausgesondert. Der Farbestoff des Rothweins 
färbt die erste darauf folgende Entleerung nur massig, und 
die zweite stärker. Es besteht also hier gar keine be- 
stimmte Periode, sondern nur jenes zu Anfange bezeichnete 
Zeitverhältniss zwischen dem Reize und der Reaktion, wel- 
ches ganz offenbar nach der Art des Reizes verschieden 
auftritt. Eben so offenbar verschieden tritt die Ausleerung 
nach dem Individuum auf, wie dies aus der Vergleichung 
des Verhaltens der ersten Wege in den verschiedenen Le- 
bensaltern ganz deutlich hervorgeht. 

Was Schlaf und Wachen betrifft, so darf man es wohl 
ebenfalls eine Täuschung nennen, wenn man den Menschen 
in dieser Beziehung für abhängig erklären wollte von einer 
bestimmten Periode. Alles, was sich darüber sagen lässt, 
ist dieses. — Der Mensch bedarf allerdings einer im Ver- 
hältnisse zur Zeit des Wachens stehenden Zeit des Schla- 
fens, welche von dem Zeiträume der Kindheit bis in dem 
des Greisenalters abnimmt, dergestalt, dass gesunde Kinder 
viel, gesunde Greise wenig schlafen. Dieses Verhältniss ist 
aber einfach dasjenige der Dauer der Reizung zu der Er- 
regbarkeit; je mehr erregbar das Individuum ist, um so ra- 
scher muss die Reizung verlaufen und die Erregbarkeit sieh 
erschöpfen, und der eintretende Schlaf ist hiervon die na- 
turgemässe Folge. Wenn irgend eine entsprechende Rei- 
zung, Muskelanstrengung, reichliche Mahlzeit, Alkoholeinwir- 
kung und dgl., vorangeht, so wird die scheinbare 24stün- 
digs Periode sogleich gestört, oder der Eintritt der Schläf- 
rigkeit beschleunigt Wird sie dann Überwunden, so ist 
dies ein Act des Willens, der Erregung höherer Seelenkräfle, 
welche jenes Bedürfniss auf eine Zeit lang zu decken ver- 



476 Ueber die organische Periode etc. 

mögen. Irgend eine Hirnthätigkeit, welche nur in wachem 
Zustande ihrer selbst bewusst und wirksam wird, muss in 
diesem Falle hinreichend stark erregt sein, um die Erre- 
gung der Centraltheile des vegetativen Lebens, welche im 
Schlafe zum Vorherrschen und zu fast ausschliesslicher Gel- 
tung gelangt, zu ilberwinden und zu beherrschen. Die Or- 
gane sind aber hierbei vollkommen in gesunder Thätigkeit 
begriffen, nicht die geringste Störung, des Wohlseins geht 
aus der willkürlichen Yeränderuag der Scblafzeit hervor. 

Dieses sind Betrachlungen, welche sich an allgemein 
bekannte Thatsachen und daraus hergeleitete Schlüsse befe- 
stigen. Es verdient allerdings Anerkennung, dass man in 
neuerer und neuester Zeit versucht hat, den Zusammenhang 
zwischen den Lebens-Erscheinungen und jenen Urbedingun- 
gen des organischen Lebens, welche aus der Stellung der 
Erde im Welträume hervorgehen, aufzudecken und näher 
zu erforschen; jedoch wird es immer gerathen sein, von ei- 
nem mehr negativen und skeptischen Gesichtspunkte auszu- 
gehen, und insbesondere die relativen Werthe der einflies- 
senden Ursachen zu erwägen, indem es z. B. von vorn her- 
ein viel wahrscheinlicher ist, dass die Regelmässigkeit der 
Mahlzeiten regelmässige Ausscheidungen zur Folge haben 
müsse, als dass etwa eine lineare Schwankung des Baro- 
meters oder die Tagesstunde einen vorbestimmten Einfluss 
darauf übe. 

Von jenem skeptischen Gesichtspunkte dürfen wir selbst 
dann noch nicht lassen, wenn man uns Beobachtungsreihen 
darbietet, von deren Genauigkeit wir uns überzeugt ballen 
können, selbst wenn, wie dies im gegenwärtigen Augen- 
blicke die Lage des Schreibers ist, eme wtederholte Prüfung 
derselben noch nicht möglich geworden. Denn es handelt 
sich zuletzt doch um die Folgerungen aus den Beobachtun- 
gen und diese können unter Einräumung der Prämisse einer 
eigenen Kritik unterworfen werden. 

In den so eben in Karlsruhe erschienenen Untersuchun- 
gen über periodische Vorgänge im gesunden und kranken 
Organismus hat Hr. Dr. Schweig einen Weg eingeschla- 
gen, welcher ganz übereinstimmend erscheint mit den Re- 



Ueber die organische Periode etc. 477 

geln der NaturforscbuDg, und woauf der Verf. bei einer 
Versuchsreihe über die relative Menge der Ausscheidungen 
im kranken Zustande geleitet wird. Da sich hierbei zu er- 
geben schien, „dass die Versuche nicht zu allen Zeiten glei- 
che Resultate lieferten, aber gleiche Zeiten ein gleiches Re- 
sultat begünstigten/' und da es ein unwiderleglicher Schluss 
ist, dass die Verschiedenheit der Erscheinungen in der Zeit 
auf eine proportionale Verschiedenheit in der Zeit der Ur- 
sachen zurückzuführen sei, so ergab sich die Qewissheit, 
dass das bei pathologischen Vorgängen Beobachtete el^en 
sowohl bei den physiologischen gelten müsse; wodurch sich 
der Versuch, die Art dieser Geltung durch die Beobachtung 
zu bestimmen, ' wissenschaftlich rechtfertigte. Hr. Schweig 
wandte seine Aufmerksamkeit zunächst auf das Verhalten 
der Harnsäure. Nach einigen allgemeinen Betrachtungen 
über andere Ausscheidungen rechtfertigt er die. Wahl die- 
ses Stoffes durch den aufgestellten Satz: dass zwar bis 
jetzt die Bestandtheile einer Excretion wechselseitig keine 
Uebereinstimmung haben erkennen lassen, dass aber, wenn 
sich ein wesentlicher (Aussonderungs-) Stoff in seiner Menge 
erhebt oder vermindert, man beim normalen Gange der 
Maschine im Allgemeinen gewiss sein könne, dass alle an- 
dern es ebenfalls thun, und dass folglich die dauernde 
Beobachtung eines einzigen (wesentlichen) Bestandtheils ei- 
ner Excretion den allgemeinen Schluss auf Gang und Inten- 
sität der letzteren zulasse. Dieser Satz könnte lebhaft be- 
stritten werden, indessen bleibt dies in soweit unerheblich 
und Nebensache, als man die bei der Harnsäure gefunde- 
nen Resultate für sich allein in ihrem periodischen Verhal- 
ten betrachten kann. Dagegen ist es nicht su billigen, 
wenn hier gleich zu Anfang der Untersuchung als Axiom 
aufgestellt wird: dass die Schwankungen in den Absonde- 
rungen entweder von der Lebensweise und äusseren Ein- 
fklssen herrühren, oder durch die verschiedene Wirkung 
der Zeit bedingt seien und dass diese letzte so deutlich und 
durchgreifend sei, dass die von ersteren hervorgerufenen Aen- 
derungen nicht im Stande sind, sie auf längere Zeit zu ver- 
wischen und zu vertilgen. Denn eben dies, dass eine dun« 



478 Ueber die organische Pwiode etc. 

kele Ursache, deren Wirkung wir als periodische Ausglet- 
chang der Secretionen erkennen, wirklich vorhanden sei, 
muss durch zwei Beweise entschieden werden; einmal durch 
den von einer solchen bestehenden periodischen Ausglei- 
chung, sodann aber durch den, dass Letztere aus den be- 
kannten und offenbaren Ursachen des* Wechsels nicht er- 
klärt werden könne. 

Nach den Untersuchungen des Verf. bewegt sich der 
Hamsäuregehalt des Harns zwischen 0,0000 und 0,001.^ und 
zwischen diesen beiden Grenzen geht im gesunden Oi^ga- 
nismus die Menge der Harnsäure in verschiedenen Progres- 
sionen vom plus zum minus und umgekehrt ab und auf. So 
fand sich u. A. am 9ten Mai 1841 

Menge der Harnsäure 
in 100 Gr.Ham in 1 Stunde 

a) Abends 10 Uhrb.Morgens5Uhr 0,026 Gr. 0,016 Gr. 

b) Morgens 5 - - r 10 • 0,012 - 0,008 - 

c) * 10 • -Mittags 12 - 0,006 - 0,004 - 

d) Mittags 12 * - - 1 - 0,003 - 0,001 • 

e) . 1 - - - 2 - 0,019 - 0,007 - 

f) . 2 - - - 3 - 0,040 - 0,016 - 

g) - 3 • - - 4 - 0,019 - 0fii9 - 
h) - 4 - - - 6 - 0,016 - 0,004 - 

Es verhielten sich also die Mengen der Harnsäure in 
100 Grammes Harn 

a: b: cid, femer e : f: g : h 
» 4:2:1 * ^ - 6:10: 5: 4 

und dieselben Mengen Säure während einer Stunde >« 
16:8:4:1 und » 2:4:5:1. 

Der Verf. legt einen hohen Werth auf diese „bewun- 
demswerthe Genauigkeit '' in den Zahlen-Verhältnissen, die 
durch eine grosse Menge von der angeüihrten analogen Beob* 
achtungen erwiesen werden soll. Wir müssen dagegen 
aufmerksam machen auf das Willkürliche sowohl in dea 
ZeitabschniU^ als in der Feststellung der Verhältnisszahlen, 
welche sich einer offenbaren Inoongruenz nur durch Sonde- 
rung io zwei von einander unabhängige Reihen entziehen 
kann. Nun aber fällt es auch zugleich ins Auge, dass die 



Ueber die organische Periode eto. 



479 



zweite Reihe (o bis h) mit den Veränderungsproducten aus 
der zwischen 12 und 1 Uhr eingenommenen Mittagsmahl- 
zeit beginnt, und dieser Einfluss der Mahlzeiten wird bei 
den aus 1520 Versuchen in den Wintern 1841 und 43 ge- 
wonnenen Durchschnittszahlen dergestalt bestätigt, dass hier' 
der schfitzenswertheste Erfahrungsbeweis für die Ri